Sonntag, Mai 12, 2013

ET IN ECCLESIA EGO



Nicolas Poussin, Die Hirten von Arkadien II. (1638–1640)


[Peter Esser] »In der Catholica bin auch ich« – manche Momente des Bloggertreffens in Bonn ließen die Assoziation mit diesem barocken Bildtypus zu. Vielleicht im Sinne eines saloppen »Hey, ich bin (doch) auch katholisch!« von Seiten der Blogger und von Seiten der oft gescholtenen (»gegrillten«) Medienverantwortlichen.

Vom Freitag bis zum Samstagabend trafen sich Blogger und Vertreter der kirchlichen Medienarbeit im Tagungshaus auf dem Venusberg. Vielleicht ist »Wahrnehmung« das Schlüsselwort dieser Tage. Es waren zwar nicht arkadische Faune, Schäferinnen und Gottheiten, die sich dort auf dem Venusberg begegneten, aber die Atmosphäre einer gespannten Erwartung war schier greifbar.

So tat es gut, daß wir die Praxis des ersten Bloggertreffens in Freiburg aufgriffen, den Tag durch das gemeinsame Gebet gliederten und so immer wieder auch zur Wahrnehmung des in unserer Mitte gegenwärtigen Gottes kamen.

Neben den offensichtlichen Wirken des Heiligen Geistes war es meiner Ansicht nach der umsichtigen Vorbereitung und Moderation durch Dr. Norbert Kebekus vom Erzbischöflichen Seelsorgeamt in Freiburg zu verdanken, daß alle Teilnehmer, die Blogger und Bloggerinnen selber, sowie die Vertreter von katholisch.de, der Geschäftsführer Dr. David Hober, die Redaktionsmitglieder Steffen Zimmermann und Christoph Meurer, der Politikwissenschaftler und Publizist Dr. Andreas Püttmann, sowie der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, auf dem Venusberg zu einem guten und für alle Seiten sichtlich bereichernden Miteinander fanden.

Dabei liefen die Wahrnehmungsprozesse keinesfalls konfliktfrei ab. Einige Blogger gestanden zu, daß sie das Portal katholisch.de kaum je rezipiert hatten, aber auch die Wahrnehmung der sogenannten Blogözese, also der nichtorganisierten katholischen Bloggerschaft als einer Gruppe von »Überzeugungstätern« schien für die Vertreter von katholisch.de eine neue Entdeckung zu sein. Mitunter gab es kurze Anfragen und Auseinandersetzungen, die besonders von Seiten der Blogger mit Nachdruck vorgetragen und geführt wurden. Aber auch der Auftrag des Internetportals katholisch.de, einen Fundus an spirituellen Angeboten, Hintergründen und verdaulichen Informationen über den christlichen Glauben bereitzustellen – und dabei Stimmen aus dem ganzen kirchlichen Spektrum bereitzustellen, wurde deutlicher. Anhand der Themen »Betreuungsgeld«, des »katholisch.de-Blogs« mit streitbaren Einzelthemen und des Kurzlexikons »Kirche von A-Z« wurde die Problematik der Themenfindung, aber auch der Kommentierung aktueller Entwicklungen in der Kirche diskutiert.

In diesem Zusammenhang war mir die Frage wichtig, wie man den Anspruch, »kein Missionsportal« zu sein, vor dem Hintergrund des Auftrags Jesu, »alle Menschen zu meinen Jüngern« zu machen, durchführen könne. Wir stehen in der Spannung zwischen der Rolle des distanzierten Beobachters und dem Verkündigungsauftrag der Kirche. Daß es nicht um die Rolle des Volksmissionars auf der Bretterkiste gehen kann, der auf das Volk herabpredigt, ist vorausgesetzt. Von Christus und seiner Kirche kann man jedoch nicht anders als mit Herzblut sprechen. Die ET-IN-ECCLESIA-EGO-Erkenntnis für mich war hier in erster Linie, daß wir mit katholisch.de ein empfehlenswertes Portal der Kirche haben. Die starke Präsenz der Redaktion von katholisch.de auf dem Bloggertreffen ist für mich eine deutliche Ermutigung, daß die Zeiten des Fremdelns zwischen professioneller katholischer Medienarbeit und frommer Freibeuterei der Blogger der Vergangenheit angehören.

Einen weiteren Themenschwerpunkt bildete die Begegnung mit Dr. Andreas Püttmann und Matthias Kopp. Dr. Püttmann skizzierte die Situation der katholischen Medienlandschaft in Deutschland – unter anderem nach dem Wegbrechen des katholischen »Flaggschiffs« des »Rheinischen Merkurs«. Seine Ausführungen fanden in vielem den Beifall der Blogger. Im internen Gespräch mit ihm und Matthias Kopp konnte die Problematik thematisiert werden, daß die gerühmte »Augenhöhe« im Dialogprozeß der Deutschen Bischofskonferenz oft nur zu erneuten Ausgrenzungen führt. Besonders da, wo Verbände wie das ZdK für sich beanspruchen, für katholische Laien zu sprechen, schien es mir wichtig, darauf hinzuweisen, daß sich katholische, »konservative«, also am Lehramt orientierte Christen oft mit ihren Anliegen marginalisiert fühlten. Auch hier gewann ich den Eindruck (»ET EGO IN…«), daß Blogger und Pressesprecher gegenseitig Verstehensbarrieren abbauen konnten.

Mein persönliches Fazit: Nicht nur die Freude am Glauben, sondern die auch Freude am Bloggen wurden während des Bloggertreffens gestärkt. Ein großes Dankeschön auch an den Stadtdechanten von Bonn, Msgr Wilfried Schumacher, der mit uns die Heilige Messe am Samstag feierte. Befreiend fand ich, daß die neuen Medien auch zu kurzen Wegen – nicht in einem ideellen Arkadien, sondern in der sehr konkreten ECCLESIA führen. Dabei ist für mich die Leitschnur das Gebet. Mir ist deutlicher geworden, wie oft Blogger und hauptberufliche Medienverantwortliche doch an einem Strang ziehen. Für mich ein Impuls, in die Bitte um den Heiligen Geist, die die Tage vor dem Pfingstfest liturgisch bestimmen, die Bitte um den Heiligen Geist für die kirchliche Medien einzuflechten. Komm herab, o Heiliger Geist!

Zum Weiterlesen:
Peter Winnemöller, Das Bloggertreffen war …
Pulchra ut luna: Gaudium verum res severa
St. Dymphnas Gedankenwelt
Religionspädagogik: Unterkomplex
Kalliopevorleserin: Bloggertreffen in Bonn
Beiboot Petri: Ein Wochenende in Bonn
Thomas sein Abendland: Wer recht spät kommt …
Non Draco sit mihi dux: Bloggertreffen 2013
Kathermometer: Bloggendentreffen auf dem Venusberg
Kreuzknappe: … reden miteinander
St. Christinas Ofenbank: #kbt13
Das Hörende Herz: Bloggertreffen, Review
Frischer Wind: Wir vom Seelsorgeamt
Bethanien bloggt: Teil I
Bethanien bloggt: Teil II
Pro Spe Salutis: Warum da nix bei rauskommen konnte

Donnerstag, Mai 02, 2013

Benedikt und Franziskus verstehen sich.

[Von Bastian]

Zum alten und zum neuen Papst:
Ich habe immer als Bild den Bau einer Kathedrale vor den inneren Augen.

Benedikt hat die Pläne gemacht und das Fundament gelegt. Das ist groß und kräftig geworden, sicher und fest verankert, und man konnte an ihm immer den Umriss des Bauwerks erkennen. Solide Wertarbeit.

Jetzt kommt Franziskus und baut auf den Fundamenten Pfeiler, Strebebögen, filigrane Säulen und große Fenster. Plötzlich ist der klare Umriss weg und alles wird zur Baustelle. Es ist beeindruckend, aber nicht mehr so einfach abzulesen. Es sieht viel zerbrechlicher aus, unfertiges muss noch von Gerüsten gestützt werden, Kunstwerke sind unfertig, Gewölben fehlt noch der Schlussstein.
Doch es ist der logische nächste Schritt - die logische Folge des soliden Fundaments. Kein Wunder, dass beide Päpste sich verstehen: sie bauen am selben Haus und wissen zu schätzen, was jeder tut.

Diskussionen, welcher Bauabschnitt der wichtigere ist, zeugen hingegen nur von mangelndem Sachverstand, genauso wie der Versuch, die Baustelle zur Ruine umzudeuten, weil man selbst zum Bauen zu faul ist und daher lieber klagt.

Samstag, April 06, 2013

Der Unterricht ist vorbei.

[Von Bastian]
Wenn man eine Sprache lernt, bekommt man Vokabeln beigebracht und die Grammatik erklärt. Hat man Glück, hat man einen Lehrer, der es versteht, das interessant zu machen. Hat man die Sprache bis zu einem gewissen Niveau gelernt, verlässt man die Schule und setzt das Gelernte ein. Jetzt, wo man sie nicht mehr ständig wiederholt, zeigt sich, ob die Übungen erfolgreich waren. Man lernt dabei im täglichen Einsatz weiter.

Wir hatten einen Lehrer, der uns die Sprache des Glaubens lehrte, die des Herzens und des Verstandes. Auf höchstem Niveau, unbeschreiblich interessant und faszinierend. Die Zeit an seiner Schule ist um. Der neue Chef wünscht nun unseren Einsatz als Lehrer und Übersetzer! Die Glaubenssprache muss denen, die sie nicht kennen, verständlich gemacht werden.

Er sagt nicht mehr so oft: „Lernt das und das“, sondern meistens „denkt an das, was Ihr könnt, und setzt es ein!“. Er hat Recht. Wozu hätten wir es sonst gelernt?
Nie käme er auf die Idee, damit zu meinen, es sei unwichtig, was wir gelernt hätten – im Gegenteil: genau damit schickt er uns los.

Ich weiß, dass meine ersten Schritte sicher stolpernd sein werden und meine Sprache stotternd.. Gott weiß das auch. Und solange es ihm nichts ausmacht, kann es mir egal sein.

Freitag, April 05, 2013

Das richtige gesagt, aber das falsche weggelassen.

[Von Bastian]

Es ist schon merkwürdig.
Auf Facebook gab es eine Diskussion über meinen letzten Beitrag (LINK).
Worum es ging: passend dazu um etwas, das ich NICHT erwähnt hatte: den Missbrauch. Dort sei Wandel dringend nötig (stimmt in vielen Dingen!) und der Text sei ein Plädoyer, das nach großer Angst vor Veränderung klinge.

Das Frappierende: die Diskussion mit der Person, die sich da engagiert, ist interessant und gut, auch wenn die Meinungen in ein paar Dingen sehr weit auseinander liegen. Und ich bin dankbar dafür, dass Menschen, die eine andere Meinung haben als ich, bereit sind, mit mir intensiv zu diskutieren und dafür richtig Arbeit in ihre Beiträge stecken. Darin steckt eine Bereitschaft zur Gemeinsamkeit auch mit Personen, deren Meinung als sehr defizitär empfunden wird, die ich bewundere und die vielleicht eine größere Einheit schafft, als viele ökumenische Bemühungen es könnten. Danke an dieser Stelle dafür.

Ich muss allerdings zugeben, dass es mich etwas fassungslos macht, dass ein Beitrag, in dem ich zur Ruhe angesichts von Änderungen aufrufe, als ängstlich kritisiert wird, und dass ein Thema, dass den Umgang mit der Schuhwahl des Papstes behandelt, sofort unter dem Missbrauchsaspekt gesehen wird.

Reden wir über Sex, kennt die moralinsaure Kirche kein anderes Thema. Reden wir nicht über Sex, ist gerade die Aussage darüber, dass wir Perversitäten gutheißen oder zumindest nicht anprangern.
Wie, ja wie nur können wir noch etwas vermitteln, was nicht unsere Sexualität respektive ihre Verzerrungen behandelt?

Donnerstag, April 04, 2013

Habemus Stress!

[Von Bastian]

Wir haben einen neuen Papst!
Ein sympathischer Mann, der aus einem anderen Kulturkreis stammt. So anders, dass Weihnachten dort ein Sommerfest ist und Ostern etwa dort liegt, wo wie Erntedank kennen. Wo Armut nicht anhand des Durchschnittseinkommens definiert und in Berichten festgehalten, sondern auf der Straße erlebt wird. Wo… kurz: es ist anders.

Dieser Papst hat mir viel Neues beizubringen. Wenn aber etwas neu ist, tue ich gut daran, es mir genau anzuschauen und zu versuchen, es zu verstehen, denn ich kenne es nicht: so geht Lernen.

