Montag, Juni 02, 2014

Laie versus Weltchrist

(Peter Esser) Auf einem Katholikentagsforum zum Thema »Das Konzil und die Laien« schlug Bischof Voderholzer vor, den Begriff des »Laien« aufgrund seiner schwierigen Begriffsgeschichte durch den Begriff »Weltchrist« zu ersetzen. Eine weniger gute Idee, wie ich finde.

Im Begriff des »Laien« schwingt immer die Bedeutung »Angehöriger des Gottesvolkes« mit. Diese Dimension der Communio fehlt dem »Weltchristen« völlig.

Der Begriffsbestandteil »Welt« einen unklaren Bezugspunkt. Bin ich Christ VON der Welt oder doch FÜR die Welt? Die erste Bedeutung widerspricht dem Wort Jesu Christi, daß wir nicht »von der Welt« sind, diametral.

In der zweiten Bedeutung sehe ich einen subtileren Bedeutungsverlust: Mein Dasein als Christ wird als die Existenz eines Engagierten reduziert. Das Sein, das sich in der Volkszugehörigkeit zum Volk Gottes ausdrückt, wird subtil durch das Tun ersetzt.

Käme es tatsächlich zur Einführung einer solchen Begrifflichkeit, dann lehnte ich es wohl ab, mit dem weniger wertvollen Begriff bezeichnet zu werden. Mehr denn je empfinde ich den Begriff Laie als Ehrentitel. Er führt mich in genialer Weise sowohl in den christliche Alltag, wie gleichzeitig auch in der Schar der Erretteten vor dem Thron des Lammes. Der »Weltchrist« läßt mich ratlos zurück: Bin ich IN der Welt oder VON der Welt?

Wir benötigen mehr Katechese, nicht weniger anstößige Begriffe.

Kommentare:

  1. Man könnte statt „Laie“ auch einfach „Gläubige“ sagen.
    Freilich würden sich dann vermutlich die Mehrheit der „engagierten Laien“ nicht mehr angesprochen fühlen…

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  2. Ich kann verstehen, daß "Laie" diesen leicht negativen Beigeschmack hat - (und manche Kleriker sind auf manchen Gebieten auch ganz schön laienhaft, was für die "Fachlaien" dieser Themen dann sehr nervig sein kann...). Aber "Weltchrist" finde ich auch irgendwie seltsam - es klingt so konstruiert.
    Vielleicht müßte man mal verdeutlichen, woher "Laie" eigentlich kommt (weiß ich leider auch gerade nicht), denn vielleicht ist es ein bißchen wie mit "Amateur": Eigentlich bedeutet es, daß man sein Hobby liebt, aber es hat immer diesen Anklang von unprofessionell=stümperhaft - die ursprüngliche Bedeutung ist ziemlich verlorengegangen.

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    1. Der Begriff Laie kommt ursprünglich - wie sollte es auch anders sein - aus dem Griechisches und bezeichnet einen "zum Volk Gehörenden".
      In modernem Liturgiesprech ist ein Laie also eine "Volkseinheit", die unten in der Bank hockt… *duck*

      Aber wo wir bei Liturgie sind: Das Wort Liturgie stammt auch aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich "Werk des Volkes". Auch dort steckt vom Wortstamm her das Wort "Laie" drin.
      Aber vielleicht sollte man in Zukunft nicht mehr von Liturgie, sondern von Weltchristenwerk sprechen.

      *Urks*

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