Donnerstag, August 28, 2014

Ice Bucket Challenge – eine gute Sache im Sinne des Herrn?

[Von Bastian]
Facebook diskutiert intensiv über Ice Bucket Challenge.
Wasser habe nun einmal nicht jeder in ausreichender Menge. Lächerlich sei das Ganze. Peinlich dazu. Und die, die mitmachten seien oft gar keine Christen. Im Gegenzug wird auf die Spendenerfolge und auf das gesteigerte Wissen über ALS verwiesen: zweifellos gute Dinge.

Ich finde, die ganzen Diskussionen stehen auf sehr schwachen Beinen. Eine Unchristlichkeit vermag ich nicht zu erkennen. Die Argumente, die hier ausgetauscht werden, wären in jeder Comedy gut aufgehoben.

Wasserverschwendung (auf die Energieverschwendung zur vorherigen Wasserkühlung ist noch niemand gekommen)? Gerechnet auf den Liter dürfte das das bestbezahlte Wasser der Welt sein, wenn man von dem auf der ISS absieht. Keiner der Kritiker würde in einer finanziellen Notsituation darauf verzichten, einen Eimer Wasser umzuschmeißen, wenn er dafür Tausende bekäme. Und wenn er tatsächlich verzichten würde, wäre er reichlich dämlich. Solange es sich dabei nicht um die lebenswichtige Wasserration einer Karawane oder so handelt, ist da nichts einzuwenden. Für Handlungen rein aus Prinzip ist die EU zuständig, die dem sinnlosen Wasserverbrauch auf Klos einen Riegel vorzuschieben beginnt und die daher offenbar christlich ist.
ALS ist zu ernst für Späße? Vor lauter Mitgefühl soll die Forschung auf Geld verzichten. Lieber angemessen erst krank, als lustig einen Ausweg suchen. Das war schon immer christlich. Für manche zumindest.

Der Standpunkt legt nach: ist das nun Wasserverschwendung oder im Gegenteil gar christliche Hilfe? Das Helfen sei christlich, IceBC sei eine gute Sache. (LINK) Doch die im Artikel angeführte Christlichkeit halte ich für ebenso herbeigeredet.
Wasser sei ein wichtiges Symbol der christlichen Religion. Stimmt, doch das kratzt nur an der Oberfläche. Geht die Symbolik nicht viel tiefer? Handelt es sich beim Übergießen mit Wasser nicht um ein Symbol für die Taufe? Das wäre einmal auf Facebook zu stellen. Bald schon würde von mancher christlichen Seite mahnend die Stimme erhoben: vor den schlimmen Folgen einer solchen Verweltlichung des Taufsakraments muss gewarnt werden! Rom würde zum Handeln aufgefordert, weil unsere Bischöfe dazu schweigen.

Irgendwie macht es ja Freude, die ganzen Argumente zu lesen, aber es ist auch erschütternd. Sind wir Christen denn Hunde, die jedes Stöckchen holen, das geworfen wird? Es scheint so. Doch im Ernst: Nicht alles, was hilft und dazu Wasser braucht, ist deshalb christlich. Sonst müsste z.B. in Messen für die EU-Hilfe an spanische und griechische Landwirte gedankt werden. (Wäre vielleicht wirklich keine schlechte Idee, mal für all das zu danken, was wir haben. Das weitet das Herz den Blick. Vielleicht wird der nächste GAG dann weniger eng diskutiert.)

Mein Fazit: als PR-Aktion genial gelungen. Mitmachen werde ich nicht – ich mag kein kaltes Wasser, außer an heißen Tagen von innen.


P.S. Ich muss diesen Text ergänzen. Die Verwendung der Spendengelder für Forschungen, die unter anderem auch an embryonalen Stammzellen durchgeführt werden, steht im krassen Widerspruch zu einer christlichen Überzeugung.
Insofern bleiben meine Aussagen über die teils doch recht erheiternden Diskussionen bestehen. Allerdings würde ich selbst für diesen Zweck keinen Cent spenden und jedem dringend raten, es auch bleiben zu lassen.

Kommentare:

  1. Wenn ich das richtig sehe, dann gibt es noch ganz andere Kritikpunkte
    aus katholischer Sicht als das mehr oder weniger läppische Wasser-Argument
    gegen die Eiswasser-Spendenaktion:
    Immerhin warnen auch katholische Bischöfe in Amerika davor und untersagen
    sogar die Mitwirkung:

    http://kreuzknappe.blogspot.de/2014/08/kalte-dusche-fur-die-eiswasser-duscher.html

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  2. Manchmal ist ein Eimer mit kaltem Wasser auch nur dazu da, daß sich die Leute mit einem Eimer kalten Wasser übergießen, weil sie sich mit einem Eimer kalten Wasser übergießen wollen und das cool (im wahrsten Sinne des Wortes und auch sonst) finden.

    So eine etwa Bekannte von mir, die mir stolz ihr Video zeigte, auf dem eine Freundin ihr einen Eimer Eis-Wasser über den Kopf gießt.
    Ich frage sie, ob sie denn auch was für/gegen ALS gespendet hätte.
    Sie schaute mich mit großen Augen an: "Für WAS? Was ist den ALS? Ne, ich finde das einfach cool und viele meiner Freunde habe das auch schon gemacht."

    Alles klar… da ist bei ihr wohl der Grund der Aktion ins Wasser gefallen.

    Ich denke, daß die Promis, die da mitgemacht haben und mitmachen, schon wissen was sie tun, aber in Deutschland, dem "größten kollektiven Freizeitpark mitten in Europa"™, findet der große Teil die Spassgesellschaft das einfach nur lustig und macht deswegen mit.

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  3. Alternativ gäbe es noch die Möglichkeit, für ALS-Forschung, aber ohne Stammzellen zu spenden: http://www.kath.net/news/47263

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