Sonntag, Dezember 04, 2016

4. Türchen, Betrachtungen


Betrachtungen von Papst Franziskus

Auszüge aus bisher unveröffentlichten persönlichen Ansichten eines Oberhirten.




Es ist eine Freude, die neuen bisher unbekannten Betrachtungen von Franziskus auf sich wirken zu lassen. Denn was könnte aufbauender sein, als auf diese Weise hineingekommen zu werden in die unmittelbare Nähe unseres Heiligen Vaters, den man so auf völlig neue Weise kennenlernt.
Vier Betrachtungen sind es, für jeden Adventssonntag eine. Nehmt Euch die nötige Ruhe und Zeit, damit die Betrachtungen das Herz und das Gemüt erreichen und erhellen können.
Und immer tiefer werden wir in das Geheimnis hineingeführt.

























  1. Am ersten Adventssonntag setzt man sich dem Blick des Geschehens aus, betrachtet es sozusagen frontal.
  2. Am zweiten Sonntag löst man sich von der eigenen Betroffenheit. Man tritt einen Schritt zur Seite und betrachtet so aus einer neuen Perspektive.
  3. Nun ist man darauf vorbereitet, an diesem Sonntag hinter die Dinge zu schauen, sozusagen die Rückseite der Medaille kennenzulernen. Sie ist nicht weniger faszinierend, wenn sie einen auch seltener anspricht.
  4. Am vierten Advent schließlich nähert man sich der Perspektive Gottes an. Von oben betrachtet scheint alles kleiner, aber nicht weniger wichtig. 
Echo Romeo wünscht allen ein wahrhaft erbauliches Betrachten und ein reich gesegnetes Weihnachtsfest.

Morgen erbaut uns Josef Bordat.

Montag, November 28, 2016

Halt, rote Linie!

Was macht man, wenn eine mathematische Gleichung nicht aufgehen will? Ganz einfach: man zwingt sie dazu. Per Gesetz. Frei nach Woody Allen, der auch bereits vorschlug, bisher unlösbaren Gleichungen Repressalien anzudrohen.
Ehrlich gesagt mag ich solche Witze. Absurditäten können unterhaltsam sein. Also gleich noch so einen: Was macht eine Arbeitsministerin, wenn die Rente zu teuer wird: sie verbietet das. Per Gesetz. Womit wir mit den Witzen am Ende wären, denn dies ist die Realität.

Ein neues Rentenkonzept wurde vorgelegt. Zwei „rote Linien“ gibt es darin, die nie und nimmermals überschritten werden dürfen: die Rente darf einen bestimmten Betrag nicht unterschreiten, die Beiträge dafür dürfen einen bestimmten Betrag nicht überschreiten. Und wenn das nicht passt? Wenn auch die höchsten erlaubten Einnahmen nicht reichen, die niedrigste erlaubte Rente zu finanzieren, was in wenigen Jahren der Fall sein dürfte? Ich meine, was soll das? Macht sich die Rente dann strafbar?
Kein Mensch hat etwas von solchen Regelungen, die so absurd sind, dass nicht einmal das Wort peinlich darauf noch passt. Sie besagen nichts anderes als: ab einem bestimmten Betrag wissen wir nicht weiter und greifen in die Steuerkasse. Wer hätte das gedacht. Dann gibt es eben höhere Steuern, vielleicht einen Rentensoli. Die Regelung jetzt ist nichts anderes als die Legitimierung der Verlegenheit demnächst. Der Bescheid, den man dann bekommt, hat ungefähr diesen Inhalt:

Lieber Bürger, wir bräuchten monatlich 100,-€ mehr von dir, um die Renten zu bezahlen. Da wir den Beitrag nicht erhöhen dürfen, bekommen wir künftig eben 100,-€ Rentensoli von dir. Da dieser neue Soli allerdings einen erheblichen Verwaltungsaufwand bedeutet, erhöht sich der Beitrag um 20%. Der Betrag von monatlich 120,-€ wird künftig mit der Steuer automatisch einbehalten.
Viele liebe Grüße, Rentenkasse und Finanzamt.

