Donnerstag, Dezember 19, 2013

Mensch oder Maschine? Sehr geehrte Frau Ministerin Schwesig,

was unterscheidet einen Menschen von einer Maschine? Wann handelt ein Mensch wie eine Maschine?
Der Unterschied ist die Beziehung, die der Mensch zu dem hat, was er tut, und die der Maschine fehlt. Wie eine Maschine handelt ein Mensch, wenn er etwas abwickelt, ohne wirklich involviert zu sein. Als Mensch maschinell zu handeln, ist unmenschlich.
Ich bin daher vollkommen auf Ihrer Seite, wenn Sie feststellen, Frauen dürften nicht die Gebärmaschinen der Nation sein. Es gäbe wenig, was menschenunwürdiger ist, für Frau und Kind. Frauen nur als Kinderlieferantinnen zu nehmen ist ebenso unmenschlich wie in Kindern nur Zukunftsgaranten zu sehen. Ich denke, soweit sind wir uns einig.

Nun haben Sie, Frau Ministerin, da möglicherweise ein systemimmanentes Problem: auch in Ihrer Amtszeit wird jedes einzelne Kind von einer Frau geboren werden, oder es wird nicht geboren werden. Damit sind Sie gefordert, denn es fällt in Ihr Ressort, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass Frauen Kinder bekommen können, ohne zu Gebärmaschinen zu werden.

Grundsätzlich bleibt Ihnen wenig Auswahl. Entweder Sie wehren sich gegen die biologische Tatsache, dass nur Frauen die Kinder bekommen (woran wir Männer ausnahmsweise unschuldig sind) – dann kämpfen Sie mit viel Empörung einen aussichtslosen Kampf. Oder Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Frauen gerne Kinder kriegen – dass lösen sich große Teile des Problems von selbst auf. Was dann an Schwierigkeiten übrig bleibt, wäre genau das, was auf die Agenda einer guten Familienministerin gehört.

Nun beobachte ich, dass die Politik für Frauen eine Lebensbild entwirft (Anm.: können die das nicht selbst?), in dem die Frau als möglichst unbehinderte Arbeitskraft dasteht. Und das Kinder als das größte Hindernis ausgemacht werden, das Frauen zu überwinden haben. Folglich laufen nahezu alle politischen Maßnahmen darauf hinaus, Frauen und Kinder möglichst schnell zu trennen. Damit wird zugleich für eine innere Distanzierung der Frau von ihren Kindern geworben, indem das kinderlose Leben als Ziel hingestellt wird. Denn Frauen werden laut Politik nur glücklich, wenn sie voll arbeiten und sich darauf konzentrieren. (Wieder meine Frage: wissen die das nicht selbst besser?)

Innere Distanz und schnelle räumliche Trennung sind jedoch Maßnahmen, die die Beziehung zwischen Mutter und Kind schwächen. Sie sind damit bestens geeignet, das Gebären von Kindern abzuwerten und in die Nähe eines maschinengleichen Vorgangs zu rücken. Je mehr Sie Ihre Aufgabe darin sehen, Kinder aus den Familien herauszuholen, desto mehr degradieren Sie Frauen zu Gebärmaschinen. Und so sehe ich es mit Sorge, dass Sie, Frau Ministerin, für eine Politik eintreten, die Familien das Leben schwer macht (es sei denn, man versteht unter Familie, dass beide Eltern voll arbeiten, die Kinder von anderen betreut werden und man sich am Abend für kurze Zeit sieht, wenn der Schichtplan es zulässt). Dass Sie Lebensentwürfe bewerten und sanktionieren, indem Sie Frauen vorschreiben, wie sie sich zu verstehen haben (wobei das weder ihre Aufgabe ist, noch Ihre Kompetenz fällt und zudem ihre demokratische Legitimation weit übersteigt).

Ich bitte Sie daher, Familien die gleiche Unterstützung zukommen zu lassen, gleich ob man sofort wieder arbeitet oder erst einmal einige Jahre zuhause bleibt. Lassen Sie den Müttern und Vätern wirklich die Wahl.
Schaffen Sie bitte nicht vorab Rahmenbedingungen und nehmen Sie nicht vorab Bewertungen vor, die letztlich Manipulation und Nötigung zu einem bestimmten Lebensweg sind.

Zuletzt noch meine Rechtfertigung, wie ich als Mann dazu komme, über dieses Thema zu schreiben: Wenn ich bemerke, dass meine Frau zur Gebärmaschine abgestempelt wird, werde nebenbei ich zur Zeugungsmaschine. Und, Frau Ministerin: das passt mir nicht!

Mit freundlichen Grüßen

Kommentare:

  1. Danke für den tollen Brief. Kann man da irgendwo unterschreiben??

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  2. Ich unterschreibe auch! - Leider nur fiktiv.

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