Mittwoch, April 04, 2012
Unsere liebe Frau vom Gaspedal
Unser Auto muss zum TÜV. Es ist jetzt 3 Jahre alt – das erste Mal also.
Weil ich Maria für dieses Auto sehr dankbar bin, poste ich heute noch einmal den Beitrag, den ich anlässlich des Kaufs damals in einem Forum schrieb.
„Seit vielen Jahren bitte ich stets Maria, mir zu helfen, wenn ich ein neues Auto brauche. Drei Autos habe ich schon unter Gebet an sie gekauft – alle drei waren günstig, robust und geradezu penetrant zuverlässig. Derzeit fahren wir einen alten feuerroten VW-Bus für Familienfahrten, genannt „Bulli“, und einen alten mindestens genauso roten Toyota für mich zum Büro etc., genannt „Prolli“, weil er aussieht wie ein Möchtegern-Manta für finanzschwache Spießer…
Jetzt kommt bei uns die neue Umweltzone und beide Autos lassen sich nicht einmal für eine rote Plakette nachrüsten. Und seit Wochen machte sich in mir der Gedanke breit, ein neues Auto zu kaufen. Gebetet – der Gedanke blieb. Mit der Frau besprochen – der Gedanke blieb immer noch. Aber was für ein Auto? Wer ersetzt einen roten Prolli und passt zu einem roten Bulli?
Wir sind 6 Personen, also ein 6-7-Sitzer. Toyota Corolla Verso? Freunde haben den, aber der ist hinten so eng, dass an weite Fahrten nicht zu denken ist. Und rote Autos gibt es nur gegen Aufpreis. Touran? Hinten auch zu klein und auch nicht in rot, es sei denn, man zahlt. Beide haben bei 7 Sitzen keinen Kofferraum mehr. Schon mit 5 Schülern samt ihren Tornis wird es eng, habe ich mir sagen lassen. Weite Urlaubsfahrten zu sechst: Fehlanzeige. Sharan o.ä.? Zu teuer. Zu hoher Verbrauch. Und auch recht wenig Kofferraum.
Dann erzählte uns ein Freund von einem Bekannten, der einen VW Caddy fährt. Der Name würde zu uns passen, dachte ich. Und ich habe im Internet nachgeschaut.
Fazit: Es gibt gerade jetzt ein Sondermodell mit einem großen Preisvorteil und genau der Ausrüstung, die wir brauchen. In der langen Version hat er 7 Sitze und noch gut Kofferraum dazu. Die einzige Farbe, die keinen Aufpreis kostet, ist feuerrot. Sparsam. Und das billiger als alle Alternativen.
Mit der Familie haben wir den Wagen angeschaut. Die Kinder waren begeistert, ich auch. Nur meine Frau nicht: der Wagen war ihr zu groß. Also noch einmal alle Alternativen durchgegangen. Ich hatte mit keiner wirklich Frieden. Meine Frau merkte das und fuhr noch einmal mit mir, den Caddy anschauen. Kurz vor dem Autohaus haben wir ein Gegrüßet gebetet. Und weil ich falsch abbog und unandächtig war, noch eines. Ich habe alles Maria abgegeben und war bereit, nur ein Auto zu nehmen, mit dem meine Frau einverstanden ist. Gesagt habe ich nichts.
Im Autohaus sagte meine Frau plötzlich: die Sache ist erledigt – er ist gar nicht so groß, wie ich in Erinnerung hatte. Den nehmen wir. Ich fragte mehrfach nach – es blieb dabei.
Dann habe ich begonnen, Angebote einzuholen. Ich bekam noch auf den ohnehin subventionierten Preis zwischen 0% und 6,5% Rabatt. Nur im Autohaus, das uns am nächsten liegt, bekam ich versehentlich das Angebot für die Kurzversion, und als wir den Irrtum bemerkten, bekam ich auf den langen 10%, damit der Preis nicht so hochschnellt. 10% ist nicht die Welt, aber es ist ein ohnehin stark verbilligtes Sondermodell – da scheint nicht mehr drin zu sein. Jedenfalls ist der Preis so gut wie die allerbesten Angebote im Internet, bei denen ich nicht weiß, wer sie macht. Also brauchte ich selbst nicht einmal zu handeln.
Und vorhin haben wir den Wagen bestellt: zur Ehre Mariens kommt hier gleich dieser Bericht.
Ich selbst kann nur staunen, aber es ist definitiv cool!“
Der Wagen hat bisher alles klaglos erledigt, was er sollte. Er war exakt, was wir brauchen.
Liebe Mutter Gottes, meine Freude darüber, dieses Zeugnis schreiben zu können, soll mein Dank an Dich sein.
Der alles relativierende innere Konflikt.
Wenn ich gar nicht klauen will, braucht mich das Gesetz dazu auch nicht zu interessieren. Es wird dann wichtig, wenn es was zu regeln gibt. Ein Gesetz, das Dinge regelt, die nicht in Frage stehen, aber zu greifen aufhört, sobald sie in Frage stehen, wäre ziemlicher Blödsinn: Klauen ist nur verboten, solange du nicht klauen willst? Nein. Das Gesetz regelt den potentiellen Konfliktfall. Was auch sonst?
Nun kommt ein Urteil daher, das genau anders herum argumentiert. (LINK) Das Verbot der Berliner Ärztekammer, einen Suizid medikamentös zu ermöglichen, wird als rechtswidrig angesehen. Der Grund ist ein potentieller Gewissenskonflikt, in den ein Arzt kommen könne. Im Klartext heißt dies, dass hier ein Urteil dem Gesetz genau in dem Moment die Autorität abspricht, in dem es gebraucht wird, nämlich in dem Fall, in dem es etwas zu regeln gibt. Und so schleicht sich in unser Rechtsverständnis bei der elementarsten Frage überhaupt – der Frage nach dem Leben – ein Grundsatz ein, der völlig unsinnig ist:
- Was verboten ist, ist im Konfliktfall erlaubt.
Auf dieser Logik baut sich inzwischen ein ganzes System von Gesetzen auf. So ist das Töten Ungeborener eigentlich laut Gesetz ausdrücklich verboten – im Konfliktfall bleibt es unsanktioniert (was binnen kürzester Zeit zu einem Rechtsanspruch mutierte). Das Bereitstellen von Giften ist im Konfliktfall nicht verboten – auch das wird mutieren. Das Töten Alter und Kranker ist verboten – wie lange noch?
Das Aufweichen der Grundsätze bei Lebensfragen, die konfliktbehaftet sind, ist doppelt tödlich. Es ermöglicht Gesetze, die das Töten erlauben, und prägt die Gesellschaft, die gemäß unserem Rechtssystems im Zweifelsfall nachschaut, was denn verboten ist.
Für die ist inzwischen klar: Wer den inneren Konflikt nicht achtet, ist unbarmherzig. Wie kann ich es wagen, das Leben schützen zu wollen? Der innere Konflikt ist das höhere Gut.
Ornithologisches Frühlingstagebuch 6
Zum ersten mal seit einigen Jahren haben wir wieder einen Fitislaubsänger im Garten.
Mitten in der Stadt an lauten Verkehrsstraßen rufen Gartenbaumläufer in den Platanen.
Das Vogelkonzert morgens hat sich in den letzten Jahren verändert. Es begann mit den Amseln, gefolgt von den Singdrosseln. Inzwischen beginnen schon bei Dunkelheit, Kohlmeisen zu rufen, die früher erst mit Sonnenaufgang begannen.
Dienstag, April 03, 2012
Es ist genau anders herum.
[Von Bastian]
Unter dem Titel „Raum und Zeit für Sinnlichkeit“ werden in einem von Jesuiten geführten Haus Kurse angeboten. (Quelle)
Elsa hat es in ihrem Nachtbrevier übernommen, die unbeschreibliche Komik ein Stück herauszustellen, die allein dem Ansinnen innewohnt. (Link) Mir geht es um eine Aussage, die man ständig hört und die genauso ständig Blödsinn ist. Gemeint ist: „Meistens ist Sex (Anm: von der Kirche) nur als Voraussetzung zum Kinderzeugen verstanden worden.“
So heißt es zu diesem Kurs. Und weiter geht es: „Wir wollen mit unserem neuen Kurs, der neben Impulsreferaten, Meditationen, Gruppen- und Paargesprächen auch Körperübungen und «Zeiten der Liebe» beinhaltet, gerade diesen Eigenwert der Sexualität für den Alltag von Paaren ausbuchstabieren.“
Ich habe 4 Kinder. In gewisser Weise stellen sie durchaus Folgen von Sex dar. Doch, ja. Bei weiteren katholischen Familien, die mir persönlich bekannt sind, liegen die Dinge ähnlich. (Ich bin allerdings nur unter Zögern bereit, interessierten Jesuiten entsprechende fachliche Fragen zum Thema Raum und Zeit zu beantworten – aber das können die ja auch selbst, wie sie sagen.)
Und da es heutzutage tatsächlich möglich ist, soweit dabei die Intimsphäre respektiert wird, auch gut katholisch über sexuelle Dinge zu sprechen, weiß ich ziemlich genau, das ein katholisches Eheleben durchaus auch andere Dinge im Sinn hat, als nur Kinder zu zeugen. Allerdings ist es, wenn es wirklich gut und katholisch sein soll, offen für Kinder, weil es eben katholisch und damit die Ganzheit betreffend ist.
Es ist immer wieder dasselbe Schema: Das kirchliche „Um der Ganzheit willen seid offen für…“ versteht die Gesellschaft als „Um der Regeln willen denkt ausschließlich an…“. Und verkündet gleich darauf die Lösung: „Um der Freiheit willen vergesst einfach…“. Was hier als Erweiterung beworben wird („Wir befreien Sie vom...
Die Lehre der Kirche enthält immer wieder das Prinzip, die Mittel zu beschränken, um dem Sinn zur Fülle zu verhelfen. Die Gesellschaft fordert hingegen, den Sinn zu beschränken, um den Mitteln zur Fülle zu verhelfen. Ein sinnvolles Beschränken im katholischen Sinne wäre das Streichen solch blödsinniger Kurse.
Mittwoch, März 28, 2012
Locker bleiben?
[Von Bastian]
In der Piratenpartei gab es einen Antrag, dass „die Bedrohung Andersgläubiger mit Ewiger Verdammnis [..] in ihrem Charakter als Volksverhetzung [...] als Offizialdelikt behandelt und verfolgt werden kann...“.
