Sonntag, August 17, 2014

Och nö, nicht schon wieder unwürdig sein!

7 Vorschläge für eine „würdige“ Messfeier werden präsentiert: Der amerikanische Blogger Pat Archbold macht sie (LINK). Dabei schlägt er, so denke ich, einen zweifelhaften Weg ein. Viel von dem, was da vorgeschlagen wird, stünde mir im Wege bzw. wäre für mich nett, aber oft auch überflüssig. Bin ich wieder einmal unwürdig?

Ich denke, Unterscheidung ist angesagt. Es gibt zwei Bereiche, die man nicht verwechseln darf.
Einmal ist es die Messe selbst, die die innigste Gemeinschaft Gottes mit Seiner Kirche und damit mit mir auf Erden darstellt. Sie ist Sein Wirken unter uns, das wir mitfeiern dürfen. Sie ist heilig. Wer sie ändert, vergreift sich am Heiligtum. Gott tut in dieser Feier alles, um zu uns zu kommen: wir sollten alles tun, um zu ihm zu kommen. Er ist unser Ziel in der Messe, nicht wir selbst. Wer daher beginnt, die Messe zu verändern, um sie irgendwie gefälliger zu machen, lenkt den Blick in die falsche Richtung, denn er ersetzt das Heilige durch das Menschliche und stellt sich so meinem Blick auf meinen Erlöser in den Weg.
Und dann ist da der große Bereich dessen, was ich tun kann, um diese Messe angemessen mitzufeiern. Auch hier gilt: nicht den Blick in die falsche Richtung lenken. Weder Sprache und Zelebrationsrichtung noch der Einsatz von Weihrauch, die Lieder oder die Kleidung der Mitfeiernden machen die Messe mehr zu Messe, das Opfer heiliger oder die Eucharistie eucharistischer. Als Ausdruck der Liebe zu Christus in der Messe mag das alles en wunderbares Mittel sein – als Voraussetzung für eine angemessene Messfeier ist es ungeeignet.

Das ist auch dann so, wenn ich ihm mit dem Begriff „Würde“ eine hohe Bedeutung gebe, denn wie sollte ich eine Messe angemessen mitfeiern, wenn ich es unwürdig mache?
All diese Vorschläge zum Thema Würdigkeit führen zu einem mit Bedacht vorgenommenen, formvollendeten Ritus. Doch wer sagt eigentlich, dass „würdig“ gleichzusetzen ist mit formvollendet, bedächtig und getragen? Die Sache kann ins Gegenteil umschlagen: in Formalismus. Denn dann wird vergessen, dass es letztlich Christus ist, der die Messe würdig macht, weil er sie überhaupt erst zur Messe macht. Die Würde der Messe ist Christus.

Wenn ich aus Ehrfurcht vor Christus und Seinem Opfer für mich in der Messe einen Anzug trage, ist das eine sehr gute Sache. Wenn ich den Anzug von anderen fordere, habe ich etwas nicht kapiert. Wenn ich ein großes Hochamt voll Farben, Gesten, Musik und Weihrauch genieße, weil es ein (sicher immer noch klägliches) Abbild der Herrlichkeit ist, die Gott darstellt, ist es lobenswert. Wenn ich als Ästhet andere Messen gering schätze, suche ich das Falsche.
Glaube lässt sich nicht andressieren. Wie Benedikt XVI sagte: letztlich kommt es auf die Freundschaft mit Christus an. Freundschaft ist Liebe in Freiheit. Genauso, wie man eine Freundschaft verliert, wenn man über die ganze Freiheit den Freund vergisst, kann man sie unter einem Haufen Anforderungen ersticken.

Zwei Dinge sollten in der Messe sicher gestellt sein: dass die Messe „richtig“ gefeiert wird und dass jeder ihr angemessen folgen kann.
Für das erste ist der Priester zuständig: er soll all das tun, was rot geschrieben ist, und all das sagen, was schwarz geschrieben ist. Dann ist es, soweit ich weiß, korrekt.
Für das zweite bin ich zuständig: mein Benehmen und mein Äußeres sollen angemessen sein und niemanden ablenken oder peinlich berühren. Ich sollte ruhig sein, um niemanden zu stören. Kurz: ich sollte mich bemühen, die Messe mit zu tragen, und nicht zu behindern. Aber das war es dann auch.

Ich liebe in der Messe die Versammlung um den Altar und den Blick auf das Geschehen darauf, das in meiner Sprache gesprochene Hochgebet und viele Lieder, darunter etliche neue, und brauche nicht jedes Mal Weihrauch. Das ist in Ordnung und hindert mein Glaubensleben in keiner Weise: es sind meine Eigenheiten, die für niemanden verbindlich sind und für die ich niemandem Rechenschaft schulde, außer Gott.

