Mittwoch, Februar 12, 2014

Outing eines Dunkelkatholiken

Ja, es stört mich, wenn ein Bischof Sünde nicht mehr Sünde nennt.
Doch die Art, wie das thematisiert wird – steckt darin nicht ein Fehler?

Es ist bedrückend, wenn es endlose Diskussionen darüber gibt, dass Sex außerhalb der Ehe Sünde ist, um es an einem aktuellen Thema zu verdeutlichen. Es stimmt – das ist Sünde. Und es ist wichtig, dass die Wahrheit ganz verkündet und nicht an manchen Ecken einfach geleugnet wird. Es kann aber doch nicht sein, dass wir uns vor lauter Vergewisserung, dass die ganze Wahrheit verkündet wird, die Themen vorschreiben lassen!
Es ist überflüssig, dass wir ständig die Lieblingssünden der Presse betrachten. Es gibt noch eine Menge anderer Sünden, die ebenso schwer sind. Ich für mein Teil habe das größere Problem mit meinen eigenen Sünden als mit der Definition, die andere anwenden. Ich kenne meine Grenzen und weiß, dass es Dinge gibt, an denen ich nur um Vergebung bitten kann, weil ich das Ziel nicht erreiche. Ginge es nur um die Sünde, wäre ich verloren. Nur: darum geht es nicht!

Niemand wird gerettet, weil er die richtigen Dinge für Sünde hält. Wenn es Rettung gibt, dann deshalb, weil Gott für uns starb und auferstand. Wenn Christus von Sünde spricht, ist dabei sein Blick auf das Heil gerichtet. Nur im Licht Gottes ist die Sünde interessant, weil sie dort stört. Nur im Wunsch, an das Licht zu kommen, das von der Sünde verdeckt wird, wehrt man sich gegen sie. Sündenerkenntnis gibt es nur im Lichte Gottes. Sie ist letztlich ein Akt der Sehnsucht nach Gottes Licht. Als Objekt der Betrachtung selbst ist die Sünde ungeeignet, weil sie den Blick vom Licht fort lenkt. Sünden zu meditieren ist schädlich.

Und da tue ich mich derzeit schwer: manches dreht sich im katholischen Internet (genauer: in dem Teil davon, den ich kenne) darum, dass Sünde nicht mehr Sünde genannt wird, aber kaum jemand spricht davon, dass das Heil nicht mehr Heil genannt wird. Im Gegenteil: sogar der Papst wird verdächtigt, die wahre Lehre zu verraten, wenn er sagt, man solle wieder mehr auf das Licht als auf mögliche Sünden schauen. Manchmal denke ich, dass der Begriff „Dunkelkatholiken“ bisweilen leider passt: Es sind schon teilweise Argumentationen, die sich im Schatten der betrachteten Sünden vollziehen, in denen es sich um schlimme Dinge dreht und die einen düsteren Eindruck machen.

Mir liegt dieses falsche Bild unseres Glaubens auf dem Herzen. Das heißt nicht, dass ich es egal finde, was so im Namen der Kirche verkündet wird. Doch die Kausalkette sieht dabei für mich so aus: Wir verkünden nicht, was das Heil ist, deshalb versteht keiner, was wir gegen Sünden haben. Jetzt zu sagen, gut, dann haben wir auch nichts mehr gegen Sünden, bevor man uns gar nicht mehr versteht, ist natürlich lächerlich. Wenn das niemand mehr versteht, sollte uns klar sein, dass wir vergessen haben, mitzuteilen, wie schön es bei Gott ist. Wenn jemand nicht ahnt, dass wir Sünden ablehnen, weil wir stattdessen etwas Besseres haben, muss er denken, dass wir damit ihn ablehnen. Das aber ist genau das Gegenteil dessen, was Christus von uns erwartet.
Die Lösung lautet daher: das Heil und die Verheißung predigen. Katholizismus muss hell sein! Das Licht muss bekannt sein, damit die Sünde überhaupt stört. Die Sündenerkenntnis ist der zweite Schritt – der erste ist die Begegnung mit Gott. Zachäus änderte sich, nachdem er Jesus getroffen hatte. Hätten die Jünger ihm vorab in vielen Diskussionen versichert, es sei wichtig, den Steuerbetrug am Stadttor beim Namen zu nennen, und ohne das zu begreifen verstehe man Jesu Lehre erst gar nicht – Zachäus wäre auf keinen Baum gestiegen.