Josef Bordat hat dazu Stellung genommen. Diesen Artikel finde ich gut, angemessen und notwendig. Es gibt jedoch auch andere Standpunkte: „Mal langsam…“ begann eine andere Stellungnahme, die anregt, erst einmal zu schauen, woher denn dieser Antrag stammt (Einzelmeinung?) und was auch ihm geworden ist. Mich hat das ans Nachdenken gebracht.
Die erste Frage ist: worauf reagiere ich eigentlich, wenn ich so etwas lese? Auf eine tatsächliche Gefahr oder auf einen wunden Punkt bei mir? Ist meine Reaktion angemessen oder ist sie überzogen? Spiele ich vielleicht gar etwas hoch, was ohne mich schlicht vorübergehen würde? Diesen Konflikt zwischen Wachsamkeit und Coolness kenne ich – ich bin ihm in der Erziehung von 4 Kindern und Jugendlichen täglich ausgesetzt.
Beispielsweise führt einem kaum etwas die Unangemessenheit der eigenen Reaktionen besser vor Augen, als der Musikgeschmack des pubertierenden Sohnes. Es gibt Lieder, bei deren Texten sich mir der katholische Magen rumdreht - das akzeptiert mein Sohn. Was er nicht akzeptiert, sind Warnungen davor: die Musik ist cool und er geht mit den Texten locker um. Es gäbe an den Liedern berechtigte Kritik, aber sie ist fehl am Platze: nie hat mein Sohn mir Anlass gegeben, an ihm zu zweifeln. Ich sage nichts, denn ich vertraue ihm.
Ein anderer Fall. Darf das Kind jetzt ins kalte Wasser oder nicht? Es ist windig und bedeckt, der nachdrücklich vorgetragene Wunsch, baden zu dürfen damit sozusagen suboptimal. Doch das Kind ist gesund, wird es nicht übertreiben und kann sich hinterher warm einpacken. Die Möglichkeit einer Lungenentzündung zu prophezeien wäre zwar begründbar, aber trotzdem Blödsinn. Das weiß ich und halte den Mund.
Hier aber schreibe ich.
Was bringt mich auf den Gedanken, ein unglücklicher Antrag in einer kleinen Partei überschreite bereits die Grenzen der Gelassenheit und sei warnrelevant? Es ist die Tatsache, dass in diesem Fall das Kind – unsere Gesellschaft – weder gesund noch vertrauenswürdig ist. Zu viele Infekte sind bei ihr ausgebrochen, zu viele absurde Texte hat sie sich zu Eigen gemacht.
Einer Gesellschaft, die es als Errungenschaft betrachtet, dass sie ihre eigenen Kinder im Mutterleib tötet, die nicht mehr weiß, ob man männlich oder weiblich ist und dieses Nichtwissen als Befreiung verkauft, die mit ihrem Ruf nach Toleranz begonnen hat, jede Meinung niederzubrüllen - einer solchen Gesellschaft traue ich eben nicht zu, mit solchen Dingen richtig umzugehen. Die Liste der Absurditäten, an die wir uns längst gewöhnt haben, ist lang. Es gibt allen Grund, in solchen Anträgen kein Bakterium zu sehen, das von der Abwehr erledigt wird, bevor es sich teilt, sondern das erste Symptom einer neuen Krankheit, die in einem völlig geschwächten Körper sehr schnell ausbrechen könnte. Vorsicht ist angeraten!
Der Brunnen ist offen und das Kind turnt auf ihm herum. Mal langsam?
Dienstag, März 27, 2012
Ornithologisches Frühlingstagebuch 5
Sonntag, März 25, 2012
Zum Wohl!
Heute wieder Kindermesse. Ich mag die nicht besonders, weil ich finde, es ist unter dem Niveau der Kinder und es geht am Ziel vorbei. Doch heute hat es plötzlich allen Erwachsenen Spaß gemacht.
Thema: das Weizenkorn, das sterben muss. Die Kinder werden beteiligt.
"Was habe ich denn hier in meiner Hand?" - "Körner." - "Richtig. Ich habe Weizenkörner in der Hand. Und was kann man damit machen? Es gibt zwei Dinge, die man damit tun kann. Welche sind das?" - "Zu Mehl machen." - "Richtig! Man kann Mehl daraus mahlen und Brot backen. Was könnte man aber auch damit tun?" - "Man kann daraus Bier machen." - "..." - ...
Jede Langeweile war wie weggeblasen.
Samstag, März 24, 2012
Was ich von Gott heute erwarte
[Von Bastian]
Der Papst reist um die Erde und löst überall, wo er hinkommt, Begeisterung aus. Andere rüstige, sympathische und geistig rege alte Männer hingegen reisen, ohne dass die Presse es erfährt. Am Mann kann es nicht liegen. Zugegeben – ich finde ihn persönlich sehr nett und faszinierend, doch nach Berlin ins Olympiastadion fuhr ich samt Familie letztlich nicht seinetwegen. Ich fuhr Gottes wegen.Die Begeisterung, die Benedikt auslöst, gilt Gott; der Papst verweist auf den wirklichen Papa. Er steht für Christus und den Glauben der Kirche. Das unterscheidet die Faszination, die Gott auslöst, von der, die man für Anderes empfindet: Gott lebt und liebt uns. Er ist aktuell.
Bis hierhin verlaufen nach meiner Erfahrung Gespräche mit Katholiken zu diesem Thema meist harmonisch.
Ich erlebe es häufig so, dass es nicht ganz so einfach bleibt, wenn ich man tiefer ins Thema einsteigt und fragt, was es denn konkret für einen Unterschied ausmacht, dass Gott lebt und uns liebt. Das Wort „konkret“ scheint in diesem Zusammenhang nicht zu passen. Man fühlt sich sicherer in sich selbst, hat weniger Angst, erlebt den Glauben als Trost und auch philosophische Hilfe, aber konkret – nein. Gott begegne uns auf einer geistigen und emotionalen Ebene, heißt es. Konkret eingreifen, das tue er nicht. Zwar kann fast jeder Gläubige mehrere Situationen aufzählen, in denen er Dinge erlebt hat, die für ihn Gottes Anwesenheit zeigten und ihn tief beeindruckten, aber trotzdem: erwarten würde man so etwas niemals.
Es gibt jedoch einen Punkt, an dem sich fast jeder einen Akt Gottes erhofft und erwartet, der an Konkretheit kaum zu überbieten ist: den Tod, an dem man sich das neue Leben erhofft. Alle Vorbehalte gegenüber Gott als handelnder Person brechen angesichts des eigenen Sterbens zusammen und es wird klar, dass es um viel mehr als die eigenen Emotionen und deren Folgen geht: es geht um buchstäblich alles. Doch warum sollte ich von Gott erst dann alles im Leben erwarten, wenn eben dieses Leben zu Ende geht?
Hier ist mein Glaube gefragt, und zwar mein konkreter. Die Evangelien sind voll von Zusagen Gottes auf ganz konkreten Beistand. Auf Beistand, der sich definitiv nicht nur auf abstrakt-geistliche Dinge bezieht. Grund dafür ist, so denke ich, nicht, dass Gott das Leben zu einem Wunschkonzert machen wollte. Der Grund ist vielmehr, dass er uns konkret beschenken will: mit dem ewigen Leben. Und dass wir diesem Geschenk nur dann vertrauensvoll entgegen gehen können, wenn wir erleben, dass Er handelt. Oder anders: wenn ich Gott zeitlebens nicht zugetraut habe, mich mit dem Geld für eine neue Waschmaschine zu versorgen – wie soll ich ihm im Tod vertrauen, mich mit einem ganzen Leben zu versorgen? Der Tod wird umso beängstigender, je weniger ich Gott als Handelnden erlebe, denn nur als Handelnder kann er mich retten.
Ich erlebe die Grenzen meines Glaubens niemals stärker, als wenn ich Gott in einer konkreten Lebenssituation um Hilfe bitten möchte. Gerade deshalb versuche ich genau da, mein Vertrauen zu trainieren: ich werde Gott und seiner Liebe nicht gerecht, wenn ich Ihm den konkreten Handlungswillen abspreche.
Was Gott im Leben konkret tun kann oder soll, wird bei jedem Menschen anders sein. Mich versorgt er mit Parkplätzen und den darauf zu parkenden Autos. Er kann noch viel mehr, wie dieser Beitrag auf Kath.net zeigt: er könne auch heute noch heilen und tue das auch. Nur: „in der westlichen Welt gebe es diesbezüglich Nachholbedarf.“
Was für uns ansteht, ist ein neuer Aufbruch. Ein Aufbrechen unserer verkrusteten Glaubensstrukturen hin zum Vertrauen auf den handelnden Gott.
Freitag, März 23, 2012
Rechtsfolgen der Sexualmoral
Es ist amtlich: der leibliche Vater eines Kindes hat keinen Anspruch auf die Anerkennung seiner Vaterschaft, wenn Kind und Mutter mit einem anderen Mann leben, der die Vaterschaft seinerseits anerkannt hat. Das Gericht befand, dass ein Vater kein Recht habe, die Vaterschaft anzufechten, da zwischen einem anderen Mann und dem Kind eine sozial-familiäre Bindung bestehe, die andauere, obwohl erwiesen sei, dass dieser andere Mann nicht der leibliche Vater sei. In einem zweiten Fall wurde bei durchaus begründeter Annahme der Vaterschaft ein Vaterschaftstest verweigert – aus gleichem Grund. Beiden Urteilen stimmte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte zu.
Solche Urteile erregen Unmut, ist es doch zugleich eine Selbstverständlichkeit, dass beide Väter zu einem Vaterschaftstest und – bei positivem Ausgang – zu Unterhaltszahlungen gezwungen worden wären, läge der Fall anders herum. Die Pflicht, für ein Kind aufzukommen, wird höher eingestuft als das Recht, als Vater anerkannt zu werden, der man ist. Schlechte Zeiten für Männer?
Ich denke, es gibt drei wesentliche Aspekte, um diese Urteile zu bewerten.
Da ist einmal der leibliche Vater – der kommt wie gesehen schlecht weg.
Da ist zum zweiten das Kind. Für das Kind schafft das Urteil erst einmal Sicherheit und Ruhe. Es lebt in einer Beziehung, aus der es nicht vollständig stammt, daran ist nichts zu ändern. Ihm wäre nicht geholfen, wenn es zudem noch zwischen mehreren Beziehungen zerrissen würde. Wenn es z.B. jedes zweite Wochenende in einer anderen Stadt verbringen müsste, nicht weil es das so will, sondern weil jemand sein Recht darauf geltend macht. Dass das Kind irgendwann die Tatsache verdauen muss, dass es von einem anderen Mann abstammt, als von Papa, und dass es den nie kennenlernen durfte, obwohl der es kennen wollte, ist der traurige Preis, den es dafür zahlen muss. Ein Urteil, das dem Kind diese Last abnehmen kann, gibt es nicht.
