Donnerstag, Februar 04, 2016

Lieber Herr Beck!

Nein, homosexuelle Neigungen an sich sind keine Sünde.
Nein, nicht nur Schwule und Lesben sind zur Keuschheit gerufen.
Ja, Gott verzeiht auch sexuelle Sünden. Es sind für ihn nicht die schlimmsten und er ist täglich damit konfrontiert.
Gott ist für jeden da, Herr Beck, wirklich für jeden einzelnen. Gott liebt jeden Menschen und sehnt sich nach ihm. Es gibt niemanden, dem er seine Vergebung nicht schenken würde.
Warum Sie allerdings dieses Geschenk nicht wollen und stattdessen aus der von Gott geschenkten Vergebung eine von Ihnen eingeforderte Zustimmung seinerseits konstruieren, erschließt sich mir nicht.

Sie kritisieren Bischof Schwaderlapp dafür, dass er die Trauung homosexueller für falsch hält und das sagt (LINK).  «Von der frohen Botschaft Jesu und der Liebe Gottes ist in seinen ausgrenzenden Worten nichts zu vernehmen», sagen Sie. Nun, diese Aussage funktioniert nur, wenn Sie davon ausgehen, dass umgekehrt in dieser frohen Botschaft keine ausgrenzenden Worte zu hören sind. Denn anderenfalls wären Bischof Schwaderlapps Aussagen ja durch die Botschaft gedeckt. Leider liegen Sie da falsch: es gibt reihenweise Aussagen, die nicht nur ausgrenzend sind, sondern geradezu verdammend. Zwei sollen hier reichen:
Mt 5,29 Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg! Denn es ist besser für dich, dass eines deiner Glieder verloren geht, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.
Mt 23,33 Ihr Nattern, ihr Schlangenbrut! Wie wollt ihr dem Strafgericht der Hölle entrinnen?
Damit können auch wir gemeint sein, Herr Beck, Sie und ich. Das Frohe in der frohen Botschaft besteht nicht darin, dass Gott sagt: „Alles OK!“, sondern darin, dass er sagt: „Du weißt, dass nichts OK ist, aber das kriegen wir zusammen hin!“. Gott ist gut und liebt uns. Das heißt aber nicht, dass er ein Trottel ist, der die Realität nicht sieht und alles klasse findet. Das ist auch gut so, denn ehrlich gesagt wünsche ich mir schon, in der Ewigkeit etwas besser drauf zu sein, als ich es jetzt bin. Das sagt Gott mir zu und bittet mich, Ihm auf dem Weg dorthin zu vertrauen, und das ohne Ausnahme in jedem einzelnen Lebensbereich..

Wenn Sie all dem nicht zustimmen können und Ihr Glaube Ihnen etwas anderes sagt, dann bitte ich Sie, wenigstens zu akzeptieren, dass andere Menschen mit dem gleichen Recht es eben doch glauben. Warum fordern Sie, dass Katholiken aktiv gegen ihren Glauben verstoßen, damit Sie, Herr Beck, Ihre Meinung bestätigt bekommen? Aus demselben Recht heraus, mit dem Sie Ihr Leben leben, lassen Sie bitte auch Katholiken in der Kirche in Ruhe. Wenn jeder seinem Glauben folgen soll, holen Sie sich Ihre Trauungen doch dort, wo sie angeboten werden, und fordern Sie nicht von Dritten, gegen ihr Gewissen zu handeln, weil Sie es für richtig halten. Sowenig Sie der katholischen Lehre folgen möchten, sowenig muss die katholische Lehre Ihnen folgen. Gleiches Recht für alle. Das ist doch einleuchtend, oder?

Wenn Sie, Herr Beck, die Kirche jedoch nicht gleich behandeln wollen, weil sie etwas Besonderes ist und eine katholische Trauung etwas Wünschenswertes und Gutes, dann sollten Sie sich fragen, warum das so ist. Ob es da Dinge gibt, die die Kirche zu etwas besonderem machen? Bevor Sie also denken, dass die Kirche handeln sollte, wie Sie es für richtig halten, sollten sie einen Moment darüber nachdenken, dass die Menschen von der katholischen Kirche getraut werden möchten, und nicht von Ihnen oder dem ZdK.

Sie wünschen sich Barmherzigkeit. Damit sind Sie in guter Gesellschaft. In bester. Als der zweite Sohn nachhause kam, wusste er, dass er alles verloren hatte. Daraufhin hat der Vater ihm alles vergeben und ein Fest gefeiert. Das ist Barmherzigkeit: ein Geschenk. Es ist eine zweiseitige Sache. Der Sohn weiß, dass er sie nicht verdient, und der Vater schenkt sie. Wie Sie daraus eine berechtigte Forderung des Sohns ableiten, der Vater möge bitte das Verprassen des Erbes für gut erklären und ihm erlauben, auch weiterhin so zu verfahren, ist mir schleierhaft! Wollen Sie keine Vergebung, sondern stattdessen Akzeptanz der Sünde? Die bekommen Sie ebenso wenig wie ich.

