Donnerstag, April 19, 2012

Und jetzt das Katholikentagsplakat …


… das ich mir ganz persönlich wünsche. (von Peter, nicht von Bastian ;-) )

Und noch ein Katholikentagsplakat, wie wir es uns nur wünschen könnten!



Wie unser Kontaktmann zum ZdK, der Unteruntersekretär Horst von Kloethen mitteilt, hat das ZdK eine Moraloffensive beschlossen. Nicht mehr »die Sünde hassen, aber den Sünder lieben« ist der neue Leitsatz. Fortan sollen der Sünder UND die Sünde geliebt werden. Gerade noch rechtzeitig konnte der neue Leitsatz in den Key Visuals zum Katholikinnentreffen in Personheim verwirklicht werden.

»Brich auf, du armer Sünder!«

Neues aus der Serie: Katholikentagsplakate, die wir gerne sehen würden


[Von Peter und Bastian]


Eine weitere Alternative zum Rucksack, dem Roten: das Grunzmonster.

Pate für diese Figur stand der Klippdachs. Der Klippdachs drückt die Verbundenheit mit dem Heiligen Land aus. Und das bedenkende Sinnen auf Felsstücken. Man denkt unweigerlich an den Felsen Petri.

Die genaue Betrachtung des ausdrucksstarken Symboltieres lässt noch tiefer blicken. Die großen Ohren deuten auf das Hören hin – sie hängen herunter. Sie sagen: das hören auf Gott ist entspannt. Die Punkfrisur soll uns daran erinnern, dass Gott uns auch in den Randgruppen begegnet. Die sattelartige Decke auf dem Rücken gemahnt uns an den Esel, der den Herrn trug. Dazu lächelt das Tier und zeigt zugleich die Zähne: eine Haltung, die einem Christen in der heutigen Zeit der Anfeindung gut ansteht. Kurz: Dieses Grunzmonster (angeblich soll das einen Klippdachs darstellen) holt die Leute da ab, wo sie stehen … und verspeist sie da, wo er es gemütlich findet.



Mittwoch, April 18, 2012

Lesenswert!

[Von Bastian]
Heute Abend habe ich erfahren, dass ein junger Priester, den wir in unserer Gemeinde sehr geschätzt haben, inzwischen in Novosibirsk lebt und von dort aus bloggt.
Wenn man liest, was er so macht, versteht man, warum er nicht täglich schreibt...
Ich finde es beeindruckend.

Piusbruderschaft kennt derzeit keinen Humor


[Von Bastian]
Es wird ernst. Unmittelbar vor einer möglichen Einigung mit Rom legt die Piusbruderschaft offenbar großen Wert darauf, dass die Dinge mit der notwendigen Seriosität vorangetrieben werden. So wurde konsequenterweise der Link „Humor“ auf der Website „pius.info“ deaktiviert. (LINK)
Die Website leitete weiter auf eine übliche 404-Fehlermeldung. Inzwischen wurde der Link repariert. Hier ein Screenshot, wie es aussah:



Eine unscheinbare Meldung, doch wer dort genauer liest und die Zwischentöne wahrnimmt, erfährt bei dieser Gelegenheit eine Offenheit und Weitsicht, die zur Hoffnung anregt. Selten sah man die Bruderschaft so selbstkritisch.
So hieß es in der Meldung, die Seite könne möglicherweise nicht angezeigt werden weil:

1) Ein veraltetes Lesezeichen vorliege.
Schon die Verwendung von „Lesezeichen“ anstelle von „Rubrik“ lässt aufhorchen. Noch erstaunlicher ist jedoch „veraltet“ statt „altehrwürdig“.

2) Die Suchmaschine habe einen veralteten Index der Webseite.
Keinesfalls will ich der Bruderschaft unterstellen, sie setze nach wie vor Bücher auf den Index, doch dass der Index veraltet ist, wurde in dieser Klarheit bisher nicht gesagt.

3) Eine falsche Adresse liege vor.
Man sei vielleicht an der falschen Adresse. Andere können das besser: das ist vorbildlich gelebte Demut.

4) Es gebe keinen Zugriff auf die Seite.
Dass auf diese Seite der Piusbruderschaft derzeit nicht zugegriffen werden kann, zeugt von ihrer großen Ernsthaftigkeit und bedarf in dieser Situation kaum eines Kommentars, sind doch sonst viele ihrer Verlautbarungen durchaus von Humor gekennzeichnet.

5) Die angefragte Quelle wurde nicht gefunden.
Hier bleibt sich die Bruderschaft treu: ohne Quelle, ohne Tradition kein Humor. Das ist konsequent. Zudem ist es ein Musterbeispiel für Transparenz, offen zuzugeben, dass man die Quelle derzeit nicht findet. Die Bruderschaft ist bereit, auch in ihrer ureigensten Kompetenz einmal unvollkommen dazustehen.

6) Während der Anfrage sei ein Fehler aufgetreten.
Diese Aussage beinhaltet weit mehr, als nur die Suche nach Humor. Sie weist auf den gesamten Dialog mit Rom hin. Eine bewundernswerte Offenheit.

Nach der Aufzählung dieser Möglichkeiten, die einem Outing gleich kommt, wird der User gebeten, eine der folgenden Möglichkeiten auszuprobieren. Wiewohl die Idee, etwas Neues auszuprobieren, für die Bruderschaft nachgerade revolutionär ist, besinnt sie sich hier dennoch zurück auf ihre Wurzeln: es wird nur eine einzige Möglichkeit angeboten. So wird die Eindeutigkeit gepflegt, die der Bruderschaft so wichtig ist. Die Möglichkeit besteht erwartungsgemäß darin, zur Startseite zurückzukehren. Das ist einerseits enttäuschend, denn es führt nicht wirklich weiter. Andererseits zeigt es die Entschlossenheit, neu zu beginnen. Dorthin zurückzugehen, wo man herkommt, ist zudem eine treffliche Beschreibung der Spiritualität der Bruderschaft.
Abschließend erfolgt ein kleiner Hieb gegen die nachkonziliare Kirche: bei Problemen sei der Administrator dieser Webseite zuständig. Ja, wenn es in all den Problemen unserer Gemeinden doch klare Zuständigkeiten gäbe, an die man sich vertrauensvoll wenden kann…

Diese Webseite war, vielleicht etwas versteckt, ein eindrucksvoller Beweis für die Bewegung, die in den Prozess zur Überwindung eines Schismas gekommen ist. Eine Momentaufnahme, die ein bewegendes Zeitzeugnis darstellt.

Liebe Piusbruderschaft, ich wünsche Euch und uns allen von Herzen, dass in dieser Angelegenheit Gottes Wille und sonst gar nichts geschehe.

Dienstag, April 17, 2012

Die Keule zeigt Wirkung

[Von Bastian]
Auf Facebook schrieb ein Freund einen Satz, der mir sehr gut gefällt: Der gesellschaftliche Konsens zerbricht nicht bei den Folgerungen, sondern bei den Prämissen. Das stimmt.
Ein paar persönliche Gedanken dazu.

Ein Beispiel: Abtreibung und „begleiteter Suizid“. Die Idee, das Töten von Menschen zu erlauben oder sogar als notwendig darzustellen, ist nicht selbst das Problem, das abgeschafft werden muss. Gesetze sind wichtig, doch jeder Sieg im Kampf gegen das Töten bleibt ein Strohfeuer, solange eine Prämisse besteht, die eine vermeintliche Lebensqualität im Zweifelsfall höher einstuft, als das Leben selbst.
Im Kampf gegen die Umweltzerstörung wurde dieser Zusammenhang erkannt und berücksichtigt: weit mehr noch als um neue Gesetze ging es Umweltschützern immer um Aufklärung, um eine Änderung der Einstellung. In der Folge sind heute umweltfreundliche Gesetze selbstverständlich, die ich mir vor 30 Jahren nicht vorstellen konnte. Der Umweltschutz ist sicher noch unzulänglich und treibt zugleich auch übertriebene Blüten, doch sicher ist: der gesellschaftliche Konsens hat sich gewandelt.
Dabei wurden früher Umweltschützer genauso als realitätsfern angesehen, wie heute Lebensschützer. Nichts provoziert mehr, als die offene Zurschaustellung einer anderen Prämisse.

Heute tobt der Kampf um die Prämissen der Gesellschaft. Die Loveparade beispielsweise ist deshalb so bedeutend, weil sie eine neue Prämisse verkündet. Sie ändert selbst nichts, aber in ihrem Kielwasser ändert sich viel. Leider.

„Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz samt den Propheten.“ (Mat. 22,36-40) Christus, dem wir nachfolgen, hat Umkehr gepredigt und Gott als Prämisse verkündet. Alles hängt daran, auch Regeln und Gesetze. Der Kampf, den wir führen, ist in erster Linie ein Kampf um die Herzen.

Für mich stellt sich vieles im Kampf gegen den Glauben in diesem Licht dar. Für unsere Gegner ist klar: Christen dürfen alles, nur nicht ihre Prämissen verkünden. Solange sie das nicht tun, wirken ihre Ideen wie absurde Forderungen. Frauen zur Schwangerschaft zwingen? Alte Menschen leiden lassen? Tanzverbote? Das ist weltfremd und unmenschlich. Genau so soll es auch wirken, denn auf diese Weise demontieren sich die Christen selbst. Allerdings muss dazu sichergestellt werden, dass die Prämisse stimmt, damit alles im „richtigen“ Licht gesehen wird. Doch da kann man vorbauen.
Wie die Loveparade durch die Städte zieht, zieht sich ein roter Faden durch tausende von Berichterstattungen: die Gleichsetzung von konsequent gelebtem Glauben („religiösem Eifer“ – als sei Eifer etwas schlechtes) und Gewaltbereitschaft. Und im Kielwasser dieser Gleichsetzung, die kaum jemals ausdrücklich zu Änderungen aufruft und daher sehr tolerant daherkommt, ändert sich wieder viel: die Christen verlierenden Mut zum Bekenntnis. Niemand will ein Fundamentalist sein.
Plötzlich ist es christlich nicht mehr opportun, Salz der Erde oder Sauerteig zu sein. Es scheint besser, die Suppe nicht zu würzen, sondern sich bei ihr für den eigenen Geschmack zu entschuldigen. Die Grundlage des Glaubens – die unbedingte Vorrangstellung Gottes – ist zum Ballast geworden. Die Fundamentalismuskeule zeigt Wirkung.

Es ist ein Sieg der Feindschaft gegen Gott, wenn man sich im Namen der Kirche öffentlich unter dieser Keule duckt, Gräben zwischen Christen vertieft und daraus eine Tugend macht.