Dann ist da noch die Gesellschaft, die in der Rechtsprechung über solche Fälle befinden muss. Sie steht vor der Frage, was wichtiger ist: Abstammung oder Beziehung der Mutter. Zu Konflikten dieser Art kann es in größerem Umfang überhaupt nur kommen, wenn dauerhafte Beziehung, Sex und die Zeugung von Kindern als drei getrennte Bereiche angesehen werden; erst so werden Probleme dieser Art überhaupt logisch möglich. Daher zeigen Konflikte wie diese auf der rechtlichen Ebene die Folgen unserer Sexualmoral. Es gibt Sex – und es gibt die (hoffentlich) dauerhafte Beziehung. Folglich gib es den „leiblichen Vater“ und den „rechtlichen Vater“. Das Kind zahlt dabei für die vermeintliche Freiheit der Elterngeneration. Die löst für sich das Problem dergestalt, dass sie den Konflikt, in dem das Kind nun steht, einfach leugnet: es hat dem Kind egal zu sein, von wem es abstammt. Es wird zwei Männern genauso gegeben wie zwei Frauen, wobei es nur konsequent wäre, wenn auch die zweite Frau einen Vaterschaftstest ausschließen könnte. Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis der erste Fall dieser Art verhandelt wird.
Um die eigene sexuelle Freiheit zu erhalten, werden Menschen – Kinder – zum Rechtsobjekt. Sie werden je nach Rechtssituation behandelt, bis hin zum Objekt, das man vor der Geburt entfernen kann.
Ich wage die Prognose, dass unserer Gesellschaft ihre Strukturen und Systeme eines Tages in einem Aufschrei der von ihr misshandelten Kinder in Stücke zerbrechen werden.
Donnerstag, März 22, 2012
Uhren heben
Mittwoch, März 21, 2012
Antidiskriminierend, antikapitalistisch und antiklerikal.
[Von Bastian]
So beschreibt sich ein neues Café der Studentenvertretung Wien und straft sich damit selbst Lügen. Abgesehen von der offensichtlichen Tatsache, dass man sich kaum als antidiskriminierend bezeichnen kann, wenn man im selben Atemzug zwei Geisteshaltungen ausschließt: „antidiskriminierend“ ist Quatsch in sich.
Das Gegenteil von nein ist ja, das Gegenteil von Ausschluss ist Aufnahme – kurz: die negative Haltung findet ihr Gegenüber im Positiven. Hier wird jedoch ein Nein zum Nein konstruiert, um nicht ja sagen zu müssen, ein Ausschluss des Ausschlusses, um nicht aufnehmen zu müssen. Warum? Wo ist das Motiv zu suchen?
Die Ablehnung der Ablehnung ist nichts als der verdrehte Ausweg dessen, der sich in seiner eigenen Weltanschauung hoffnungslos verfangen hat. Überzeugt, nicht ausschließen zu dürfen, doch unfähig, wirklich offen zu sein, wird versucht, Toleranz durch Ablehnung zu definieren. Ich bin nicht tolerant – ich bin gegen Intoleranz. So erhöhe ich meine eigenen Antipathien zu einem vermeintlich aufgeklärten Weltbild. Frieden und Freiheit werden so zum Traum, dessen Verwirklichung ich von anderen fordern muss, von denen, gegen deren Intoleranz ich bin. Bis dahin richte ich auf eben diese meine Aggressionen, denn genau das ist der Weg: meine Wut dient meinem aufrichtigen Kampf gegen den Unfrieden.
Ich lobe mir meinen Gott, bei dem es ein klares „Ja, ja!“ und ein ebenso klares „Nein, nein!“ gibt. Einen Gott, der den Mut hat, die Sünde beim Namen zu nennen, und zugleich bis zur Selbsthingabe ja zu sagen. Einen Gott, bei dem sich meine Gedanken nicht gegen sich selbst richten müssen, sondern der mich in immer größere Klarheit und Wahrheit führt.
Dienstag, März 20, 2012
Montag, März 19, 2012
Gacker. Weltbildwatch.

Ei, ei, der WELTBILD-Verlag ist lernfähig. Hieß es vor einigen Tagen noch auf deren Webseite:
Der Frühling steht vor der Tür und eines der schönsten Feste des ganzen Jahres wartet auf Sie – Ostern. Das Fest um den neckischen Hasen, der Eier, Schokolade und vielleicht auch ein paar kleine Geschenke versteckt, ist etwas für die ganze Familie.
… so lautet der korrigierte Text jetzt:
Der Frühling steht vor der Tür und eines der schönsten Feste des ganzen Jahres wartet auf Sie – das Fest der Auferstehung. Ostern, mit dem berühmten Hasen, der Eier, Schokolade und vielleicht auch ein paar kleine Geschenke versteckt, ist zudem ein besonderes Ereignis für Kinder zum Fest der Freude. Ob Sie nun Eier mit Ihrer Familie bemalen wollen …
Ich meine: Geht doch! Allerdings ist es auch für mich Illustrator ein hochgestecktes Ziel, Eier mit meiner Famile zu bemalen. Die gehn doch gar nicht alle da drauf! (Mitsamt Tanten, Onkeln, Cousins, Cousinen etc.)
Raumschiff Breakup
Der Glaube – unendliche Weiten. Wir schreiben Sternzeit 2012. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Breakup, das mit seinen recht-, irr-, anders- und ungläubigen Gästen aus allen Galaxien fünf Tage lang unterwegs ist, um neue Wahrheiten zu entdecken und neue Lehren zu verbreiten. Viele Lichtjahre von der Realität entfernt, dringt die Breakup in andere Dimensionen vor, von denen nie ein Mensch zuvor gehört, gelesen oder gesehen hat.Samstag, März 17, 2012
Probier's mal mit Gmürlichkeit!
mit Basel und Gmürlichkeit
wirfst du die Lehren deiner Kirche weg!
Und wenn du stets gmürlich bist
und etwas ungebührlich ist,
dann lehn es ab, egal an welchem Fleck.
Was soll ich mit Huonder, der mir nicht gefällt?
Den will ich nicht lesen – auch nicht für Geld!
Reporter stimmen zu wie nie
und sorgen für Publicity!
Und sitzt du in deinem Dom
erzählst du: Regeln, die gelten nur in Rom!
Ist das dein Ernst?
…
Denn mit Gmürlichkeit kommt auch der Glück zu dir. Er kommt zu dir.
Probier’s mal mit Gmürlichkeit.
Mit Basel und Gmürlichkeit
vertreibst du diesen ganzen Regelkram!
Und wenn du stets gmürlich bist
und Rom dir zu ausführlich ist,
geh auf Distanz, egal woher es kam.
Und sprichst du von Ehen, und du irrst dich dabei,
dann sollst du verstehen: nie geh‘n die vorbei!
Du sollst bescheiden aber genau die Lehre verbreiten
sonst tust du uns weh! Wir sind verletzt und zahlen drauf,
drum predige gleich mit dem richtigen Dreh!
Hast Du das jetzt kapiert?
…
Denn mit Gmürlichkeit kommt auch der Glück zu dir. Er kommt zu dir.
Plakat als PDF
Ornithologisches Frühlingstagebuch 4
Freitag, März 16, 2012
Zündend (Wiederholung)

Um wirkliche Erhörung zu erlangen, konnte Oma Stuckenbrock schon mal zu zündenderen Maßnahmen greifen.
(Mit Dank an Heike, die offensichtlich mein Archiv besser sortiert hat als ich.)
Donnerstag, März 15, 2012
Die schreckliche Wahrheit hinter dem Plakat!!
[von Sr. Informata] Elsa hat bereits versucht, die Hintergründe eines mysteriösen Plakates zu erhellen, das testweise in Rorschach ausgehängt wurde. Nach dem Grundsatz, daß nur investigatives Bloggen gutes Bloggen ist, haben wir durch eine Informantin, die aus guten Gründen vorzieht, ungenannt zu bleiben, die wahre Botschaft des Rorschachplakats enträtseln können. Nennen wir unsere Informantin einfach »Schwester Informata«. Sie schreibt:"Schwarz, Rot und fahles Weiß bestimmen den Farbtenor des Plakates. In blutroten Lettern schreit dem Betrachter der Schriftzug "STOP" ins Auge. Eine verdreht wirkende, muskulöse Hand, welche aus einem schwarzen, mit weißen Aufschlägen versehenen Ärmel ragt, umklammert brutal eine schlaffe, zarte Frauenhand, an deren Ringfinger ein mehrkarätiger Brillantring bis an das mittlere Fingerglied verrutscht ist. Durch die Komposition der Handstellung entsteht beim Betrachter der Eindruck von blanker Gewalt. Ist die Trägerin des Brillantringes tot? Wurde sie vom Besitzer der zupackenden Männerhand - ermordet? Durch die nähere Betrachtung des stilisierten Ärmels, auf welchem der rote Schriftzug "STOP" angebracht ist, wird erkennbar, dass der Ausschnitt eine Kukulle wie die eines Tempelritters zeigt: Es könnte ist ein Angehöriger eines Laienordens sein, der die Hand der (von ihm?) ermordeten Frau hart umklammert. Ist er gerade dabei, ihre Leiche zu entsorgen? Der Schriftzug über dem Bild, der zunächst angesichts der dramatischen Abbildung in der unteren Bildhälfte nicht ins Auge fällt, kann uns weiterhelfen. "Wir schließen niemanden aus!" heißt es in reinweißen Versalien am Kopf des Bildes. "Bei uns sind auch geschiedene Wiederverheiratete willkommen!" heißt es in der - in Schriftgröße 24 etwas kleiner - gestalteten, ebenfalls weißen) Unterüberschrift. Die Botschaft zum Bild wird klarer: Der ominöse Laienorden macht keinen Unterschied, wen er brutal ermordet. Selbst wiederverheiratete Geschiedene, jene verfemte Randgruppe der Gesellschaft, sind willkommen, um die düsteren Rituale der Organisation zu ermöglichen. Gibt es keine Rettung? Zur Mitte hin eröffnet sich eine weitere, nun rote Überschrift: "Auch wir sind entsetzt!" Warum könnte der offenbar skrupellos nach Opfern lechzende Geheimbund entsetzt sein? Die Lösung des Rätsels steckt in einem optisch kaum auffallenden, in dünner, weißer Typografie angebrachten Schriftzug nahe der Bildmitte, unmittelbar über der abgebildeten Szene der ermordeten Dame im Klammmergriff des brutalen Geheimbündlers: "über den Hirtenbrief von Bischof Huonder". Nun wird dem Betrachter die gesamte Dramatik des Bildes offenbar. Ein Bischof hat es gewagt, sich gegen die menschenverachtenden Praktiken eines - wie des Bischofsnamens rätoromanischer Charakter verrät - Schweizer Dunkelmännervereins zu stellen. "Hirtenbrief" bezeichnet eine Kommunikationsform in der katholischen Kirche, die eine größete Öffentlichkeit herstellt. Kein Wunder, dass der finstere Club "entsetzt" ist: der Bischof ist offenbar mutig an die Öffentlichkeit gegangen mit seiner Anklage gegen die mörderischen Vasallen des Todes. Diese sehen sich durch ihn der Ausübung ihrer finsteren Praxis, die selbst Menschenopfer mit einschließt, behindert. Der Betrachter wird also bei der Betrachtung des Plakates Zeuge eines dämonischen Kampfes zwischen einem Gerechten und einer bösen Macht."
