Dienstag, November 27, 2012

Kinderrechte etc. im Grundgesetz?

[Von Bastian]

So lautet Artikel 1 unseres Grundgesetzes:
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

So wird er verstanden:
(1) Die Würde des gesunden Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Finanzen.
(1a) Die Würde von Kindern ist ebenfalls unantastbar. Ausgenommen sind unzumutbare Kinder vor der Geburt.
(1b) Die Würde von Frauen und ihren Quoten ist ebenfalls unantastbar.
(2) Die derzeitige Regierung bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt. Diese Menschenrechte werden per Mehrheitsentscheid unter Einbeziehung aktueller Umfrageergebnisse vom Bundestag festgelegt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht, ausgenommen im Konfliktfall, in dem Straffreiheit zu gewähren ist.

Freitag, November 16, 2012

Donnerstag, November 15, 2012

Der geplante §217 StGB

[Von Bastian]
Gewerbsmäßige Hilfe zum Selbstmord soll untersagt werden. Gewerbsmäßige! (LINK)

Also: Wenn ich jemandem helfe, sich selbst umzubringen, kann es sein, dass ich bestraft werde. Das hängt nicht davon ab, was ich da tue, sondern davon, ob ich Geld dafür nehme. Denn nicht die Tat selbst ist schändlich, sondern nur ihre gewerbsmäßige Ausübung. Die Maxime lautet: „Töte aus lauterer Gesinnung, und du bleibst straffrei, töte zum Lebensunterhalt, und du bist ein Verbrecher.“

Ich kann das nur mit Mühe nachvollziehen. Eine noch verwirrtere Logik ist kaum denkbar; undenkbar sollte es in einem Rechtsstaat sein. Die Strafbarkeit des Tötens wird nicht am Opfer festgemacht, sondern am Täter. Es sind zwei Fälle möglich, in denen genau dasselbe geschieht, nur, dass einmal der Täter strafbar ist und einmal nicht. Der Akt des Tötens zieht, wenn er ehrenamtlich erfolgt, keine Strafe nach sich, sondern einen Beurteilungsprozess, der den Täter betrachtet und ihn häufig straffrei ausgehen lässt.

Straffreiheit aufgrund von Eigenschaften des Täters - das gibt es ansonsten nur, wenn sich herausstellt, dass er unzurechnungsfähig ist.
So wird hier das, was allgemein als „Barmherzigkeit“ gilt, mit geistiger Umnachtung gleichgesetzt. Das allerdings kann ich wieder gut nachvollziehen - das sehe ich auch so..

Inklusion? Exklusion!

[Von Bastian]
Das Wort Inklusion kommt derzeit groß heraus und wird beworben. Wie eine neue heile Welt für alle.
Was heißt Inklusion für Sie? (LINK)

Das Wort könnte etwas wie Zusammenhalt und Gemeinsamkeit Bedeuten. Zusammen sein.
Es könnte bedeuten, mit den Kindern zusammen zu sein, die abgetrieben wurden. Oder mit den Menschen, die aufgrund ihres Glaubens vertrieben und getötet wurden. Es könnte bedeuten, die zu integrieren, die auf den Skandal der Abtreibung hinweisen, und es könnte bedeuten, gläubigen Katholiken Zugang zu hohen EU-Ämtern zu ermöglichen. Ein Leitwort für die Medien könnte es sein, alles zu berichten und nicht nur das politisch Korrekte.

Es könnte viel Schönes bedeuten!

Um Vergebung bitten...

[Von Bastian]

Bei JoBo stieß ich eben auf folgenden Rat von Mutter Teresa:
Wenn die Leute um einen Rat für ein verheiratetes Paar in seinen Beziehungsnöten bitten, gebe ich jedes Mal zur Antwort: Beten und Vergeben. Auch Jugendlichen aus schwierigen Familienverhältnissen sage ich: betet und vergebt. Und auch für die alleinstehende Mutter, die keine Unterstützung durch die Familie hat, gilt: Beten und Vergeben. (LINK)

Auch wenn es von Mutter Teresa ist: meiner Erfahrung nach gibt es einen dritten Punkt, den dazu muss: um Vergebung bitten. Und zwar auch dann, wenn der eigene Anteil minimal erscheint! Das Problem ist dabei meist ein Irrtum: wenn ich um Vergebung bitte, möglichst als erster, nehme ich die Schuld auf mich, habe also unrecht. Sehr viele Gespräche kommen nicht zustande, weil jeder der Kontrahenten meint, wenn er um Vergebung bitte, gebe er damit dem anderen recht. Und so verhindert die eigene Überzeugung die Versöhnung.
Tatsächlich aber ist es anders herum. Bevor ich um Vergebung bitte, ist mein Streit nicht sauber. Indem ich bitte, stelle ich für mich die Grundlage wieder her, auf der die Auseinandersetzung funktionieren kann. Ich werde frei. Und die Erfahrung zeigt: ist man da hartnäckig, reicht es auf Dauer oft, wenn nur einer der beiden das tut. Es ist langfristig ansteckend.

