Mittwoch, April 06, 2011

Ich bin OK - Du bist OK! Echt jetzt?

[SV]Häufig hört man, um Menschen für Christus zu gewinnen, sei es nötig, düstere Themen wie die Sünde erst einmal wegzulassen und sich auf die ermutigenden und liebevollen Themen zu beschränken. Bevor man an den Menschen herumkritisiert, solle man ihnen erst einmal vermitteln, dass sie geliebt und angenommen sind, dass Gott sie bejaht. Erst einmal sei positive Spiritualität gefragt.
Dahinter steckt ein Irrtum. Das Aufdecken von Sünde ist kein unnötiges Kritisieren, wenn es im Licht Jesu geschieht. Nur in diesem Licht bin ich wirklich angenommen und bejaht.
Auch wenn ich noch so sehr gesagt bekomme, ich sei OK, wie ich bin, erwächst daraus letztlich kein tiefes Vertrauen. Der Grund ist einfach: es stimmt nicht. Ich weiß in meinem Inneren ganz genau, dass ich eben nicht in Ordnung bin, sondern dass es da neben etlichem liebenswertem auch einiges eher abstoßende gibt und auch einiges, das definitiv falsch und übel ist. Ich weiß das und kann deshalb niemandem wirklich vertrauen, der das nicht sieht oder sehen will.
Wer mir sagt, ich sei OK, vermittelt mir eben keine Annahme, sondern er negiert ganze Teile von mir. Annahme geht anders.
Gott sieht jedoch alles. Und er macht gar keinen Hehl daraus, dass ihm vieles nicht passt. Er nennt es Sünde und hat damit recht. Aber er klagt mich deshalb nicht an, sondern er kommt selbst in die Welt und überwindet von seiner Seite aus den Graben zwischen ihm und mir. Da kann ich wirklich vertrauen, weil ich angenommen bin, ohne irgendwelche Dunkelheiten zurückhalten zu müssen. Das, was den Glauben so erholsam und hoffnungsvoll macht, ist doch, dass Gott mich an meinen wunden Punkten berührt, ohne sie irgendwie zu verstecken, zu beschönigen oder zu leugnen. Nur in diesem Licht bin ich wirklich ich selbst.

Für mich ist klar: Annahme und Bejahung gibt es nicht, wenn da nicht die Erlösung ist. Ohne Sündenerkenntnis kein Innerer Friede. Ohne Wahrheit keine Liebe. Ohne Licht, dass wirklich alles in mir bescheinen darf, wird es in mir nicht hell. Und dieses Licht kommt nicht von mir, sondern von Gott.

Damit ist für mich zumindest klar, wohin ich Leute, mit denen ich von Gott rede, nicht führe: zu einem netten Sierra Victor. Der kann höchstens Beiwerk sein.
Wenn ich jemandem die Sterne zeigen will, führe ich ihn zwar zu einem Teleskop, aber dann muss er selbst durchschauen. Erklärungen über Aufbau und Sinn der einzelnen Teile des Teleskops sind dann sinnvoll, wenn sie gebraucht werden, um mehr zu sehen. Das Teleskop ist dazu da, die Sterne zu sehen, nicht die Sterne dazu, das Teleskop zu rechtfertigen.
Es geht nicht darum, über die Wirkungsweise von Teleskopen zu meditieren (Spiritualität), sondern darum, hindurchzuschauen (Gebet).
Egal, was ich zeige und wohin ich führe: es muss immer klar werden, dass die Blickrichtung zu Gott gehen und im Gebet enden muss.

1 Kommentar:

  1. Danke für diesen klaren Beitrag, der mir grad den Start zur Beichtvorbereitung erleichtert!

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