Wie Lernen hingegen NICHT geht, erläutert am Beispiel der Multiplikation:
  • missbilligen, dass man sie nicht kennt.
  • missbilligen, dass etwas anderes als bei der Addition herauskommt.
  • fragen, ob es überhaupt erlaubt ist, zu multiplizieren.
  • dem Mathelehrer die Ehrfurcht vor der Addition absprechen.
  • feststellen, dass das x für „mal“ anders aussieht als das + für „und“ und deshalb anzweifeln, dass es sich noch um Mathematik handelt.
  • darüber diskutieren, ob Multiplikation nun die Fortführung der Addition oder ein Bruch damit ist.
  • hoffen, dass der Papst endlich die Subtraktion abschafft oder die persönliche Fußnote zur Grundrechenart erhebt.
Das vor Augen kommt man beim Lesen in den Medien schnell zu dem Schluss, dass große Teile unserer Bevölkerung hochgradig lernresistent sind, denn: genau so wird diskutiert. Absurd, das Ganze? Ja.

Offenbar erscheint Ungewohntes gefährlich, auch wenn es vom Heiligen Geist eingefädelt wurde. Könnte ja sein, dass der im Konklave nicht stark genug war oder nicht ganz bei der Sache.
Den Ausweg haben die Medien jedoch längst gefunden. Die gefahrlose Alternative zum Lernen ist das Spekulieren. Da brauche ich mich nichts Neuem zu öffnen, sondern kann die Dinge getrost von meiner gewohnten Warte aus im Hypothetischen halten. Es reicht, festzustellen, was anders ist, um den Unterschied dann anhand des Bekannten zu verwursten. Darauf stürzen sich derzeit die Medien! Denn Medien können sich sehr viel vorstellen, nur eines nicht: dass sie selbst zu einem Urteil noch nicht in der Lage sind.
Und so wird vor allem über das geredet, was nicht ist: nicht da, wie rote Schuhe, nicht mehr, wie Benedikts Art, Papst zu sein, oder noch nicht, wie das, was aus Georg Gänswein einmal werden könnte. Wird dann tatsächlich einmal über Franziskus geredet, dann fast immer im Zusammenhang mit einem „Nicht“: ob er die Fortführung vom Nicht-Mehr-Papst ist oder nicht, ob seine Bescheidenheit echt ist oder nicht etc. pp. Es wird spekuliert ohne Ende.
Das Schönste ist, dass man, gerade indem man nichts weiß, den Papst dabei viel besser zu verstehen glaubt, als er es selbst kann. Dadurch, dass er ständig mit unpassenden Maßstäben gemessen wird, erscheint auch alles unpassend und fremd, was er so tut. Man könnte den Eindruck gewinnen, der Papst sende unentwegt Zeichen aus, deren tiefen Sinn er selbst jedoch nicht ganz versteht. Dabei sind es in Wahrheit wir selbst, die gleichsam mit einer Karte von Deutschland durch Argentinien fahren, und, intelligent, wie wir sind,  feststellen, dass die Straßen falsch gebaut sind. Wir sind es, die es vorziehen, alles durch den Filter der Gewohnheit zu betrachten, anstatt Neues zu lernen. Durch diese Filter passt Franziskus nicht, und schon läuten die Alarmglocken. Kein Wunder, dass mancher sich Sorgen macht.

Es ist, denke ich, an der Zeit, sich Zeit zu lassen. Nicht nur der Papst braucht sie, sich in sein neues Amt zu finden – auch wir brauchen Zeit, ihn kennen zu lernen. Ihn und seine Art, Papst zu sein. Wir sollten uns selbst nicht so stressen! Nicht der vorschnelle Verdacht ist Stärke, nicht das Urteil ohne Basis, das gefällt wurde, bevor die Zeit dazu reif war, das Vorurteil. Hier liegt die katholische Kraft wirklich in der Ruhe, die nicht fragt „Was macht der Papst alles falsch“, sondern fragt: „Heiliger Geist, was willst Du von MIR?“

Mittwoch, April 03, 2013

Montag, März 25, 2013

Komplementäre Kontinuität


[Peter Esser] Katholische Los Wochos liegen hinter uns. Mitten in den Karneval – ich befand mich sogar im Brennpunkt des Düsseldorfer Straßenkarnevals – platzte die Nachricht vom Rücktritt des Heiligen Vaters, Benedikt XVI. Seit den ersten Tagen seines Pontifikats war Josef Ratzinger irgendwie mein Papst, denn zufälligerweise las ich während des Sterbens Johannes Pauls’ II, der anschließenden Trauerzeit und des Konklaves die »Einführung in das Christentum«.

Dieser Mann, mit dessen Gedankenwelt ich vertraut war, stand auf einmal der universalen Kirche als Vicarius Christi vor. Und dann einen Papst auf der Benediktionsloggia zu sehen, der nicht »Paul« oder »Johannes Paul« hieß, war eine neue Erfahrung. Eine völlig neue Erfahrung des christlichen Lebens war dieses unbefangene Schöpfen aus der geistlichen Tradition der Kirche. Ich begann, die Kirchenväter zu lesen, das Gebet wurde bereichert durch das konsequentere Mitbeten des Tagzeitengebetes. Ja, die Kirche in der Kontinuität ihres Lehrens und Betens war vertrauenswürdig. Das war eine geistliche Erfahrung, die mich innerlich stärkte und seither in meinem Denken und hoffentlich auch in meinem Tun leitete.

Aber ich wußte noch nicht alles von Josef Ratzinger, hatte seine Schriften und Gedanken zur Liturgie noch nicht zur Kenntnis genommen. Alles »Vorkonziliare« war noch ausgeblendet – und wie so vielen Katholiken schien es mir sogar etwas verdächtig. War die Wiederentdeckung des liturgischen Formalismus, des »recte et rite« nicht ein Rückfall in eine alte Gesetzlichkeit? In eine klerikale Arroganz, die notwendig in Widerspruch zu meiner in einer geistlichen Bewegung, der Charismatischen Erneuerung erworbenen christlichen Freiheit, des »du-zu-du« der Gottesbegegnung treten mußte? Im Jahre 2007 kam es zu diesen zungenbrecherischen Akt, dem Motu Proprio »Summorum Pontificum« … und prompt hatte ich mich zu fragen: Gab der Papst den »Gestrigen« mit ihrer alten lateinischen Messe recht?

Doch andererseits hatte ich nie einen Grund gehabt, Josef Ratzingers / Benedikts theologische Linie anzuzweifeln oder gar anzufeinden. Ich beschloß, der Sache auf den Grund zu gehen und wenigstens einmal eine solche Messe in der Außerordentlichen Form zu besuchen.

Mit dem Erfolg, daß ich meine neue Pfarrei gefunden hatte. Von diesem Weg habe ich ja bereits hier berichtet. Der neue Ritus bleib ja meine Heimat, aber die alte Liturgie wurde eine Gebetsschule; mir mehr und mehr vertraut.

Nun war der Papst also plötzlich nicht mehr … jedenfalls nicht mehr Papst, Statthalter Christi, Diener der Diener Gottes. Wenn man von der Trauer um einen plötzlichen Verlust die Trauer abzieht, bleibt der Schock. Trauer verbot sich von selbst, denn der Heilige Vater war ja nicht tot; er ließ seinen Gläubigen noch zwei viel zu kurze Wochen, sich mit den Gegebenheiten abzufinden.

Jeder geht mit einem schockierenden Erlebnis anders um. Ich wurde still; mein Alltag stellte mich ohnehin vor Herausforderungen, die schwer zu bewältigen schienen. Ich hatte Schwierigkeiten, die immer neuen Letztmaligkeiten anzunehmen: Die letzte Eucharistiefeier im Petersdom, die letzte Audienz, das letzte dies und das letzte jenes. Sogar das tägliche Gebet für den Papst wurde mir fast unaussprechlich: »Wir bitten Dich für unseren Papst Benedikt. Erhalte ihn deiner Kirche und gib, daß sie wachse im Glauben und in der Liebe« – das ging mir nicht mehr so leicht über die Lippen.

Und dann der Mittwoch vor zwei Wochen. Ich hatte die Abendmesse mit einem Freund besucht und das Smartphone mit der Pope-App auf der Bank liegen. Ausnahmsweise einmal. In das Schlußlied hinein auf einmal die Gewißheit: Weißer Rauch. Habemus Papam.

Nichts wie nach Hause; am TV verfolgten wir gebannt, wie sich die roten Samtvorhänge am Balkon bewegten. Bergoglio! – Ja, ich hatte mir bereits während der Sedisvakanz seinen Wikipedia-Eintrag herausgesucht, aber das war es auch – und dann: Qui sibi nomen imposuit Franciscum!

Ein Unbekannter stand auf einmal auf dem Balkon – ich war so verblüfft, daß mir nicht einmal auffiel, wie ungewöhnlich weiß die Gestalt des neugewählten Papstes aussah. Der lange Blick auf die Menschenmenge auf dem Petersplatz, als sei dies die erste Weise des Kennenlernens, das Betrachten. Der fast schüchterne Gruß mit einer Hand (»Hi!« würde ihm später eine Bildunterschrift in den Mund legen), die Augen, die zu fragen schienen: »Wißt ihr, was ich für euch zu tun im Begriff bin?«

Und der Name Franziskus. »Leo« wurde gemutmaßt, könnte ein neues Pontifikat charakterisieren. Einige hatten ja schon auf einen Piuspapst gehofft. Das Neue dieser Wahl und des Auftretens fiel auch einem bekennenden Nichtvatikanisten wie mir sofort auf. Auf die fehlende Mozzetta –ich gestehe es – hat man mich erst bringen müssen.

Aber wie konnte diesem Mann der einfachen Worte nicht meine Sympathie zufliegen? Wie können seine Predigten, die eher Exerzitienimpulsen gleichen, nicht das Herz für die Gegenwart Christi aufschließen? Benedikt und Franziskus, was für eine Regie des Himmels: Zwei Heilige, die für den Aufbau und die innere Reform der Kirche stehen, die mit den Charismen ihrer Gründungen für das Gesamte der Kirche stehen, für eine komplementäre Kontinuität!

Hatten einige Leute gehofft, der Papst würde irgendwann wieder einmal die Tiara, die dreistufige Papstkrone als Zeichen für die Königsherrschaft Christi anlegen, so bleibt jetzt die nüchterne Feststellung: So wenig monarchisch haben wir keinen Heiligen Vater gesehen. In das Lob der Demut und Bescheidenheit vermag ich nicht einzustimmen; denn der Papst ist meines Erachtens nicht bescheiden oder demütig. Er hat nämlich Romano Guardini gelesen, der in seinem Buch »Der Herr« feststellte, daß Demut im eigentlichen Sinne nur Gott selber zukommt. Der Mensch kann dieser Demut gegenüber nur »wahr« sein. In sehr energischen Entscheidungen hat Franziskus deutlich gemacht, daß er vorhat, »wahr« zu sein.

Das Ablegen päpstlicher Insignien steht in einer Tradition der letzten fünfzig Jahre. Das ist nichts radikal Neues, wie einige jetzt glauben. Ich bin sehr gespalten in der Frage, ob hier Wesensmerkmale des Papsttums zu Schaden kommen, aber ich vertraue dem Heiligen Vater. Und überhaupt: Sollte sich die Binde- und Lösegewalt des Papstes sich auf alles beziehen, aber nicht auf die eigenen Schnürsenkel?

»Und unter euch, im Kardinalskollegium, ist auch der zukünftige Papst, dem ich schon heute meine bedingungslose Ehrerbietung und meinen bedingungslosen Gehorsam verspreche.« Diesen Worten »meines Papstes« schließe ich mich aus ganzem Herzen an.

Samstag, März 23, 2013

Ergebnis religiöser Erziehung

Ich sitze vor dem Computer und betrachte das Bild von Franziskus und Benedikt gemeinsam auf der Kniebank. Ein Sohn kommt vorbei, sieht das Bild, stutzt und bleibt stehen. Er weiß, dass Bildbearbeitung bei mir zum Job gehört.
Sohn: "Was ist das denn? Wie haben die das denn gemacht?"
Papa: "Das ist echt. Die treffen sich gerade."
Sohn: "Und die beten."
Papa: "Ja."
Sohn: "Oh, geil!"
Und weg ist er.
Ich glaube, ich kann zufrieden sein.

Montag, März 18, 2013

Sonntag, März 17, 2013

Kleines Zeugnis

[Von Bastian]

Mein "dienstältester Freund" (wie wir das immer nennen) kam heute vorbei. Er hat mit der Kirche nichts am Hut (gelinde gesagt!).
Er meinte: "Du weißt, dass ich mit der Kirche nichts zu tun habe. Aber als ich den Namen vom neuen Papst gehört habe, hatte ich plötzlich ein ganz starkes Gefühl von Hoffnung!"
Ich sagte nur, der Name sei wirklich cool. Dann redeten wir über anderes. Ich gebe seit langem sehr viel auf seine Meinung!

Samstag, März 16, 2013

Arme Kirche!

