Montag, Juli 23, 2012

Wie wehren gegen Newspeak?

[Von Bastian]

Der Umgang mit dem Begriff „Ehe“ trägt Züge von George Orwells Roman „1984“: Begriffe werden geändert mit dem Ziel, den dahinter stehenden Inhalt verblassen zu lassen, bis er dadurch verschwindet, dass niemand mehr ihn kennt. (LINK)
Für uns Katholiken stellt sich so eine schwierige Frage: verteidigen wir unsere Ehe oder nicht? Und wenn ja, wie?

Grundsätzlich haben wir einen schweren Stand, egal, was wir tun. Verteidigen wir den Begriff, erscheinen wir als unflexibel und eng, als Menschen, die andere ausgrenzen. Da mit dem Begriff „Ehe“ Rechtsfolgen verbunden sind, setzen wir uns in den Augen der Öffentlichkeit ins Unrecht, indem wir scheinbar bestimmen wollen, wer alles nicht in den Genuss von Förderungen etc. kommen darf. Das sind schwere Vorwürfe.
Verteidigen wir den Begriff nicht, nehmen wir Folgen (auch handfeste Rechtsfolgen) in Kauf, die wir nicht gutheißen können.
Was tun?

Erst einmal sollte man, so denke ich, erkennen, dass hier zwei unterschiedliche logische Systeme um die Vorherschafft ringen.
Das System, das uns derzeit eine Diskussion aufzwingt, besagt: die Wahrheit lässt sich wandeln. Indem ich die Sprache und ihre Bedeutung ändere, übernehme ich die Hoheit über die Inhalte, die dahinter stehen. Dieser Ansatz hat augenscheinlich einiges für sich: er funktioniert offenbar, denn er setzt Dinge in Bewegung. Die Aufweichung des Ehebegriffs richtet schweren Schaden an, oder, wie die Gegenseite es formulieren würde: setzt längst notwendige Änderungen in Gang. Und so gibt es heftige Diskussionen, ob es sich bei den ablaufenden Prozessen um Schäden oder Erfolge handelt. Wenn wir uns auf diese Diskussionen einlassen, haben wir, wie ich befürchte, bereits verloren. Die gegen uns erhobenen Vorwürfe sind innerhalb der Logik, in der sich alles abspielt, nicht zu widerlegen.
Unsere Stärke, die letztlich gewinnen wird, liegt nicht in der Diskussion. Sie liegt darin, dass das derzeit handelnde System in sich falsch ist und wir die richtige Logik kennen: die der Wahrheit. Die Ehe ist nicht nur schützenswert, weil sie ein Bund ist, den letztlich Gott schließt. Sie ist aus eben diesem Grunde auch unermesslich stark und schlicht wahr. Die Ehe ist, was sie ist, egal, wie man ihren Namen zu verunstalten sucht. Um im Bild des oben verlinkten Beitrags zu bleiben: der Würfel wird unter den Quadern immer auffallen. Daran kann keine Verdrehung etwas ändern – das ist so. Selbst wenn man Würfeln ungleiche Kantenlängen vorschreiben würde, um sie so abzuschaffen: allein dieses Gebot würde den wirklichen Würfel für alle sichtbar definieren. Schafft man das Wort ab, wird sich ein anderes bilden, weil der Würfel eben nicht mit dem Wort verschwunden ist. Man kann ihn nicht abschaffen.

Wir sitzen am längeren Hebel. Gott hat den Ehebund gestiftet. Dieser Bund ist so real wie eine geometrische Form: er gehört zur umfassenden Logik der Welt. Aus dieser Logik heraus muss die Argumentation erfolgen, denn sie bringt das andere System zum Einsturz. Solange wir über Begriffe streiten, unterliegen wir der Gesellschaft, die den Inhalt prägt. Zeigen wir aber, dass es die Ehe, wie Gott sie gegeben hat, gibt, funktioniert die ganze Begriffsdiskussion nicht mehr.
Man mag sich verloren vorkommen, angesichts der überschäumenden Diskussionen und Aufbrüche in die Irre, doch wir können ruhig sein: wir stehen auf dem festen Boden – die anderen nicht. Und wir haben, dem Katholizismus sei Dank, eine unermessliche Menge an Mitstreitern: alle Heiligen (auch die, die wir gar nicht kennen) kennen die Wahrheit auch und sind höchst aktiv. Und so kann man, denke ich, die Antwort Gottes bereits erkennen: an vielen Stellen gibt es kleine Aufbrüche, Ehe und Familie zu stärken und sie den Menschen ins Bewusstsein zu rücken.

