Samstag, August 18, 2012

Erziehungsproblem: den richtigen erwischen

[Von Bastian]
Bitte leise, nur flüstern. Es soll Ruhe sein. Aber leider sind da zwei, die sich nicht leiden können. Einer von ihnen flüstert dem anderen so lange Beleidigungen zu, bis der ausrastet. Der Lehrer kommt - und…? „Ich habe nur geflüstert!“ verteidigt sich der eine. So erwischt es den Lauten.

Ich glaube, so etwas kennt jeder und denkt sich dazu sein Teil.
Wer dieses System vermeintlicher Überlegenheit, die von außen mit Recht als Dummheit und Frechheit wahrgenommen wird, in groß erleben will, schaue auf die Bürgerbewegung Pro Deutschland. (LINK)
Mit Mohammed-Karikaturen und dem Gerede darüber – beides bei uns selbstverständlich erlaubt – will sie provozieren. Das durchsichtige Ziel besteht darin, ihre Gegner vorzuführen; selbst im Bereich des Legalen zu sein, um beim anderen Illegales zu provozieren oder ihn zu demütigen.

Das Oberverwaltungsgericht hat geurteilt, dass in Deutschland Karikaturen erlaubt sind. Das ist richtig und gut. Doch daraus zu schließen, dass ein dümmliches und provokantes Ausnutzen dieses Rechts damit gleichsam geadelt und moralisch sei, zeigt, dass man einiges nicht verstanden hat.

Ich halte es mit unserem Papst, der als Grundlage für Auseinandersetzungen ansieht, dass man dem, was dem anderen heilig ist, respektvoll begegnet. Und mit Kardinal Woelki, der sagt: «Sollte dies tatsächlich durch die Meinungsfreiheit abgedeckt sein, so muss ich das wohl ertragen.»

Kommentare:

  1. Mich erinnern solche Vorkommnisse an eine sehr alte Statistik und eine noch ältere Unsitte.
    Schneider waren jahrhundertelang eine übel verspottete Zunft. Ein richtiger Mann wird halt kein schlechtbezahlter Stubenhocker! "Und was ein rechter Schneider ist, muß wiegen sieben Pfund!" "Schneider Schneider meck meck meck!"

    Im späten 19. Jh. gab es statistische Hinweise, daß die Berufsgruppe der Schneider überdurchschnittlich oft zu Gewaltverbrechen neigte.

    Mal angenommen, die Statistik stimmt: Wie das wohl kam?

    AntwortenLöschen
  2. ... dass man dem, was dem anderen heilig ist, respektvoll begegnet.

    Ein guter und richtiger Satz.

    Wirkt dummerweise dann nicht, wenn man das, was anderen heilig ist, für "Sünde" hält. Gleichgeschlechtliche Liebe zum Beispiel. Oder Schweinebraten essen. Dann bekommt man von richtige Katholiken und richtigen Muslimen was zu hören, was alles andere als respektvoll ist.

    AntwortenLöschen
  3. Einmal habe ich mit "heilig" wirklich heilig im Sinne von göttlich gemeint. Nicht in dem Sinne, wie einem Menschen sein Mittagsschlaf heilig sein mag.
    Und: etwas respektvoll begegnen bedeutet nicht, es für richtig zu erklären.

    AntwortenLöschen
  4. Ja, was anderen heilig, im Sinne von göttlich ist, können und wollen Menschen anderer Religionen oft nicht als heilig anerkennen. Verlangen aber für das, was sie selbst für heilig halten jeden Respekt.
    Funktioniert nicht, wie ein Blick in die Geschichte und die Wirklichkeit von heute beweist. Und dabei gehts nicht nur darum, dass Menschen zum Beispiel ihre tiefe Liebe zu anderen Menschen als heilig wissen, dafür aber von anderen der Unzucht, Sünde und anderer Bösartigkeiten geziehn werden.

    Oder würden Sie die Liebe eines Muslim zu seinen vier Ehefrauen für heilig erachten? Er tuts und verlang natürlich von Ihnen den nötigen Respekt, den ein Katholik aber nach Massgabe des kirchlichen Lehramtes ausschliesslich der lebenslang monogamen Ehe entgegenbringen kann.
    Von gleichgeschlechtlichen Lieben ganz zu schweigen. Da schlägt der schuldige "Respekt" dann ganz schnell in bösartige Schuldzuweisungen, bestenfalls Sünden-Belehrungen um, wie derzeit exzellent in kath.net zu beobachten ist, in dem Thread über die Äusserungen von SE Woelki zu gleichgeschlechtlicher Liebe und Partnerschaft.

    AntwortenLöschen