Freitag, April 05, 2013

Das richtige gesagt, aber das falsche weggelassen.

[Von Bastian]

Es ist schon merkwürdig.
Auf Facebook gab es eine Diskussion über meinen letzten Beitrag (LINK).
Worum es ging: passend dazu um etwas, das ich NICHT erwähnt hatte: den Missbrauch. Dort sei Wandel dringend nötig (stimmt in vielen Dingen!) und der Text sei ein Plädoyer, das nach großer Angst vor Veränderung klinge.

Das Frappierende: die Diskussion mit der Person, die sich da engagiert, ist interessant und gut, auch wenn die Meinungen in ein paar Dingen sehr weit auseinander liegen. Und ich bin dankbar dafür, dass Menschen, die eine andere Meinung haben als ich, bereit sind, mit mir intensiv zu diskutieren und dafür richtig Arbeit in ihre Beiträge stecken. Darin steckt eine Bereitschaft zur Gemeinsamkeit auch mit Personen, deren Meinung als sehr defizitär empfunden wird, die ich bewundere und die vielleicht eine größere Einheit schafft, als viele ökumenische Bemühungen es könnten. Danke an dieser Stelle dafür.

Ich muss allerdings zugeben, dass es mich etwas fassungslos macht, dass ein Beitrag, in dem ich zur Ruhe angesichts von Änderungen aufrufe, als ängstlich kritisiert wird, und dass ein Thema, dass den Umgang mit der Schuhwahl des Papstes behandelt, sofort unter dem Missbrauchsaspekt gesehen wird.

Reden wir über Sex, kennt die moralinsaure Kirche kein anderes Thema. Reden wir nicht über Sex, ist gerade die Aussage darüber, dass wir Perversitäten gutheißen oder zumindest nicht anprangern.
Wie, ja wie nur können wir noch etwas vermitteln, was nicht unsere Sexualität respektive ihre Verzerrungen behandelt?

Kommentare:

  1. Wie, ja wie nur können wir noch etwas vermitteln, was nicht unsere Sexualität respektive ihre Verzerrungen behandelt?

    Vielleicht liegt das Unvermögen etwas zu Sexualität und deren Verzerrungen zu vermitteln daran, dass die Menschen, denen die katholische Sexualdoktrin vermittelt werden soll, die Sexualität , die die katholische Kirche als verzerrt definiert, gar nicht als verzerrt sehen? Zum Beispiel gleichgeschlechtliche Liebe wird heute, genau wie in der Antike in Griechenland, gar nicht mehr als verzerrt wahrgenommen. Die Menschen wissen, dass sich gleichgeschlechtlich Liebende genau so lieben können, wie gegengeschlechtlich Liebende. Deswegen akzeptieren sie die Sündenzuweisungen der katholischen Sexualdoktrin, die sich vom Leben der Menschen unerreichbar weit entfernt hat, nicht mehr.

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    1. Was ist denn "gegengeschlechtlich"?

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    2. Gegengeschlechtlich ist das Gegenteil von gleichgeschlechtlich (=homosexuell), also das deutsche Wort für heterosexuell.

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  2. Einmal unterscheide ich zwischen Liebe und Sexualität. Es ist schön, wenn beides zusammen kommt, aber es ist nicht das gleiche. Es tut also nichts zur Sache, ob sich zwei Menschen gleichen Geschlechts lieben können. Zudem: ich als Mann liebe meine Söhne.
    Zweitens war der Ausgangspunkt der Missbrauch. Die Verzerrung bezog sich klar darauf. Es ist faszinierend: Sie wiederholen dasselbe Phänomen, das ich im Beitrag beschreibe. Sie greifen ein Thema auf, indem Sie ein derzeit verbreitetes Schlagwort beleuchten, das gar nicht zur Debatte stand. Sie laufen einem Klischee hinterher. Und Sie merken das vermutlich nicht einmal...

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  3. Nicht die katholische "Sexualdoktrin" hat sich von den Menschen entfernt, sondern die Menschen sich (mal wieder) von der katholischen Lehre.