Montag, April 16, 2012

Aus der Serie: Katholikentagsplakate, die wir gerne sehen würden


[Peter Esser] So könnte es auch aussehen: Stefan Vesper und Generalvikar Keck stellen pünktlich zum Geburtstag des Heiligen Elter in Mannheim das erneuerte KatholikInnentags-Visual vor. »Irgendwie fühlten wir uns … so als Kirche … mit dem alten Plakat unterrepräsentiert,« kommentierte Horst von Kloethen, stellvertretender Sprecher des stellvertretenden Sekretärs des Laiengremiums. »Es war nur schwer, Karin Kortmann dazu zu bewegen, der Änderung zuzustimmen. In letzter Sekunde hat sie dem Kompromissvorschlag zugestimmt, das Laientreffen in Menschheim komplett durchzugendern. Auch Alois ist glücklich.«

Aufbruch im Rucksack

[Peter Esser] Was ist von einer Kirche zu halten, die sich selbst im Symbol eines verschlossenen, seinen Inhalt nicht preisgebenden Rucksacks feiert?

Was ist überhaupt Inhalt des Rucksacks? – Jaaahaha, das mußt du selber bestimmen, könnte man dem Frager entgegnen.

Hunderttausend Individualisten kommen zusammen, um in verschiedene Richtungen aufzubrechen.

Am Ende ist alles so wie vorher. Nur daß ein paar Leute rote Säcke haben.

Und noch einen ;-)



Herzlichen Glückwunsch, Heiliger Vater!

Sonntag, April 15, 2012

Es ist uns eine Ehre:

Glückwunsch, PAPA!

Gemeinde-Simulator

[Von Bastian]
Gestern war ich mit meinen Söhnen bei Saturn. Wir haben uns neue Computerspiele gekauft.
Dabei blieb ich fasziniert vor einem großen Regal stehen, in dem ausschließlich Simulationssoftware stand. Es gibt einfach alles: Flugsimulator und FIFA-Fußballsimulator kannte ich. Eisenbahnsimulator und Autosimulator (in mind. 10 Varianten) kannte ich. Dazu Baggersimulator, Müllabfuhrsimulator, Rettungswagensimulator, Gartensimulator, Busfahrersimulator und was auch immer. Unglaublich, was man simulieren kann und was offensichtlich auch manche Menschen simulieren möchten.

Was mir fehlte, waren ein Sozialamtssimulator, ein Kiosksimulator (jetzt mit der neuen realistischen Promille-Engine) und ein Gemeindesimulator. Dabei böte der sich doch wirklich an!

Jetzt neu: Gemeindesimulator 2.0. Noch schnelllebiger, noch realistischer. Für alle, die dialog-orientierte Spiele mögen und gern Einfluss nehmen.
Überwinden Sie in 10 spannenden neuen Missionen Vorurteile und bekämpfen Sie den Fundamentalismus. Stoppen Sie den Kirchenaustritt und sichern Sie Ihrer Gemeinde ein ausreichendes Steueraufkommen. Konservative Hirtenbriefe und diktatorische Vorgaben aus Rom verunsichern Sie ebenso wenig wie streitende Gemeindemitglieder und Kirchenchöre, die besser trinken können, als singen.
Halten Sie Kontakt mit den richtigen Leuten und sichern Sie sich die Zuschüsse aus dem Bistum. Laden Sie die Presse zum Pfarrfest ein. Berücksichtigen Sie die öffentliche Wirkung, wenn Sie sich entschließen, Ihre Partnerschaft bekannt zu geben.
Weiden Sie ihre Herde mit diplomatischem Fingerspitzengefühl und guter Verhandlungstaktik. Der Beichtstuhl und persönliche Gespräche bieten Ihnen die Möglichkeit, Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand auf Ihre Seite zu bekommen. Bei über 2.000 neuen Sünden und persönlichen Problemen kommt auch der Humor nicht zu kurz. Der neue Forderungsgenerator verblüfft durch seine unglaubliche Phantasie. An Ihrem 18. Geburtstag schalten sich neue und spannende Sünden frei.
Im freien Spiel können Sie auch die Seiten wechseln und als Bischof versuchen, eine gesunde Gemeinde zu unterjochen.
Im Mehrspielermodus erleben Sie die Zusammenlegung mit den Gemeinden Ihrer Mitspieler – behalten Sie seelsorgerisch die Oberhand und leiten Sie den Gemeindeverband!

Systemvoraussetzungen: Fenster 7, 2GB Memorandum, 200MB auf der Platte und ein IQ von 17.

Inzest – warum nicht?

[Von Bastian]
Das Verbot sexueller Beziehungen zwischen Blutsverwandten passt nicht mehr in unsere Zeit. Das findet Hans-Christian Ströbele und das findet auch der Blinde Hund in seinem Blog. Er kommt mit anderen zu dem Urteil: „Das Inzestverbot stützt sich auf ein Tabu, das noch in unseren Köpfen existiert, gesellschaftlich aber nicht mehr relevant ist.“ Das scheint nachvollziehbar, stützen sich die Gerichtsurteile doch auf fragwürdige Grundlagen wie die Strafbarkeit in vielen Ländern - seit wann sind fremde Gesetze für uns normierend? - und eine „kulturhistorisch begründete, nach wie vor wirkkräftige gesellschaftliche Überzeugung“, doch ist „das war schon immer so“ eigentlich eher eine bekannte Verballhornung des Beamtenapparats als eine Rechtsgrundlage.
Auch die Gefahr von Erbschäden ist kein Verbotsgrund, denn die besteht auch an vielen anderen Stellen, ohne dass man daraus Regeln herleiten würde. Selbstverständlich dürfen Menschen mit bekannten Erbkrankheiten Kinder zeugen.
Also was? Eine Regelung ohne Boden, ohne Grundlage? Vielleicht sogar ein Ballast, der Menschen hindert, Liebesbeziehungen einzugehen? Jedes Verbot ist eine Einschränkung. Es muss einen Grund dafür geben, sonst ist es Willkür, die das Glück von Menschen behindert. Ohne diesen Grund hat Ströbele Recht.

Ich finde allerdings, dass dieser Grund evident ist, wenn man sich nur anschaut, was das Verbot eigentlich bewirkt. Es unterscheidet unterschiedliche Arten von Beziehung, in denen Menschen zueinander stehen können. Es beruht auf der Erkenntnis, dass eine geschwisterliche Beziehung etwas anderes ist, als eine eheliche Liebesbeziehung, und dass eine Eltern-Kind-Beziehung wieder etwas anderes ist, und diese Binsenweisheit wird gesetzlich geschützt. Das ist normal und sinnvoll: wichtige Dinge im Leben der Menschen werden durch Regeln gesichert. Die Gesellschaft erklärt weise die Grundlagen, auf denen sie steht, für verbindlich und schützenswert. Es gibt eine Vielfalt an Gegebenheiten und Möglichkeiten, an Beziehungen und Wegen. Was wäre schützenswerter, als diese Vielfalt?

Die eigentliche Frage, die im Raum steht, ist die: wie kann es sein, dass Menschen das übersehen, was offensichtlich ist? Wie kann man auf die Idee kommen, seine Schwester zu seiner Frau zu machen, oder vielleicht den eigenen Vater zum schwulen Geliebten, und sich dabei noch besonders aufgeklärt vorkommen?
Wie man so denken kann, weiß ich nicht. Aber mir fällt auf, dass es einen geradezu krankhaften Wahn in unserer Gesellschaft gibt, der sich gegen jede Art von Gegebenheiten auflehnt. Alleine die Möglichkeit, dass jemand mich in irgendetwas einschränken könnte, wird Grund zur Auflehnung. Man arbeitet, was man will, wohnt, wo man will, schläft, mit wem man will und wann man will, bekommt nur die Kinder, die man will, mit wem man will, wechselt den Partner, so oft man will, und stirbt, wann man will. Sogar Gegebenheiten, die die eigene Person betreffen, werden nicht akzeptiert. Begrenzungen überwindet man mit Extremsportarten. Man hat sogar das Geschlecht, das man will, und glaubt an die Wahrheit, die man sich wünscht. Der Blick ist dabei nur vordergründig auf die vermeintliche persönliche Freiheit gerichtet; dahinter steht eine Panik vor jeder Art von Beschränkung.
Diese Panik ist dabei selbst eine der größten Einschränkungen, denen die Menschen bei uns heute unterworfen sind. Wie viele Menschen verpassen die Chance auf eine glückliche Ehe, weil sie sich nicht zu einer Entscheidung durchringen können? Wie viele Menschen haben innerlich keine Heimat, weil sie fest davon überzeugt sind, jede Verwurzelung sei in Wahrheit Unfreiheit? Wie viele Menschen laufen denen begeistert hinterher, die verkünden, es käme ausschließlich auf das unabhängige Individuum an? Glück liegt in individueller Unabhängigkeit – alles andere ist unerträglich. Unsere Gesellschaft erkauft sich so ihre Unabhängigkeit durch selbst verordnete Beziehungsunfähigkeit.
Diese emotionale Blase wird platzen (und sie platzt bereits) und eine große Zahl einsamer und unglücklicher Menschen zurück lassen, die verzweifelt so tun, als hätten sie aufs richtige Pferd gesetzt.
Aus dieser Logik der Beziehungsunfähigkeit heraus ist das Inzestverbot überholt, ist es grundlos und freiheitsberaubend. Aus dieser Logik heraus hat Ströbele Recht.

Freitag, April 13, 2012

Osterkreuz

[Von Bastian]

Bei uns in der Familie hat sich ein Brauch gehalten, den wir ursprünglich für unsere Kinder ins Leben riefen, als die noch im Vorschulalter waren: das Darstellen des Ostergeschehens durch ein Stoffkreuz. Das ergänzt seit Jahren für uns die Osterliturgie.

Am Gründonnerstag wird abends ein ca. DIN A5 großes schwarzes Kreuz aus Stoff auf dem Wohnzimmertisch ausgelegt. Die schwarze Farbe steht für die Leiden Jesu am Ölberg. Wir beten mit der Familie kurz am Kreuz.

Am Karfreitag wird das Kreuz mit roten Blütenblättern und Dornen "geschmückt". Wir haben ein kurzes Gebet im Gedenken an die Kreuzigung.

Am Karfreitag, am Abend, wird das Kreuz als Grab hergerichtet: jeder stellt eine Blume daneben.

So sieht das Trauerkreuz aus.





Am Ostersonntag wird das Kreuz
mit einem weiteren Kreuz überdeckt: dem Jubelkreuz. Es ist rot und golden und prächtig. Es wird so auf das Trauerkreuz gelegt, dass ein schmaler schwarzer Rand sichtbar bleibt: auch im Jubel wird nicht vergessen, dass Christus ihn uns durch sein Leiden erkauft hat und dass es die Grundlage unserer Freude ist.
Dazu wird alles mit Blumen geschmückt: unser Ostertisch ist knallbunt. Dabei bleiben die Grabesblumen der Trauer stehen, nur dass sie jetzt zu einem Teil der viel größeren Menge an Blumen der Freude geworden sind. Wir haben eine kurze Familienandacht am Auerstehungskreuz.

So sieht das Auferstehungskreuz aus.