Vom Konzept her übrigens eine feine Sache: da Renten besteuert werden, zahlen die Rentner so ihre eigene Rente. Ich höre es schon: „Wer verbraucht, soll auch einzahlen“ oder Ähnliches – irgendein brauchbarer Slogan, der nach gerechter Verteilung klingt, wird sich dafür schon finden lassen.
Wenn die Politik mir einmal nicht in die Tasche greift, dann nur deshalb, weil sie Zugriff auf mein Konto hat. Bezahlen werden alles die jetzt jung sind. Deren Eltern werden übrigens weniger Rente bekommen, da sie Rentenzahler großzogen, anstatt zu arbeiten, ihre Energie also in die einzige Tätigkeit steckten, die auch künftig Renten garantiert, allerdings nicht bezahlt wird. Ich habe es meinem Sohn schon erklärt: Du wirst die Renten bezahlen, die in deiner Arbeitszeit anstehen. Die geringsten wirst du deinen und anderen Eltern bezahlen, weil die so große Kinderpausen hatten. Die höchsten wirst du denen bezahlen, die Karriere statt Kindern wollten. Das ist nur gerecht so. Er hat mich verstanden.
Rote Linien? Kein Politiker bleibt davor stehen. Der für Staatsmänner ausgerollte rote Teppich ist nichts als das Symbol der roten Linien, die er schon überschritten hat. Je mehr, desto länger.
Feierlich und selbstverständlich nur zu unserem Wohl.

Donnerstag, November 10, 2016

Wissen macht machtlos!

Die Meinungsforscher wussten, dass Clinton gewinnt.
Die Presse wusste, dass Trump letztlich keine Chance hat.
Die Fachleute wussten, dass die Aktien einbrechen, sollte Trump gewinnen.
Das wussten die schon immer. Verlasst euch drauf!
Das war vor der Wahl.

Jetzt ist nach der Wahl.
Heute weiß die Presse, warum es gar nicht anders kommen konnte.
Heute weiß die Presse, was kommen wird.
Heute weiß die Politik, dass das auch bei uns passieren kann. Und sie zittert. Denn sie hat ein Problem: die einzige Lösung, zu der sie sich aufraffen kann, ist, noch stärker genau so weiter zu machen, wie bisher.
Maybrit Illner zeigte es:
Alice Schwarzer weiß, dass ungebildete weiße Männer die Ursache waren, weil sie mit einer starken Frau nichts anfangen konnten.
Lafontaine weiß, dass die soziale Kluft die Ursache ist, die wiederum daher rührt, dass die Menschen nicht links genug sind.
Aus dem Lager der Grünen heißt es: „Wir müssen den Menschen noch besser erklären, was wir tun!“
Mehr vom Alten.
Fazit: der Schuss wurde gehört. Er soll die anderen aufrütteln.
Die Politik schaut von den Menschen weg und versteht den Tritt, der notgedrungen von hinten kommt, als beschleunigenden Impuls in ihre Richtung. Denn jeder hat eine ganz besondere Qualität in diesem ganzen Tohuwabohu: er kennt sich aus und weiß. Als einziger, versteht sich.

Politik und Presse sind gefangen in ihrem Anspruch an sich selbst, immer den Weg zu kennen und der Bevölkerung zu vermitteln. So gefangen, dass sie lieber blanken Unsinn von sich geben als einfach einmal still zu sein. Und damit verpassen sie das Entscheidende: das Hören, weil sie ständig reden. Sie, die immer alles wissen, übersehen das Banalste, das in jedem Kommunikationstraining gelehrt wird: erst einmal den Anderen reden lassen. Ihn fragen lassen. Vertrauen schafft man, indem man sich Fragen anhört und sie stehen lässt. Beantwortet man sie sofort, schafft man Abneigung. Doch zu dieser Erkenntnis sind Politik und Presse unfähig. Schon prasseln wieder Antworten und Erklärungen auf uns ein, ohne Basis, oft mit einer Halbwertszeit von nur Stunden. Antworten und Erklärungen, die nur noch nerven.

