Dienstag, März 13, 2012

Katholikentagsnostalgie

[Von Bastian]

Das Programm des Katholikentags ist da. Aus diesem Anlass hier eine Erinnerung.

Ich weiß es nicht mehr genau – ich meine, es war die Jugend 2000 in Karlsruhe. Aufgeteilt waren sie in 3 Gruppen. Reihum stand eine Gruppe den Passanten für Gespräche zur Verfügung, eine betete Rosenkranz und eine machte Pause. Auf einem riesigen Transparent stand in großer Schrift:

Papst, Maria, Zölibat – unsre Kirche find‘ ich gut!

Um Gesprächspartner waren sie selten verlegen.

Einmal nur war ich auf einem Katholikentag. Und das ist das einzige, woran ich mich noch erinnern kann, daran allerdings mit Freude.

Oster-Gewinnspiel

[Gefunden von Peter Esser] »Der Frühling steht vor der Tür und eines der schönsten Feste des ganzen Jahres wartet auf Sie – Ostern. DAS FEST UM DEN NECKISCHEN HASEN, der Eier, Schokolade und vielleicht auch ein paar kleine Geschenke versteckt, ist etwas für die ganze Familie.«

Da sage einer, unsere Hirten hätten keine Eier.

Gefunden bei WELTBILD, Ihrer katholischen Stimme im Büchermarkt. Gab es da nicht letztes Jahr einen Aufstand gegen das »Hasenfest« von Thalia? Nur zu!

Die katholische Schatzsuche

[Von Bastian]
Die Frage war: was kann einem der Klerus eigentlich sinnvolles sagen?
Ich habe diese Antwort versucht:

Mit dem Glauben ist es wie mit einer Schatzsuche. Wenn ich wissen will, wo ich graben muss, frage ich den, der die Karte hat. Alles andere wäre Blödsinn. Wenn ich aber wissen will, wo ich den besten Spaten bekomme oder wie ich rudern muss, um die Insel zu erreichen, frage ich Fachleute. Mag sein, dass da der Kartenbesitzer dabei ist, aber das ist nicht zwingend.

In der Kirche ist die Karte dem Lehramt anvertraut. Sie enthält das Ziel, den Weg dorthin und die Dinge, auf die man aufpassen muss. Eine richtige Schatzkarte eben. Der Schiffsbau, die weitere Ausrüstung, die Verpflegung und was sonst noch so dazugehört, sind Sache aller, also vornehmlich der Laien, denn davon gibt es mehr. In dieser Konstellation ist alles gegeben, den Schatz zu heben.

Heute ist es leider oft so, dass Priester versuchen, Ruderunterricht zu erteilen oder Spaten zu zimmern. Und weil man damit nicht weit kommt, verlegen sie auf der Karte das Kreuzchen, das das Versteck markiert, aufs Festland und in weichen Sand, damit die Schatzsuche eher der Lebenswirklichkeit der Sucher entspricht. Die sind auch ganz froh darüber, weil sie nur diese falsche Karte kennen. So einfach kommt man an den Schatz! Und sie buddeln munter drauf los, finden aber nichts. Sie graben so lange, bis sie irgendein rostiges Stück Eisen finden und stellen fest: die Schätze der Kirche sind verrottet, ihre Karten taugen nichts. Und sie verspotten die Kartenbesitzer.

Wenn jetzt jemand mit der richtigen Karte kommt, erhält er natürlich die Antwort: „Wie bitte? Jetzt sollen wir auch noch Schiffe bauen, rudern, klettern, wandern und Felsen sprengen? Damit wir wieder ein Stück rostiges Eisen finden? Nein danke!“

Es ist eben wichtig, den richtigen Fundort zu kennen und für die Suche die richtigen Fragen zu stellen.

Montag, März 12, 2012

Freiheit und Entschluss – ein alter Forenbeitrag.

[Von Bastian]

Nach einigen Jahren wieder herausgekramt, weil es zum Thema Ehe passt.

Freiheit wird oft mit Optionen oder Wahlmöglichkeit gleichgesetzt – ein Widerspruch in sich. Denn was passiert, wenn ich wähle? Ich werde unfrei, weil eine Wahlmöglichkeit in Zukunft fehlt. Jede Wahl zwischen 2 Optionen schränkt die Freiheit ein. Frei ist demnach, wer sich nicht rührt: heiliger und wahrhaft freier Stillstand, der alle Optionen in sich birgt.

Tatsache ist: die einzige Freiheit, die ich habe, ist, die Freiheit zu verlassen. So geschieht Wachstum, wie bei einem Baum.

Jede Knospe hat die Wahl, aufzugehen und sich als Zweig zu entwickeln. Ohne Entscheidungen geht dabei nichts: sie muss eine bestimmte Richtung wählen. Bald kommt es zur Verzweigung, und jede Spitze muss neu entscheiden. Immer wieder. Am Ende vieler Entscheidungen hat man als Blatt seinen ganz bestimmten eigenen Platz, den man nicht mehr verlassen kann. Dieser Platz liegt an der Sonne. Wer ist jetzt frei: das Blatt, oder die Knospe in der Mitte, die nie aufging?
Und, um im Bild zu bleiben: die innere Knospe hat zwar nie ihre Wahlmöglichkeit eingeschränkt, aber sie ist inzwischen völlig fehl am Platze. Selbst wenn sie wollte – sie kann nicht mehr wachsen, denn bei ihr ist es dunkel. Auch der Zweig, der 5mal die Richtung änderte, verkümmert langsam wegen Lichtmangels. Nur die, die sich entschieden haben, haben weiterhin Freiheit. Es ist Vielfalt entstanden: hunderte Blätter und jedes anders. Zugleich herrscht Ordnung: die Blätter haben ihren Platz. Der Stamm, dem alle Äste aufsitzen, hebt im Laufe der Jahre alles immer höher und garantiert den Zugang zum Licht. Dabei entsteht die feste Struktur des Baumes, indem sie den Blättern folgt: die schieben sich immer weiter vor und hinterlassen den Zweig, später den Ast. Dem Baum garantiert dieses Prinzip Lebensfähigkeit.

Fazit: die Freiheit ruft dazu auf, eingesetzt und aufgebraucht zu werden, damit sie bleibt und größer wird.

Sonntag, März 11, 2012

Ihr heiratet die Frau, die ihr liebt…

…wir lieben die Frau, die wir heiraten.

Dieser Spruch ist für mich und meine Ehe sehr wichtig geworden.

[Von Bastian]

Vor etlichen Jahren habe ich 4 Monate in Bangladesh verbracht. Ich hatte die Gelegenheit, das Land sozusagen von innen zu sehen, durch viele Begegnungen mit Menschen der ganz normalen Bevölkerung. Freiheit in den Lebensentscheidungen, wie wir sie kennen – Berufswahl, Wahl des Wohnortes, Ziel von Reisen, sogar bei der Partnerwahl – waren dort großenteils kein Thema: es gab einfach gar keine Wahlmöglichkeit. Man musste da, wo man war, sehen, dass man überlebte, und wurde oft von der Familie früh verheiratet. Frappierend für mich war dabei, dass die Menschen großenteils einen glücklicheren Eindruck auf mich machten, als sie es zu Hause in Deutschland taten. (Das galt natürlich nur für die, die gesund und einigermaßen sicher waren, genug zu essen zu haben. Das Leid der Hungernden war unbeschreiblich!)

Ich forschte nicht nach – es wäre zu unhöflich gewesen, zu fragen: „Wieso seid Ihr so glücklich, wo es Euch doch so schlecht geht? Bei uns wäre so niemand fröhlich!“. Es war auch nicht nötig, zu fragen: man kam mit diesem Thema auf mich zu. Einige Male wurde mir unaufgefordert erzählt, wie es gehe, glücklich zu sein.

Der obige Satz war eines der Rezepte. Wie weise er ist, wurde mir erst vor meiner kirchlichen Trauung klar.

Da ging mir durch den Kopf, dass ich nicht nur versprechen würde, eine Frau zu lieben, die ich nur im Moment kannte und deren Entwicklung ich nicht im Geringsten vorhersehen könnte. Ich versprach auch, dieselbe Frau zu lieben, gleich wie ich mich selbst verändern würde. Ich versprach Liebe von einem mir unbekanntem zu einer mir unbekannten für Lebenssituationen, die mir ebenfalls völlig unbekannt waren. Die Tatsache, dass ich sie damals liebte, war keinerlei Garantie: bei der Ehe ging es nicht um Bestätigung einer Liebe, die da war, sondern um das Versprechen von Liebe, die noch nicht da war. Ohne Einschränkung, ohne Rückweg. Das waren harte Gedanken.

Ich weiß nicht, wie ich damit umgegangen wäre, wenn ich nicht das Zeugnis dieser Menschen gehabt hätte, die mir ganz einfach sagten: ja, genau so ist es und genauso geht es.

Heute bestätige ich das voll und ganz. Ich bin meine Ehe eingegangen und habe es nie bereut – dabei ist es wirklich nicht immer einfach. Dass ich meine Frau liebe, ist die Basis, auf der ich hoffentlich den Rest meines Lebens stehe. Ich kann es mit Gottes Hilfe, und ich bete, dass mir diese Hilfe bleibt. Und weil dieses Ja, dieser Entschluss, so wichtig ist, ist mir auch klar, warum ein unverheiratetes Zusammenleben so schädlich ist. Man übt die falsche Basis ein. Man glaubt, eine ausgeklügelte Balance zwischen Geben und Nehmen sei das Rezept. Doch das einzige Rezept ist, sich selbst zu geben. Das ist je nachdem beglückend oder fast unmöglich – auf jeden Fall ist es der Weg.

Wen betrachte ich beim Beten des Kreuzwegs?

[Von Bastian]

Freitag kam ich in unserer Gemeinde zur Abendmesse zu früh und bekam noch die letzten Stationen des Kreuzwegs mit.

Die Meditation lief immer nach demselben Schema ab: erst wurde das Leiden Christi beschrieben, dann wurden Beispiele für Dinge in meinem Leben aufgezeigt, die mit ähnlichen Worten beschreibbar wären, meist in Frageform. Sätze wie: „Bin ich nicht auch manchmal wie festgenagelt an den Urteilen über mich? Bin ich bereit, dem zu helfen, der unter der Last seines Lebens zusammenbricht, und ihm die Last abzunehmen?“. Dass folgt ein Gebet, quasi als Antwort „Herr, lass uns…“.

Am Ende der Kreuzwegsbetrachtungen stehe dabei ich selbst, es endet als Sebstbetrachtung. Ich kann damit nichts anfangen. Zum einen kommt es mir immer künstlich und moralistisch vor. Zum anderen kann ich nicht mich betrachten, wenn es um das Kreuz Christi geht – im Gegenteil. Die Wendung zu mir selbst ist für mich wie Nebel, der das Wesentliche unsichtbar macht: die Gemeinde spricht sich so in der Betrachtung selbst Verständnis und Vertrauen zu, doch sie verpasst den verzeihenden Blick vom Kreuz, den man sich selbst nicht schenken kann. Der Blick aufs Kreuz ist ein Blick auf meine Erlösung. Warum sollte ich ihn durch einen Blick auf mich und meine Probleme ersetzen? Weil ich dem Blick aufs Kreuz nicht standhalte? Es ist ein schwerer Blick, denn nirgendwo sonst ist Sündenerkenntnis stärker und klarer als vor dem Kreuz. Aber wenn ich schon einen Gott habe, der sich für mich töten lässt – wie sollte ich da versuchen, auch nur das kleinste Stück von mir zurückzuhalten? Das innere Ringen vor dem Kreuz kann nicht im Abwenden des Blickes bestehen – es kann nur der Kampf darum sein, immer offener zu werden.

