Montag, Januar 23, 2012

Irgendwie geht das Priesterverständnis in eine merkwürdige Richtung.

[Von Bastian]
Von einem Priester wird erwartet, dass er teamfähig ist. Sicher wäre das gut, aber er ist Priester. Ein Manager kann das besser.
Von einem Priester wird erwartet, dass er kommunikativ ist. Sicher ebenfalls gut, aber er ist Priester, nicht Gesprächstherapeut.
Von einem Priester wird erwartet, dass er seine Botschaft gut rüberbringt. Sicher wäre das auch gut, aber er ist Priester, nicht Journalist.
Von einem Priester wird erwartet, dass er in persönlichen Krisen guten Rat gibt. Jeder gute Psychologe kann das besser.
Ein Priester soll die Menschen abholen, wo sie stehen. Lehrer haben das gelernt.
Ein Priester soll integrieren. Aber er ist kein Sozialpädagoge.
Eigentlich erstaunlich, dass der Priester nicht kochen können soll (für die Armenküchen).

Sind diese Wünsche an einen Priester nun falsch? Nein, sind sie nicht. Sie spiegeln wider, was für seine Tätigkeit hilfreich wäre. Aber all dies ist nicht die Tätigkeit des Priesters selbst.
Ein Priester kann etwas, was sonst niemand kann: Sakramente spenden. Er ist dafür nicht qualifiziert, sondern geweiht. Qualifiziert ist dazu niemand. Das ist auch nicht notwendig, weil es letztlich Gott ist, der handelt, nicht der Priester.
Für mich ist der ein guter Priester, der weiß, dass er Gott vermitteln soll. Der weiß, dass er nicht qualifiziert ist und deshalb auch gar nicht versucht, es zu sein. Der mit dem Heiligen Geist durchs Leben geht und weiß, dass es im Zweifelsfall wichtiger ist, zu beten, als die Predigt auszuformulieren. Der Gott und deshalb die Menschen liebt und aus dieser Liebe heraus handelt. Daraus entstehen all die oben geforderten Fähigkeiten. Nicht immer, wie sie im Lehrbuch stehen und nicht immer, wie sie allen angenehm sind. Auch nicht immer so, dass sie in der Presse zitierbar sind. Aber sie sind wirkungsvoll, weil sie von Gott angestoßen sind und nicht von Menschen.
Der Priester selbst als Mensch kann so zu dem werden, was jeder Mensch sein sollte: ein Original.
Alles entwickelt sich so aus Gott in den Sakramenten und im Gebet.

Wenn es aber andersherum ist, wenn der Priester erst Kriterien erfüllen will, bevor er sich daran macht, für Gott da zu sein, wenn die ganzen Dinge, für die er nur halb qualifiziert ist, sogar wichtiger sind als die Sakramente, dann läuft er, so denke ich, neben der Spur, was seine Berufung angeht. Dann steht er Gott ziemlich im Wege. Und mir erschwert er den Blick auf Gott, weil er sich ständig dazwischen stellt.
Wenn ein Priester sogar die Sakramente selbst nur noch im Licht von Kommunikation, Integration und sozialem Verhalten sieht, sie für Anderes zurückstellt, ersetzt oder nur als Vehikel für menschliche Bedürfnisse und die eigenen Dinge versteht und entsprechend anpasst und verdreht, der schneidet Gott von den Menschen ab. Er mag es noch so sehr im Namen der Liebe tun – er hat seine Berufung verfehlt.
Wenn die Gemeinde vor allem auf die Qualifikationen schaut, also auf den Priester selbst, dann macht sie ihm das Wirken schwer bis nahezu unmöglich. Der Priester ist der Mensch, der in seiner Funktion ganz hinter den zurück treten soll, dem er dient. Wenn die Gemeinde vor allem auf ihn und seine Eigenschaften schaut, stellt sie ihn dorthin, wo er nicht hin gehört, nämlich in den Mittelpunkt. Eigentlich logisch, dass diejenigen, die am meisten unter der Vorrangstellung der Priester leiden, meist zugleich die sind, die die längste Liste an Anforderungen haben.

Im Leben ist es so, dass man sich fast alle Menschen, mit denen man eng verbunden ist, nicht aussuchen konnte: Eltern, Kinder und alle weiteren Verwandten. Nur den Ehepartner kann man sich aussuchen – meistens. All diese Menschen, mit denen man einfach leben muss, sind die Familie. Auch den Priester kann man sich nicht aussuchen. Man sollte ihn daher auf die Weise annehmen, wie man ein Familienmitglied annimmt: als gegeben. So kommt man mit seinen Macken klar und dem Priester schlägt die nötige Liebe entgegen. Wenn wir mehr Berufungen wollen, sollten wir unsere Priester aufnehmen, sie lieben und von ihnen Gott in den Sakramenten erwarten und auch einfordern. Denn Gott ist es, der wirkt.

Kommentare:

  1. "... wo er nicht hingehört, nämlich in den Mittelpunkt." Ist es nicht so, dass ganz besonders das "versus populum" der Liturgiereform genau dieses neue Priester-Bild hervorgebracht hat?

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  2. Für mich auf jeden Fall nicht. Bei uns feiert der Pastor beide Formen, und er tut es sehr schön. Vorher hatten wir einen Kaplan, der den außerordentlichen Ritus bevorzugte, und sich dabei selbst in Szene setzte, dass es unerträglich war.
    Für mich ist es so: Beim "versus populum" ist mein Blick nicht auf den Priester gerichtet, sondern auf den Altar und das Geschehen darauf. Steht der Priester hinter dem Altar, kann ich den Altar sehen. Christus ist der Mittelpunkt. Steht der Priester vor dem Altar, kann ich nur ihn sehen und nicht das Opfer. Für mich steht der Priester dann eigentlich im Weg.
    Inzwischen komme ich aber mit dem alten Ritus besser klar, wenn ich auch den neuen für mich ganz klar bevorzuge.

