Montag, Dezember 05, 2011

Ich stehe vor der Tür und klopfe an

[von Peter Esser] »Ich hab ja eigentlich kein direktes Bekehrungserlebnis gehabt!« – Ein Satz, für den ich gerade in den letzten Jahren sehr viel Verständnis (und auch ein wenig Neid) aufgebracht habe. Wer in den Glauben der Kirche hinein aufgewachsen ist, wessen Glaube Kindheitsphasen und die Krisen des Erwachsenwerdens erlebt hat, blickt auf eine Jugend zurück, die bereits Glaubensbiographie ist.

Bei mir war es halt nicht so. Im (groß)elterlichen Haus war es irgendwie unschicklich, irgendeiner Gemeinschaft anzugehören, die nicht irgendwie Teil des Familienbetriebs war. Unmöglich, sich einen »Esser« vorzustellen, der nicht dem Beruf des selbständigen Metzgers nachging. Und das genügte als Lebensdeutung. Für Kirche ist da kein Platz. Und Christus war Zimmermann, nicht Metzger. Der konnte doch für uns nicht zuständig sein.

Irgendwann waren meinen Eltern die Reste des Familienbetriebs in einem gewaltigen Knall um die Ohren geflogen. Schon zur Abiturzeit hatte ich festgestellt, daß mir der Duft bedruckten Papiers lieber war als der Geruch von Schweinehälften. Als ich dann bereits mein Studium begonnen hatte und schon einige Zeit in Düsseldorf wohnte, da habe ich zum Glauben gefunden.

Am 5. Dezember 1987, etwa um 21:10 Uhr war es. Ich hatte, um »mir das mal von außen anzusehen«, einen Abend im Jesushaus, einer freikirchlichen Gemeinde in Düsseldorf besucht. Mit einem Mal wußte ich: Jesus Christus ist da. Er kennt mich. Er will, daß ich ihm glaube, ihm mein Leben anvertraue.

Spät an diesem Abend kam mich nach Hause. Ich rief einen Krefelder Priester an, den ich vorher bereits kennengelernt hatte und vereinbarte einen Termin. Zum Gespräch. In meinem Regal lag angestaubt meine Bibel. Ich schlug sie aufs Geratewohl auf und las:

»Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.« (Offb 3,20)

Heute vor 24 Jahren. Danke, lieber Gott.

Kommentare:

  1. Danke für´s Teilen! :-)
    Oremus pro invicem!

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  2. Wenn man so selbstverständlich mit dem Glauben aufgewachsen ist (wie ich), wenn man eine „Glaubensbiographie“ schon in der Jugend hat, dann hat man wahrscheinlich auch nie in der Intensität um seinen Glauben gerungen und sich mit ihm auseinandergesetzt, wie jemand, der später zur Kirche gefunden hat. Deswegen freue ich mich sehr darüber, diese fast augustinische Begebenheit lesen zu dürfen. Danke sehr!

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  3. wie schön!! Gottes Segen!

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