Occupy the Patentamt?
[Von Bastian]
Eigentlich sollte nur die Firmung in unserer Gemeinde organisiert werden. Für Aufsehen sorgte jedoch eine vermeintlich politische Agitation im Vorfeld: im Zuge der Vorbereitungen wurden Zettel ausgeteilt, auf denen viele unterschreiben sollten, sie seien dabei, wenn es darum gehe, das Patentamt zu übernehmen.
Die Quelle dieser Umtriebe war rasch gefunden: Word. Auch mir versucht die Software beim Vorschreiben dieses Beitrags, die Bundesbehörde schmackhaft zu machen: die Rechtschreibprüfung kennt kein Patenamt.
Mittwoch, März 14, 2012
Gendergerechte Poesie - ein Versuch.
[Von Bastian]
Nachdem es offenbar notwendig geworden ist, Gendergerechtigkeit auch dort anzuwenden, wo sie eigentlich nicht zu erwarten wäre - es muss auch männliche Königinnen geben - ist es an der Zeit, den Dschungel der verbleibenden Ungerechtigkeiten auszulichten.
Da mir das Binnen-I missfällt und zudem jahrelange Einseitigkeiten wiedergutzumachen sind, gebe ich mir einen Ruck: alles Männliche sein durch Weibliches ersetzt. Die Gesellschaft wird es lohnen.
Für mich als schreibenden Menschen sei daher der erste hilflose Versuch, jahrelangen Schaden zu heilen, ein Gedicht. Fraufrau Hesse stand Pate.
So komm fraubei, Du fraulicher Fraubst!
Lang frauschte die Sonne, frauab steigt ihr Licht.
Nur frauaus! Die Ernte frauein!
Das Frauz der Rofrautik geöffnet
Bevor Fraumes, der Frauold der Dämmerung
Das Licht, Fraukunft und Ziel, uns verschließt.
Dienstag, März 13, 2012
Katholikentagsnostalgie
[Von Bastian]
Das Programm des Katholikentags ist da. Aus diesem Anlass hier eine Erinnerung.
Ich weiß es nicht mehr genau – ich meine, es war die Jugend 2000 in Karlsruhe. Aufgeteilt waren sie in 3 Gruppen. Reihum stand eine Gruppe den Passanten für Gespräche zur Verfügung, eine betete Rosenkranz und eine machte Pause. Auf einem riesigen Transparent stand in großer Schrift:
Papst, Maria, Zölibat – unsre Kirche find‘ ich gut!
Um Gesprächspartner waren sie selten verlegen.
Einmal nur war ich auf einem Katholikentag. Und das ist das einzige, woran ich mich noch erinnern kann, daran allerdings mit Freude.
Oster-Gewinnspiel
Da sage einer, unsere Hirten hätten keine Eier.
Gefunden bei WELTBILD, Ihrer katholischen Stimme im Büchermarkt. Gab es da nicht letztes Jahr einen Aufstand gegen das »Hasenfest« von Thalia? Nur zu!
Die katholische Schatzsuche
In der Kirche ist die Karte dem Lehramt anvertraut. Sie enthält das Ziel, den Weg dorthin und die Dinge, auf die man aufpassen muss. Eine richtige Schatzkarte eben. Der Schiffsbau, die weitere Ausrüstung, die Verpflegung und was sonst noch so dazugehört, sind Sache aller, also vornehmlich der Laien, denn davon gibt es mehr. In dieser Konstellation ist alles gegeben, den Schatz zu heben.
Heute ist es leider oft so, dass Priester versuchen, Ruderunterricht zu erteilen oder Spaten zu zimmern. Und weil man damit nicht weit kommt, verlegen sie auf der Karte das Kreuzchen, das das Versteck markiert, aufs Festland und in weichen Sand, damit die Schatzsuche eher der Lebenswirklichkeit der Sucher entspricht. Die sind auch ganz froh darüber, weil sie nur diese falsche Karte kennen. So einfach kommt man an den Schatz! Und sie buddeln munter drauf los, finden aber nichts. Sie graben so lange, bis sie irgendein rostiges Stück Eisen finden und stellen fest: die Schätze der Kirche sind verrottet, ihre Karten taugen nichts. Und sie verspotten die Kartenbesitzer.
Wenn jetzt jemand mit der richtigen Karte kommt, erhält er natürlich die Antwort: „Wie bitte? Jetzt sollen wir auch noch Schiffe bauen, rudern, klettern, wandern und Felsen sprengen? Damit wir wieder ein Stück rostiges Eisen finden? Nein danke!“
Es ist eben wichtig, den richtigen Fundort zu kennen und für die Suche die richtigen Fragen zu stellen.
Montag, März 12, 2012
Freiheit und Entschluss – ein alter Forenbeitrag.
[Von Bastian]
Nach einigen Jahren wieder herausgekramt, weil es zum Thema Ehe passt.
Freiheit wird oft mit Optionen oder Wahlmöglichkeit gleichgesetzt – ein Widerspruch in sich. Denn was passiert, wenn ich wähle? Ich werde unfrei, weil eine Wahlmöglichkeit in Zukunft fehlt. Jede Wahl zwischen 2 Optionen schränkt die Freiheit ein. Frei ist demnach, wer sich nicht rührt: heiliger und wahrhaft freier Stillstand, der alle Optionen in sich birgt.
Tatsache ist: die einzige Freiheit, die ich habe, ist, die Freiheit zu verlassen. So geschieht Wachstum, wie bei einem Baum.
Jede Knospe hat die Wahl, aufzugehen und sich als Zweig zu entwickeln. Ohne Entscheidungen geht dabei nichts: sie muss eine bestimmte Richtung wählen. Bald kommt es zur Verzweigung, und jede Spitze muss neu entscheiden. Immer wieder. Am Ende vieler Entscheidungen hat man als Blatt seinen ganz bestimmten eigenen Platz, den man nicht mehr verlassen kann. Dieser Platz liegt an der Sonne. Wer ist jetzt frei: das Blatt, oder die Knospe in der Mitte, die nie aufging?
Und, um im Bild zu bleiben: die innere Knospe hat zwar nie ihre Wahlmöglichkeit eingeschränkt, aber sie ist inzwischen völlig fehl am Platze. Selbst wenn sie wollte – sie kann nicht mehr wachsen, denn bei ihr ist es dunkel. Auch der Zweig, der 5mal die Richtung änderte, verkümmert langsam wegen Lichtmangels. Nur die, die sich entschieden haben, haben weiterhin Freiheit. Es ist Vielfalt entstanden: hunderte Blätter und jedes anders. Zugleich herrscht Ordnung: die Blätter haben ihren Platz. Der Stamm, dem alle Äste aufsitzen, hebt im Laufe der Jahre alles immer höher und garantiert den Zugang zum Licht. Dabei entsteht die feste Struktur des Baumes, indem sie den Blättern folgt: die schieben sich immer weiter vor und hinterlassen den Zweig, später den Ast. Dem Baum garantiert dieses Prinzip Lebensfähigkeit.
Fazit: die Freiheit ruft dazu auf, eingesetzt und aufgebraucht zu werden, damit sie bleibt und größer wird.
Sonntag, März 11, 2012
Ihr heiratet die Frau, die ihr liebt…
…wir lieben die Frau, die wir heiraten.
Dieser Spruch ist für mich und meine Ehe sehr wichtig geworden.
[Von Bastian]
Vor etlichen Jahren habe ich 4 Monate in Bangladesh verbracht. Ich hatte die Gelegenheit, das Land sozusagen von innen zu sehen, durch viele Begegnungen mit Menschen der ganz normalen Bevölkerung. Freiheit in den Lebensentscheidungen, wie wir sie kennen – Berufswahl, Wahl des Wohnortes, Ziel von Reisen, sogar bei der Partnerwahl – waren dort großenteils kein Thema: es gab einfach gar keine Wahlmöglichkeit. Man musste da, wo man war, sehen, dass man überlebte, und wurde oft von der Familie früh verheiratet. Frappierend für mich war dabei, dass die Menschen großenteils einen glücklicheren Eindruck auf mich machten, als sie es zu Hause in Deutschland taten. (Das galt natürlich nur für die, die gesund und einigermaßen sicher waren, genug zu essen zu haben. Das Leid der Hungernden war unbeschreiblich!)
Ich forschte nicht nach – es wäre zu unhöflich gewesen, zu fragen: „Wieso seid Ihr so glücklich, wo es Euch doch so schlecht geht? Bei uns wäre so niemand fröhlich!“. Es war auch nicht nötig, zu fragen: man kam mit diesem Thema auf mich zu. Einige Male wurde mir unaufgefordert erzählt, wie es gehe, glücklich zu sein.
Der obige Satz war eines der Rezepte. Wie weise er ist, wurde mir erst vor meiner kirchlichen Trauung klar.
Da ging mir durch den Kopf, dass ich nicht nur versprechen würde, eine Frau zu lieben, die ich nur im Moment kannte und deren Entwicklung ich nicht im Geringsten vorhersehen könnte. Ich versprach auch, dieselbe Frau zu lieben, gleich wie ich mich selbst verändern würde. Ich versprach Liebe von einem mir unbekanntem zu einer mir unbekannten für Lebenssituationen, die mir ebenfalls völlig unbekannt waren. Die Tatsache, dass ich sie damals liebte, war keinerlei Garantie: bei der Ehe ging es nicht um Bestätigung einer Liebe, die da war, sondern um das Versprechen von Liebe, die noch nicht da war. Ohne Einschränkung, ohne Rückweg. Das waren harte Gedanken.