Niemandem fällt auf, was Trump sagte: „Ihr werdet nicht länger ungehört bleiben!“
Er versprach zu hören. Und das kam an. Die teils abstrusen Antworten, die er gab, waren kein besserwisserisches Herunterleiern von Lösungen, die niemand mehr hören wollte, sondern Impulse, die die Stimmung aufgriffen, die er hörte. Nicht weil sie jeden Latino rauswerfen wollten, wählten sie ihn, sondern weil sie merkten: der hat uns zugehört. Denn eins wissen die Wähler genau: Politiker und Reporter, die alles wissen, haben keine Ahnung. Und sie vertrauen dem, der vermittelt, zuzuhören und die Ärmel hochzukrempeln.

Unsere Politik hingegen und unsere Presse sind nicht nur unfähig, zu hören – sie verteufeln das Hören noch dazu. „Populismus“ ist die Diagnose, die sie jedem zuordnen, der auf die Menschen einzugehen versucht. Sie sind es gewohnt, Ungeliebtes so zu bedrängen und zu ächten, dass es sich wieder zurückzieht. Und sie überlassen das Hören anderen. Eine Frage der Zeit, bis sie sich verwundert die Augen reiben, weil sie entmachtet wurden.
Und wir können froh sein, wenn wir mit denen, die dann an die Macht kommen, nicht ins totale Chaos versinken. Die danach greifen, sind mehr als bedenklich.

Mittwoch, November 09, 2016

Trump und Chesterton

Anlässlich der Wahl in den Staaten ein paar Gedanken von Chesterton zum Konservativismus:
Wer das Alte, das er für wertig erkannt hat, erhalten will, darf nicht konservativ, sondern muss progressiv sein. Zum Erhalt braucht es immer wieder eine Revolution. Wer seinen weißen Gartenzaun erhalten will, darf ihn nicht sich selbst überlassen, sondern muss ihn regelmäßig neu streichen, sonst wird er schwarz. Bewahren geschieht durch regelmäßige Erneuerung. Erneuert man es nicht, wird man von dem, was man zu bewahren versucht, letztendlich tyrannisiert. Soweit Chesterton.
Was in den USA geschehen ist, war der Versuch einer derartigen Erneuerung: die Revolution mit dem Ziel des alten großen Traumes. Abgestraft wurde hingegen die Kandidatin, die das Establishment in seiner Entwicklung belassen und nichts ändern wollte. Es ist ein Sieg des Progressivismus über den Konservativismus.
Kein Mensch weiß, was daraus werden wird. Der Wahlkampf legt Übles nahe. Jeder Moderator und Schreiber versucht derzeit, sich mittels analytischer Gedanken als Prophet zu erweisen. Keinem gelingt es und das meiste wirkt peinlich. Vor allem deshalb, weil die Schablone, die angelegt wird, lautet: Clinton = progressiv, Trump = konservativ. Diese Schablone ist falsch; sie beruht darauf, bestimmte Positionen als beweglich anzusehen und andere als unbeweglich, was Unsinn ist. Und so haben weltweit Progressive Angst vor Veränderungen, die sie als Stillstand kennzeichnen, und viele Konservative freuen sich darüber, dass nichts beim Alten bleiben wird. Schlechte Voraussetzungen für eine politische Zusammenarbeit.
Was in den USA geschieht, ist ein Aufbruch. Weiß der Kuckuck wohin.

Sonntag, Oktober 30, 2016

Zensur?

