Donnerstag, Februar 16, 2012

Ich könnte heulen!

[Von Bastian]
Zwei Frauen bekommen miteinander ein Kind. Steht in der Zeitung.
Faktisch ist das erst einmal Unsinn. Irgendwo gibt es einen Vater, von dem aber nicht die Rede ist. Eine der beiden Frauen ist schwanger – die andere hat mit dem Kind nichts zu tun.
Nichts? Die beiden Frauen lieben sich, haben geheiratet. Sie haben bei uns ähnliche Rechte wie ein heterosexuelles Paar. Warum also kein Kind? Unsere Gesellschaft ist in der Lage, der Tatsache abzuhelfen, dass die beiden kein Kind zeugen können. Es hat geklappt. Also bekommen sie eben doch ein Kind – der Fortschrittlichkeit sei Dank. Und sie sind glücklich. Dem Kind werden sie offen alles erzählen. So stellt es sich dar.

Meine erste Stellungnahme muss sein, dass ich mich über jedes Kind freue, das zur Welt kommt. Auch über dieses, ohne Einschränkung! Und jetzt wird es schwierig. Wie verurteilt man aufs Schärfste die Einstellung, die dahinter steht, ohne das Kind zu treffen? Ohne ihm seine Mutter anzugreifen? Es ist fast unmöglich. Ich lasse daher die beiden Frauen, die sich als Eltern bezeichnen, persönlich außer Acht. Dieses Kind ist da und ich wünsche ihm von Herzen alles Gute!

Was also ist es für eine Gesellschaft, in der Menschen gemacht werden, wenn jemand sie haben will, und getötet werden, wenn man sie nicht braucht? In der man ein Recht auf ein Kind, also auf einen Menschen hat? In der das vermeintliche Recht auf ein Kind, das man faktisch nicht bekommen kann, höher steht, als das Recht des Kindes auf seine wahren Eltern, die es faktisch hat?
Was ist das für eine Gesellschaft, die die Einhaltung der Menschenrechte fordert und sich zugleich selbst die totale Verfügung über die eigenen Kinder herausnimmt? Der Verfügung bis hin zu sein oder nicht sein, Wegnahme der wahren Eltern, Verweigerung der Kenntnis der eigenen Herkunft?

Ich weiß, dass das alles schon tausendmal geschrieben wurde. Aber ich denke, ich darf es nicht riskieren, es nicht zu schreiben: Menschenrechte sind bei uns längst Rechte am Menschen geworden. Wohnrecht ist schließlich auch kein Recht der Wohnung, sondern eines an ihr.

Ich könnte heulen!

Kommentare:

  1. Danke, wahre Worte! Hatte die Schlagzeile heute morgen beim Betreten des Bäckers auch schon gesehen.

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  2. Interessanter Weise sollen Babyklappen abgeschafft werden, weil dadurch, dass die Mutter anonym bleibt, dem Kind ein elementares Recht, nämlich das, zu wissen, wer seine Eltern sind, verweigert werde.

    Aber es ist vollkommen richtig: Heutzutage bekommt man kein Kind mehr, es wird gemacht, geprüft und ggf. begrüßt oder eben weggemacht. Über 100.000 Mal jährlich allein in unserem Land. Das ist genau das, was du beschreibst - aber bekanntlich gelten Menschenrechte erst ab Durchtrennung der Nabelschnur.

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  3. Genau genommen bekommen die beiden nicht "miteinander" ein Kind - der Artikel tut aber so.
    Ich könnte nicht nur heulen, sonder k*****!

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  4. Ach mei. Biologische Eltern sind nicht unbedingt immer das Gelbe vom Ei. Biologische Väter machen sich nicht allzu selten aus dem Staub. Biologische Mütter vernachlässigen gelegentlich ihre Kinder. Biologische Eltern schütteln mitunter ihre Babies zu Tode, gar nicht absichtlich, sondern weil sie die Nerven verlieren. Biologische Mütter entscheiden sich mitunter für eine Abtreibung.
    Jedes gesunde Paar kann ein Kind "machen" - das ist noch kein Qualitätssiegel und garantiert noch gar nicht, dass das Kind gut erzogen, gut versorgt, liebevoll und konsequent begleitet wird.

