Samstag, Juli 23, 2011

Kreisen im Stuhlkreis

Der Stuhlkreis. Das Reich der Kirchenträume.

Da ist ein intellektuell eher schlichter Bericht von einer Reise nach Mannheim, ein journalistischer Nachzügler, denn das Mannheimer Dialogwochenende liegt gut zwei Wochen zurück. Die Dame Margret P., die sich da auf den Weg zum Dialogisieren gemacht hat, erlebte gleichzeitig Weihnachten – nicht weil da Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, als Sohn der Jungfrau Maria geboren wurde, sondern weil da »was unter dem Weihnachtsbaum liegt« – und Pfingsten – nicht weil jede Volksgruppe in Jerusalem die Worte der Apostel durch das Wirken des Heiligen Geistes in ihrer eigenen Sprache hörte, sondern wegen des großen Durcheinanders.

Ich denke daran, daß genau das passiert, wenn man Jesus Christus als Haupt der Kirche vergißt, und wenn die Antennen nicht mehr auf die Apostolizität der Kirche und den ihr innewohnenden Heilige Geist eingestellt sind. Und ich resigniere sanft – denn es ist nutzlos, gegen das sich ausbreitende, vage Reformpathos zu schreiben, das die Kirche letztlich in einen bürgerlichen Verein nach dem Maß einer alternden Gesellschaft zurückstutzen will. Die église bourgeoise als eine Art Fernsehsender mit Budgetproblemen, der sich noch mühevoll mit Wiederholungen zweitklassiger Comedyshows über das Geschäftsjahr rettet.

Man möchte diesen Funktionären – Pardon, diesen Funktionären und Funktionärinnen – zurufen: »Seht, das Ende ist nah! Schon ist die Axt an die Stuhlkreise gelegt.«

Doch mitten in der Stuhlkrise erblüht schon neues Leben. Deswegen möchte ich es so halten: Das Borkener Intelligenzblatt Borkener Intelligenzblatt sein lassen. Den Senioren ihren zweiten Dialogfrühling gönnen. Sollen sie doch Ergebniswände um Ergebniswände vollschreiben. Resolutionen und Denkschriften erlassen. Die Kirche hat den Kampf gegen die Löwen und Pfähle der Römischen Cæsaren geführt. Sie hat sich im Streit gegen die Versuchung der Macht erneuert. Sie hat Asketen, Liebende, Heilige, Märtyrer hervorgebracht. Die Kirche hat Millionen Menschen Jesus Christus gebracht und damit jeden einzelnen geborgen wie eine Mutter ein ertrinkendes Kind. Sie wird auch diesen Sturm beschriebenen Papiers, dieses Pseudopfingsten bestehen, das außerhalb deutscher Lande ohnehin kaum verständlich ist.

Von den Wegen Gottes mit uns soll in diesem Blog die Rede sein. Misericordias domini in æternum cantabo … und beginne am besten schon hier und heute damit.

Kommentare:

  1. Ach ja, Frau "Pornherbst", die ehemalige Diözesanratsvorsitzende (oder wie auch immer der Posten im Bistum Münster heißt). Als "Letti" an seinem 75. verabschiedet wurde, erzählte sie in ihrer Rede was vom Tanzen in der Liturgie, während der Bischof von Magdeburg nach den "katholischen Getränken" fragte (bis dahin wurde nämlich nur Selters und Saft serviert).

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  2. Im Produzieren von Papier ist die deutsche Kirche wirklich klasse. Man schaue nur auf den Bestell-Katalog der Deutschen Bischofskonferenz. Da wird getagt und beraten, getagt und beraten, getagt... - Und viel anders ist es auch in vielen Pfarreien nicht: Dienstgespräche ohne Ende über irgendwelchen Quark. Seelsorge kann warten...

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  3. Die Ratte9:02 vorm.

    39 Stuhlkreise - erinnert mich irgendwie an Hitchcocks "39 Stufen". Das war ja auch eine Geheimorganisation.

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  4. Hitchcock? Buchan. John Buchan. Hat mir zu lesen großes Vergnügen bereitet. :)

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