Freitag, Januar 24, 2014

GroKomene oder guck mal, wer da spricht!

[Von Bastian]

Lieber Herr Lammert, Liebe Politiker, die Ihr als Erstunterzeichner von "Ökumene jetzt"  fungiert,

danke vorab, dass Ihr mir wieder einmal Eure Glaubwürdigkeit bewiesen habt. (LINK, LINK)
Ihr, die Ihr Euch ständig um Dinge zankt, für die man, mit Verlaub, Kinder wegen offensichtlicher Übermüdung ins Bett stecken würde, fordert von anderen die Einheit. Beeindruckend parteiübergreifend (zumindest, bis der nächste heiße Wahlkampf los geht) beschließt Ihr, dass auch andere sich zusammenfinden sollen. Bravo!

Nun wage ich mal zu behaupten, dass die Unterschiede zwischen Euren Parteien noch viel geringer sind, als die Unterschiede zwischen den Konfessionen. Alle beschwört Ihr den Euro und glaubt daran, dass man Schulden mit Krediten bezahlen kann. Alle redet Ihr das eine und tut das andere. Ihr entscheidet alles hinter verschlossenen Türen, um es ab und zu für die Medien in einem verabredeten Abstimmungsspektakel im Bundestag zu veröffentlichen. Alle fürchtet Ihr den Tiger Medien und hätschelt ihn daher liebevoll, auf dass er die anderen beiße. Alles derselbe Sumpf!

Sicher, Ihr habt auf dem Gebiet der Einheit viel geleistet: Ihr habt die GroKo zustande gebracht! Man sieht – es geht doch! So könnte es auch bei den Kirchen sein: man teilt sich die Ämter auf Zeit. Danach versucht jeder, dem anderen das Messer in den Rücken zu stoßen und die Jobs allein zu übernehmen. Einheit eben.
Doch reicht das? Was wäre das doch für ein glaubwürdiges Zeichen: Ihr tut das, was Ihr fordert, und vereint Euch wirklich! Die eine große Partei, die ernsthaft sucht, mit einer Zunge redet und der man glaubt?

Nein? Nicht? Doch keine volle Einheit unter Euch? Euer Amtsverständnis ist zu unterschiedlich? Die unterschiedlichen Verstorbenen, die Ihr vergöttert, passen einfach nicht zusammen? Und es gibt nicht genug Ministerposten für Euch alle?
Sicher, Ihr Lieben, ich verstehe Eure Enttäuschung ja. Da wurschtelt und verhandelt Ihr seit Jahren und müsst dann feststellen, dass die Kirchen viel weiter sind, als Ihr. Dass man dort längst über die gezückten Messer hinaus ist und wirklich um Einheit ringt. Dass man sagt, was man denkt. Dass man sich dort über alles Gemeinsame freut, während Eure Gemeinsamkeiten Euch Angst machen, weil Ihr nur auf die nächste Gelegenheit wartet, Euch voneinander zu distanzieren. Da kann man wirklich schnell mal zum alten Trick greifen, das von anderen zu fordern, was man selbst nicht schafft. Ja, das kann ich verstehen.

Doch leider: Ökumene nach Euren Vorstellungen, liebe Politiker, wäre für jeden Christen ein schwerer Rückschritt, und darum müssen wir Euch absagen. GroKomene ist einfach zu kurzlebig für das, was uns als Einheit der Christen vorschwebt. Das ist nun einmal keine Basis. Ich könnte zudem keinem Protestanten ins Gesicht schauen, wenn ich hinter seinem Rücken bestrebt wäre, das zu etablieren, was sein Gewissen ablehnt. Ich wünsche ihn als Bruder und Schwester, nicht als Vertragspartner, den ich über den Tisch gezogen habe.

Aber last Euch nicht entmutigen. 500 Jahre Auseinandersetzung, Ringen und Beten, und auch Ihr werdet weiter sein. Vergesst nur das Beten dabei nicht. Dann könnt bestimmt auch Ihr feiern. Nicht die volle Einheit, aber viel, über das Ihr Euch gemeinsam freuen könnt.

1 Kommentar:

  1. "Ökumene jetzt" benutzt das Wort "Sakrament" genau ein Mal, nämlich in einem Lutherzitat über den rechten Gottesdienst.
    In einem Aufruf zur Ökumene das grundverschiedene Sakramentalverständnis der Kirchen nicht einmal zu erwähnen, ist ein starkes Stück Dreistigkeit - oder, was ich noch eher befürchte, schlichtweg Ahnungslosigkeit.

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