Samstag, November 10, 2012

Begriffe, die mich nerven (2)


Heute: „Definieren, was katholisch ist“.

[Von Bastian] „Du willst wohl für andere (alle) definieren, was katholisch ist.“ Ein Vorwurf, der mir als Blogger so oder ähnlich häufiger begegnet ist. Meist treffe ich ihn, wenn ich etwas als essentiell für den katholischen Glauben erachte und das auch sage.
Die Logik des Widerspruchs ist allerdings oft etwas merkwürdig, denn sie argumentiert meistens wie folgt: „Du sagst also, das und das sei nicht katholisch – ich aber sage, es ist es doch.“ Im Klartext also: definiere nicht, was katholisch ist, denn das will ich selber tun. In der festen Überzeugung, dass diese Definition – im Gegensatz zu meiner – gültig ist.

Abgesehen von der diesem Vorwurf häufig inhärenten Unlogik liegt jedoch ein noch viel tieferes Problem vor: die Idee eines selbstgemachten Glaubens. Wenn es etwas gibt, das ich definitiv nicht glauben kann, dann ist es alles Selbstgemachte, denn es ist das einzige, von dem ich wirklich zu 100% weiß, dass es konstruiert ist. Der Glaube ist eben keine Spielwiese, auf der jeder steht, wo er steht, und den eigenen Erkenntnishorizont zur Wahrheit erhebt. Der Glaube ist offenbart, und zwar von dem, an den ich glaube: von Gott. Mein Erkenntnishorizont definiert nicht die Wahrheit, sondern innerhalb der Größe von Gottes Offenbarung meine Unzulänglichkeit – und das tut er bei jedem anderen Menschen auch. Wollte ich meine eigene Erkenntnis als katholischen Glauben verkünden, könnten alle getrost weghören, wie auch ich es umgekehrt manchmal kann: die Idee, dass letztlich jede Ansicht gleichwertig ist, ist nicht katholisch. Sie ist nicht einmal göttlich, denn dann wäre die Verkündigung mit Erschaffung der allgemeinen menschlichen Erkenntnisfähigkeit abgeschlossen gewesen. Gott jedoch hat in diese Fähigkeit hineingesprochen. Gespräche, in denen das vergessen wird, sind oft herzlich unergiebig.

Was katholisch ist, wird von Menschen gelebt, kann aber seine Definition niemals in einem Menschen, sondern nur in einer offenbarten Lehre finden. Ich kann gar nicht definieren, was katholisch ist, und meine Gegenüber kann es auch nicht. Weil er es aber auch nicht kann, hat sein Vorwurf ebenfalls nur aus Gott heraus Gültigkeit. Wenn er mich trifft, spricht Gott zu mir: Lieber Bastian, orientierst Du Dich noch an mir, oder wieder einmal an Deinem Horizont?
Und daher nervt dieser Vorwurf, weil er entweder absurd unlogisch oder aber peinlich treffend und damit unangenehm daherkommen kann…

Kommentare:

  1. Ich bin wohl einfach zu naiv. Als ich wissen wollte, was nun katholisch ist und was nicht, habe ich nach einem Katechismus gesucht, weil der schließlich die Glaubensinhalte darlegt. Danach habe ich mich dann orientiert und entschieden, ob ich das sein will oder nicht.
    Aber das ist wohl zu banal für einige Leute.

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  2. Schöne Klarstellung! Wer fragt, ob ich definieren möchte, was katholisch ist, dem kann man eigentlich nur antworten: Nein, aber ich versuche, es Dir zu erklären!

    Aber das ist - ups - Fundamentalismus! http://papsttreuer.blog.de/2012/11/07/fundamentalist-15176969/

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