Fazit: Wir müssen nicht alles in Kauf nehmen. Ich denke, es ist wichtig, Stellung zu beziehen! Doch gleich, wie man es tut: auf die Logik der von Menschen geänderten Wahrheit sollte man sich nicht einlassen. Die wirkliche Wahrheit siegt am Ende, das ist sicher. Halten wir uns daran.

Kommentare:

  1. Wörterbucheintrag aus dem Jahr 2084:
    Ehe:
    1. veraltete Form zur Benennung des rechtlich geschützten Zusammenlebens zweier Menschen
    siehe auch: Partnerschaft, Partnerschaftsverträge
    2. christliche Bezeichnung für den von Gott gestifteten und vor Gott geschlossenen und gelebten Bund zweier Menschen
    siehe auch: Christliche Ehe, Unauflösbarkeit, freier Wille

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  2. ... und wie könnte der Eintrag für das Jahr zehntausend VOR Christi Geburt aussehen?

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    1. Ich weiß nicht wie es so früh in der Geschichte geheißen hat. Seiner Zeit habe ich ein Brauch in einem Bericht/ Zittat in einer Festshrift um das Jahr 70, also von vor der Zerstörug des herodianischen Tempels gelesen:
      Ein negativer Beweis einer Ehe, die nicht erwünscht war:
      "...Wenn einer der Brüder in einer Familie eine bemakelte Frau ehelichte, brachten die anderen Mitglieder der Familie ein Faß voll Obst, daß sie in der Straße zerbrachen, und erklärten: Brüder, Haus Israel´s, höret! Unser Bruder hat eine bemakelte Frau geehelicht und wir befürchten, daß sich seine Nachkommen mit den unsrigen verschwägern; nehmet dies als Zeichen für kommende Geschlechter, um solche Vermischung zu verhindern! Der technische Ausdruck für die bemakelte Frau spricht dafür, daß es sich um Priester handelt. Vornehme Leienfamilien nahmen für ihre Töchter Priester zu Männern, um der Femilienreinheit ihrer Schwiegersöhne sicher zu sein..."

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  3. Eine Wahrheit ist eine Wahrheit ist eine Wahrheit. Wenn ich sie aber anderen vermitteln will, muss und kann ich mich der Diskussion stellen. Vielleicht sind meine Argumente schlecht, schwach oder unverständlich. Dann liegt das Problem aber nicht an der Wahrheit, sondern bei mir.
    "Unsere Stärke, die letztlich gewinnen wird, liegt nicht in der Diskussion', schreibst du. "...unermesslich stark und schlicht wahr..." Werde ich der Wahrheit damit gerecht, dass ich sie einfach postuliere? Habe ich nicht den Auftrag, die Botschaft des Evangeliums weiter zu verkünden? Dazu gehört nach meinem Verständnis des Glaubens, dass ich mir unerhörte Mühe geben muss, anderen, 'Fremden', 'denen-die-nicht-so-sind-und-denken-wie-ich' zuzuhören, ihre Position zu erkunden, um dann meine Position verständlich zu machen - aus Liebe zum Mitmenschen.
    'Schlicht wahr'? Schlicht vielleicht, aber wenn es wahr sein soll, muss ich Rechenschaft ablegen können von meinem Glauben. Dein Fazit kann ich voll und ganz teilen: Stellung beziehen. Aber eine Stellung, die sich ihrer Gründe, ihrer Basis bewusst ist und sie auch kommunizieren kann. Fester Boden kann nicht nur aus einem 'ist halt so' bestehen.
    Mit meinem Gott springe ich über Mauern und Wälle, heißt es im Psalm 18,30. Da steht nicht: Ich verweigere mich der Diskussion.

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    1. Deine Antwort ist der weitergedachte Grundgedanke und findet meine volle Zustimmung. Für mich ist der Text die Auslotung des Ausgangspunkt, von dem aus wir dem anderen zuhören - mit viel Liebe. Aber Diskussionen, die allein darauf abzielen zu verdeutlichen, dass ICH von einem nicht zu vertretenden Standpunkt aus Stellung beziehe, beende ich dann meist lieber(liebevoll?), weil sie mein Recht der freien Meinungsäußerung leugnen wollen.