Bin ich jetzt unwürdig? Ja, das bin ich, und ich weiß es. Ich bin wegen meiner Sünden unwürdig vor Gott. Das ist mein Kummer und meine Freude über meine Rettung zugleich. Unwürdigkeit in den Augen derer, die anderen erklären wollen, was wirklich würdig ist, ist hingegen unwichtig. Sie tut allerdings weh, denn sie reist unnötige Gräben auf und verletzt.

Die 7 Vorschläge sind daher für mich grenzwertig. Sie beschreiben eine schön gefeierte Messe, keine Frage, doch die Intention scheint darüber hinaus zu gehen. Doch auch sie beschreiben keine bessere Messe, machen Gott nicht göttlicher und daher auch Menschen nicht würdiger, denn Gott ist die Würde des Menschen.

Kommentare:

  1. Ich fürchte, kath.net hat den Akzent des Originaltextes zum Bierernsten hin verschoben – und damit wird dem Vorschlagenden unrecht getan.

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    1. Das mag sein. Mein Beitrag ist selbstverständlich sehr subjektiv.
      Es wird hier allerdings ein Problem angesprochen, dem ich auch an anderen Stellen schon begegnet bin.

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  2. Dank für diesen guten Kommentar zu den Vorschlägen, die auch mich unangenehm berührt haben.
    Gerade bei den Liedern finde ich oft auch Toleranz wirklich wichtig. Es gibt Kirchenlieder - besonders Marienlieder -, da ziehts mir die Schuhe aus vor klebriger Süße, und nach der Messe spricht mich die Banknachbarin an, wie sie sich gefreut hat, dies wunderbare Lied mal wieder zu singen. Und wir beide haben mit gleicher Andacht, Ehrfurcht und Freude den Leib des Herrn empfangen.
    Auch finde ich es bereichernd, daß die äußere Form so vielfältig sein kann. Ob der Priester in einer winzigen schmucklosen Kapelle zelebriert oder in einer Kathedrale, die jeder Kunstführer kennt; ob es eine stille Messe ist oder ob die Gemeinde singt oder Orgel, Chor und Orchester dabei sind - ja selbst ob der Priester klug und klar predigt oder dummes Zeug schwafelt: Die Wandlung vollzieht sich, der Herr ist leiblich anwesend, und alles andere ist zweitrangig, so wichtig es mir sein mag.

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    1. "Die Wandlung vollzieht sich, der Herr ist leiblich anwesend, und alles andere ist zweitrangig, so wichtig es mir sein mag."

      Ich hoffe, dass sie es im Alltag anders handeln. Oder lassen sie ihre schmutzige Wäsche in der Wohnung liegen, obwohl sie Besuch erwarten? Nicht böse sein........

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  3. Ich habe in dem Beitrag bei k*net nur die Überschriften gelesen. Bis auf die Frage der Kleidung für die jeder selbst verantwortlich ist, trifft das auf die Messen zu, die ich besuche.

    So what?

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  4. Was ich irgendwie merkwürdig finde, ist einerseits der Vorwurf des "Formalismus" - ist der nicht ebenfalls gegeben darin wenn man sich stets bekräftigt, wenn nur bloß das Messformular ordentlich heruntergebetet wird möglichst auch ohne Zusätze also einfach vor der weißen Wand usw. dann wird das ganze schon gültig sein, egal was davor oder danach noch so alles an Animation stattfindet - andererseits diese persönliche Angepiekstheit von Bastian, die ich nicht verstehe, weil wir doch sowieso in jeder Messe sagen "Herr, ich bin nicht würdig..." In der alten Form sogar DREIMAL, was viele offenbar derart angepiekst hat, dass sie es abgekürzt haben auf ein einziges Mal.
    Also - ich meine das ganz unabhängig von dem O-Text, auf den er sich bezieht, das passt doch hier nicht ineinander.

    Im Übrigen schiele ich langsam ein wenig neidisch auf die Ostkirchen, in den zum Beispiel Altkirchenslavisch (versteht kein Mensch) Liturgiesprache ist und basta- die müssen nicht den ganzen Tag lang über Liturgie diskutieren - und die müssen auch nichts verstehen in der ratio, die feiern ihre Liturgie woanders mit, irgendwo zwischen Herzen und Bauchnabel.
    Dagegen wurden die lateinischen Passagen des Gloria und Sanctus - weil Unterrichtsstoff in Religion, doch wirklich von jedem verstanden.

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  5. Die Wandlung vollzieht sich (Kalliopevorleserin) - wenn der Priester es glaubt. Ansonsten ißt du ein Stückchen Brot ... Was Gott natürlich nicht daran hindern kann, dennoch in des Herz des GLÄUBIGEN einzuziehen,

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    1. Das ist allerdings laut der katholischen Theologie falsch. Die Wandlung hängt weder vom Glauben noch von der sittlichen Disposition des Priesters ab. "Ex opere operato", aufgrund der vollzogenen Handlung, lautet das Stichwort, wenn Du vielleicht mal nachschlagen willst.