    Soll jetzt die katholische Kirche ihre Lehre nicht länger auf Gott, sondern auf die umherlaufenden Menschen ausrichten? Den Schafen folgen, nicht um sie wieder zusammenzuführen, sondern um ihnen nachzulaufen, wo immer die Mehrheit gerade hinrennt?

    Warum soll man jemandem folgen, der einem nachläuft?

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    1. Die katholische Lehre ist leider in sehr vielen Punkten sehr konträr zur menschlichen Natur und der Realität. Man kann sich fragen, wie ein allmächtiger, allwissender Gott so eine Lehre in diese Welt setzen konnte, wohl wissend, daß er damit nahezu alle Menschen überfordert. Wollte er unbedingt, daß man sich als Sünder fühlt, damit die Errettung auch zieht?

      Heute gilt es, den Spagat hinzukriegen zwischen einer Lehre und einer Realität, die dazu so gar nicht mehr passen will. Ich verstehe die, die sagen: man kann ja wohl nicht die Anforderungen an menschliches Verhalten seiner Biologie anpassen - wo würden wir uns sonst noch von Tieren unterscheiden?

      Und ja, dann kommt es zu der vertrackten Lage, daß sich diese eure Kirche neu finden muß. Vermutlich wird sie sich auf kurz oder lang spalten müssen, denn die Hardliner sind mit den Reformern nicht unter einen Hut zu kriegen. Das ist für eine Weltkirche traurig, aber wirkliche Alternativen sehe ich nicht (bis auf die Verkleinerung auf die, die mit der alten Lehre leben können, und das sind immer weniger, zumindest in den Ländern, die die Kirche finanziell am stärksten stützen).

      Kompromisse sind angesagt, aber kein Nichtstun und auch keine Extremlösungen, denke ich.

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    2. Oder die Masse der Katholiken pickt sich, so wie momentan,auch in Zukunft raus, was sie für befolgenswert hält und ignoriert den Rest. Es wird ja niemand vor der Kommunion gefragt: "Wie hältst du's mit der Sexualmoral der Kirche?" - und für die meisten Katholiken ist die anscheinend nicht relevant. Die Frage ist: wie zentral will die Kirche denn diese strittigen Punkte machen? Ist es wichtiger, dass man an die Auferstehung Jesu von den Toten glaubt oder dass man, was weiß ich, die Verwendung von Verhütungsmitteln ablehnt? Welche Verstöße sind für die Kirche schwer genug, um die Schäfchen rauszukicken?

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  4. Hallo Bastian,

    die Person meldet sich dann doch hier zu Wort... ;)
    Du schreibst:

    +++Wie, ja wie nur können wir noch etwas vermitteln, was nicht unsere Sexualität respektive ihre Verzerrungen behandelt? +++

    Ich empfinde, daß ihr gern trennen wollt, während sich die kritische Welt (nicht nur die sensationsgeilen Medien!) auf euch als Gesamtheit stürzt. Katholische Lehren sind nun mal leider getragen von vielen erhobenen Zeigefingern und Aufforderungen, und wer so viel predigt und Ansprüche an andere stellt, muß sich einer weitaus kritischeren Überprüfung stellen als der Rest. Genau DAS wird eben getan.

    Und da denke ich (und viele andere) eben: nein, es ist bei so vielen erheblichen Problemen nicht geboten, den ruhigen Gang einzuschalten, sondern die Probleme zu lösen.

    Ähnlich befremdet wie Du ob meiner Reaktion bin ich über Mitglieder einer weltweit agierenden, in vielerlei Hinsicht problematischen Organisation, wenn Mitglieder dieser nach einem Führungswechsel zum *Gang runterschalten* ermuntern.

    Ich frage mich dann: habt ihr denn gar keinen inneren Druck, kein unbändiges Bedürfnis, eure Probleme zu lösen? Wenn nein, warum nicht? Und wenn doch, wieso tut kaum einer was?