    Wenn diese beiden Frauen das Kind gut und liebevoll annehmen und erziehen - dann hat das Kind wahrscheinlich mehr davon, als von unfähigen biologischen Eltern vernachlässigt zu werden.

    Übrigens hat eine Frau, die ein Kind aufzieht, das sie nicht geboren hat, mit dem Kind absolut nicht "nichts zu tun". Das ist eine ziemlich abscheuliche Herabwürdigung der Arbeit aller engagierten Pflegemütter.

    Hermione

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  5. Nichts zu tun hat die 2. Frau mit dem Kind im biologischen Sinn. Überhaupt nichts.
    Das Argument mit dem liebevollen Annehmen stimmt so nicht. Da wurde kein Kind angenommen, was es sonst schlechter gehabt hätte - es wurde extra eines gezeugt, wie auch immer.
    Und natürlich sind leibliche Eltern nicht immer das beste. Aber ein Baby hat wenig Eigenes. Das einzige sind letztlich seine Eltern. Die darf man ihm nicht nehmen.
    Noch einmal zu den Pflegeeltern: das sind ganz tolle Menschen, wenn sie für die Kinder da sind. Hier ist aber das Kind für die beiden Frauen da. Das hat mit Pflegeeltern nichts zu tun. Die würde ich niemals herabsetzen, denn sie tun unglaublich viel Liebes und Gutes.

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  6. Aber heterosexuelle Eltern zeugen doch auch in erster Linie Kinder, weil sie gerne Kinder haben möchten - auch dort wird ein Kind extra gezeugt, weil jemand gerne eins haben möchte (mal abgesehen von den Kindern, die ungeplant "passieren" - aber ist das wirklich so viel toller?). Nicht anders als bei diesem Paar.

    Mit dem Argument, einem Baby dürfe man die leiblichen Eltern nicht nehmen, kann man übrigens jede Art von Adoption knicken, auch jedes Herausnehmen von Kindern aus problematischen Verhältnissen - was nicht unbedingt zum Wohl des Kindes beitragen muss.

    Man kann homosexuelle Paare mit Kind ja doof finden - warum auch immer - aber ihnen per se weniger lautere Motive (Egoismus! Selbstbezogenheit!) zu unterstellen als heterosexuellen Paaren mit Kind finde ich argumentativ nicht besonders redlich.

    Hermione

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  7. Biologische Eltern nicht immer das gelbe vom Ei - könnten wir da mal Relationen betrachten? Und wie oft sind sie es - ungezählt - doch? Dass man nicht-funktionierende Familien als Erlaubnis für die Herstellung von Kindern in eine angeblich funktionierende Umgebung als Begründung nimmt, geht für mich an Gottes Schöpfungsidee meilenweit vorbei. Und hat überhaupt nix damit zu tun, wenn sich Paare für elternlose Kinder zur Verfügung stellen. Ich heul mit, Bastian!!!
    Ach ja, und ich freu mich für Jesus, der mit seiner biologischen Mutter und seinen zwei Vätern ja ganz offensichtlich Glück mit der Umgebung gehabt hat - oder war da mehr dahinter?

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  8. Ich meine nicht, dass homosexuelle Paare als Eltern das geringere Übel sind im Vergleich zu schrecklichen heterosexuellen Familien, die ihre Kinder verhungern lassen - das auch, ja. Aber nicht nur.