Eine Unart der Auseinandersetzung, von deren Beispielen die Kommentarspalten katholischer Posts oft voll sind:

  • Diese Aussage könnte auch von Lafontaine sein!
  • Das sind linksgrüne Forderungen!
  • Wie kann man den zitieren? Der ist doch bekannt für seine antikirchlichen Positionen!
  • Etc…

Darf ich als Katholik Dinge nicht sagen, weil die Falschen sie schon sagten? Können mir folglich diese Personen faktisch vorschreiben, was ich sagen oder denken darf?

Es ist kaum möglich, ein umweltpolitisches Problem anzuschneiden, ohne Kommentare dieser Art zu hören oder lesen. Auch bei sozialen Fragen ist es ähnlich: es gibt Unpersonen, und deren Themen sind Unthemen. Ein Unding!
Viele genau der Christen, die bei Fragen der Sexualität (mit Recht!) sofort zwischen Sünder und Sünde zu differenzieren wissen, sind in anderen Fällen nicht einmal in der Lage, Problem und Lösung zu unterscheiden. Sie reagieren ganz so als würde ich, sehe ich ein Problem, automatisch eine falsche Lösung dafür unterstützen, nur weil sie bereits gesagt wurde.
Also als meine Kinder klein waren, habe ich jedem zugehört, der feststellte, sie hätten die Windeln voll, völlig wurscht ob der Entdecker nun dafür war, Pampers zu nehmen oder Ökowindeln. Mich hat die Info interessiert, nicht dessen Weltanschauung. Mir kommt es vor, als seine viele Schreiber in Blogs und auf facebook der Meinung, man dürfe Kinder nur wickeln, wenn, mit Verlaub, die Scheiße von einem moralisch unbedenklichen Menschen entdeckt und benannt wird. Und so bleibt viel Scheiße liegen und stinkt zum Himmel, weil es für Christen (Bürger, Konservative etc…) nicht opportun ist, sie zu sehen, da Lafontaine bereits reingetreten ist. Heraus kommen Diskussionen, bei denen man sich die Haare raufen will.
Glatzköpfige Intellektuelle tun mir leid!

Donnerstag, Oktober 20, 2016

Gelungen und gesegnet

Wenn sich das Bistum zur Wallfahrt nach Rom aufmacht, sollte man mehr als eine Gruppenreise in frommer, netter Gemeinschaft erwarten, denn man bekommt mehr: ein kleiner Bericht über eine beeindruckende Reise.


Am Montag, dem 10.10., ging es los. Zur Wallfahrt passte die Herrgottsfrühe, in der wir aufstehen mussten, um rechtzeitig am Flughafen zu sein. In guter Stimmung flogen wir nach Rom, fuhren dort in unsere Unterkunft „Casa Mater Mundi“, bezogen unsere Zimmer, die schon fertig auf uns warteten, bekamen ein paar Informationen und hatten erst einmal bis zum Abend frei. Mancher blieb im Gästehaus, das von Schwestern betrieben wurde und einfach, aber sehr nett und gut geführt war. Andere nutzten den Tag in der Stadt, bis wir uns am Abend gegen 20:00h alle auf dem Platz St. Maria in Trastevere trafen. Die Anfahrt erfolgte in Eigenregie, was im Wesentlichen bedeutete, zu warten: der ÖPNV Roms trug sicherlich einen wesentlichen Teil dazu bei, dass man merkte, in einem anderen Land zu sein, bei längerer Wartezeit in einer anderen Kultur und sich am Ende gar in einer anderen Welt wähnte. Dieses Grauen hat einen Namen, oder besser, eine Nummer: 870, der Bus, auf den wir mindestens 15min, höchstens aber 70min warteten. Eine Tatsache, die über die ganze Woche hinweg Gesprächsstoff lieferte, doch letztlich nichts verdarb: am Ende funktionierte immer alles.
In Trastevere nahmen wir dann teil am Abendgebet der Gemeinschaft Sant´Egidio und wurden von unserem Kardinal begrüßt. Diese Gemeinschaft engagiert sich sozial als gelebte Nachfolge Jesu. Ihre Grundlagen sind Gebet, Solidarität, Ökumene und Dialog – ein Einblick, der nachdenklich machte. Nach dem Abendgebet gab es „Brot und Wein“, ein gemeinsames Abendbrot mit interessanten Gesprächen. Reisebusse brachten uns nach Hause – eine Erleichterung.