Dienstag, November 13, 2012

Ablass modern

Aus zuverlässiger Quelle wurde uns zugetragen, Petra Gerster habe zu Beginn der heute-Sendung zum Nachrichtenüberblick einen Beitrag mit "Ablass für Verkehrssünder" angekündigt.

Wir meinen, dass es durchaus sinnvoll ist, aus dem großen Schatz der Verkehrsbehörde zu schöpfen und an die Vielen auszuteilen.
Damit jedoch das Bewusstsein für den Wert und die Bedeutung eines Punkteablasses erhalten bleibt, hier noch einmal die üblichen Bedingungen, die eine Voraussetzung für den zeitlichen Punkteerlass sind:
- das Fahrzeug muss sich grundsätzlich im Stand der Verkehrstauglichkeit befinden.
- große Inspektion, zeitnah
- volltanken
- Demonstration oder zumindest Leserbrief in der Meinung des Bundesverkehrsministers. (Diesen Monat: für die zügige Reparatur der schadhaften Autobahnen, für mehr Disziplin auf kleinen Bahnhöfen, um Verständnis für die Aufschiebung der PKW-Maut).

Wir meinen: eine gute Sache!

Die Geister, die man ruft…


[Von Bastian]
Ist es sinnvoll, ein Fenster zu öffnen und danach, aus Angst vor Durchzug,  dem Wind vorzuschreiben, dass er nur in Ausnahmefällen rein darf?
Zumindest mein einigermaßen gesunder Menschenverstand sträubt sich so sehr gegen eine so geartete Logik, dass es schwer ist, ein Beispiel wie dieses zu konstruieren. Die Mehrheit unserer Politiker aber handelt und urteilt auf dieser Ebene. (LINK)

Mit der PID öffneten sie der Selektion von Menschen nicht nur das Fenster, sondern Tür und Tor. Jetzt beschweren sie sich, dass durch die von Ihnen geöffneten Luken mehr hindurchkommt, als ihnen das vorschwebte: der Kontrollverlust ist absehbar. „Das ist nicht das, was wir wollten!“ wird von Politikerseite festgestellt. Dass das vorherzusehen war und auch vorhergesagt wurde, interessiert dennoch nicht – die Intelligenz reicht nicht aus, um den ursächlichen Zusammenhang zwischen geöffnetem Fenster und unerwünschtem Durchzug zu erkennen. Sie reicht nicht aus, um zu erkennen, dass eine Legalisierung der Selektion nicht missbraucht werden kann, sondern selbst bereits der Missbrauch ist, der sich ausbreiten wird. Sünde ist ansteckend.

Was werden diese Politiker tun? Die Überschrift „…droht eine Schlappe im Bundesrat“, unter der das Thema in der Zeitung behandelt wird, verrät es: sie werden es unter dem Aspekt der Mehrheiten sehen. Sie werden verkennen, dass sie die Tötung einer Minderheit erlaubten und dafür verantwortlich sind. Sie werden ab sofort versuchen, dem Wind immer detaillierter vorzuschreiben, wann er durch darf, und wann nicht, und sich dabei immer weiter damit abfinden, dass sie es nicht können. Sie werden verzweifelt Beispiele heranziehen, die beweisen, dass Selektion eine Frage von Verantwortung und Humanität ist, auch in Fällen, die sie jetzt noch für absurd halten würden. Wenn sich dann die Öffentlichkeit endlich so sehr an den Wind gewöhnt hat, dass sie sein Fehlen als unangenehm empfinden würde, werden sie immer dafür gewesen sein, und das alte Fenster, das sowieso nur noch offen steht, entsorgen. Und dann werden sie merken, dass es in Wahrheit eine tragende Wand war. Rumms.

Wie froh bin ich, dass das letzte Wort bei Gott liegt! Danke!

Montag, November 12, 2012

Soll man von der Hölle reden?


[Von Bastian]
Ein Theologe rät, die kirchliche Lehre von der Hölle wieder zu vermitteln (LINK)
Ist das nötig bzw. richtig? Entspricht das der Verkündigung einer frohen Botschaft? (Die Frage, ob das „zeitgemäß“ ist, will ich hier nicht stellen.) Ist Gott nicht die Liebe, das Gute schlechthin, ohne Böse zu sein? Wie sollte er verdammen?
Auch wenn dies häufige Einwände sind: ich denke, so wird man diesem Thema nicht gerecht.