Diese Darstellung hat den Kindern und uns so gut gefallen, dass sie inzwischen über 10 Jahre bei uns Brauch ist, auch wenn die Kinder längst alle Messdiener sind.
Die Idee ist von meiner Mutter.

Donnerstag, April 12, 2012

„ENDLICH VERSTÄNDLICH!“ oder *SEUFZ*

[Von Bastian]
Die Pfarrerinitiative feiert Ostern. Auferstehung?
Schüller: "Da gelangen wir an die Grenzen unserer Erkenntnis. Da stammelt ja auch die Bibel nur mehr herum. Aber die Botschaft ist klar: Jesus, aber auch jeder Mensch, lebt weiter, wirkt weiter. Ich werde in meiner Osterpredigt meiner Gemeinde sagen: Es gibt eine Auferstehung für jeden, lange schon vor dem Tod." (LINK)
Ach so! Nicht Glaube wird vermittelt - die Grenzen der eigenen Erkenntnis werden ausgelotet. Das ist schon mal gut. Diese Grenzen sind überschaubar – das dauert nicht lange. In diesem Licht wird auch das Bestreben der Initiative endlich verständlich, weniger zu predigen, kleinere Gemeinden zu haben und seltener Messe zu feiern. Das ist stimmig: weniger ist eben der passende Rahmen für wenig.
Und das ist gar nicht speziell gegen Sie gerichtet, lieber Herr Schüller, sondern genauso gegen mich selbst: auch meine Erkenntnis reicht nicht aus. Das macht nichts – da beginnt mein Glaube. Das aber nicht als Platzhalter für irgendein Wunschdenken, sondern als der Teil der Erkenntnis, der bereit ist, seine eigene Begrenztheit zu erkennen und der damit höchst realistisch über sich selbst hinaus weist. Das Sie da nur ein Stammeln lesen, ist verständlich, weil es eben unser Verstehen übersteigt. Dass sie das allerdings der Schrift anlasten, sollten Sie überdenken, oder besser: überglauben. Kein Wort würde ich bloggen, hätte ich nicht mehr zu verkünden, als mich selbst.

Ich selbst bin mir nicht genug, im Gegenteil! Ich bin hungrig nach mehr. Die Auferstehung vor dem Tod lockt mich nicht hinter dem Ofen hervor; sie ist mit meinem Leben zu Ende. Als rhetorischer Ersatz für den Glauben an das, was Christus uns in Ostern verheißt, ist sie kümmerlich. Mein Weiterleben und Weiterwirken nach meinem Tod wird ein Geschenk Gottes sein, das mit meiner Auferstehung nach meinem Tod beginnt. Ein Geschenk, keine logische Folge meines Lebens. Ein Geschenk, an das zu glauben folgerichtig ist, so lange es größer ist, als ich erkennen kann. Und es ist sogar viel größer.
Diese Botschaft hat Kraft, Kraft durch ihren Inhalt nicht durch wohlgesetzte Worte. Sie begeistert. Wie um alles in der Welt kann jemand auf die Idee kommen, sie auf die eigene menschliche Erkenntnis zu kastrieren und das für attraktiv zu halten? Es ist der Ersatz des Meeres und seiner Brandung durch eine ausgetrocknete Pfütze bei Nieselregen im November. Glauben Sie wirklich, dass dafür jemand die Badehose einpackt? „Ich sterbe in Frieden, denn ich habe meine Auferstehung hinter mir“ – dafür soll man leben? Das wird im Namen meiner geliebten Kirche verkündet?!

*Seufz*

Schizophren? Nein!

Schizophren? Nein!

[Von Bastian]
In einem Kommentar hier heißt es sinngemäß:
Es ist eine katholische Schizophrenie, den Sünder zu lieben, die Sünde aber zu hassen. Dies sei für Menschen unmöglich. Man solle einmal versuchen sich folgende Alternativen vorzustellen: Gott lieben, aber seine Kirche hassen; den Glauben zu lieben, aber die Religion hassen; die Kirche zu lieben, aber den Klerus hassen. Das sei unmöglich, da die einzelnen Entitäten einander praktisch identisch seien. Wer die Sünde hasse, hasse auch den Sünder; wer Gott liebe, könne Gottes Kirche nicht hassen. Alles andere wäre nicht menschlich.

Erst einmal passen die Beispiele nicht. Im Fall Sünde/Sünder geht es um ein Prinzip im Gegensatz zu einem Menschen. Diese Gegenüberstellung hält keines der Beispiele ein.

Doch abgesehen davon - was sagen diese Argumente? Es geht in diese Richtung: Du kannst nur alles haben, oder nichts. Du kannst dir nicht die Rosinen herauspicken und dort unterscheiden, wo nur das Ganze zu haben ist – das wäre Selbstbetrug. Das klingt sehr weise und entschlossen. So weise, dass es unmöglich erscheint, das Bad ohne Kind auszuschütten. So entschlossen, dass dabei das Offensichtliche glatt übersehen wird: es gibt kaum eine biblische Aussage, die im Alltag häufiger bestätigt wird als diese: Liebe differenziert. Man kann nicht nur den Sünder lieben, während man zugleich die Sünde hasst – man muss es. Zu unterscheiden zwischen dem, was getan wird, und dem, der es tut, ist essentiell. Es ist das Prinzip allen Zusammenlebens, ob christlich oder nicht.

Wenn wir zu sechst am Mittagstisch sitzen und die Stimmung wieder einmal munter ist, müssten wir unsere Kinder im Sekundentakt lieben und wieder hassen, würden wir nicht trennen zwischen dem, was da gesagt wird und wer es sagt. Jeder gelöste Konflikt zeigt: Erfolg liegt darin, zwischen dem, was man ablehnt, und dem, der das tut, zu unterscheiden. Jede Erziehung sollte nichts anderes sein, als eine Orientierung im Weg zwischen Gut und Böse, eingebettet in ein Meer aus Liebe.

Den Sünder aufgrund seiner Sünde zu hassen mag menschlich erscheinen, besonders, wenn man dabei Extrembeispiele im Sinn hat. Tatsächlich jedoch leben wir täglich anders, denn wir sind nicht dumm. Wir laufen weder blauäugig selbstgemachten Idolen hinterher, deren Handlungen uns alle richtig erscheinen, weil sie Menschen sind, die wir lieben. Ebenso wenig lassen wir uns von unseren Urteilen über Handlungen den Blick darüber hinaus auf das untersagen, was der „Täter“ sonst noch an Liebenswertem zu bieten hat.

Die Gleichsetzung von Sünder und Sünde schafft unbarmherzige Gesetzlichkeit. Sie ist bestenfalls ein unmenschliches Alibi für meine eigenen Abneigungen und meine Liebesunfähigkeit.
Es ist immer wieder dasselbe: die göttlichen Prinzipien sind wahr.
Alles andere wäre nicht menschlich, denn Mensch werden wir erst im Licht Gottes.

Freitag, April 06, 2012

Wer wird denn nun gerettet?

[Von Bastian]
Pünktlich zu Ostern geht sie wieder los: die Diskussion um den Verbleib des Judas. Die Diskussion um die Frage, wer in die Hölle kommt.
Einer der Aufhänger ist dieses Mal eine Predigt von Joachim Kardinal Meisner, der an seiner Erschütterung über die Person Judas eine Betrachtung über die Rettung durch Christus fest macht. Dabei beschreibt er am Ende das Bildnis des erhängten Judas, der im letzten Moment noch mit seinen Füßen Reue zum Ausdruck bringt und so doch noch umkehrt. Judas im Himmel?
Wer in dieser Predigt eine Aussage über das Schicksal von Judas sucht, missversteht sie. Ganz bewusst wurde hier ein Kunstwerk als Aufhänger gewählt, etwas Ausgedachtes ohne irgendeinen Offenbarungsanspruch. Die Botschaft lautet nicht: Judas ist im Himmel, sondern sie lautet: Selbst wenn Du Dich für Judas hältst, kannst Du bis zuletzt – bis wirklich ganz zuletzt – noch umkehren, und Gott nimmt es an. Eine lesenswerte Predigt!

Doch darüber zu diskutieren, ob Judas nun in der Hölle sei oder nicht, und wie es mit der Hölle überhaupt ist, mutet seltsam pharisäerhaft an, vor allem wenn es darum geht, ob andere in die Hölle kommen. Die Worte der Schrift sind Appell an uns, unser eigenes Heil zu erstreben, nicht Maßstab für uns, das Heil Dritter zu beurteilen. Über das Schicksal des Judas gibt es einige Aussagen, die eine bestimmte Richtung nahe legen, aber letztlich geht es uns schlicht nichts an. Wir haben mit uns selbst genug zu tun; auf die Schuld anderer zu weisen, bringt uns nichts.

Doch wie sieht es mit dem Wahrheitsgehalt der Worte Jesu aus? Christus sagt: „Geht durch das enge Tor! Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt, und der Weg dahin ist breit und viele gehen auf ihm. Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dahin ist schmal und nur wenige finden ihn.“ Ist das keine klare Aussage? Christus wusste, wovon er spricht. Ist das nicht einfach ernst zu nehmen?
Die Großmutter, die erfährt, dass von ihren 28 geliebten Enkeln bei einem Zugunglück 5 ums Leben kamen, schreit auf: „Oh Gott, so viele!“ Und sie murmelt: „Beim nächsten Treffen werden nur wenige kommen…“ Wer aus diesen Worte später ableitet, die Frau habe damit aussagen wollen, es seien mehr als 14 Tote gewesen, verkennt begreiflicherweise die Situation.

Gottes Taten und Worte sind Taten und Worte, die aus der Liebe stammen. Aus der Liebe zu jedem einzelnen von uns. Beim Betrachten dessen, was Gott heute am Karfreitag für uns tut, erschüttert diese Liebe. In Gottes Augen ist jeder einzelne Verlorene viel zu viel! Die Liebe ist das Licht, in dem Gottes Worte zu sehen sind. Am Karfreitag richtet sich der Blick nicht auf vermeintliche Zahlen und Fakten, sondern auf die Leidenschaft Gottes.

Mittwoch, April 04, 2012

Unsere liebe Frau vom Gaspedal

[Von Bastian]

Unser Auto muss zum TÜV. Es ist jetzt 3 Jahre alt – das erste Mal also.
Weil ich Maria für dieses Auto sehr dankbar bin, poste ich heute noch einmal den Beitrag, den ich anlässlich des Kaufs damals in einem Forum schrieb.