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  4. Bitte nicht falsch verstehen.
    Mir geht es dabei um den Grund, auf dem wir stehen, wenn wir uns einmischen. Es geht nicht darum, das einfach zu postulieren.
    Zumindest nicht nur, denn oft ist der Gedanke, dass es eine einfache Wahrheit gibt und man sich nicht auf Änderungsspekulationen einlässt, ein guter Gesprächseinstieg.

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  5. Lieber F.M.

    1. (zu 11:48): Es geht hier nicht darum, den Franzosen das Weintrinken zu verbieten. Wenn wir bei diesem Vergleich bleiben wollen, geht es eher darum, die Franzosen zu zwingen, den kalifornischen Wein plötzlich auch "Französischer Wein" zu nennen, damit endlich die Diskriminierung des kalifornischen Weines beendet wird...

    2. (zu 11:53): Die Warheit ist immer viel einfacher, als die Unwahrheit. Das liegt einfach in der Natur der Sache.
    Wenn ich von der Wahrheit überzeugt bin, dass ein Tisch schlicht und einfach ein Tisch ist, ist das viel einfacher, als wenn ich das tischsein des Tisches bezweifle - was ist er dann, wenn er kein Tisch ist?
    Das Streben jeder Wissenschaft ist es, aus komplizierten (unverstandenen) Dingen, einfachere (verstandene) zu machen, um so der Wahrheit näher zu kommen.
    In der Mathematik machen wir aus komplizierten Formeln einfachere Formeln, um zur Lösung zu kommen.
    Und jeder Lügner weiß, wie kompliziert es ist, eine Lüge aufrechtzuerhalten. Viel einfacher wird es, wenn man die Wahrheit zugibt.

    Liebe Grüße,
    Wolfgang e.

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  6. Staatliche "Eheschließungen" und Trauscheine sind erst jüngeren Alters, denn erst mit Heinrich VIIIten und später Preußen im Kulturkampf mischt sich der Staat in die Angelegenheit der Kirche ein, Ehe zu definieren und zu protokollieren.

    Zitat:
    "Nur: wer will irgendeinen Gläubigen Katholiken zwingen eine gleichgeschlechtliche Ehe einzugehen? Oder gar die Kirche zwingen eine gleichgeschlechtliche Eheschliessung vorzunehmen? Niemand."

    Achja? Ich wußte gar nicht, daß das englische Parlament niemand heißt!

    Franz Josef Strauß hat einmal gesagt, daß man die Sprache nicht dem Gegner überlassen darf ohne sie zu verteidigen, denn wer die Deutungshoheit über die Sprache weggibt, hat schon jeden Diskurs verloren, bevor er begonnen hat.

    Eheschließungen sind seit alters her Sache der Religionen gewesen, der Staat hat sie nur zur Kenntnis genommen, aber sich nicht angemaßt der Religion ins Handwerk zu pfuschen.

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  7. Zur Information: F.M. hat in diesem Blog Kommentarverbot, das heißt, seine Beiträge werden grundsätzlich gelöscht.
    Die Antworten lasse ich natürlich stehen.

    Wenn es dazu Fragen geben sollte, kann man mich hier kontaktieren:
    https://www.facebook.com/bastian.volkamer

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  8. Lieber Bastian,

    das kann ich gut verstehen, auch wenn ich dadurch um das Vergnügen gebracht werde auf eine Replik von ihm wie folgt zu antworten:

    Ich glaube ich habe die Argumentationsstruktur schon mal gehört...
    und zwar hier!
    Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!

    :-)

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  9. *grins* und adieu

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  10. Wir wissen noch die Feierlichkeiten zur Bildung der Nordkirche, aus drei Landeskirchen, die sich beidseits der ehemaligen Deutsch-Deutschen-Grenze erstreckt haben.
    Der Fusion ging eine rechtliche Auseinandersetzung voraus. In einer der jetzigen "Teilkirchen" gab es Kontraindikation für eine Ordination als Pfarrer für Personen, die sich zu ihrem gleichgeschlechtlichen Alltag praktisch bekannten.
    Wissen Sie, ob diese Fragestellung mathematisch nach dem größten gemeinsammen Teiler (GGT) oder nach der Methode der kleinsten gemeinsamen Vielfachen (KGV) gelöst wurde?
    Gegenwärtig erleben wir die Synergie der Lehrbuchverlage mit den Herstellern von Taschenrechnern. Leider lernen die Kinder die Anwendung von mehrzeiligen Darstellungen, bevor sie eine einfache Termumstellung (Algebra) sicher beherrschen.

    "...Wir hoffen auf den Hl. Geist, der uns im Guten Unterweist..."

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