[Von Bastian]

Wir tragen viel von Benedikt im Herzen. Wir haben es geliebt, wie er sich demütig in sein Amt einfügte. Er mag als Privatmann weder übermäßige Zurschaustellung seiner Person noch Pomp, doch beides nahm er mit seinem Amt auf sich. Mehr noch: er füllte all die Zeichen, die es in der Liturgie und im Protokoll des Vatikans gibt, derart mit Leben, dass man zu begreifen begann, wie großartig sie sind und welche Tiefe und Weisheit in ihnen steckt. Er erweiterte die Liturgie um den Alten Ritus. Er öffnete die große Kammer kirchlicher Schätze und holte, ganz biblisch, Altes und Neues daraus hervor. Benedikt machte die Kirche groß und reich.

Manches an den ersten Auftritten von Franziskus hingegen irritiert uns. Er betritt den Balkon nur in Weiß. Er setzt sich über viele Sitten und Erwartungen, die einen neuen Papst betreffen, hinweg. Er verwendet in seiner ersten Messe einen einfachen Volksaltar. Es kommt bei vielen nicht nur demütig und einfach, sondern fast schon wie eine Missachtung des Amtes an. Wie eine Geringschätzung dessen, was Benedikt erreichte.

Es wäre falsch, diese Irritation einfach als Engstirnigkeit oder geistliche Unbeweglichkeit abzutun. Wenn wir Benedikt ernst nehmen - und das tun wir! – ist es klar, dass wir Dinge vermissen, deren Wichtigkeit uns gerade durch seine Anleitung in den letzten Jahren immer klarer geworden ist. Kommt jetzt der Bruch?

Nein, es kommt kein Bruch. Was hier kommt, ist die Betonung eines Aspektes, den Benedikt längst eingeführt hat, der aber viel zu wenig in unser Bewusstsein gedrungen ist. Als Benedikt von Entweltlichung sprach, war das erste, was unsere Kirche in Deutschland klarstellte: dabei gehe es nicht um die Kirchensteuer, nicht ums Geld! Unser Wohlstand bleibe unangezweifelt. Es gehe eher um abstrakte Dinge wie eine innere Haltung oder geistliche Prioritäten. Die Perspektive materieller Armut der Kirche wurde zum Luxusgut, meditiert auf dem Berggipfel eines sicheren Steueraufkommens. Selten wurde eine praktische Aufforderung derart schnell in eine Theorie verwandelt. Selten sind einem Tiger derart schnell seine Zähne gezogen worden.

Wir sitzen am Fernseher oder Computerbildschirm und machen uns Gedanken. Das Prinzip geistlicher Armut haben wir oft diskutiert. Über Hartz IV und den Niedriglohnsektor auch – uns ist klar, dass hier Handlungsbedarf besteht.
Papst Franziskus jedoch kommt aus Argentinien, wo er lange Jahre Bischof war und täglich Dinge erlebte, sah und hörte, die es bei uns auch im Zeitalter von Hartz VI (fast) nicht gibt: wirkliche, lebensbedrohende Armut. Man sagt ihm ein großes Herz für die Notleidenden nach. „Ich möchte eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen“ verkündet er bei seinem ersten Treffen mit den Medienvertretern, also genau vor dem Publikum, das für eine Verbreitung dieser Aussage Sorge tragen wird. Es ist ihm ernst. Es ist ihm so ernst, dass er es vorzieht, diesem Aspekt herauszustellen, als sich sofort in das Amt einzufügen, wie man es von ihm erwartet. In päpstlicher Vollmacht hat er dem Entweltlichungstiger als erstes neue Zähne verliehen – mehr und schärfere als er jemals hatte. Und die werden manches bei uns beißen, was uns lieb geworden ist.

Es geht nun nicht darum, dass wir ab jetzt die Freude an einer feierlichen Messe gering schätzen oder den kirchlichen liturgischen Reichtum für unwichtig halten sollen. Papst Franziskus möchte auf dem Glauben und der Freude daran aufbauen, die seit Benedikt auch daher kommt, dass wir unsere katholische Fülle kennen und schätzen. Es geht nicht darum, wichtige Dinge zu vermissen, sondern darum, andere wichtige Dinge zu lernen. Letztlich geht es um die Umsetzung dessen, was Benedikt lehrte.

Der neue Papst hat der europäischen Kirche ein großes Geschenk mitgebracht, das sie dringend braucht: die Armut.

Gedankensplitter

[Von Bastian]

Teilweise sind es Begriffe, vor denen wir erschrecken. Franziskus versteht die Kirche als etwas, das ständig voranschreiten muss. Die, die ständig Fortschritt wollen, haben in unseren Gemeinden jedoch schlimmen Schaden angerichtet. Wir werden lernen müssen, dass Voranschreiten und Fortschrittlichkeit im Sinne eines Memorandums nicht miteinander zu tun haben. Wir werden einiges lernen müssen.

Freitag, März 15, 2013

Ich frage mich, was denkt ein Papst…

… über Armutsprobleme in einem Land, dessen Sozialhilfe für viele in seiner Heimat großen Reichtum bedeuten würde?

… der in seiner Heimat gegen Korruption und unsittlichen Lebensstil kämpfte, über eine Kirche, die es nicht schafft, sich wirklich von einem Verlag zu trennen, in dessen Bereich Pornographie hergestellt wurde und die daran verdiente?

… der auf die Straße gehen will, um Menschen in die Kirche zu holen, wenn Christen sich stattdessen streiten, in welchem Ritus die Messe dann gefeiert werden soll?

… der ein besonderes Herz für die Armen hat, über ein Land, in dem mittels einer Kirchensteuer Gremien finanziert werden?

… der im Heiligen Geist gewählt wurde, der Fels der Kirche zu sein, wenn ihm andere erklären wollen, was Tradition und das Messopfer wirklich sind?

… der Menschen vor einem Terrorregime versteckt hat, von Priesterinitiativen und Laiengruppen, die Rebellion gegen die Kirche predigen?

… der in seiner Heimat Menschen auf der Straße verrecken sah, von einem Land, das ihm erzählen will, die hiesigen Probleme seien die wichtigsten der Weltkirche und ohne Kondome gehe gar nichts?

Orientierungshilfe

[Von Bastian]
Woher die ganzen interessanten Diskussionen stammen:


Donnerstag, März 14, 2013

WiSiKi spricht - Echo Romeo kommentiert.

Aus gegebenem Anlass (LINK) holen wir einen alten Cartoon wieder hoch:

 

Enthüllungen und kein Ende. Wie ich soeben erfahre, hat die allseits beliebte Massenkirchenfolkbewegung »Wir sind Kirche« jetzt eine Tochtergruppierung in der Ewigkeit gegründet.

(Idee von Sebastian (Sierra Victor), Umsetzung Peter Esser.)

Offen für neue Kriterien?

[Von Bastian]

"Wenn wir rausgehen auf die Straße, dann können Unfälle passieren...aber wenn sich die Kirche nicht öffnet, nicht rausgeht, und sich nur um sich selbst schert, wird sie alt. Wenn ich die Wahl habe zwischen einer Kirche, die sich beim Rausgehen auf die Straße Verletzungen zuzieht und einer Kirche, die erkrankt, weil sie sich nur mit sich selbst beschäftigt, dann habe ich keine Zweifel: Ich würde die erste Option wählen."
(Papst Franziskus)

Der neue Papst ist da. Jetzt ist es an mir, ihm zu folgen.
Es ist noch zu früh, irgendetwas über das neue Pontifikat zu sagen. So früh, dass es schon dümmlich wirkt, auf diese Unmöglichkeit überhaupt hinzuweisen. Es sei entschuldigt angesichts vieler selbstsicher klingender Analysen, geschrieben von Leuten, die keine Ahnung haben, in Zeitungen, die dagegen sind.

Worüber ich schreiben könnte, wäre mein erster Eindruck. Das lasse ich lieber. Denn Benedikt XVI mochte ich anfangs gar nicht…
Was ich fortführen möchte, sind Gedanken zum Thema „Treue zu Rom“. Und da stelle ich fest, dass der Heilige Vater Franziskus mir allein durch seine Existenz bereits Fragen stellt. Denn gerade indem ich nichts über ihn und die Zukunft weiß, weiß ich auch nicht, ob meine Gedanken und Probleme überhaupt noch relevant sein werden. Natürlich weiterhin für mich, doch haben sie den Stellenwert, den ich ihnen zugewiesen habe, oder wird die Situation der Kirche künftig anhand von ganz anderen Kriterien bewertet? Die Presse macht es uns täglich vor: man kann nicht nur an bestimmten Lösungen hängen – man kann auch in Bezug auf die zu stellenden Fragen festgefahren sein. Bin ich es?

Was muss sich an der Kirche ändern? Ich, hält Mutter Teresa mir mit Recht vor Augen.
Benedikt hat mich gelehrt, wie wichtig die Kirche ist. Dass ich Gott folge, indem ich ihr folge. Jetzt zeigt sich, ob ich damit letztlich doch mich selbst und meine Erkenntnis gemeint habe. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem ich mich entscheiden muss, ob ich Papst Franziskus „kritisch begleite“, um mich von seiner Vertrauenswürdigkeit überzeugen zu lassen, oder ob ich ihm von Anfang an offen folge, im Glauben, dass Gott die Kirche führt.
Bei Benedikt XVI war es mir leicht, das nachzuvollziehen. Vielleicht wird es wieder einfach. Vielleicht aber muss ich auch das erlernte Vertrauen jetzt anwenden. Doch das kann ich nicht alleine – ich brauche Gottes Hilfe.

Was ich jetzt tun muss, ist beten. Allerdings nicht gleich für den Papst, dass er die Kirche richtig führen möge, auch wenn das wichtig ist. Solange ich noch „richtig“ gleichsetze mit „wie ich es für richtig erkenne“ - und das tue ich sicher zu einem guten Teil - laufe ich Gefahr, nicht im Willen Gottes, sondern im eigenen Willen zu sein. Erst brauche ich das Gebet zum Heiligen Geist, dass er mir all die Offenheit, Bereitschaft und Liebe schenkt, die es braucht, um segensreich Mitglied unserer Kirche sein zu können.
Was mir auf dem Herzen liegt, wäre:

Komm, Heiliger Geist, und schenke mir ein Herz, das Dich ersehnt.
Schenke mir einen freien Geist, der Dir folgt.
Schenke mir Augen, die Dich auch dort erkennen, wo es mir unbekannt ist.
Lass meinen Willen, meine Wünsche und Vorstellungen, meine Gewohnheiten aufgehen in Dir.
Mache mich frei von mir selbst und lass mich Dir in Deiner Kirche folgen, durch die Du uns führen und leiten willst.
Amen

Dienstag, März 12, 2013

Mit den eigenen Wünschen allein…

[Von Bastian]
Die Tür ist zu. Und jetzt? Warten. Erwarten. Aber was?

Wenn ich im Internet die Kommentarspalten lese, scheinen da zwei unterschiedliche Strömungen zu herrschen, die sich für sachlich halten, mir jedoch wie Befindlichkeitsäußerungen vorkommen.

Die eine Strömung hofft vom neuen Papst, er möge bitte all das erlauben, was bisher verboten war, was man aber gern hätte. Dann wäre die Kirche in Bewegung und freier.
Nur geht das von einem falschen Kirchenbild aus, denn die Kirche verbietet im eigentlichen Sinne nichts. Sie macht etwas, das viel mehr als Verbote schmerzt: sie sagt, wo die Wahrheit liegt und überlässt es jedem selbst, sich danach zu richten oder nicht. Verbote kann man ändern oder ignorieren. Doch der Wahrheitsanspruch steckt wie ein Stachel im Fleisch. Und man selbst ist es, der ihn dort hinein stößt: den nagenden Zweifel, dass die katholische Lehre, die das eigene Leben radikal infrage stellt, wahr sein könnte, den hat man selbst zugelassen. Es ist das Aufbäumen der eigenen Seele, die sich meldet, wenn sie die Wahrheit hört. Es ist das schmerzhafte Zeichen, dass Hoffnung ist. Vielen Menschen ist dieser Schmerz inzwischen so unerträglich, dass sie die Kirche am liebsten zum Schweigen bringen würden. In der Hoffnung, dass die Seele dann Ruhe gibt.
Hinter der Strömung „Weg mit den Regeln!“ meine ich, den inneren Konflikt herauszuhören, der eigentlich meint: „Es tut weh!“ In diesem Licht sind solche Konflikte keine berechtigte kritische Anfrage an die katholische Lehre, sondern ihre Bekräftigung.