    Mir ist es übrigens völlig egal, welches Thema grad ansteht. Ich muß mich nicht auf Sex und dessen Randthemen fixieren, das tun eure Kirchenoberen und eure Lehren leider selbst mit erheblichem Aufwand.

    Was ich aus Wendezeiten jedoch gut nachfühlen kann, ist die Ohnmacht, mit der man verurteilt wird, einfach weil man in eine Gemeinschaft oder Gesellschaft hineingeboren wurde und ihr nicht völlig entsagen möchte, weil ein gewisser %satz Mist baut. Aber gerade aus dieser Ohnmacht heraus kann doch nicht Stillstand und *Runterschalten* resultieren... im Gegenteil! Um die Glaubwürdigkeit des Kirchenvolkes zu erhöhen, wäre es wichtig, Farbe zu bekennen.

    Das meinte ich... :)

    Liebe Grüße,
    Claudia

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  5. Wolfgang e.2:16 vorm.

    zu den anonymen Meldungen eine kleine Anmerkung.

    Die Kirche leidet momentan an einem Verständnisproblem, wie auch Bastian anmerkt:

    In der Lehre der katholischen Kirche ist die Liebe ein Kernthema. Die Sex ist hingegen eher ein Randthema.

    Das Problem ist jetzt: Wenn heute jemand Liebe sagt, denkt ein Großteil der Menschen an Sex, weil wir Menschen es verlernt haben, zwischen Liebe und Sex zu unterscheiden.

    Kein Wunder, dass die Menschen ständig denken, dass die Kirche fast nur von Sex spräche, obwohl sie es objektiv gesehen eher selten tut...

    Ja, und die Kirche betont zudem, dass die Sexualität in einer echten Liebesbeziehung ausgelebt werden soll. Also in einer Liebesbeziehung, die nicht nur die Gefühle umfasst, sondern den ganzen Menschen mit Leib und Seele, mit Gefühl und Trieb, mit Verstand und Wille, als echte Ganzhingabe.

    Das ist dem "modernen" Lifestyle zuwider. Wir Menschen wollen uns heute nicht so wirklich binden, und daher auch nicht so wirklich hingeben. Wer sich aber darauf einlässt, wird feststellen, wie gut man damit fährt. Die Kirche wird daher ihre Position hier sicher nicht aufgeben. Dass wir Menschen schwach sind, und dem hohen Aspruch der echten Liebe nicht immer gerecht werden, weiß die Kirche seit 2000 Jahren. Das ist kein Grund, das Ziel abzuschaffen.

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    1. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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    2. Bitte hier nicht weiter über Sex und Kirche diskutieren. Das ist nur sehr bedingt da Thema des Beitrags, in dem es die um Wahrnehmung der Diskussionen geht. Interessant, dass das schon wieder ins Thema Sex abdriftet. Und interessant auch, dass dieses Thema von Kirchenkritikern angestoßen wurde, die zugleich der Kirche vorhalten, sie mache Sex zu sehr zum Thema.
      Ein Kommentar wurde gelöscht. Hier ist kein Platz, an dem anonyme Schreiber Werbung für Promiskuität machen und der Kirche falsche Moral unterstellen können.

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    3. Entschuldige bitte, Bastian, ICH habe mit dem Thema Sex angefangen???

      Da lies Dir bitte nochmal den Faden durch. Der Irrtum liegt wohl auf Deiner Seite.

      Es wäre ja schön, wenn ich zu meiner längeren Antwort noch eine von Dir erhalten würde. Dann kämen wir sofort wieder zur Wahrnehmung hin... :)

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    4. PS: Von mir aus kannst Du alles zum Thema Sex löschen. Ich muß das nicht haben und verstehe gut, wenn es euch nervt.

      Aber bitte - "Mißbrauch" ist kein Sexthema! Eher ein Verbrechensthema.

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  6. "Mißbrauch" ist kein Sexthema! Eher ein Verbrechensthema.
    Dem ist nichts hinzuzufügen!

    Ansonsten: bitte die Diskussion hier beenden. Wir reden aneinander vorbei.

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