„Seit vielen Jahren bitte ich stets Maria, mir zu helfen, wenn ich ein neues Auto brauche. Drei Autos habe ich schon unter Gebet an sie gekauft – alle drei waren günstig, robust und geradezu penetrant zuverlässig. Derzeit fahren wir einen alten feuerroten VW-Bus für Familienfahrten, genannt „Bulli“, und einen alten mindestens genauso roten Toyota für mich zum Büro etc., genannt „Prolli“, weil er aussieht wie ein Möchtegern-Manta für finanzschwache Spießer…
Jetzt kommt bei uns die neue Umweltzone und beide Autos lassen sich nicht einmal für eine rote Plakette nachrüsten. Und seit Wochen machte sich in mir der Gedanke breit, ein neues Auto zu kaufen. Gebetet – der Gedanke blieb. Mit der Frau besprochen – der Gedanke blieb immer noch. Aber was für ein Auto? Wer ersetzt einen roten Prolli und passt zu einem roten Bulli?
Wir sind 6 Personen, also ein 6-7-Sitzer. Toyota Corolla Verso? Freunde haben den, aber der ist hinten so eng, dass an weite Fahrten nicht zu denken ist. Und rote Autos gibt es nur gegen Aufpreis. Touran? Hinten auch zu klein und auch nicht in rot, es sei denn, man zahlt. Beide haben bei 7 Sitzen keinen Kofferraum mehr. Schon mit 5 Schülern samt ihren Tornis wird es eng, habe ich mir sagen lassen. Weite Urlaubsfahrten zu sechst: Fehlanzeige. Sharan o.ä.? Zu teuer. Zu hoher Verbrauch. Und auch recht wenig Kofferraum.
Dann erzählte uns ein Freund von einem Bekannten, der einen VW Caddy fährt. Der Name würde zu uns passen, dachte ich. Und ich habe im Internet nachgeschaut.
Fazit: Es gibt gerade jetzt ein Sondermodell mit einem großen Preisvorteil und genau der Ausrüstung, die wir brauchen. In der langen Version hat er 7 Sitze und noch gut Kofferraum dazu. Die einzige Farbe, die keinen Aufpreis kostet, ist feuerrot. Sparsam. Und das billiger als alle Alternativen.
Mit der Familie haben wir den Wagen angeschaut. Die Kinder waren begeistert, ich auch. Nur meine Frau nicht: der Wagen war ihr zu groß. Also noch einmal alle Alternativen durchgegangen. Ich hatte mit keiner wirklich Frieden. Meine Frau merkte das und fuhr noch einmal mit mir, den Caddy anschauen. Kurz vor dem Autohaus haben wir ein Gegrüßet gebetet. Und weil ich falsch abbog und unandächtig war, noch eines. Ich habe alles Maria abgegeben und war bereit, nur ein Auto zu nehmen, mit dem meine Frau einverstanden ist. Gesagt habe ich nichts.
Im Autohaus sagte meine Frau plötzlich: die Sache ist erledigt – er ist gar nicht so groß, wie ich in Erinnerung hatte. Den nehmen wir. Ich fragte mehrfach nach – es blieb dabei.
Dann habe ich begonnen, Angebote einzuholen. Ich bekam noch auf den ohnehin subventionierten Preis zwischen 0% und 6,5% Rabatt. Nur im Autohaus, das uns am nächsten liegt, bekam ich versehentlich das Angebot für die Kurzversion, und als wir den Irrtum bemerkten, bekam ich auf den langen 10%, damit der Preis nicht so hochschnellt. 10% ist nicht die Welt, aber es ist ein ohnehin stark verbilligtes Sondermodell – da scheint nicht mehr drin zu sein. Jedenfalls ist der Preis so gut wie die allerbesten Angebote im Internet, bei denen ich nicht weiß, wer sie macht. Also brauchte ich selbst nicht einmal zu handeln.
Und vorhin haben wir den Wagen bestellt: zur Ehre Mariens kommt hier gleich dieser Bericht.

Ich selbst kann nur staunen, aber es ist definitiv cool!“


Der Wagen hat bisher alles klaglos erledigt, was er sollte. Er war exakt, was wir brauchen.

Liebe Mutter Gottes, meine Freude darüber, dieses Zeugnis schreiben zu können, soll mein Dank an Dich sein.

Der alles relativierende innere Konflikt.

[Von Bastian]
Es gibt in unserem Rechtssystem ein paar Prinzipien, die einzuhalten sind. Sie entsprechen schlicht dem gesunden Menschenverstand und sind so banal, dass es fast weh tut, sie aufzuschreiben. Beispiele:

- Was nicht verboten ist, ist erlaubt.
- Man kann nicht für etwas bestraft werden, was nicht verboten war.
- Wer kein Einkommen hat, zahlt auch keine Steuern.
- Abmachungen sind einzuhalten.
- Ein Kaufpreis muss genau einmal bezahlt werden.
- Usw…

All das sollte soweit klar sein: alles andere wäre schlicht dämlich. Ein Rechtssystem geht nun daran, die Vorgehensweise, festzulegen (Wie sieht ein Kaufvertrag aus?), die Grundsätze in ihren Grenzbereichen auszuformulieren (Was ist mit dem Kaufpreis, wenn die Ware schadhaft ist?), den Konfliktfall zu regeln (Was tun bei Meinungsverschiedenheiten?) und im Zweifelsfall Abweichungen zu sanktionieren (Was geschieht mit einem Dieb?).
Wozu das Ganze? Natürlich damit man Rechtssicherheit hat und weiß, woran man im Zweifelsfall ist. Der Grundsatz lautet: zur Orientierung schaue der Bürger ins Gesetz. Ich stehe im Kaufhaus und habe Appetit auf einen Apfel, den ich aber nicht bezahlen will? Ein Blick ins Gesetz, und ich weiß, dass ich ihn trotzdem bezahlen oder liegen lassen muss. Ich habe einen Konflikt zwischen meinen Wünschen und den Regeln? Das Gesetz sagt mir, was ich darf. Dazu ist es da.

Wenn ich gar nicht klauen will, braucht mich das Gesetz dazu auch nicht zu interessieren. Es wird dann wichtig, wenn es was zu regeln gibt. Ein Gesetz, das Dinge regelt, die nicht in Frage stehen, aber zu greifen aufhört, sobald sie in Frage stehen, wäre ziemlicher Blödsinn: Klauen ist nur verboten, solange du nicht klauen willst? Nein. Das Gesetz regelt den potentiellen Konfliktfall. Was auch sonst?

Nun kommt ein Urteil daher, das genau anders herum argumentiert. (LINK) Das Verbot der Berliner Ärztekammer, einen Suizid medikamentös zu ermöglichen, wird als rechtswidrig angesehen. Der Grund ist ein potentieller Gewissenskonflikt, in den ein Arzt kommen könne. Im Klartext heißt dies, dass hier ein Urteil dem Gesetz genau in dem Moment die Autorität abspricht, in dem es gebraucht wird, nämlich in dem Fall, in dem es etwas zu regeln gibt. Und so schleicht sich in unser Rechtsverständnis bei der elementarsten Frage überhaupt – der Frage nach dem Leben – ein Grundsatz ein, der völlig unsinnig ist:

- Was verboten ist, ist im Konfliktfall erlaubt.

Auf dieser Logik baut sich inzwischen ein ganzes System von Gesetzen auf. So ist das Töten Ungeborener eigentlich laut Gesetz ausdrücklich verboten – im Konfliktfall bleibt es unsanktioniert (was binnen kürzester Zeit zu einem Rechtsanspruch mutierte). Das Bereitstellen von Giften ist im Konfliktfall nicht verboten – auch das wird mutieren. Das Töten Alter und Kranker ist verboten – wie lange noch?
Das Aufweichen der Grundsätze bei Lebensfragen, die konfliktbehaftet sind, ist doppelt tödlich. Es ermöglicht Gesetze, die das Töten erlauben, und prägt die Gesellschaft, die gemäß unserem Rechtssystems im Zweifelsfall nachschaut, was denn verboten ist.
Für die ist inzwischen klar: Wer den inneren Konflikt nicht achtet, ist unbarmherzig. Wie kann ich es wagen, das Leben schützen zu wollen? Der innere Konflikt ist das höhere Gut.

Ornithologisches Frühlingstagebuch 6

[Von Bastian]
Die Mönchsgrasmücke ist zurück und singt ihr Balzlied: ein kräftiges Zwitschern, dass in fast penetrant lautes Flöten übergeht. In etwa 3 Wochen, wenn die Eier gelegt sind, wird sie auf den Zwitscherteil verzichten und nur noch flöten.
Zum ersten mal seit einigen Jahren haben wir wieder einen Fitislaubsänger im Garten.
Mitten in der Stadt an lauten Verkehrsstraßen rufen Gartenbaumläufer in den Platanen.

Das Vogelkonzert morgens hat sich in den letzten Jahren verändert. Es begann mit den Amseln, gefolgt von den Singdrosseln. Inzwischen beginnen schon bei Dunkelheit, Kohlmeisen zu rufen, die früher erst mit
Sonnenaufgang begannen.

Dienstag, April 03, 2012

Es ist genau anders herum.

[Von Bastian]

Unter dem Titel „Raum und Zeit für Sinnlichkeit“ werden in einem von Jesuiten geführten Haus Kurse angeboten. (Quelle)

Elsa hat es in ihrem Nachtbrevier übernommen, die unbeschreibliche Komik ein Stück herauszustellen, die allein dem Ansinnen innewohnt. (Link) Mir geht es um eine Aussage, die man ständig hört und die genauso ständig Blödsinn ist. Gemeint ist: „Meistens ist Sex (Anm: von der Kirche) nur als Voraussetzung zum Kinderzeugen verstanden worden.“

So heißt es zu diesem Kurs. Und weiter geht es: „Wir wollen mit unserem neuen Kurs, der neben Impulsreferaten, Meditationen, Gruppen- und Paargesprächen auch Körperübungen und «Zeiten der Liebe» beinhaltet, gerade diesen Eigenwert der Sexualität für den Alltag von Paaren ausbuchstabieren.“

Ich habe 4 Kinder. In gewisser Weise stellen sie durchaus Folgen von Sex dar. Doch, ja. Bei weiteren katholischen Familien, die mir persönlich bekannt sind, liegen die Dinge ähnlich. (Ich bin allerdings nur unter Zögern bereit, interessierten Jesuiten entsprechende fachliche Fragen zum Thema Raum und Zeit zu beantworten – aber das können die ja auch selbst, wie sie sagen.)

Und da es heutzutage tatsächlich möglich ist, soweit dabei die Intimsphäre respektiert wird, auch gut katholisch über sexuelle Dinge zu sprechen, weiß ich ziemlich genau, das ein katholisches Eheleben durchaus auch andere Dinge im Sinn hat, als nur Kinder zu zeugen. Allerdings ist es, wenn es wirklich gut und katholisch sein soll, offen für Kinder, weil es eben katholisch und damit die Ganzheit betreffend ist.

Es ist immer wieder dasselbe Schema: Das kirchliche „Um der Ganzheit willen seid offen für…“ versteht die Gesellschaft als „Um der Regeln willen denkt ausschließlich an…“. Und verkündet gleich darauf die Lösung: „Um der Freiheit willen vergesst einfach…“. Was hier als Erweiterung beworben wird („Wir befreien Sie vom...“) ist in Wahrheit eine Einschränkung (Sex abgekoppelt von Kindern).

