Dienstag, Januar 06, 2015

Wem hat der Dom das Licht ausgeknipst?

[Von Bastian]
PEGIDA demonstriert, und der Kölner Dom macht das Licht aus. Man will keine Kulisse für derartige Anliegen bieten. Durch dieses Abschalten hat sich der Dom allerdings mehr in Szene gesetzt, als wenn nichts passiert wäre: in den meisten Nachrichten wurde die Anti-Lightshow gezeigt. Eine klare und starke Stellungnahme. Das Abschalten des Lichts war ein Spektakel.

Doch wem wurde das Licht abgedreht? Offiziell den Anliegen von PEGIDA. Inoffiziell dem, was man so allgemein dafür hält. Noch inoffizieller dem, was nur ein Teil der Bevölkerung dafür hält oder halten will, denn bisher weiß wohl niemand genau, wie viele Anhänger PEGIDA mit seinen Anliegen hat und was diese Anhänger genau wollen. Faktisch jedoch hat man den Demonstranten das Licht abgedreht, jedem einzelnen von ihnen.

Was in der Presse als Distanzierung von Fremdenfeindlichkeit gefeiert wird, kommt bei den Demonstranten als persönliche Zurückweisung an. Das ist mehr als ein starkes Zeichen: die Gesprächsverweigerung der Kirche, die von sich sagt, dass in ihr das Heil liegt. Selbst wenn das tatsächlich alles verlorene Schafe sein sollten – ist es dann Aufgabe der restlichen Herde, möglichst laut zu blöken: „Ihr seid draußen, und das ist gut so!“?
Hier unterscheidet sich die Gesamtheit der Gesellschaft von der Kirche. Während es für die Politik gut und wichtig ist, klare Kante zu zeigen und nötigenfalls Grenzen zu setzen, ist es Auftrag Jesu, jenseits dieser Grenzen zu suchen und nach Hause zu bringen. Die Gesellschaft definiert, aber die Kirche überwindet. Dicht zu machen ist schlicht nicht ihr Job.

Es ist gut, dass die Kirche sich äußert und mahnt. Doch (vermeintlich?) Irrenden ihr Licht zu verweigern, ist eine Symbolik, die ihr nicht zusteht. Schon gar nicht, wenn es in einer Zeit geschieht, in der Kirchenferne normalerweise die Eintrittskarte in Dialoge auf Augenhöhe darstellt.
Mir scheint, es ging bei alldem weniger um Distanzierung, als um den Wunsch, aufzufallen und zu gefallen.

Kommentare:

  1. Von Peter Friedrich

    Hallo Bastian,

    jeder einzelne Mensch kann bei seiner Suche nach Sinnerfüllung und Liebe sehr wohl in christlicher Haltung seelsorgerlich unterstützt werden, auch in Köln.
    Dass die Kirchen bei nationalreligiös dünkelhaften Veranstaltungen, bei denen es dem Geiste nach durchaus auch um Ausgrenzung geht, gewissermassen den Laden dicht machen und ein klares Zeichen setzen ist wunderbar.
    Noch dieses:
    Da immer wieder Sympathisanten von Pegida Menschen mit einer differenzierenden Betrachtungsweise abwertend als “politisch korrekt” abtun, hier einige Gedanken dazu.
    Ich sehe jetzt mal zwei Deutungsebenen der “politischen Korrektheit”.
    – Einerseits bezeichnet sie einen historisch mühsam erarbeiteten gesellschaftlichen Konsens bezüglich des absolut gleichwertigen, respektvollen und wertschätzenden Umgangs mit Menschen anderen Geschlechtes, anderer Hautfarbe, nichtheterosexueller Lebensweise, anderer Nationalität, anderer Religion, körperlicher bzw. seelischer Behinderung, mit Arbeitslosen, Armen etc. So wie es als Menschenwürde auch verfassungsrechtlich geschützt wird. In diesem Sinne ist “political correctness” eine der wesentlichen menschheitlichen Errungenschaften.
    – Andererseits kann man darunter verstehen, was Erich Fromm und Arno Gruen als die Krankheit des Normalen kritisieren, nämlich der alltäglich allgemein hingenommene Irrsinn der Ausbeutung von Mensch und Natur zugunsten eines auf herzlosem Konkurrenzdenken basierenden Wirtschaftswachstumsparadigmas, das einer immer kleiner werdenden Finanzelite immer wahnwitzigere Geldbeträge nach oben hin abführt, dabei sogar Kriege in Kauf nehmend. Dass die entsprechenden Politiker und Interessengruppen dann nicht gerne darüber reden oder reden hören, wenn Luft, Böden und Gewässer global vergiftet werden und wenn Hirne und Gemüter der Menschen durch Werbung und Konsum vergiftet werden, wenn im Rausch von Konsum und Mobilität nicht einmal die heilige Sonntagsruhe eingehalten wird, auf dass der Mensch sich wenigstens am siebten Tag rückbinde mit der bedingungslos liebenden Gegenüberhaftigkeit als solcher, die ihn erst zur menschlichen Person erschuf und erschafft, wenn Tiere in der Massentierhaltung grausam leiden, wenn Menschen in anderen Ländern regelrecht versklavt werden zur Ermöglichung von “Geiz ist geil” in Billigdiscountern in Deutschland (parallel dazu etwa in Deutschland der Umgang mit Menschen in “Hartz 4″), wenn westliche Waffen diese geschundenen Menschen von ihrem berechtigten Protest abhalten (und solche Protestierenden allzuleicht als “Terroristen” abgestempelt werden) etc. und wenn in vielen Medien über diese Zusammenhänge kalt hinweggegangen wird, dann widersetzt sich etwa auch ein Eugen Drewermann – in der Nachfolge Erich Fromms – ausdrücklich einer totschweigenden, verdrehenden, erstarrten und erstarrenden “politischen Korrektheit”.

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    1. Ich finde, eine derartige Ein- und Unterordnung der Sorgen der PEGIDA-Mitglieder in ein allgemeines Bild der Gesellschaftsproblematik wird der Sache nicht gerecht. Aber ich steuere gern noch Abtreibung, Missbrauch und geplanten Verschleiß bei.

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  2. Du hättest in die Symbolträchtigkeit noch "Erscheinung des Herrn" und "Reliquien der heiligen drei Könige" einfließen lassen können.

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