Montag, Oktober 15, 2012

39.045m gefallen - und jetzt?

[Von Bastian]
Felix Baumgartner hat eine sensationelle Ballonfahrt und einen ebenso sensationellen Fallschirmsprung hinter sich. Es war faszinierend, mit wunderbaren Bildern der Erde - ich habe es live verfolgt und jede Minute genossen.
Was mich aber am meisten berührt hat, war die Einblendung von Emails, die beim Sender eingingen. Eine davon lautete: "Glückwunsch, dass du deinen Traum verwirklicht hast!" Passend dazu sagte der Reporter gegen Ende des Sprungs (nach meiner Erinnerung - ähnlich war es in jedem Fall): "Baumgartner hat mit Sicherheit die aufregendsten und wichtigsten Minuten seines Lebens hinter sich!" Gibt es etwas trostloseres?

"Traum verwirklicht", "die wichtigsten Minuten hinter sich" - das klingt wie "Lebensziel erreicht" oder zumindest "den persönlichen Gipfel erklommen". Der Mann ist 43 und am Ziel? Mehr ist nicht?
Die Gesellschaft ist so drauf, dass sie Menschen bewundert, die einmal was ganz tolles gemacht haben. Sie bewundert Ehrgeiz, Wagemut und Selbstvertrauen. Kurz: sie bewundert Leistungen, die herausragen. Doch Leistung und Prestige als Sinn des Lebens? Tut mir leid, aber da habe ich mehr vor!

Das Abenteuer, das mein Leben bedeutet, stammt nicht von mir, und ich  habe es allerallerallergrößtenteils noch vor mir (denn ich beabsichtige, mit Gottes Gnade ein ewiges Leben zu führen!). Es wurde auf mich zugeschnitten von dem, der die Naturgesetze schuf, die Baumgartner für sich ausnutzte. Ich sitze an der Quelle!
5 Jahre lang hat Baumgartner sich vorbereitet - meine Vorbereitung dauert das ganze Leben. Sein Sprung war lebensgefährlich - meiner erfolgt am Ende des Lebens. Es hatte 4'19'' freien Fall - ich werde unbegrenzte Freiheit haben. Er sah die Erde von oben - ich werde Gottes Angesicht und die gesamte Schöpfung sehen. Er kam sicher unten an - ich werde sicher oben ankommen. Er hatte eine Pressekonferenz - ich werde das jüngste Gericht erleben.
DAS, liebe Gesellschaft,  ist ein Abenteuer und ein Sinn, der lohnt.


Kommentare:

  1. Lieber Bastian, das ist wunderschön! Danke!

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  2. Vielleicht darf man Tersteegen dazu zitieren," du Heiland meines tiefen Falles, für dich sei ewig Herz und alles.

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  3. Das, lieber Bastian, haben Sie sehr schön formuliert.

    Welche Steigerung kann es für Felix Baumgartner im diesseitigen Bereich jetzt noch geben?
    Ich gönne ihm von Herzen die Verwirklichung seines Traumes.

    Die Frage ist nur: Gibt er sich jetzt damit zufrieden oder wird sich, wenn alle Reporter abgezogen, die Kameras eingepackt, evtl. lukrative Werbeverträge unterschrieben sind, nicht doch eine Leere in ihm ausbreiten?
    Womit wird er dann dieses Vakuum füllen können?

    Da sind mir die Aussichten, die Sie so wunderbar beschrieben haben und auf die auch ich hoffe, doch elementar lieber.

    Doch auch Felix Baumgartner steht diese andere Sichtweise offen. Er hat ja Vorbereitungszeit.

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