Kommentare:

  1. Schon wundervolle Argumentation, nur vergisst du die Kleinigkeit, dass die Pharisäer dem Zachäus beständig vorgehalten, haben ,dass Steuereintreiben so wie er das tat schwere Sünde ist und auch der Vorläufer Johannes hat sich eindeutig dazu geäußert.
    Was meines Erachtens die Sache so verkompliziert und auch unattraktiv macht, ist dass man oft daher kommt, wie "Ich bin die gute, tolle, sündenfreie, und du bist der arme, doofe SÜnder" sprich dass wir uns aufführen wie die, die sooo toll sind, dass sie Christus Sühneopfer nciht nötig haben und statt dessen dem Jesu ein bisschen helfen.
    Sprich wir berichten nicht wie wundervoll es ist, seine Sünden vergeben zu bekommen, immer wieder aufstehen zu dürfen, immer wieder in die Sauna gehen zu dürfen und den Dreck rausschwitzen zu können.
    Will heißen wir führen uns auf wie die Perfecti der Katharer und kippen ja selber total aus den Latschen wenn wir feststellen, in unseren Reihen sind Sünder und wir sind auch welche.
    Wie hat einer die Beichte mal genannt? "Das verlorene Sakrament!" ja dem ist wohl so.
    Das ureigenste Geschäft Christ, ist Sünden zu vergeben nur gerade weil wir uns ja nicht eingestehen welche zu haben, haben wir auch keinen Platz mehr für sein Kreuzopfer und all das.

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  2. Hat mich sehr beeindruckt!
    Gut auf den Punkt gebracht, daher werde ich heute in einem Artikel
    darauf hinweisen und auch verlinken.
    Danke!

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  3. Ja, die große Versuchung besteht darin, dass man langsam zu dem werden kann, was man bekämpft. Mir fehlt in diesen Diskussion auf beiden Seiten oft die heitere Gelassenheit, welche die Wahrheit sagt, aber ohne den anderen zu verdächtigen oder zu verletzen.

    "Die Narrheit des Wahren heiteren Herzens ohne Abstriche zu wagen,
    scheint mir die Aufgabe für heute und morgen." (Benedikt XVI)

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  4. >>Wenn das niemand mehr versteht, sollte uns klar sein, dass wir vergessen haben, mitzuteilen, wie schön es bei Gott ist.<<

    Das kann (!) sehr schwer werden. Jesus ist, um für uns das Heil zu erlangen, am Kreuz verblutet und hat Gott "angeklagt" ihn verlassen zu haben. Mir hat mal ein Zeitgenosse gesteckt, dass er Jesus ganz toll findet, weil er halt "schon alles geregelt" hat. Warum er das meinte? Das hatte er in einer Predigt vernommen. Ob das Zachäus auf die Bäume getrieben hätte, wage ich zu bezweifeln. Es gibt in der von ihnen aufgeworfenen Frage keine Patentlösungen. Fest steht nur eins: Jedes Leid und sei es auch so sinnlos, ist nötig um das Heil zu erlangen. (Kreuzesnachfolge) Mit Leid definieren die Menschen erst einmal nur eins: Es ist gar nicht so schön bei Gott.

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  5. Aus eigener Erfahrung kann ich Bastian nur zustimmen: ich denke, das Wichtigste ist, von der Liebe Jesu Christi zu erzählen -die dann auch unsere Liebe und unser enstprechendes Verhalten von uns fordert. Wenn einem das klar wird, stellt man sich die Frage nach (EIGENEN) Sünden von ganz alleine. So war zumindest meine Erfahrung. Ich denke nicht, dass mich ein Pfarrer, der ständig moralisierend von Sünden gesprochen hätte, mich dazu bewegt hätte, nach 30 Jahren das erste Mal wieder zur Beichte zu gehen... Ein Pfarrer, der seine Freude am Glauben und seine Liebe zu Gott überzeugend vorgelebt hat (und "100 Prozent" katholisch war!), hat das bewirkt!