Ein Gleichnis.
Wenn jemand krank ist, kann ich ihn glücklich machen, indem ich ihn heile. Wenn der Patient jedoch behauptet, er sei nicht krank, wird es kompliziert. Irgendwie muss er das Medikament schlucken, sonst wird es bös enden. Was tun?
Vielleich kann ich ihn durch Manipulation dazu zu bringen, das Medikament aus irgendwelchen anderen Gründen zu schlucken. Wenn er schon nicht kapiert, dass er es braucht, könnte er es ja schlucken, weil die Gesellschaft der anderen Patienten so nett ist und er auch dazu gehören will. Man könnte das Medikament auch schlucken, weil man dann zum kleinen Kreis derer gehört, die wirklich wissen, was Pillen sind. Oder weil der Apotheker so nett ist. Allerdings funktionieren all diese Dinge auch ohne das Medikament. Es wird nicht regelmäßig eingenommen oder durch Kuchen ersetzt.
Ich habe jetzt 2 Möglichkeiten, den Patienten froh zu machen. Die eine ist, dass ich ihn aufkläre und ihm die möglichen Folgen seiner Erkrankung klar darstelle und dann heile. Die andere ist, dass ich ihm erkläre, er sei gar nicht krank. In beiden Fällen ist das Thema Krankheit vom Tisch.
Um im Bild zu bleiben: warum kann ich ihm nicht einfach die Gesundheit zusagen? Hat die Pharmaindustrie nicht Gesundheit zum Ziel, die nicht durch Leiden erkauft werden muss? Wer hat etwas davon, dem Patienten mit Siechtum zu drohen?
In diesem Zusammenhang klingen die Fragen außerordentlich dämlich: es gäbe keine Heilung, wenn der Patient nicht begreift, dass Handlungsbedarf besteht. Um mich heilen zu lassen, muss ich wissen, dass ich krank bin und dass das Folgen haben kann.

Kann ich das übertragen?
Ich weiß nicht, wie es anderen Menschen da geht, aber ich liefere mir meine Antwort selbst. In meinem Fall kann ich. Ich weiß, dass ich vor Gott krank bin. Ich kenne meine Sünden, oder zumindest einige davon. Ich weiß, dass ich Gottes Medizin brauche.
Im Inneren weiß das wohl jeder Mensch. Und für jeden Menschen ist es immer wieder schwer, dieser Tatsache ins Gesicht zu sehen. Aber Gott ist mein Arzt – und er ist ein guter Arzt – er kann diagnostizieren. Das ist die Rolle der „Drohbotschaft“: die Diagnose. Sie zeigt mir, was mein Problem ist. Mein Arzt droht mir nicht, mich ewig krank zu machen, sondern zeigt mir, warum ich seine Therapie brauche. Ihn dafür verantwortlich zu machen, dass meine Erkrankung Folgen haben kann, ist so sinnvoll, wie den Meteorologen für das Wetter anzuklagen. Auch das Verschweigen der Krankheitsfolgen ist keine Lösung, genauso wie kein Sturm ausbleibt, weil der Deutsche Wetterdienst meint, es sei unverantwortlich, ihn vorherzusagen,
Wenn die Verkündigung darauf verzichtet, die Situation beim Namen zu nennen, ist sie keine. Sie wäre fruchtlose Beschwichtigung. Wie ein Ärzteverband, der verlauten lässt, es sei nicht mehr zeitgemäß, von Krebs zu sprechen – „persönlich einzigartige Wachstumsformationen“ seien angemessener und zudem nicht ängstigend. Geschwätz. Eine Krankheit ohne Folgen ist keine. Eine Heilung von etwas Unerheblichem ist überflüssig. Die Idee einer Therapie gegen eine Krankheit, die jetzt Spaß macht und zudem keine Spätfolgen hat, ist dumm: sowas sollte man fördern, nicht behandeln. Ein Arzt, der nicht wirklich diagnostiziert, heilt nicht. Eine kranke Gesellschaft, die ihre Krankheit nicht kennt, ist noch kranker. Wer nicht alles sagt, hat nichts zu sagen.

Deshalb gehört die Klarheit, was die Folgen angeht, untrennbar zur Verkündigung: sie ist Teil des Heilsplanes Gottes für uns, der aus Diagnose und Therapie besteht. Gott manipuliert nicht. Er spielt immer mit offenen Karten und wünscht, dass ich seine Therapie selbst wähle. Er entmündigt mich nicht, um mir dann die Erlösung freundlich unterzuschieben, sondern er sagt mir die Wahrheit. Die ganze Wahrheit.

Samstag, November 10, 2012

Begriffe, die mich nerven (2)


Heute: „Definieren, was katholisch ist“.

