Donnerstag, April 12, 2012

Schizophren? Nein!

Schizophren? Nein!

[Von Bastian]
In einem Kommentar hier heißt es sinngemäß:
Es ist eine katholische Schizophrenie, den Sünder zu lieben, die Sünde aber zu hassen. Dies sei für Menschen unmöglich. Man solle einmal versuchen sich folgende Alternativen vorzustellen: Gott lieben, aber seine Kirche hassen; den Glauben zu lieben, aber die Religion hassen; die Kirche zu lieben, aber den Klerus hassen. Das sei unmöglich, da die einzelnen Entitäten einander praktisch identisch seien. Wer die Sünde hasse, hasse auch den Sünder; wer Gott liebe, könne Gottes Kirche nicht hassen. Alles andere wäre nicht menschlich.

Erst einmal passen die Beispiele nicht. Im Fall Sünde/Sünder geht es um ein Prinzip im Gegensatz zu einem Menschen. Diese Gegenüberstellung hält keines der Beispiele ein.

Doch abgesehen davon - was sagen diese Argumente? Es geht in diese Richtung: Du kannst nur alles haben, oder nichts. Du kannst dir nicht die Rosinen herauspicken und dort unterscheiden, wo nur das Ganze zu haben ist – das wäre Selbstbetrug. Das klingt sehr weise und entschlossen. So weise, dass es unmöglich erscheint, das Bad ohne Kind auszuschütten. So entschlossen, dass dabei das Offensichtliche glatt übersehen wird: es gibt kaum eine biblische Aussage, die im Alltag häufiger bestätigt wird als diese: Liebe differenziert. Man kann nicht nur den Sünder lieben, während man zugleich die Sünde hasst – man muss es. Zu unterscheiden zwischen dem, was getan wird, und dem, der es tut, ist essentiell. Es ist das Prinzip allen Zusammenlebens, ob christlich oder nicht.

Wenn wir zu sechst am Mittagstisch sitzen und die Stimmung wieder einmal munter ist, müssten wir unsere Kinder im Sekundentakt lieben und wieder hassen, würden wir nicht trennen zwischen dem, was da gesagt wird und wer es sagt. Jeder gelöste Konflikt zeigt: Erfolg liegt darin, zwischen dem, was man ablehnt, und dem, der das tut, zu unterscheiden. Jede Erziehung sollte nichts anderes sein, als eine Orientierung im Weg zwischen Gut und Böse, eingebettet in ein Meer aus Liebe.

Den Sünder aufgrund seiner Sünde zu hassen mag menschlich erscheinen, besonders, wenn man dabei Extrembeispiele im Sinn hat. Tatsächlich jedoch leben wir täglich anders, denn wir sind nicht dumm. Wir laufen weder blauäugig selbstgemachten Idolen hinterher, deren Handlungen uns alle richtig erscheinen, weil sie Menschen sind, die wir lieben. Ebenso wenig lassen wir uns von unseren Urteilen über Handlungen den Blick darüber hinaus auf das untersagen, was der „Täter“ sonst noch an Liebenswertem zu bieten hat.

Die Gleichsetzung von Sünder und Sünde schafft unbarmherzige Gesetzlichkeit. Sie ist bestenfalls ein unmenschliches Alibi für meine eigenen Abneigungen und meine Liebesunfähigkeit.
Es ist immer wieder dasselbe: die göttlichen Prinzipien sind wahr.
Alles andere wäre nicht menschlich, denn Mensch werden wir erst im Licht Gottes.

Kommentare:

  1. Wird jener, der das oben gesagt hat, auch die Krankheit lieben, die sein Kind quält?
    Was wird einem bloß immer fürn Unsinn zugemutet?

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  2. Solche Behauptungen kommen meist von strammen Atheisten, die gleichzeitig von sich selbst behaupten, sie hätten nichts gegen Gläubige, sondern nur gegen *die* Religion.

    Muss ich das verstehen? Nein, oder? :-D

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  3. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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    1. Ich gehe gerne auf Kommentare ein und habe durchaus nichts dagegen, wenn man meine Gedanken für wirklichkeitsfremd oder unrealistisch hält und das deutlich sagt.
      Was hier aber nicht veröffentlicht wird, sind Behauptungen, wie die Kirche gehe gegen jeden Andersdenkenden vor, aber schütze die, die Kinder missbrauchten und Missbrauch sei quasi eine Garantie auf kirchliche Pensionen.
      Das ist kein Disput mehr - das ist unqualifiziert und bösartig. Für solche Aussagen ist dieser Blog keine Plattform. Der Inhalt derartiger Kommentare wird hier entfernt.

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  4. Kleine Korrektur, ich habe nicht geschrieben, die Kirche gehe gegen jeden AndersDENKENDEN vor. Und der Rest? Mein Gott, dass Sie das nicht glauben können ist doch verständlich. Vale

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