Am nächsten Morgen, Dienstag 11.10., geht es früh weiter: 9:00h Treffen vor der Engelsburg. Anfahrt wieder in Eigenregie, also Aufbruch noch deutlich vor 8:00h. Viele sind müde. Von der Engelsburg geht es gemeinsam in einer Prozession zum Petersplatz und durch die dortigen Kontrollen. Es ist traurig zu erleben, wie die Kirche ihr Zentrum, das offen für alle sein soll, schützen muss. Doch nach der Kontrolle geht es in den Dom, durch die Heilige Pforte, die das Eintreten in die barmherzige Gegenwart Gottes versinnbildlicht. Viele bekreuzigen sich, berühren kurz die Türflügel. Es ist bewegend und still, der Schritt verlangsamt sich. Die Andacht ist greifbar und dicht, fast als könne man die gewährten Gnaden mit den Sinnen wahrnehmen. Auch das „Avanti, avanti!“ der Türsteher änderte daran nichts: es ist der Eintritt ins Herz der Kirche. Ein großes Herz im wahrsten Sinne: als sich die weit über 1000 Pilger am Altar der Kathedra versammelt haben, ist vom Dom nur ein kleiner Teil besetzt. Der Publikumsbetrieb geht weit hinter uns seinen gewohnten Gang, während wir mit unserem Kardinal die Heilige Messe feiern.
Der Nachmittag kann zum Besuch „besonderer Orte“ genutzt werden. Engelsburg, Katakomben, Petrusgrab, Radio Vatikan und vieles mehr steht zur Auswahl, wenn es gebucht wurde: viele Führungen erfolgen in kleinen Gruppen. Meine Familie und ich besuchen in Eigenregie das Pantheon und trinken am Platz davor einen Kaffee, der im Vergleich zur Heimat mindestens um so viel besser ist wie der ÖPNV schlechter.
Es beginnt zu regnen. Ich weiß nicht, was Petrus wollte, aber er wollte es nachdrücklich: in kurzer Zeit sind wir so nass, dass nur noch ein Taxi nach Hause uns helfen kann. Alles klebt klitschnass am Körper, auch wenn der Himmel inzwischen wieder großenteils blau ist. So verpassen wir und etliche andere die Lichterprozession durch die vatikanischen Gärten, die verspätet und verkürzt am Ende doch noch stattfand. Sehr schade.


Am Mittwoch, 12.10., ist Papstaudienz. Um 8:00h sollen wir am Petersplatz sein – mit Ausschlafen wird das nichts in Rom. Sogar an diesem Tag gibt es ein Morgengebet. Inzwischen ist auch bei mir angekommen, dass man die Linie 870 vermeiden kann, wenn man etwas weiter bis hinunter zum Supermarkt geht – dort fahren gleich zwei Linien, und beide häufiger. Auf dem Petersplatz kommen wir in den bestuhlten Bereich vorn in der Mitte. Wirklich viele Stühle stehen da. Ein kurzer Überschlag – Stühle pro Reihe mal Anzahl der Reihen mal Blöcke – ergibt rund 20.000 Stühle. Und sie bedecken doch nur einen Teil der vorderen Hälfte des Platzes.
Ein Sprecher begrüßt die anwesenden Gruppen – allein die Aufzählung und der kurze Jubel der genannten Gruppen dauern eine viertel Stunde. Als der Papst kommt und die Reihen abfährt, stehen plötzlich viele auf den Stühlen. Man sieht fast nichts mehr, aber das ist auch nicht nötig, denn das Papamobil ist hoch, und oft scheint Papst Fanciscus über den Reihen zu schweben. Er strahlt, winkt und segnet. Ein paar Kinder nimmt er ein Stück mit im Papamobil. Es ist heiter, wie überhaupt die Stimmung Roms in seinen großen Kirchen heiter ist. Die Predigt ist ein Aufruf, die Nachfolge Christi im Leben umzusetzen. Sie behandelt besonders die sieben leiblichen und die sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit. Genaueres hier: LINK
Die päpstliche Ansprache ist auf Italienisch, doch danach wird sie in vielen Sprachen zusammengefasst, von Sprechern, die bei dieser Gelegenheit den Papst grüßen und ihm danken. Dass einer von ihnen den Heiligen Vater versehentlich mit Johannes bezeichnet, lässt viele zusammenzucken – den Papst selbst allerdings nicht. Es ist schön, den Heiligen Vater zu treffen. Ja, wir sind wirklich in Rom, im Herzen der Kirche.
Nach der Audienz ist freie Zeit. Ich besuche das vatikanische Museum und die Sixtina. Die Vorstellung, dass hier das Konklave abgehalten wird und der Heilige Geist wirkt, trifft mich mehr als alle Kunstwerke, obwohl die wirklich gewaltig sind. Hinterher bin ich sehr müde. Keiner meiner Familie schafft es, am Treffen in Sant’Ignazio mit Abendgebet und offenem Singen teilzunehmen.


