Freitag, Mai 17, 2013

Die Kunst der Manipulation aus Freiburg



[Peter Esser] Ich empfehle, diesen Vortrag von Professor Dr. Magnus Striet aufmerksam zu hören. Natürlich kann man dem Referenten dahin folgen, wenn er fordert, theologisch gelte es zu begreifen, »daß der Freiheitswille in der Moderne der frohen Botschaft vom menschenwilligen und unbedingt menschenfeundlichen Gott gerade nicht entgegensteht.« (04:30)

Aber was meint Striet eigentlich? – Das wird während des dreizehnminütigen Impulses nicht ausgesprochen. Er hätte die Sache ruhig verkürzen und sein Anliegen auf diesen Punkt eindicken können:

In der Moderne lernt nicht mehr die Welt von der Kirche; die Kirche bekehrt sich zur Welt. Nicht mehr der Bekehrungsweg des einzelnen ist gefordert, sondern die Bekehrung des Lehramtes.

Das sagt er natürlich nicht – und damit fängt die an sich belanglose Sache an, für mich interessant zu werden. Interessant ist für mich nämlich Striets codierte Sprache. Könnte ich wieder und wieder anhören. Theologie als Kunst der Manipulation. Nahezu dreizehn Minuten lang gelingt es ihm, seine Zuhörerschaft zum Zuhören, mitunter sogar zum Beifall zu bewegen, ohne die »hard facts«, die ich nur in den Bereichen »Kommunion für Wiederverheiratete, Segen für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Frauenpriester, und (ganz wichtig!) Dezentralisierung des kirchlichen Lehramts« vermuten kann, auch nur ansatzweise beim Namen zu nennen. Die Codes werden verstanden. Am Ende hat er (natürlich ohne es so zu sagen), die (natürlich angstbesetzte) konservative Position als »Sünde« bezeichnet. – Und damit im letzten Halbsatz zum ersten Mal einen tradierten religiösen Begriff in seinen Impuls eingeflochten.

So gelingt es den Wölfen, sich in Gegenwart der Hirten die Wollocken zu fönen, während die Schafe applaudieren.

Kommentare:

  1. Sehr treffend!
    Siehe dazu: http://www.invenimus.blogspot.de/2013/04/kampf-der-begriffe.html
    und: http://www.invenimus.blogspot.de/2013/04/versammlung-der-verungluckten-ii.html

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  2. Danke für die "Übersetzungsarbeit"! Sehr treffend!

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  3. Freiheit vs. Gnade!? also "göttliches Recht" vs. göttliches Geschenk!!!!

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  4. Seit wann negiert die Kirche Freiheit. Setzt die Sünde nicht Freiheit vorraus? Warum soll die Lehre der Kirche ein Angriff gegen die Freiheit der Person sein? Was redet der denn da? Wäre die Kirche eine rein geschichtliche Grösse, und immer den Wünschen der jeweiligen Zeit angepasst, dann hätten wir heute kaum mehr eine Ahnung davon, was Kirche überhaupt ist. Veränderbare Identitäten der Kirche, je nach Zeitepoche, negiert jeglichen Wahrheitsanspruch und ist auch wieder nur eine Version des ewig langweiligen "alles ist wahr - nichts ist wahr" - Geschwafels. Für mich ist diese weichgespülte Rhetorik einfach nur nervig. Ich hoffe, dass der Gute Striet nicht von Kirchensteuergeldern finanziert wird.

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