[Von Bastian] „Du willst wohl für andere (alle) definieren, was katholisch ist.“ Ein Vorwurf, der mir als Blogger so oder ähnlich häufiger begegnet ist. Meist treffe ich ihn, wenn ich etwas als essentiell für den katholischen Glauben erachte und das auch sage.
Die Logik des Widerspruchs ist allerdings oft etwas merkwürdig, denn sie argumentiert meistens wie folgt: „Du sagst also, das und das sei nicht katholisch – ich aber sage, es ist es doch.“ Im Klartext also: definiere nicht, was katholisch ist, denn das will ich selber tun. In der festen Überzeugung, dass diese Definition – im Gegensatz zu meiner – gültig ist.

Abgesehen von der diesem Vorwurf häufig inhärenten Unlogik liegt jedoch ein noch viel tieferes Problem vor: die Idee eines selbstgemachten Glaubens. Wenn es etwas gibt, das ich definitiv nicht glauben kann, dann ist es alles Selbstgemachte, denn es ist das einzige, von dem ich wirklich zu 100% weiß, dass es konstruiert ist. Der Glaube ist eben keine Spielwiese, auf der jeder steht, wo er steht, und den eigenen Erkenntnishorizont zur Wahrheit erhebt. Der Glaube ist offenbart, und zwar von dem, an den ich glaube: von Gott. Mein Erkenntnishorizont definiert nicht die Wahrheit, sondern innerhalb der Größe von Gottes Offenbarung meine Unzulänglichkeit – und das tut er bei jedem anderen Menschen auch. Wollte ich meine eigene Erkenntnis als katholischen Glauben verkünden, könnten alle getrost weghören, wie auch ich es umgekehrt manchmal kann: die Idee, dass letztlich jede Ansicht gleichwertig ist, ist nicht katholisch. Sie ist nicht einmal göttlich, denn dann wäre die Verkündigung mit Erschaffung der allgemeinen menschlichen Erkenntnisfähigkeit abgeschlossen gewesen. Gott jedoch hat in diese Fähigkeit hineingesprochen. Gespräche, in denen das vergessen wird, sind oft herzlich unergiebig.

Was katholisch ist, wird von Menschen gelebt, kann aber seine Definition niemals in einem Menschen, sondern nur in einer offenbarten Lehre finden. Ich kann gar nicht definieren, was katholisch ist, und meine Gegenüber kann es auch nicht. Weil er es aber auch nicht kann, hat sein Vorwurf ebenfalls nur aus Gott heraus Gültigkeit. Wenn er mich trifft, spricht Gott zu mir: Lieber Bastian, orientierst Du Dich noch an mir, oder wieder einmal an Deinem Horizont?
Und daher nervt dieser Vorwurf, weil er entweder absurd unlogisch oder aber peinlich treffend und damit unangenehm daherkommen kann…

Montag, November 05, 2012

Neue Liturgie anerkennen

[Von Bastian]
Kardinal Bertone hat die Anhänger der Außerordentlichen Form des Ritus aufgefordert, auch die Ordentliche Form vorbehaltlos anzuerkennen. (LINK) Ich bin froh darüber!
Als das Motu Proprio herauskam, war ich, der ich im Grunde vollständig in der Ordentlichen Form aufgewachsen bin, sehr irritiert. Doch schnell wurde mir klar: nicht was mir sinnvoll erscheint, sondern wo Gott zugegen ist!
Nein, Herr, das geht nicht! Diese Feier ist unwürdig - die erkenne ich nicht an. Moment! Was, oder besser: wen erkenne ich da eigentlich nicht an?
Viele der Einwendungen gegen diese oder jene Form werden hohl und haltlos, wenn man sie zu Christus spricht, der gerade in der von mir abgelehnten Form in die Eucharistie hinabgestiegen ist...

Na prima!

[Von Bastian]
Die aufgeklärte Welt zieht an einem Strang.
Was macht man mit Menschen wie diesen?

...die Fanatiker, von denen Mitt Romney sich abhängig gemacht hat, haben alles über Bord geworfen, was den Westen ausgezeichnet hat: Wissenschaft und Logik, Vernunft und Mäßigung oder einfach Anstand. Sie hassen die Schwulen, die Schwachen und den Staat, sie unterdrücken die Frauen und verfolgen die Einwanderer, und ihr Abtreibungsmoralismus macht auch vor den Opfern von Vergewaltigung nicht halt. Sie sind die Taliban des Westens. (LINK)

Ganz einfach: man schreibt ihnen vor, was sie von sich aus nicht kapieren.

Das Vermittlungsbüro Catholic Care werde seinen Status als Wohlfahrtseinrichtung einbüßen, wenn es nicht auch an gleichgeschlechtliche Paare Kinder zur Adoption freigebe, urteilte das Upper Tribunal laut britischen Medienberichten vom Wochenende.
...
Richter Justice Sales urteilte, ein drohender Spendenrückgang könne keine «objektive Rechtfertigung für die vorgeschlagene Diskriminierungspraxis bieten». (LINK)


Es ist nur noch ein kleiner Schritt, Sünden vorzuschreiben, und das Nicht-sündigen zu sanktionieren.