Die zweite Strömung hofft, ein neuer Papst möge all das sanktionieren, was man selbst gerne aus der Welt hätte. Dann wäre alles besser.
Wenn es auch stets viele theologische Gründe dafür gibt: mir bleibt immer wieder der Eindruck, dass hier der eigene Zorn zum Leiter gemacht werden soll. Viele Äußerungen lassen vermuten, dass die Hoffnung auf Strafe gesetzt wird, sei es die Strafe für Sünden oder seien es Sanktionen gegen bestimmte Personen. Nur dass Strafe die Übertretung eines Verbotes voraussetzt, die Kirche jedoch nichts verbietet, sondern die Wahrheit verkündet.
Wenn der eigene Frust, dass sich diese Wahrheit nicht besser durchsetzt, zur Annahme führt, dann müsse man halt durchgreifen, entsteht ein Irrtum, der zum gleichen falschen Kirchenbild führt wie die erste Strömung: die Kirche, die politisch agiert und nicht verkündet.

Und ich? Wie komme ich dazu, das hier so anzuprangern?
Ich komme dazu, weil ich beides in mir selbst entdecke. Weil ich mir eben auch Sorgen mache, ob ich denn wieder einen Papst bekomme, bei dem mir das Gehorchen derart leicht fällt. Ich kann mir das fast nicht vorstellen.
Doch wenn ich in letzter Zeit stets geschrieben und gesagt habe, dass ich die Treue zu Rom und zum Lehramt für eine wichtige Sache halte, muss ich jetzt auch dazu stehen. Die Zeit des Wartens ist für mich eine Zeit der inneren Prüfung: bin ich bereit, auch weiterhin zu folgen? Letztlich: vertraue ich auf Gott oder meine Vorstellungen? Meine Vorstellungen nehmen weiten Raum ein! Schaffe ich es, sie Gott anzuvertrauen?
Ich erhoffe einen Papst, der fest in Gottes Wahrheit steht. Einen betenden, Gott liebenden Papst, der den Heiligen Geist durch sich wirken lässt. Dann ist der Rest Nebensache.

Ein Versuch, auf Einwände gegen Benedikt XVI zu antworten.

[Ein Gastbeitrag von Wolf]

Soweit ich es übersehe, unvollständig selbstverständlich, wird Papst Benedikt vorgeworfen, er habe die Kirche nicht "reformiert" im Sinne eines Umsetzens der o.g. Anliegen.
In der Tat, natürlich kann dies als Mangel seines Pontifikats kritisiert werden. Er hat es unterlassen, die Kirche zu verweltlichen, den Wünschen der Gesellschaft, oder auch deren Vorgaben, anzupassen. Im Gegenteil: er forderte die Entweltlichung der Kirche.

Diese Kritik ist in meiner Sicht nicht überzeugend. Ich teile sie nicht.
Die Größe seines Pontifikates liegt für mich gerade darin, auch darin, daß er diesen Forderungen der Gesellschaft anderes entgegengehalten hat. Nicht Zustimmung der Akzeptanz wegen, nicht so betriebene Sicherung der (Macht-)Position der Kirche, nicht leichtere "Verteidigung" der Zugehörigkeit zur Kirche durch Modernisierung. Sondern Zumutung des Aushaltens der Distanz zur Gesellschaft, und dem Angebot seiner Begründung der Richtigkeit in seinen Werken und Handlungen.

"Unmenschlich und weltfremd" sei die Kirche "unter" ihm "geblieben", hörte ich.
"Weltfremd": nun ja. Das mag so sein, ihm folgend. Und dies mag auch gut sein, für mich. (Soeben hörte und sah ich dieses Youtube-Video, zur Passion des HERRN, nichts Versöhnliches, keine Gesellschaftskonformität.) Unser Glauben ist nur selten ohne Distanz zur gegenwärtigen Gesellschaft zu leben, Anderssein-Aushalten, zumindest im Versuch, gehört dazu. (Meine eigenen Anpassungen, Lauheiten sprechen nicht dagegen, ich weiß darum und es grämt mich sehr; immer wieder.)

Anpassung an die Gesellschaft wurde von Benedikt verweigert, in der Praxis, in seinen Büchern: "... der Preis für die Verschmelzung von Glauben und politischer Macht besteht zuletzt immer darin, dass der Glaube in den Dienst der Macht tritt und sich ihren Maßstäben beugen muss." (Jesus von Nazareth, Bd. 1, S. 69) Das gilt für die Gesamtbeziehungen, und für einzelne Aspekte, m.E. Weltfremd? so gesehen, wiederholend: sehr gut so. (Differenzierungen hinsichtlich der Einzelanliegen können und sollen sein, ggf., aber für mich müssen sie vom Lehramt ausgehen, nicht als Reaktion auf Vorhaltungen dieser Gesellschaft.)

So gesehen ist auch die Überraschung über seinen Rücktritt verständlich: freiwilliger Machtverzicht ist dieser Gesellschaft fremd, bedroht sie in ihrem Suchtverhalten, wie auch die freiwillige sexuelle Enthaltsamkeit. (Deswegen muß in den Augen der Gesellschaft letzteres zu Verbrechen führen, ersteres kann nicht freiwillig sein, sondern muß Ausdruck von Verschwörungen sein; und so werden ja auch schon Theorien gestrickt.)

"Unmenschlich" - so nur verständlich, wenn "menschlich" als "Mensch bzw seine Bedürfnisse ist/sind Maß aller Dinge" verstanden wird, in Hinsicht auf solche Bedürfnisse, welche in der jeweiligen Gesellschaft vorgegeben werden. Hier: Beliebigkeit, Manipulierbarkeit ("Meinung", nicht Wissen, ist gefragt), Begierden ("Hol es Dir"), Macht und Geld und sexuelle Augenblicksbefriedigung, ... so gesehen kann ein Leben nach den Geboten des HERRN, nach der Bergpredigt, nach all den wirklich schönen und guten Werten, nicht "menschlich" sein. Und eine Kirche, die ebendiese Werte vertritt, ist "unmenschlich". Dann auch hier: richtig so, für mich.

Dies wurde eher spontan geschrieben - ich stelle es dennoch in den Raum, behalte mir bessere Erkenntnis vor und auch Ergänzungen. Für Fehler bitte ich um Nachsicht.

Freitag, März 08, 2013

Warum das ...

... mit dem Konklavebeginn so lange gedauert hat.


»Gott braucht dich nicht« – Eine Buchbesprechung


»Gott im Himmel hat an allen

seine Lust, sein Wohlgefallen;

kennt auch dich und hat dich lieb«

[Peter Esser] Braucht Gott mich? Kennt er mich? Die Frage löst möglicherweise betretenes Schweigen aus. Und vielleicht will ich das lieber gar nicht so genau wissen. Wenn ich nicht allzu viele Hoffnungen formuliere, kann ich nicht enttäuscht werden …

Esther Maria Magnis, Jahrgang 1980, berichtet in ihrer Lebensgeschichte von ihrer eigenen Glaubenserfahrung. Aus jeder Zeile ihres Buches spricht ein junger Mensch, für den die Frage nach Gott existentiell wird. »Gott braucht dich nicht« ist die Erfahrung einer Jugendlichen, die Anstoß an der Kirche nimmt, weil sie im Innersten die Hilflosigkeit und Betretenheit der Erwachsenen spürt, sobald die Rede auf Gott kommt. Oder auf die Erfahrung des Sterbens.

In einer sehr farbigen Sprache schildert sie die kindliche Erfahrung eines Gottes, der »gleichzeitig etwas sehr Wahnsinniges zu haben« schien »und etwas sehr Zartes«. Esther Magnis Beobachtungen sind lesenswerte literarische Miniaturen. Mit der Pubertät verliert sich das Interesse an Gott, und die Verkündigung eines Jesus auf  vermeintlicher Augenhöhe ist nicht gerade dazu angetan, ihr Interesse neu zu entfachen:

»Ich hatte genug Freunde. Ich brauchte als Vierzehnjährige nicht noch einen Unsichtbaren und schon gar keinen orientalischen Pazifisten mit Schlappen und Vollbart, der sich für mich, wie ich dachte, eh nicht sonderlich interessiert hätte (…). Man konnte ihn neben Gandhi abhaken unter der Kategorie: ›Der Typ war okay.‹«



Mit fünfzehn Jahren bricht in Esthers Leben unvermittelt die Nachricht von der Krebserkrankung ihres Vaters ein. Der abgründige Ernst, der in Esthers Lebensbeschreibung schon auf den ersten Seiten nicht fehlt, tritt als Akteur hervor, übernimmt die Regie der Familie. Von nun an versucht jeder auf seine Weise, mit der plötzlichen Gegenwart von Krankheit, Furcht und Hoffnung fertig zu werden. Es ist berührend, wie die Kinder beginnen – fast wie bei einem geheimen Treffen – miteinander auf dem Dachboden zu beten.

Das ersehnte Wunder bleibt aus. Esther beschreibt auf den Seiten ihres Buches, wie sie an der Banalität des eigenen Weiterlebens nach dem Tod des Vaters fast zerbricht.

Und doch bleibt die Suche … und fast spielerisch gibt die Wiederentdeckung einer Liedzeile, eines kindlichen »Zauberwortes« ihr den Hinweis auf den Gott, den sie in kindlicher Unbefangenheit erahnen durfte, der ihr jedoch jetzt neu, groß und unberechenbar begegnet.



Und doch wird dieser wachsende Glaube dann noch einmal durch die Erfahrung eines Karfreitags geprüft. Hier ist keine bequeme Bekehrungsgeschichte zu lesen, die nach einem Schema »früher war alles mies – heute ist alles gut«  aufgebaut wird. Esther stellt uns die Frage, an welchen Gott wir glauben. Habe ich mich  mit einem Lückenbüßer-Gott eingerichtet, der mir besinnliche Stunden ermöglicht, solange alles einigermaßen gut läuft, oder ist Gott der Gott, der Mensch für mich wird, der meine gesamte menschliche Ausweglosigkeit auf sich nimmt? Kann ich glauben, daß Jesus den gesamten Kelch der Lebensbitternis ausgetrunken hat, um mir zu zeigen: Ich kenne dich.



Esthers Buch ist ihre Antwort. Meine Empfehlung ist: Das Buch lesen, mit Esther weinen und – ja, auch lachen – und dann die eigene Antwort geben.

Esther Maria Magnis

Gott braucht dich nicht: Eine Bekehrung 
Verlag Rowohlt



Samstag, Februar 23, 2013

Soviel mal zum Sankt Martin. Weil’s grad so paßt.



So isses! Nicht anstecken lassen!

Wer vor allem Geld, Sex und Macht im Kopf hat und die Welt an diesem Mass misst, der ist dann auch nicht imstande, in der Kirche anderes wahrzunehmen.

(Papstsprecher Federico Lombardi)

Freitag, Februar 22, 2013

Pille danach - ein Tabubruch der Kirche?

[Von Bastian]

Die Aussagen an sich sind klar: abtreibende Medikamente sind vor Gott verboten. Eine Empfängnisverhütung nach einer Vergewaltigung ist hingegen legitim. Jedes Medikament, das diese Anforderungen erfüllt, ist als Hilfe für die betroffenen Frauen nach einer Vergewaltigung einzusetzen.
Besteht die Möglichkeit einer Abtreibung als „Nebenwirkung“, ist zu unterscheiden. Besteht sie in hypothetischer Weise, etwa so, wie Aspirin zu Blutungen führen kann, darf man sie in Kauf nehmen, wie man eben Lebensrisiken allerorten in Kauf nimmt. Auch mit dem Auto kann man jemanden umbringen. Ist es hingegen so, dass die Abtreibung (Nidationshemmung ist hier eine Abtreibung) im System des Präparates mit angelegt ist und beispielsweise automatisch greift, wenn der Eisprung schon erfolgt ist, ist das Medikament für einen Katholiken nicht einsetzbar. Die Hoffnung alleine, dass die Wirkung nicht zum Tragen kommt, reicht nicht aus. Eine Frau, die ein auch abtreibendes Medikament verschrieben bekommen will, muss zu einer anderen Klinik gehen als zu einer katholischen.

All dies wirft keinerlei neues Licht auf den Umgang der Kirche mit der Abtreibungsfrage. Es beleuchtet vielmehr einen Aspekt der Moral in Sachen Empfängnisverhütung, die vielen noch nicht bekannt war. Die Diskussion in der Öffentlichkeit jedoch geht um ein anderes Thema. Viele Menschen sehen darin eine erste Kehrtwendung der Kirche in Sachen Embryonenschutz (welch ein Wort - in meinen Augen: Menschenrechte!), andere hingegen haben genau vor dieser Wahrnehmung Angst und vertreten die Ansicht, die „Freigabe der Pille danach“, die es so nicht gab, hätte nie erfolgen dürfen.

