Dienstag, März 03, 2015

Gedanken zur Abtreibung

[Von Bastian]
Auf facebook gab es eine Diskussion zum Thema Abtreibung, die leider nicht weiter geführt werden kann, weil ein Gesprächspartner ausgestiegen ist. Mein Beitrag war:
Ich bin Abtreibungsgegner. Ich finde jedoch, dass man über das Thema durchaus diskutieren kann. Nicht, weil ich denke, dass es letztlich eine ergebnisoffene Entscheidung sein sollte, sondern weil es notwendig ist.
Es mag sein, dass man zu dem Schluss kommt, dass es für eine Frau die bessere Lösung ist, abzutreiben (wenn ich mir auch nicht vorstellen kann, wie). Doch selbst wenn man zu diesem Schluss kommt, muss auch die zweite direkt beteiligte Person gefragt werden: das Kind. Es bleibt daher die Frage: ist das ein Mensch mit Rechten? Ich denke: ja auf jeden Fall.
Unser Rechtssystem gibt es nicht her, dass für einen Dritten beschlossen wird, dass der Tod für ihn/sie das Beste wäre. Unser Rechtssystem gibt es auch nicht her, dass ein Mensch sterben muss, weil er sonst für die Gesellschaft eine potentielle Gefahr werden könnte. Es ist überhaupt nicht möglich, dass jemand über Tod und Leben eines Dritten entscheidet. Wenn überhaupt, kann das nur der/die Betroffene selbst.
Hier verschwimmt regelmäßig die Argumentation der Befürwortung: entweder wird dem Kind sein unveräußerliches Recht auf Leben abgesprochen, oder es wird eine Entscheidung an seiner Stelle getroffen, die niemand fällen darf.
Das Problem ist natürlich, dass dieser Mensch in einem Maße das Sein eines anderen Menschen beeinflusst, wie es drastischer kaum möglich ist: die Mutter ist quasi gezwungen, diesem Kind ihren eigenen Körper zur Verfügung zu stellen, mit tausendfachen gesundheitlichen, seelischen und gesellschaftlichen Folgen. Kann man das verlangen, wenn die Frau das Kind nicht will?
Hier stoßen wir an eine Grenze, die heute einfach nicht zeitgemäß ist: die Selbstbestimmung der Frau wird drastisch eingeschränkt! So drastisch, dass es ihr ganzes Leben verändern wird. Das ist existenziell. Nur endet der eigene Handlungsspielraum, wenn die Existenz eines anderen gefährdet ist. Das Kind hat nicht gehandelt - es wurde gezeugt. Die Gesellschaft aber handelt, indem sie abtreibt. Damit hebelt sie ihre eigen Rechtsgrundlage aus.
Von dieser Rechtslogik abgesehen ist es, so denke ich, ein großes Problem unserer Gesellschaft, dass Kinder zum Nachteil werden können und Elternschaft nicht mehr die schönste Verwirklichung ist. Eine Gesellschaft, die ihren eigenen Nachwuchs nicht mit offenen Armen begrüßt, sondern Maßstäbe setzt, an denen Kinder zum Problem werden, ist, so denke ich, schwer krank. Die Lösung ist doch nicht, Kinder dann zu töten, sondern den Betroffenen so zu helfen, dass sie dieses Geschehen als das erleben, was es ist: die engste Zusammenarbeit mit dem Leben selbst, die möglich ist. In mir wächst ein neuer Mensch heran – kann es etwas Faszinierenderes geben?
Das sage ich als glücklicher und begeisterter Vater von 4 Kindern, mit Zustimmung meiner Frau natürlich.

Kommentare:

  1. Sie haben die Thematik sehr gut auf den Punkt gebracht: "die Mutter ist quasi gezwungen, diesem Kind ihren eigenen Körper zur Verfügung zu stellen, mit tausendfachen gesundheitlichen, seelischen und gesellschaftlichen Folgen." Und - im Falle einer ungewollten Schwangerschaft - das alles ohne den geringsten Dank, die geringste Anerkennung oder die geringste Gegenleistung. Schlagen Sie das mal einem Mann vor!