Ich weiß nicht, wie ich damit umgegangen wäre, wenn ich nicht das Zeugnis dieser Menschen gehabt hätte, die mir ganz einfach sagten: ja, genau so ist es und genauso geht es.
Heute bestätige ich das voll und ganz. Ich bin meine Ehe eingegangen und habe es nie bereut – dabei ist es wirklich nicht immer einfach. Dass ich meine Frau liebe, ist die Basis, auf der ich hoffentlich den Rest meines Lebens stehe. Ich kann es mit Gottes Hilfe, und ich bete, dass mir diese Hilfe bleibt. Und weil dieses Ja, dieser Entschluss, so wichtig ist, ist mir auch klar, warum ein unverheiratetes Zusammenleben so schädlich ist. Man übt die falsche Basis ein. Man glaubt, eine ausgeklügelte Balance zwischen Geben und Nehmen sei das Rezept. Doch das einzige Rezept ist, sich selbst zu geben. Das ist je nachdem beglückend oder fast unmöglich – auf jeden Fall ist es der Weg.
Wen betrachte ich beim Beten des Kreuzwegs?
[Von Bastian]
Freitag kam ich in unserer Gemeinde zur Abendmesse zu früh und bekam noch die letzten Stationen des Kreuzwegs mit.
Die Meditation lief immer nach demselben Schema ab: erst wurde das Leiden Christi beschrieben, dann wurden Beispiele für Dinge in meinem Leben aufgezeigt, die mit ähnlichen Worten beschreibbar wären, meist in Frageform. Sätze wie: „Bin ich nicht auch manchmal wie festgenagelt an den Urteilen über mich? Bin ich bereit, dem zu helfen, der unter der Last seines Lebens zusammenbricht, und ihm die Last abzunehmen?“. Dass folgt ein Gebet, quasi als Antwort „Herr, lass uns…“.
Am Ende der Kreuzwegsbetrachtungen stehe dabei ich selbst, es endet als Sebstbetrachtung. Ich kann damit nichts anfangen. Zum einen kommt es mir immer künstlich und moralistisch vor. Zum anderen kann ich nicht mich betrachten, wenn es um das Kreuz Christi geht – im Gegenteil. Die Wendung zu mir selbst ist für mich wie Nebel, der das Wesentliche unsichtbar macht: die Gemeinde spricht sich so in der Betrachtung selbst Verständnis und Vertrauen zu, doch sie verpasst den verzeihenden Blick vom Kreuz, den man sich selbst nicht schenken kann. Der Blick aufs Kreuz ist ein Blick auf meine Erlösung. Warum sollte ich ihn durch einen Blick auf mich und meine Probleme ersetzen? Weil ich dem Blick aufs Kreuz nicht standhalte? Es ist ein schwerer Blick, denn nirgendwo sonst ist Sündenerkenntnis stärker und klarer als vor dem Kreuz. Aber wenn ich schon einen Gott habe, der sich für mich töten lässt – wie sollte ich da versuchen, auch nur das kleinste Stück von mir zurückzuhalten? Das innere Ringen vor dem Kreuz kann nicht im Abwenden des Blickes bestehen – es kann nur der Kampf darum sein, immer offener zu werden.
Ich wünsche mir eine Kreuzwegsandacht ohne Moral, ohne mich selbst, die Christus betrachtet, den Blick bei ihm ruhen lässt, leise danke sagt und endet.
Freitag, März 09, 2012
Ornithologisches Frühlingstagebuch 3
Mittwoch, März 07, 2012
Kirchenpolitische Hazardeure
Wieder einmal verleiten sie Katholiken - und nicht die Schlechtesten! - dazu, aus dem Gehorsam gegenüber dem von Gott gesetzten Bischof auszubrechen. Sie führen damit teils sehr schlichte Gemüter in Entscheidungssituationen, denen sie intellektuell und von der geistlichen Unterscheidung her nicht gewachsen sind.
In Freiburg hat der Papst die Menschen nicht aufgerufen, aus der Kirche auszutreten - er hätte es ja wohl machen können.
Aus der Weigerung, den geistlichen Kampf in der Kirche innerlich mitzutragen, entsteht (ohne den Umweg über Luther und den Protestantismus, aber in ihrem Geist) auf direktem Wege eine traditionalistische Freikirche.
Dienstag, März 06, 2012
Wo bleibt denn da die Logik?
[Von Bastian]
Bitte keine Klischees festzurren – sie engen den Menschen unangemessen ein, und das ist nicht im Sinne Jesu. Der Mensch ist so, wie er ist, von Gott geschaffen. Die Wahrheit über den Menschen ist größer als überkommene Vorstellungen. So argumentieren Teile der evangelischen Kirche (und nicht nur sie!) und öffnen sich der Homosexualität.
Nun fehlt es an männlichen Kandidaten für das Pastorenamt. Im selben Moment ist die Angst vor Klischees und Rollenfestlegungen wie weggeblasen: man höre anscheinend bei Berufsneulingen in den zuständigen Kreisen immer wieder Klagen über die Verweiblichung des Rollenbildes "PfarrerIn". "Wir wollen wieder mehr Männer im Studienfach Theologie und stellen deshalb den wissenschaftlichen Charakter und die Leitungsfunktion des Pfarramtes wieder deutlicher heraus.“ Genau das, was an anderer Stelle abzulehnen ist, wird zum Argument.
Für mich kein Beispiel für eine typische Unzulänglichkeit des Protestantismus: auch in der katholischen Kirche wird ähnlich argumentiert. Doch es zeigt sehr schön, wie sinnlos es ist, eine Logik ohne Rückkoppelung an die Offenbarung aufzubauen, wenn man Menschen für Gott begeistern will.
Montag, März 05, 2012
Gebet
[Von Bastian]
Herr, wenn öffentlich diskutiert wird, ob man ein Bild von Dir mit Dreck bewerfen darf, ist es mir ein Bedürfnis, Dir öffentlich zu sagen, dass ich Dein Bild liebe, denn es zeigt Dich. Und wenn öffentlich in diesem Zusammenhang über Dich gesprochen wird, möchte ich auch öffentlich mit Dir reden, denn Du bist nicht irgendein Thema, sondern mein Gott.
Du weißt, dass ich Dich selbst mit dem Dreck meiner Sünden bewerfe. Du weißt aber auch, dass ich es nicht gerne tue oder zumindest wünsche, ich täte es ungern. Du weißt, wie unvollkommen meine Liebe ist, und ich weiß es. Aus dieser Unvollkommenheit heraus bitte ich Dich für mich und alle, die Dich beleidigen, um Vergebung. Ich stelle uns alle unter Deine Liebe, denn Du wünschst nichts mehr, als uns zu lieben.
Nicht meine Empörung, Herr, ist die Antwort, sondern Deine Liebe und Dein Wunsch, allen zu vergeben. Ich für meinen kleinen Teil vertraue Dir diese Theateraufführung an. Segne sie, wie immer das aussehen mag.
Ich danke Dir, Herr, für Dich, für Deine Liebe und dafür, dass wir immer zu Dir kommen können und Du uns erwartest.
Ornithologisches Frühlingstagebuch 2
Dienstag, Februar 28, 2012
Die politische Aussage des Katholikentagssymbols

[Von Bastian]
Hier das Symbol des Katholikentags: der Rucksack. Es ist geschickt ausgewählt und gestaltet.
Der Rucksack verkörpert leicht verständlich biblische Wahrheiten wie „Nehmt nichts mit auf den Weg, keinen Wanderstab und keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld und kein zweites Hemd – nur den Rucksack“, Lk 9,3, und „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Mein Rucksack ist leicht!“, Mt 11,28ff.
Zusätzlich zu dieser symbolkräftigen Unterstreichung grundchristlicher Fundamente nimmt der Rucksack jedoch auch subtil und leise politisch Stellung und offenbart dabei einen erstaunlichen Konservativismus in positivem Sinne.
In der Farbgebung dominiert das rot als Farbe des sogenannten progressiven Lagers, also derer, die sich als fortschrittlich und offen für Neuerungen verstehen. Rot ist der ganze Rucksack selbst wie auch seine Tragegurte. Wir dürfen dabei den Sack als Behälter und damit als Möglichkeit für Inhalt ansehen, die Tragegurte hingegen als Möglichkeit, den Inhalt zu schultern und zu bewegen. Rot macht es demnach möglich, ausgerüstet mit Kapazität bequem voranzuschreiten.
Dem eingehenden Betrachter kommen jedoch bald Zweifel an dieser etwas plakativ inszenierten Aussage, setzt doch das Design mit schwarz einige kleine, doch markante Akzente, die den ersten Eindruck wieder zunichtemachen. Das schwarz, politisch die Farbe für Wertbeständigkeit und Traditionsbewusstsein, ist geschickt eingesetzt als Antagonist zum plakativen rot. Diese Akzente erst offenbaren dem, der diesen vortrefflich gestalteten Rucksack meditiert, seine wahre Symbolik. Schauen wir genauer.
Da fällt zunächst auf, dass der Rucksack seinen Inhalt vollständig verdeckt. Jede Transparenz, die im heutigen politischen Geschehen zu den Grundvoraussetzungen gehört, fehlt. Will man den Inhalt sichten, gibt es nur einen Weg: man muss ihn mithilfe des schwarzen Verschlusses öffnen. Erst das schwarz, stehend für Tradition und Werte, eröffnet den Blick für das, was sich im Sack der Neuerungen angesammelt hat. Erst das Bewusstsein für Beständigkeit schließt den Bereich auf, den man mit sich herum schleppt, für neu hält und doch nicht erkennen kann. Dieses Design wird dabei konsequent angewandt: auf den Rucksack selbst wie auch auf seine Seitentaschen. Das Ziel ist klar: es soll deutlich gemacht werden, dass es sich hier um eine allgemeingültige Aussage handelt.
Unterstrichen wird dies noch einmal durch den einzigen Teil des Rucksacks, der im besten Sinne transparent und einsehbar ist: das Netz. Es ist schwarz. Das, was man an Tradition und Werten fixiert, bleibt erkennbar und steht jederzeit zur Verfügung, ohne dass es man erst erschließen müsste. Das Netz hat Zeugnischarakter, indem es nichts hinter plakativen politischen Farben verbirgt, sondern offen zeigt, womit ich mich ausrüste und wodurch es gehalten wird. Mit diesem Netz werden Menschen gefangen für Christus.