Die Angst, es könne damit ein fatales Signal gegeben werden, ist groß. Sie gründet weniger im Inhalt der Aussagen, als in der Möglichkeit, sie falsch zu verstehen. Denn überall dort, wo jetzt der Eindruck entsteht, die Kirche habe nachgegeben, verstärkt sich der (falsche!) Eindruck, hier gäbe es Verhandlungsmasse. Als sei es mit dem nötigen Druck eben doch möglich, Zugeständnisse in der Abtreibungsfrage zu erhalten. Alles scheint in Bewegung zu kommen, weil die Kirche ein Tabu bricht: eine Wahrheit, die sie als unumstößlich verkündet hat, hat einen Riss bekommen. Doch nichts, was Risse bekommt, hält ewig. Es will scheinen, als habe sich die Kirche selbst entlarvt: Was wir als Faktum verkünden, ist in Wahrheit eben doch relativ. Wir glauben letztlich selbst nicht, was wir verkünden. Wir bewegen uns in Richtung des Mainstreams, wenn auch sehr träge.
Wäre dem so – es wäre wirklich fatal, bedeutete es doch die Umkehr der Verkündigung: nicht die Kirche lehrt Gottes Wort, sondern die Gesellschaft führt die Kirche. Wäre dem so – die Kirche hätte ihren eigenen Anspruch verwirkt und als Garant der Wahrheit ausgedient.

Die Glaubwürdigkeit der Kirche basierte jedoch niemals auf ihrem diplomatischen Geschick, was ihre Außenwirkung angeht, sondern darauf, dass sie Gottes Wahrheit verkündet, der ihr selbst die Glaubwürdigkeit verleiht.
Dieser Wahrheit Gottes, der Wahrheit der Liebe, hat man, denke ich, einen guten Dienst getan. Sie lautet hier schlicht: Tötung ist verboten, jede andere Hilfe hingegen geboten. Die Wahrheit muss nicht durch zusätzliche Prinzipien geschützt werden. Sie muss nicht aus Angst vor einer Außenwirkung zurückgehalten werden. Nicht die Kirche schützt die Wahrheit – die Wahrheit trägt die Kirche. Das, was jetzt schwach und angreifbar erscheint, ist tatsächlich Stärke und macht die Kirche stabiler, weil sie zu beidem steht, was die Liebe gebietet: Lebensschutz und Hilfe. Weil sie sich nicht der Gesellschaft beugt, die sie dazu bringen möchte, das eine gegen das andere auszuspielen. Weil sie es eben unterlässt, denen Recht zu geben, die behaupten, sie verlasse die Liebe zugunsten eines engstirnigen Lebensschutzes.

In diesem Sinne erscheint es schlüssig, den Ärzten die Entscheidung zu überlassen, was verschrieben wird. Sie können gewährleisten, dass alles, was erlaubt ist, auch getan wird. Die Regeln sind so klar, dass ein Arzt weiß, was er zu tun hat. Er kann sich über dieses Wissen hinweg setzen und etwas Falsches verschreiben. Nur konnte er das auch vorher schon.
Dass es derzeit möglicherweise gar kein nachträglich zu verabreichendes Medikament gibt, dass die Anforderungen erfüllt, ändert an den Aussagen nichts: sie greifen eben dann, wenn es eines gibt. Vielleicht kommen sie niemals zur Anwendung. Eines jedoch ist so erfolgt: die Kirche stellte sicher, dass nichts unterlassen wird, das im Lichte Gottes möglich ist, um vergewaltigten Frauen zu helfen. Man darf von der Kirche erwarten, dass keine Hilfe aus prinzipiellen Überlegungen verweigert wird. Nicht das Prinzip zählt, nicht die Außenwirkung, sondern die Wahrheit der Liebe.

Mittwoch, Februar 20, 2013

Pferdefleisch im Vatikan aufgetaucht!

[Von Bastian]
Eine Lasagne aus einem römischen Supermarkt, die in den Vatikanküchen zubereitet werden sollte, enthielt Pferdefleisch. Sie wurde weggeworfen.

Nach Bekanntwerden dieses Skandals überschlugen sich die Nachrichten in der Presse und dem Internet.
So twitterte Claudia Roth: „An die vatikanische Maennerriege: Ich bin sehr betroffen!“ Auf Facebook schrieb sie, sie verstehe nicht „mit welchem Recht Männer mit Moral um sich werfen, die so weltfremd sind, dass sie keine Kuh von einem Pferd unterscheiden können“.
Der Theologe Hans Küng meinte im Spiegel-Interview, damit sei zu rechnen gewesen. Unter Benedikt habe der Vatikan zwar nachdrücklich alle Fehler und Missstände bei anderen verfolgt, jedoch der eigenen Situation keinerlei Augenmerk geschenkt. „Auch sein Rücktritt, als es eng wurde, konnte diese Katastrophe nicht mehr verhindern.“
Angela Merkel zollte dem Vatikan Respekt für sein entschlossenes Wegwerfen. Sie habe von einer der besten Küchen der Welt nichts anderes erwartet. Vermutungen der Presse, der Vatikan habe offensichtlich Beziehungen zum Springreiterverband und stehe hinter dem dortigen Dopingskandal, wies sie zurück. Das sei nicht bewiesen.
Gianluigi Nuzzi kündigte ein Buch an, in dem er die Packung der Lasagne vollständig veröffentlichen will.
Die Piusbruderschaft schreibt auf ihrer Website, wieder einmal zeige sich, dass große Teile der Kurie geneigt seien, jedem Trend hinterherzulaufen. Der inzwischen ausgeschlossene Bischof Williamson sagte, seiner Meinung nach habe es nie Pferde gegeben.
Familienministerin Schröder meinte, es heiße "das Pferd". Eigentlich könne man auch "das Kuh" sagen.
Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hingegen erhofft sich die Unterstützung der Kirche bei einer Gesetzesinitiative, den Begriff der Kuh auf Pferde auszuweiten, da seine derzeitige Engführung diskriminierend sei. „Wer versucht, mit einer Kuh am Dressurreiten teilzunehmen, wird ausgeschlossen. Wer Pferd futtert, bekommt Angst. Es ist nicht Aufgabe der Gesetzgebung, diese Spaltung festzuschreiben, sondern sie zu überwinden.“
Heiner Geißler sagte, seine Vision sei mittelfristig ein gemeinsames Mahl von Atheisten, Protestanten und Katholiken, wenn man es gemeinsam schaffe, nicht mehr von Kuh und Pferd, sondern nur von Fleisch zu reden. Die Unterschiede seien nicht mehr zeitgemäß. Frikadellen aus gemischtem Hackfleisch müssten eigentlich schon heute für alle Beteiligten tragbar sein.

Auch innerhalb der katholischen Kirche sorgt die Nachricht für Reaktionen.
Die Reste von WiSiKi und „Katholikentag von unten“ erklärten zur Lasagne übereinstimmend, sie hätten schon immer die besseren Rezepte gehabt.
Das Erzbistum Köln ließ verlauten, moralisch sei gegen den Verzehr von Pferd nichts einzuwenden, solange sicher sei, dass es sich um eine Kuh handele.
Hans Langendörfer schlägt vor, den Verkauf von Pferdefleisch an eine Stiftung zu übertragen, deren Vorsitz er gerne übernehme. Der Erlös könne für ökologische Projekte verwendet werden und zum Existenzerhalt der bedrohten Pferdemetzgereien.
Die Pfarrerinitiative teilte mit, eine Streichung vom Speiseplan sei wirklichkeitsfremd. Stattdessen legte sie eine copyrightgeschützte Liste mit Forderungen vor, wie Pferdefleisch zu würzen sei. Jesus habe nachweislich nichts gegen Pferde gehabt. Es sei ein Memorandum in Vorbereitung, das zu einem offeneren Umgang mit der Situation auffordern wolle. Toten Pferden sei auf Augenhöhe zu begegnen. Aus der Pressestelle der DBK hieß es dazu, man wolle niemanden vom Dialogprozess ausschließen.

Montag, Februar 18, 2013

Wer hat eigentlich die Rechte am Papst?

[Von Bastian]
Bastelanleitungen für einen neuen Papst kursieren zuhauf. Das ist schlüssig, denn da Religion bekanntlich Privatsache ist, sollte auch jeder den Papst haben, der zu ihm passt. Die Medien sorgen mit Nachdruck (auch im wörtlichen Sinne) dafür, dass jeder weiß, was er sich wünschen soll. Heile Welt für die Papstkritiker, sollte man meinen.

Doch nein. Ein ungeahntes Problem taucht auf: wie soll man sich aus der Menge der Kritiker noch herausheben? Die schönsten Forderungen an die Kirche und ihre Ämter sind für die Katz, wenn hinterher keiner wahrnimmt, dass ICH es war, der so tolerant und intellektuell überlegen daherkam. Wie komme ich nur ins Rampenlicht?

Die Pfarrer-Initiative macht es uns vor. Es ist so einfach! Sie meldet die Rechte am neuen Papst an. Ein Sieben-Punkte-Katalog mit Wünschen, wie ein neuer Papst bitte zu sein hätte, ist mit Copyright versehen. Wer das wiederholt, ohne ausdrücklich zu zitieren, kann mit einer öffentlichen Plagiatsverfolgung rechnen. Falsch zitieren ist bekanntlich gefährlich.
Copyright-Inhaber ist Peter Paul Caspar. Es dürfte sich dabei allerdings nicht um die eingedeutschte Version der Heiligen Drei Könige handeln. In diesem Fall wäre das Copyright nämlich verjährt oder läge beim Erzbistum Köln, wo der Schrein der Könige steht.

Dieser Schuss geht natürlich auch hinten los. Niemand wird so diese Forderungen verbreiten. Man will sich schließlich nicht strafbar machen. Es wird daher wohl nur Parodien geben – hier allerdings erst nach dem 28.2. Der Anstand gebietet das.
Auch die Formulierung der Sieben Zwer Wünsche wirft Fragen auf, beginnt doch jede Forderung mit „Ein Papst“. Man ist nach dem Lesen unsicher, ob hier nicht sieben Päpste gefordert werden.
Auch das Konklave hat nun einen Grund mehr, genau diese Forderungen NICHT zu erfüllen. Keiner will nach Vatileaks noch Pontiplag.

Doch wie dem auch sei: es hat Copyright. Ein genialer Streich.
Ich möchte die Rechte an dem Blödsinn zwar nicht haben – die kann die PI gerne behalten. Soll sie sie schützen: nichts Besseres könnte uns passieren. Für Küng& Co brächen harte Zeiten an, sagen sie doch genau dasselbe.
Dennoch muss ich anerkennen: Ideen muss man haben.

Donnerstag, Februar 14, 2013

In Ewigkeit - Omen?

[Von Bastian]

 Der Papst tritt zurück und im Vatikan schlägt der Blitz in den Petersdom ein. Ein Omen! Assoziationen, Deutungen und Ankündigungen quellen plötzlich aus jeder Ritze. Ein paar Gedanken zu einem Thema, das mir aktuell zu sein scheint.

„Nichts geschieht zufällig!“ raunt man sich auf Facebook zu.
„Ein Zeichen!“ liest man an anderer Stelle.
“Wofür? Was bedeutet es?“ „Kennst du denn nicht die Prophezeiung…“ Und flugs befindet man sich in Gesellschaft oft düsterer Propheten, alten mehr oder weniger geheimen Schriften und Mystikern, die aufgrund von Offenbarungen wissen, was hinter den Mauern des Vatikans wirklich passiert. Doch auch Visionen von Heiligen werden zitiert. Es gibt Erstaunliches in diesem Bereich, und auch kirchlicherseits bestehen durchaus nicht immer Einwände. Wie also damit umgehen?

Diskussionen darüber, welche Privatoffenbarung nun stimmt und welche Vision passt, sind regelmäßig ebenso nutzlos wie lang. Sie hinterlassen als Ergebnis meist ein dumpfes Gefühl - es ist, als beobachte man einen heranziehenden Sturm und versuche, die zu erwartenden Schäden noch schnell zu versichern. Naturgemäß bringt der Versuch wenig, jemanden zu beruhigen, der gerade einen Tornado aus Unheil auf sich zurasen sieht.

Das Problem ist, denke ich, vorrangig nicht eines von sachlich richtig oder falsch. Sollte dieses Urteil nötig sein, steht es allein der Kirche zu. Für mich als Christ ist es ist eher eine Frage nach der Richtung, in die meine Gedanken gelenkt werden: dort spielt sich die entscheidende Frage ab, die letztlich meine Umgehensweise damit bestimmen wird. Und da gilt: Richtig ist, wenn ich auf Gott schaue und getröstet werde. Falsch ist, wenn ich geängstigt werde oder meine Zuversicht nicht auf Gott stütze, sondern auf eine bestimmte in der Prophetie geforderte Reaktion meinerseits. Was mich nicht zu Gott führt, sondern in Angst oder geistliche Enge, ist nicht für mich. Es ist weise von der Kirche, sich mit Urteilen Zeit zu lassen und zudem festzuhalten, ich müsse Privatoffenbarungen nicht annehmen. Sie können eine Stütze sein, doch eines sind sie mit Sicherheit nicht: ein Geheimtipp für Insiderwissen, selbst wenn Omen und Prophetien dadurch für viele erst interessant werden.

