Mittwoch, September 24, 2014

Eucharistie für „Geschiedene Wiederveheiratete“?

[Von Bastian]
Die Ehe ist untrennbar. Das könnte nur einer ändern – Gott. Aber der macht keine Anstalten dazu.
Sakramente beinhalten ein Handeln Gottes, sonst wären es keine Sakramente. Auch deren Wesen und Struktur ließe sich nur zusammen mit Gott ändern. Auch hier jedoch zeigt Er bisher nichts dergleichen.
Also: kein Komunionempfang bei „Widerverheirateten Geschiedenen“. Soweit logisch.
Die Idee, diese Haltung als unbarmherzig zu bezeichnen, liegt für viele Menschen nahe. Doch wer wäre denn da unbarmherzig? Der Mensch kann schließlich nicht das eine Handeln Gottes gegen ein anderes Handeln Gottes ausspielen – damit machte er Gott zum Komplizen bei einer Sünde. Das wird der begreiflicherweise nicht mögen. Also ist Gott unbarmherzig? Wer das glaubt, kann ja gehen, denn warum sollte man sich einem unbarmherzigen Gott unterordnen, der überdies lügt, indem er von sich sagt, er sei barmherzig?
Die Idee einer Zweitehe zu Lebzeiten des ersten Ehepartners kann nur ein Irrtum sein, wenn man diese Logik beherzigt.

Und trotzdem – irgendetwas ist hier doch falsch. Es kann doch nicht sein, dass man Menschen, die ein trauriges Schicksal hinter sich haben, eine vermeintlich göttliche Logik um die Ohren haut, wie ich es oben getan habe: "Die Dinge liegen so und so – finde Dich damit ab oder sei ein schwerer Sünder". Doch genau das passiert derzeit immer wieder: im Namen der Romtreue und des wahren Katholizismus wird getan, als sei es der Willen Gottes für mich, die Sünden anderer zu verurteilen, und die Pflicht der Kirche, diese Verurteilung gutzuheißen. Doch das ist Wasser auf die Mühlen der Kirchengegner.
Dass auf diesem Feuerchen persönlicher Schicksale politische Süppchen gekocht werden, ist klar und wird immer wieder gut dargelegt (LINK): was gäben viele darum, zu erleben, dass sich die Kirche von Gott distanziert, um sich nach ihnen zu richten. Das ist natürlich indiskutabel. Doch für genauso indiskutabel hielte ich es, wenn ich irgendjemanden wegen der Sünde Ehebruch verurteilte, denn sündigen kann ich selber bestens. Ich versuche, auf die Kirche zu hören, und doch könnte man mir im Namen der Romtreue und Lehre sicher viel vorhalten. Ich vermute allerdings, ich bin nicht der einzige in dieser Situation: Christus ist zwar für mich gestorben, aber nicht nur für mich. Willkommen alle im Club der Sünder, die bekanntlich mit dem Maß gemessen werden, mit dem sie messen. Das Steine-werfen auf Ehebrecher ist uns verboten.
So richtig es ist, die Stimme zu erheben, wenn versucht wird, mit politischer Agitation den Blick der Kirche von der Wahrheit Gottes abzulenken, so wichtig ist es auch, dass nicht Sünder Sünder verurteilen. Genauso wenig, wie man ein Sakrament gegen das andere ausspielen kann, kann man Gottes Wahrheit gegen seine Vergebung ausspielen. Wenn der Papst Leute verheiratet, die bereits Kinder haben, ist das kein fahrlässiges Ankratzen der Wahrheit, sondern ein Grund zum Feiern: Schafe kehren zur Herde zurück. Wenn nach einer pastoralen Lösung für Geschiedene gesucht wird, gilt es, diese Suche zu unterstützen und sie nicht mit Argumenten zu torpedieren, die letztlich nach dem Schema laufen: verirrte Schafe gehören gebrandmarkt, nicht gesucht. Die Sorge um die Wahrheit können wir dabei getrost dem Heiligen Geist im Gebet anvertrauen. Dem Sünder nahe zu sein ist göttliches Prinzip, nicht katholische Prinzipienlosigkeit.

Kommentare:

  1. Wenn ein „Geschiedener Wiederveheirateter“ fragt: „Darf ich zur Kommunion gehen?“, dann will er eine Antwort haben, die entweder "ja" oder "nein" lautet.

    Was derzeit als sog. „pastorale Lösungen“ gesucht wird, erweckt eher den Eindruck von „ja aber… vielleicht auch nicht" bzw: „nein aber… vielleicht doch". Das ist keine Antwort und damit ist niemandem geholfen. — Aber gut, daß mal darüber gesprochen wurde.

    …und damit, liebe Liebenden, heben wir den Stuhlkreis auf. Macht einer bitte die Kerze in der Mitte aus und legt das Tuch in den Materialkoffer? Danke!

    AntwortenLöschen
  2. Nach meinem Dafürhalten darf er nicht, denn so ist die Lehre. Mir geht es nicht darum, die Lehre zu relativieren, sondern darum, nicht zu verurteilen. Das sind zwei grundlegend verschiedene Dinge. Und wenn eine katholische Eheschließung durch den Papst als falsches Beispiel angesehen wird, liegt einige im Argen.
    Ich finde es nicht sinnvoll, ständig Panik um die Lehre zu bekommen. Dann kann man Gott auch gleich sagen, dass man seiner Zusage nicht traut, die Kirche werde nicht überwunden.

    AntwortenLöschen
  3. Ich habe gelernt, die Sünde zu verurteilen. Erst mal für mich selber und natürlich, wenn ich gefragt werde, auch die Sünden anderer. Was soll an der Verurteilung der Sünde falsch sein? Einem Sünder nahe sein, kann nur Gott. Meine Mittel sind da sehr beschränkt. Wie genau soll denn der Kontakt aussehen?

    AntwortenLöschen