Ich wünsche mir eine Kreuzwegsandacht ohne Moral, ohne mich selbst, die Christus betrachtet, den Blick bei ihm ruhen lässt, leise danke sagt und endet.

Freitag, März 09, 2012

Ornithologisches Frühlingstagebuch 3

[Von Bastian]
Die Singdrosseln sind als erste Rückkehrer wieder hier: heute Morgen habe ich die erste gehört. Noch 3-4 Wochen, und sie wird bis in den August hinein jeden Abend in der Dämmerung als letzte für einige Minuten Singen.
Die ersten Amseln bauen Nester. In der Innenstadt dürften bereits die ersten Gelege bebrütet werden. Heckenbraunelle und Buchfink sind jetzt Dauersänger.
Vogelstimmen zu kennen ist ein Segen! Ich lausche eigentlich ständig, ohne mir bewusst zu sein. Eine neue Stimme in Frühjahr schreckt mich sofort hoch, und ich freue mich.
Dank dafür, Herr!

Mittwoch, März 07, 2012

Kirchenpolitische Hazardeure

[Peter Esser] Was die Jungs von der Piusbruderschaft eventuell nicht voll checken: Ich werde im Jüngsten Gericht nicht danach gefragt, ob mein Bischof ein guter Haushalter war. Ich werde nach MEINER Haushalterschaft gefragt werden.
Wieder einmal verleiten sie Katholiken - und nicht die Schlechtesten! - dazu, aus dem Gehorsam gegenüber dem von Gott gesetzten Bischof auszubrechen. Sie führen damit teils sehr schlichte Gemüter in Entscheidungssituationen, denen sie intellektuell und von der geistlichen Unterscheidung her nicht gewachsen sind.
In Freiburg hat der Papst die Menschen nicht aufgerufen, aus der Kirche auszutreten - er hätte es ja wohl machen können.
Aus der Weigerung, den geistlichen Kampf in der Kirche innerlich mitzutragen, entsteht (ohne den Umweg über Luther und den Protestantismus, aber in ihrem Geist) auf direktem Wege eine traditionalistische Freikirche.

Dienstag, März 06, 2012

Wo bleibt denn da die Logik?

[Von Bastian]

Bitte keine Klischees festzurren – sie engen den Menschen unangemessen ein, und das ist nicht im Sinne Jesu. Der Mensch ist so, wie er ist, von Gott geschaffen. Die Wahrheit über den Menschen ist größer als überkommene Vorstellungen. So argumentieren Teile der evangelischen Kirche (und nicht nur sie!) und öffnen sich der Homosexualität.

Nun fehlt es an männlichen Kandidaten für das Pastorenamt. Im selben Moment ist die Angst vor Klischees und Rollenfestlegungen wie weggeblasen: man höre anscheinend bei Berufsneulingen in den zuständigen Kreisen immer wieder Klagen über die Verweiblichung des Rollenbildes "PfarrerIn". "Wir wollen wieder mehr Männer im Studienfach Theologie und stellen deshalb den wissenschaftlichen Charakter und die Leitungsfunktion des Pfarramtes wieder deutlicher heraus.“ Genau das, was an anderer Stelle abzulehnen ist, wird zum Argument.

LINK.

Für mich kein Beispiel für eine typische Unzulänglichkeit des Protestantismus: auch in der katholischen Kirche wird ähnlich argumentiert. Doch es zeigt sehr schön, wie sinnlos es ist, eine Logik ohne Rückkoppelung an die Offenbarung aufzubauen, wenn man Menschen für Gott begeistern will.

Montag, März 05, 2012

Gebet

[Von Bastian]

Herr, wenn öffentlich diskutiert wird, ob man ein Bild von Dir mit Dreck bewerfen darf, ist es mir ein Bedürfnis, Dir öffentlich zu sagen, dass ich Dein Bild liebe, denn es zeigt Dich. Und wenn öffentlich in diesem Zusammenhang über Dich gesprochen wird, möchte ich auch öffentlich mit Dir reden, denn Du bist nicht irgendein Thema, sondern mein Gott.

Du weißt, dass ich Dich selbst mit dem Dreck meiner Sünden bewerfe. Du weißt aber auch, dass ich es nicht gerne tue oder zumindest wünsche, ich täte es ungern. Du weißt, wie unvollkommen meine Liebe ist, und ich weiß es. Aus dieser Unvollkommenheit heraus bitte ich Dich für mich und alle, die Dich beleidigen, um Vergebung. Ich stelle uns alle unter Deine Liebe, denn Du wünschst nichts mehr, als uns zu lieben.

Nicht meine Empörung, Herr, ist die Antwort, sondern Deine Liebe und Dein Wunsch, allen zu vergeben. Ich für meinen kleinen Teil vertraue Dir diese Theateraufführung an. Segne sie, wie immer das aussehen mag.

Ich danke Dir, Herr, für Dich, für Deine Liebe und dafür, dass wir immer zu Dir kommen können und Du uns erwartest.

Ornithologisches Frühlingstagebuch 2

Es ist wieder kühler - der Gesang lässt wieder nach.
Neu ist der trommelnde Buntspecht. Rotkehlchen und Heckenbraunelle sind weiter munter, aber die Finken und Amseln singen weniger.
Bisher kein Rückkehrer aus dem Süden.

Dienstag, Februar 28, 2012

Die politische Aussage des Katholikentagssymbols



[Von Bastian]

Hier das Symbol des Katholikentags: der Rucksack. Es ist geschickt ausgewählt und gestaltet.

Der Rucksack verkörpert leicht verständlich biblische Wahrheiten wie „Nehmt nichts mit auf den Weg, keinen Wanderstab und keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld und kein zweites Hemd – nur den Rucksack“, Lk 9,3, und „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Mein Rucksack ist leicht!“, Mt 11,28ff.



Zusätzlich zu dieser symbolkräftigen Unterstreichung grundchristlicher Fundamente nimmt der Rucksack jedoch auch subtil und leise politisch Stellung und offenbart dabei einen erstaunlichen Konservativismus in positivem Sinne.


In der Farbgebung dominiert das rot als Farbe des sogenannten progressiven Lagers, also derer, die sich als fortschrittlich und offen für Neuerungen verstehen. Rot ist der ganze Rucksack selbst wie auch seine Tragegurte. Wir dürfen dabei den Sack als Behälter und damit als Möglichkeit für Inhalt ansehen, die Tragegurte hingegen als Möglichkeit, den Inhalt zu schultern und zu bewegen. Rot macht es demnach möglich, ausgerüstet mit Kapazität bequem voranzuschreiten.

Dem eingehenden Betrachter kommen jedoch bald Zweifel an dieser etwas plakativ inszenierten Aussage, setzt doch das Design mit schwarz einige kleine, doch markante Akzente, die den ersten Eindruck wieder zunichtemachen. Das schwarz, politisch die Farbe für Wertbeständigkeit und Traditionsbewusstsein, ist geschickt eingesetzt als Antagonist zum plakativen rot. Diese Akzente erst offenbaren dem, der diesen vortrefflich gestalteten Rucksack meditiert, seine wahre Symbolik. Schauen wir genauer.

Da fällt zunächst auf, dass der Rucksack seinen Inhalt vollständig verdeckt. Jede Transparenz, die im heutigen politischen Geschehen zu den Grundvoraussetzungen gehört, fehlt. Will man den Inhalt sichten, gibt es nur einen Weg: man muss ihn mithilfe des schwarzen Verschlusses öffnen. Erst das schwarz, stehend für Tradition und Werte, eröffnet den Blick für das, was sich im Sack der Neuerungen angesammelt hat. Erst das Bewusstsein für Beständigkeit schließt den Bereich auf, den man mit sich herum schleppt, für neu hält und doch nicht erkennen kann. Dieses Design wird dabei konsequent angewandt: auf den Rucksack selbst wie auch auf seine Seitentaschen. Das Ziel ist klar: es soll deutlich gemacht werden, dass es sich hier um eine allgemeingültige Aussage handelt.

Unterstrichen wird dies noch einmal durch den einzigen Teil des Rucksacks, der im besten Sinne transparent und einsehbar ist: das Netz. Es ist schwarz. Das, was man an Tradition und Werten fixiert, bleibt erkennbar und steht jederzeit zur Verfügung, ohne dass es man erst erschließen müsste. Das Netz hat Zeugnischarakter, indem es nichts hinter plakativen politischen Farben verbirgt, sondern offen zeigt, womit ich mich ausrüste und wodurch es gehalten wird. Mit diesem Netz werden Menschen gefangen für Christus.

Auch der Griff des Rucksacks ist schwarz. Während man mir an den roten Tragegurten die Last überhängt und sie mich dann fortwähren von hinten verfolgt, wird sie durch den schwarzen Griff sozusagen handhabbar. Ich kann sie mir am schwarz vor Augen führen, öffnen, sichten, kann sie abgeben und loslassen.


Was ich im vermeintlich Fortschrittlichen zusammengepfercht mit mir herum schleppe, wird durch die Werte erst sichtbar, nutzbar. In diesem Licht will der Rucksack verstanden sein. Er ist ein gelungenes Symbol für vieles, was man auf dem Katholikentag vermutlich vermissen wird, und darum wichtig.

Montag, Februar 27, 2012

Aufbruch, Aufbruch! Überall Aufbruch!




Eigentlich hatte sich Eberhard den neuen Aufbruch anders vorgestellt.

Ornithologisches Frühlingstagebuch 1

[Von Bastian]

Nachdem es bereits vor dem Kälteeinbruch einiges an Vogelgesang gab, der aber nicht ernst zu nehmen war, geht es inzwischen richtig los. Ich werde hier ab und zu in Stichworten berichten, was sich bei uns so tut.

Inzwischen singen Rotkehlchen (die haben nie wirklich aufgehört), Heckenbraunellen, Misteldrosseln und Amseln. Ab und zu auch Zaunkönig, Grünling und Buchfink. Taube und Kleiber rufen, zwischendurch auch der Grünspecht. Die Kohlmeisen stellen vom Winterruf (leiser, hoch und 2x tief) auf den Revierruf um (variabel mit Betonung des hohen Tons). Die Schwanzmeisen haben ihre Schwärme aufgelöst, Blaumeisen fliegen den Nistkasten an. Elstern suchen nach Nistmaterial.
Wenn es wärmer wird, rechne ich in den nächsten Tagen mit den Singdrosseln als ersten Heimkehrern. Bleibt es kühl, wird es noch ca. 2 Wochen dauern.

Sonntag, Februar 26, 2012

Dualität der Geschlechter

[Von Bastian]
Wieder ein interessantes Gespräch mit meinem Bloggervater, von dem ich grüßen soll.
Thema: Geschlechtlichkeit.
Unsere Überlegung: die beiden Geschlechter sind keine Kriterien, zu denen man weitere hinzufügen könnte – sie sind eine Polarität. Wie Heiß – Kalt. Eine dritte Temperatur ist nicht denkbar, sondern würde sich immer aus diesen beiden heraus definieren.
Dennoch werden munter weitere Geschlechter propagiert. Warm beispielsweise. Oder nach Gender die, die sich zwar heiß anfühlen, selbst aber frieren. Oder umgekehrt.
Man kann da auch Rechte draus erwachsen lassen. Zum Beispiel dass auf Wunsch Spiegeleier auf Kühlakkus zubereitet werden, wenn die Akkus sich heiß fühlen. Oder dass Herdplatten in Kühlschränken montiert werden und sich dort frei ausleben, wenn sie sich dazu selbst entscheiden. Ja aus Gründen der "Cesliusgerechtigkeit" sollen sogar nur noch Kühlschränke mit Ceranfeld erlaubt sein, damit die Temperatur stets frei wählbar ist.