Donnerstag, 13.10. Nach Morgengebet und Frühstück ist der Vormittag und frühe Nachmittag wieder frei für die „besonderen Orte“. Wir besuchen die Domitilla-Katakomben. Die Anfahrt erfolgt in Eigenregie. Bitte pünktlich, wegen der geplanten Führung. Wir schauen auf den Stadtplan, den wir erhalten haben: dort sind die Katakomben eingezeichnet, zwischen zwei Brücken am Tiberufer. Wir fahren dorthin. Doch vor Ort gibt es nichts, was nach Katakomben aussieht. Wir fragen und erfahren zu unserem Erstaunen, dass sie ca. 7km entfernt liegen. Das Handy sagt: 2h zu Fuß. Wir sind ratlos. Plötzlich taucht ein Mann auf, der neben uns auch andere Ratlose einsammelt, und erklärt: was im Plan eingezeichnet ist, sind nicht die Katakomben, sondern der Abfahrtsplatz dorthin. Die Anreise ist im Viator-Bus, in Eigenregie erfolgte nur die Anreise zur Anreise. Das soll man wissen? Doch wieder: am Ende klappt alles.
Die Gruppe ist nett. Der Ausflug enthält neben den Katakomben vorab noch einen Besuch der Kirche, die dort errichtet wurde, wo Paulus enthauptet wurde, im Kloster Tre Fontane. Drei Quellen sollen dort entsprungen sein, wo das Haupt des Apostels nach seiner Hinrichtung im Jahre 67 den Boden berührte. Die Quellen und die Hinrichtungsstätte sind hinter Glas, aber ganz nah – bewegend!
Dort zu beten ist – irgendwie anders!
Nach Tre Fontane geht es in die Katakomben.


Die Führung hat eine junge Frau, die die Gänge so gut kennt, dass sie anderen Gruppen ausweichen und den Weg improvisieren kann. Bei 17km Gängen auf 4 Ebenen eine wirkliche Leistung! Eine schwer zu beschreibende Faszination geht von diesem Ort aus, der seinerzeit so grauenvoll gerochen haben muss, dass in den Licht spendenden Öllampen stets auch Parfümöl verbrannt wurde. Doch es ist nicht Makabres oder Morbides hier, sondern Stille und Ruhe. Interessant ist es überdies. Die meisten Grabstätten sind offen, da Eindringlinge einst nach Grabbeigaben suchten, bei den Christen jedoch nichts fanden und deshalb das einzige mitnahmen, was Wert hatte: die Ton- und Marmorplatten, mit denen die Grabnischen verschlossen waren. Im feuchtwarmen Klima der Gänge ist von den Gebeinen heute nichts mehr übrig, außer manchmal einem hellen Fleck auf dem porösen Gestein. Mit den Platten, die übrig bleiben, wurde die dazugehörige Kirche eingerichtet und geschmückt.