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    1. Sagen wir mal so, Sie Maria und andere auch, die spät wieder angefangen haben an Gott zu denken, wussten aber schon, und das sehr gut, dass das was sie taten, einfach Sünde ist bzw. war.
      Natürlich muss man, ich widerhole mich da dem Sünder dessen Verfehlungen nciht im Brustston der eigenen Gutheit (das ist nämlich Hochmut und auch eine Sünde, eine sehr schlimme sogar) um die Ohren hauchen, aber Sünde erzeugt definitiv Blindheit udn wegen dieser Blindheit erkennt man das dann gar nicht mehr, wo im Keller und das überhaupt da eine Leiche liegt.
      Ich habe das so erfahren und wenn man um sich guckt so sieht man es doch auch, die jungen Leute sündigen vor sich hin, verhalten sich dabei gesellschaftlich korrekt und sind total unglücklich. Sie lieben sich ja, das ist ja der springende Punkt , nur die Liebe muss in der Ordnung Gottes sein, sonst wird es schlecht.
      Rainero Cantlamessa hat irgendwann einmal gesagt , es hat auch der Schuld, der den guten Weg nicht zeigt.
      Sprich es ist Johannes zuzustimmen, man muss das eine tun und das andere nicht lassen, weil der Teufel viel prächtiger verpackt, als der liebe Gott und wenn ich das Licht des Glaubens nicht anmache, bin ich dran schuld, dass das Kind in die Irre geht, und und und.

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    2. Sorry, Ester, aber es nicht ganz so einfach, wie Sie es sich vorstellen. Jemand, der von der Liebe Gottes nichts erfahren hat, denkt vielleicht auch nicht in den Kategorien wie "Sünde" und "Erlösung". Und er kann auch nicht einfach auf Knopfdruck, weil jemand es ihm "beibringt", in diesen Kategorien denken. (Bei mir persönlich war das alles nicht ganz so mit der Gottes- und Kirchenferne, aber damit will ich Sie natürlich nicht weiter belästigen - nur eines: mit solchen Urteilen wie Sie sie aufgrund von ein paar Sätzen meinerseits wagen: "Sie wussten sehr gut, was Sie taten" - und auch, wann die Liebe "in der Ordnung Gottes ist" - da sollte man vorsichtig sein, dass man auch hier nicht wieder eher formalistische Maßstäbe anlegt. Was vor Gott Sünde ist oder war, das wird letztlich Er uns zeigen. Natürlich kannund sollte man auf Sünden hinweisen, aber entscheidend ist wie man das tut. Und gerade bei jungen Leuten wird eine positive Perspektive doch nachhaltiger wirken als wenn man ihre Liebe als "Sünde" verdammt"! Bastian hat doch recht - Zachäus wäre nie auf einen Baum gestiegen... Und wie hat Jesus mit der Frau am Jakobsbrunnen gesprochen? Entschieden, aber einfühlsam. Das meine ich! Nicht ein "du machst schon allles richtig - Gelaber!

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    3. Die Frau am Jakobsbrunnen war die Dorfhure und ging deshalb zur Mittagszeit an den Brunnen!
      Ich denke nur, es begreifen die Frommen überhaupt nicht, wie es ist, absolut Gott und seiner Kirche den Rücken gedreht zu haben!
      Niemand sündigt weil er Böses tun will, jeder sündigt weil er "es gut meint" udn er überfordert sich damit selber.
      Und gerade Jesus sagt Worte, da möchte ich nur noch davon rennen.
      Ihr Schlangenbrut! Über jedes überflüssige Wort das die Menschen reden müssen sie Rechenschaft ablegen!

      Wenn Sie das Turiner Grabtuch anschauen, der Mann flößt absolute Furcht ein!
      Ich frage mich immer und immer wie man auf die Idee des sanften, netten, alles verstehenden Jesus hat kommen können.
      Die Schrift gibt das nicht her!
      Der Mann ist doch geballte Kraft und Schrecken, sein Tag brennt wie ein Ofen, da werden alle Frevler und Hochmütige zu Spreu, sagt er.
      Und im AT steht über seinen Tag: "Weh denen die den Tag des Herrn herbeisehnen, denn Finsternis ist er nicht Nacht!"
      Und Petrus schreibt in seiner 2 ten Enzyklika Der Tag des Herrn wird aber kommen wie ein Dieb. Dann wird der Himmel prasselnd vergehen, die Elemente werden verbrannt und aufgelöst, die Erde und alles, was auf ihr ist, werden (nicht mehr) gefunden.

