Montag, Juni 20, 2011

Strieten wider den Heiligen Geist

Magnus Striet mal wieder. Der Freiburger Fundamentaltheologe baut seine ganze Argumentation um die Grundannahme herum: Gott handelt nicht. Jedenfalls handelt Striets Gott nicht so, daß ein Unterschied wahrnehmbar wäre, ob er nun existierte oder nicht.

»Viele Gläubige leben in zwei Welten. Sie setzen im Krankheitsfall auf eine Hochleistungsmedizin und sollen im nächsten Moment an einen Gott glauben, der auf die Fürsprache eines Verstorbenen hin eine Parkinsonpatientin, nachdem diese inständig darum flehte, von ihrem Leid geheilt hat. Es fällt mir sehr schwer zu glauben, dass ein solcher Glaube noch in die nächsten Generationen tradiert werden kann.«



Damit echot er nur dem alten Bultmann nach:

»Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muß sich klar machen, daß er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht.«

– Rudolf Bultmann: Neues Testament und Mythologie, 1941, 18


Diese Haltung kann natürlich die Hoffnung auf Auferstehung nicht zulassen. Folgerichtig kann man damit auch nicht von Eucharistie reden. – Und damit erscheint es nur konsequent, den Zugang zum kollektiven Mahl nicht an Vorbedingungen zu knüpfen. Ich sehe nicht, wie man Striets Auffassungen auch nur entfernt als »christlich« bezeichnen könnte. Sein Dialogbeitrag ist sicher sehr lobenswert. Allerdings eher in der Kategorie des interreligiösen als des innerkirchlichen Dialogs.

Kommentare:

  1. Man sollte dem Herrn Professor die nächste Liturgiereform überlassen. Dann würden endlich alle Fürbitten und überhaupt die Bittgebete gestrichen. Den Heiligenkalender brauchen wir auch nicht mehr. Vielleicht werden wir dann endlich von der atheistisch-säkularen Welt ernstgenommen.

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  2. Vielen Dank für die schöne Gegenüberstellung der Zitate. Es fällt einem ja schwer zu glauben, wie an einigen theologischen Fakultäten geglaubt wird.

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  3. Was Striet da verzapft, ist gut gemeint, aber es ist eine Häresie: Ein Gott, der in sich selbst verschlossen bleibt, ist doch als der Gott Jesu Christi gar nicht denkmöglich. Ein Satz wie "Und das Wort ist Fleisch geworden." muss Striet doch wie eine dämliche Tautologie erscheinen. Wenn er voraussetzt, dass Gott mit unserer Welt nichts zu tun hat, dann kann natürlich Gott nicht aus sich selbst heraustreten, um dem Menschen in Jesus als dem Christus als Liebe zu Gesicht zu kommen. Dann muss Striet 1. die Existenz des dreifaltigen Gottes, der in sich selbst Beziehung ist, der Liebe ist, leugnen; 2. muss er dann folgerichtig auch die Göttlichkeit Jesu leugnen, denn ein monadisch sich selbst denkender Philosophengott kann sich natürlich schwerlich offenbaren; 3. wird er auch einen solchen Gott nicht als Schöpfer denken können, höchstens noch als ein schwammiges Absolutes - aber das kann auch ein Atheist. Das wäre ja alles logisch noch akzeptabel, wenn er konsequent wäre und Gott als Demiurgen, höchste der Ideen oder auch gar nicht mehr denken würde - ist er aber nicht, denn 4. ist sein Glaubensbegriff erfahrungsbezogen. Das nennt er dann hochtrabend "kommunikationstheoretisch-partizipativ". Wie soll man aber kommunikativ am Personsein Gottes partizipieren, wenn dieser Gott sich gar nicht in Relation zu dem, was Striet "Lebenswelt" nennt, befindet? Bei Striet ist Gott letztlich als Person gar nicht mehr denkbar, höchstens noch als abstrakte Idee, die meinem Leben äußerlich und fremd bleiben muss und zu der ich meinerseits niemals einen Zugang haben kann, nicht im Sakrament, nicht nach dem Tod und nicht am Ende der Zeiten.

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  4. Was da auch wieder bleibt, wie so oft in Beiträgen aus dieser Ecke, ist am Ende doch: Jesus als Weisheitslehrer. Der revolutionäre Rabbi. Und mehr nicht.

    Mir reicht das nicht. Ich könnte nicht in einer Kirche sein, in deren Zentrum ein Mensch steht, der nur Mensch ist. Wozu sollte das gut sein?

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  5. Mich erinnert das Ganze an eine kleine Sequenz aus Watterson´s Calvin und Hobbes. Calvin fragt seinen Vater, der übrigens Bill Watterson unglaublich ähnlich sieht, warum das elektrische Licht angeht, wennman den Lichtschalter betätigt. Watterson - Calvin´s Dad anwortet: Magie! Wahrscheinlich hätten Albert Einstein oder Werner Heisenberg eine ähnliche Antwort gegeben. Der Glaube, das die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft nicht mit dem Glauben an die Menschwerdung Christi zu vereinbaren seien, hat womöglich mit unzutreffenden Vorstellungen über die scheinbar banale Funktionsweise eines Lichtschalters zu tun.

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  6. Danke für eure Kommentare! Sehr cool!

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  7. In Anbetracht der (privaten) Ereignisse der letzten Tage möcht ich Herrn Striet dafür eigentlich auch nur noch auf seinen professoralen Schreibtisch kotzen.

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