Mittwoch, Juli 18, 2012

Gedanken zum Evangelium

[Von Bastian]

„In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast.
Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.“

Früher hat mich hier die vermeintliche Willkür Gottes gestört: offensichtlich bekommt nicht jeder diese Offenbarung. Was, wenn ich nicht zu denen gehöre, denen Er es offenbaren will? Dann entdeckte ich den Schlüssel im Abschnitt davor.
Wer ist unmündig? Der, der nicht aus sich handeln kann, sondern sich von einem anderen die Dinge sagen lassen muss. Der, der an der Hand eines anderen durchs Leben gehen und geführt werden muss.

Wer Gott selber denken will, kann eine Offenbarung gar nicht annehmen, weil die naturgemäß nicht selbst erdacht wird. Was aber von außen kommt, sprengt stets erst einmal den eigenen Rahmen.
Da Gott immer größer ist, als ich Ihn denken kann, kann ich Ihn jedoch gar nicht anders an mich heran lassen, als durch Offenbarung. Alles innere Betrachten darf nur die Vorbereitung darauf sein, mir die Erkenntnis Gottes von Ihm weiter vergrößern zu lassen – anderenfalls versuche ich, Ihn in meinem Intellekt einzusperren und so zu verlieren, denn dort passt Er nicht hinein.

Die einzige angemessene Haltung Gott gegenüber ist die Bereitschaft, Ihn größer sein zu lassen, als ich es bin und zu erkennen, dass Er mich führen muss, wenn ich zu Ihm gelangen will. Ich muss Ihm gegenüber unmündig sein – anders geht es gar nicht. Unmündigkeit Gott gegenüber ist der höhere Geisteszustand: die Unmündigen erhalten die Offenbarung, denn Gott will es so, weil es wahr ist.

Jesus verkündet diese Wahrheit hier nicht nur – Er bestätigt sie machtvoll, indem Er sie zum Vater hin ausspricht. Jesus spricht zum Vater – Gott spricht zu Gott. Innerhalb Gottes selbst wird dies gesagt, und ich darf es hören. Aus meiner Unmündigkeit heraus werde ich hineingenommen in Gott selbst. Wie sollte ich da den eigenen Intellekt noch zum Maßstab machen!

Kommentare:

  1. Und genau an diesem Punkt dürfte sich die Gleichsetzung Dummheit(=Unmündigkeit)=Religiosität erledigt haben!

    AntwortenLöschen
  2. Dahinter steckt ein Bild von Selbständigkeit und Intellekt, das wiederum ich für dumm halte.

    AntwortenLöschen