Der Brei, der inzwischen aus dem ehemals gut gefüllten Kühlschrank fließt, ist unappetitlich und wahrscheinlich bereits verdorben. Auch die Eier sind hin.
Mir wird schlecht von dem Zeug. Es ist irritierend – wobei die „Aufgeklärten“ über meine Übelkeit irritiert sind.

Guten Appetit.

Samstag, Februar 25, 2012

Existiert ein drittes Geschlecht?

[Von Bastian]

Ich formuliere einmal spontan meine Position: es gibt faktisch kein drittes Geschlecht. Es gibt nur zwei. In der gesamten Natur übrigens.

Genauer gesagt gibt es folgende Fälle:

- Ungeschlechtlichkeit, Vermehrung durch Zellteilung. Beispiel: Bakterien, Einzeller wie das Pantoffeltierchen.

- Zwei Geschlechter in einem Organismus. Ein Individuum produziert beide Arten von Geschlechtszellen. Beispiel: viele Pflanzen (Selbstbestäuber).

- Zwei Geschlechter in getrennten Organismen, nicht fixiert. Das Geschlecht prägt sich je nach Situation aus. Beispiel: Anemonenfische, bei denen stets das größte Tier der Gruppe zum Weibchen wird. Es kann vorher durchaus ein zeugungsfähiges Männchen gewesen sein.

- Zwei Geschlechter nur zu Paarungszwecken. Beispiel: Bienen. Alle Tiere sind weiblich. Nur zum Paaren entstehen Männchen. Sie entstehen aus unbefruchteten Eiern, d.h. sie haben keinen Vater (Parthenogenese).

- Zwei Geschlechter, doch auch andere Vermehrung. Beispiel: Korallen, die sich sowohl durch die Teilung von Polypen oder die Sprossung von neuen Polypen aus dem Gewebe vermehren können als auch durch die Abgabe von Ei- und Samenzellen. Anderes Beispiel: viele Quallen. Sie leben als festsitzende Polypen und vermehren sich durch Ableger. Plötzlich schnüren die Polypen Larven ab, die zu Quallen werden. Die Quallen bilden Geschlechtszellen, die wie üblich miteinander verschmelzen und sich als Polyp festsetzen (Generationswechsel).

- Zwei Geschlechter in zwei Organismen, von denen nur einer Lebensfähig ist. Beipiel: Tiefseeangler (Fische), bei denen die Männchen winzig bleiben, sich an einem Weibchen festsetzen, dort bis auf ihre Geschlechtszellen verkümmern und schließlich quasi ein Teil des Weibchens werden wie ein Organ. Sogar die Blutkreisläufe verschmelzen.

-Zwei Geschlechter in zwei Organismen, dauerhaft getrennt. Beispiel: Mensch.

Ich hoffe, die Liste ist einigermaßen vollständig.

Es gibt also die Ungeschlechtlichkeit (die ausschließlich bei sehr niederen Wesen vorkommt) sowie die Getrenntgeschlechtlichkeit in 2 Geschlechtern. Mehr gibt es nicht.

Die Fälle, von denen beim „Dritten Geschlecht“ die Rede ist, sind Personen, die keinem Geschlecht zuweisbar sind. Es handelt sich dabei keinesfalls um eine weitere funktionelle Variante, sondern um nicht vollständig ausgeprägte oder auf unterschiedliche Arten vermischte Fälle der beiden üblichen Geschlechter männlich und weiblich.

Diese Fälle sind selbstverständlich für die Betroffenen ein Problem. Nur lässt sich das nicht dadurch lösen, dass man aus der uneindeutigen Ausbildung von Männlich oder Weiblich eine neue Norm definiert.

Wenn man die Stellungnahmen in Foren so liest, stellt man fest, dass viele Menschen diese Fälle für eine Art von Transsexualität halten und die Ablehnung eines dritten Geschlechtes für eine Art Homophobie. Das hat jedoch miteinander nichts zu tun – diese Verwechselung zeugt von fehlendem Wissen. Und da sehe ich ein weiteres Problem: die öffentliche Meinung bildet sich zumindest teilweise ohne Voraussetzung und wird ideologisch überfrachtet.

Eine einfache Lösung wäre vielleicht, wenn betroffen Personen die Möglichkeit hätten, die Frage nach dem Geschlecht unbeantwortet zu lassen. Dieser Weg wäre logisch, denn es gibt schließlich auch keine richtige Antwort.

Donnerstag, Februar 23, 2012

Los Wochos Fraktale

[Von Bastian]
Habe es selbst einmal versucht - oder besser: dreimal.
Programm: Fragmentarium.






Gnade

[Von Bastian]

In einem Gespräch ging es um die Aussage, Gnade sei nicht gleich Gnade.

Hier ein kurzer Versuch, den Gedanken zu beleuchten.

Meine Erlösung ist etwas anderes als ein fröhliches Herz, ein günstiger Parkplatz, gute Freunde oder die Bewahrung vor Schnupfen. Zugleich hängt das alles zusammen.

Die größte Gnade ist für mich die Tatsache, dass Gott mich liebt. Das ist sozusagen die Sonne. In mein Leben strahlt dieses Licht hinein. Wie es mich bescheint, ändert sich im Laufe der Zeit. Wo genau es hinfällt, ist jeden Tag und jeden Moment anders. Jeder Lichtstrahl ist eine Gnade für sich und zugleich Teil der ganz großen Gnade.

Gäbe es die Sonne nicht, säße ich im Dunkel. Gäbe es sie, doch ich würde die Strahlen, die sie sendet, nicht wahrnehmen, säße ich genauso im Dunkel. Beides muss sein und den Mechanismus muss ich kennen. Sonst halte ich irgendwann ein sonnenbeschienenes Fleckchen Erde für die Sonne selbst, oder ich glaube an die Sonne, kann sie aber nicht sehen.

Dienstag, Februar 21, 2012

Los Wochos: Kunst oder Wulst?

[Von Bastian]
Einer meiner Lieblingskünstler ist die Mathematik.
Kaum etwas ist freier, reicher und zugleich disziplinierter als Fraktale.
Stöbern auf der Seite lohnt!

Montag, Februar 20, 2012

Pfarrerinitiative nicht mehr zu toppen!

[Von Bastian]

Eine Umfrage spiegelt die Stimmung der österreichischen Bevölkerung bezüglich der Pfarrerinitiative wider. Was weniger bekannt ist: bei den Ergebnissen handelt es sich um Zusammenfassungen. Ein Teil der zugrunde liegenden Fragen, die tatsächlich gestellt wurden, wurde uns samt den Ergebnissen zugespielt. Wir fühlen uns der Wahrheit verpflichtet und veröffentlichen sie.

-

Sind Sie der Ansicht, die Kirche solle auf den Wunsch, den Gehorsam abzuschaffen, hören?

Ja: 82%

Nein: 12%

Unentschlossen: 6%

-

Halten Sie es für sinnvoll, dass nur Priester Priester sein dürfen?

Ja: 12%

Nein: 85%

Unentschlossen: 3%

-

Sind Sie für die Zusammenlegung von Priestern?

Ja: 73%

Nein: 6%

Unentschlossen: 21%

-

Halten Sie es für sinnvoll, in der Überlieferung Jesus eine Frau an die Seite zu stellen?

Ja: 92%

Nein: 2%

Unentschlossen:6%

-

Halten Sie Nein-Sagen für wichtig?

Ja: 96%

Nein: -

Unentschlossen: 4%

-

Sollte die Kirchenführung Mehrheitsentscheiden folgen?

Ja: 156%

Nein: 8%

Unentschlossen: 18%

-

Möchten Sie, dass sich die Katholische Kirche ändert?

Ja: 89%

Nein: 11%

Unentschlossen: -

-

Interessiert Sie die Katholische Kirche?

Ja: 11%

Nein: 89%

Unentschlossen: -

Donnerstag, Februar 16, 2012

Einfach prima!

Wie bekommt man eigentlich angesichts von Vatileaks&Co die Kirche, die Christus ist, mit den äußeren Erscheinungsformen von Kirche zusammen?

Nun, ich bekomme das überhaupt nicht übereinander. Das passt meiner Meinung nach nie. Sogar der Papst hat als erstes gesagt, es beruhige ihn, dass Gott auch mit unzureichenden Werkzeugen zu arbeiten wisse. Der glaubt auch nicht an sich.
Mir gibt gerade diese Diskrepanz Hoffnung. Die Kirche ist wie ich: unvollkommen. In mir will der Heilige Geist wohnen - das passt eigentlich wirklich nicht. Das gute bei Gott: es muss auch nicht passen.
Gott hat mir 4 Kinder anvertraut. Eigentlich ein Wahnsinn! Gott hat sich selbst der Kirche anvertraut - das ist wohl noch verrückter. Aber mit Blick auf das Kreuz weiß ich, dass er das ernst meint und dass er alles, was fehlt, selber gibt, nämlich sich selbst. Die Kirche hat die Sakramente. Das ist für mich Beweis genug.
Weil ich glaube, dass die Katholische Kirche Seine Kirche ist, kann ich ihr vertrauen. So wie ich jemandem finanziell vertraue, der zwar nicht immer bei Kasse ist, aber einen reichen Papa hat, der für alles garantiert. Selbst wenn es nervig ist: er ist der Erbe und mein zugesagtes Geld kriege ich.

Gott ist eben genial!

Ich könnte heulen!

[Von Bastian]
Zwei Frauen bekommen miteinander ein Kind. Steht in der Zeitung.
Faktisch ist das erst einmal Unsinn. Irgendwo gibt es einen Vater, von dem aber nicht die Rede ist. Eine der beiden Frauen ist schwanger – die andere hat mit dem Kind nichts zu tun.
Nichts? Die beiden Frauen lieben sich, haben geheiratet. Sie haben bei uns ähnliche Rechte wie ein heterosexuelles Paar. Warum also kein Kind? Unsere Gesellschaft ist in der Lage, der Tatsache abzuhelfen, dass die beiden kein Kind zeugen können. Es hat geklappt. Also bekommen sie eben doch ein Kind – der Fortschrittlichkeit sei Dank. Und sie sind glücklich. Dem Kind werden sie offen alles erzählen. So stellt es sich dar.

Meine erste Stellungnahme muss sein, dass ich mich über jedes Kind freue, das zur Welt kommt. Auch über dieses, ohne Einschränkung! Und jetzt wird es schwierig. Wie verurteilt man aufs Schärfste die Einstellung, die dahinter steht, ohne das Kind zu treffen? Ohne ihm seine Mutter anzugreifen? Es ist fast unmöglich. Ich lasse daher die beiden Frauen, die sich als Eltern bezeichnen, persönlich außer Acht. Dieses Kind ist da und ich wünsche ihm von Herzen alles Gute!

Was also ist es für eine Gesellschaft, in der Menschen gemacht werden, wenn jemand sie haben will, und getötet werden, wenn man sie nicht braucht? In der man ein Recht auf ein Kind, also auf einen Menschen hat? In der das vermeintliche Recht auf ein Kind, das man faktisch nicht bekommen kann, höher steht, als das Recht des Kindes auf seine wahren Eltern, die es faktisch hat?
Was ist das für eine Gesellschaft, die die Einhaltung der Menschenrechte fordert und sich zugleich selbst die totale Verfügung über die eigenen Kinder herausnimmt? Der Verfügung bis hin zu sein oder nicht sein, Wegnahme der wahren Eltern, Verweigerung der Kenntnis der eigenen Herkunft?

