Mittwoch, Oktober 31, 2012

Begriffe, die mich nerven (1)

[Von Bastian]
Ein Blog ist eine Art Tagebuch, heißt es. Und dieser Tage sind mir im "katholischen Bereich" ein paar Begriffe aufgefallen, die ich nicht mag. Ein Tagebuch ist subjektiv; daher kann es sich bei diesen Postings nur um mehr oder weniger durchdachte Befindlichkeiten handeln. Der/die LeserIn mag unter diesen Begriffen etwas völlig anderes verstehen, und das mit gleichem oder gar größerem Recht. Das sei unbenommen.

Der erste Begriff: das "Wagnis des Glaubens".
Da ist natürlich etwas dran: der Schritt auf Gott zu ist jedesmal ein Wagnis, oder besser: er fühlt sich so an. Jeder Vertrauensschritt hat das so an sich. Das Wagnis der Liebe, der Kindererziehung, des ersten Schwimmens und des Bungee-springens: beim Vertrauen geht man ein Risiko ein. Vertrauen ist Wagnis.
Das einzige Vertrauen, das faktisch keinerlei Wagnis bedeutet, ist der Glaube. Gott ist absolut zuverlässig. Er ist eben kein Risiko, sondern der unglaublich erholsame risikolose Bereich.
Da ist jemand, der eigentlich alles haben kann, was er will, und der mich trotzdem derart liebt, dass er sich lieber zu Tode martern lässt, als auf meine Nähe zu verzichten. Und da soll die Frage lauten, ob ich wage, ihm zu vertrauen? Die angemessene Frage ist: "Wie kannst Du es wagen, ihm NICHT zu vertrauen?!"

Das nette, süßliche, ach so menschliche, wo-man-gerade-ist-abholende Wagnis des Glaubens verstellt schnell den Blick auf das eigentliche, nicht ungefährliche Risiko: das Wagnis des Unglaubens.

Wie gesagt: Befindlichkeiten.

Kommentare:

  1. Warum nur muss ich beim Lesen dieser Argumentation nur an den faszinierenden aber trotzdem unbefriedigenden "ontologischen Gottesbeweis"von Anselm denken?
    Wenn jemand vom "Wagnis des Glaubens" spricht, drückt er imho nicht per se einfach nur eine Befindlichkeit aus sondern auch seiner vielleicht sehr persöbliche Erfahrung, die übrigens auch biblisch gut zu belegen ist: nicht umsonst schließt der Hebräerbrief(11.Kapitel) die beeindruckenden Glaubesgeschichten der Väter mit den Worten:"Doch sie alle, die aufgrund des Glaubens (von Gott) besonders anerkannt wurden, haben das Verheißene nicht erlangt...." Das vordergründige, subjektiv als Scheitern erlebte Nicht-erreichen gehört eben auch zum Glauben an den Gott, "der ganz anders ist". Von daher verstehe ich die Rede vom Wagnis des Glaubens ganz und gar nicht abwegig oder als bloßen Ausdruck von Befindlichkeiten...

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    1. "Gefällt mir" und "Ganz genau so" für Georg.

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  2. Mit Befindlichkeiten meine ich meine Meinung dazu. Das ist rein subjektiv. Verkürzungen nehme ich da in Kauf, notgedrungen.
    Den Gedanken von Georg Schimmerl stimme ich zu.

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  3. Das könnte eine SUPERSerie werden!!!

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  4. Interessante Position. Ich kann dagegen sehr viel anfangen mit dem Begriff "Wagnis" im Zusammenhang mit dem Glauben. Peter Wusts "Ungewissheit und Wagnis" (1937) zählt für mich zu den zehn wichtigsten Büchern, die meinen Glauben geprägt haben, vor allem in schweren Zeiten, als es mir nicht so leicht fiel, den Glauben zu wagen.

    LG, JoBo

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  5. Derartige kurze Statements haben es natürlich an sich, einseitig und nach allen Seiten offen für Gegenargumente zu sein.
    Das Buch interessiert mich. Das werde ich mir mal holen, denke ich.
    Danke!

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  6. Zur ersten Orientierung: http://www.kath-info.de/ungewissheit.html

    LG, JoBo

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    1. Ja, genau das hatte ich vorhin gefunden.
      Danke nochmal. Das wird interessant. (wenn ich es verstehe...)

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  7. Seltsame Argumentation. Man WEISS NICHT, ob es Gott gibt, also bleibt nur der Glaube. Und der ist ein Wagnis, weil man eben nicht WEISS, ob man sein Leben der richtigen Instanz weiht, sozusagen.

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  8. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sich im Bezug auf Glauben viele Menschen fühlen, wie in der Warteschlange davor. Wenn Du bei Ikea Bungee-Springen willst, stehst du ewig lange an. Und diese Zeit des Anstehens führt zu den abstrusesten Gesprächen und Handlungen, wie diese Wartezeit zu überbrücken sein könnte.
    Und damit wird dann das eigentliche Wagnis (was dank unserer Sicherheitsbestimmungen letztlich keines ist) überlagert, bis man dann plötzlich doch dran ist und tatsächlich loslegen muss.
    Es wäre schön, wenn wir Arbeiter für die Warteschlangen bereitstellten, die die Leute auf das richtige Vorbereiten und nicht vom eigentlichen ablenken.

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