Sonntag, März 11, 2012

Ihr heiratet die Frau, die ihr liebt…

…wir lieben die Frau, die wir heiraten.

Dieser Spruch ist für mich und meine Ehe sehr wichtig geworden.

[Von Bastian]

Vor etlichen Jahren habe ich 4 Monate in Bangladesh verbracht. Ich hatte die Gelegenheit, das Land sozusagen von innen zu sehen, durch viele Begegnungen mit Menschen der ganz normalen Bevölkerung. Freiheit in den Lebensentscheidungen, wie wir sie kennen – Berufswahl, Wahl des Wohnortes, Ziel von Reisen, sogar bei der Partnerwahl – waren dort großenteils kein Thema: es gab einfach gar keine Wahlmöglichkeit. Man musste da, wo man war, sehen, dass man überlebte, und wurde oft von der Familie früh verheiratet. Frappierend für mich war dabei, dass die Menschen großenteils einen glücklicheren Eindruck auf mich machten, als sie es zu Hause in Deutschland taten. (Das galt natürlich nur für die, die gesund und einigermaßen sicher waren, genug zu essen zu haben. Das Leid der Hungernden war unbeschreiblich!)

Ich forschte nicht nach – es wäre zu unhöflich gewesen, zu fragen: „Wieso seid Ihr so glücklich, wo es Euch doch so schlecht geht? Bei uns wäre so niemand fröhlich!“. Es war auch nicht nötig, zu fragen: man kam mit diesem Thema auf mich zu. Einige Male wurde mir unaufgefordert erzählt, wie es gehe, glücklich zu sein.

Der obige Satz war eines der Rezepte. Wie weise er ist, wurde mir erst vor meiner kirchlichen Trauung klar.

Da ging mir durch den Kopf, dass ich nicht nur versprechen würde, eine Frau zu lieben, die ich nur im Moment kannte und deren Entwicklung ich nicht im Geringsten vorhersehen könnte. Ich versprach auch, dieselbe Frau zu lieben, gleich wie ich mich selbst verändern würde. Ich versprach Liebe von einem mir unbekanntem zu einer mir unbekannten für Lebenssituationen, die mir ebenfalls völlig unbekannt waren. Die Tatsache, dass ich sie damals liebte, war keinerlei Garantie: bei der Ehe ging es nicht um Bestätigung einer Liebe, die da war, sondern um das Versprechen von Liebe, die noch nicht da war. Ohne Einschränkung, ohne Rückweg. Das waren harte Gedanken.

Ich weiß nicht, wie ich damit umgegangen wäre, wenn ich nicht das Zeugnis dieser Menschen gehabt hätte, die mir ganz einfach sagten: ja, genau so ist es und genauso geht es.

Heute bestätige ich das voll und ganz. Ich bin meine Ehe eingegangen und habe es nie bereut – dabei ist es wirklich nicht immer einfach. Dass ich meine Frau liebe, ist die Basis, auf der ich hoffentlich den Rest meines Lebens stehe. Ich kann es mit Gottes Hilfe, und ich bete, dass mir diese Hilfe bleibt. Und weil dieses Ja, dieser Entschluss, so wichtig ist, ist mir auch klar, warum ein unverheiratetes Zusammenleben so schädlich ist. Man übt die falsche Basis ein. Man glaubt, eine ausgeklügelte Balance zwischen Geben und Nehmen sei das Rezept. Doch das einzige Rezept ist, sich selbst zu geben. Das ist je nachdem beglückend oder fast unmöglich – auf jeden Fall ist es der Weg.

Kommentare:

  1. Ich finde, du solltest das Deine Frau lesen lassen. Eine ungewöhnliche und schöne Liebeserklärung.

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  2. Mehr als das, würde ich sogar sagen. Eine wunderbare Bestärkung für alle Eheleute.Und die sind ja rar geworden im öffentlichen Raum mittlerweile.

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  3. Sehr schön! Ich finde den Bezug zum schädlichen Zusammenleben vor der Ehe sehr gelungen. Kirchlicherweise wird in Deutschland sehr wenig zum weit verbreiteten Konkubinat verkündet. Umso mehr merke ich mir das oben angegebene Rezept. Vielleicht ließen sich die Gedanken dazu noch weiter vertiefen? Was könnte in die Ehevorbereitung einfließen?

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  4. Danke Bastian! Das musste ich gerade in meinem Blog verlinken, passt wunderbar zum Thema des Hirtenbriefs von Bischof Vitus Huonder, Chur.

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  5. In dieser dekadenten westlichen Welt müsste es uns wieder schlechter gehen, damit es uns besser geht!

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  6. Nein, dieser dekadenten westlichen Welt geht es bereits unbeschreiblich schlecht!
    Hinter der Fassade von persönlicher Freiheit steht eine unglaubliche Angst vor Einsamkeit und Bedeutungslosigkeit. Unser Problem wird sein, dass die Fassade wegbricht und an vielen Stellen ein Elend offenbar wird, das sich niemand auch nur im Entferntesten vorstellen konnte.

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  7. Hmm, ich persönlich denke nicht, dass die Ehe den Unterschied macht, sondern die Einstellung der Partner zueinander. Ich bin nach sehr leidvollen Erfahrungen in einer Ehe nicht wieder verheiratet, würde aber behaupten, dass sowohl mein Partner als auch ich selber viel stärker genau die beschriebene Einstellung zueinander haben, als ich es in meiner Ehe jemals erlebt habe. Sosehr ich grundsätzlich ein Befürworter der Ehe bin (ich sehe meinen Weg eher als Ausnahme, nicht als zu empfehlendes "Basismodell"), ist sie leider kein Garant dafür, dass die Beteiligten begreifen, worum es eigentlich geht, und dann auch noch danach handeln.

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    1. Ja, es dürfte eines der größten Probleme sein, dass viele letztlich nicht wissen, was sie eigentlich tun, wenn sie heiraten. Ich bin dankbar für jede Hilfe, die ich in meiner Ehe bekomme und sehe das nicht als mein Verdienst, sondern als Geschenk an.

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