Ich weiß, dass das alles schon tausendmal geschrieben wurde. Aber ich denke, ich darf es nicht riskieren, es nicht zu schreiben: Menschenrechte sind bei uns längst Rechte am Menschen geworden. Wohnrecht ist schließlich auch kein Recht der Wohnung, sondern eines an ihr.

Ich könnte heulen!

Dedicated to THE QUEEN

Warum nicht der Queen of Blogs ein kleines Nachmittagsständchen singen?

Mittwoch, Februar 15, 2012

Vorauseilend in die Irre.

[Von Bastian]
Interessantes Gespräch mit meinem Bloggervater. Thema: die immer wiederkehrende Forderung nach dem Priestertum der Frau. Wir besprachen jedoch nicht den Gesichtspunkt, dass das Thema längst entschieden ist, sondern die Ansicht vieler, die erwarten, dass sich die Haltung der Kirche auch zu Dingen, die sie endgültig entschieden hat, im Laufe der Zeit ändern wird. Diese Ansicht hat Konsequenzen.

Erst einmal sind es innere Konsequenzen. Ich betrachte die Kirche nicht mehr als das, was sie ist, sondern als das, was sie meiner Meinung nach einmal sein wird. Ich ersetze die Kirche, die ist, durch eine Fiktion, die nicht ist. Dieser Fiktion folge ich im vorauseilenden Gehorsam.
Der nächste Schritt sind auch äußere Folgen: wenn sich die Kirche nicht in die Richtung entwickelt, die meiner Fiktion entspricht, entfernt sie sich in meinen Augen von ihrem eigentlichen Weg. Es ist dann vermeintlich meine Verantwortung, sie in ihrem eigenen Namen zu korrigieren. Je nachdem, wo meine Fiktion liegt, kann ich WiSiKi gründen, die Pfarrerinitiative oder auch die Piusbruderschaft.
Ich lebe nicht mehr aus der Lehre, sondern aus meiner Erwartung. Diese Erwartung kann mich blind für das machen, was von Gott kommt, weil ich nur auf etwas ganz bestimmtes fixiert bin. Ich bin wie viele Zeitgenossen Jesu, die den Messias nicht erkannten, weil sie darauf warteten, dass endlich etwas offenbart würde, das sie schon lange wussten.

Ketzerische Überlegung

[Von Bastian]

Nach dem Konzil ist das katholische Christentum an vielen Stellen aus den Fugen geraten, zumindest in Europa und ganz zumindest im deutschen Sprachraum. Soviel ist klar.
Seitdem führen wir Diskussionen auf der Basis, dass das Konzil diese Änderungen verursacht hat. Aber hat es das?
Es ist inzwischen schwer, diesen Gedankengang zu verlassen. Zu offensichtlich ist das, was geschieht, eine Übertreibung dessen, was das Konzil wollte, und gedeiht auf dem Boden, den eben dieses Konzil bereitet hat. Die Gleichsetzung Konzil = Bodenbereiter ist nahezu allgegenwärtig.

Manchmal frage ich mich, ob das so richtig ist. Gerade die Zeitgleichheit lässt mich zweifeln. Die Veränderungen sind nicht nach dem Konzil erwachsen, sondern gleichsam aus ihm herausgeschossen. Als wenn das Konzil das Ventil eines Kochtopfes geöffnet hätte, in dem großer Druck herrschte. Der Druck ist das Problem, nicht das Ventil.

Mir ist klar, dass sich dieses Bild nicht beliebig ausschlachten lässt und ebenfalls nur einen Aspekt der Sache darstellt. Doch dieser Aspekt, dass möglicherweise in der Zeit vor dem Konzil ein großer Teil des Frusts entstanden ist, der sich so verhängnisvoll Bahn gebrochen und vermehrt hat, dieser Aspekt sollte nicht ganz vergessen werden.

Freitag, Februar 10, 2012

Dank an die Evangelikalen Christen!

[Von Bastian]
In den USA unterstützen evangelikale Christen die katholischen Bischöfe bei ihrem Einsatz gegen die Einschränkung der Religionsfreiheit. Sie haben keine Berührungsängste und sprechen von uns als ihren Brüdern und Schwestern. Link. Link.
Ich möchte mich dafür öffentlich bei ihnen bedanken.

Unseren eigenen Umgang mit ihnen sollten wir dagegen vielleicht noch einmal überdenken: Link.

Dienstag, Februar 07, 2012

Neu in der Blogroll

Neu in unserer Blogroll bedeutet nicht »Neu in der Blogozese«. Darum bitten wir um Nachsehen, wenn wir einige der alteingesessenen Blogözesanen erst nach und nach zur Blogroll hinzufügen. Und dabei staunen, wie vielfältig das Netzwerk geworden ist.

· deus lux est

· Gregorianischer Choral

· o crux ave spes unica

Mein Gewissen ist größer als ich.

[Von Bastian]


Eine Frage nach der Verbindlichkeit päpstlicher Aussagen wurde auf Facebook interessant und recht ausführlich beantwortet. Die Antwort endete mit dem Satz „Den eigentlichen Gehorsam des Glaubens schulden wir nur Gott allein, wie er sich vor allem in der Stimme des Gewissens kundtut.“ Dazu einige Gedanken.

Das Gewissen ist immer wieder ein Schwachpunkt in Argumentationen. Oft wird es herangezogen.
Schwachpunkt nicht, weil es abzulehnen oder zu relativieren wäre – im Gegenteil. Oft wird die mögliche Begrenzung der Wirksamkeit kirchlicher Aussagen für den einzelnen durch das Gewissen ausführlich dargestellt. Der begrenzende Faktor – eben das Gewissen selbst – wird hingegen meist nicht genauer definiert. Damit ist jedoch auch die Begrenzung nicht wirklich fassbar. Was ist eine Gewissensüberzeugung? Ein Bauchgefühl? Der persönliche Eindruck, schuldig zu sein, wenn ich anders handele? Reicht das?

Wäre das Gewissen allein in mir begründet, wäre ich damit der letzte Maßstab. Beim Beurteilen von Dingen, die über mich hinausgehen, ist ein solcher Maßstab ungeeignet. Er ist zu klein, greift zu kurz. Das Gewissen selbst muss als Maßstab immer neu geeicht werden. Dazu gehört der Mut, Dinge hinzuzufügen, die meinen eigenen gefühlsmäßigen oder intellektuellen Rahmen sprengen. Es kann sein, dass ich Dinge bejahen oder verneinen muss, die ich selbst so nicht vollständig nachvollziehen kann. Anderenfalls könnte ich nur einem Gott glauben, der in meinen Kopf passt. Zu einer Bildung des Gewissens gehört es deshalb, die eigenen Grenzen zu erkennen und jenseits dieser Grenzen die Maßstäbe anzuwenden, die ich verantwortlich als richtig erkannt habe. Das kann auch die Lehre der Kirche sein. Als Katholik glaube ich der Offenbarung Gottes, die er mir in der Kirche schenkt. Durch die Kirche glaube ich ihm.

Man mag einwenden: Du gibst dein Gewissen an der Kirchentür ab. Du stiehlst dich aus der Verantwortung, indem du vorgegebene Lösungen einfach anwendest und gar nicht selbst dahinter stehst.
Das wäre so, wenn ich die Lehre der Kirche aus Bequemlichkeit anwenden würde. Wenn ich jedoch erkenne, dass mein Wesen zur Beurteilung von Glaubenssätzen gar nicht ausreicht, muss ich den Maßstab suchen, der ausreicht, wenn ich Gott nicht auf mich und meine Fähigkeiten zurechtstutzen will. Das wäre ein armer Gott. Deshalb ist ein gläubiges und katholisches Gewissen geprägt von dem, was der Mensch als Gewissensträger selbst nicht erreichen kann.

Aussagen der Kirche haben daher für mich erst einmal eine hohe Verbindlichkeit, weil sie nicht nur von meinem Gewissen beurteilt sein wollen, sondern erst einmal Eingang in das Gewissen selbst finden. Eine Gewissensfrage wird so zu einer Vertrauensfrage und damit Glaubensfrage. Meine Aufgabe ist, nach meinem Gewissen zu handeln. Dazu gehört auch, darauf zu achten, dass ich nicht meine Begrenztheit an die Stelle der Größe Gottes setze und das mit meinem Gewissen begründe.

Montag, Februar 06, 2012

Eigentor

[Von Bastian] (Habe heute meinen PI-Tag)

Ein Traditionsverein spielt seit langem in der ersten Liga.
Eines Tages beschließt der Präsident, mehr und bessere Jugendarbeit zu leisten. Was man inzwischen an Sportpädagogik und Physiologie neu lernte, soll in die Aufbauarbeit einfließen. So wird es beschlossen.
Die Stadt ist begeistert. Neue Vereinsheime entstehen. Fußballevents werden veranstaltet. Die Jugend wird zum Probetraining eingeladen. Der Erfolg ist riesig. Man schafft eine interne Vereinsliga mit vielen Mannschaften. Große Euphorie.
Nach einiger Zeit verlassen einige den Verein wieder, das Training nach den Events war ihnen dann doch zu hart. Neue Events werden veranstaltet. Wieder bleiben einige, andere gehen. Zum dritten Event kommt kaum noch jemand. Erschrocken fragen die Trainer nach dem Grund für den Rückgang und erfahren, dass das Training zu hart sei.
Einige sagen, nur mit einer guten Mannschaft haben wir etwas, das überzeugen kann. Sie trainieren weiter, so gut sie können. Andere sagen, die neuen Erkenntnisse seien Quatsch. Sie schimpfen darauf, kehren zum alten Training zurück und lassen die Erkenntnisse ungenutzt. Viele andere aber versuchen, das Training zu entschärfen. Sie machen die Termine unverbindlich und gestalten das Training unterhaltsam statt effektiv. Sie haben anfangs Zulauf, dann aber versagen ihre Spieler im Turnier. Um den Frust nicht zu fördern, erklären die Trainer, es käme letztlich nicht auf das spielerische Können an, sondern auf die Gemeinschaft in der Mannschaft. Das Training wird eine Art Gruppenstunde.
In der Stadt nimmt inzwischen kaum noch einer den Verein ernst. Die schöne interne Liga mit ihren ganzen Mannschaften ist ausgeblutet. Kaum noch jemand schafft die Qualifikation zur Trainerprüfung. Viele Vereinsmannschaften haben keinen Trainer mehr und gehen ein.
Die Vereinsführung beschließt, das System zu straffen und empfiehlt dringend, das Training nicht zu vernachlässigen. Da begehren einige Trainer auf.
Das eigentliche Problem sei die FIFA, die nicht begreife, was junge Spieler heute bräuchten. Wenn kaum jemand die Trainerprüfung schaffe, sei sie offensichtlich falsch angelegt. Das antiquierte Trainerbild habe ausgedient. Um den Verein wieder voll zu kriegen, brauche man mehr Gruppenleiter. Ziel sei es doch, den Verein für junge Menschen zu öffnen und nicht, sie durch starre Regeln abzuschrecken. Auch dürfe man niemanden in eine Mannschaft zwingen. Sport sei schließlich keine Frage des Gehorsams, sondern jeder sei für seinen Körper selbst verantwortlich. Sport sei Privatsache und Fußball heute etwas völlig anderes als früher. Der Weg, Fußball auch weiterhin attraktiv zu halten, sei die Abschaffung verbindlicher Regeln und die Einstellung von Gruppenleitern.

Es ist mir unbegreiflich, aber die meinen tatsächlich, der Verein habe nur auf ihre Ideen gewartet und die Umsetzung scheitere an den Holzköpfen in der Vereinsleitung.

Der Antagonist

[Von Bastian]
Wenn wir einmal den Worst Case (kurz: WC) inszenieren, den die PI (lang: Pfarrerinitiative) sich vorstellen kann – was wäre das?
Um aktuell zu sein, betrachten wir am besten die 5 aktuellen Neins (Link).

