Dienstag, Juli 17, 2012

Worüber regen wir uns eigentlich auf?

Ein Politiker setzt Religiosität mit Dummheit gleich. „Too stupid to understand Science? Try religion!“
Ein Gericht setzt die jüdische und moslemische Beschneidung mit Verstümmelung gleich und verbietet sie.
Beiden Fällen ist dasselbe Bewusstsein gleich: was ich für richtig halte, ist für alle richtig. Meine Vorstellungen von Unversehrtheit und Intelligenz zählen - Abweichungen davon sind dumm oder strafbar. Der Gedanke, ein Wissenschaftler könne durch sein Staunen zu Gott finden, hat hier keinen Platz mehr. Genauso steht fest, dass kein jüdischer oder muslimischer Junge darunter leiden könnte, nicht beschnitten zu sein. Eine fehlende Vorhaut traumatisiert, der fehlende Eintritt in die eigene Religionsgemeinschaft natürlich nicht: Die Gegner der Beschneidung entscheiden, worunter ein Muslim zu leiden hat und worunter nicht.

Große Teile der öffentlichen Meinung werden bei uns von Idioten gemacht. Anders kann man es nicht sagen, denn es ist eine letztlich unbeschreibliche Ignoranz und Dummheit, die hinter der Vorstellung steht, die eigene Meinung sei das Nonplusultra. Hier wird das Sprichwort wahr: ein Standpunkt ist der geistige Horizont, wenn der Radius null ist. Und viele fragen sich, wohin das führen soll.

Ich meine, es hat längst zum Ergebnis geführt. Die öffentliche Beschlussfassung, was lebenswert ist und worunter man unerträglich leidet, hat längst die höchste Ebene erklommen: sie hat das Lebensrecht entthront. Worüber regen wir uns auf? Dass wir in einem Land leben, in dem man Gläubige für dumm erklären kann? Wir leben in einem Land, in dem man Dumme tötet!
Wird entdeckt, dass ein ungeborenes Kind geistig behindert ist, hat es wenig Chancen, zu überleben. Mein Geisteszustand ist schließlich der einzig wahre. Andere Menschen will ich nicht.
„Too stupid to join society? Try abortion!”

Kommentare:

  1. Genau so ist es. Hinterher will es wieder keiner gewesen sein ... oder die Kirche ist schuld, weil sie nicht laut genug protestiert hat.

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  2. Es wurden übrigen meines Wissens keine Juden und keine Moslems vor der richterlichen Entscheidung gefragt, wie es ihnen damit geht, beschnitten zu sein. Es wurde nicht empirisch belegt, daß beschnittene Männer besonders zu Versagensängsten oder Protzentum oder sonstigen Neurosen neigen. (Wer wollte auch so eine Studie in Auftrag geben? Wir sind ja schließlich keine Antisemiten... öh...)
    Und nicht ein einziger der entscheidenen Juristen hat zehn Minuten am Stück darüber nachgedacht, was das Verbot des jüdischen Initiationsritus für das Judentum in Deutschland bedeutet. Jedenfalls nehme ich das zu Ehren des Richterstandes an. Sonst müßte ich annehmen, sie haben zwar drüber nachgedacht und sind auch zum richtigen Schluß gekommen, fanden es aber besser, Judentum in Deutschland unmöglich zu machen.

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