Auch der Griff des Rucksacks ist schwarz. Während man mir an den roten Tragegurten die Last überhängt und sie mich dann fortwähren von hinten verfolgt, wird sie durch den schwarzen Griff sozusagen handhabbar. Ich kann sie mir am schwarz vor Augen führen, öffnen, sichten, kann sie abgeben und loslassen.
Was ich im vermeintlich Fortschrittlichen zusammengepfercht mit mir herum schleppe, wird durch die Werte erst sichtbar, nutzbar. In diesem Licht will der Rucksack verstanden sein. Er ist ein gelungenes Symbol für vieles, was man auf dem Katholikentag vermutlich vermissen wird, und darum wichtig.
Montag, Februar 27, 2012
Ornithologisches Frühlingstagebuch 1
Sonntag, Februar 26, 2012
Dualität der Geschlechter
Thema: Geschlechtlichkeit.
Unsere Überlegung: die beiden Geschlechter sind keine Kriterien, zu denen man weitere hinzufügen könnte – sie sind eine Polarität. Wie Heiß – Kalt. Eine dritte Temperatur ist nicht denkbar, sondern würde sich immer aus diesen beiden heraus definieren.
Dennoch werden munter weitere Geschlechter propagiert. Warm beispielsweise. Oder nach Gender die, die sich zwar heiß anfühlen, selbst aber frieren. Oder umgekehrt.
Man kann da auch Rechte draus erwachsen lassen. Zum Beispiel dass auf Wunsch Spiegeleier auf Kühlakkus zubereitet werden, wenn die Akkus sich heiß fühlen. Oder dass Herdplatten in Kühlschränken montiert werden und sich dort frei ausleben, wenn sie sich dazu selbst entscheiden. Ja aus Gründen der "Cesliusgerechtigkeit" sollen sogar nur noch Kühlschränke mit Ceranfeld erlaubt sein, damit die Temperatur stets frei wählbar ist.
Der Brei, der inzwischen aus dem ehemals gut gefüllten Kühlschrank fließt, ist unappetitlich und wahrscheinlich bereits verdorben. Auch die Eier sind hin.
Mir wird schlecht von dem Zeug. Es ist irritierend – wobei die „Aufgeklärten“ über meine Übelkeit irritiert sind.
Guten Appetit.
Samstag, Februar 25, 2012
Existiert ein drittes Geschlecht?
Ich formuliere einmal spontan meine Position: es gibt faktisch kein drittes Geschlecht. Es gibt nur zwei. In der gesamten Natur übrigens.
Genauer gesagt gibt es folgende Fälle:
- Ungeschlechtlichkeit, Vermehrung durch Zellteilung. Beispiel: Bakterien, Einzeller wie das Pantoffeltierchen.
- Zwei Geschlechter in einem Organismus. Ein Individuum produziert beide Arten von Geschlechtszellen. Beispiel: viele Pflanzen (Selbstbestäuber).
- Zwei Geschlechter in getrennten Organismen, nicht fixiert. Das Geschlecht prägt sich je nach Situation aus. Beispiel: Anemonenfische, bei denen stets das größte Tier der Gruppe zum Weibchen wird. Es kann vorher durchaus ein zeugungsfähiges Männchen gewesen sein.
- Zwei Geschlechter nur zu Paarungszwecken. Beispiel: Bienen. Alle Tiere sind weiblich. Nur zum Paaren entstehen Männchen. Sie entstehen aus unbefruchteten Eiern, d.h. sie haben keinen Vater (Parthenogenese).
- Zwei Geschlechter, doch auch andere Vermehrung. Beispiel: Korallen, die sich sowohl durch die Teilung von Polypen oder die Sprossung von neuen Polypen aus dem Gewebe vermehren können als auch durch die Abgabe von Ei- und Samenzellen. Anderes Beispiel: viele Quallen. Sie leben als festsitzende Polypen und vermehren sich durch Ableger. Plötzlich schnüren die Polypen Larven ab, die zu Quallen werden. Die Quallen bilden Geschlechtszellen, die wie üblich miteinander verschmelzen und sich als Polyp festsetzen (Generationswechsel).
- Zwei Geschlechter in zwei Organismen, von denen nur einer Lebensfähig ist. Beipiel: Tiefseeangler (Fische), bei denen die Männchen winzig bleiben, sich an einem Weibchen festsetzen, dort bis auf ihre Geschlechtszellen verkümmern und schließlich quasi ein Teil des Weibchens werden wie ein Organ. Sogar die Blutkreisläufe verschmelzen.
-Zwei Geschlechter in zwei Organismen, dauerhaft getrennt. Beispiel: Mensch.
Ich hoffe, die Liste ist einigermaßen vollständig.
Es gibt also die Ungeschlechtlichkeit (die ausschließlich bei sehr niederen Wesen vorkommt) sowie die Getrenntgeschlechtlichkeit in 2 Geschlechtern. Mehr gibt es nicht.
Die Fälle, von denen beim „Dritten Geschlecht“ die Rede ist, sind Personen, die keinem Geschlecht zuweisbar sind. Es handelt sich dabei keinesfalls um eine weitere funktionelle Variante, sondern um nicht vollständig ausgeprägte oder auf unterschiedliche Arten vermischte Fälle der beiden üblichen Geschlechter männlich und weiblich.
Diese Fälle sind selbstverständlich für die Betroffenen ein Problem. Nur lässt sich das nicht dadurch lösen, dass man aus der uneindeutigen Ausbildung von Männlich oder Weiblich eine neue Norm definiert.
Wenn man die Stellungnahmen in Foren so liest, stellt man fest, dass viele Menschen diese Fälle für eine Art von Transsexualität halten und die Ablehnung eines dritten Geschlechtes für eine Art Homophobie. Das hat jedoch miteinander nichts zu tun – diese Verwechselung zeugt von fehlendem Wissen. Und da sehe ich ein weiteres Problem: die öffentliche Meinung bildet sich zumindest teilweise ohne Voraussetzung und wird ideologisch überfrachtet.
Eine einfache Lösung wäre vielleicht, wenn betroffen Personen die Möglichkeit hätten, die Frage nach dem Geschlecht unbeantwortet zu lassen. Dieser Weg wäre logisch, denn es gibt schließlich auch keine richtige Antwort.
Donnerstag, Februar 23, 2012
Gnade
[Von Bastian]
In einem Gespräch ging es um die Aussage, Gnade sei nicht gleich Gnade.
Hier ein kurzer Versuch, den Gedanken zu beleuchten.
Meine Erlösung ist etwas anderes als ein fröhliches Herz, ein günstiger Parkplatz, gute Freunde oder die Bewahrung vor Schnupfen. Zugleich hängt das alles zusammen.
Die größte Gnade ist für mich die Tatsache, dass Gott mich liebt. Das ist sozusagen die Sonne. In mein Leben strahlt dieses Licht hinein. Wie es mich bescheint, ändert sich im Laufe der Zeit. Wo genau es hinfällt, ist jeden Tag und jeden Moment anders. Jeder Lichtstrahl ist eine Gnade für sich und zugleich Teil der ganz großen Gnade.
Gäbe es die Sonne nicht, säße ich im Dunkel. Gäbe es sie, doch ich würde die Strahlen, die sie sendet, nicht wahrnehmen, säße ich genauso im Dunkel. Beides muss sein und den Mechanismus muss ich kennen. Sonst halte ich irgendwann ein sonnenbeschienenes Fleckchen Erde für die Sonne selbst, oder ich glaube an die Sonne, kann sie aber nicht sehen.
Dienstag, Februar 21, 2012
Los Wochos: Kunst oder Wulst?
Montag, Februar 20, 2012
Pfarrerinitiative nicht mehr zu toppen!
[Von Bastian]
Eine Umfrage spiegelt die Stimmung der österreichischen Bevölkerung bezüglich der Pfarrerinitiative wider. Was weniger bekannt ist: bei den Ergebnissen handelt es sich um Zusammenfassungen. Ein Teil der zugrunde liegenden Fragen, die tatsächlich gestellt wurden, wurde uns samt den Ergebnissen zugespielt. Wir fühlen uns der Wahrheit verpflichtet und veröffentlichen sie.
-
Sind Sie der Ansicht, die Kirche solle auf den Wunsch, den Gehorsam abzuschaffen, hören?
Ja: 82%
Nein: 12%
Unentschlossen: 6%
Ja: 12%
Nein: 85%
Unentschlossen: 3%
Sind Sie für die Zusammenlegung von Priestern?
Ja: 73%
Nein: 6%
Unentschlossen: 21%
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Halten Sie es für sinnvoll, in der Überlieferung Jesus eine Frau an die Seite zu stellen?
Ja: 92%
Nein: 2%
Unentschlossen:6%
-
Halten Sie Nein-Sagen für wichtig?
Ja: 96%
Nein: -
Unentschlossen: 4%
-
Sollte die Kirchenführung Mehrheitsentscheiden folgen?
Ja: 156%
Nein: 8%
Unentschlossen: 18%
-
Möchten Sie, dass sich die Katholische Kirche ändert?
Ja: 89%
Nein: 11%
Unentschlossen: -
-
Interessiert Sie die Katholische Kirche?
Ja: 11%
Nein: 89%
Unentschlossen: -
Donnerstag, Februar 16, 2012
Einfach prima!
Wie bekommt man eigentlich angesichts von Vatileaks&Co die Kirche, die Christus ist, mit den äußeren Erscheinungsformen von Kirche zusammen?
Nun, ich bekomme das überhaupt nicht übereinander. Das passt meiner Meinung nach nie. Sogar der Papst hat als erstes gesagt, es beruhige ihn, dass Gott auch mit unzureichenden Werkzeugen zu arbeiten wisse. Der glaubt auch nicht an sich.
Mir gibt gerade diese Diskrepanz Hoffnung. Die Kirche ist wie ich: unvollkommen. In mir will der Heilige Geist wohnen - das passt eigentlich wirklich nicht. Das gute bei Gott: es muss auch nicht passen.
Gott hat mir 4 Kinder anvertraut. Eigentlich ein Wahnsinn! Gott hat sich selbst der Kirche anvertraut - das ist wohl noch verrückter. Aber mit Blick auf das Kreuz weiß ich, dass er das ernst meint und dass er alles, was fehlt, selber gibt, nämlich sich selbst. Die Kirche hat die Sakramente. Das ist für mich Beweis genug.
Weil ich glaube, dass die Katholische Kirche Seine Kirche ist, kann ich ihr vertrauen. So wie ich jemandem finanziell vertraue, der zwar nicht immer bei Kasse ist, aber einen reichen Papa hat, der für alles garantiert. Selbst wenn es nervig ist: er ist der Erbe und mein zugesagtes Geld kriege ich.