Erstes Nein: Keine Sakramentenspendung ohne eigentliche Seelsorge. Nicht an vielen Orten flüchtig anwesend sein.
Was wäre der WC? Nur zur Sakramentenspendung auftauchen, sofort wieder weg zu sein, um heimatlos woanders flüchtig aufzuschlagen.

Zweites Nein: Keine Routine durch zu viele Eucharistiefeiern am Wochenende. Kein Vernachlässigen von Begegnung und Gespräch.
Was wäre der WC? Kurz vor der Messe anzukommen und gleich danach weiterzufahren.

Drittes Nein: Keine Groß- oder gar Riesenpfarreien. Lieber eine Änderung des Kirchenrechts.
Was wäre der WC? Pfarreien, groß wie Bistümer, in denen das Kirchenrecht hochgehalten wird.

Viertes Nein: Keine Überforderung der Pfarrer durch Pflichterfüllungsstress, keine Arbeit über das Pensionsalter hinaus.
Was wäre der WC? Arbeiten, dass es an die Gesundheit geht, sich einplanen lassen für den Einsatz ohne Einschränkungen.

Fünftes Nein: Kein Festhalten am Kirchenrecht, wenn es viel fordert.
Was wäre der WC? Die Verkündigung der reinen Lehre der Kirche ohne Einschränkung, angeboten zugleich mit der Beichte für die, die scheitern und Hilfe brauchen.

Was wäre also der SuperWC, der Gau für PI’ler schlechthin: Es wäre das Land, in dem es riesige Gebiete ohne Pfarreien oder sogar ohne jede Kirche gibt. Dazu Priester, die organisiert von Ort zu Ort reisen, um die Sakramente zu spenden, und alsbald wieder abreisen, um das anderenorts zu wiederholen. Priester, die dabei das Kirchenrecht erfüllen und bestrebt sind, dass alle es so halten. Priester, die dafür auf ihre Heimat verzichten .


Nun, es ist möglich, diese Horrorvorstellung von Gemeinde in der Realität zu betrachten: diesen 5fach abgelehnten Fehlversuch gab es bereits. Das Gespenst, in dem sich all das manifestiert, was die PI nicht will, hat einen Namen: Pater Werenfried van Straaten.
Er organisierte den Dienst von Priestern, die in großen Gebieten Vertriebenen, Heimatlosen und Versprengten die Sakramente brachten und sie so in die Weltkirche eingliederten. Priester, die nicht forderten, sondern sich selbst hingaben. Die sogar Autos zu Kapellen umbauten, um das, was nur sie geben konnten, in Übereinstimmung mit der Mutter Kirche zu tun. Pater Werenfried selbst hielt bis zu 90 Predigten in einem Monat, hatte trotz angeschlagener Gesundheit ein riesiges Arbeitsspektrum, arbeitete bis zum Lebensende und war ständig auf Achse. Er war der fleischgewordene Supergau der Pfarrerinitiative.
Auch heute gibt es ähnliche Ansätze: Link, Link, Link

Angesichts dieser Gegenüberstellung habe ich nur eine Frage: wäre Pater Werenfried nicht der ideale Fürsprecher für unsere deutschsprachige Kirche heute?

Donnerstag, Februar 02, 2012

Frohbotschaft ohne "Drohbotschaft" = No Botschaft.

[Von Bastian]
Wieso? Wieso soll es nicht möglich sein, einfach etwas Gutes zuzusagen? Ist Gott nicht die Liebe, das Gute schlechthin, ohne Böse zu sein? Wessen Wahrheit wird mit Drohungen verkündet?
Das klingt in sich zumindest erst einmal logisch.

Ein Gleichnis.
Wenn jemand krank ist, kann ich ihn glücklich machen, indem ich ihn heile. Wenn der Patient jedoch behauptet, er sei nicht krank, wird es kompliziert. Irgendwie muss er das Medikament schlucken. Was tun?
Vielleich kann ich ihn durch Manipulation dazu zu bringen, das Medikament aus irgendwelchen anderen Gründen zu schlucken. Wenn er schon nicht kapiert, dass er es braucht, könnte er es ja schlucken, weil die Gesellschaft der anderen Patienten so nett ist und er auch dazu gehören will. Man könnte das Medikament auch schlucken, weil man dann zum kleinen Kreis derer gehört, die wirklich wissen, was Pillen sind. Oder weil der Apotheker so nett ist. Allerdings funktionieren all diese Dinge auch ohne das Medikament. Es wird nicht regelmäßig eingenommen oder durch Kuchen ersetzt.
Ich habe jetzt 2 Möglichkeiten, den Patienten froh zu machen. Die eine ist, dass ich ihn aufkläre und dann heile. Die andere ist, dass ich ihm erkläre, er sei gar nicht krank. In beiden Fällen ist das Thema Krankheit vom Tisch.
Um im Bild zu bleiben: warum kann ich ihm nicht einfach die Gesundheit zusagen? Ist es nicht Ziel der Pharmaindustrie Gesundheit, die nicht durch Leiden erkauft werden muss? Wer hat etwas davon, dem Patienten mit Siechtum zu drohen?
In diesem Zusammenhang klingen die Fragen außerordentlich dämlich. Es gäbe keine Heilung. Um geheilt zu werden, muss ich wissen, dass ich krank bin.

Kann ich das übertragen?
Ich weiß nicht, wie es anderen Menschen da geht, aber ich liefere mir meine Antwort selbst. In meinem Fall kann ich. Ich weiß, dass ich vor Gott krank bin. Ich kenne meine Sünden, oder zumindest einige davon. Ich weiß, dass ich Gottes Medizin brauche.
Im Inneren weiß das wohl jeder Mensch. Und für jeden Menschen ist es immer wieder schwer, dieser Tatsache ins Gesicht zu sehen. Aber da mein Arzt ein guter Arzt ist, kann er diagnostizieren. Das ist die Rolle der „Drohbotschaft“: die Diagnose. Sie zeigt mir, was mein Problem ist. Mein Arzt droht mir nicht, mich krank zu machen, sondern zeigt mir, warum ich seine Therapie brauche. Ihn dafür verantwortlich zu machen ist so sinnvoll, wie den Meteorologen für das Wetter anzuklagen. Die „Drohung“ ist gar keine. Sie ist das, was ich wissen muss, um die richtige Therapie zu wählen und zu verstehen.
Wenn die Verkündigung darauf verzichtet, die Situation beim Namen zu nennen, ist sie keine. Sie wäre fruchtlose Beschwichtigung. Wie ein Ärzteverband, der verlauten lässt, es sei nicht mehr zeitgemäß, von Krebs zu sprechen – „persönlich einzigartige Wachstumsformationen“ seien angemessener und zudem nicht ängstigend. Geschwätz. Eine Krankheit ohne Folgen ist keine. Eine Heilung von etwas Unerheblichem ist überflüssig. Ein Arzt, der nicht diagnostiziert, heilt nicht. Eine kranke Gesellschaft, die ihre Krankheit nicht kennt, ist noch kranker. Wer nicht alles sagt, hat nichts zu sagen.

Deshalb gehört die „Drohbotschaft“ untrennbar zur Verkündigung: sie ist Teil des Heilsplanes Gottes für uns, der aus Diagnose und Therapie besteht. Gott manipuliert nicht. Er spielt immer mit offenen Karten und wünscht, dass ich seine Therapie selbst wähle. Er entmündigt mich nicht, um mir dann die Erlösung freundlich unterzuschieben, sondern er sagt mir die Wahrheit. Die ganze Wahrheit.

Dienstag, Januar 31, 2012

Konsequent!

[Von Bastian]
Ein Vater wünscht, dass die Taufe seines Kindes rückgängig gemacht wird. (Link)
Wie auch viele Vorstellungen zum Thema Eucharistie bzw. Abendmahl basiert dieser Wunsch auf Nichtwissen: man geht von der menschlichen Machbarkeit aus. Dementsprechend wird ein Gericht angerufen. So gesehen ist der Wunsch des Vaters einleuchtend: eine menschliche Handlung kann selbstverständlich zurück genommen werden, eine solche Rücknahme kann erzwungen werden. Dass die Idee der menschlichen Machbarkeit göttlicher Dinge zugleich neben Ahnungslosigkeit auch Unglauben zeigt, ist evident.
Umso positiver ist die rechtliche Begründung der Ablehnung durch das Gericht (Link). Die Nicht-Zuständigkeit wird erkannt und benannt. Man könne sicher allerhand regeln und hinterfragen, doch die Taufe nicht zurücknehmen. Die Wirksamkeit der Taufe als solcher bleibe nach katholischer Glaubenslehre unberührt. Diese Begründung ist konsequent. Sie ist zudem, wenn man es genau nimmt, gläubig.

Montag, Januar 30, 2012

Ich habe die Wahl

[von Bastian]
Gott hat sich als die Wahrheit bezeichnet, nicht als die Gewohnheit.
Es gibt zu wenig Priester, um die bestehenden Gemeindestrukturen zu versorgen (wenn ich das einmal so dienstleistungstechnisch formulieren darf - dem wirklichen Sachverhalt entspricht das nicht). Ich habe die Wahl.

Stelle ich meine Gewohnheit zurück, um die Wahrheit zu bekommen? Das kann mich meine gewohnte Gemeinde kosten. Ein Preis, der für viele zu hoch erscheint.
Oder stelle ich die Wahrheit zurück, um das Gewohnte zu erhalten? Das kann mich die Eucharistie kosten. Ein Preis, der vielen offensichtlich gering erscheint, solange in den gewohnten Strukturen irgendetwas gemeinsam gefeiert und ausgeteilt wird.

Paradoxerweise erheben gerade die, die die Gewohnheit wählen, den Vorwurf, man sei nicht beweglich genug.

Samstag, Januar 28, 2012

Es gibt nichts...

"Es gibt nichts, was sich nicht beweisen lässt, wenn der Horizont nur eingeschränkt genug ist."
Dies lässt Dorothy Sayers ihren Detektiv Lord Peter Wimsey sagen.
Mir gefällt es.

Freitag, Januar 27, 2012

Mittwoch, Januar 25, 2012

Und noch mehr Kühe.

[Von Bastian]

Es gab wieder den Versuch, die Welt mit 2 Kühen zu erklären: Link.
Ich kann das zwar nicht so schön, aber der Ansatz verdient es weitergeführt zu werden.
Da die Viecher sich vermehren, wurde dieser Beitrag ergänzt.

Erzbischof Zollitsch:
Du hast zwei Kühe. Du redest mit ihnen, aber das ist mühsam. Mit den Gesprächsprotokollen bedruckst du deine Milchtüten. Das wurde auch höchste Zeit.

Berlusconi:
Du hast zwei – oder sogar mehr... äh… lassen wir das.

Thomas Gottschalk:
Du hast zwei Kühe. Zumindest sie schauen Deine Sendung.

Weltbild:
Du hast zwei Kühe. Du schüttest Gülle in die Milch. Der Lebensmittelaufsicht erzählst du, ohne die Gülle wäre es zu wenig Milch. Du bist aber bereit, die Gülle vor dem Reinschütten zu filtern. Weil das Unsinn ist, musst du jetzt die Kühe verkaufen.

Pater Langendörfer:
Du hast keine Kühe, aber du beaufsichtigst die Güllefilterung. Dafür spricht man dir das Vertrauen aus.

Magdalena Neuner:
Du hast zwei Kühe. Du melkst die falschen.

Hans Küng:
Du hast zwei Kühe. Du bezweifelst, dass es Milch ist, was sie geben, und redest lieber von Flüssigkeit. Das erweitert deinen Horizont, denn es gibt eine ganze Menge anderer Flüssigkeiten. Du schüttest sie alle zusammen, nennst sie „Weltmilch“ und schreibst dafür einen Werbesong.