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  2. Vielleicht dieser Gedanke: Sind wir nicht alle ausnahmslos gezwungen zu leben? Wer kann schon von sich aus sagen, er hat sich selbstbestimmt gewollt. Allerdings ist niemand gezwungen sich fortzupflanzen. Niemand wird gezwungen eine Ehe einzugehen oder eine Beziehung. Keine Frau wird, im Normalfall zu einer Schwangerschaft gezwungen. Das große Problem unserer Gesellschaft, oder Teile davon ist, dass das Leben nicht mehr als Schöpfung gesehen wird. Ein Leben ohne den Schöpfer verliert seinen Sinn und seine Daseinsberechtigung. Man will den Sex, den Spaß und die Befriedigung, alles losgelöst von dem Gedanken, dass wir uns nicht selber "machen" können. Dann ist es scheinbar auch einfacher, Leben zu töten und Kinder nicht zu wollen oder zu verhüten. Verhüten sollte man aber eigentlich das Übel und nicht den Menschen.

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  3. Ich bin mir nicht sicher wie ich dazu stehen soll.

    Aber was ist denn mit den Frauen, welche durch eine Vergewaltigung schwanger werden? Soll man diese tatsächlich zwingen das Kind zu bekommen?

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    1. Ich weiß nicht, was man tun kann. Hilfe ist da nötig wie kaum sonstwo, und immer unvollkommen! Es ist eine schlimme Situation.
      Ich weiß aber, was man nicht tun kann: das Kind umbringen. Es kann einfach nichts dafür.

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    2. Sie können genau das tun, was Sie in jeder Situation tun können, in der es zwei Seiten gibt. Sie können sich auf eine Seite stellen und damit automatisch gegen die andere Seite sein. Die Kirche tut das auch - aus für mich nachvollziehbaren und plausiblen Gründen - sie stellt sich konsequent auf die Seite des (ungeborenen) Kindes. Das kann man der Kirche nicht zum Vorwurf machen. Man kann der Kirche hier nur Heuchelei vorwerfen, indem sie so tut als würde sie BEIDEN helfen wollen. Das ist in dieser Situation ganz einfach nicht möglich. In dem Augenblick wo sie dem Kinde Menschenwürde und Menschenrechte zuerkennen sprechen sie der Mutter Menschenwürde und Menschenrechte ab. Es gibt in diesen Fällen eben kein Miteinander sondern nur ein Gegeneinander. Man kann sich deshalb - so schwer das auch sein mag - nur auf eine Seite stellen. Und damit automatisch gegen die andere.

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    3. Ist es menschenwürdig, wenn die Frau ein Kind abtreibt?
      Und, bitteschön: wenn hier Kommentare auch von anders Denkenden als gleichwertig stehen bleiben und offen diskutiert werden, gilt dieser Respekt selbstverständlich auch für mich und die, die denken, wie ich. Und die Unterstellung von Heuchelei verbitte ich mir!
      Es ist schade, wenn diese Webseite dazu verwendet werden soll, die eigene Einstellung absolut zu setzen, gerade da, wo wir es nicht tun, obwohl es für uns um Leben und Tod geht, und zwar ganz wörtlich genommen.
      Es gibt Menschen, die mit viel Einsatz und Zeitaufwand genau die Hilfe leisten, die Sie, Richard, hier nicht nur für unmöglich erklären, sondern sogar menschlich verurteilen. Alles Heuchler oder Idioten ohne Durchblick?
      Diskussion ist etwas anderes.

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    4. Ich kann Ihre Reaktion ehrlich gesagt nicht ganz verstehen. Ich habe mich ausdrücklich und ausschließlich auf den Fall einer Schwangerschaft nach Vergewaltigung bezogen, ich denke das geht ganz genau aus dem Post von "Anonym" hervor. Wie Sie in einem solchen Fall die Menschenwürde von beiden - also ungeborenes Kind und Mutter - verteidigen wollen - in dem sehr wahrscheinlichen Fall, dass sich die Mutter entschieden und standhaft weigert, das Kind auszutragen, bleibt ihr eigenes Geheimnis.

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    5. Ah, OK. Ich hatte die Aussagen als generell gültig verstanden.
      Und ich finde es gut, dass wir auf der Basis reden, dass es um zwei Personen und deren Rechte geht. Weniger hat mir gefallen, dass mir Heuchelei vorgeworfen wird, aber das soll nicht die ganze Diskussion prägen.
      Wenn das aber so ist, warum muss dann automatisch das Recht der Mutter höher bewertet werden? Ich denke, die Lösung liegt an anderer Stelle. Ist die Abtreibung für die Mutter wirklich das Beste?
      Ich habe einmal einen Link dazu heraus gesucht: http://www.kath.net/news/48667
      Eine beeindruckende Geschichte, finde ich. Und auch ich als Mann finde mich darin wieder: mein Job ist es, zu unterstützen.
      Was man tun soll, wenn eine Frau sich standhaft weigert, ein Kind auszutragen, weiß ich schlicht nicht. Was würden Sie tun, wenn jemand anderes ankündigt, sein Kind, das er noch niemals gesehen hat, töten lassen zu wollen, ohne dass ihm dabei klar ist, was er tut? Zwang bringt nichts. Ich bin jedoch überzeugt, dass es das beste ist, Menschen leben zu lassen. Dass dies auch für die Mutter am besten ist. Und dass man versuchen sollte, ihr das begreiflich zu machen.

