Mittwoch, Januar 16, 2013

Ordinariat für Lutheraner?

[Von Bastian]
Kath.net berichtet, in Rom prüfe man den Gedanken eines Ordinariates für Lutheraner, die in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zurückkehren wollen, ähnlich der Struktur, die Papst Benedikt XVI. für die Anglikaner eingerichtet hat. (LINK)

Spontan freue ich mich darüber: offensichtlich gibt es so viele, die sich den Katholizismus wünschen, dass Rom beginnt, sich auf sie vorzubereiten. Einige der Reaktionen darauf verwundern allerdings: offensichtlich können nicht alle Menschen lesen.
Das Thema wird teilweise behandelt, als sei die Aussage, Roms wolle die volle Gemeinschaft mit der evangelischen Kirche. Und alle Stacheln werden aufgerichtet. Da wird mit Zirkelschlüssen und Feindbildern argumentiert, dass sich die Balken biegen. Protestanten sind schlecht, katholisch ist gut. Wenn Protestanten zu uns kommen, ist das schlecht, weil es Protestanten sind. Die Katholiken, die sie aufnehmen wollen, sind auch schlecht, weil sie sich schlechten Protestanten annähern. Wir sind aber gut, weil wir keine schlechten Protestanten sind. Wir lehnen ab, was da aus Rom kommt, gerade weil wir katholisch sind. Das Konzil ist daran schuld. Klar. *seufz*

Es ist erstaunlich, dass immer wieder einige, die am misstrauischsten gegenüber Rom sind, zugleich laut Romtreue einfordern. So sehr ich selbst um Treue zum Lehramt schätze, so lehne ich doch diese in sich eingefangene Denkweise ab. Die Katholische Lehre ist wahr, weil der Heilige Geist in ihr wirkt, nicht weil ich mich mit ihr in eine innere Festung zurück ziehe. Ich denke, die Katholische Kirche hat mehr zu bieten, als die Ablehnung dessen, was ich für nicht katholisch halte. Der Garten Gethsemane besteht aus mehr, als der Mauer drumherum.
Mir will scheinen, die infrage kommenden Protestanten haben die Attraktivität unserer Kirche besser begriffen als mancher, der sie verteidigt. Mein Vorschlag: Gott vertrauen und das, was aus Rom kommt, annehmen.

Kommentare:

  1. Danke, du schreibst mir aus der Seele!!!

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  2. Bravo! Ich kenne sehr überzeugte evangelische Christen, die mit überzeugten, "konservativen" Katholiken sicher mehr gemeinsam haben als diese mit so manchen, die nur dem Namen nach katholisch sind. Die wahre Kirche Christi ist unsichtbar, davon bin ich überzeugt, Jesus hat sich nie nach Formalismen und von Menschen gemachten Gesetzen gerichtet. Ich kenne zutiefst gläubige Pastoren und zutiefst gläubige katholische Priester. Ich kenne auch Pastoren, die durchaus Sympathie für die katholische Liturgie haben. Warum besinnen wir uns nicht aufs Wesentliche, auf Jesus Christus, anstatt uns, wie oben beschrieben, in übertriebener Weise abzugrenzen (abgrenzen können wir uns doch zur Genüge, gegenüber dem Zeitgeist, dem aggressiven Atheismusm, dem Relativismus der Postmoderne, ..., oder? - Traurig, wenn wir statt dessen evangelische Christen als pauschales Feindbild nehmen.

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    1. Gegen das Feindbild bin ich auch.
      Doch den Rest kann ich nicht teilen. Die katholische Lehre ist nichts, was man hinter sich lassen könnte, um sich auf das Wesentliche, auf Christus zu besinnen. Das geht deshalb nicht, weil diese Lehre mit Christus, in der Verantwortung vor ihm und durch Seine Hilfe geworden ist, was sie ist. Für den gläubigen Katholiken gilt: Lehre verlassen = Christus verlassen. Siehe auch hier: http://www.kath.net/detail.php?id=39693
      Unsere Kirche ist kein von Menschen gemachter Verein mit einer Satzung, die sich einfach auch ändern ließe. Wer sie so wahrnimmt, kennt sie nicht.
      Es geht nicht darum, plötzlich das, was kathlisch genannt wird, auf gläubige Lutheraner auszuweiten. Es geht darum dass Menschen, die katholisch werden wollen, mit allem, was gut und bereichernd ist, empfangen werden.Der Katholizismus wird dadurch weder verändert noch in seiner Bedeutung relativiert. Er wird nur reicher und schöner.

      im Übrigen: bisher ist alles nur eine erste Überlegung...

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    2. @Bastian
      "...weil diese Lehre mit Christus ... und durch Seine Hilfe geworden ist, was sie ist"
      Natürlich kann ich mir die zahlreichen und unbestreitbaren Verfehlungen von Kirchenmitgliedern, auch Amtsträgern, immer wieder "schönfärben" und auch "gut" begründen, ich kenne das alles. Ich versuche, ein gläubiges Mitglied der katholischen Kirche zu sein, kann aber deshalb nicht mein Gefühl einfach leugnen, das mir sagt, es könnte auch anmaßend und vielleicht gar nicht im Sinne Jesu sein, eine Kirche als "allein selig machend" hinzustellen. Was macht Sie denn da so sicher, dass Christus seine Kirche so und genaus so gewollt hat wie die katholische Kirche (und nur die!) Wir reden immer von Demut, täte sie und in diesem Fall nicht gut, indem wir sagen, wir bemühen uns, diesem Anspruch zu genügen, aber sprechen das doch anderen nicht von vornherein ab?
      Ich glaube, dass am Ende immer der einzelne Mensch vor Gott bestehen muss, und nicht als Erstes nach der Zugehörigkeit zu einer Kirche gefragt werden wird.
      Und mal ganz ketzerisch gefragt: wer hat dann z.B. die evangelische Kirche gegründet und gewollt, wenn es Christus nicht war?
      Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin sehr gegen eine oft ungerechte Behandlung und Beurteilung unserer, der katholischen Kirche. Aber machen wir es uns mit solchen, ja letztlich auch von uns aufgestellten Behauptungen nicht auch sehr bequem?
      Es kann nie falsch sein, treu zu unserer Kirche zu stehen, aber das muss doch nicht bedeuten, andere Christen abzuwerten. Detailfragen in Glaubensdingen können noch so vehement vertreten werden - wer recht hat, werden wir alle erst nach dem Tod sehen. Hat Jesus nicht gesagt, was das "Wesentliche" ist, nämlich die Liebe zu Gott und den Menschen? (Oder hat er was von der katholischen Lehre gesagt?)

      Viele Grüße!

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