Dienstag, November 11, 2014

Ehevorbereitung

[Von Bastian]
Immer wieder in der letzten Zeit habe ich Beiträge gelesen, die eine gründlichere Ehevorbereitung forderten. Hintergrund: den Eheleuten solle klar sein, was sie tun, wenn sie heiraten. Und sie sollen befähigt werden, diesem Tun auch gerecht zu werden.
Mir wird bei diesen Forderungen immer etwas flau. Denn der Gedanke, in einer Art Kurs oder Gesprächsreihe ehefähig zu werden, erscheint mir absurd. Es sei denn, es handelt sich dabei um handfeste Exerzitien, die bei einer Lebensentscheidung helfen. Doch selbst danach fehlt noch der größte Teil, denn: die Ehe ist nicht die Hochzeitsfeier, sondern das Leben danach. Und da liegt nämlich der Hund begraben!

Von einer Frau, die katholische Ehevorbereitungen mit abhält, wurde mir einmal erzählt, dass sie dort mit den verlobten Frauen eine Liste anfertigte, was sie verzeihen könnten und was für sie nicht mehr verzeihbar wäre - die Frauen sollten sich über ihre Situation klar werden. Ich fragte, wo denn Christus darin wäre. Sie sagte, auf ihn werde natürlich auch Bezug genommen, denn er müsse dabei sein. Keine Antwort bekam ich auf meine Frage, wie man denn den, der am Kreuz seinen Mördern vergab, für eine Liste gewinnen wolle, auf der steht, was man nicht zu vergeben bereit sei.
Wenn Ehevorbereitung in solchen Kursen besteht, kann man sie knicken. Ehe ist etwas anderes.

Eheschließung heißt, dass ich nicht nur verspreche, eine Frau zu lieben, die ich nur im Moment kenne und deren Entwicklung ich nicht im Geringsten vorhersehen kann. Ich verspreche auch, dieselbe Frau zu lieben, ganz gleich wie ich mich selbst verändern werde. Ich verspreche Liebe von einem mir unbekanntem zu einer mir unbekannten für Lebenssituationen, die mir ebenfalls völlig unbekannt sind. Die Tatsache, dass ich sie heute liebe, sind keinerlei Garantie: bei der Ehe geht es nicht um Bestätigung einer Liebe, die da ist, sondern um das Versprechen von Liebe, die noch nicht da ist. Ohne Einschränkung, ohne Rückweg. Die Ehe ist knallhart!

Wenn ich mich jetzt nach 20 Ehejahren frage, was mich denn ehefähig gemacht hat, kann ich nur sagen: ich bin es nicht. Dass ich glücklich verheiratet bin, ist nicht mein Verdienst. Auch nicht das meiner Frau – es ist uns geschenkt. Die Ehe muss man, das ist meine feste Überzeugung, immer wieder als Geschenk annehmen.
Das ist mehr als eine Lebensweisheit (man ist vom Schicksal und dem Partner beschenkt): die Ehe will als Geschenk Gottes angenommen sein. Denn es braucht einen Schenker, von dem man sich auch das schenken lässt, was man nicht will. Dem man auch das abnimmt, das ausweglos und unüberwindbar erscheint. Die Voraussetzung zur Ehe ist die Bereitschaft und Fähigkeit, die eigenen Wünsche loszulassen und das Eheleben von Gott zu empfangen. Dann, das ist meine Erfahrung, geht es, und es ist unvergleichlich.