    Wir haben als heterosexuelles Paar ein Kind halbwegs erfolgreich großgezogen - und waren als Eltern sicherlich nicht übermäßig begabt. Nicht, dass wir uns nicht bemüht hätten, nicht, dass wir nicht dazugelernt hätten, nicht, dass wir nicht unser Bestes gegeben hätten. Aber anderen geht die Elternschaft eindeutig leichter von der Hand - und ganz sicherlich auch homosexuellen Paaren.Und so können homosexuelle Paare definitiv als Eltern "das Gelbere vom Ei sein" als wir, ein ganz normales heterosexuelles Elternpaar. Bei allen Schwierigkeiten, die auftreten können, wenn homosexuelle Eltern Kinder großziehen - die Qualität der Elternschaft, die Liebe und Zugewandtheit, das Interesse am Kind, das Durchhaltevermögen - die hängen sicherlich nicht von der sexuellen Orientierung ab.

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  9. @ Anonym:
    Leider bin ich krank geworden.
    Ich danke für Deine Beiträge. Antworten werde ich in ein oder zwei Tagen, wenn ich den Kopf wieder klar habe. Ich möchte nämlich denken können und keine Antworten geben, die es bereits gab, bevor ich Dich richtig wahrgenommen und verstanden habe.

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  10. @ Anonym: Ein paar Gedanken dazu.
    Ich bin dabei, 4 Kinder großzuziehen. Als Vater habe ich meine Qualitäten und meine Schwächen. Sicher ist, dass ich meinen Kindern nur einen Teil von dem geben kann, was sie eigentlich brauchen.
    Allerdings würden meine Kinder mich niemals eintauschen, und wenn der neue Vater noch so viel besser, verständnisvoller, liebevoller und was auch alles wäre. Die Grundlage unserer Beziehung ist, dass sie meine Kinder sind und ich ihr Vater. Auf dieser Grundlage steht unser Verhältnis, das ganz hervorragend ist. Die Basis ist die schlichte Tatsache. Die Kinder wissen, dass ich sie niemals weggeben würde und dass ich zu ihnen stehe. Sie wissen, dass sie unsere Kinder sind, auch wenn wir das im Leben nicht so umsetzen, wie sie es eigentlich brauchen. Es gibt etwas, das unumstößlich ist: die schlichte Tatsache. Das wissen wir alle und danken Gott dafür.
    Im hier besprochenen Fall ist die Tatsache nicht gegeben. Die Existenz wurde künstlich herbeigeführt. Der Wunsch der Frauen war maßgeblich. Die beiden können sich anstrengen, soviel sie wollen, so liebe- und verständnisvoll sein wie nur irgend möglich: sie können dem Kind keine existentielle Heimat geben. Die letzte Grundlage, auf der diese „Familie“ steht, ist der Wunsch der beiden Frauen. Wenn man den Berichten über die Lebenssituationen glauben kann, ist es zudem ein völlig unausgegorener, unreifer Wunsch. Ein ganz mangelhafter Ersatz dafür, einfach zu den Menschen zu stehen, die da sind.

    Wenn die Beziehung der Eltern oder sogar die Beziehung anderer Personen, die gar nicht die Eltern sind, Existenzgrundlage ist, muss man darauf hoffen, dass diese Beziehung einen trägt. Wenn nicht, steht die eigene Existenzberechtigung infrage. Es ist klar, dass Gott auch dieses Kind mit der gleichen Liebe ins Leben rief. Es ist aber, denke ich, auch klar, dass es diesem Kind viel schwerer fallen wird, sich selbst als gottgewollte Tatsache zu begreifen und nicht als das Produkt von zwei Menschen, von denen es einen nicht einmal kennt und der mit ihm nichts am Hut hat.

    Deshalb ist auch Adoption eine ganz verantwortungsvolle Aufgabe: man nimmt Kinder an, um ihnen das zu ersetzen, was ihnen eigentlich zusteht. Es ist das Unterfangen, Herkunft durch Heimat zu ersetzen. Für das Kind ist das schon sehr schwer. Es erlebt aber, dass es angenommen wird, weil es da ist. Seine Stiefeltern sind für es da.
    In unserem Fall ist aber das Kind da, weil die beiden Frauen es wollen. Das ist eine Bürde, die kaum zu tragen ist. Ich denke, ein Kind darf nicht das Objekt sein, an dem jemand anders sich verwirklicht.