Die Lehre der Kirche enthält immer wieder das Prinzip, die Mittel zu beschränken, um dem Sinn zur Fülle zu verhelfen. Die Gesellschaft fordert hingegen, den Sinn zu beschränken, um den Mitteln zur Fülle zu verhelfen. Ein sinnvolles Beschränken im katholischen Sinne wäre das Streichen solch blödsinniger Kurse.

Mittwoch, März 28, 2012

Locker bleiben?

[Von Bastian]

In der Piratenpartei gab es einen Antrag, dass „die Bedrohung Andersgläubiger mit Ewiger Verdammnis [..] in ihrem Charakter als Volksverhetzung [...] als Offizialdelikt behandelt und verfolgt werden kann...“.

Josef Bordat hat dazu Stellung genommen. Diesen Artikel finde ich gut, angemessen und notwendig. Es gibt jedoch auch andere Standpunkte: „Mal langsam…“ begann eine andere Stellungnahme, die anregt, erst einmal zu schauen, woher denn dieser Antrag stammt (Einzelmeinung?) und was auch ihm geworden ist. Mich hat das ans Nachdenken gebracht.

Die erste Frage ist: worauf reagiere ich eigentlich, wenn ich so etwas lese? Auf eine tatsächliche Gefahr oder auf einen wunden Punkt bei mir? Ist meine Reaktion angemessen oder ist sie überzogen? Spiele ich vielleicht gar etwas hoch, was ohne mich schlicht vorübergehen würde? Diesen Konflikt zwischen Wachsamkeit und Coolness kenne ich – ich bin ihm in der Erziehung von 4 Kindern und Jugendlichen täglich ausgesetzt.

Beispielsweise führt einem kaum etwas die Unangemessenheit der eigenen Reaktionen besser vor Augen, als der Musikgeschmack des pubertierenden Sohnes. Es gibt Lieder, bei deren Texten sich mir der katholische Magen rumdreht - das akzeptiert mein Sohn. Was er nicht akzeptiert, sind Warnungen davor: die Musik ist cool und er geht mit den Texten locker um. Es gäbe an den Liedern berechtigte Kritik, aber sie ist fehl am Platze: nie hat mein Sohn mir Anlass gegeben, an ihm zu zweifeln. Ich sage nichts, denn ich vertraue ihm.

Ein anderer Fall. Darf das Kind jetzt ins kalte Wasser oder nicht? Es ist windig und bedeckt, der nachdrücklich vorgetragene Wunsch, baden zu dürfen damit sozusagen suboptimal. Doch das Kind ist gesund, wird es nicht übertreiben und kann sich hinterher warm einpacken. Die Möglichkeit einer Lungenentzündung zu prophezeien wäre zwar begründbar, aber trotzdem Blödsinn. Das weiß ich und halte den Mund.

Hier aber schreibe ich.

Was bringt mich auf den Gedanken, ein unglücklicher Antrag in einer kleinen Partei überschreite bereits die Grenzen der Gelassenheit und sei warnrelevant? Es ist die Tatsache, dass in diesem Fall das Kind – unsere Gesellschaft – weder gesund noch vertrauenswürdig ist. Zu viele Infekte sind bei ihr ausgebrochen, zu viele absurde Texte hat sie sich zu Eigen gemacht.

Einer Gesellschaft, die es als Errungenschaft betrachtet, dass sie ihre eigenen Kinder im Mutterleib tötet, die nicht mehr weiß, ob man männlich oder weiblich ist und dieses Nichtwissen als Befreiung verkauft, die mit ihrem Ruf nach Toleranz begonnen hat, jede Meinung niederzubrüllen - einer solchen Gesellschaft traue ich eben nicht zu, mit solchen Dingen richtig umzugehen. Die Liste der Absurditäten, an die wir uns längst gewöhnt haben, ist lang. Es gibt allen Grund, in solchen Anträgen kein Bakterium zu sehen, das von der Abwehr erledigt wird, bevor es sich teilt, sondern das erste Symptom einer neuen Krankheit, die in einem völlig geschwächten Körper sehr schnell ausbrechen könnte. Vorsicht ist angeraten!

Der Brunnen ist offen und das Kind turnt auf ihm herum. Mal langsam?

Dienstag, März 27, 2012

Ornithologisches Frühlingstagebuch 5

Gestern den ersten Hausrotschwanz gehört - sehr früh!
Das Blaumeisennest im Kasten ist fertig, die Zilpzalps sind jetzt alle da. Der Grünspecht ruft, der Buntspecht ruft und trommelt.
Heute Morgen großes Vogelgeschrei in den Bäumen hinter dem Garten: Eichelhäher, Amseln, Meisen. Dazu ein aufgeregtes Eichhörnchen. Der Grund war ein Greif, der offenbar einen Vogel geschlagen hatte und fraß. Ich konnte ihn erst beim Wegfliegen entdecken - es war ein Habicht.
In den nächsten Tagen dürften die Rauchschwalben kommen, in den nächsten 2 Wochen die Mönchsgrasmücken.

Off Topic: im Teich haben die Bitterlinge, die Molche und auch mindestens 2 Frösche überlebt. Drei Frösche habe ich tot herausholen müssen.

Sonntag, März 25, 2012

Zum Wohl!

[Von Bastian]
Heute wieder Kindermesse. Ich mag die nicht besonders, weil ich finde, es ist unter dem Niveau der Kinder und es geht am Ziel vorbei. Doch heute hat es plötzlich allen Erwachsenen Spaß gemacht.

Thema: das Weizenkorn, das sterben muss. Die Kinder werden beteiligt.
"Was habe ich denn hier in meiner Hand?" - "Körner." - "
Richtig. Ich habe Weizenkörner in der Hand. Und was kann man damit machen? Es gibt zwei Dinge, die man damit tun kann. Welche sind das?" - "Zu Mehl machen." - "Richtig! Man kann Mehl daraus mahlen und Brot backen. Was könnte man aber auch damit tun?" - "Man kann daraus Bier machen." - "..." - ...

Jede Langeweile war wie weggeblasen.

Samstag, März 24, 2012

Was ich von Gott heute erwarte

[Von Bastian]

Der Papst reist um die Erde und löst überall, wo er hinkommt, Begeisterung aus. Andere rüstige, sympathische und geistig rege alte Männer hingegen reisen, ohne dass die Presse es erfährt. Am Mann kann es nicht liegen. Zugegeben – ich finde ihn persönlich sehr nett und faszinierend, doch nach Berlin ins Olympiastadion fuhr ich samt Familie letztlich nicht seinetwegen. Ich fuhr Gottes wegen.

Die Begeisterung, die Benedikt auslöst, gilt Gott; der Papst verweist auf den wirklichen Papa. Er steht für Christus und den Glauben der Kirche. Das unterscheidet die Faszination, die Gott auslöst, von der, die man für Anderes empfindet: Gott lebt und liebt uns. Er ist aktuell.

Bis hierhin verlaufen nach meiner Erfahrung Gespräche mit Katholiken zu diesem Thema meist harmonisch.


Ich erlebe es häufig so, dass es nicht ganz so einfach bleibt, wenn ich man tiefer ins Thema einsteigt und fragt, was es denn konkret für einen Unterschied ausmacht, dass Gott lebt und uns liebt. Das Wort „konkret“ scheint in diesem Zusammenhang nicht zu passen. Man fühlt sich sicherer in sich selbst, hat weniger Angst, erlebt den Glauben als Trost und auch philosophische Hilfe, aber konkret – nein. Gott begegne uns auf einer geistigen und emotionalen Ebene, heißt es. Konkret eingreifen, das tue er nicht. Zwar kann fast jeder Gläubige mehrere Situationen aufzählen, in denen er Dinge erlebt hat, die für ihn Gottes Anwesenheit zeigten und ihn tief beeindruckten, aber trotzdem: erwarten würde man so etwas niemals.

Es gibt jedoch einen Punkt, an dem sich fast jeder einen Akt Gottes erhofft und erwartet, der an Konkretheit kaum zu überbieten ist: den Tod, an dem man sich das neue Leben erhofft. Alle Vorbehalte gegenüber Gott als handelnder Person brechen angesichts des eigenen Sterbens zusammen und es wird klar, dass es um viel mehr als die eigenen Emotionen und deren Folgen geht: es geht um buchstäblich alles. Doch warum sollte ich von Gott erst dann alles im Leben erwarten, wenn eben dieses Leben zu Ende geht?

Hier ist mein Glaube gefragt, und zwar mein konkreter. Die Evangelien sind voll von Zusagen Gottes auf ganz konkreten Beistand. Auf Beistand, der sich definitiv nicht nur auf abstrakt-geistliche Dinge bezieht. Grund dafür ist, so denke ich, nicht, dass Gott das Leben zu einem Wunschkonzert machen wollte. Der Grund ist vielmehr, dass er uns konkret beschenken will: mit dem ewigen Leben. Und dass wir diesem Geschenk nur dann vertrauensvoll entgegen gehen können, wenn wir erleben, dass Er handelt. Oder anders: wenn ich Gott zeitlebens nicht zugetraut habe, mich mit dem Geld für eine neue Waschmaschine zu versorgen – wie soll ich ihm im Tod vertrauen, mich mit einem ganzen Leben zu versorgen? Der Tod wird umso beängstigender, je weniger ich Gott als Handelnden erlebe, denn nur als Handelnder kann er mich retten.


Ich erlebe die Grenzen meines Glaubens niemals stärker, als wenn ich Gott in einer konkreten Lebenssituation um Hilfe bitten möchte. Gerade deshalb versuche ich genau da, mein Vertrauen zu trainieren: ich werde Gott und seiner Liebe nicht gerecht, wenn ich Ihm den konkreten Handlungswillen abspreche.

Was Gott im Leben konkret tun kann oder soll, wird bei jedem Menschen anders sein. Mich versorgt er mit Parkplätzen und den darauf zu parkenden Autos. Er kann noch viel mehr, wie dieser Beitrag auf Kath.net zeigt: er könne auch heute noch heilen und tue das auch. Nur: „in der westlichen Welt gebe es diesbezüglich Nachholbedarf.“

Was für uns ansteht, ist ein neuer Aufbruch. Ein Aufbrechen unserer verkrusteten Glaubensstrukturen hin zum Vertrauen auf den handelnden Gott.


Freitag, März 23, 2012

Rechtsfolgen der Sexualmoral

Es ist amtlich: der leibliche Vater eines Kindes hat keinen Anspruch auf die Anerkennung seiner Vaterschaft, wenn Kind und Mutter mit einem anderen Mann leben, der die Vaterschaft seinerseits anerkannt hat. Das Gericht befand, dass ein Vater kein Recht habe, die Vaterschaft anzufechten, da zwischen einem anderen Mann und dem Kind eine sozial-familiäre Bindung bestehe, die andauere, obwohl erwiesen sei, dass dieser andere Mann nicht der leibliche Vater sei. In einem zweiten Fall wurde bei durchaus begründeter Annahme der Vaterschaft ein Vaterschaftstest verweigert – aus gleichem Grund. Beiden Urteilen stimmte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte zu.

