Mittwoch, Dezember 03, 2014

Da Felltier nichts mehr ein.

Homophone, also ähnlich klingende Begriffe mit unterschiedlicher Bedeutung sind seit Jahren der Notnagel der Werbung, ähnlich wie es bis in die siebziger Jahre hinein der Reim war, der als Transportmittel für Werbebotschaften diente. Seit Jahrzehnten beglücken uns Texter mit Wortkreationen wie:

Hercooles … der Held, was er verspricht. Mal nur so als Beispiel. Glücklicherweise entfallen mir solche Wortspiele rcht schnell wieder. Daher muß ich weitere Beispiele schuldig bleiben.

Es scheint mir eh die letzte Möglichkeit durchgebrannter Creative Directoren zu sein, wenigstens noch den Schein der Kreativität, dieser konsumistischen Allround-Tugend zu wahren.

Also, irgendein weiteres Logistik-Unternehmen mit unterhaltsamem User Interface nutzt einfach einmal die nachchristliche Weihnachtszeit (oder was sie dafür halten) und wirbt mit der Subline: 

Jetzt Christus geliefert.



Toll. Versteht erst mal keiner. Ist auch so eigentlich nicht witzig. Wie jetzt? Seit wann kümmern sich Werbetexter um Kenosis? Kann nicht. Was meinen die?

Beim zweiten Ansatz fällt der Groschen: »Jetzt krichst du’s geliefert.«

Das ist schon seeehr, seeeehr witzig, denkt sich der Marketing-Lieferando, und winkt den Claim durch, ohne zu bedenken, daß ein gutes Wortspiel in beiden Richtungen funktionieren muß. So sollte die vordergründige Ebene bedient werden, damit die Auflösung des Homophons dem Leser mehr als ein Gähnen entlocken kann.

Der pseudochristliche Kontext läßt vermuten, daß der Textlieferando davon überzeugt war, es genüge, einfach eine religiöse Gemeinschaft zu dissen. Sinnvollerweise entschied er sich für die christliche, von deren geistigem Reichtum er eh keine Ahnung hat. (Und von der es wenig zu befürchten gibt.)

Und er zielt offensichtlich auf die Bevölkerungsgruppe, die schon in der Schule eher zu den Schlechte-Noten-Lieferandos gehörte. Die merken nämlich nicht, daß dem Werbetext eigentlich die Pointe fehlt, die ihn witzig machen könnte. Leider werden die meisten auch nur stumm und gleichgültig auf den bemützten Burger gucken und gar nicht erst versuchen, den Text zu entschlüsseln.

»Lieferate ogni speranza voi ch’entrate!«

Kommentare:

  1. Ich gestehe: ich finde "jetzt Christus geliefert" echt witzig.

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    1. @Ralf ofs:
      Ich muß da deutlich wiedersprechen;es muß heißen: "jetzt Christo geliefer", fakultativ auch "jetzt ad Christum geliefert" sonst könnte jemand meinen es hieße "jetzt Christum geliefert"
      Werbung hat schließlich auch einen humanistischen Auftrag!

      Grüße
      Thomas (noch nicht ganz obl. osb)

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    2. Gebt mir Bescheid, wenn diese tollen Werbehipster den Mut aufbringen, "Ruft Allah an!" oder sowas auf ihre Plakate schreiben, dann wird die Sache wenigstens ein wenig interessant.

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  2. Ließe ich mir Essen liefern, so würde ich jetzt Lieferando boykottieren.
    Leider kann ich das nicht, denn ich koche selber.

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  3. Jochen C. Müller9:55 vorm.

    Mir erschließt sich noch nicht, warum durch die Verwendung des Wortes "Christus" eine religiöse Gemeinschaft "gedisst" würde. Fehlt mir da noch ein Verbindungsstück?

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    1. Also mal Buddha bei de Fische.

      Das Wort „Christus“ ist schon irgendwie so ganz leicht von einer bestimmten religiösen Gemeinschaft besetzt. Da muß man schon auf der Hud sein, um nicht in ein Fettnäpfchen zu treten und so die Sache aus dem Lot gerät.
      Einfach Danso hingehen und nach einem Verbindungsstück fragen, ist Eber seltsam.

      Fazit: Da Musa nochmal die Schulbank drücken.

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    2. +1
      Gedisst wird da nix. Man hat sich halt wohl entschlossen, noch einen weiteren Hinweis für das doppelbödige Wortspiel "Ihr Rinderlein kommet" zu verstecken - find ich vielleicht einen Tick geschmacklos, aber Disserei kann ich nicht bemerken. Die Religionsgemeinschaft wird weder kritisiert noch beschimpft noch herabgewürdigt.

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  4. Bitte,was ist "dissen"?

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  5. Der Zusammenhang machts. Christus ist der Erlöser der Welt. Die Welt wird aber nicht durch bezipfelmützte Bouletten mit Brot erlöst.
    Oder anders gesagt: Anders als Lieferando postuliert, ist Jesus kein gebratenes Rinderhack.
    Man macht als Unbeteiligter keine Witze über Liebe und Güte. Persönlich fühle ich mich von dem Plakat allerdings eher nicht gekränkt, sondern gelangweilt, was ich erheblich schlimmer finde. Jesus Christus ruft auf zum Gebet für die, die mich ärgern und kränken - nicht für die, die mich langweilen. Damit kann ich das Plakat nicht einmal als Ansporn zur Fürbitte verstehen. Mithin ist es nur einfach schlecht.

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