In der Kirche jedoch gibt es kein Insiderwissen. In dieser Hinsicht ist sie langweilig, wie ein Krimi, dessen Schluss man kennt, denn Gott hat das Ende bereits verraten. Selbst wenn alle düsteren Prophetien und Ängste zutreffen und eintreffen sollten – nichts hätte sich geändert. Jeder weiß, wohin es geht. Mt 16,18 „Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ Das Ergebnis steht. Diese Zuversicht ist für uns. Wird sie verstärkt und werden wir motiviert – gut. Doch Ahnungen wie „die Kirche ist in Gefahr, unterzugehen!“ sind nicht christlich. Wie könnten wir Angst vor einem Ende haben, wenn unser Herr das Ende durch Auferstehung überwunden hat?

Prophetien sind zwar dazu geeignet, den eigenen Ängsten eine Sprache zu verleihen, sie sind aber nicht dazu da. Ein schweres Stück Weg, das vor uns liegen könnte, darf nicht zur Hauptsache werden. Als Petrus auf dem Wasser ging und den Blick auf die Wellen richtete, die auf ihn zukamen, ging er unter. Christus aber zog ihn einfach wieder hoch. Er ist der Herr über alles, selbst wenn ich zweifele.
Den Sinn von Prophetien, auch schlimmen, erklärt Jesus ganz praktisch. Sie sollen keine Angst machen – genau das Gegenteil ist der Sinn. Mt 24,25 „Denkt daran: Ich habe es euch vorausgesagt.“ Die Prophetie verdunkelt nicht den Weg, sondern sie macht den Nebel durchsichtig, indem sie alles ins Heilsgeschehen einbindet. „Denkt daran!“ sagt Gott. „Ich habe es im Griff, denn ich weiß es. Ich bin bei Euch. Lasst Euch niemals entmutigen oder täuschen – es gehört dazu. Ich habe es Euch doch vorausgesagt!“
Und wenn eines Tages wirklich Schlimmes passiert? Nun, auch hier ist Jesus sehr klar und eindeutig: Angst ist was für die anderen, aber nicht für die Christen. Lk 21,26 „Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen… 28 Wenn (all) das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.“

Gott weiß Bescheid und sagt es uns. Auch wenn ich im Moment sicher besorgt und auch ängstlich sein kann: Zweifel und echte Angst sind fehl am Platz.
Der Blitz hat eingeschlagen. Der Dom steht unversehrt.

Mittwoch, Februar 13, 2013

Was der Papst mir hinterlässt

[Von Bastian]
Wie kann der Papst gerade jetzt gehen? Wo so vieles in Bewegung ist, so vieles ungeklärt?
Ich gestehe, dass das eine der ersten Fragen war, die in mir aufkamen. Doch das genauere Betrachten dieser Frage hat mir eine Antwort gegeben, mit der ich im Moment gut leben kann.

In den Medien wird diese Frage auch gestellt: warum geht er, wenn es so viele unerledigte Baustellen gibt? Und sie wird beantwortet mit: eben darum. Er hat es nicht in den Griff bekommen, ist letztlich gescheitert. Das ist nicht, was ich meine. Die Forderung nach einem Hirten mit dem Mut, auch unpopulär zu sein ist schlicht unreif, wenn sich das nur auf Dritte bezieht, die eigene Meinung jedoch als unantastbar gilt. „Er hat von Christus und dem Glauben gesprochen, aber er hat die Probleme nicht angepackt“ - eine Stellungnahme, die sich so zusammenfassen lässt, halte ich für unmaßgeblich, gleich wie häufig sie geäußert wird.

Benedikt XVI war für mich teilweise unpopulär. Am Motu Proprio hatte ich eine Weile zu knabbern. Diese „Öffnung zu den Traditionalisten“ musste ich erst einmal verdauen. Aber schon bald hat sich das, was geknabbert und verdaut werden musste, als Nahrung erwiesen. Nicht, weil ich plötzlich eine neue Vorliebe gefunden hätte, sondern weil ich erkennen konnte, dass der Papst logisch und richtig handelt. Seine Lehren und Erklärungen waren für mich immer überzeugend. Ich konnte nicht anders – ich musste einfach anerkennen, dass dort eine Weisheit liegt, nach der ich lange gesucht hatte. Benedikt XVI hat mir die Kirche erst entfremdet und dann aber so lieb und persönlich gemacht, wie nie zuvor. Ihm verdanke ich es, dass es heute meine Kirche ist, in der ich Christus finde.
Die Wertschätzung für Luther, das Motu Proprio, die fast schon evangelisch anmutende Christuszentriertheit, die Möglichkeiten für die Anglikaner und Protestanten, Gespräche mit Juden, mit Moslems, auch mit denen, die sich von der Kirche entfernt haben, wie Piusbruderschaft und Küng, das Jahr des Glaubens, der kommende Eucharistische Kongress - die Kirche wurde unter ihm immer größer und reicher. Niemandem hat sich die Kirche angebiedert, doch für alle gibt es den angemessenen Platz.

„Reißt die Türen weit auf für Christus!“ ist ein Wort seines Vorgängers. Benedikt XVI hat genau das getan. Er hinterlässt mir keine unfertige Kirche – er hinterlässt eine offene Kirche.

Montag, Februar 11, 2013

Nie war er so wertvoll wie heute!

[Von Bastian]

Ein Grund, warum ich Benedikt XVI so schätze, ist dass er niemals Außenwirkung über Inhalt stellt. Er verkündet lieber etwas Unliebsames, als dass er es für Sympathiepunkte zurückstellt. Man kann stets sicher sein, dass er meint, was er sagt, und ebenso - Dank seiner großartigen, präzisen Sprache - dass er auch genau das formuliert bekommt, das er meint. Ein brillantes und zugleich zurückhaltendes Reden, die Umsetzung von "Euer Reden sei Ja, ja - nein, nein".

Eine der Krankheiten, an denen unsere Gesellschaft leidet, tritt nun wieder zutage
Jetzt werden plötzlich ganz viele Politiker versuchen, sich eben noch schnell im Lichte des Papstes zu sonnen. Jetzt kommen wieder die verständnisvollen Nachrufe, die in Wirklichkeit dem Papst erklären wollen, was er gemeint hat oder es zumindest gemeint haben sollte. Der Papst war so schön berechenbar: er blieb, wo er stand, auch wenn man ihn schlug. Wie ein Punchingball, wofür er dann auch herhalten musste.
Nun aber hat er sich unerwartet verhalten, und man wird beobachten können, wie plötzlich umgeschwenkt wird. Politiker, für die der Wert des Papstes eben noch darin bestand, dass man sich öffentlich von ihm distanzieren konnte, werden nun verzweifelt versuchen, noch ein wenig seiner Popularität abzubekommen.

Das ehrliche Statement von Politikerseite, das ich mir wünschen würde, lautet: "Ich konnte mit ihm nicht sehr viel anfangen. Allerdings hätte ich nie gedacht, dass ein Mensch wie er freiwillig auf seinen Posten verzichtet. Möglicherweise war meine Einschätzung, er handele aus Machtkalkül, falsch. Ich werde seine Reden und Texte noch einmal in neuem Licht lesen müssen."

Bald wieder nur noch "Ratzinger"?

[Von Bastian]
dem es ein Bedürfnis ist, die ersten spontanen Gedanken hier zu schreiben.

Es ist schon komisch.
Ein Gefühl der Unsicherheit macht sich in mir breit.
Benedikt XVI war für mich ein Garant für eine weitherzige, stabile Kirche. Für eine anspruchsvolle Theologie, die ich verstehe. Für ein Schiff Petri, das auch gewagte Manöver fährt, um Schwimmer aufzunehmen, ohne dabei den Kurs zu verlieren. Man konnte sicher sein: wo der Papst spricht, lohnt das Hinhören. Ich mag ihn sehr.

Wer soll ihn beerben? Die Fußstapfen von Johannes Paul II waren groß, diese sind es wieder. Und die Tatsache, dass der Vorgänger noch auf Erden lebt, wird das Amt nicht leichter machen. Ich gestehe, dass ich mir Sorgen mache.
Und doch hat sich die Situation nicht geändert: Gott führt Seine Kirche. Die Sorgen, die ich mir mache, sind letztlich meine Schwäche: es war so leicht, neben Gott auch dem Mensch Josef Ratzinger zu vertrauen. Nicht, dass er kein Vertrauen verdient hätte, doch es war immer sein Bestreben, dass ich auf Christus schaue, nicht auf ihn. Er hatte nie die Absicht, Garant für irgendetwas zu sein, sondern wollte Gott verkünden. Gerade deshalb ist er ein so beeindruckender Papst.

Ich bin dankbar für dieses Pontifikat. Es hat mir stets aus der Seele gesprochen und ich hoffe, dass ich Rom und der Kirche zukünftig genauso loyal bin, egal, was kommt. Weil es eben Gott und Seine Kirche sind, worauf ich vertraue, und nicht mein eigenes Gutdünken in Glaubensfragen oder meine Anhänglichkeit an Personen.

Vater im Himmel, hab Dank für unseren Papst Benedikt. Schenke Deiner Kirche einen guten Nachfolger und uns das Vertrauen auf Dich. Lenke unser Herz weg von Sorgen und hin zu der Freude, die Du gibst und für die Du der Garant bist.

Freitag, Februar 08, 2013

Durchs Dorf.


Am 10. Februar stellt Günther Jauch wieder »Glaubensfragen«.

Begriffsklärung


[Von Bastian]
Man selbst befindet sich auf einem Schiff. Im Wasser treiben Schiffbrüchige. (LINK)
Dies ist ein Versuch, anhand dieser Situation einige Begriffe darzustellen, wie ich sie sehe.

Wahrheit ist das Schiff, das mich aus dem Wasser heraushebt.
Barmherzigkeit ist, wenn ich die Schiffbrüchigen aufnehmen will und versuche, sie an Bord zu bekommen.
Liebe ist, wenn ich mich freue, an Bord zu sein und das jedem genauso wie mir selbst wünsche und mich dafür einsetze.
Liebe ist weiterhin, niemanden zu verurteilen, der nicht an Bord will, sondern für ihn zu beten.
Liebe ist weiterhin, das Schiffsinnere so zu gestalten, dass sich die Geretteten zuhause fühlen.
Mission ist, wenn ich Leitern und Leinen hinunter lasse und Rettungsboote aussetze, mit denen ich alle, die sich mitnehmen lassen, an Bord hole.
Mission ist weiterhin, wenn ich denen, die nicht an Bord wollen, versuche nahe zu bringen, dass es ihnen dort viel besser geht.
Katechese ist, wenn ich die an Bord geholten abtrockne, einkleide, wärme und verarzte und zugleich dafür Sorge trage, dass die Retter im Einsatz gut versorgt sind.
Toleranz ist, alle an Bord anzunehmen, wie sie sind.
Apostolat ist, wenn die besten Kletterer an den Leitern und die besten Schwimmer an den Rettungsringen helfen, die Kräftigsten andere ins Rettungsboot ziehen und die besten Köche die Geretteten versorgen, der Navigator navigiert, der Steuermann steuert und der Kapitän dafür sorgt, dass jeder den richtigen Job richtig erledigt.
Gemeinschaft ist, Teil der Mannschaft zu sein, dafür anerkannt zu werden und andere anzuerkennen.


Folgende Ideen hingegen erscheinen mir weniger Sinnvoll:
  • Schiffbrüchige abzulehnen, weil sie nicht an Bord sind.
  • Das Schiff abzulehnen, weil nicht alle an Bord sind.
  • Die Bordwand teilweise einzureißen, um sie leichter überwindbar zu machen.
  • Die Schiffbrüchigen nicht abzutrocknen, sondern stattdessen Wasser mit an Bord zu holen.
  • Zu leugnen, dass es ein Schiff gibt, um die im Wasser treibenden nicht zu beleidigen.
  • Zu verkünden, man müsse nicht an Bord sein, sondern nur Schiffe theoretisch gut finden.
  • Den Schiffbrüchigen Handtücher zuwerfen und ihnen zurufen, sie könnten sich abtrocknen, wo sie gerade sind.
  • Meuterei als Zeichen von Toleranz zu werten.
  • Sich von überzeugten Schiffbrüchigen erklären lassen, sie kämen nur an Bord, wenn man ihnen das Kommando übergibt.
  • Das Meer zum Teil des Schiffes zu erklären und so die Schiffbrüchigen als gerettet zu definieren, ohne ihnen zu helfen.
  • Zu glauben, man helfe den Schiffbrüchigen, indem man das Schiff bunt anmalt.