Donnerstag, November 01, 2012

StarWars 7

Über Beziehungen erhielten wir die erste Sequenz der geplanten neuen StarWars-Episode, die durch eine brillante sozialkritische Analyse besticht.
Aber sehen Sie selbst...


Mittwoch, Oktober 31, 2012

Begriffe, die mich nerven (1)

[Von Bastian]
Ein Blog ist eine Art Tagebuch, heißt es. Und dieser Tage sind mir im "katholischen Bereich" ein paar Begriffe aufgefallen, die ich nicht mag. Ein Tagebuch ist subjektiv; daher kann es sich bei diesen Postings nur um mehr oder weniger durchdachte Befindlichkeiten handeln. Der/die LeserIn mag unter diesen Begriffen etwas völlig anderes verstehen, und das mit gleichem oder gar größerem Recht. Das sei unbenommen.

Der erste Begriff: das "Wagnis des Glaubens".
Da ist natürlich etwas dran: der Schritt auf Gott zu ist jedesmal ein Wagnis, oder besser: er fühlt sich so an. Jeder Vertrauensschritt hat das so an sich. Das Wagnis der Liebe, der Kindererziehung, des ersten Schwimmens und des Bungee-springens: beim Vertrauen geht man ein Risiko ein. Vertrauen ist Wagnis.
Das einzige Vertrauen, das faktisch keinerlei Wagnis bedeutet, ist der Glaube. Gott ist absolut zuverlässig. Er ist eben kein Risiko, sondern der unglaublich erholsame risikolose Bereich.
Da ist jemand, der eigentlich alles haben kann, was er will, und der mich trotzdem derart liebt, dass er sich lieber zu Tode martern lässt, als auf meine Nähe zu verzichten. Und da soll die Frage lauten, ob ich wage, ihm zu vertrauen? Die angemessene Frage ist: "Wie kannst Du es wagen, ihm NICHT zu vertrauen?!"

Das nette, süßliche, ach so menschliche, wo-man-gerade-ist-abholende Wagnis des Glaubens verstellt schnell den Blick auf das eigentliche, nicht ungefährliche Risiko: das Wagnis des Unglaubens.

Wie gesagt: Befindlichkeiten.

Dienstag, Oktober 30, 2012

Interessantes Gespräch


[Von Bastian]
Kürzlich hatte ich ein interessantes Gespräch über unterschiedliche Wahrnehmungen. Die Ausgangsfrage war: wie kann es sein, dass an einer Schule im Unterricht gesagt werden darf, Abtreibung sei im Zweifelsfall OK, aber nicht, Abtreibung sei im Zweifelsfall nicht OK? Wie kann es sein, dass eine Position vertreten werden darf, die Gegenposition aber nicht?
Meinungsdiktatur? Selbst in diesem Fall, in dem für alle evident eine Meinungsäußerung erlaubt und die andere verboten ist, kommt man damit nicht weiter, denn genau das ist auch der Vorwurf, der den Abtreibungsgegnern gemacht wird: sie wollten ihre Ansichten anderen aufzwingen. Mit der Antwort, die Abtreibungsbefürworter hätten eben das Sagen und nutzten das aus, wird man der Sache also nicht gerecht – sie würden sich gegen diese Anschuldigung verwahren! Damit bringt man kein Gespräch voran.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht in den Meinungen, die vertreten werden, sondern in einer grundlegend unterschiedlichen Wahrnehmung dessen, was überhaupt eine Meinung ist. Darüber gibt es inzwischen einen großen gesellschaftlichen Konsens.
Wer sagt, Abtreibung sei eine Entscheidung der betroffenen Frau, in die man nicht hereinzureden habe, vertritt keine Meinung. Im Gegenteil enthält er sich jeder Meinung und verhält sich daher angemessen, weil es nicht um ihn geht. In dieser Logik kommt hier jede Meinungsäußerung einem Angriff gleich, da sie den Entscheidungsbereich der Frau antastet, indem sie manipuliert und unter Druck setzt. Da aber Manipulation und Ausübung von Druck an der Schule selbstverständlich nicht erlaubt sind, haben in den Augen der Gesellschaft Abtreibungsgegner zu schweigen. Man darf dagegen sein, aber niemandem in die eigene Entscheidung hineinreden.
Pro choice um der Freiheit willen ist weit mehr als das kurzsichtige Vertreten egoistischer Positionen, wie es oft dargestellt wird. Es ist vielmehr auf Grundlage einer allgemein anerkannten Logik eine durchdachte Gewissensentscheidung.

