Samstag, September 27, 2014

Falsche Frage

[Von Bastian]
Gestern bin ich im Gespräch wieder einmal über die Frage gestolpert, ob Jesus wohl die Kirche gewollt hätte. Meist eine rhetorische Frage: natürlich nicht, oder zumindest nicht so. Und dann kann man schön zwischen dem differenzieren, was ist, und was Jesus wollte, ohne zu merken, dass man tatsächlich differenziert zwischen dem, was einen stört und dem, was man selbst will. Grundlage für endlose Diskussionen, wenn man denn will.
Fruchtlose Diskussionen, denn, so meine ich: die Frage ist falsch gestellt. Christus wollte nicht die Kirche - er will sie. Wir leben nicht die Umsetzung eines 2000 Jahre alten Befehls, sondern aus einer Gemeinschaft heraus, die jetzt besteht.
Ginge es um einen alten Wunsch, wäre die Kirche, wie sie ist, mit Sicherheit nicht, wie Gott sie wollte. Geht es um Christi Wunsch genau heute, ist sie allerdings auch nicht, wie er sie will. Der kleine Unterschied: Wäre die Basis ein alter Wunsch, könnte sich die Kirche im Laufe der Zeit nur immer weiter davon entfernen. Da es aber Gottes heutiger Wille ist, der sie leitet, ist sie auf dem Weg hin zu ihm.
Wer die Frage stellt, hat eigentlich schon begonnen, eine der Grundlagen zu verlassen, auf der jedes Christentum stehen muss: das Vertrauen darauf, dass Gott da ist und uns führt.

Kommentare:

  1. Christus „ist das Haupt des Leibes, welcher die Kirche ist.“ (Lumen Gentium, 7). Wie kann man nur annehmen, daß das Haupt den Leib nicht gewollt hat? — Das ist absurd.

    Christus von der Kirche zu trennen, heißt der Kirche den Kopf abzuschlagen und Christus seines Leibes zu berauben; wenn man in dem Bilde bleiben will.

    Sinnvoll würde die Frage, wenn man den irdischen Jesus vor 2000 Jahren komplett vom Christus trennen könne. Wenn das möglich wäre, könnte man die Frage stellen, was der irdische Jesus gewollt hat. Dabei muß man natürlich der Irrlehre anhangen, daß in Jesus nur nur der menschliche Wille war (Monotheletismus) oder aber, daß obschon zwei Willen vorhanden waren, der menschliche gegen den göttlichen rebelliert hat. — Da sind also schon die Denkvoraussetzungen absurd und damit kann auch nur eine unsinnige Antwort dabei heraus kommen.

    Es bleibt allerdings noch ein einziger Ausweg, wenn man ganz genau und unfehlbar wissen will, was Jesus wollte: Heiner Geißler fragen.

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  2. Ein sehr schöner Beitrag, finde ich!

    Vielleicht kommt man der Lösung ein wenig näher, wenn man die Frage nachlegt, ob Christus die Kirche so gewollt hat oder anders. Die Antwort ist natürlich immer: ganz anders, aber wir sind auf dem Weg.

    Schönen Sonntag!

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  3. Wenn man annimmt, Jesus habe die Kirche nicht gewollt, dann muß man auch davon ausgehen, daß Petrus den Auftrag "Weide meine Schafe" vollständig falsch verstanden hat, daß Paulus alles falsch gemacht hat, daß die meisten Briefe von falschen Voraussetzungen ausgehen und daß Jesus auch nicht so ganz genau gewußt hat, was Er eigentlich sagt.
    Und dann landet man ganz schnell bei der Einstellung, Jesus sei eine irgendwie bedeutende historische Person gewesen, irgendwie auch kulturell bedeutend und irgendwie gut.

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