      11Wenn sich das alles in dieser Weise auflöst: wie heilig und fromm müsst ihr dann leben,

      Überhaupt lese man mal den 2ten Petrusbrief!

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    4. P.S und erst dann wenn ich das begriffen habe, dass Gott absolute Majestät ist, und all mein gutes Tun (oder nur gutgemeintes Tun) Dreck vor ihm ist,
      wenn ich begreife, dass ich versagt, abgeloost, und Mist gebaut habe und es verdiene da zu hängen, wo ich hänge am Kreuz, (das ist das, was m.E die Schrift mit dem zerknirschten Herz meint) dann mach ich die Augen auf und seh, er hängt da auch!
      Und er tut es. weil er und das ist absolut wunderbar und absolut unverständlich mich liebt. ER der allmächtige Gott liebt mich Volltrottel!
      Was ich hier so plakativ geschildert habe, scheint mir aber die crux zu sein, vor lauter Friede, Freude, Eierkuchen, alles verstehen, rosarote Zuckerwatte Gott, vergessen wir das wichtigste vom Evangelium zu verkünden, die Umkehr!
      Meines Erachtens glauben IHM deshalb genau Huren und Zöllner eher, weil diese Leute, all das haben und tun, wovon die normalen nur träumen (Sex und Geld und das ohne durch religiöse Vorschriften sich daran gehindert sehen) und wissen, dass es das absolut nicht bringt.

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    5. Zustimmung, Ester, für den Inhalt Ihrer manchmal drastischen Worte. Und ja, auch Jesus hat oft drastische Worte gebraucht, aber das alles eben nur, um auf die unbegreifliche Liebe Gottes hinzuweisen. Und genauso wie diese drastischen Worte sind auch andere, "sanftere" Töne von ihm überliefert, brauche ich Ihnen ja wohl nicht zu erzählen. Ich denke hatl, er wusste, was die Menschen gerade in ihrer jeweiligen Situation brauchten, damit die Botschaft bei ihnen ankommlen. Und nur das wollte ich sagen: wenn ein Seelsorger den richtigen Ton trifft, um die Menschen zum Nachdenken zu bringen - und dadurch auch zur Umkehr! - , ob das jetzt drastische oder sanftere Töne sind, dann hat er doch nach im Sinne Jesu gehandelt. Ich hab nichts von Änderungen, Abmilderungen der Botschaft selbst gesagt.
      PS Ob es angebracht ist, SICH SELBST zu sagen: vor Gott ist selbst das Gute, was du machst, noch der letzte Dreck - oder ob man das ANDEREN so sagt, ist auch nochmal ein Unterschied...

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    6. Liebe Maria

      ist zwar auch ne abgedroschene Phrase, ja, aber ich bin froh über die Diskussion mit Ihnen.
      es geht um das was die jeweilige Person braucht und da muss man halt auch drauf vertrauen, dass im allerletzten der Heilige Geist das wirkt,. ob das sanfte oder harte Wort "trifft".
      Jedoch denke ich, ist es wichtig, dass auch der Seelsorger "er selber ist" weil wenn er sich zu arg verbiegt, dann mag sein, dass er schon das richtige sagt, aber er ist unglaubwürdig, weil er Theater spielt.
      Und das habe ich schon zu oft erlebt um ein Fan der "sanften Töne" zu sein.
      Ich denke einfach die Leute sind abgefüllt mit Pädagogik und Werbung und dem ganze Psychologisieren, dem Stewardessenlächeln all überall.
      Die wahre Sehnsucht geht aber auf das Echte.
      Ergo sollten wir uns mühen, dass auch der Inhalt stimmt und nicht nur die Form.
      Ansonsten im Gebet verbunden!

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  6. Ich kann Ihrem Beitrag voll zustimmen. Allerdings sollte man das eine tun und das andere nicht lassen. Unser Herr sagt doch: “Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt" (Matth 7,21). Heute kann man doch eher feststellen, dass ein jeder sagt: "Natürlich lieben wir alle Christus, aber leben wollen wir nach uneren eigenen Vorstellungen.

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