Diese Logik definiert Freiheit als die Möglichkeit, freie Entscheidungen aus einem freien und daher unbeeinflussten Gewissen heraus zu treffen. Gewissensbeeinflussungen sind abzulehnen, denn sie machen unfrei. Alleine ist der Mensch am freiesten.
Der Fehler, der dieser Logik innewohnt, wird vielleicht am deutlichsten, wenn man sie auf den Intellekt anwendet. Sie lautete dann: der beste Intellekt ist möglichst ungebildet, denn nur unbeeinflusst kann er sich entfalten.
Letztlich ist es eine völlig anders tickende innere Logik, die es Abtreibungsbefürwortern oft unmöglich macht, Argumentationen zu folgen, die für mich bestechend klar und einfach sind. Diese andere Logik, die eine Logik der Einsamkeit als Tugend ist, gilt es zu überwinden.

Freitag, Oktober 26, 2012

Drei-faltig!

Gott ist alt. Er hat schon drei Falten.

(Kindermund aus zweiter Hand, was ebenso missverständlich sein dürfte...)

Bedingungslose Annahme – aber dann!


[Von Bastian]
Jesu Verkündigung sei die vom menschenfreundlichen Gott, vor dem jeder Mensch eine unzerstörbare Würde habe und von ihm bedingungslos angenommen werde - egal, ob "heilig" oder "Sünder". Die Botschaft von einem Gott, der auf der Seite der Armen und Benachteiligten stehe.
Der auch mich bedingungslos annehme - in all meinem Unvermögen und meiner Gebrochenheit.
So wurde einmal das zusammengefasst, was persönlich für den großen Schatz an der Botschaft Jesu gehalten werde.

Oft habe ich von solchen Aussagen ob eines leichten inneren Konfliktes leichte Bauchschmerzen bekommen: einerseits stimmen diese Aussagen natürlich, andererseits scheinen sie doch die Lehre vom Reich Gottes zu relativieren, für das definitiv nicht alles gleich bzw. gleichwertig ist. Wenn ich nicht große Teile der Verkündigung weglassen will, dann hat dieses Reich als Eingang einen Gerichtssaal, den ich erst einmal als freier Mann verlassen muss, um hineinzukommen. Und das klingt nicht besonders bedingungslos.

In der Verkündigung gibt es, wie ich oft erlebe, zwei Richtungen, die jeweils einen der Aspekte zum höheren Gut machen. Manchmal scheint es einen unübersehbaren Wust an Vorschriften zu geben, die zu erkennen, zu bejahen und zu befolgen sind, bevor man sich „Christ“ nennen darf; manchmal scheint es ein großer Fehler zu sein, überhaupt einen Anspruch an sich zu stellen, außer dem einen, sich lieben zu lassen, wie man nun einmal ist. Beides leitet sich aus der Botschaft Jesu her, und es gibt endlose Diskussionen zwischen den Vertretern beider Ansätze, die sich dabei durchaus auch gegenseitig den richtigen, freien Glauben absprechen.

Das Missverständnis liegt dabei, so denke ich, darin begründet, dass nicht unterschieden wird zwischen der Begegnung mit Gott und dem Weg mit ihm. Es ist wahr: Christus will jedem Menschen begegnen, völlig egal, wie sehr er in Sünde und Schuld verstrickt ist. Diese Nähe Gottes ist bedingungslos, dogmen- und bekenntnisfrei und gilt selbst reueresistenten schweren Sündern. Insofern trifft die Aussage oben voll zu. Niemals darf eine Verkündigung diese bedingungslose liebende Nähe Gottes einschränken! Eine Theologie, die diese Nähe verkennt und an Bedingungen knüpft, verkennt Gott. Allerdings ist dies die Nähe, die zu ersten Begegnung führen soll. Es ist nicht die Beschreibung der Art von Freundschaft, die Gott sich mit dem Menschen wünscht. Gottes „Menschenfreundlichkeit“ ist nämlich mehr, als das Wohlwollen eines netten Beobachters, der letztlich nicht eingreifen will. Es ist eine tiefe Sehnsucht nach jedem und jeder einzelnen von uns, nach mir – eine Sehnsucht, die nur durch meine Liebe zu ihm gestillt werden kann. Gemeinsame Liebe aber bedeutet einen gemeinsamen Weg.
Im Klartext: sobald ich Gott begegnet bin, ist es mit der Bedingungslosigkeit vorbei. Dann heißt es: Willst Du mich lieben? Kommst Du mit?

Dann zu sagen: „Nein, ich bleibe, wo und wie ich bin, denn so liebst du mich!“ bedeutet, nicht zurück zu lieben. Eine Theologie, die sagt, für Gott sei alles gut und sein Wunsch sei, dass man das erkenne und sich einfach so geliebt wisse, redet zwar von Liebe, ist aber eine Theologie der Lieblosigkeit, denn sie antwortet nicht. Sie liebt nicht zurück.
Eine gute Verkündigung lehrt die Liebe in ihrer Fülle: im Geliebt-sein und im Selber-lieben. Und sie bekennt, was Gott uns sagt: Er hat uns zuerst geliebt.