Und all das, Herr Beck, gilt für jeden. Es hat mit schwul oder nicht schwul nichts zu tun, überhaupt nichts. Nicht das Schwul-Sein Sünde wäre, ist das Problem. Gott arbeitet mit Sündern. Er liebt sie. Zudem: Nicht-Sünder gibt es gar nicht. Das Problem ist, dass hier nicht gewünscht wird: „Segne mich mit Deinem Erbarmen“, sondern gefordert wird: „Segne mich mit Deiner Zustimmung“. Es ist ein grundsätzliches Problem, keines, das speziell die Sexualität betrifft.
Ich habe keinen Grund, Herr Beck, mich für besser zu halten, als Sie. Es geht überhaupt nicht um besser oder schlechter. Vor Gott ist das eine unglaublich lächerliche Frage: jeder braucht Vergebung, und Gott schenkt sie umso lieber, je größer sie sein muss. Das ist Seine Logik. Darum lassen Sie uns in allen Diskussionen und in allem Ringen bitte in dieser Logik bleiben, damit wir vor Ihm bleiben.

Kommentare:

  1. Besser kann man's nicht sagen! Danke!


    AntwortenLöschen
  2. Wer anderen Leuten einreden will, sie könnten nur dann ein erfüllendes Eheleben führen, wenn sie als Penisträger und Vaginaträger zusammenleben, offenbart ein erhebliches seelisches Problem.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Falsch. Was Sie verwechseln, ist Liebe und Ehe. Das sind hier zwei völlig unterschiedliche Bereiche, auch wenn sie natürlich zusammengehören.
      Dass Gleichgeschlechtliche sich nicht lieben können, sagt niemand. Zumindest ich nicht und Herr Schwaderlapp auch nicht. Ob es von Gott so gewollt ist, dass diese Liebe sich dann erotisch aktiv ausdrückt, ist eine andere Sache. Dafür müsste sich aber dann Gott rechtfertigen, nicht der Weihbischof. Mein Vorschlag zu diesem Punkt: reden Sie mir Gott, aber lassen Sie ihn zu Wort kommen.
      Zum Thema Ehe: hier handelt es sich um ein begriffliches Problem. Es gibt endgültige Partnerschaften zwischen Mann und Frau. Die werden seither als "Ehe" bezeichnet. Dann gibt es auch andere Partnerschaften. Beginnt man, jetzt auch die als Ehe zu bezeichnen, wird der Ehebegriff nicht menschenfreundlicher, sondern schlicht weniger präzise. So, als wolle man alle Quader künftig als Würfel bezeichnen, um Ausgrenzungen zu vermeiden.
      Die Ehe ist nun einmal ein Sonderfall: sie ist die endgültige Beziehung, aus der ohne „Hilfe“ Dritter Kinder erwachsen können, für die sie dann nicht nur emotionale, sondern auch faktische Heimat und Herkunft ist. Sie merken: da spielen Dinge hinein, die zum Aspekt Liebe hinzukommen und in dieser Kombination ausschließlich in dem vorhanden sind, was die Kirche als „Ehe“ bezeichnet (und es bis vor kurzem fasst jeder Mensch bei uns auch getan hat).
      Wollen Sie den Ehebegriff erweitern, müssen Sie beginnen, diese Aspekte hinauszuwerfen. Doch was soll das bringen? Warum kleben Sie am Begriff „Ehe“, wenn Sie etwas anderes meinen?
      Hier wird es, denke ich, interessant. Denn das, was die Ehe ausmacht, verleiht ihr eine besondere Qualität. Die ist es, die man haben möchte, auch für andere Beziehungen. Doch sagen Sie selbst: wird aus einem Motorrad ein Auto, wenn ich den Auto-Begriff auf Motorräder ausweite? Ist einem Zweiradfahrer, der sich bei Unfällen eine Knautschzone wünscht, damit geholfen, dass Autos der alten Definition eine haben und sein Motorrad nun „Auto“ heißt?
      Nur weil viele es laut fordern, ist diese Begriffserweiterung deshalb nicht weniger eine dumme Augenwischerei. Wer um Begriffe kämpft, und meint, er behandele damit die Inhalte, irrt ziemlich gründlich. Wer das nicht sieht, hat, so denke ich, ein massives logisches Problem.

      Löschen
  3. Auch wenn der Artikel nicht mehr ganz neu ist:
    Dank und Zustimmung dafür, sowie einige Worte an Peter Friedrich.
    Wo ist eigentlich das Problem, "Mann und Frau" zu sagen? Ich finde die von Ihnen vorgenommene Reduzierung auf primäre Geschlechtsteile "Penisträger und Vaginaträger" nicht nur unsinnig und unsinnlich, sondern auch frech. Zu meinem Frausein gehört wahrlich mehr als das primäre Geschlechtsteil. Ich bin Frau zwischen den Ohren ebenso eindeutig wie zwischen den Beinen. Alles Weitere hat Bastian ja hervorragend erklärt.

    Mir fällt immer mal wieder auf, daß Menschen, die der katholischen Sexuallehre folgen, öffentlich sexuell beschimpft werden "dürfen".

    Ein für alle Mal: Nein, dürfen sie nicht. Ich wünsche nicht, wegen meiner Überzeugung oder aus irgendeinem anderen Grund als "Vaginaträger" bezeichnet zu werden (und auch nicht als -trägerin, obwohl die weibliche Endung hier ja wirklich mal angebracht wäre). Das ist nicht weniger verletzend und unverschämt wie ein anderes Wort mit gleichem Anfangsbuchstaben.

    AntwortenLöschen