LINK

Solche Urteile erregen Unmut, ist es doch zugleich eine Selbstverständlichkeit, dass beide Väter zu einem Vaterschaftstest und – bei positivem Ausgang – zu Unterhaltszahlungen gezwungen worden wären, läge der Fall anders herum. Die Pflicht, für ein Kind aufzukommen, wird höher eingestuft als das Recht, als Vater anerkannt zu werden, der man ist. Schlechte Zeiten für Männer?

Ich denke, es gibt drei wesentliche Aspekte, um diese Urteile zu bewerten.

Da ist einmal der leibliche Vater – der kommt wie gesehen schlecht weg.

Da ist zum zweiten das Kind. Für das Kind schafft das Urteil erst einmal Sicherheit und Ruhe. Es lebt in einer Beziehung, aus der es nicht vollständig stammt, daran ist nichts zu ändern. Ihm wäre nicht geholfen, wenn es zudem noch zwischen mehreren Beziehungen zerrissen würde. Wenn es z.B. jedes zweite Wochenende in einer anderen Stadt verbringen müsste, nicht weil es das so will, sondern weil jemand sein Recht darauf geltend macht. Dass das Kind irgendwann die Tatsache verdauen muss, dass es von einem anderen Mann abstammt, als von Papa, und dass es den nie kennenlernen durfte, obwohl der es kennen wollte, ist der traurige Preis, den es dafür zahlen muss. Ein Urteil, das dem Kind diese Last abnehmen kann, gibt es nicht.

Dann ist da noch die Gesellschaft, die in der Rechtsprechung über solche Fälle befinden muss. Sie steht vor der Frage, was wichtiger ist: Abstammung oder Beziehung der Mutter. Zu Konflikten dieser Art kann es in größerem Umfang überhaupt nur kommen, wenn dauerhafte Beziehung, Sex und die Zeugung von Kindern als drei getrennte Bereiche angesehen werden; erst so werden Probleme dieser Art überhaupt logisch möglich. Daher zeigen Konflikte wie diese auf der rechtlichen Ebene die Folgen unserer Sexualmoral. Es gibt Sex – und es gibt die (hoffentlich) dauerhafte Beziehung. Folglich gib es den „leiblichen Vater“ und den „rechtlichen Vater“. Das Kind zahlt dabei für die vermeintliche Freiheit der Elterngeneration. Die löst für sich das Problem dergestalt, dass sie den Konflikt, in dem das Kind nun steht, einfach leugnet: es hat dem Kind egal zu sein, von wem es abstammt. Es wird zwei Männern genauso gegeben wie zwei Frauen, wobei es nur konsequent wäre, wenn auch die zweite Frau einen Vaterschaftstest ausschließen könnte. Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis der erste Fall dieser Art verhandelt wird.

Um die eigene sexuelle Freiheit zu erhalten, werden Menschen – Kinder – zum Rechtsobjekt. Sie werden je nach Rechtssituation behandelt, bis hin zum Objekt, das man vor der Geburt entfernen kann.

Ich wage die Prognose, dass unserer Gesellschaft ihre Strukturen und Systeme eines Tages in einem Aufschrei der von ihr misshandelten Kinder in Stücke zerbrechen werden.

Donnerstag, März 22, 2012

Uhren heben

[von Bastian]
Da beide Autoren von Echo Romeo in kreativen Berufen tätig sind, hier einmal ein Link zu einem Radiointerview zum Thema Urheberrecht, der es recht gut auf den Punkt bringt:

Mittwoch, März 21, 2012

Antidiskriminierend, antikapitalistisch und antiklerikal.

[Von Bastian]

So beschreibt sich ein neues Café der Studentenvertretung Wien und straft sich damit selbst Lügen. Abgesehen von der offensichtlichen Tatsache, dass man sich kaum als antidiskriminierend bezeichnen kann, wenn man im selben Atemzug zwei Geisteshaltungen ausschließt: „antidiskriminierend“ ist Quatsch in sich.

Das Gegenteil von nein ist ja, das Gegenteil von Ausschluss ist Aufnahme – kurz: die negative Haltung findet ihr Gegenüber im Positiven. Hier wird jedoch ein Nein zum Nein konstruiert, um nicht ja sagen zu müssen, ein Ausschluss des Ausschlusses, um nicht aufnehmen zu müssen. Warum? Wo ist das Motiv zu suchen?

Die Ablehnung der Ablehnung ist nichts als der verdrehte Ausweg dessen, der sich in seiner eigenen Weltanschauung hoffnungslos verfangen hat. Überzeugt, nicht ausschließen zu dürfen, doch unfähig, wirklich offen zu sein, wird versucht, Toleranz durch Ablehnung zu definieren. Ich bin nicht tolerant – ich bin gegen Intoleranz. So erhöhe ich meine eigenen Antipathien zu einem vermeintlich aufgeklärten Weltbild. Frieden und Freiheit werden so zum Traum, dessen Verwirklichung ich von anderen fordern muss, von denen, gegen deren Intoleranz ich bin. Bis dahin richte ich auf eben diese meine Aggressionen, denn genau das ist der Weg: meine Wut dient meinem aufrichtigen Kampf gegen den Unfrieden.

Ich lobe mir meinen Gott, bei dem es ein klares „Ja, ja!“ und ein ebenso klares „Nein, nein!“ gibt. Einen Gott, der den Mut hat, die Sünde beim Namen zu nennen, und zugleich bis zur Selbsthingabe ja zu sagen. Einen Gott, bei dem sich meine Gedanken nicht gegen sich selbst richten müssen, sondern der mich in immer größere Klarheit und Wahrheit führt.

Dienstag, März 20, 2012

Von Stühlen und ihren Kreisen (7)



(Idee: Der Poet und seine Frau, besonders die Frau:-))

Montag, März 19, 2012

Gacker. Weltbildwatch.


Ei, ei, der WELTBILD-Verlag ist lernfähig. Hieß es vor einigen Tagen noch auf deren Webseite:

Der Frühling steht vor der Tür und eines der schönsten Feste des ganzen Jahres wartet auf Sie – Ostern. Das Fest um den neckischen Hasen, der Eier, Schokolade und vielleicht auch ein paar kleine Geschenke versteckt, ist etwas für die ganze Familie.


… so lautet der korrigierte Text jetzt:

Der Frühling steht vor der Tür und eines der schönsten Feste des ganzen Jahres wartet auf Sie – das Fest der Auferstehung. Ostern, mit dem berühmten Hasen, der Eier, Schokolade und vielleicht auch ein paar kleine Geschenke versteckt, ist zudem ein besonderes Ereignis für Kinder zum Fest der Freude. Ob Sie nun Eier mit Ihrer Familie bemalen wollen …


Ich meine: Geht doch! Allerdings ist es auch für mich Illustrator ein hochgestecktes Ziel, Eier mit meiner Famile zu bemalen. Die gehn doch gar nicht alle da drauf! (Mitsamt Tanten, Onkeln, Cousins, Cousinen etc.)

Raumschiff Breakup

Der Glaube – unendliche Weiten. Wir schreiben Sternzeit 2012. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Breakup, das mit seinen recht-, irr-, anders- und ungläubigen Gästen aus allen Galaxien fünf Tage lang unterwegs ist, um neue Wahrheiten zu entdecken und neue Lehren zu verbreiten. Viele Lichtjahre von der Realität entfernt, dringt die Breakup in andere Dimensionen vor, von denen nie ein Mensch zuvor gehört, gelesen oder gesehen hat.
[Bild von Peter Esser, Text von einem edlen Spender]

Samstag, März 17, 2012

Probier's mal mit Gmürlichkeit!

[Von Bastian]
Wer sich im Dschungel der kirchlichen Wahrheiten und eigenen Gedanken verirrt hat tut gut daran, sich mit einem frohen Liedchen Mut zuzusingen:

Probier’s mal mit Gmürlichkeit.
mit Basel und Gmürlichkeit
wirfst du die Lehren deiner Kirche weg!
Und wenn du stets gmürlich bist
und etwas ungebührlich ist,
dann lehn es ab, egal an welchem Fleck.

Was soll ich mit Huonder, der mir nicht gefällt?
Den will ich nicht lesen – auch nicht für Geld!
Reporter stimmen zu wie nie
und sorgen für Publicity!
Und sitzt du in deinem Dom
erzählst du: Regeln, die gelten nur in Rom!
Ist das dein Ernst?

Denn mit Gmürlichkeit kommt auch der Glück zu dir. Er kommt zu dir.

Probier’s mal mit Gmürlichkeit.
Mit Basel und Gmürlichkeit
vertreibst du diesen ganzen Regelkram!
Und wenn du stets gmürlich bist
und Rom dir zu ausführlich ist,
geh auf Distanz, egal woher es kam.

Und sprichst du von Ehen, und du irrst dich dabei,
dann sollst du verstehen: nie geh‘n die vorbei!
Du sollst bescheiden aber genau die Lehre verbreiten
sonst tust du uns weh! Wir sind verletzt und zahlen drauf,
drum predige gleich mit dem richtigen Dreh!
Hast Du das jetzt kapiert?

Denn mit Gmürlichkeit kommt auch der Glück zu dir. Er kommt zu dir.

Plakat als PDF

Hier das alternative Plakat als PDF, für alle, die Bischof Huonder unterstützen möchten und es gebrauchen können.

Ornithologisches Frühlingstagebuch 4

Die Grünlinge singen jetzt das ganze Balzlied. Auch die Kleiber drehen richtig auf (zeimlich monoton!).
Der Grünspecht ruft und den ersten Zilpzalp (Weidenlaubsänger) habe ich gehört.

Plakat kann ich auch!





Eine kleine Alternative, von Bastian.

Freitag, März 16, 2012

Zündend (Wiederholung)




Um wirkliche Erhörung zu erlangen, konnte Oma Stuckenbrock schon mal zu zündenderen Maßnahmen greifen.

(Mit Dank an Heike, die offensichtlich mein Archiv besser sortiert hat als ich.)

Donnerstag, März 15, 2012

Die schreckliche Wahrheit hinter dem Plakat!!

