Freitag, Mai 04, 2012

Warum die Schere weiter aufgeht

[Von Bastian]
Freie Krippen- und KiTa-Plätze für alle – damit jeder sich Kinder leisten kann: das ist eine Frage der Menschlichkeit und zugleich heute eine der Notwendigkeit. Dafür nehmen wir Geld in die Hand: über 1.000,-€ monatlich pro Platz und Kind. Kinder sind der Gesellschaft etwas wert!
Klingt gut – ist falsch. Beim genaueren Betrachten sogar erschütternd falsch: es bewirkt genau das Gegenteil dessen, was es vorgibt.

Frei für alle bedeutet, dass wohlhabende und arme Familien gleich gefördert werden. Wenn jedoch von der Förderung bei den Armen weniger ankommt, als bei denen, die sie eigentlich gar nicht brauchen, ist sie falsch konzipiert. Genau das ist der Fall.
Ein wohlhabendes Paar mit zwei kleinen Kindern könnte sich die KiTa-Plätze problemlos selbst leisten. Oft werden KiTa und Krippe genutzt, um das berufliche Weiterkommen nicht zu verpassen. Hier fördert der Staat mit über 2.000,-€ monatlich gut laufende private Karrieren.
Eine alleinerziehende Mutter mit zwei kleinen Kindern wird durch die KiTa-Plätze ebenfalls mit über 2.000,-€ monatlich unterstützt. Das Problem: da sie trotz KiTa aufgrund ihrer Kinder zeitlich nicht frei verfügen kann, verdient sie in ihrem Job nur 1000,-€. Während für Wohlhabende die KiTa-Förderung 1:1 zum Einkommensgewinn wird, kommt im Portemonnaie der finanziell Schwachen nur ein Teil an. Wie der Staat bei Wohlhabenden die Karriere finanziert, finanziert er bei niedrigen Einkommen die Armut.
Auch menschlich gesehen ist dieses System völlig kontraproduktiv. Es ermöglicht einerseits denen, die ohnehin in Gefahr sind, ihren Beruf über alles zu stellen, ihre Kinder wegzugeben. Ndererseits zwingt es die, die gerade eine Trennung/Scheidung/Lebenskatastrophe hinter sich haben und nichts lieber täten, als bei ihren Kindern zu sein, stattdessen arbeiten zu gehen und weniger Geld zu haben. Die soziale Schere geht so immer weiter auf.

Diese Regelung hat mit sozial nichts zu tun, sondern ist einzig darauf ausgelegt, möglichst viele Menschen mit Familie in den Arbeitsmarkt zu bekommen. Dort kann man sie schließlich viel leichter regeln und kontrollieren als zuhause.

Im nächsten Beitrag wird ein praktikabler Lösungsvorschlag präsentiert.

Kommentare:

  1. Die Behauptung
    "Ein wohlhabendes Paar mit zwei kleinen Kindern könnte sich die KiTa-Plätze problemlos selbst leisten. Hier fördert der Staat mit über 2.000,-€ monatlich gut laufende private Karrieren."
    ist Blödsinn. Sie setzt nämlich (implizit) eine ganze Reihe von Bedingungen voraus, (z. B. "Karriere"), die nicht überall zutreffen.

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  2. Von überall ist nirgends die Rede.
    Allerdings: ich werde den Text an dieser Stelle präzisieren. Danke!

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