Eugen Drewermann:
Du hast zwei märchenhaft schöne Kühe. Rein symbolisch natürlich.

Karl Rahner:
Du hast zwei Kühe. Bei richtiger Pflege myste es die auch in Zukunft noch geben.

Deutsche Presse:
Jemand hat zwei Kühe. Du fotografierst einen Kuhfladen und bringst eine Reportage über einen, der reingetreten ist und seine Schuhe putzen muss. Du stellst fest, dass der Kuhbesitzer genau bei der Bank ein Konto hat, die die Schuhputzmittelfirma finanziert. Der Rest ist ein Selbstläufer.

Blogger:
Du hast zwei Kühe. Es sind die richtigen.

Memorandist.
Du hast zwei Kühe. Dein Freund hat zwei Hunde. Deine Freundin hat zwei Hamster. Alle haben Flöhe. Die Hunde und die Hamster dürfen nicht in den Kuhstall. Das besorgt dich. Du forderst den einen Stall für alle. Die Produktion von reiner Kuhmilch oder gutem Rindfleisch lehnst du als elitär ab.

Christian Wulff:
Du hast zwei Kühe. Woher hast Du die eigentlich?

Klaus Wowereit:
Du hast zwei Kühe und das ist gut so. Sie bekommen das Adoptionsrecht.

Pater Breulmann:
Du hast zwei Kühe. Im Kern sind es Schweine.

Bischof Ackermann:
Du hast zwei Kühe. Du verkaufst keine Milch, um die Annäherung an die Veganer nicht zu konterkarieren.

Pfarrer Schüller:
Du hast zwei ungehorsame Kühe. Sie muhen demnächst international, aber geben keine Milch. Du verkaufst stattdessen Wasser in milcharmer Zeit. Dein Ziel ist es, Wassergroßhändler zu werden, um den Milchhandel abzuschaffen.

Bischof Zdarsa:
Du hast zwei Kühe. Du bringst sie zum Schweigen. Dazu sagst du, am Muhen sei nichts auszusetzen.

Griechenland:
Du hattest mal zwei Kühe.

Deutschland:
Du hast zwei Kühe. Deine Nachbarn haben keine. Sie fordern, dass du von deinen Kühen 15 an sie abgibst.

Euro-Rettungsschirm:
Überall, wo keine Kühe sind, baust du einen Stall. Für das nötige Geld verkaufst du deine letzten Kühe.

Holland:
Du hast zwei Kühe. Wenn sie nicht mehr selber muhen können, werden sie geschlachtet.

Guttenberg:
Du hast zwei Kühe. Du behauptest, die Milch sei von dir.

Bill Gates:
Du hast zwei Kühe. Sie sind veraltet und infiziert. Als Lösung verkaufst Du „Stall 2.0“.

Kreuz.net:
Du hast nie eigene Kühe gehabt, verstehst dich aber aufs Wiederkäuen. Weil Du gerne tote Ratten durch deinen kleinen Fleischwolf drehst, hältst du dich für einen Lebensmittelproduzenten.

ORF:
Du weißt, wie man Kühe malt. Weil man auch Mist malen kann, sind Kühe logischerweise auch schlecht. Deine Bilder geben keine Milch. Schuld daran sind die Viehzüchter.

Alipius:
Du hast zwei Kühe. Eine heißt Robusta.

ORF offenbart: Hölle angebohrt!



Wollte doch Gott, daß sich die Hölle anbohren ließe! Dann könnte man alle Deppen herausholen, die gewissen ORF-Reportagen Glauben schenken.

(Aus gegebenem Anlaß. Stoßseufzer eines Fernsehzuschauers.)

Montag, Januar 23, 2012

Irgendwie geht das Priesterverständnis in eine merkwürdige Richtung.

[Von Bastian]
Von einem Priester wird erwartet, dass er teamfähig ist. Sicher wäre das gut, aber er ist Priester. Ein Manager kann das besser.
Von einem Priester wird erwartet, dass er kommunikativ ist. Sicher ebenfalls gut, aber er ist Priester, nicht Gesprächstherapeut.
Von einem Priester wird erwartet, dass er seine Botschaft gut rüberbringt. Sicher wäre das auch gut, aber er ist Priester, nicht Journalist.
Von einem Priester wird erwartet, dass er in persönlichen Krisen guten Rat gibt. Jeder gute Psychologe kann das besser.
Ein Priester soll die Menschen abholen, wo sie stehen. Lehrer haben das gelernt.
Ein Priester soll integrieren. Aber er ist kein Sozialpädagoge.
Eigentlich erstaunlich, dass der Priester nicht kochen können soll (für die Armenküchen).

Sind diese Wünsche an einen Priester nun falsch? Nein, sind sie nicht. Sie spiegeln wider, was für seine Tätigkeit hilfreich wäre. Aber all dies ist nicht die Tätigkeit des Priesters selbst.
Ein Priester kann etwas, was sonst niemand kann: Sakramente spenden. Er ist dafür nicht qualifiziert, sondern geweiht. Qualifiziert ist dazu niemand. Das ist auch nicht notwendig, weil es letztlich Gott ist, der handelt, nicht der Priester.
Für mich ist der ein guter Priester, der weiß, dass er Gott vermitteln soll. Der weiß, dass er nicht qualifiziert ist und deshalb auch gar nicht versucht, es zu sein. Der mit dem Heiligen Geist durchs Leben geht und weiß, dass es im Zweifelsfall wichtiger ist, zu beten, als die Predigt auszuformulieren. Der Gott und deshalb die Menschen liebt und aus dieser Liebe heraus handelt. Daraus entstehen all die oben geforderten Fähigkeiten. Nicht immer, wie sie im Lehrbuch stehen und nicht immer, wie sie allen angenehm sind. Auch nicht immer so, dass sie in der Presse zitierbar sind. Aber sie sind wirkungsvoll, weil sie von Gott angestoßen sind und nicht von Menschen.
Der Priester selbst als Mensch kann so zu dem werden, was jeder Mensch sein sollte: ein Original.
Alles entwickelt sich so aus Gott in den Sakramenten und im Gebet.

Wenn es aber andersherum ist, wenn der Priester erst Kriterien erfüllen will, bevor er sich daran macht, für Gott da zu sein, wenn die ganzen Dinge, für die er nur halb qualifiziert ist, sogar wichtiger sind als die Sakramente, dann läuft er, so denke ich, neben der Spur, was seine Berufung angeht. Dann steht er Gott ziemlich im Wege. Und mir erschwert er den Blick auf Gott, weil er sich ständig dazwischen stellt.
Wenn ein Priester sogar die Sakramente selbst nur noch im Licht von Kommunikation, Integration und sozialem Verhalten sieht, sie für Anderes zurückstellt, ersetzt oder nur als Vehikel für menschliche Bedürfnisse und die eigenen Dinge versteht und entsprechend anpasst und verdreht, der schneidet Gott von den Menschen ab. Er mag es noch so sehr im Namen der Liebe tun – er hat seine Berufung verfehlt.
Wenn die Gemeinde vor allem auf die Qualifikationen schaut, also auf den Priester selbst, dann macht sie ihm das Wirken schwer bis nahezu unmöglich. Der Priester ist der Mensch, der in seiner Funktion ganz hinter den zurück treten soll, dem er dient. Wenn die Gemeinde vor allem auf ihn und seine Eigenschaften schaut, stellt sie ihn dorthin, wo er nicht hin gehört, nämlich in den Mittelpunkt. Eigentlich logisch, dass diejenigen, die am meisten unter der Vorrangstellung der Priester leiden, meist zugleich die sind, die die längste Liste an Anforderungen haben.

Im Leben ist es so, dass man sich fast alle Menschen, mit denen man eng verbunden ist, nicht aussuchen konnte: Eltern, Kinder und alle weiteren Verwandten. Nur den Ehepartner kann man sich aussuchen – meistens. All diese Menschen, mit denen man einfach leben muss, sind die Familie. Auch den Priester kann man sich nicht aussuchen. Man sollte ihn daher auf die Weise annehmen, wie man ein Familienmitglied annimmt: als gegeben. So kommt man mit seinen Macken klar und dem Priester schlägt die nötige Liebe entgegen. Wenn wir mehr Berufungen wollen, sollten wir unsere Priester aufnehmen, sie lieben und von ihnen Gott in den Sakramenten erwarten und auch einfordern. Denn Gott ist es, der wirkt.

Pentateuch.

Die Älteren unter uns kennen das noch. Wenn in der Programmzeitschrift hinter der Ankündigung einer Sendung »Wdh« stand, dann hieß das: Die Sendung wird wiederholt. Damit das Programm bunter wurde, ohne daß man eine Neuproduktion aufnehmen mußte.

Mach ich jetzt auch mal. Aus Nostalgiegründen in Schwarzweiß.

Willkommen!

[Peter Esser] Willkommen in der Blogoezese: Der bloggende Diakon als Wegbegleiter, Bartimäa mit dem griffigen Blognamen »A te numquam separari permittas« und Severus mit der schönen Domkrypta und der Serie über »Klerus und Schach«. Letzterer zwar kein Neuer, aber aus unerfindlichen Gründen lerne ich ihn jetzt erst kennen. Besser spät als nie.

Vom Schatten und der Lüge eines Gebetes

[Peter Esser]

Dieses Gebet fand jemand in einem Gebetsheftchen, das von der Benediktinerabtei Maria Laach herausgegeben wird. In meinem folgenden Kommentar dazu möchte ich einzig zu der Form der Gebetslyrik Stellung nehmen. Ich vermag natürlich nichts über die vermutete gute Absicht der Redaktion zu sagen. Dennoch scheinen mir die folgenden, ernsten Worte angebracht. Dort heißt es:

Gott, freie, lebensbejahende Menschen sind dir eine Freude, weil sie dein Wesen widerspiegeln. Du teilst uns nicht ein in »Normale« und »Verrückte«. Die einzige Norm, die dir wichtig ist, ist das Tun aus Liebe. Lass uns einander nicht in Schablonen einräumen, sondern hilf uns, unnötige Zwänge abzubauen und einen kreativen liebevollen Umgang zu pflegen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, der die Freiheit lebte, anders zu sein, als »man« es von ihm erwartete. Amen.





Ich möchte einige Gedanken zu dem obigen Gebet anschließen. Sicher ist es immer wieder eine Freude, unkonventionellen Menschen zu begegnen! Den Massenmenschen, uniformiert und wenig originell, haben wir schon in den bunten siebziger und achtziger Jahren verachten gelernt. Das sind die Ekel Alfreds, die Spießbürger, die Langweiler. Nun aber zum Gebet:

Ein Gebet im Orationen-Stil ist kein frei formulierter Gedanke, sondern eine Anrede Gottes, die repräsentativ für die betende Gemeinde geschieht. Und da passiert – Benediktiner hin, Benediktiner her – viel Unfug. Besonders wenn der eigentliche Adressat des Gebetes gar nicht Gott ist, sondern die Beter über einige Aspekte des Lebens, die dem Verfasser wichtig erscheinen, belehrt werden soll. So empfinde ich auch diese Oration.