[von Sr. Informata] Elsa hat bereits versucht, die Hintergründe eines mysteriösen Plakates zu erhellen, das testweise in Rorschach ausgehängt wurde. Nach dem Grundsatz, daß nur investigatives Bloggen gutes Bloggen ist, haben wir durch eine Informantin, die aus guten Gründen vorzieht, ungenannt zu bleiben, die wahre Botschaft des Rorschachplakats enträtseln können. Nennen wir unsere Informantin einfach »Schwester Informata«. Sie schreibt:

"Schwarz, Rot und fahles Weiß bestimmen den Farbtenor des Plakates. In blutroten Lettern schreit dem Betrachter der Schriftzug "STOP" ins Auge. Eine verdreht wirkende, muskulöse Hand, welche aus einem schwarzen, mit weißen Aufschlägen versehenen Ärmel ragt, umklammert brutal eine schlaffe, zarte Frauenhand, an deren Ringfinger ein mehrkarätiger Brillantring bis an das mittlere Fingerglied verrutscht ist. Durch die Komposition der Handstellung entsteht beim Betrachter der Eindruck von blanker Gewalt. Ist die Trägerin des Brillantringes tot? Wurde sie vom Besitzer der zupackenden Männerhand - ermordet? Durch die nähere Betrachtung des stilisierten Ärmels, auf welchem der rote Schriftzug "STOP" angebracht ist, wird erkennbar, dass der Ausschnitt eine Kukulle wie die eines Tempelritters zeigt: Es könnte ist ein Angehöriger eines Laienordens sein, der die Hand der (von ihm?) ermordeten Frau hart umklammert. Ist er gerade dabei, ihre Leiche zu entsorgen? Der Schriftzug über dem Bild, der zunächst angesichts der dramatischen Abbildung in der unteren Bildhälfte nicht ins Auge fällt, kann uns weiterhelfen. "Wir schließen niemanden aus!" heißt es in reinweißen Versalien am Kopf des Bildes. "Bei uns sind auch geschiedene Wiederverheiratete willkommen!" heißt es in der - in Schriftgröße 24 etwas kleiner - gestalteten, ebenfalls weißen) Unterüberschrift. Die Botschaft zum Bild wird klarer: Der ominöse Laienorden macht keinen Unterschied, wen er brutal ermordet. Selbst wiederverheiratete Geschiedene, jene verfemte Randgruppe der Gesellschaft, sind willkommen, um die düsteren Rituale der Organisation zu ermöglichen. Gibt es keine Rettung? Zur Mitte hin eröffnet sich eine weitere, nun rote Überschrift: "Auch wir sind entsetzt!" Warum könnte der offenbar skrupellos nach Opfern lechzende Geheimbund entsetzt sein? Die Lösung des Rätsels steckt in einem optisch kaum auffallenden, in dünner, weißer Typografie angebrachten Schriftzug nahe der Bildmitte, unmittelbar über der abgebildeten Szene der ermordeten Dame im Klammmergriff des brutalen Geheimbündlers: "über den Hirtenbrief von Bischof Huonder". Nun wird dem Betrachter die gesamte Dramatik des Bildes offenbar. Ein Bischof hat es gewagt, sich gegen die menschenverachtenden Praktiken eines - wie des Bischofsnamens rätoromanischer Charakter verrät - Schweizer Dunkelmännervereins zu stellen. "Hirtenbrief" bezeichnet eine Kommunikationsform in der katholischen Kirche, die eine größete Öffentlichkeit herstellt. Kein Wunder, dass der finstere Club "entsetzt" ist: der Bischof ist offenbar mutig an die Öffentlichkeit gegangen mit seiner Anklage gegen die mörderischen Vasallen des Todes. Diese sehen sich durch ihn der Ausübung ihrer finsteren Praxis, die selbst Menschenopfer mit einschließt, behindert. Der Betrachter wird also bei der Betrachtung des Plakates Zeuge eines dämonischen Kampfes zwischen einem Gerechten und einer bösen Macht."

Occupy the Patentamt?

[Von Bastian]

Eigentlich sollte nur die Firmung in unserer Gemeinde organisiert werden. Für Aufsehen sorgte jedoch eine vermeintlich politische Agitation im Vorfeld: im Zuge der Vorbereitungen wurden Zettel ausgeteilt, auf denen viele unterschreiben sollten, sie seien dabei, wenn es darum gehe, das Patentamt zu übernehmen.

Die Quelle dieser Umtriebe war rasch gefunden: Word. Auch mir versucht die Software beim Vorschreiben dieses Beitrags, die Bundesbehörde schmackhaft zu machen: die Rechtschreibprüfung kennt kein Patenamt.

Mittwoch, März 14, 2012

Gendergerechte Poesie - ein Versuch.

[Von Bastian]

Nachdem es offenbar notwendig geworden ist, Gendergerechtigkeit auch dort anzuwenden, wo sie eigentlich nicht zu erwarten wäre - es muss auch männliche Königinnen geben - ist es an der Zeit, den Dschungel der verbleibenden Ungerechtigkeiten auszulichten.

Da mir das Binnen-I missfällt und zudem jahrelange Einseitigkeiten wiedergutzumachen sind, gebe ich mir einen Ruck: alles Männliche sein durch Weibliches ersetzt. Die Gesellschaft wird es lohnen.

Für mich als schreibenden Menschen sei daher der erste hilflose Versuch, jahrelangen Schaden zu heilen, ein Gedicht. Fraufrau Hesse stand Pate.

So komm fraubei, Du fraulicher Fraubst!
Lang frauschte die Sonne, frauab steigt ihr Licht.
Nur frauaus! Die Ernte frauein!
Das Frauz der Rofrautik geöffnet
Bevor Fraumes, der Frauold der Dämmerung
Das Licht, Fraukunft und Ziel, uns verschließt.

Dienstag, März 13, 2012

Katholikentagsnostalgie

[Von Bastian]

Das Programm des Katholikentags ist da. Aus diesem Anlass hier eine Erinnerung.

Ich weiß es nicht mehr genau – ich meine, es war die Jugend 2000 in Karlsruhe. Aufgeteilt waren sie in 3 Gruppen. Reihum stand eine Gruppe den Passanten für Gespräche zur Verfügung, eine betete Rosenkranz und eine machte Pause. Auf einem riesigen Transparent stand in großer Schrift:

Papst, Maria, Zölibat – unsre Kirche find‘ ich gut!

Um Gesprächspartner waren sie selten verlegen.

Einmal nur war ich auf einem Katholikentag. Und das ist das einzige, woran ich mich noch erinnern kann, daran allerdings mit Freude.

Oster-Gewinnspiel

[Gefunden von Peter Esser] »Der Frühling steht vor der Tür und eines der schönsten Feste des ganzen Jahres wartet auf Sie – Ostern. DAS FEST UM DEN NECKISCHEN HASEN, der Eier, Schokolade und vielleicht auch ein paar kleine Geschenke versteckt, ist etwas für die ganze Familie.«

Da sage einer, unsere Hirten hätten keine Eier.

Gefunden bei WELTBILD, Ihrer katholischen Stimme im Büchermarkt. Gab es da nicht letztes Jahr einen Aufstand gegen das »Hasenfest« von Thalia? Nur zu!

Die katholische Schatzsuche

[Von Bastian]
Die Frage war: was kann einem der Klerus eigentlich sinnvolles sagen?
Ich habe diese Antwort versucht:

Mit dem Glauben ist es wie mit einer Schatzsuche. Wenn ich wissen will, wo ich graben muss, frage ich den, der die Karte hat. Alles andere wäre Blödsinn. Wenn ich aber wissen will, wo ich den besten Spaten bekomme oder wie ich rudern muss, um die Insel zu erreichen, frage ich Fachleute. Mag sein, dass da der Kartenbesitzer dabei ist, aber das ist nicht zwingend.

In der Kirche ist die Karte dem Lehramt anvertraut. Sie enthält das Ziel, den Weg dorthin und die Dinge, auf die man aufpassen muss. Eine richtige Schatzkarte eben. Der Schiffsbau, die weitere Ausrüstung, die Verpflegung und was sonst noch so dazugehört, sind Sache aller, also vornehmlich der Laien, denn davon gibt es mehr. In dieser Konstellation ist alles gegeben, den Schatz zu heben.

Heute ist es leider oft so, dass Priester versuchen, Ruderunterricht zu erteilen oder Spaten zu zimmern. Und weil man damit nicht weit kommt, verlegen sie auf der Karte das Kreuzchen, das das Versteck markiert, aufs Festland und in weichen Sand, damit die Schatzsuche eher der Lebenswirklichkeit der Sucher entspricht. Die sind auch ganz froh darüber, weil sie nur diese falsche Karte kennen. So einfach kommt man an den Schatz! Und sie buddeln munter drauf los, finden aber nichts. Sie graben so lange, bis sie irgendein rostiges Stück Eisen finden und stellen fest: die Schätze der Kirche sind verrottet, ihre Karten taugen nichts. Und sie verspotten die Kartenbesitzer.

Wenn jetzt jemand mit der richtigen Karte kommt, erhält er natürlich die Antwort: „Wie bitte? Jetzt sollen wir auch noch Schiffe bauen, rudern, klettern, wandern und Felsen sprengen? Damit wir wieder ein Stück rostiges Eisen finden? Nein danke!“

Es ist eben wichtig, den richtigen Fundort zu kennen und für die Suche die richtigen Fragen zu stellen.

Montag, März 12, 2012

Freiheit und Entschluss – ein alter Forenbeitrag.

[Von Bastian]

Nach einigen Jahren wieder herausgekramt, weil es zum Thema Ehe passt.

Freiheit wird oft mit Optionen oder Wahlmöglichkeit gleichgesetzt – ein Widerspruch in sich. Denn was passiert, wenn ich wähle? Ich werde unfrei, weil eine Wahlmöglichkeit in Zukunft fehlt. Jede Wahl zwischen 2 Optionen schränkt die Freiheit ein. Frei ist demnach, wer sich nicht rührt: heiliger und wahrhaft freier Stillstand, der alle Optionen in sich birgt.

Tatsache ist: die einzige Freiheit, die ich habe, ist, die Freiheit zu verlassen. So geschieht Wachstum, wie bei einem Baum.

Jede Knospe hat die Wahl, aufzugehen und sich als Zweig zu entwickeln. Ohne Entscheidungen geht dabei nichts: sie muss eine bestimmte Richtung wählen. Bald kommt es zur Verzweigung, und jede Spitze muss neu entscheiden. Immer wieder. Am Ende vieler Entscheidungen hat man als Blatt seinen ganz bestimmten eigenen Platz, den man nicht mehr verlassen kann. Dieser Platz liegt an der Sonne. Wer ist jetzt frei: das Blatt, oder die Knospe in der Mitte, die nie aufging?
Und, um im Bild zu bleiben: die innere Knospe hat zwar nie ihre Wahlmöglichkeit eingeschränkt, aber sie ist inzwischen völlig fehl am Platze. Selbst wenn sie wollte – sie kann nicht mehr wachsen, denn bei ihr ist es dunkel. Auch der Zweig, der 5mal die Richtung änderte, verkümmert langsam wegen Lichtmangels. Nur die, die sich entschieden haben, haben weiterhin Freiheit. Es ist Vielfalt entstanden: hunderte Blätter und jedes anders. Zugleich herrscht Ordnung: die Blätter haben ihren Platz. Der Stamm, dem alle Äste aufsitzen, hebt im Laufe der Jahre alles immer höher und garantiert den Zugang zum Licht. Dabei entsteht die feste Struktur des Baumes, indem sie den Blättern folgt: die schieben sich immer weiter vor und hinterlassen den Zweig, später den Ast. Dem Baum garantiert dieses Prinzip Lebensfähigkeit.

