Dienstag, Oktober 08, 2013

Limburg ist überall!

[Von Bastian]
Aus Anlass der aktuellen Diskussion um Bistumsbauten möchte ich einmal als Kenner der Materie aufzeigen, wie eine größere Baumaßnahme durchschnittlich funktioniert.
Man sollte das zur Beurteilung im Hinterkopf haben.

Phase 1: Die Planung. Enthusiasmus.

  • Idee.
  • Vision.
  • Begeisterung.
  • Planung und Präsentation.
  • Die Presse berichtet positiv.


Phase 2: Bauvorbereitung. Ernüchterung.

  • Offenlegung der Planung.
  • Verteidigung der Planung gegen Initiativen.
  • Korrektur der Planung zur Einigung mit den Initiativen. Jeder architektonische Witz wird gestrichen.
  • Erstellung von Gutachten, Korrektur der Planung durch beteiligte Behörden. Die Funktionalität wird erschwert, aber dafür überall, wo man es nicht braucht, DIN-gerecht.
  • Verteidigung der gestiegenen Baukosten aufgrund der Gutachten und Änderungen. Der Zweck des Gebäudes wird gewandelt, um Zuschüsse zu erhalten.
  • Erstellung eines neuen Finanzkonzeptes, erste Entlassungen. Änderung der Planung nach den Wünschen der neuen Geldgeber.
  • Die Presse wurschtelt mit.


Phase 3: Bauphase. Panik.

  • Beim Ausschachten findet man alte Ruinen. Baustopp. Umplanung zur Einbeziehung der Ruinen unter Anleitung des Denkmalschutzes. Mehrkosten.
  • Beim Sanieren der Ruinen findet man Fledermäuse. Sanierungsstopp. Gutachten zu den Aussichten einer erfolgreichen Umsiedlung der Fledermäuse. Mehrkosten.
  • Beim Umsiedeln der Fledermäuse entsteht Dreck. Nachbarbeschwerde. Umsiedlungsstopp. Mehrkosten.
  • Verdoppelung der Bauzeit, Vervierfachung der Kosten, Austausch der vermeintlich Verantwortlichen. Mehrkosten.
  • Behördlich geforderte Mehrausgaben für Sicherheit auf den Toiletten, gewerkschaftlich gewollte Mehrausgaben für Pausenräume, politisch gewollte Kürzung der Baukosten, daher heimliche Einsparungen an der Statik. Kosten nicht mehr nachvollziehbar.
  • Ausbleibende Bezahlung der Bauarbeiter. Erste Pleiten.
  • Die Presse weidet sich.


Phase 4: Fertigstellung. Chaos.

  • Eröffnung vor der Fertigstellung.
  • Mängelbeseitigung im holprig laufenden Betrieb.
  • Beförderung der Schadensverursacher.
  • Bestrafung der Unschuldigen, die noch nicht pleite sind.
  • Auszeichnung der Unbeteiligten.
  • Die Presse wusste es von Anfang an besser.

Kommentare:

  1. Das kann ja alles richtig sein, aber der Sprung von 3 Millionen zu 31 scheint mir selbst für den von Dir dargelegten Vorgang noch ziemlich hoch zu sein. Kann es sein, dass man von vornherein viel zu niedrig kalkuliert hat?

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  2. Nichts für ungut: bei 10 Millionen hatte ich mich bereits gefragt, muß das eigentlich sein? Bei 31 Millionen verdreifache ich die Anzahl der Fragezeichen. Mir hilft da auch nicht die Aussage, der Bischof bewohne dort schließlich nur zweieinhalb Zimmer. Auch beim Ordensleben gibt es zuweilen das Phänomen, daß der einzelne eigentlich Armut gelobt hat, die Gemeinschaft als Ganzes aber Dinge, die man wirklich nur als Luxus einordnen kann, damit schönredet, daß sie der Gemeinschaft als Ganzes gehören. In meinen Augen eine Karikatur des evangelischen Rates.

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    1. Ist denn das Geld für Luxus draufgegangen? Ich hätte zumindest von keinem Luxus gehört.
      Und: wieso schreien eigentlich die am lautesten, sie seien verwundert und entsetzt, die die Aufgabe haben, das Geld zu verwalten?

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    2. Letzere Frage kann ich auch nicht beantworten, da ich das selbst etwas angewidert festgestellt hatte. Mir gings indes nicht um Schuldzuweisung, sondern um die Frage: darf oder sollte auch nur man derart viel Geld für einen Funktionsbau ausgeben? Mit einiger Wahrscheinlichkeit hätte man auch günstiger bzw. bescheidener, wenn man denn so will, bauen können.

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    3. Ich bin Architekt und daher mit meinen Aussagen vorsichtig. Aus dem, was man aus der Presse erfährt, kann ich mir kein Bild machen. Und ich bin mir sicher, dass die meisten derer, die jetzt schimpfen, es noch viel weniger können.
      Was das bescheidenere Bauen angeht: da bin ich kein Freund von, vor allem nicht in diesem Fall. Wer in der Nachbarschaft eines Bauwerkes wie dem Limburger Dom baut, hat eine große kulturelle Verantwortung. Er prägt das Stadtbild für viele Jahre. Es ist keine Tugend, Ramsch zu bauen. Gute Bauten der Kirche sind heute mit die größten kulturellen Hinterlassenschaften, die wir haben. Und der Bau ist mit Sicherheit gut.
      Ich will damit keinesfalls sagen, die Alternativen seien 40.000.000 oder Ramsch. Doch bisher weiß man viel zu wenig, worum es eigentlich geht.

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  3. Keine Ahnung! Der Sprung ist riesig. Aber selbst da sage ich nichts, bevor ibh weiß, warum.

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  4. Als Zitat einen Klassiker:
    "Von dem Geld, das wir nicht haben, kaufen wir Sachen, die wir nicht brauchen, um damit Leute zu ärgern, die wir nicht mögen."
    ;)

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  5. Ich kenne ihn so:
    "Von dem Geld, das wir nicht haben, kaufen wir Sachen, die wir nicht brauchen, um damit Leuten zu imponieren, die wir nicht mögen."

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