Sonntag, Oktober 02, 2016

Aberglaube in der Messe

Um es gleich vorab zu sagen: nein, ich bin kein Gegner des Friedensgrußes in der Messe. Er gehört für mich dazu. Manche verweigern ihn, mit einer sauertöpfischen Miene liturgischer Überlegenheit im Gesicht – nun ja. Jedem das Seine. Manchmal muss halt erst Frieden mit dem Ritus geschlossen werden.
Was mir aber wirklich auf den Senkel geht – und da wünschte ich mir einmal eine sehr deutliche Predigt zu: der Aberglaube, der dort sichtbar wird. Denn so gut wie keine Messe vergeht, in der nicht irgendjemand plötzlich mit einem leicht verlegenen Grinsen im Gesicht seine Hand zurückzucken lässt: beinahe wäre es passiert! Die ultimative Katastrophe, wenn sich zwei Paare über Kreuz die Hände geben. Über Kreuz – das bringt Unglück! Das tut man nicht. Natürlich glaubt man nicht an solche Dinge, aber vielleicht kann man ja nie wissen und überhaupt. Das tut man nicht und Ende.
Für mich eine Profanisierung des Friedens, der von Gott kommen soll. Er wird auf ein Getue zusammengestutzt und von Regeln beherrscht, die mit Gott nicht nur nichts zu tun haben, sondern ihm geradezu entgegenstehen: Aberglaube. Denn nichts anderes ist die Vermeidung des Kreuzes, die letztlich aussagt, dass das Heilsgeschehen etwas Unheimliches an sich hat. Am besten kreuzt man noch hinter dem Rücken zwei Finger, wenn man jemandem den Frieden wünscht, den man nicht leiden kann, selbstverständlich nachdem man festgestellt hat, dass kein anderes Paar querschießen will.
Ich habe es versucht und maximal ein oder zwei Mal ansatzweise hinbekommen: den Frieden über Kreuz zu wünschen. Keine Chance. Zudem ein dummer Versuch, denn so mache ich dasselbe, nur anders herum, aber willentlich und bewusst. Das bringt nicht weiter.
Vielleicht wirklich einmal ein paar Worte von der Kanzel dazu: Aberglaube, und seien es die kleinsten Rituale, haben in der Messe nichts verloren, denn hier geht es um die Wahrheit, die uns geschenkt wird, wie auch der Friede, den sie mit sich bringt. Ein Friede, der in unseren Herzen aufgehalten wird, aber nicht von einer Armstellung beim Händeschütteln.
Jetzt stehe ich womöglich ziemlich allein mit dieser Ansicht. Viele mögen das für harmlos halten und meine Reaktion für übertrieben; andere wissen noch genauer, warum sie den Friedensgruß ablehnen. Ich kann es nicht ändern. Einen Tipp habe ich zumindest noch für alle, die weiter bei ihren gesellschaftlichen Ritualen bleiben wollen: seid großzügig, wie die Schrift es fordert. Denn:


Kommentare:

  1. Ich hab mit dieser Art Aberglauben noch gar keine Bekanntschaft gemacht. Wohl aber mit einer für mich wirklich erschreckenden Sache: Daß auf kirchlichen Treffen, beim Kirchweihfest und beim Sonntagscafé in der Gemeinde, von ganz treuen Kirchgängern unvermittelt gesagt wird: Ach, der und der ist halt so und so. Er ist *Sternzeichen*, die sind alle *Charaktereigenschaft*. Da könnte ich jedesmal schreiend weglaufen.
    Vielleicht mach ich es mal.

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    1. Das ist aber wenigstens nicht IN DER MESSE!

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  2. Ach da gibt es noch mehr, z.B. ein Kreuz über dem Türrahmen anbringen das bringt Unglück, sagen die Polen, wobei andere wieder rum sagen, man müsse unbedingt ein Kreuz über dem Türrahmen anbringen, das brächte Segen.

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  3. Ich findes es schlicht eigenartig bis unhöflich, über oder unter zwei Paar Händen, die sich gerade begrüßen (selbstverständlich mit den Armen dran und den Personen wiederum daran) einen anderen Handschlag zu veranstalten. Dass es dazu einen abergläubischen Hintergrund gibt, wußte ich nicht - und werde ich wohl auch wieder vergessen ...

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  4. Also, ich sehe da keinen Aberglauben, wenn man das versucht, sondern einfach pure Höflichkeit, wenn man darauf achtet mit dem anderen nicht ins Gehege zu kommen. Dann nimmt man einfach mal seine Hand mal wieder zurück, wenn man merkt, das die Anderen noch nicht fertig sind.

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  5. Ist es nicht auch eine Art von "Aberglauben" wenn ich mit jemanden Frieden schließe, obwohl ich mich gar nicht im Krieg mit ihm befinde?
    Der Priester fordert die Gläubigen auf, ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung zu geben. Da ich mit meiner Frau keinen Streit habe verzichten wir auf dieses Zeichen. In er Regel schlichten wir unseren Streit bevor wir die Messe besuchen.

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