Dienstag, April 03, 2012

Es ist genau anders herum.

[Von Bastian]

Unter dem Titel „Raum und Zeit für Sinnlichkeit“ werden in einem von Jesuiten geführten Haus Kurse angeboten. (Quelle)

Elsa hat es in ihrem Nachtbrevier übernommen, die unbeschreibliche Komik ein Stück herauszustellen, die allein dem Ansinnen innewohnt. (Link) Mir geht es um eine Aussage, die man ständig hört und die genauso ständig Blödsinn ist. Gemeint ist: „Meistens ist Sex (Anm: von der Kirche) nur als Voraussetzung zum Kinderzeugen verstanden worden.“

So heißt es zu diesem Kurs. Und weiter geht es: „Wir wollen mit unserem neuen Kurs, der neben Impulsreferaten, Meditationen, Gruppen- und Paargesprächen auch Körperübungen und «Zeiten der Liebe» beinhaltet, gerade diesen Eigenwert der Sexualität für den Alltag von Paaren ausbuchstabieren.“

Ich habe 4 Kinder. In gewisser Weise stellen sie durchaus Folgen von Sex dar. Doch, ja. Bei weiteren katholischen Familien, die mir persönlich bekannt sind, liegen die Dinge ähnlich. (Ich bin allerdings nur unter Zögern bereit, interessierten Jesuiten entsprechende fachliche Fragen zum Thema Raum und Zeit zu beantworten – aber das können die ja auch selbst, wie sie sagen.)

Und da es heutzutage tatsächlich möglich ist, soweit dabei die Intimsphäre respektiert wird, auch gut katholisch über sexuelle Dinge zu sprechen, weiß ich ziemlich genau, das ein katholisches Eheleben durchaus auch andere Dinge im Sinn hat, als nur Kinder zu zeugen. Allerdings ist es, wenn es wirklich gut und katholisch sein soll, offen für Kinder, weil es eben katholisch und damit die Ganzheit betreffend ist.

Es ist immer wieder dasselbe Schema: Das kirchliche „Um der Ganzheit willen seid offen für…“ versteht die Gesellschaft als „Um der Regeln willen denkt ausschließlich an…“. Und verkündet gleich darauf die Lösung: „Um der Freiheit willen vergesst einfach…“. Was hier als Erweiterung beworben wird („Wir befreien Sie vom...“) ist in Wahrheit eine Einschränkung (Sex abgekoppelt von Kindern).

Die Lehre der Kirche enthält immer wieder das Prinzip, die Mittel zu beschränken, um dem Sinn zur Fülle zu verhelfen. Die Gesellschaft fordert hingegen, den Sinn zu beschränken, um den Mitteln zur Fülle zu verhelfen. Ein sinnvolles Beschränken im katholischen Sinne wäre das Streichen solch blödsinniger Kurse.

Kommentare:

  1. Vergelts Gott! Das Bistum Basel hüllt sich darüber in Schweigen.

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  2. Der römisch-katholische Klerus wird, sehr zum Leidwesen, eben nicht von allen Menschen als erste Adresse in Fragen ehelicher Liebe und Sexualität angenommen.

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    1. Das verstehe ich nicht. Zu wessen Leidwesen?
      Die römisch-katholische Lehre ist mit Sicherheit die beste Richtschnur zu Fragen der Liebe und Sexualität. Der Klerus ist eine gute Anlaufstelle, wenn man dort die entsprechenden Antworten bekommt. Ein Kleriker als Mensch kann mir jedoch in sexuellen Fragen nur rein hypothetisch antworten (hoffe ich!). Er ist da genauso qualifiziert wie ich in Fragen zur praktischen Verwirklichung des Zölibats im täglichen Leben: überhaupt nicht.

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  3. Zum Leidwesen des katholischen Lehramtes und dessen Multiplikatoren, weil die es in der täglichen Praxis zu spüren bekommen, dass man sie in Fragen von Liebe und Sexualität für völlig unglaubwürdig hält; und die katastrophalen Reaktionen der katholischen Hierarchie auf die Aufdeckung der vielen Verbrechen an Kindern durch den römisch-katholischen Klerus weltweit haben deren Glaubwürdigkeit nicht unbedingt gefördert.

    Die Menschen wissen, dass die römisch-katholische Lehre zu Liebe und Sexualität eine Maximalforderung ist, deren Einhaltung nicht die Conditio sine qua non für ein erfülltes glückliches Leben ist. Sie wissen das aus eigener Erfahrung. Der katholische Klerus DARF das gar nicht wissen!

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