    Klar ist, dass ich mich mit dieser Position nicht nur gegen diese beiden Frauen stelle. Ich stelle mich gegen jeden Fall, in dem Kinder zum Objekt werden. Ich bin überzeugt, dass das Recht der Kinder auf ihre wirklichen Eltern niemals hinter einem vermeintlichen Recht Erwachsener auf ein Kind zurücktreten darf.

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  11. Vielen Dank für die ausführliche Antwort, ich weiß die Mühe sehr zu schätzen. Allerdings überzeugt mich die Argumentation nach wie vor nicht - ihr Herz scheint zu sein, dass es verwerflich ist, dass zwei Menschen sich ein Kind wünschen und diesen Wunsch dann in die Tat umsetzen - weil das ein lesbisches Paar ist, ist die Umsetzung dieses Wunsches mit viel ungewöhnlichem Aufwand verbunden. Dahinter scheit das Idealbild zu stehen, dass es besser wäre, vertrauensvoll Gott zu überlassen, ob und wie er einen mit Kindern beschenkt oder auch nicht und dann das jeweilige Ergebnis dankbar annimmt - statt "das Objekt zu sein, an dem jemand anders sich verwirklicht". Das klingt ja nett; in der Realität kann ein Kind für ein Paar (oder für ein Elternteil) eine Belastung sein; vielleicht kann das Elternpaar das Kind nicht dankbaren Herzens annehmen und das Kind bleibt emotional unterversorgt. Ich weiß nicht, warum der Kinderwunsch einer homosexuellen Frau per se qualitativ schlechter sein soll als der einer heterosexuellen Frau - wer sagt, dass die heteroseuelle Frau sich nicht für ein Kind entscheidet, "um sich an ihm zu verwirklichen"? Würde ich niemandem wirklich unterstellen, kann aber da wie dort vorkommen. Angesichts dieser Realität scheint es mir viel, viel besser zu sein, wenn ein Kind gewollt, erwünscht geliebt und gut versorgt ist - egal, ob von einem homosexuellen oder einem heterosexuellen Paar.
    Die zweite Schwäche scheint mir die Überbewertung des biologischen Bandes zu sein - die 2. Frau in dem Beispiel ist mit dem Kind biologisch nicht verwandt. Angesichts der vielen Väter (und wenigen Mütter), die sich relativ ungerührt vom Acker machen, scheint mit das biologische Band nicht so besonders stark zu sein. Ein Gefühl von Nähe und ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht durch gemeinsam durchlebten Alltag - und da ist ja die biologisch nicht verwandte Frau voll einbezogen.
    Die Existenz jedes Kindes aus jeder Beziehung leitet sich davon ab, dass sich zwei Eltern dafür entschieden haben, es zu bekommen. Warum sich Kinder aus homosexuellen Beziehungen weniger existenzberechtigt fühlen sollen als Kinder aus heterosexuellen Beziehungen, OBWOHL sie eindeutig sehr erwünscht waren, verstehe ich nicht. Am Verlust eines Elternteils leidet wohl jeder.
    Mehrere Studien - fairerweise muss man anmerken, dass es wenige Langzeitstudien gibt u. z. T. die samples eher klein sind - sprechen übrigens eine deutliche Sprache - Kinder aus homosexuellen Beziehungen sind leistungs- und verhaltensmäßig vergleichbar mit Kinder aus heterosexuellen Beziehungen - ein Trauma in ihren Reihen müsste sich hier ja wohl deutlich niederschlagen.

    Studien z. B.: http://www.time.com/time/health/article/0,8599,1994480,00.html
    http://articles.cnn.com/2010-06-07/health/lesbian.children.adjustment_1_psychological-adjustment-advocacy-groups-lesbian-households?_s=PM:HEALTH
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12361102
    usw.

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