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  6. Ich finde es eher schwer, auch den Kommentaren hier so ganz zu folgen, und auch, "(Un)würdigkeit", "Formalismus" usw. allgemein gültig zu definieren, weil nicht jeder das Gleiche darunter zu verstehen scheint... Für mich ist eine Messe auf Lateinisch und mit den o.g. Elementen, bis hin zum alten Ritus genauso "würdig" wie die auf deutsch, für den, der sie mit der richtigen inneren Enstellung begeht oder dies zumindest versucht. Freuen wir uns doch, dass die Kirche hier offiziell verschiedene Möglichkeiten zulässt! Das mit dem "nichts verändern, damit es gültig ist" schien mir früher als recht formalistisch, so irgendwie, als würde man meinen, man könnte Gott in eine bestimmte Form "zwingen", und ein bisschen wie bei den Römern früher... Die Begründung, dass es so wie vorgegeben gemacht werden soll, damit keine persönlichen Vorlieben und Eitelkeiten des Zelebranten ausgespielt werden, und dass schon seit Jahrhunderten gebetete Texte auch ihren großen Wert haben, hat mich schon viel mehr überzeugt.
    Ich persönlich finde heute eine Messe dann am schönsten, wenn der Zelebrant sie mit erkennbarer Andacht und Ehrfurcht und Freude feiert, was es mir dann erleichtert, der Messe auch innerlich beteiligt zu folgen. Natürlich weiß ich unabhängig davon, dass MEINE innere Haltung am wichtigsten ist, unabhängig vom Zelebranten, und das wird wohl auch auch den Ausschlag geben, ob das alles "würdig" ist, meine ich, da Gott ja letztlich doch in die Herzen der Menschen schauen wird. Werden ihm die äußeren Zeichen wirklich sooo wichtig sein, der unterstützen die nicht eher unsere innere Haltung?

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  7. >>Die Wandlung vollzieht sich (Kalliopevorleserin) - wenn der Priester es glaubt>>

    LOL, entschuldigung, ja, dann ist mir bisher was entgangen...

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  8. >>Doch wer sagt eigentlich, dass „würdig“ gleichzusetzen ist mit formvollendet, bedächtig und getragen? Die Sache kann ins Gegenteil umschlagen: in Formalismus.<<

    Ich hab so meine Probleme mit dem Wort Formalismus. War es nicht einer der Altvorderen der, von Gott aufgefordert, seine Schuhe ausziehen musste, weil er auf heiligem Boden stand? Ist Gott ein Formalist? War Thomas, der ungläubige, ein Formalist, als er auf die Knie sank, nachdem sich Gott ihm offenbarte? Wie wäre es denn mit Stehen oder Sitzen, oder Hände halten? Hätte Jesus ja mal anmerken können, wenn er auf Formen so wenig wert gelegt hätte. Wenn die Beziehung zu Gott einer Freundschaft nahe kommen soll, dann benehmen sich Freunde auch dementsprechend. Es ist doch ziemlich schräg, Jesus als Freund zu bezeichnen und ihm, als Priester in der Messe den Rücken zu zeigen, oder den Tabernakel in die hinterste Nische der Kirche zu verbannen. 'Nö, ich (Jahrgang 1960) habe nie, in meiner Kinder und Jugendzeit unter einen Formalismus gelitten. Gelitten habe ich, als man mir sagte, dass man jetzt nicht mehr vor der Kommunion knien muss, sonder sich händchenhaltend um den Altar zu versammeln hatte. Und ja, ich halte das ganze Brimborium für unwürdig. Würdig sind wir ja eh nicht, wie Elsa richtig fest stellt. Aber unwürdiger als unwürdig: das hat die Kirche in Deutschland und anderswo so richtig gut hinbekommen.

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    1. Danke, so sehe ich das auch … :-)

      Co-Blogger müssen ja nicht unbedingt einer Meinung sein.

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    2. Naja, ich glaube, das Wörtchen "kann" in og. Zitat von Bastian ist schon sehr wichtig. Die äußere Haltung kann, muss aber nicht, auch die innere ausdrücken. Thomas, der auf die Knie sank - bei dem ist das ja gerade echter Ausdruck seiner Verehrung, in dem Moment. Ideal ist, wenn eben die Haltung, z.B. das Knien bei der Wandlung usw. auch aus dem Herzen kommt. Dennoch birgt eine ÜBERbetonung äußerer Formen die Gefahr der reinen äußerlichen "Pflichterfüllung" - ich hatte Bastian da so verstanden. Und nicht, dass er sich gegen jegliche traditionelle Formen äußert.

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  9. >>Ideal ist, wenn eben die Haltung, z.B. das Knien bei der Wandlung usw. auch aus dem Herzen kommt.<<

    Dieser Idealzustand stellt sich, zumindest bei mir, äußerst selten ein. Trotzdem knie ich, weil, wenn ich schon nicht mit dem Herzen dabei bin, dann wenigstens mit dem Körper.

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