Am Abend ist Messe mit unserem Kardinal in der Lateranbasilika. Noch eine Heilige Pforte und schon die zweite der ganz großen katholischen Kirchen, an deren Altar wir feiern dürfen.


Am Freitag, 14.10., ist nach Morgengebet und Frühstück wieder Zeit für „besondere Orte“. Wieder nehmen wir die 870 und warten 20min. Unser Pastor schafft es, auf die Sekunde genau zur Abfahrt zu kommen – das muss eine besondere Amtsgnade sein!
Für mich bringt dieser Tag das intensivste Erlebnis der Fahrt – ich bin noch immer damit beschäftigt, es zu verarbeiten: Meine Familie und ich besuchen das Petrusgrab unter dem Dom. Die Führung ist hervorragend. Ein junger Priester, der bestens Bescheid weiß, zeigt uns, was es zu sehen gibt: Fundamente, die über 1000 Jahre alt sind, schon den ersten Dom trugen und teilweise aussehen, als wären sie gestern gemauert. Sarkophage der ausgegrabenen römischen Nekropole, deren Reliefs und Inschriften teils die römischen, teils die ägyptischen Götter anrufen. Dazwischen auch Sarkophage mit christlichen Texten und Motiven. Gott zwischen Göttern – die Situation der frühen Christen. Ca. 10m unter dem Altar des Petersdoms dann das erste Grab des Petrus, über dem man mehrere kleine Monumente errichtet hatte, deren Fundament ein Gewölbe über der Grabstelle hatte: das Märtyrergrab wurde nicht angetastet. In die Wände eingeritzte Fürbittgebete, die den Ort bestätigen. Doch das Grab ist leer, als einziges der vielen dort: als in einer Verfolgungszeit sogar die Gräber geschändet wurden, brachte man - für Forscher ein wichtiges Indiz - genau diese Gebeine in den Sebastianus-Katakomben in Sicherheit. Auch dieser Ort wurde gefunden. Als dann der erste Petersdom gebaut wurde, wurden die noch übrigen Gebeine zurückgeholt und nahe der ersten Grabesstätte in einer Nische in den Kirchenfundamenten erneut beigesetzt. Dort fand man sie bei den Grabungen. Die Knochen wurden inzwischen untersucht: es sind die Überreste eines Mannes, der 60-70 Jahre alt wurde, in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts starb und möglicherweise viel am Wasser arbeitete. Dass wir an dieser Nische standen, die freigelegt wurde, die Gebeine sahen und dort gemeinsam beteten, dafür fehlen mir die Worte.
Ob das alles stimmt? Was ich hier schreibe, ist was ich verstanden und behalten habe. Beweisen kann man es nicht. Doch wie es auch in der Führung gesagt wurde: unser Glaube beruht auf geschichtlichen Ereignissen, nicht auf Sagen. Christus hat auf Erden gelebt, ebenso Petrus und Paulus. Wir dürfen nach diesen Tatsachen suchen und der Wissenschaft trauen, wo sie Aussagen dazu machen kann. Es ist ein starkes Erlebnis, vor diesen Tatsachen wirklich zu stehen!


Am Grab des Petrus darf man nicht fotografieren. Doch diesem Ort auf dem Foto ist es ganz nah: ca. 10m darunter, ca. 10m nach vorn: der Altar des Petersdoms steht darüber.
Der Abend ist der letzte in Rom. Die Abschlussmesse ist in Sankt Paul vor den Mauern. Die Dritte der großen Kirchen in Rom, und wir feiern dort mit unserem Kardinal die Messe. Wieder eine Heilige Pforte. Für mich mit Abstand die eleganteste der großen Kirchen.