Die Gottesanrede, bar jedes Adjektivs (allmächtiger, ewiger Gott), ist ein einfaches »Gott«, auf das man sich schnell wird einigen können. Leider ist diese Form der Gottesanrede sehr üblich geworden. Sie läßt nicht viel Gutes vermuten … ;-)

In einer klassischen Oration wird meist eine Prädikation angeschlossen, die auf ein Festgeheimnis oder eine offenbarte Eigenschaft Gottes Bezug nimmt. Hier dreht sich aber bereits die Gebetslyrik und läßt aus dem Lobpreis Gottes einen Lobpreis des Menschen werden. Die coolen Typen, die das Gebet meint, sind doch so recht ein Abglanz Gottes. Chapeau! Und es ist nicht mehr Gott, der »unserem Tun mit seiner Gnade zuvorkommt«, sondern, wer nur schrill genug und irgendwie auch aus Liebe heraus lebt, dem applaudiert Gott und mit ihm der ganze Himmlische Hofstaat. (In Wirklichkeit klatscht allerdings nur Luzifer.)

Übrigens hat sich die Vorstellung, wer Abglanz Gottes sein könnte, vom Evangelium bis hin zu dieser Form der Pastorallyrik bis hin zum Gegenteil gewandelt. Jesus weist im Evangelium darauf hin, daß die Gefangenen, Armen, Schwachen und Ausgestoßenen das Bild Gottes tragen. Von »freien, lebensbejahenden Menschen« ist da nicht die Rede.

Die »unnötigen Zwänge« und der »kreative liebevolle Umgang« miteinander sind Sprachcodes, die einem unbefangenen Zuhörer zunächst einmal nichts sagen, aber in verschiedenen Kontexten interpretierbar sind. Der Vorteil an solchen Formulierungen ist, daß sie vollkommen der Interpretation des Lesers anheim gegeben sind. Wer den Code beherrscht, versteht, daß es sich bei den unnötigen Zwängen um alte Zöpfe wie zum Beispiel Kirchengebote handelt. Aber das ist natürlich nur eine Interpretation und nirgends im Text wirklich gesagt … usw.

In der Konklusion des Gebets, das formal an die Doxologie unter Anrufung Christi als Mittler des Gebets erinnert, fällt stilistisch das ironisierte und deshalb in Anführungszeichen gesetzte »man« auf. Die Vermutung liegt also nahe, daß es sich nicht um eine Gebetsanrufung, sondern um eine versteckte, pädagogische Intervention handelt. Der Angelpunkt der Doxologie (Lobpreisung) ist also auch nicht die in Kreuz und Auferstehung des Gottmenschen erwirkte Erlösung, sondern ein eher mattes »die Freiheit leben, anders zu sein«.

Damit ist der Schritt in ein pures Nachahmungschristentum gesetzt. Nachahmung jedoch nicht im Sinne der Imitatio Christi. Nachahmung eines Idealbildes, das auf das »Jesuanische« in uns allen projiziert wird. Der Angelpunkt des Glaubens ist nicht mehr der Gottmensch Jesus Christus, sondern das allzu menschliche: »Pardon, die Freiheit nehm’ ich mir.«

Jeder Atheismus ist ehrlicher.

Mittwoch, Januar 18, 2012

Ab ins Bett!

Ins Bett bringen ist out.
Heute skypet man ins Bett.




Bitte aufs Bild klicken.

Glückwunsch?

[Von Bastian]
Ein Mann bekommt vom Finanzamt 84.600,-€ zu viel erstattet. Er darf das Geld behalten, weil das Amt die Frist für Rückforderungen verpasst hat. Laut Focus hat der Mann, der uns alle faktisch betrogen hat, Grund zum Jubeln. [Link]
Der Name des „Glücklichen“ wird nicht genannt, doch kann man zumindest eines darüber wissen: hieße er Wulff, hätte er stattdessen Grund zum Rücktritt.
Ich denke, besser lässt sich die verlogene Moralität, derer sich die Presse zur Skandalsuche bedient, nicht demonstrieren.

Freitag, Januar 13, 2012

Eine Polemik.

[Von Bastian]

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie der Mensch zum Sein kommen kann: Schöpfung oder ein Weg ohne Schöpfung. Die Alternative hat Folgen.

Woher komme ich?
Angenommen, es gibt den Schöpfer. Wie vollzöge sich eine Schöpfung? Da sind die unterschiedlichsten Dinge denkbar. Jedes individuelle Ding und Wesen könnte sozusagen eine Einzelanfertigung sein. Der Schöpfungsakt könnte aber auch im Anstoß einer Entwicklung bestehen, die alles Gewollte hervorbringt. („Der Beginn ist der Urknall, und Gott hat es knallen lassen.“) Auch allerhand Zwischenstufen sind denkbar. Auf jeden Fall aber wäre das, was ist, gewollt, wie es ist, und da, weil es gewollt ist.
Angenommen, es gibt keinen Schöpfer. Wie vollzöge sich eine Nicht-Schöpfung? Steven Hawking berechnete, dass das Universum keinen Anfang hat, weil im Urknall die Zeit erst beginnt und es daher kein „vor“ dem Universum gibt. Dasselbe gelte für sein einzig mögliches Ende – einen erneuten Zusammensturz. Es gibt weder ein „vor“ oder „nach“, noch ein „außerhalb“ des Universums. Es ist einfach da. Seine Entwicklung folgt den Gesetzen, die es hat, ohne dass diese Gesetze gewollt wären – auch sie sind einfach da. Diese Gesetze sind anfangs der Zufall, später die Qualifikation. Die Entwicklung aufgrund dieser Gesetze nennt man Evolution. Sie läuft so ab, dass sich (logischerweise) das weiterentwickelt, was dafür am besten qualifiziert ist. Dass man existiert, ist nicht gewollt, sondern ein Zeichen von Erfolg: man hat sich als eine von unzähligen Möglichkeiten durchgesetzt.

Was bin ich?
Angenommen, es gibt den Schöpfer. Der wäre dann Herr über die Schöpfung. Selbst wenn er seiner Schöpfung die völlige Freiheit ließe – er hätte zumindest festgelegt, was die Schöpfung ist, indem er sie so geschaffen hat. Die Frage, was ich eigentlich bin, wäre am sinnvollsten dem Schöpfer gestellt. Der könnte mir sagen, was mein Wesen ist, und ich hätte einen Wegweiser, den zu befolgen mich tiefer in meine Freiheit führen würde. Um recht zu leben, müsste ich meinem Schöpfer folgen. Mein Leben hätte einen Sinn, weil es ein Ziel hätte. Ethik wäre das Erkennen des Ziels, Moral die Wegbeschreibung zu meinem Schöpfer.
Angenommen, es gibt keinen Schöpfer. Dann wäre ich grundsätzlich mein eigener Herr. Wegweiser auf meinem Weg durchs Leben kann nur meine eigene Beurteilung aufgrund meiner eigenen Erfahrungen sein. Was ich wirklich bin, kann ich nur selbst entdecken. Der Sinn meines Lebens wäre letztlich das Leben selbst, wenn man das einen Sinn nennen will. Um recht zu leben, müsste ich mir selbst und meinem Leben folgen. Ethik wäre die Erkenntnis, wie sich das Leben weiter entfalten kann, Moral die Wegbeschreibung hin zu mir selbst.

Wohin gehe ich besser nicht?
Angenommen, es gibt den Schöpfer. Was mir dann nicht passieren sollte, ist der Versuch, mein Leben ohne ihn in die Hand zu nehmen. Jeder Irrtum würde mich von meinem Ziel entfernen.
Angenommen, es gibt keinen Schöpfer. Was mir dann nicht passieren sollte, wäre, in eine evolutionäre Sackgasse zu geraten. Aus dem Sieger würde der größtmögliche Verlierer.
So weit, so vereinfacht.

Was heißt das jetzt für mich?
Ich sollte mir klar sein, wo meine Lebensvorstellungen angesiedelt sind. Wenn man es einmal so in den Grundzügen betrachtet, wird deutlich, dass es für die Ideen wie die der Kinderlosigkeit in der evolutionären Logik keinerlei Grundlage gibt. Kinderlosigkeit trägt gleichsam als Tatstrafe die totale Exkommunikation in sich: wer keine Nachkommen hat, stirbt, und zwar aus. Homosexualität beispielsweise oder auch jede andere Art von Ausstieg aus der Entwicklungskette sind evolutionär gesehen Sackgassen. Sie werden gnadenlos aus dem Weg geräumt. Es gibt nur einen erfolgreichen Weg: den der Fortpflanzung, denn er erhält das einzige, was in der Evolution Bestand haben kann: den Genpool, die Art. Der Einzelne ist bedeutungslos. Hmm…
Vor Gott hingegen ist Kinderlosigkeit durchaus eine Möglichkeit. Nicht das Leben selbst ist der Maßstab, sondern das rechte Leben gemäß dem Willen des Schöpfers. Eine Schöpfung hat Platz für individuelle Lebensentwürfe. Gott hat Interesse am Einzelnen. Man braucht keine Kinder, um geliebt zu sein: es gibt viele Wege. Hmm…
Wenn es also überhaupt einen Platz geben kann, an dem beispielsweise Homosexualität vertretbar ist, liegt dieser Platz im Religiösen. Irgendwie scheinen die Dinge anders zu liegen, als sie gemeinhin dargestellt werden.
Ausgehend vom Schöpfer sollte man nun schauen, ob er Homosexualität gutheißt oder nicht. Darüber gibt es einiges an Kontroversen und Diskussion. Ich wage zu behaupten, dass es eher danach aussieht, dass er es nicht tut.
Ausgehend von der Evolution sieht es ähnlich aus, wenn mein Lebensentwurf nicht auf Arterhaltung hinausläuft. Nur, dass es da keine Diskussionen gibt. It’s as simple as that.

Was heißt das jetzt allgemein?
Wie also gehen Religion und Evolution mit Dingen um, die nicht ins System passen?
Die Religion hat es einfach: sie kennt Fehler und Systemabweichungen. Man nennt sie Sünde und Schuld. Die sind nicht nur möglich – sie lassen das System sogar deutlicher hervortreten. Es gibt sogar einen Ausweg: die Vergebung. Die Abweichungen ändern im Grundsatz nichts. Das System bleibt und bietet dem Einzelnen Orientierung. Der Weg mündet in die (hoffentlich gelingende) Ewigkeit.
Die Evolution hat es noch einfacher: es gibt gar nichts außerhalb des Systems, solange man keine Schöpfung nachweist. Alles, was es gibt, ist alleine deshalb richtig sein, weil es existiert - schließlich hat es sich als evolutionärer Vorteil entwickelt. Fehlentwicklungen gehören zum System wie Weiterentwicklungen. Die einen verschwinden, die anderen bleiben. Wenn man in der Evolution eine Sünde formulieren wollte, wäre es die der Fortpflanzungsunfähigkeit. Die Evolution antwortet auf solche Abweichungen einfach und gnadenlos mit dem Todesurteil. Die Evolution bietet dem Einzelnen keinerlei Orientierung. Sein „Überleben“ besteht bestenfalls im Weiterbestehen seiner Art. Wenn er sich aus dem Genpool kegelt, erfährt er das Schicksal der totalen Bedeutungslosigkeit: nichts bleibt von ihm.

Was macht das jetzt mit mir?
Wie gehen die Menschen damit um? Warum argumentieren die Menschen, die sich am stärksten für „individuelle Lebensentwürfe“ stark machen, dann nicht religiös? Warum berufen sie sich auf eine Logik, die sie ausrottet? Der Grund ist einfach: die Evolution lässt sie zu Lebzeiten in Ruhe. Sie hat Zeit und begnügt sich mit dem natürlichen Wegsterben. In ihr regieren Arten und Genpools – das Individuum ist belanglos. Die Religion hingegen stellt den Menschen in eine Verantwortung, die das tägliche Leben betrifft. Man kann nicht tun und lassen, was man will. Oder besser: man kann schon. Nur dass man die Folgen selbst tragen muss.
Man hat also drei Möglichkeiten. Man kann sich der Evolution entsprechend sinnvoll verhallten und mich vermehren, oder man kann machen, wozu man Lust hat und sich als Verlierer, Sackgasse und Endpunkt der Entwicklung begreifen, oder man kann sich der Religion unterwerfen und verantwortlich sein.

