Dienstag, Februar 02, 2016

So geht es nicht.

[Von Bastian] „Sogar euer Bischof sagt, dass Schwulsein keine Sünde mehr ist“ schreit ein LGBT-Aktivist auf einer Demo. Eine katholische Kommunikationswissenschaftlerin hört das, googelt und findet: „Homosexualität als Sünde darzustellen, ist verletzend“ sagt Bischof Koch doch „tatsächlich“ in einem Interview. Auf Basis dieser beiden Aussagen baut sie daraufhin den neuen „Brief aus Siena“ auf, eine sanft und lieb vorgetragene Ohrfeige an den Bischof, die sachlich schlicht unhaltbar und formal eine Unverschämtheit ist.

Erst einmal die Aussage des Bischofs selbst: Homosexuell zu sein ist keine Sünde. Praktizierte Homosexualität ist Sünde, wie übrigens jede andere praktizierte Sexualität außerhalb der Ehe zwischen Mann und Frau auch. Sogar in der Ehe ist es Sünde, wenn die Sexualität nicht offen für Kinder ist. Der Personenkreis wird groß und ist keineswegs auf Schwule begrenzt. Doch die Kirche unterscheidet eben zwischen Versuchung und Sünde, zwischen Neigung und Handlung. Und sie sagt klar: Neigungen sind keine Sünde. Punkt. Die Aussage des Bischofs für sich ist daher inhaltlich nicht zu monieren.

Daher stellt sich die Frage nach dem Kontext: war der vielleicht falsch? Der Bischof ist mit seiner Antwort offenbar einer Frage ausgewichen, die dazu angetan war, ihn zu einer Aussage zu bewegen, die man ausschlachten kann: „Stichwort Homosexualität: Hält die Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften für Leben in Sünde?“ Die Frage zeigt klar, dass die korrekte Antwort längst bekannt war; sie enthielt diese Antwort bereits: diese Frage muss man katholisch mit „Ja!“ beantworten oder ihr ausweichen. Bischof Koch ist ihr ausgewichen. Und an dieser Stelle haut die Kommunikationswissenschaftlerin zu.
Die Antwort sei in diesem Zusammenhang faktisch eine Verneinung gewesen. Ihre Rezeption in „diversen Homozeitschriften“, die das offenbar als kirchlichen Freibrief verstehen wollen, sei die Folge. Diese Rezeption hat nach Ansicht der Schreiberin der Bischof zu verantworten. Das faktische Ziel der Schreiberin hier offenbar, dass man sich unterschiedlich äußert, je nachdem, wer es hört und was der damit macht. Also genau das Gegenteil dessen, was sie in Worten fordert.
Der Bischof verschweige die wahre kirchliche Meinung dazu und dementiere auch im Nachhinein nicht. Anlass, ihm lang und breit zu erklären, warum man gegen Regenbogenfamilien sein müsse und was die Kirche dazu sage, als brauche der Bischof Nachhilfe. Beispiele für bessere Kommunikation werden genannt. Es wird ausgewalzt, wie verletzend die Aussage für die sei, die sich an der Lehre der Kirche orientieren. Das ganze gewürzt mit ein paar wissenschaftlichen Untersuchungen, die die eigene Ansicht untermauern. Nur: zu all dem hat der Bischof gar nichts gesagt. Man kann jeden in die Pfanne hauen, greift man ihn für das an, was er nicht gesagt hat. Der „Brief“ ist eine als mitfühlend getarnte Inszenierung dessen, was man für katholisch korrekt hält, aufgebaut als Gegenpol zum Bischof, der damit offenbar nicht katholisch ist. Eine Aussage, die so natürlich nicht gemacht wird, dennoch im Raum steht und bei einer Kommunikations-wissenschaftlerin nur zwei Schlüsse zulässt: entweder ist sie schlecht und weiß nicht, was sie tut, oder sie manipuliert und nimmt dieses Bild bewusst in Kauf, plant es sogar und bedient so mehr oder weniger gekonnt die Ressentiments vieler, denen die Kirche nicht katholisch genug ist. Nebenbei inszeniert sie sich noch als fachliche und menschliche Autorität.

Das ganze Bild des unkatholischen Bischofs beruht nicht auf einer Falschaussage, sondern darauf, dass er ungeschickt kommunizierte. (Man kann darüber unterschiedlicher Meinung sein.) Dass er einer Frage auswich. Daraus aber derartige Interpretationen zu gewinnen geht am Ziel vorbei, und zwar gründlich. Man kann sicher unterschiedlicher Meinung sein, was richtig wäre. Auch ich frage mich immer wieder, ob Mut zum Profil nicht manchmal besser wäre. Ich bin aber auch nicht in der Verantwortung, zu entscheiden. Wenn ein Körperteil leidet, leiden alle – der Bischof wird gut daran tun, keine Aussagen zu liefern, die einer Amputation gleichkommen, auch wenn viele das wünschen.