Fazit: die Freiheit ruft dazu auf, eingesetzt und aufgebraucht zu werden, damit sie bleibt und größer wird.

Sonntag, März 11, 2012

Ihr heiratet die Frau, die ihr liebt…

…wir lieben die Frau, die wir heiraten.

Dieser Spruch ist für mich und meine Ehe sehr wichtig geworden.

[Von Bastian]

Vor etlichen Jahren habe ich 4 Monate in Bangladesh verbracht. Ich hatte die Gelegenheit, das Land sozusagen von innen zu sehen, durch viele Begegnungen mit Menschen der ganz normalen Bevölkerung. Freiheit in den Lebensentscheidungen, wie wir sie kennen – Berufswahl, Wahl des Wohnortes, Ziel von Reisen, sogar bei der Partnerwahl – waren dort großenteils kein Thema: es gab einfach gar keine Wahlmöglichkeit. Man musste da, wo man war, sehen, dass man überlebte, und wurde oft von der Familie früh verheiratet. Frappierend für mich war dabei, dass die Menschen großenteils einen glücklicheren Eindruck auf mich machten, als sie es zu Hause in Deutschland taten. (Das galt natürlich nur für die, die gesund und einigermaßen sicher waren, genug zu essen zu haben. Das Leid der Hungernden war unbeschreiblich!)

Ich forschte nicht nach – es wäre zu unhöflich gewesen, zu fragen: „Wieso seid Ihr so glücklich, wo es Euch doch so schlecht geht? Bei uns wäre so niemand fröhlich!“. Es war auch nicht nötig, zu fragen: man kam mit diesem Thema auf mich zu. Einige Male wurde mir unaufgefordert erzählt, wie es gehe, glücklich zu sein.

Der obige Satz war eines der Rezepte. Wie weise er ist, wurde mir erst vor meiner kirchlichen Trauung klar.

Da ging mir durch den Kopf, dass ich nicht nur versprechen würde, eine Frau zu lieben, die ich nur im Moment kannte und deren Entwicklung ich nicht im Geringsten vorhersehen könnte. Ich versprach auch, dieselbe Frau zu lieben, gleich wie ich mich selbst verändern würde. Ich versprach Liebe von einem mir unbekanntem zu einer mir unbekannten für Lebenssituationen, die mir ebenfalls völlig unbekannt waren. Die Tatsache, dass ich sie damals liebte, war keinerlei Garantie: bei der Ehe ging es nicht um Bestätigung einer Liebe, die da war, sondern um das Versprechen von Liebe, die noch nicht da war. Ohne Einschränkung, ohne Rückweg. Das waren harte Gedanken.

Ich weiß nicht, wie ich damit umgegangen wäre, wenn ich nicht das Zeugnis dieser Menschen gehabt hätte, die mir ganz einfach sagten: ja, genau so ist es und genauso geht es.

Heute bestätige ich das voll und ganz. Ich bin meine Ehe eingegangen und habe es nie bereut – dabei ist es wirklich nicht immer einfach. Dass ich meine Frau liebe, ist die Basis, auf der ich hoffentlich den Rest meines Lebens stehe. Ich kann es mit Gottes Hilfe, und ich bete, dass mir diese Hilfe bleibt. Und weil dieses Ja, dieser Entschluss, so wichtig ist, ist mir auch klar, warum ein unverheiratetes Zusammenleben so schädlich ist. Man übt die falsche Basis ein. Man glaubt, eine ausgeklügelte Balance zwischen Geben und Nehmen sei das Rezept. Doch das einzige Rezept ist, sich selbst zu geben. Das ist je nachdem beglückend oder fast unmöglich – auf jeden Fall ist es der Weg.

Wen betrachte ich beim Beten des Kreuzwegs?

[Von Bastian]

Freitag kam ich in unserer Gemeinde zur Abendmesse zu früh und bekam noch die letzten Stationen des Kreuzwegs mit.

Die Meditation lief immer nach demselben Schema ab: erst wurde das Leiden Christi beschrieben, dann wurden Beispiele für Dinge in meinem Leben aufgezeigt, die mit ähnlichen Worten beschreibbar wären, meist in Frageform. Sätze wie: „Bin ich nicht auch manchmal wie festgenagelt an den Urteilen über mich? Bin ich bereit, dem zu helfen, der unter der Last seines Lebens zusammenbricht, und ihm die Last abzunehmen?“. Dass folgt ein Gebet, quasi als Antwort „Herr, lass uns…“.

Am Ende der Kreuzwegsbetrachtungen stehe dabei ich selbst, es endet als Sebstbetrachtung. Ich kann damit nichts anfangen. Zum einen kommt es mir immer künstlich und moralistisch vor. Zum anderen kann ich nicht mich betrachten, wenn es um das Kreuz Christi geht – im Gegenteil. Die Wendung zu mir selbst ist für mich wie Nebel, der das Wesentliche unsichtbar macht: die Gemeinde spricht sich so in der Betrachtung selbst Verständnis und Vertrauen zu, doch sie verpasst den verzeihenden Blick vom Kreuz, den man sich selbst nicht schenken kann. Der Blick aufs Kreuz ist ein Blick auf meine Erlösung. Warum sollte ich ihn durch einen Blick auf mich und meine Probleme ersetzen? Weil ich dem Blick aufs Kreuz nicht standhalte? Es ist ein schwerer Blick, denn nirgendwo sonst ist Sündenerkenntnis stärker und klarer als vor dem Kreuz. Aber wenn ich schon einen Gott habe, der sich für mich töten lässt – wie sollte ich da versuchen, auch nur das kleinste Stück von mir zurückzuhalten? Das innere Ringen vor dem Kreuz kann nicht im Abwenden des Blickes bestehen – es kann nur der Kampf darum sein, immer offener zu werden.

Ich wünsche mir eine Kreuzwegsandacht ohne Moral, ohne mich selbst, die Christus betrachtet, den Blick bei ihm ruhen lässt, leise danke sagt und endet.

Freitag, März 09, 2012

Ornithologisches Frühlingstagebuch 3

[Von Bastian]
Die Singdrosseln sind als erste Rückkehrer wieder hier: heute Morgen habe ich die erste gehört. Noch 3-4 Wochen, und sie wird bis in den August hinein jeden Abend in der Dämmerung als letzte für einige Minuten Singen.
Die ersten Amseln bauen Nester. In der Innenstadt dürften bereits die ersten Gelege bebrütet werden. Heckenbraunelle und Buchfink sind jetzt Dauersänger.
Vogelstimmen zu kennen ist ein Segen! Ich lausche eigentlich ständig, ohne mir bewusst zu sein. Eine neue Stimme in Frühjahr schreckt mich sofort hoch, und ich freue mich.
Dank dafür, Herr!

Mittwoch, März 07, 2012

Kirchenpolitische Hazardeure

[Peter Esser] Was die Jungs von der Piusbruderschaft eventuell nicht voll checken: Ich werde im Jüngsten Gericht nicht danach gefragt, ob mein Bischof ein guter Haushalter war. Ich werde nach MEINER Haushalterschaft gefragt werden.
Wieder einmal verleiten sie Katholiken - und nicht die Schlechtesten! - dazu, aus dem Gehorsam gegenüber dem von Gott gesetzten Bischof auszubrechen. Sie führen damit teils sehr schlichte Gemüter in Entscheidungssituationen, denen sie intellektuell und von der geistlichen Unterscheidung her nicht gewachsen sind.
In Freiburg hat der Papst die Menschen nicht aufgerufen, aus der Kirche auszutreten - er hätte es ja wohl machen können.
Aus der Weigerung, den geistlichen Kampf in der Kirche innerlich mitzutragen, entsteht (ohne den Umweg über Luther und den Protestantismus, aber in ihrem Geist) auf direktem Wege eine traditionalistische Freikirche.

Dienstag, März 06, 2012

Wo bleibt denn da die Logik?

[Von Bastian]

Bitte keine Klischees festzurren – sie engen den Menschen unangemessen ein, und das ist nicht im Sinne Jesu. Der Mensch ist so, wie er ist, von Gott geschaffen. Die Wahrheit über den Menschen ist größer als überkommene Vorstellungen. So argumentieren Teile der evangelischen Kirche (und nicht nur sie!) und öffnen sich der Homosexualität.

Nun fehlt es an männlichen Kandidaten für das Pastorenamt. Im selben Moment ist die Angst vor Klischees und Rollenfestlegungen wie weggeblasen: man höre anscheinend bei Berufsneulingen in den zuständigen Kreisen immer wieder Klagen über die Verweiblichung des Rollenbildes "PfarrerIn". "Wir wollen wieder mehr Männer im Studienfach Theologie und stellen deshalb den wissenschaftlichen Charakter und die Leitungsfunktion des Pfarramtes wieder deutlicher heraus.“ Genau das, was an anderer Stelle abzulehnen ist, wird zum Argument.

LINK.

Für mich kein Beispiel für eine typische Unzulänglichkeit des Protestantismus: auch in der katholischen Kirche wird ähnlich argumentiert. Doch es zeigt sehr schön, wie sinnlos es ist, eine Logik ohne Rückkoppelung an die Offenbarung aufzubauen, wenn man Menschen für Gott begeistern will.

Montag, März 05, 2012

Gebet

[Von Bastian]

Herr, wenn öffentlich diskutiert wird, ob man ein Bild von Dir mit Dreck bewerfen darf, ist es mir ein Bedürfnis, Dir öffentlich zu sagen, dass ich Dein Bild liebe, denn es zeigt Dich. Und wenn öffentlich in diesem Zusammenhang über Dich gesprochen wird, möchte ich auch öffentlich mit Dir reden, denn Du bist nicht irgendein Thema, sondern mein Gott.

Du weißt, dass ich Dich selbst mit dem Dreck meiner Sünden bewerfe. Du weißt aber auch, dass ich es nicht gerne tue oder zumindest wünsche, ich täte es ungern. Du weißt, wie unvollkommen meine Liebe ist, und ich weiß es. Aus dieser Unvollkommenheit heraus bitte ich Dich für mich und alle, die Dich beleidigen, um Vergebung. Ich stelle uns alle unter Deine Liebe, denn Du wünschst nichts mehr, als uns zu lieben.

Nicht meine Empörung, Herr, ist die Antwort, sondern Deine Liebe und Dein Wunsch, allen zu vergeben. Ich für meinen kleinen Teil vertraue Dir diese Theateraufführung an. Segne sie, wie immer das aussehen mag.

Ich danke Dir, Herr, für Dich, für Deine Liebe und dafür, dass wir immer zu Dir kommen können und Du uns erwartest.

Ornithologisches Frühlingstagebuch 2

Es ist wieder kühler - der Gesang lässt wieder nach.
Neu ist der trommelnde Buntspecht. Rotkehlchen und Heckenbraunelle sind weiter munter, aber die Finken und Amseln singen weniger.
Bisher kein Rückkehrer aus dem Süden.