Mittwoch, Februar 06, 2013

Aha.

"Sie haben Herrn L. gekündigt. Warum?" - "Herr L. ist gegen die Homoehe und verkündet das in der Öffentlichkeit. Ich vertrete in meinen Grundwerten ein Menschenbild, in dem verschiedene sexuelle Orientierungen respektiert werden, und lehne jegliche Art von Diskriminierung ab."

"Sie haben Herrn M zusammengeschlagen. Warum?" - "Ich vertrete ein Menschenbild, in dem jeder sich frei bewegen kann. Herr M hat jemanden angerempelt. Ich wollte deutlich machen, dass ich jede Form von Gewalt ablehne."

Gedankenverbrechen 2013

[Von Bastian]

Aus aktuellem Anlass (LINK) hole ich diesen Beitrag wieder hoch.

Wenn es Gesetz würde, den Begriff „Würfel“ auf alles auszuweiten, das einem Quader ähnlich sieht – was wären die Folgen? Das Wort „Würfel“ umfasst in seiner neuen Bedeutung nach wie vor das, was es vorher beschrieb, denn jeder Würfel ist auch ein Quader. Zusätzlich umfasst es jetzt auch alle anderen Quader. Positiv beschönigend ausgedrückt ist seine Bedeutung umfassender geworden. Tatsächlich ist seine Bedeutung verschwommen und unpräzise geworden. Und was dazu kommt: für richtige Würfel gibt es kein Wort mehr. Dabei hat sich an den Tatsachen nichts geändert: natürlich ist der Würfel hinterher noch ein Würfel und ein Quader ein Quader. Die Sprache wäre absichtlich ungenauer geworden – undenkbar.

Undenkbar? Nun, derzeit wird allgemein versucht, mit dem Begriff der Ehe genauso umzugehen: er soll auf alle anderen Formen der Lebens(abschnitts)partnerschaften ausgeweitet werden. Das erklärte Ziel ist, keinen Unterschied mehr zwischen den einzelnen Formen der Partnerschaft zu machen. Gleich dem Würfel im Beispiel ändert sich dabei an den Tatsachen nichts – es gibt die vor Gott geschlossene endgültig bindende Partnerschaft zwischen Mann und Frau nach wie vor, nur hat sie keinen Namen mehr. Die Sprache ist unpräziser geworden, denn die Gesellschaft beraubt sich der Möglichkeit, einen Inhalt zu formulieren. So macht sie sich selbst dümmer und ist stolz darauf. Das undenkbare ist eingetroffen.

Aber warum? Dass es dabei um das Ziel geht, die christliche Ehe auszuhöhlen, weil man selbst, triebgesteuert, wie man ist, nicht mit ihr klar kommt, liegt auf der Hand. Doch woher stammt die (abstruse) Idee, man könne durch Änderung der Begrifflichkeiten die dahinterstehenden Tatsachen mitändern? Literarisch gibt es dazu eine große Vorlage: „1984“ von George Orwell. Die dort beschriebene Gesellschaft beruht auf dem Prinzip, dass wahr ist, was ich wahrnehme, und dass ich wahrnehme, was politisch korrekt ist.
Das Werkzeug dazu ist „Newspeak“. Dabei handelt es sich um eine vorgeschriebene Sprache, in der die Bedeutung von Worten so verändert wird, dass für unangenehme (hier: dem Regime gefährliche) Dinge keine Begriffe mehr existieren. Ziel ist, bestimmte Dinge unmöglich zu machen, weil man an sie mangels Begriff nicht einmal denken kann. Damit sollen so genannte „Gedankenverbrechen“ unmöglich werden. Womit wir wieder beim Stichwort „undenkbar“ wären.

Dass wir selbst derzeit (ich behaupte: nicht mehr lange!) in einer Gesellschaft leben, die ihre eigene politisch und mainstreamtechnisch korrekte Wahrnehmung zur Wahrheit für alle machen will, ist evident. Doch sind wir tatsächlich bei der Idee von „Gedankenverbrechen“ angelangt? Ich denke, der Begriff der (natürlich abzulehnenden und schwerst zu bekämpfenden) „Homophobie“ ist die Antwort. Eine Phobie ist keine Tätigkeit, die man unter Strafe stellen könnte, sondern eine Haltung, eine persönliche Eigenschaft, eine Angst. Sie entzieht sich damit jeder Rechtsprechung: die Gedanken sind frei. Sollten sie zumindest sein. Der offene Versuch, eine Haltung notfalls (nur notfalls?) auch mit gesetzlichen Mitteln zu bekämpfen, zeigt jedoch, dass es bei uns inzwischen Gedankenverbrechen gibt, die zu begehen gefährlich ist. Eine wie auch immer geartete Ablehnung homosexuellen Verhaltens darf man nicht haben. Es kann den Job kosten, was, wenn es nach den Wortführern der Wortänderer geht, nur der Anfang ist. Und so werden schon kleine Kinder in neuen Schulbüchern darauf vorbereitet, dass es keine besondere Ehe, sondern nur viele unterschiedliche Formen von Partnerschaft gibt, die vor dem Gesetz zufällig alle „Ehe“ heißen.

Da wird gesellschaftlich und politisch auf vielen Ebenen zugleich am selben Thema gearbeitet. Es erscheint koordiniert und zielgerichtet. Es stecken Menschen dahinter, die wissen, was sie wollen und was sie tun. Und die zugleich so verblendet sind, nicht zu erkennen, dass das nur daneben gehen kann. Denn wenn ich mir an einem Mauervorsprung das Schienbein stoße, hilft es einfach nichts, das Licht auszumachen, damit ich den Vorsprung nicht mehr sehe: darauf kann nur ein Dummkopf (eine Dummköpfin) kommen. Ich werde mich weiter daran stoßen, weil es ihn gibt.
Oder biblisch gesprochen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Stein des Anstoßes geworden. Einfach weil es wahr ist.

Mitschwimmen oder untergehen.

[Von Bastian]


Frau Schavan ist ihren Doktortitel los. Das kommt nicht überraschend: kaum jemand hat daran noch gezweifelt. Ich auch nicht.
Diese meine Erwartung hatte jedoch als Grundlage keinerlei Wissen. Ich kenne Frau Schavan nicht, habe die Doktorarbeit nicht gelesen, kenne die Damen und Herren nicht, die ihr den Titel nun aberkennen wollen und auch die Gründe nicht, derentwegen sie das wollen. Eigentlich weiß ich über den Fall nichts.
Was in der letzten Zeit in den Medien ablief, nährte meine Erwartung auf ganz andere Weise, als durch handfestes Wissen. Es war schlicht die Menge der Berichte und ihre Nachdrücklichkeit, ihre Allgegenwart, die keinen Zweifel am Ausgang zuließen.

Annette Schavan allenthalben. Ein möglicherweise aberkannter Doktortitel überall. Natürlich keine Vorverurteilung, jedoch viele Spekulationen, die nur dieses eine Szenario hypothetisch beleuchteten: was passiert, wenn sie ihn verliert, den Titel? Kann sie dann noch Ministerin sein? Wie sollen wir mit Politikern umgehen, die sich ihre Titel erschleichen? Kann man der Regierung noch trauen? Wer ist der/die nächste? Alles sauber und legal. Aber trotzdem: Die haben doch alle Dreck am Stecken, wie es scheint.

Wenn James Bond ein Auto fährt, ist die Herstellerfirma stolz darauf. Kaum eine Werbung ist besser, als in positivem Zusammenhang mit gezeigt und genannt zu werden. Die Marke hat viel Geld dafür gezahlt, dass er gerade diesen Wagen fährt. Sie weiß um den Wert der Assoziation.

Frau Schavan wurde nach diesem Prinzip seit Wochen konsequent als potentielle Betrügerin dargestellt. Dabei ist es gleich, ob für oder gegen sie geschrieben wurde: stets war sie die potentielle Täuscherin und Vertuscherin. Assoziation wurde aufgebaut, nicht Faktenwissen geschaffen. Das einfache Prinzip lautet: es ist gleich, wodurch eine Welle ausgelöst wird. Wenn sie hoch genug ist, kann man in ihr ertrinken. Es ist gleich, warum eine Sau durchs Dorf getrieben wird. Ist sie dick und wild genug, richtet sie Schaden an. Es ist der Werbung gleich, ob die Leute schreien: Trinkt Coca Cola! oder ob sie schreien: Trinkt keine Coca Cola! – Hauptsache sie schreien trinken und Coca Cola. Und es ist auch gleich, ob sie schreiben: Schavan betrügt! oder ob sie schreiben: Schavan betrügt nicht! – immer schreiben sie Schavan und betrügen. Am Ende weiß keiner mehr, was eigentlich genau los war, aber eines ist erreicht: jeder, der da nicht mitschreit, macht sich selbst verdächtig.

Die Universität konnte gar nicht mehr anders, als Frau Schavan den Titel abzuerkennen. Sie wäre anderenfalls in genau diesen Strudel aus potentiellem Betrug und nachfolgender Vertuschung hineingeraten. Was ist der Reputation, was mit Zuschüssen, wenn dort möglicherweise wissenschaftliche Titel nach Gusto verteilt werden? Allein die Möglichkeit ist tödlich. Die Möglichkeit jedoch kann durch Beschuldigung jederzeit ins Leben gerufen werden.

Daher kam meine Erwartung. Sie will keinerlei ehrliche Diskussion übder den Fall diskreditieren. Doch für die Entscheider dürfte die notwendige Flucht vor der Assoziation präsent gewesen sein. Es war kaum noch möglich, nicht mit dem Strom mitzuschwimmen, der eigentlich gar keiner war.

Sonntag, Februar 03, 2013

Geschichtsvergessen?

[Peter Esser] Frau Roth weist den Kurienerzbischof Gerhard Ludwig Müller zurecht und wirft ihm »Geschichtevergessenheit« vor. Aber will sie es eigentlich so genau wissen?

In jeder sachbezogenen Auseinandersetzung wäre nämlich hier der Ort für eine Rückfrage:

»Warum empfindet ihr die freiheitliche und tolerante Gesellschaft, die aufzubauen wir angetreten sind, als so bedrohlich?«

Und dann müßte man über Denkverbote und Zensurversuche, über das Zerschlagen der Familien, über Diskreditierung derer reden, die sich für Religionsfreiheit und vor allem für den Schutz des menschlichen Lebens von Anfang bis zum Ende einsetzen, über die tolerierte und erwünschte verbale Gewalt gegenüber Gläubigen in den Kommentarspalten der Online-Redaktionen und über den Haß, der von einer Standard gewordenen Tendenzberichterstattung ausgeht, über den öffentlichen Pranger für mißliebige Geistliche, über das Vertuschen von Christenverfolgungen überall in der Welt, über die zunehmende Zerstörungswut, die sich in Kirchen austobt.

Noch ist es selbstverständlich nicht so schlimm wie in den verschiedenen Diktaturen der jüngeren Geschichte. Aber jede Diktatur hat einen bereits bestellten Acker vorgefunden.

Freitag, Februar 01, 2013

Die wahre Bedeutung der „Sinusstudie“

[Von Bastian]

Sinus – das Wort ist neudeutsch, entstammt dem Englischen.
Es setzt sich zusammen aus „sin“ (Sünde) und „us“ (uns).

Eine tiefe katholische Weisheit steckt darinnen: gemeinsam ist uns die Sünde. Über alle Differenzierungen und Milljöhs hinweg ist die Botschaft: bekehrt Euch.

Der Name „Sinus“ bezeichnet die Studie zugleich mit ihrer Auswertung und weist den Weg aus der Krise. Man hätte keinen besseren finden können.

Donnerstag, Januar 31, 2013

Frohe Kunde!


Vorwärtsgewandte Werte in Zeiten der Inflation

[Von Bastian]
Bitte keine geschlechtergetrennten Schulen – sowas vermittelt „rückwärtsgewandte Werte“.
Nur: was soll das eigentlich sein: eine „rückwärtsgewandte Wertevermittlung“?

Da Werte keine Richtung im Raum haben, kann damit nur eine zeitliche Entwicklung gemeint sein: Werte haben sozusagen eine Evolution. Die Werte, die da kommen (sollen), sind allemal besser, als die Werte, die früher waren. Vor den Werten von früher müssen wir unsere Kinder schützen - vorwärts müssen sie schauen!
Chesterton meint in seiner „Orthodoxie“ dazu, die Idee von Dingen, die nur in einer bestimmten Zeit Gültig seien, sei absurd. Wenn man sage, ein Glaubenssatz habe im 12. Jahrhundert Gültigkeit gehabt, aber nicht heute, könne man auch sagen, ein Argument sei nur montags gültig, dienstags aber falsch.

