Montag, Mai 31, 2010

Lena und ihr Triton




Dafür werden mich die Kunstfreunde steinigen. Zu Recht, wie ich finde. Ich ducke mich rasch.

Es war allerdings schwer, sich in den letzten Tagen der Präsenz dieses fröhlich zappelnden, singenden und quasselnden Mädchens zu entziehen. Und ich kann Frère Wolfgangs Rührung über die Einfachheit der neuen Pop-Prinzessin gut nachvollziehen, wird doch der Hügel in Burgund Jahr für Jahr von Hunderten solcher Lenas überschwemmt.

Was macht die Faszination aus? Mir kamen als erstes jene Schönheiten der italienischen Renaissance in den Sinn, die von Malern von Botticelli über Tizian bis Lotto gemalt, uns heute noch als Darstellungen griechischer Göttinnen und christlicher Madonnen erfreuen. Sehnsucht nach dem reinen, jungfräulichen Anfang? Die Kind-Frau als Ausdruck unserer Hoffnung, noch einmal neu anfangen zu können, in der ganzen Frische und Schönheit des Beginns?

Die Illusion war nur von kurzer Dauer, denn wie ein Böcklinscher Triton schob sich das Gesicht Stefan Raabs daneben. Und dann dieses Lied … lassen sich Form und Inhalt tatsächlich trennen? Wo bleibt der Aufschrei der Feministinnen über den Inhalt des Contest Songs, wenn die junge Dame von der blauen Unterwäsche singt, die sie eigens kaufte, um einem durchaus auswechselbaren Typen zu gefallen?

Es bleiben gemischte Gefühle. Und ein Wunsch für Lena: Daß sie noch oft, oft die Gelegenheit hat, am Song Practise in Taizé teilzunehmen.

Kommentare:

  1. Also ich find die Zeichnung toll! :-)

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  2. Ist ja auch von Botticelli … :-)

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  3. Guten Tag!

    Nun seid doch nicht so bierernst! Lena ist ein nettes Mädchen, und sie hat gut gesungen und den Ruf der Deutschen als Spaßbremsen erfolgreich torpediert. Außerdem hat sie europaweit Ohren für die Vielfalt der deutschen Musik geöffnet.
    Das mag ja nicht viel sein, aber es nicht nichts.
    Das ist so schlimm in D: Kaum macht mal wer was Gutes, suchen alsbald Leute nach dem Haar in der Suppe, der Fliege in der Salbe, dem Sprung in der Schüssel. Warum kann man sich nicht einfach mal freuen, wenn mal was gut läuft?
    Die Frau hat kein Land überfallen, niemanden gehauen, keinen Quatsch erzählt und niemand was weggenommen.
    Natürlich muss sie jetzt nicht Präsi werden oder sonst so einen Quatsch - will sie doch auch gar nicht.
    Und Stefan Raab? Hat gezeigt, wie es geht - nach Jahrzehnten verschnarchter öffentlich-rechtlicher Siegelmacherei. Es sei ihm gegönnt. Man muss ihn nicht mögen, aber an sollte zugeben können: Da ist einer, der sich vom TV-Provokateur zum Meister aller Klassen der TV-Unterhaltung entwickelt hat, der enormen persönlichen Einsatz zeigt ("Wok-WM", "Schlag den Raab" etc.) und dabei keine Bohlensche Übelkeit verbreitet und sein Privatleben nicht vermarktet. Das sollte man ruhig mal zu schätzen wissen.

    Vielen Dank für die Aufmerksamkeit

    Harald Leinweber

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