Doch was hat mich darauf vorbereitet? Letztlich waren es Lebenskrisen, in denen ich es irgendwie schaffte, den Glauben nicht zu verlieren. Eine Art Reifungsprozess, der mit keinem noch so guten Ehekurs nachgeholt werden kann. Und es waren 2 Worte, die man mir gesagt hat. Einmal in Bangladesh, das ich vor Jahren besuchte: „Ihr in Europa heiratet die Frau, die Ihr liebt -wir lieben die Frau, die wir heiraten“. Das ging mir durch. Und die Aussage meines damaligen geistlichen Begleiters, dem ich dafür heute noch dankbar bin: „Die Ehe ist ein Kreuz, Bastian, und je eher du das akzeptierst, umso eher wirst du glücklich damit!“. Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass die Ehe damit nicht als Leid bezeichnet, sondern meine Haltung in ihr beschrieben wurde: jeden Tag neu auf sich nehmen und angehen. Sie steht nicht zur Debatte – sie wird gelebt.
Ich habe unter meiner Ehe auch schon geächzt (meine Frau ebenso!), aber bereut habe ich sie niemals. Dass ich meine Frau liebe, ist die Basis, auf der ich hoffentlich den Rest meines Lebens stehe. Ich kann es mit Gottes Hilfe, und ich bete, dass mir diese Hilfe bleibt.
Und weil dieses Ja, dieser Entschluss, so wichtig ist, ist mir auch klar, warum ein unverheiratetes Zusammenleben so schädlich ist. Man übt die falsche Basis ein. Man glaubt, eine ausgeklügelte Balance zwischen Geben und Nehmen sei das Rezept. Doch das einzige Rezept ist, sich selbst zu geben und anzunehmen, was man von Gott bekommt. Das ist je nachdem beglückend oder fast unmöglich – auf jeden Fall ist es der Weg.

Ehevorbereitung wird viel zu oft als Hochzeitsvorbereitung verstanden. Was gebraucht wird, vielleicht noch viel nötiger, als Ehevorbereitung, ist Beziehungs- und Ehebegleitung. Gläubig, praktisch, bodenständig und qualifiziert. Und da liegt ein Problem, denn das gibt es in der Kirche kaum. Viel zu sehr überlassen wir die Beziehungsberatung denen, die im Zweifelsfall ohne mit der Wimper zu zucken zur schnellen Trennung raten. Was gebraucht wird, geht meiner Meinung nach über die Kompetenz von Geistlichen hinaus: Eheleute brauchen Eheleute. Meine Überzeugung geht noch weiter: auch Priester brauchen die Eheleute. Hilfe und Beratung sind auch im geistlichen Leben keine Einbahnstraße.

Zum Abschluss ein Link zu Team-F, einer freikirchlichen Organisation, der es um genau dieses Thema geht. Als Katholik stimme ich ihnen nicht in allen geistlichen Einzelheiten zu, doch das macht gar nichts: hervorragende Hilfe, wie sie gebraucht wird, für die wir schon oft dankbar waren.

Kommentare:

  1. Was für ein großartiger Text. Respekt!

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  2. Vielen Dank! Ich freue mich riesig, dass ich mit meiner Auffassung von Ehe doch noch nicht ganz allein bin. Meine Frau sieht das nicht so und innerhalb der Kirche wird es leider auch immer schwieriger, Menschen mit der geschilderten Haltung zu finden.

    Ihnen alles Gute auf weitere 20 Jahre glückliche Ehe

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  3. Stimme zu! Mein Mann sagt auch immer "In einer Ehe ist der eine des anderen Kreuz. Und man lernt dort ganz konkret sein Kreuz zu lieben!"
    JPII hat das als Karol Wojtila in "Der Laden des Goldschmiedes" auch schon beschrieben!

    Bei vielen Trauungen wird das Hohelied der Liebe, als Text gewählt, ich kenne einen Pfarrer der jedesmal fragt "Wollen Sie das wirklich leben?" und regelmäßig zur Antwort erhält "Ich doch nicht, der (manchmal auch die) soll das leben".
    Christentum ist nicht die Religion des "der oder die" sollen, sondern des "ich soll", daran krankt vieles, auch die Ehevorbereitung.

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  4. Obwohl wir erst seid einem halben Jahr verheiratet sind (noch ist unsere Ehe nicht knallhart), spricht mir das o.g. aus dem Herzen. Besonders der Satz, dass wir uns die Liebe versprochen haben, die noch gar nicht da ist, hat mir die Augen etwas mehr geöffnet. Danke dafür.

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