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    6. "Dass dies auch für die Mutter am besten ist. Und dass man versuchen sollte, ihr das begreiflich zu machen." Da bin ich aber ehrlich gesagt gespannt wie sie das argumentieren wollen. Dazu ein paar Gedanken. Nach übereinstimmender Meinung der Wissenschaft sind für Frauen nach einer Vergewaltigung drei Dinge besonders wichtig: erstens, dass nichts "zurückbleibt" es also keine Folgewirkungen gibt, zweitens, dass das "normale Leben" bald wieder weitergeht und drittens dass sowenig Menschen wie möglich davon erfahren. Die Ergreifung und Bestrafung des/der Täter ist für die meisten Frauen sekundär. Sehr oft finden Vergewaltigungen finden im engeren Bekannten und Familienkreis statt, viele Frauen verzichten hier auf Anzeigen - weil sie aus guten Gründen davon ausgehen, dass ihnen eine solche wesentlich mehr Schaden als Nutzen bringen würde. Damit beginnt das erste Problem - wie sollte sie die Schwangerschaft rechtfertigen wenn sie die Vergewaltigung gar nicht anzeigen will? Doch auch wenn sie es anzeigt würde eine Austragen des Kindes dazu führen, dass sie es eben NICHT geheimhalten kann, dass jeder entfernte Bekannte sie fragen würde wann denn jetzt "geheiratet" werde und dass ihr vermutlich auch keiner mehr glauben würde, dass der GV wirklich gegen ihren Willen stattgefunden hat. Das führt wieder zum nächsten Problem in Job oder Ausbildung - dort würde man sie entweder für ein Flittchen (das mit einem Unbekannten ins Bett geht) oder für verrückt halten - mit all den negativen Folgewirkungen für die Karriere. Auch wenn diese Problem nicht auftreten sollten sind Schwangerschaft und Geburt auch mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen, Folgewirkungen, Schmerzen und Risken verbunden. Zuletzt glaube ich, dass es nicht viel mehr als 1 % Männer gibt, die akzeptieren würden, dass ihre Partnerin das Kind eines anderen austrägt. Die Beziehung wäre wohl also auch futsch. Und das alles - aus Sicht der Frau gesehen - für absolut gar nichts.

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    7. Dass es für Frauen am besten wäre, wenn nichts zurück bleibt, ist sicher richtig. Nur: dass nichts zurück bleibt, wenn sie abtreibt, glaube ich nicht. Denn das Kind, das in ihr heranwächst, ist genauso ihres wie das des Vergewaltigers. Das töten zu lassen lässt mehr zurück, als viele denken. Die Gesellschaft löst mit Abtreibungen sehr oft ihre eigenen Probleme, nicht die der Frauen. Denn meistens wird den Frauen genau so lange geholfen, bis sie abgetrieben haben. Danach werden sie allein gelassen. Aus gutem Grund: käme nämlich heraus, dass sehr viele Frauen mit einer Abtreibung im Nachhinein nicht klar kommen, müsste man ja seine "Problemlösung" infrage stellen.
      Bei den anderen Punkten stimme ich Ihnen zu. Ja, es ist eine besch... Situation, in die diese Frauen geraten. Die Gesellschaft kann extrem Kinder- und schwangerschaftsfeindlich sein. Oft gerade die, die das Maul vor lauter Toleranz aufreißen. Wir Männer sind da gefragt, daran zu arbeiten, dass dies alles besser wird. Es ist pervers, wie ich finde, dass es in einer Gesellschaft möglich ist, gleichzeitig Sex als eminent wichtig, weil natürlich, zu betrachten, und eine genauso natürliche Schwangerschft als Übel anzusehen. Frauen sind in dieser Mentalität schlecht dran: sie dürfen die Folgen von "Spaß ja, Folgen nein" ausbaden. In so einer Mentalität findet eine Frau, die schwerst an ihrer Schwangerschaft trägt. natürlich erst einmal Gegenwind.
      Ich kreide solche Abtreibungen mindestens genauso mir selber an, wie den Betroffenen, denn ich bin Teil dieser Frauen- und kinderfeindlichen Gesellschaft.