„Herr Bischof: auch Homosexuelle sind Menschen. Geben Sie als Hirten bitte auch diesen Menschen die Chance, glücklich und heilig zu werden.“ So endet der „Brief“. Starker Tobak. Der Bischof hält offenbar Schwule für Unmenschen oder Tiere? Nur, wenn man der Schreiberin folgt, hat man eine Chance auf Glück und Heiligkeit? An Selbstbewusstsein scheint es nicht zu mangeln. Es ist legitim, um den richtigen Weg der Verkündigung zu ringen. Es ist gut, dass der Chor ein Vielstimmiger ist. Und es ist gut, Bedenken zu äußern, so man welche hat. Doch mit dem Wahrheitsanspruch sollte man vorsichtig sein, will man nicht ins Sektiererische abrutschen. Man kann auch gut katholisch großen Unsinn reden.

Moderne Kommunikationswissenschaft besteht nicht darin, mit freundlichen Worten unverschämte Unterstellungen in die Welt zu setzen. Auch in Watte verpackte Steine sind Steine und schmerzen, wenn man sie wirft. Offenheit (ja=ja, nein=nein) ist etwas Anderes. Stilistisch ist der Brief unaufrichtig. Inhaltlich hat er das Niveau eines Fans, der es stets besser weiß, als der Trainer seiner Mannschaft. Letztlich unternimmt die Schreiberin denselben Versuch, der im Interview unternommen wurde: Herr Bischof, rechtfertigen Sie sich, wenn ich es verlange!
Wäre ich der Bischof – kein Wort würde ich dazu sagen oder schreiben, auch wenn das der Schreiberin entgegenkäme, stärkte es doch das Bild meiner Unbelehrbarkeit. Ich distanziere mich von diesem „Brief“ – ich möchte als Katholik dafür nicht in Mithaftung genommen werden!

Kommentare:

  1. Ich hatte auf Facebook dazu einen Kommentar abgegeben, in der ich diesen offenen Brief auch abgelehnt habe. Es war die kath.net Seite. Offenbar ist das direkt wegzensiert worden. :D - Passt voll ins Bild.

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    1. Ich unterstütze Kath.net selbstverständlich auch weiterhin. Was die schaffen, aus eigenen Mitteln, ist sicher eines der besten katholischen Portale. Ich such keine Perfektion. Gerade deshalb kann ich auch Gegenpositionen beziehen, ohne dass meine Solidarität darunter leiden würde.

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  2. Sehr guter Kommentar! Der Mangel an Anstand und die Selbstgefälligkeit stören mich bei der Schreiberin enorm

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  3. Jop. Ging mir ähnlich.
    Ich habe den Brief höflich kritisiert und wurde umgehend zensiert und geblockt.
    Kath.net-Style.

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  4. Einen zwar zustimmenden, aber eher harten Kommentar veröffentliche ich nicht, weil er anonym verfasst wurde.

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  5. Einen Kommentar gelöscht. Wer anonym schreibt und dazu inhaltlich nichts als Anschuldigungen gegen Kath.net, hat hier nichts verloren.

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  6. Liebe, Zärtlichkeit und verantwortungsbewußte Sexualität unter Hetero - wie Homosexuellen sind für Gott allemal die größte Freude. Selbstverständlich verbietet er das nicht.

    Gruß

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    1. Wieso sollte "verantwortungsbewusste Sexualität" Gottes Größte Freude sein? Das ist, mit Verlaub, Unsinn. Gottes größte Freude ist die Liebe, die weit größere Bereiche umfasst, als nur Körperlichkeit im Lichte dessen, was man selbst für verantwortlich hält. Die Sexualität hat ihren Platz, der weder besonders tief noch besonders herausgehoben ist. Eines ist sie mit Sicherheit NICHT: irgend ein Maßstab im Sinne von "Lustvoll ist schon deshalb gut, weil es lustvoll ist".
      Gott will unser Glück, aber Glück und Genuss sind nicht identisch. Glück zieht Genuss nach sich, doch Genuss ohne echtes Glück als Fundament zieht Abstumpfung und Gier nach sich.
      Was Gott verbietet und was nicht, weiß ich nicht. Ich will es auch gar nicht wissen. Was mir wichtig allerdings ist: dass ich bei dem, was ich für angemessen halte, Gott zum Maßstab mache und nicht meine Lust.

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