Wie komme ich da raus?
Viele Menschen wollen nichts dergleichen: keine Kinder, kein Verlierertum und keine Verantwortlichkeit, die sie als lästige Abhängigkeit empfinden. Sie suchen „Selbstbestimmung“ und, wenn sie überhaupt weiter denken, dafür eine Rechtfertigung. Doch hier begehen sie einen tragischen Irrtum. Sie suchen nicht Rechtfertigung vor Gott dafür, was sie sind, sondern Rechtfertigung vor sich selbst dafür, wie sie sind.
Die Religion scheidet so von vorneherein aus. Die Evolution als einzige Alternative hat jedoch in diesem Moment den Wandel von der Theorie zum Paradigma vollzogen. Sie muss passend gemacht werden, koste es, was es wolle. Es gibt keine Alternative.
Auf Stammtischniveau geschieht dies durch Behauptungen. Da werden Dinge geltend gemacht wie ein „Schwulengen“. Banale Einwände wie „Ein Gen, dass die Vermehrung verhindert, wäre doch sofort verschwunden“ werden einfach übersehen. Besonders in intellektuellen Kreisen wird viel über Evolution geredet, doch ohne selbst grundlegende Kenntnisse. Man stellt sich darunter eine Art permanenter Inzucht vor: ein paar Starke überleben, während der Rest wegstirbt. Dass da nichts zusammenpasst, ist egal: man gibt sich wissenschaftlich, und da sind die Dinge eben komplizierter.
Diese Komplikationen bekommen die Menschen mit Wissen zu spüren, die Wissenschaftler, die das „Schwulengen“ herbeizaubern sollen. Es bedarf etlicher Kunstgriffe, die Idee der Nicht-Vermehrung als Vorteil für den Arterhalt darzustellen. Noch abenteuerlicher ist der Versuch, ernsthaft zu behaupten, ein Gen, das zur Nicht-Vermehrung führt, habe sich durch Selektion durchgesetzt. Der Kunstgriffe werden immer mehr. Die wenigsten Menschen haben eine Vorstellung davon, was man inzwischen aus der Evolutionstheorie geworden ist: es ist eine Sammlung von Teiltheorien, die oft kaum vereinbar sind, die Sonderfälle zur Regel erheben und tausend Gründe dafür finden, dass Unzulänglichkeiten und Widersprüche eben doch zutreffen.

Und jetzt?
Das, was der Kirche jahrelang vorgehalten wurde, nämlich dass sie die Tatsachen nicht zur Kenntnis nehmen will und entgegen sinnvoller Einwände ein ideologisches Weltbild gegen die Vernunft aufrecht erhält – genau das kann man heute life in wissenschaftlichen Kreisen bewundern. Die Wissenschaft tut etwas, was ihr zutiefst zuwider läuft: sie beobachtet nicht, um daraus Schlüsse zu ziehen, sondern sie sucht nach Beweisen für Schlüsse, die vorher feststehen. Gegenargumenten wird dementsprechend nicht sachlich, sondern ideologisch begegnet: man wolle wohl wieder ins Mittelalter zurück und eine flache Erde propagieren, sei ein Kreationist (incl. aller negativen Eigenschaften), sei homophob und dergleichen hochkarätige Einwände mehr. Die Evolutionsforschung wäre heute wahrscheinlich viel weiter, wenn sie nicht ständig das Ergebnis vorweg nehmen würde.

Und damit sind wir am Ende angekommen. Wenn Du den Schöpfer glaubst, tust Du gut daran, den Glauben zu bewahren. Selbst wenn Du dich irren solltest, ist Dein Glaube derzeit die offenere, beweglichere und damit für die Wahrheit freiere Haltung.
Wenn Du nicht glaubst, solltest Du dich bemühen, das wirklich zu tun und die Konsequenzen zu sehen. Gib Dich nicht damit zufrieden, dass andere Dir erzählen, nicht zu glauben legalisiere, was der Glaube verbiete. Halte Dich nicht daran fest, alles sei gut, weil es da ist. Die Evolution, die Dir den Grund liefert, wird Dich auch auf die Folgen blicken lassen. Es ist der Blick in den Abgrund völliger persönlicher Bedeutungslosigkeit. Unglaube führt geradewegs auf das Abstellgleis der Evolution. Dass Du dort machen kannst, was Du willst, liegt nur daran, dass nicht einmal sie sich noch darum kümmert. Die vermeintliche gesellschaftliche Reputation, die Du fühlst, ist die Anerkennung durch Haltlose, die Belanglosigkeiten beklatschen. Nach Dir die Sintflut? Nein, nicht einmal das. Nach Dir gar nichts. Du bist ausgeschieden. Die Evolution hat Dich abgeschrieben – Gott nicht.

Montag, Januar 02, 2012

An Marcus von Sankt Irenaeus

[von Bastian]


Ich glaube, wir sind dichter beieinander, als es auf den ersten Blick vielleicht aussieht.

Erst einmal: was Bruder Alois angeht: er hat mir den Gedankenanstoß geliefert. Es sind dann aber meine Gedanken, nicht der Versuch, seine nachzuvollziehen. Auf Einwände gegen seine Aussagen kann ich nicht eingehen.

Ich schrieb im Anfang meines Beitrages:
Erst einmal ist Gott aus sich selbst, wir aber sind aus Gott. Er ist der Schöpfer. Die Abhängigkeit von uns ist existenziell klar, wie auch die Unabhängigkeit Gottes. Ein jedes „Brauchen“ kann also nur außerhalb dieses existenziellen Bereichs liegen.
Ich glaube, auf dieser Grundlage sind wir uns erst einmal einig. Gott würde niemals mit der Menschheit untergehen. Abgesehen davon, dass es eine völlig falsch geartete Abhängigkeit postuliert, würde es Gott der Zeit unterwerfen: Gott kann nicht vergehen: er ist.
Gottes Bedürfnisse – wenn es sie gibt - entspringen seiner Liebe, nicht seinem Existenzwillen.

Insgesamt ist das ein schwieriges Thema. Mir wird immer klarer, wie schwer es ist, die richtigen Begriffe zu wählen.

Du schreibst: Bedürfnisse werden von der Liebe getragen und "er"tragen, aber sie sind nicht wesensstiftend für die Liebe.
Dem stimme ich erst einmal zu. Ich versuche, es genauer zu betrachten und bleibe dazu beim Beispiel meines Verhältnisses zu meinen Kindern, weil es der in Frage stehenden Situation wohl am nächsten kommt.

Wo können Bedürfnisse auftreten?
Wenn meine Kinder etwas brauchen und ich es geben kann, gebe ich es. Ich tue das aus Liebe – das Geben ist aber nicht meine Liebe. Die Befriedigung der Bedürfnisse meiner Kinder ist auch nicht identisch mit meiner Liebe. Sie ist deren Resultat. Auch wenn meine Kinder nichts bräuchten, würde ich sie lieben. Diese Bedürfnisse sind nicht wesensstiftend für meine Liebe. Anders herum ist es genauso.
Wie sieht es mit Bedürfnissen aus, die der Liebe selbst entspringen? Ist beispielsweise mein Bedürfnis nach Gesellschaft mit meinen Kindern wesensstiftend für meine Liebe? Zumindest die Befriedigung dieses Bedürfnisses ist es nicht, denn ich liebe sie auch, wenn es mit der Gesellschaft nichts wird. Aber wäre eine Liebe denkbar, in der das Gemeinschaftsbedürfnis fehlt? Zumindest kann dieses Bedürfnis ausgehebelt werden. Bei meinen älteren Kindern in der Pubertät ist es mein Bedürfnis, nicht zu viel Gemeinschaft zu haben. Nicht, weil sie unerträglich wären – das sind sie nicht, sondern weil es wichtig für sie ist, nicht überbehütet zu werden und ihre Dinge auch allein zu tun. Mein Wunsch nach ihrem Besten führt dazu, dass ich mich zurückhalte. Die Liebe führt mich von ihnen weg, ihrer notwendigen Freiheit zuliebe. Und das Interessante ist: sie erleben meine Liebe gerade dadurch intensiver, dass ich eben nicht ständig Gemeinschaft mit ihnen suche. Das Bedürfnis nach Gemeinschaft entspringt also der Liebe, ist aber nicht mit ihr identisch. Es ist nicht ihr Wesen, denn es wird ersetzt von meinem Wunsch nach dem Besten für meine Kinder.
Aber ist dieser Wunsch ein Bedürfnis meinerseits? Dieser Wunsch führt mich doch gerade zur Bedingungslosigkeit. Die Liebe zu meinen Kindern ist doch dadurch gegeben, dass ich sie loslasse, dass ich gebe, aber nicht fordere. Wie kann dieses Nicht-Fordern Bedürfnis sein? Es kann nicht. In diesem Sinne stimmt es: Bedürfnisse werden von der Liebe getragen und "er"tragen, aber sie sind nicht wesensstiftend für die Liebe.

Was ich meine, wird vielleicht am ehesten an einem Abend klar, an dem ich schlecht gelaunt und voller Sorgen nach Hause komme, den Kopf voll Dingen, die ich noch erledigen muss. Ich bin nett zu meinen Kindern (hoffe ich!), aber ich hake sie ab. Sie bekommen, was sie brauchen, aber sie sind irgendwo zweitrangig. Ich nehme mir vielleicht dennoch die nötige Ruhe und Zeit, bin vielleicht in der Lage, zu sein wie immer. Doch wäre das der Dauerzustand – ich hätte sie bald verloren. Auch wenn mein Verhalten dasselbe wäre, das Wichtigste würde fehlen: meine Freude an ihnen, meine Sehnsucht nach ihnen. Ich kann kein Kind lange täuschen: sie merken es genau, ob ich mich darüber freue, dass sie nett zu mir sind, oder ob ich es bloß gütig annehme. Sie merken es genau, ob ich nur selbst Liebe gegen will, oder ob ich sie auch ersehne. Und in ihrer Liebe zu mir wünschen sie, dass ich sie wünsche, ersehne und brauche. Sie wollen lieber einen unvollkommenen Papa, der sie braucht, als einen, der ihnen alles gibt, aber dessen Herz ohne ihre Liebe letztlich genauso aussieht. Sie wollen einen Papa, der erst durch sie wirklich glücklich sein kann. Und ich denke, sie haben recht.

Diese Art „brauchen“ (ersehnen, dürsten nach, wünschen etc…) ist es, die ich meine. Sie ist wesensstiftend für die Liebe, macht sie persönlich und unterscheidet sie vom abstrakten Prinzip. Für meinen Glauben ist das ein existentieller Unterschied.

Man kann die Frage auch auf eine andere Weise betrachten. Kommt, wenn ich Gott liebe, davon bei ihm etwas an? Oder einfacher: kann man zu Gott nett sein? Ich will jetzt nicht auf die Antwort hinaus, natürlich könne man es in den Menschen, in denen er uns begegnet. Ich meine die direkte Ebene, die, auf der ich zu ihm bete. Das Gebet reduziere ich ja auch nicht auf gute Gespräche mit meinen Nächsten, so wichtig die sind. Hat Gott Interesse daran, dass ich ihm etwas Nettes sage, etwas, das sinnfrei ist, außer dass es ihn freuen soll? Ein solches Verhältnis setzt Vertraulichkeit voraus. Ich werde den Verdacht nicht los, dass Gott jenseits aller Theorie genau dieses Verhältnis zu uns sucht.
Wenn ihr nicht werdet, wie die Kinder.