Montag, November 11, 2013

Rücksicht geht uns über alles!

[Von Bastian]
Langsam finden wir unseren Platz in der Welt. Es ist der Platz derer, die zuvorkommend sind. Der Platz derer, die andere vor Unbill bewahren, von der die gar nichts wissen. Rücksicht sei unser Name, Augenhöhe mit jedermann unsere Natur.
Wir diskutieren die Abschaffung von Festen (LINK) aus Rücksicht auf Leute, die gerne mitfeiern (LINK). Und wenn wir damit nicht durchkommen, geben wir uns kritisch und schlachten wenigstens Martins Pferd (LINK). Wir entfernen religiöse Symbole, um die Religiosität anderer zu schützen (LINK). Wir hängen in Galerien Bilder ab, weil wir vermuten, andere könnten, wenn sie es ernst nähmen, weil sie (wenn wir uns nicht irren) so gestrickt sein müssten, unter Umständen daran Anstoß nehmen (LINK). Gefragt haben wir sie nicht.
Niemals wären wir bereit, etwas wie eigene Kultur hochzuhalten, einfach weil es unseres ist und wir Freude daran haben – das sei uns fern! Denn nicht unsere Freude sei unser Leitziel, sondern die potentielle Nicht-Freude anderer. Aus der klaren Erkenntnis, dass, wenn alle aus Rücksicht auf ihre Freuden verzichten, die Welt ein wenig fröhlicher wird. Oder so.

Wir sind überzeugte Anhänger des Multi-Kulti, zu dem wir allerdings mangels eigener Identität kein Kulti beisteuern können. Umso lauter fordern wir Offenheit für das Multi. Das allerdings ohne zu begreifen, dass jemand, der die Vielfalt der Kulturen fordert, ohne selbst eine beizusteuern, sich als Kulturschmarotzer outet.
Wir sind der wandelnde Widerspruch-in-sich, der gerade mit seinem Hauptziel, nicht zu stören, anderen furchtbar auf die Nerven gehen kann. Doch da die Rücksicht für uns nicht verhandelbar ist, hilft nur eines: noch mehr Rücksicht, bis keiner mehr merkt, dass es uns gibt. Denn erst, wenn wir weg sind, haben wir wirklich guten Einfluss auf die Welt. Oder so.

Kommentare:

  1. Das ist aber wunderbar auf den Punkt gebracht. Und ich meine wir üben ja schon fleißig daran dafür zu sorgen, das uns nicht nur keiner mehr bemerkt, sondern, dass es uns gar nicht mehr gibt!

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  2. Exzellent!
    Erlaube mir zu verlinken!

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  3. Ja mei, dann bitt di gar schön wählt halt nicht solche Leute. Ich bin mir sicher, gut 95% der Bevölkerung tippen sich auf die Stirn zum Thema Sonne-Mond-und-Sternefest und möchten gerne weiterhin einen Christbaum, Kirchenglocken und was sonst noch so anfällt im Jahreskreis. Ihr dürft hier wählen, Ihr habt doch letztlich in der Hand, wer in einer Position mit Öffentlichkeitswirkung landet. Der Reflex muss doch sein "Sonnemondesternfest" => Papierkörbe voller entrüsteter Briefe aus der Bevölkerung. (Ich zahle hier zwar Steuern, habe aber kein Wahlrecht, und bin immer wieder fasziniert darüber, wen der deutsche Wähler so an die Spitze hebt.)

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