Gott ist eben genial!
Ich könnte heulen!
Zwei Frauen bekommen miteinander ein Kind. Steht in der Zeitung.
Faktisch ist das erst einmal Unsinn. Irgendwo gibt es einen Vater, von dem aber nicht die Rede ist. Eine der beiden Frauen ist schwanger – die andere hat mit dem Kind nichts zu tun.
Nichts? Die beiden Frauen lieben sich, haben geheiratet. Sie haben bei uns ähnliche Rechte wie ein heterosexuelles Paar. Warum also kein Kind? Unsere Gesellschaft ist in der Lage, der Tatsache abzuhelfen, dass die beiden kein Kind zeugen können. Es hat geklappt. Also bekommen sie eben doch ein Kind – der Fortschrittlichkeit sei Dank. Und sie sind glücklich. Dem Kind werden sie offen alles erzählen. So stellt es sich dar.
Meine erste Stellungnahme muss sein, dass ich mich über jedes Kind freue, das zur Welt kommt. Auch über dieses, ohne Einschränkung! Und jetzt wird es schwierig. Wie verurteilt man aufs Schärfste die Einstellung, die dahinter steht, ohne das Kind zu treffen? Ohne ihm seine Mutter anzugreifen? Es ist fast unmöglich. Ich lasse daher die beiden Frauen, die sich als Eltern bezeichnen, persönlich außer Acht. Dieses Kind ist da und ich wünsche ihm von Herzen alles Gute!
Was also ist es für eine Gesellschaft, in der Menschen gemacht werden, wenn jemand sie haben will, und getötet werden, wenn man sie nicht braucht? In der man ein Recht auf ein Kind, also auf einen Menschen hat? In der das vermeintliche Recht auf ein Kind, das man faktisch nicht bekommen kann, höher steht, als das Recht des Kindes auf seine wahren Eltern, die es faktisch hat?
Was ist das für eine Gesellschaft, die die Einhaltung der Menschenrechte fordert und sich zugleich selbst die totale Verfügung über die eigenen Kinder herausnimmt? Der Verfügung bis hin zu sein oder nicht sein, Wegnahme der wahren Eltern, Verweigerung der Kenntnis der eigenen Herkunft?
Ich weiß, dass das alles schon tausendmal geschrieben wurde. Aber ich denke, ich darf es nicht riskieren, es nicht zu schreiben: Menschenrechte sind bei uns längst Rechte am Menschen geworden. Wohnrecht ist schließlich auch kein Recht der Wohnung, sondern eines an ihr.
Ich könnte heulen!
Mittwoch, Februar 15, 2012
Vorauseilend in die Irre.
Interessantes Gespräch mit meinem Bloggervater. Thema: die immer wiederkehrende Forderung nach dem Priestertum der Frau. Wir besprachen jedoch nicht den Gesichtspunkt, dass das Thema längst entschieden ist, sondern die Ansicht vieler, die erwarten, dass sich die Haltung der Kirche auch zu Dingen, die sie endgültig entschieden hat, im Laufe der Zeit ändern wird. Diese Ansicht hat Konsequenzen.
Erst einmal sind es innere Konsequenzen. Ich betrachte die Kirche nicht mehr als das, was sie ist, sondern als das, was sie meiner Meinung nach einmal sein wird. Ich ersetze die Kirche, die ist, durch eine Fiktion, die nicht ist. Dieser Fiktion folge ich im vorauseilenden Gehorsam.
Der nächste Schritt sind auch äußere Folgen: wenn sich die Kirche nicht in die Richtung entwickelt, die meiner Fiktion entspricht, entfernt sie sich in meinen Augen von ihrem eigentlichen Weg. Es ist dann vermeintlich meine Verantwortung, sie in ihrem eigenen Namen zu korrigieren. Je nachdem, wo meine Fiktion liegt, kann ich WiSiKi gründen, die Pfarrerinitiative oder auch die Piusbruderschaft.
Ich lebe nicht mehr aus der Lehre, sondern aus meiner Erwartung. Diese Erwartung kann mich blind für das machen, was von Gott kommt, weil ich nur auf etwas ganz bestimmtes fixiert bin. Ich bin wie viele Zeitgenossen Jesu, die den Messias nicht erkannten, weil sie darauf warteten, dass endlich etwas offenbart würde, das sie schon lange wussten.
Ketzerische Überlegung
Nach dem Konzil ist das katholische Christentum an vielen Stellen aus den Fugen geraten, zumindest in Europa und ganz zumindest im deutschen Sprachraum. Soviel ist klar.
Seitdem führen wir Diskussionen auf der Basis, dass das Konzil diese Änderungen verursacht hat. Aber hat es das?
Es ist inzwischen schwer, diesen Gedankengang zu verlassen. Zu offensichtlich ist das, was geschieht, eine Übertreibung dessen, was das Konzil wollte, und gedeiht auf dem Boden, den eben dieses Konzil bereitet hat. Die Gleichsetzung Konzil = Bodenbereiter ist nahezu allgegenwärtig.
Manchmal frage ich mich, ob das so richtig ist. Gerade die Zeitgleichheit lässt mich zweifeln. Die Veränderungen sind nicht nach dem Konzil erwachsen, sondern gleichsam aus ihm herausgeschossen. Als wenn das Konzil das Ventil eines Kochtopfes geöffnet hätte, in dem großer Druck herrschte. Der Druck ist das Problem, nicht das Ventil.
Mir ist klar, dass sich dieses Bild nicht beliebig ausschlachten lässt und ebenfalls nur einen Aspekt der Sache darstellt. Doch dieser Aspekt, dass möglicherweise in der Zeit vor dem Konzil ein großer Teil des Frusts entstanden ist, der sich so verhängnisvoll Bahn gebrochen und vermehrt hat, dieser Aspekt sollte nicht ganz vergessen werden.
Freitag, Februar 10, 2012
Dank an die Evangelikalen Christen!
In den USA unterstützen evangelikale Christen die katholischen Bischöfe bei ihrem Einsatz gegen die Einschränkung der Religionsfreiheit. Sie haben keine Berührungsängste und sprechen von uns als ihren Brüdern und Schwestern. Link. Link.
Ich möchte mich dafür öffentlich bei ihnen bedanken.
Unseren eigenen Umgang mit ihnen sollten wir dagegen vielleicht noch einmal überdenken: Link.
Dienstag, Februar 07, 2012
Neu in der Blogroll
· deus lux est
· Gregorianischer Choral
· o crux ave spes unica
Mein Gewissen ist größer als ich.
Eine Frage nach der Verbindlichkeit päpstlicher Aussagen wurde auf Facebook interessant und recht ausführlich beantwortet. Die Antwort endete mit dem Satz „Den eigentlichen Gehorsam des Glaubens schulden wir nur Gott allein, wie er sich vor allem in der Stimme des Gewissens kundtut.“ Dazu einige Gedanken.
Das Gewissen ist immer wieder ein Schwachpunkt in Argumentationen. Oft wird es herangezogen.
Schwachpunkt nicht, weil es abzulehnen oder zu relativieren wäre – im Gegenteil. Oft wird die mögliche Begrenzung der Wirksamkeit kirchlicher Aussagen für den einzelnen durch das Gewissen ausführlich dargestellt. Der begrenzende Faktor – eben das Gewissen selbst – wird hingegen meist nicht genauer definiert. Damit ist jedoch auch die Begrenzung nicht wirklich fassbar. Was ist eine Gewissensüberzeugung? Ein Bauchgefühl? Der persönliche Eindruck, schuldig zu sein, wenn ich anders handele? Reicht das?
Wäre das Gewissen allein in mir begründet, wäre ich damit der letzte Maßstab. Beim Beurteilen von Dingen, die über mich hinausgehen, ist ein solcher Maßstab ungeeignet. Er ist zu klein, greift zu kurz. Das Gewissen selbst muss als Maßstab immer neu geeicht werden. Dazu gehört der Mut, Dinge hinzuzufügen, die meinen eigenen gefühlsmäßigen oder intellektuellen Rahmen sprengen. Es kann sein, dass ich Dinge bejahen oder verneinen muss, die ich selbst so nicht vollständig nachvollziehen kann. Anderenfalls könnte ich nur einem Gott glauben, der in meinen Kopf passt. Zu einer Bildung des Gewissens gehört es deshalb, die eigenen Grenzen zu erkennen und jenseits dieser Grenzen die Maßstäbe anzuwenden, die ich verantwortlich als richtig erkannt habe. Das kann auch die Lehre der Kirche sein. Als Katholik glaube ich der Offenbarung Gottes, die er mir in der Kirche schenkt. Durch die Kirche glaube ich ihm.
Man mag einwenden: Du gibst dein Gewissen an der Kirchentür ab. Du stiehlst dich aus der Verantwortung, indem du vorgegebene Lösungen einfach anwendest und gar nicht selbst dahinter stehst.
Das wäre so, wenn ich die Lehre der Kirche aus Bequemlichkeit anwenden würde. Wenn ich jedoch erkenne, dass mein Wesen zur Beurteilung von Glaubenssätzen gar nicht ausreicht, muss ich den Maßstab suchen, der ausreicht, wenn ich Gott nicht auf mich und meine Fähigkeiten zurechtstutzen will. Das wäre ein armer Gott. Deshalb ist ein gläubiges und katholisches Gewissen geprägt von dem, was der Mensch als Gewissensträger selbst nicht erreichen kann.
Aussagen der Kirche haben daher für mich erst einmal eine hohe Verbindlichkeit, weil sie nicht nur von meinem Gewissen beurteilt sein wollen, sondern erst einmal Eingang in das Gewissen selbst finden. Eine Gewissensfrage wird so zu einer Vertrauensfrage und damit Glaubensfrage. Meine Aufgabe ist, nach meinem Gewissen zu handeln. Dazu gehört auch, darauf zu achten, dass ich nicht meine Begrenztheit an die Stelle der Größe Gottes setze und das mit meinem Gewissen begründe.
Montag, Februar 06, 2012
Eigentor
Ein Traditionsverein spielt seit langem in der ersten Liga.
Eines Tages beschließt der Präsident, mehr und bessere Jugendarbeit zu leisten. Was man inzwischen an Sportpädagogik und Physiologie neu lernte, soll in die Aufbauarbeit einfließen. So wird es beschlossen.
Die Stadt ist begeistert. Neue Vereinsheime entstehen. Fußballevents werden veranstaltet. Die Jugend wird zum Probetraining eingeladen. Der Erfolg ist riesig. Man schafft eine interne Vereinsliga mit vielen Mannschaften. Große Euphorie.