Der Raum, den wir in dieser Liebe gemeinsam mit Gott betreten, ist die Wahrheit. Hier gibt es mehr, als persönliche Empfindungen – hier herrscht das Reich Gottes. Alle Regeln, Dogmen und moralische Vorstellungen, alle Gebete und alle Sakramente ergeben erst einen Sinn, wenn sie in diesem Raum und in seinem Licht betrachtet werden. Von außen betrachtet sind sie aus Stein, der im Weg stehen kann, von innen betrachtet sind sie aus Licht, das von Gott kommt. Und wenn ich das weiß, tue ich gut daran, sie zu pflegen, auch wenn sie mir wieder einmal steinern vorkommen, weil ich wieder einmal Liebe und Wahrheit verlassen habe. Doch das gute ist: auch dann gilt wieder Gottes erste und bedingungslose Liebe zu mir: er ist da. Es ist ein Hand-in Hand beider Aspekte: der Bedingungslosigkeit und der Größe und Fülle an Erkenntnis und Gesetzmäßigkeiten, die sich daraus ergeben.

Wer die Größe des Schatzes erkennen will, den die Kirche von Gott übergeben bekommen hat, der kann bedingungslos eintreten und sich dann belehren lassen. Wer verkünden will, soll Gottes bedingungslose Liebe lehren, aber er lasse niemanden am Eingang stehen, als sei das alles. Das Gericht, so denke ich, verlässt jeder als freier Mensch, der zumindest ein wenig zurückgeliebt hat. Den fehlenden Rest schenkt Gott: wer hat, bekommt noch dazu.

Mittwoch, Oktober 24, 2012

Weisheitsspruch

[Von Bastian]
Da es mal wieder um Kinder und Familien geht: im Baumarkt habe ich vorgestern ein stolzes junges Ehepaar getroffen, deren noch stolzere 3jährige Tochter das 3monatige Brüderchen durch die Gegend schob. Wir kamen kurz ins Gespräch. Ich erzählte, dass es mit immer mehr Kindern eigentlich immer einfacher werde - bei uns war die Umstellung von einem auf zwei kinder größer als die von zweien auf gleich vier.
Und ich schob den Kalauer nach, der nicht von mir, aber trotzdem weise ist und den ich daher jetzt auch hier einmal schreibe:

Den Unterschied zwischen dem ersten, zweiten und dritten Kind erkennt man, wenn das Kind einen Euro verschluckt:
Beim ersten Kind rennt man zum Arzt.
Beim zweiten Kind durchsucht man die Windeln.
Beim dritten Kind zieht man den Euro vom Taschengeld ab.

Man wird lässiger.

Elternreiche Familien

[Von Bastian]
Kinderreiche Familien gibt es immer weniger. In den Niederlanden versucht man nun, mit neuen Wegen die Familien wieder größer zu bekommen: mit mehr Eltern. (LINK)

Ich wünsche viel Spaß beim Festlegen der Erbfolge von Eltern, die die Kinder selbst nicht gezeugt haben, zu Geschwistern, die keine sind. Ebenso bei der Festlegung von Besuchsregelungen im Scheidungsfall oder der Frage, welches der 4 Elternteile Anspruch auf das Kindergeld hat oder welcher der Väter bei der Geburt dabei sein darf. Elternabende dürften sich mittelfristig zu Massenveranstaltungen entwickeln.
Die logische Weiterentwicklung: Stopp der Diskriminierung der Kinderlosen! Der Begriff „Eltern“ wird auf alle Erwachsenen ausgeweitet, gleich ob sie Kinder haben oder nicht. Überhaupt wäre anstelle des Wortes „Eltern“ die Einführung des Terminus „Person mit Zeugungshintergrund“ sinnvoll. Dabei muss selbstverständlich „Zeugung“ analog zu Gender nicht mit der biologischen Tatsache, sondern mit dem selbstgewählten Wunsch danach gleichgesetzt werden.

Kämpfen wir also für große und freie Familien in einer großen, freien Welt.

Als Schnorrer geh' ich über Leichen.

[Von Bastian]
Wenn ich mir Kleidung kaufe, oder Tee, oder Kaffee, oder Südfrüchte, oder ein Auto, oder Computerteile, oder ein Handy, oder, oder…  jedenfalls bin ich meistens froh, wenn es preiswert ist. Oft mache ich mir nicht klar, dass jemand anders da für mich bezahlt: in anderen Ländern. Mit Arbeit, die er/sie kaum vergütet bekommt, mit seiner/ihrer Gesundheit. Letztlich mit dem Leben, denn ich wollte so nicht leben. (LINK) (LINK) etc.

Eigentlich wollte Gott der einzige sein, der mit Seinem Leben für mich zahlt…

Prognosen sind gefährlich!