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    8. Also, gruselig. Ich habe ein Kind großgezogen, dessen Vater sich frischfröhlich vom Acker gemacht hat, um sich eine neue Familie zuzulegen und das Kind über Jahre zu ignorieren. Das Kind hat sehr darunter gelitten, und ich merke im Nachhinein, wie sehr es mein Verhältnis zu meinem Kind negativ beeinflusst hat, dass mein Kind seinem Vater in Aussehen und Persönlichkeit sehr gleicht. Ich liebe mein Kind sehr, und trotzdem hat es unserer Beziehung geschadet, dass ich in ihm seinen Vater so sehr wiedergefunden habe, der über Jahre eine problematische Präsenz in unserem Leben war.
      Ich glaube, wenn das Kind einer Vergewaltigung entspringt, ist die Situation für beide SEiten noch viel, viel schlimmer - ich würde in so einem Fall ohne zu zögern abtreiben, ich würde nicht zwanzig Jahre Mühe und Sorge in ein Kind investieren, in dessen GEsicht ich meinen Vergewaltiger erkennen muss,wann immer ich es ansehe. Und selbst, wenn Sie jetzt sagen, das muss ja nicht so kommen - es könnte so kommen. Und das Risiko wäre zu groß für das Kind und für mich.

      Zum Thema "allein lassen" - oft genug wird die Frau auch alleine gelassen, wenn sie nicht abtreibt. Ihr wird vielleicht ein bisschen auf die Schulter geklopft, weil sie sich für das Kind entschieden hat, aber das war's dann auch schon. Zurecht kommen muss sie dann allein, und wenn das Kind sich nicht gut entwickelt, dann wird sie als überforderte oder unfähige Alleinerzieherin angeprangert. Dass da auch noch ein verantwortlicher Vater wäre, interessiert nicht.
      Ich hab mich unlängst übrigens ein bisschen mit den Folgen von Abtreibung für die Mutter entschieden - es ist beileibe nicht so, dass alle Frauen dann in Depressionen verfallen. Manche Frauen verkraften einen Abbruch leichter, manche schwerer, aber viele haben den Eindruck, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Sicher, einige bereuen es, aber es bereuen sicher auch einige Frauen, eine Schwangerschaft ausgetragen zu haben und sich gegen eine Abtreibung entscieden zu haben. Jede Entscheidung hat ihrer Vor- und Nachteile. Die Entscheidung gegen einen Abbruch hat den unbestrittenen Vorteil, dass es keinen Abbruch gibt - aber das kann auch einen Rattenschwanz an Problemen nach sich ziehen, mit schweren negativen Folgen für Mutter und Kind.

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  4. "In dem Augenblick wo sie dem Kinde Menschenwürde und Menschenrechte zuerkennen sprechen sie der Mutter Menschenwürde und Menschenrechte ab."

    ???

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  5. Danke für diesen Kommentar!

    Ich denke Sie fassen die Problematik sehr gut zusammen. Vor allem diesen Satz finde ich sehr treffend: "Das Problem ist natürlich, dass dieser Mensch in einem Maße das Sein eines anderen Menschen beeinflusst, wie es drastischer kaum möglich ist". Die deutsche Beratungs-Regelung versucht, diesem Umstand und der Tatsache, dass das Kind nur mit und nicht gegen die Mutter geschützt werden kann Rechnung. Insofern ist mir der zähe Widerstand der katholischen Kirche nicht verständlich - zumal als mehrheitsfähige Alternativen ja nur die Fristen- bzw. Indikationslösung in Frage kämen. Beides meiner Meinung nach schlechtere Lösungen. Der Weg zum Beratungskompromiss war ein langer und mühsamer und das Bundesverfassungsgericht hat sich sehr weit hinausgelehnt um ihn durchzusetzen- oder zu erzwingen - wie man es auch sehen will.
    @ Gerd Franken: ich denke der von Ihnen zitierte Satz des Vorposters bezieht sich auf die Situation Schwangerschaft nach Vergewaltigung. Hierzu gibt es eine völkerrechtlich bindende Stellungnahme. Das UN Bosnien-Tribunal hat es als "besonders entwürdigende und demütigende Art der Folter" bezeichnet, eine Frau zu zwingen, ein durch Vergewaltigung gezeugtes Kind auszutragen. Dies im Zuge der Verurteilung gezielter sexueller Gewalt im Bosnien Krieg. Ich denke das könnte es sein, was der Vorposter gemeint hat.

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