Nach einiger Zeit verlassen einige den Verein wieder, das Training nach den Events war ihnen dann doch zu hart. Neue Events werden veranstaltet. Wieder bleiben einige, andere gehen. Zum dritten Event kommt kaum noch jemand. Erschrocken fragen die Trainer nach dem Grund für den Rückgang und erfahren, dass das Training zu hart sei.
Einige sagen, nur mit einer guten Mannschaft haben wir etwas, das überzeugen kann. Sie trainieren weiter, so gut sie können. Andere sagen, die neuen Erkenntnisse seien Quatsch. Sie schimpfen darauf, kehren zum alten Training zurück und lassen die Erkenntnisse ungenutzt. Viele andere aber versuchen, das Training zu entschärfen. Sie machen die Termine unverbindlich und gestalten das Training unterhaltsam statt effektiv. Sie haben anfangs Zulauf, dann aber versagen ihre Spieler im Turnier. Um den Frust nicht zu fördern, erklären die Trainer, es käme letztlich nicht auf das spielerische Können an, sondern auf die Gemeinschaft in der Mannschaft. Das Training wird eine Art Gruppenstunde.
In der Stadt nimmt inzwischen kaum noch einer den Verein ernst. Die schöne interne Liga mit ihren ganzen Mannschaften ist ausgeblutet. Kaum noch jemand schafft die Qualifikation zur Trainerprüfung. Viele Vereinsmannschaften haben keinen Trainer mehr und gehen ein.
Die Vereinsführung beschließt, das System zu straffen und empfiehlt dringend, das Training nicht zu vernachlässigen. Da begehren einige Trainer auf.
Das eigentliche Problem sei die FIFA, die nicht begreife, was junge Spieler heute bräuchten. Wenn kaum jemand die Trainerprüfung schaffe, sei sie offensichtlich falsch angelegt. Das antiquierte Trainerbild habe ausgedient. Um den Verein wieder voll zu kriegen, brauche man mehr Gruppenleiter. Ziel sei es doch, den Verein für junge Menschen zu öffnen und nicht, sie durch starre Regeln abzuschrecken. Auch dürfe man niemanden in eine Mannschaft zwingen. Sport sei schließlich keine Frage des Gehorsams, sondern jeder sei für seinen Körper selbst verantwortlich. Sport sei Privatsache und Fußball heute etwas völlig anderes als früher. Der Weg, Fußball auch weiterhin attraktiv zu halten, sei die Abschaffung verbindlicher Regeln und die Einstellung von Gruppenleitern.
Es ist mir unbegreiflich, aber die meinen tatsächlich, der Verein habe nur auf ihre Ideen gewartet und die Umsetzung scheitere an den Holzköpfen in der Vereinsleitung.
Der Antagonist
Wenn wir einmal den Worst Case (kurz: WC) inszenieren, den die PI (lang: Pfarrerinitiative) sich vorstellen kann – was wäre das?
Um aktuell zu sein, betrachten wir am besten die 5 aktuellen Neins (Link).
Erstes Nein: Keine Sakramentenspendung ohne eigentliche Seelsorge. Nicht an vielen Orten flüchtig anwesend sein.
Was wäre der WC? Nur zur Sakramentenspendung auftauchen, sofort wieder weg zu sein, um heimatlos woanders flüchtig aufzuschlagen.
Zweites Nein: Keine Routine durch zu viele Eucharistiefeiern am Wochenende. Kein Vernachlässigen von Begegnung und Gespräch.
Was wäre der WC? Kurz vor der Messe anzukommen und gleich danach weiterzufahren.
Drittes Nein: Keine Groß- oder gar Riesenpfarreien. Lieber eine Änderung des Kirchenrechts.
Was wäre der WC? Pfarreien, groß wie Bistümer, in denen das Kirchenrecht hochgehalten wird.
Viertes Nein: Keine Überforderung der Pfarrer durch Pflichterfüllungsstress, keine Arbeit über das Pensionsalter hinaus.
Was wäre der WC? Arbeiten, dass es an die Gesundheit geht, sich einplanen lassen für den Einsatz ohne Einschränkungen.
Fünftes Nein: Kein Festhalten am Kirchenrecht, wenn es viel fordert.
Was wäre der WC? Die Verkündigung der reinen Lehre der Kirche ohne Einschränkung, angeboten zugleich mit der Beichte für die, die scheitern und Hilfe brauchen.
Was wäre also der SuperWC, der Gau für PI’ler schlechthin: Es wäre das Land, in dem es riesige Gebiete ohne Pfarreien oder sogar ohne jede Kirche gibt. Dazu Priester, die organisiert von Ort zu Ort reisen, um die Sakramente zu spenden, und alsbald wieder abreisen, um das anderenorts zu wiederholen. Priester, die dabei das Kirchenrecht erfüllen und bestrebt sind, dass alle es so halten. Priester, die dafür auf ihre Heimat verzichten .
Nun, es ist möglich, diese Horrorvorstellung von Gemeinde in der Realität zu betrachten: diesen 5fach abgelehnten Fehlversuch gab es bereits. Das Gespenst, in dem sich all das manifestiert, was die PI nicht will, hat einen Namen: Pater Werenfried van Straaten.
Er organisierte den Dienst von Priestern, die in großen Gebieten Vertriebenen, Heimatlosen und Versprengten die Sakramente brachten und sie so in die Weltkirche eingliederten. Priester, die nicht forderten, sondern sich selbst hingaben. Die sogar Autos zu Kapellen umbauten, um das, was nur sie geben konnten, in Übereinstimmung mit der Mutter Kirche zu tun. Pater Werenfried selbst hielt bis zu 90 Predigten in einem Monat, hatte trotz angeschlagener Gesundheit ein riesiges Arbeitsspektrum, arbeitete bis zum Lebensende und war ständig auf Achse. Er war der fleischgewordene Supergau der Pfarrerinitiative.
Auch heute gibt es ähnliche Ansätze: Link, Link, Link
Angesichts dieser Gegenüberstellung habe ich nur eine Frage: wäre Pater Werenfried nicht der ideale Fürsprecher für unsere deutschsprachige Kirche heute?
Donnerstag, Februar 02, 2012
Frohbotschaft ohne "Drohbotschaft" = No Botschaft.
Wieso? Wieso soll es nicht möglich sein, einfach etwas Gutes zuzusagen? Ist Gott nicht die Liebe, das Gute schlechthin, ohne Böse zu sein? Wessen Wahrheit wird mit Drohungen verkündet?
Das klingt in sich zumindest erst einmal logisch.
Ein Gleichnis.
Wenn jemand krank ist, kann ich ihn glücklich machen, indem ich ihn heile. Wenn der Patient jedoch behauptet, er sei nicht krank, wird es kompliziert. Irgendwie muss er das Medikament schlucken. Was tun?
Vielleich kann ich ihn durch Manipulation dazu zu bringen, das Medikament aus irgendwelchen anderen Gründen zu schlucken. Wenn er schon nicht kapiert, dass er es braucht, könnte er es ja schlucken, weil die Gesellschaft der anderen Patienten so nett ist und er auch dazu gehören will. Man könnte das Medikament auch schlucken, weil man dann zum kleinen Kreis derer gehört, die wirklich wissen, was Pillen sind. Oder weil der Apotheker so nett ist. Allerdings funktionieren all diese Dinge auch ohne das Medikament. Es wird nicht regelmäßig eingenommen oder durch Kuchen ersetzt.
Ich habe jetzt 2 Möglichkeiten, den Patienten froh zu machen. Die eine ist, dass ich ihn aufkläre und dann heile. Die andere ist, dass ich ihm erkläre, er sei gar nicht krank. In beiden Fällen ist das Thema Krankheit vom Tisch.
Um im Bild zu bleiben: warum kann ich ihm nicht einfach die Gesundheit zusagen? Ist es nicht Ziel der Pharmaindustrie Gesundheit, die nicht durch Leiden erkauft werden muss? Wer hat etwas davon, dem Patienten mit Siechtum zu drohen?
In diesem Zusammenhang klingen die Fragen außerordentlich dämlich. Es gäbe keine Heilung. Um geheilt zu werden, muss ich wissen, dass ich krank bin.
Kann ich das übertragen?
Ich weiß nicht, wie es anderen Menschen da geht, aber ich liefere mir meine Antwort selbst. In meinem Fall kann ich. Ich weiß, dass ich vor Gott krank bin. Ich kenne meine Sünden, oder zumindest einige davon. Ich weiß, dass ich Gottes Medizin brauche.
Im Inneren weiß das wohl jeder Mensch. Und für jeden Menschen ist es immer wieder schwer, dieser Tatsache ins Gesicht zu sehen. Aber da mein Arzt ein guter Arzt ist, kann er diagnostizieren. Das ist die Rolle der „Drohbotschaft“: die Diagnose. Sie zeigt mir, was mein Problem ist. Mein Arzt droht mir nicht, mich krank zu machen, sondern zeigt mir, warum ich seine Therapie brauche. Ihn dafür verantwortlich zu machen ist so sinnvoll, wie den Meteorologen für das Wetter anzuklagen. Die „Drohung“ ist gar keine. Sie ist das, was ich wissen muss, um die richtige Therapie zu wählen und zu verstehen.
Wenn die Verkündigung darauf verzichtet, die Situation beim Namen zu nennen, ist sie keine. Sie wäre fruchtlose Beschwichtigung. Wie ein Ärzteverband, der verlauten lässt, es sei nicht mehr zeitgemäß, von Krebs zu sprechen – „persönlich einzigartige Wachstumsformationen“ seien angemessener und zudem nicht ängstigend. Geschwätz. Eine Krankheit ohne Folgen ist keine. Eine Heilung von etwas Unerheblichem ist überflüssig. Ein Arzt, der nicht diagnostiziert, heilt nicht. Eine kranke Gesellschaft, die ihre Krankheit nicht kennt, ist noch kranker. Wer nicht alles sagt, hat nichts zu sagen.
Deshalb gehört die „Drohbotschaft“ untrennbar zur Verkündigung: sie ist Teil des Heilsplanes Gottes für uns, der aus Diagnose und Therapie besteht. Gott manipuliert nicht. Er spielt immer mit offenen Karten und wünscht, dass ich seine Therapie selbst wähle. Er entmündigt mich nicht, um mir dann die Erlösung freundlich unterzuschieben, sondern er sagt mir die Wahrheit. Die ganze Wahrheit.





