Samstag, Dezember 29, 2012

Stephanus-Predigt, nachträglich.

[Von Bastian]
Es war wie üblich: Stephanus‘ Martyrium so kurz nach Weihnachten war der Stimmungskiller schlechthin.
In der schön dekorierten Kirche, direkt vor dem erleuchteten Weihnachtsbaum ein paar Meter rechts von der liebevoll aufgebauten Krippe, um die die geschnitzten Schäfchen kauern, wird zwischen zwei Weihnachtsliedern vorgelesen, wie ein heldenhafter Christ von einer Meute religiös Verstockter langsam umgebracht wird.
Der Geistliche bemüht sich in der Predigt wie immer redlich, den Kontrast verständlich zu machen. Die Auswahl an Argumenten ist übersichtlich: man dürfe nicht in der Weihnachtsromantik hängen bleiben, Leiden und Tod gehörten auch zum Leben, das Leben der frühen Christen sei nun einmal schwer und gefährlich gewesen, diese Lesung sei halt an diesem Tag, der Bericht verweise schon jetzt auf das Kreuz.
Nicht, dass ich diese Predigten schlecht fände – vor allem der letzte Punkt hat einiges, was mich ans Nachdenken bringt. Doch hat meine Frau mich dieses Jahr mit einer Aussage zu Stephanus überrascht, die ich so noch nicht gehört hatte, die mich aber überzeugt und für die ich ihr sehr dankbar bin.

Die Lesung von Stephanus stellt keinen Kontrast zu Weihnachten dar – im Gegenteil schließt sie die Weihnachtsbotschaft erst ab. Denn der Himmel, der sich in der Heiligen Nacht über der Welt öffnete und den die Hirten im Chor der Engel offen stehen sahen, zeigt hier, dass er weiterhin offen ist.
Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. (Apg 7, 55-56)
So oft ist von der großen Demut der Hirten und dem Heldenmut des Stephanus die Rede, doch viel zu selten wird das betrachtet, was die Ursache für beides ist: der offen stehende Himmel. Der Himmel muss schon etwas faszinierendes sein, wenn die Hirten alles stehen und liegen lassen, sobald sie die Engel sehen und hören, und Stephanus sterben und vergeben kann, wenn er ihn offen stehen sieht. Das Glück, ihn wahrzunehmen, war die Kraft, die beide erfüllte. Die Lesung von Stephanus zeigt, was es tatsächlich bedeutet, dass der Himmel zu uns kam: dass er sich nach Weihnachten nicht wieder verschloss.
Weihnachten: Gott kommt zu den Menschen. Stephanus: Menschen kommen zu Gott.
Weihnachten: Gott zeigt sich im Leben. Stephanus: Gott zeigt sich im Sterben.
Weihnachten: Gott ist im Anfang. Stephanus: Gott ist im Ende.
Für uns: in unserem Anfang wie in unserem Ende zeigt sich Gott. Der Himmel ist offen. Immer und überall.

Stephanus zeigt, was Gott zu Weihnachten will: nicht nur lieblich kommen, sondern alles überwinden, was es an Dramatik im menschlichen Leben gibt, selbst den Tod. Für mich ist die Kombination von Weihnachten mit Stephanus eine der genialsten, die ich kenne.

Kommentare:

  1. An Stefan Wehmeier:
    Bitte in Zukunft keine Links setzen.
    Da ich Kommentare nur löschen, aber nicht editieren kann, zitiere ich den Kommentar hier vollständig, aber ohne Link.


    Stefan Wehmeier schrieb:
    Die Erfolge der christlichen Friedenspropaganda sind geringer als null. Die Arbeit der anderen Pazifisten ist gleich unfruchtbar geblieben. Niemals hat es so viele Kriege gegeben wie in der christlichen Ära, und seit Bertas „Die Waffen nieder“ hat der Krieg den letzten Rest der Ritterlichkeit verloren. War der Krieg für die Fürsten ein Privatvergnügen und eine interessante Unterbrechung der höfischen Langeweile, so ist der moderne Krieg, den die „Demokraten“ führen, nichts als eine Narretei, die um so lächerlicher wirkt, je sorgenvoller die Gesichter der obersten Kriegsleiter dreinschauen, je ernsthafter die Politiker heucheln, schwindeln, lügen.
    Der Grund des Versagens der Friedenspolitik liegt darin, dass die Pazifisten viel zu viel vom Krieg reden. Der Teufel erscheint, wenn man von ihm spricht. Der Friedensengel würde aber vielleicht auch erscheinen, wenn man ihn auch einmal an die Wand malen würde. Aber die Friedenspropagandisten wissen offenbar nichts vom Frieden zu sagen. Darum wachsen nur Bajonette dort, wo die Pazifisten säen.
    Wie stellt sich eigentlich der Pazifist den Frieden vor? Niemand weiß es. Würde aber eine klare Darstellung der Zustände in der befriedeten Welt nicht ungleich wirksamer sein als die ewige Auffrischung der Kriegsgräuelbilder? Stelle man doch neben die Bilder des Krieges das Bild des wahren, des ewigen Friedens und dann lasse man sie alle wählen! Wir werden dann Überraschungen erleben. Mancher Haudegen wird dann die Waffen von sich werfen und begeistert nach dem Palmwedel greifen. Für solchen Frieden, so werden sie sagen, bin ich auch, selbstverständlich.


    Dazu möchte ich bemerken: einmal gibt es keine "Christliche Ära", was das Militärische angeht. Es gibt stattdessen, leider, eine technisch immer perfektere Ära.
    Weiterhin ist die Idee einer "Friedenspropaganda" Unsinn. Frieden wird gerade im Christentum nicht über Mittel der politischen Werbung erreicht, sondern durch Bekehrung. Dann aber wird er selbst in schweren Zeiten erreicht - "nicht, wie die Welt ihn gibt" eben.
    Und damit ist drittens die Grundlage des ganzen Kommentars hinfällig, die Frieden mit Abwesenheit von Krieg gleichsetzt. Frieden ist viel mehr. Das Fehlen von Krieg ist nicht der Friede, sondern eine Frucht des Friedens.

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  2. Der Originalkommentar von Stefan Wehmeier wurde gelöscht.

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  3. Kommentar gelöscht.
    Bitte beim Thema bleiben, Herr Wehmeier, oder eine andere Plattform suchen.
    Danke.

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  4. Herr Wehmeier ist für diesen Blog gesperrt.. Beiträge werden kommentarlos gelöscht.

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