Dienstag, September 09, 2014

Ich bin etwas geschockt.

[Ein Betroffenheitsbeitrag von Bastian]
Peter Winnemöller fragt in seinem Blog, wo man aus der ARD austreten könne (LINK). Grund: das Herumreiten auf den Reichtümern der Kirche, mit einem aus zwangsweise erhobenen Abgaben finanzierten Beitrag. Wieder einmal.
Und wie so oft möchte ich denen, die das alles durch ihre ganz spezielle Kirchenhasserbrille von außen betrachten, zurufen: schaut Euch das alles doch einmal von innen an! Riskiert es einmal, Eure Angst hinter Euch zu lassen, Eure Angst davor, dass die Welt anders sein könnte, als die Urteile, an die Ihr Euch klammert, Euch vormachen. Riskiert den Blick durch die Brille des Glaubens. Nicht, um ihn sofort anzunehmen, sondern erst einmal, um das zu verstehen, das Ihr glaubt bekämpfen zu müssen. Riskiert mal den Eintritt ins Innere der Kirche: dort findet Ihr eine ganz eigene Logik, die mit Weltfremdheit, spießiger Bürgerlichkeit oder gar Faschismus nichts zu tun hat.

Daher hat es mich schockiert, auf Facebook in einer explizit positiv katholischen Gruppe den Link zu einer faschistischen Website zu entdecken, die zu Gewalt gegen ausländische Mitbürger aufrief, sie als Feinde bezeichnete (und noch anders, was dem schlimmsten Vokabular der Nazizeit entfleucht schien und hier nicht wiederholt wird). Die (Gott sei Dank wenigen, aber zustimmenden!) Kommentare darunter hatten das Niveau von „Die sollen zurück zu ihren Kamelen“. Nun, ein paar Spinner gibt es immer. Ich habe daher den Beitrag an die Moderatoren gemeldet und kommentiert, dass ich das getan habe, weil da wohl jemand den Schuss nicht gehört hat. Und dass ich überlegte, Meldung an Facebook zu machen, wenn das so stehen bleibt. Die Reaktion kam zügig: ich wurde aus der Gruppe geworfen. Der Link jedoch wurde erst gelöscht, nachdem ein weiterer User sich zu Wort meldete.

Dass mich das auch wurmt, gebe ich unumwunden zu. Doch mehr noch schockiert es mich, dass hier alle Klischees über die ach so schlimme Kirche bedient werden: von der politischen Ansicht bis hin zum Versuch, das nicht wahrhaben zu wollen und lieber, mit Verlaub, das Naserümpfen verbieten anstatt die Scheiße zu entfernen, die den Gestank verursacht. Verlaub Ende.
Ich sehe wirklich großes Problem darin, dass so in all den heute nötigen Diskussionen die Glaubwürdigkeit fehlt. Der Islam wird für seine Extremisten kritisiert. Eine Diskussion darüber ist dringend nötig. Viele Diskussionen sind nötig. Und deshalb ist es schlimm, wenn zugleich Nazis in katholischen Gruppen gedeckt und Kritiker entfernt werden. Denn wer soll uns glauben, wenn wir genau das tun, was wir bei anderen kritisieren?

Natürlich kann man mir jetzt vorwerfen, dass ich hier ein persönliches Problem aufbausche und in ein Sachproblem umforme, um eine übertriebene Reaktion zu rechtfertigen. Hätte ich halt nicht so viel Wind gemacht. Oder ganz banal: der ist doch blos sauer. Ja, sauer bin ich. Und trotzdem ist es mir sehr ernst mit dem Problem der Glaubwürdigkeit.

1 Kommentar:

  1. Als critical friend der Katholischen Kirche ein paar Worte:
    - meiner Erfahrung nach ist die Welt des Glaubens mittlerweile für große Teile der Bevölkerung völlig unzugänglich. Wenn ich meine 13-14-jährigen Schüler frage, ob sie an Gott glauben, ist die Antwort ein erstauntes "Nein". Die Idee, dass das jemand tasächlich tun könnte, erscheint ihnen schon reichlich seltsam. Von der Konfirmation/Firmung bleibt nicht viel hängen; es ist ihnen auch nicht wichtig, zur Kirche zu gehören. Firmung "macht" man halt, und hat eine tolle Zeit mit den Freunden auf der Firmfreizeit, die Glaubensdingens nimmt man halt so mit. Alles, was an Mainstreamkultur für ihr Alter existiert, treibt sie WEG von Spiritualität, von Respekt für Innerlichkeit, vom größeren Ganzen, vom Dienst für irgend etwas außer sie selbst. Das prägt sie, und insofern ähneln sie Analphabeten: sie sehen die Kirche wie ein Analphabet ein Buch: der Inhalt könnte interessant sein, ja, sogar zu einem passen, aber sie können das Buch nicht lesen, weil sie die Buchstaben nicht kennen.
    Ich halte das für eine ungeheure Tragik, obwohl ich kein Katholik bin. Ohne die Suche nach Gott und dem Transzendentem geht ein Teil des menschlichen Wesens verloren.
    Zum Extremismus: den werden Sie in jeder wie immer gearteten Organisation finden, vom Sportverein bis zur Katholischen Kirche.

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