Nach der Messe gibt es vor der Kirche gute Nudeln, Getränke und wie immer eine schöne Gemeinschaft. Unsere Bischöfe sind wieder dabei.
Dann werden die einzelnen Unterkünfte per Schild zusammen gerufen. Nach Hause geht es im Viator-Bus – eine große Erleichterung, da es morgen sehr früh losgehen muss. Deshalb trifft man sich an diesem Abend im Gästehaus auch nicht auf ein Glas Wein, wie an früheren Abenden oft: es war eine schöne Gemeinschaft!


Man kann nicht alles erzählen. Von den ganzen Gesprächen, der Stadt, den anderen Kirchen, den Gassen, dem Kaffee und dem italienischen Essen. Jede der Predigten hätte eine ausführliche Zusammenfassung verdient! Es war viel.
Der Rückflug war dann schließlich, wie Rückflüge eben sind: man war eher müde und voll mit Eindrücken. Eindrücke, die noch lange nachwirken werden. Dafür ein herzlicher Dank an alle Organisatoren und Reiseführer, besonders aber an unseren Kardinal Woelki, unsere Bischöfe und an unseren Pastor für Messen, Gebete und Segen. Es war für mich eine rundum gelungene Fahrt.

Dienstag, Oktober 18, 2016

Die Pilotenfrage

Vor etlichen Jahren war ich in der Ausbildung zum Fluglotsen. Ich habe sie damals nicht beendet, sondern mich umentschieden. Doch ich bin weit genug eingestiegen, um mitreden zu können.
Das Thema „Konfliction“ war damals immer präsent – der Fall, dass zwei Flieger den Mindestabstand unterschreiten. Im Grunde erst einmal harmlos, die Mindestabstände sind so groß, dass sie einiges an Sicherheit bieten. Aber: jedes der kleinen Targets auf dem Radarschirm stand für 100 oder mehr Menschen. Der Alptraum war, etwas zu übersehen und so eine Kollision zu verursachen, eine Belastung, der man bereits in der Ausbildung durch psychologische Pflichtveranstaltungen zu begegnen versuchte.
Doch nicht der Unfall war unser Hauptthema, sondern die ständig drohende Rechtsunsicherheit. „Wenn etwas schief geht, setzen sich Experten monatelang zusammen und finden in endlosen Debatten heraus, was Sie in wenigen Sekunden unter Stress entscheiden und wissen mussten.“
Das war unsere Situation auf den Punkt gebracht. Und davor hatte jeder Angst, denn jeder wusste, dass seine Kapazitäten begrenzt waren und einer solchen Untersuchung niemals standhalten würden.

Das Problem, das in dem gestrigen Film völlig ausgeblendet wurde, war dies: kann ich ein unvollkommenes Werkzeug nach seinem Versagen überhaupt an perfekten Maßstäben messen und beurteilen? Oder, um den Menschen nicht zum Objekt zu machen: darf ich Personen, die naturgemäß Grenzen haben, in Situationen schicken, in denen diese Grenzen sichtbar werden, um sie danach an Gesetzen zu messen, die diese Grenzen gar nicht berücksichtigen?
Es ging um die Frage, ob sich die Passagiere in Gefahr bringen, wenn sie ein Flugzeug besteigen. Besser wäre es um die Frage gegangen, ob sich der Staat in Gefahr begibt, wenn er Menschen in derartige Extremsituationen bringt. Er tut es, und er tut es offenen Auges, denn er besteht aus Menschen. Wenn sich aber ein Mensch bereit erklärt, sich solchen Situationen auszusetzen, braucht er dazu den Rückhalt des Staates, auch wenn eine Katastrophe geschieht. Die Würde des Menschen wurde ausdiskutiert auf dem Rücken eines Menschen, dem man sein Menschsein absprach, indem man Perfektion von ihm forderte. Wo waren der Mediziner und der Psychologe, die erklärten, wie in einer solchen Situation der Stress wirkt? Die ganze Diskussion war aufgesetzt und in sich falsch.