Ich hingegen sehe in Zeiten der Inflation in vorwärtsgewandten Werten eine Chance für alle „Rückwärtsgewandten“. Denn da der Euro stetig an Wert verliert, müsste doch ein Handel möglich sein. Ich biete allen Vorwärtsgewandten für jeden Euro 98 Cent. In deren Augen ist das ein Bombengeschäft – hat der Euro doch für sie, vorwärtsgewandt wie sie sind – einen erheblich geringeren Wert. Bei 2% Inflation machen sie bereits im 2. Jahr Gewinn! Ich gönne es ihnen von Herzen und bin mit meinen gewonnen 2 Cent zufrieden – man soll nicht gierig sein.

Liebe Fortschrittler – wäre das nicht etwas für Euch? Das Angebot steht.

Mittwoch, Januar 30, 2013

Donnerstag, Januar 24, 2013

Wo ist denn da die Logik?

[Von Bastian]

Immer wieder will mir scheinen, dass es bei der Diskussion um Abtreibung nicht um Argumente geht.
Hier (LINK) wird berichtet, wie wichtig, ja geradezu prägend für die Entwicklung des Menschen die Zeit vor der Geburt ist, und wie vielfältig die Einflüsse sind. Der Gesellschaft, die in großen Teilen für Abtreibung ist, ist sehr klar, dass es sich dabei um kleine, schon bald lernfähige Menschen handelt. Nur die Menschenrechte, die mag sie diesen Wesen nicht einräumen. Ihr fehlt nicht das Wissen, sondern die Fähigkeit, das Wissen konsequent anzuwenden.
Wie eine gute Freundin es formulierte: was das Herz nicht hinein lässt, bekommt der Kopf nicht klar. Und die Ungeborenen machen dem Herz Angst: Angst vor dem Erschrecken über sich selbst, über die eigene Leichtgläubigkeit und Oberflächlichkeit, über gemachte Äußerungen und getane Taten. Die Angst vor unangenehmen Konsequenzen oder unbequemer Selbsterkenntnis blockiert offensichtlich die Denkfähigkeit. Unsere Argumente können nicht nachvollzogen werden. Man sieht dasselbe Prinzip in klein bei jedem Schüler, der für ein ungeliebtes Fach lernen soll.

Christus zeigt uns den Weg: geht und verkündet das Evangelium. Helft den Armen. Verkündet die Vergebung! Öffnet die Herzen. (Er sagt übrigens nicht, man solle vorher eruieren, was die Köpfe hören wollen, ohne dass sich das Herz allzusehr öffnen muss, (LINK))

Was fehlt, sind offene Herzen. Die klaren Köpfe folgen nach.
Soviel heute zum Thema Glaube und Intellekt.

Dienstag, Januar 22, 2013

Stellung beziehen!

[Von Bastian]



Es ist heute einfach nötig, Farbe zu bekennen!

Samstag, Januar 19, 2013

Aus und Phobie!

[Von Bastian]

Relativismus: „Was können wir nur gegen diese Christen tun? Die sind einfach nicht kleinzukriegen!“
Zeitgeist: „Wir müssen Sie verjagen!“
Relativismus: „Die haben aber viel weniger Angst als andere Menschen.“
Zeitgeist: „Dann müssen wir ihnen eben Angst machen!“
Relativismus: „Angst machen? Moment, das… geht! Das ist - genial!“
Zeitgeist: „Genau! Genial. – Äh, warum?“
Relativismus: „Pass auf. Die Christen haben selbst keine Angst. Das ist schwer zu ändern. Viel leichter ist es, alle anderen glauben zu machen, die Christen hätten Angst. Wer Angst hat – das ist relativ.“
Zeitgeist: „Wie das denn?“
Relativismus: „Ganz einfach. Wir suchen uns irgendetwas, das Christen nicht tun. Und dann behaupten wir einfach, der Grund dafür sei Angst.“
Zeitgeist: „Und wozu soll das gut sein?“
Relativismus: „Mensch, das ist doch klar! Eine Meinung, die aus Angst vertreten wird, braucht keiner ernst zu nehmen. Und auf Menschen, die aus Angst heraus argumentieren, hört niemand wirklich. Die Angst muss sie unfrei machen, sie versklaven. Eine Phobie! Das wäre meine Taktik. Da musst du doch was draus machen können!“
Zeitgeist: „Jetzt kapiere ich. Du, das geht noch viel weiter! Wenn wir da genügend Ängste zusammenbekommen, haben wir einen Grund, die Christen zu heilen, auch gegen ihren Willen. Am Ende steht die Christenverfolgung als Werk der Barmherzigkeit und der psychischen Volksgesundheit. Und dass andere Menschen auch mal aggressiv reagieren, wenn sie mit so einer geballten Ladung Angst und Lebenskrampf konfrontiert werden, ist doch verständlich. Wer Angst hat, ist an den Folgen selbst schuld.“
Relativismus: „Und sobald die sich wehren, verstehen das alle als Zeichen von Angst.“
Zeitgeist: „Gut, fangen wir an. Welche Angst nehmen wir? Was tun Christen nicht, andere aber schon?“
Relativismus: „Sie gehen z.B. am Karfreitag nicht tanzen.“
Zeitgeist: „Gute Idee. Da werde ich mal was draus machen. Aber ich sage dir aus Erfahrung: was nur einmal im Jahr stattfindet, reicht nicht für eine allgemeine Aussage. Zu schwach für eine Angst.“
Relativismus: „Sie sind friedfertig. Angst vor Gewalt.“
Zeitgeist: „Nee, das taugt auch nichts. Und Angst vor Gewalt haben andere auch. Die 10 Gebote sind noch viel zu sehr common sense. Klauen, morden, üble Nachrede – niemand will das. Die scheiden aus.“
Relativismus: „Moment – nicht alle. Christen haben eine Sexualmoral, die heute unmodern ist. Angst vor Sex?“
Zeitgeist: „Haben die nicht. Glaub mir.“
Relativismus: „Aber sie sind nicht schwul oder versuchen zumindest, es nicht zu sein.“
Zeitgeist: „Das ist es! Wir haben es! Schwulenangst. Homophobie! Damit mache ich sie kalt!“
Relativismus: „Genau. Man wird herausfinden, dass sie ihre ganze Moral nur aus Angst vor ihren dunklen Seiten haben.“
Zeitgeist: „Es gibt sexuell gestörte unter ihnen!“
Relativismus: „Ein perverses Abreagieren ihrer unterdrückten Triebe.“
Zeitgeist: „Zölibat!“
Relativismus: „Der verzweifelte Versuch, die Triebunterdrückung zu institutionalisieren. Finde einen perversen Katholiken, und du kannst das ganze System daran beweisen. Solche musst du suchen.“
Zeitgeist: „Wird gemacht.“
Relativismus: „Übrigens, wo wir gerade dabei sind: willst Du den Moslems auch gleich eins verplätten? Angst vor Schweinefleisch? Porcophobie? Das wäre dasselbe Prinzip."
Zeitgeist: „Lieber nicht. Vor denen habe ich Angst.“

Freitag, Januar 18, 2013

Gedanke

[Von Bastian]

Es hat wenig Sinn, dem "Geist des Konzils" einen "Geist des wahren Katholizismus" entgegenzusetzen. Beides geht gleichermaßen am Ziel vorbei.

Donnerstag, Januar 17, 2013

Salzig

[Von Bastian]
„Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden“

Wir sind das Salz der Erde. Wir sollen das nicht sein - wir sind es. Ob es uns passt oder nicht.

Der heute übliche Ansatz ist: bemühe dich, als Christ zu leben, bemühe dich, salzig zu sein. Doch dieser Ansatz ist falsch - er greift viel zu kurz. Christus sagt, wir seien salzig und sollten uns davor hüten, nicht mehr salzig zu sein, denn dann seien wir nutzlos. Das Salz im Essen ist dazu da, salzig zu schmecken. Auch wenn der gesamte Rest der Suppe nach Fisch und Gemüse schmeckt - das Salz muss nach Salz schmecken. Sein Job ist es, anders zu sein. Doch nicht irgendwie anders, sondern salzig.

Die Idee, man sei besonders gutes Salz, wenn man nach dem Rest der Suppe schmeckt, mag der Presse gefallen - Gott gefällt sie nicht. Er hält nichts davon, Geruch und Geschmack der Gesellschaft anzunehmen, um möglichst gut zu harmonieren. Glaubt man ihm, geht dieser Schuss ohnehin nach hinten los: nicht das Salz, dass salzig bleibt, wird von den Menschen zertreten, sondern das, das fade wurde.
Der Papst fordert daher auf, sich nicht zu ducken, sondern den Anpassungsforderungen der Welt eine Absage zu erteilen, sich sozusagen zu entweltlichen.

Nehme ich das Gotteswort ernst, komme ich zu dem Schluss: Wenn sich die Kirche nicht entweltlicht, wird die Welt sich entkirchlichen. Ob es uns passt oder nicht.

Mittwoch, Januar 16, 2013

Ordinariat für Lutheraner?

[Von Bastian]
Kath.net berichtet, in Rom prüfe man den Gedanken eines Ordinariates für Lutheraner, die in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zurückkehren wollen, ähnlich der Struktur, die Papst Benedikt XVI. für die Anglikaner eingerichtet hat. (LINK)

Spontan freue ich mich darüber: offensichtlich gibt es so viele, die sich den Katholizismus wünschen, dass Rom beginnt, sich auf sie vorzubereiten. Einige der Reaktionen darauf verwundern allerdings: offensichtlich können nicht alle Menschen lesen.
Das Thema wird teilweise behandelt, als sei die Aussage, Roms wolle die volle Gemeinschaft mit der evangelischen Kirche. Und alle Stacheln werden aufgerichtet. Da wird mit Zirkelschlüssen und Feindbildern argumentiert, dass sich die Balken biegen. Protestanten sind schlecht, katholisch ist gut. Wenn Protestanten zu uns kommen, ist das schlecht, weil es Protestanten sind. Die Katholiken, die sie aufnehmen wollen, sind auch schlecht, weil sie sich schlechten Protestanten annähern. Wir sind aber gut, weil wir keine schlechten Protestanten sind. Wir lehnen ab, was da aus Rom kommt, gerade weil wir katholisch sind. Das Konzil ist daran schuld. Klar. *seufz*

Es ist erstaunlich, dass immer wieder einige, die am misstrauischsten gegenüber Rom sind, zugleich laut Romtreue einfordern. So sehr ich selbst um Treue zum Lehramt schätze, so lehne ich doch diese in sich eingefangene Denkweise ab. Die Katholische Lehre ist wahr, weil der Heilige Geist in ihr wirkt, nicht weil ich mich mit ihr in eine innere Festung zurück ziehe. Ich denke, die Katholische Kirche hat mehr zu bieten, als die Ablehnung dessen, was ich für nicht katholisch halte. Der Garten Gethsemane besteht aus mehr, als der Mauer drumherum.
Mir will scheinen, die infrage kommenden Protestanten haben die Attraktivität unserer Kirche besser begriffen als mancher, der sie verteidigt. Mein Vorschlag: Gott vertrauen und das, was aus Rom kommt, annehmen.

Dienstag, Januar 15, 2013

Essers kleine Bibelkunde [1]



»Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.« (Mk 10,25)

Führende Exegeten weisen darauf hin, dass es große Nadelöhre und kleine Kamele gibt. Es gibt allerdings auch große Kamele. Das ist nach übereinstimmender Ansicht ein Problem.

Professor Knötgens von der Theologischen Akademie Tönisvorst vertritt die Ansicht, es handele sich um ein mündlich tradiertes Logion, in dem ursprünglich von einem Nudelohr die Rede gewesen sei. Dies gilt jedoch nur als eine Einzelmeinung.

Klaus Berger (Heidelberg) dazu: Der Mann hat einfach nicht für fünf Pfennig Gemeindebildung.

Donnerstag, Januar 03, 2013

Merkwürdig...

[Von Bastian]
RP online veröffentlicht ein Interview mit Präses Schneider, den ich schätze, anlässlich der Neubesetzung seines Amtes in der nächsten Zeit. (LINK)
Themen wie problematische Baustellen, Finanzprobleme, die öffentliche Wahrnehmung der evangelischen Kirche, aber auch seine persönlichen Amtserfahrungen werden angesprochen. Dass das Interview dennoch inhaltlich etwas dürftig und oberflächlich erscheint, muss weniger Herrn Schneider, als der mangelhaften Recherche durch die Presse angelastet werden, die es konsequent versäumte, die kritischen Fragen zu stellen, die man eigentlich erwarten durfte: erstaunlicherweise wurden die Themen Rückschläge in der Ökumene, gemeinsames Abendmahl und Homosexualität nicht angesprochen. Nicht einmal Sex an sich kommt vor.
Der Mann, ein Kirchenmann, wirkt auf diese Weise geradezu authentisch und sympathisch. Da muss doch was faul sein. Werden wir manipuliert?
Wirklich merkwürdig...