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  3. Danke für den neuen Aspekt.
    Klar, dass unsere Ansichten von individuellen Erfahrungen geprägt sind. Dennoch möchte ich dabei bleiben: Die merkwürdige Entwicklung im (Selbst-)Verständnis des Priesters ist von der Liturgiereform nicht zu trennen. In meinen Augen geht sie, natürlich vor allem im "Wortgottesdienst", deutlich in Richtung "Moderator", um nicht zu sagen "Showmaster". Mehr als einmal habe ich erlebt, dass der Priester nach dem Taufakt die Gemeinde zum Applaus aufforderte!

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  4. Hallo, ich finde deine Gedanken sehr schön, ich würde es gerne kopieren, auf Papier drücken und in unsere Pfarre am Schriften stand als ne art Flugblätter auslegen,um meine Geschwister im Glauben zum nachdenken anzuregen, natürlich wenn Du nichts dagegen hast.
    Darf ich?

    gruß Roman

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    1. Das geht schon.
      Aber ich wüsste gerne, wer Du bist.
      Kannst Du mir hier eine Email-Adresse hinterlassen oder mich auf Facebook kontaktieren?
      https://www.facebook.com/profile.php?id=100000166575313

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    2. Ich bin ein einfacher Gläubiger:)
      "Facebook" kenne ich nicht, bin aber in " the book of life"- verzeichnet,
      deswegen poste ich nur meine adresse:
      romanh13@alice-dsl.net

      ps.
      !!! hab nach "facebook" gegoogelt, 750 000 000 mitglieder, ich muss mir meinem Chef reden, wir müssen die Aufnahme Kriterien für das Einschreiben in "das Buch des Lebens" auf null reduzieren, sonst bleiben nur das Deckblatt mit den "3" NAMEN und paar einzelnen seiten beschriftet. Die Welt Kinder sind beispielhaft vernetzt.
      750 000 000 welche nach Anerkennung, Liebe, Freundschaften und Anbetung lechzen.... ob sie findig werden?..

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  5. Genau das denke ich mir schon die ganze Zeit.
    Und unsere alter Pfarrer hat das auch immer gesagt.
    "Wenn die Leute unterhalten werden wollen, dann guggen die Fernsehen und die Entertainer dort, die können das auch viel besser als ich".

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  6. http://www.kreuz.net/article.14591.html!

    Der Beitrag hat es sogar bis auf das zweifelhafteste Portal geschafft!

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    1. Das sehe ich weder als Erfolg noch als Bedrohung an.

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  7. Bisher habe ich drei Pfarrer kennen gelernt, von denen ich gedacht habe, dass sie "einen direkten Draht zu Gott haben", wenn Sie die Ausdrucksweise entschuldigen - es ist das, was ich mir als Schülerin als erstes von meinem damaligen Religionslehrer gedacht habe. Die drei sind sehr unterschiedlich - zwei davon sind heute im Ruhestand, einer davon ist erst Anfang 30 - und sie haben doch eines gemeinsam: sie sind zuerst für Gott da, sie geben sich ganz Gott hin. Und dadurch auch den Menschen. Das bedingt sich gegenseitig. Nur ein solcher Priester kann mir, die ich oft am Glauben zweifle und viele Fragen habe, den Weg zu Gott zeigen. Alles andere ist, genau wie Sie schreiben, nebensächlich! Diese Priester strahlen etwas aus: dass sie Liebende sind, und dass sie eine größere Liebe gefunden haben als die zu einem Menschen. Weshalb sie auch aus Liebe zu Ihm auf die Liebe zu einer Frau und auf eine Familie verzichten. Ich habe vor einiger Zeit ein Gespräch mit einem solchen Priester geführt. Und da habe ich diesen Mann, der so selbstverständlich und ehrlich von seinem Glauben geredet hat, auf einmal - ja, beneidet: macht er nicht das einzige, was im Leben wirklich Sinn macht, nämlich sich ganz Gott hinzugeben? Ich hab mich selbst über diesen Gedanken gewundert...
    Mit einem solchen Priester will man nicht vorwiegend über kritische Punkte an der Kirche sprechen oder einen Dialog über Frauenordination, Zölibat usw. führen. Das wird alles unwichtig. Mit einem solchen Priester will man über den Glauben reden, über Gott, über Jesus Christus. Wenn dieses Bedürfnis da ist, und man das Gefühl hat, dass solche Glaubensgespräche mit einem Pfarrer überhaupt möglich und gewollt sind - dann ist der Pfarrer ein echter Seelsorger. Bei vielen Pfarrern spüre ich da aber eher Ablehnung, Angst, Unwillen ... was auch immer ... wirklich über den Glauben zu reden. Eher schon über "Organisatorisches", und ansonsten soll man sie doch gefälligst auch mal aus ihrer "Rolle" als Pfarrer entlassen. Das kommt jedenfalls für mich bei vielen rüber.
    Natürlich hat auch ein Pfarrer ein Recht auf Freizeit, in-Ruhe-gelassen werden, Entspannung. Das meine ich nicht. Nur: da, wo Priester "auch mal Mensch" sein wollen (das sind sie natürlich immer!), läuft was schief. Diese Trennung gab es bei den von mir genannten Priestern eher nicht. Die sind, denke ich, immer beides...

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