Samstag, November 02, 2013

Abholen, wo sie gerade stehen

[Von Bastian]
Die Kirche will die Menschen abholen, wo sie gerade stehen. Das war schon immer so und wird auch immer so sein. Wo auch sonst sollte sie sie abholen? Da gibt es kein Problem.
Das Problem ist, dass die Menschen die Sünde leugnen und daher selbst nicht wissen, wo sie sind. Dass sie sauer werden, wenn die Kirche zu ihnen kommt, weil sie dann plötzlich sehen, wo sie stehen.
Und das Problem ist, dass die Menschen nicht abgeholt werden wollen, weil sie dann von da weg müssen, wo sie gerade sind. Doch da wollen sie bleiben, weil man von da aus die Sünde nicht sieht. Und so fordern sie "Barmherzigkeit" und "Liebe" und meinen damit: "Seid so nett und lasst mich mit meinen Sünden in Ruhe!"
Das aber kann die Kirche nicht, weil sie Gott selbst verpflichtet ist. Und der will jeden dort abholen, wo er gerade steht und ihn ganz politisch unkorrekt mit in Sein Reich nehmen. Dafür wurde er bereits gekreuzigt.
Wenn wir uns blutige Nasen holen, weil wir verkünden, ist das oft (meistens? fast immer?) nicht unser taktischer Fehler, den wir analysieren sollten, sondern es ist eine Miniaturausgabe der Wunden Christi am Kreuz, für die wir danken können. Nachzulesen in den Seligpreisungen.

Kommentare:

  1. "Abholen, wo sie gerade stehen" - dieser auch in anderen Bereichen viel strapazierte Begriff gibt bei näherer Betrachtung zum Nachdenken Anlass. Auch Lehrer sollen ja Schüler "dort abholen, wo sie gerade stehen". In ihrer Welt. Aber abholen: das heißt ja auch, dass man diese Welt dann - mit Hilfe der anderen Person - verlässt und woanders hingeht. Und das fordert ja die Bereitschaft, anderes kennen zu lernen. Der "Abholende" kann nur Begleiter sein beim Verlassen des Punktes, "wo man gerade steht". Gehen muss den Weg schon jeder selbst. Und, genau wie du schreibst, Bastian: Alte Denkmuster neu überdenken? "Fort-schrittlich" sein? Ja klar, das soll "die Kirche" tun! Da sind sich viele einig. Sobald es mich selbst betrifft, - was? Auch ICH könnte etwa nicht alles richtig machen? ICH soll mich auf den Weg machen, MIR werden Gedanken nahegebracht, die ich so vielleicht noch nicht gedacht habe? ICH soll also selbst etwas ändern? Wie unbarmherzig! Schließlich ist "die Kirche" in ihrer "Barmherzigkeit" doch dazu da, MIR immer zu bestätigen, dass ich so, wie ich bin, gut bin und doch ruhig so weitermachen kann! Das hat doch auch Jesus den Leuten gesagt! ODER???

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  2. Das Abholen ist doch nicht das Problem.

    Das Problem ist die Frage, ob man die Person, die man abholt, dahin führt, wo es gut für sie ist bzw. sie anleitet, daß sie den Weg dahin findet
    oder ob man nur „ein Stück weit“ den Weg, den sie gehen will, mit geht, selbst wenn dieser in die Irre führt.

    Da fällt mir ein Wort von H. U. v. Balthasar ein: »Er [der Priester] darf mit den Fröhlichen fröhlich sein, mit den Trauernden trauern, aber nirgends wird ihm erlaubt, mit den Schwankenden und Unsichern aus Solidarität mitzuschwanken.«

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