[Von Bastian]
Die 6 verurteilten Geologen in Italien (LINK) zeigen wieder einmal, dass unsere Gesellschaft sich mit dem gesunden Menschenverstand immer schwerer tut. Eine falsche Prognose hatte fatale Folgen: es wurden keine Vorkehrungen für ein Erdbeben getroffen, dass daraufhin unangekündigt eintrat. Für die fehlende Warnung vor dem Beben, bei dem zahlreiche Menschen umkamen, sollen die Wissenschaftler nun ins Gefängnis.

Abgesehen davon, dass ich kaum glaube, dass bei einer Vorhersage viel mehr passiert wäre, als offizielle Beschwichtigungen und Angst vor einer „überzogenen Panikmache“: wer, bitte, ist so blöde, sich jetzt noch aus dem Fenster zu lehnen? Die ersten Wissenschaftler sind von ihren entsprechenden Ämtern zurückgetreten. Ich wage die Prognose (hört, hört!), dass das noch viel mehr werden, wenn sich das Urteil bestätigen sollte. (LINK)
Allen, die das anders sehen, empfehle ich den Film „Der weiße Hai“ (engl.: „Jaws“). Abgesehen davon, dass das ein Klassiker ist, zeigt er peinlich realistisch, wie mit Warnungen umgegangen wird, selbst wenn es dabei um Leben und Tod geht.

Als ich noch bei der Flugsicherung war, sagte man uns: „Wenn Sie mal einen Fehler machen, der Folgen hat, wird eine 20-köpfige Expertengruppe nach 5 Monaten Diskussion erklären, was Sie allein in 5sec. hätten berücksichtigen müssen, und Sie dafür schuldig sprechen." Ich fühle mich daran erinnert.

Maaaahlzeit!


Für mich nicht folgerichtig.

[Von Bastian]

Die Piusbruderschaft schließt Bischof Williamson aus. (LINK)
Williamson habe sich «seit mehreren Jahren von der Führung und Leitung der Priesterbruderschaft entfernt und sich geweigert, den Respekt und den Gehorsam zu bezeigen, den er seinen rechtmäßigen Oberen schuldet».

Von der rechtmäßigen Führung entfernt?
Gehorsam und Respekt verweigert?
Das alles über Jahre?

Vielleicht irre ich mich ja, doch für mich klingt das, als habe Bischof Williamson damit genau im Geiste der Bruderschaft gehandelt.

Freitag, Oktober 19, 2012

Widerlich und doch bezeichnend!

[Von Bastian]
Eigentlich mag ich über derart widerliche Dinge nicht schreiben. Ich tue es nicht der Sache wegen, sondern weil es wieder einmal ein Zeichen für die absurde Weise ist, wie unsere öffentliche Meinung so tickt.
Der Bundesrat will ein Verbot der Sodomie gesetzlich verankern - im Tierschutz. Tierschutzverbände begrüßen das Vorhaben. (LINK)
Abgesehen davon, dass dieses Vorhaben eine unglaublich geschmacklos-makabere Komik beinhaltet, wird noch eines deutlich: der Mensch ist offensichtlich gesetzlich nicht mehr schützbar. Was beim Tier oder anderswo strafbar ist, ist beim Menschen ein Freiheitsrecht. Freiheit braucht eine Ordnung, die höher ist, als sie selbst, sonst ist jede Perversion schützenswert. Eine Gesellschaft mit diesem Verständnis von Freiheit ist auf Dauer nicht lebensfähig.

Mittwoch, Oktober 17, 2012

Im Westen nichts Neues.


[Peter Esser] Zur redaktionellen Einleitung dieses Interviews mit Bischof Overbeck und zum Zuschnitt der Fragen:

Ob die Redakteure einfach nicht realisieren WOLLEN, daß auch ihre Fixierung auf das ihnen richtig Erscheinende eine Form der Erstarrung ist? Ob sie vielleicht einmal die Toleranz aufbringen können, Andersartiges, verstörend Fremdes einfach einmal andersartig und verstörend fremd sein zu lassen? Katholisch katholisch sein lassen? Ist denn ihr Weltbild nur dann harmonisch, wenn alle Menschen die gleiche Einheitsjacke tragen?

Komischerweise nimmt keiner der Kirchenkritiker Anstoß an Forderungen Jesu wie der Feindesliebe oder der völlig vertrauenden Hingabe an den Willen des Vaters bis hinein in den Tod. Können sie denn wirklich sagen: »Meister – sofern sie Jesus ihren Meister nennen – alle diese Gebote habe ich von Jugend auf befolgt«?

Bitte Vorsicht bei der Rücksichtnahme!


[Von Bastian]
Das Karussell der gesellschaftlichen Spinnereien dreht sich weiter. Der neueste Coup:
Nachdem es als unerheblich gilt, ob ich Männlein oder Weiblein bin (Gender) und woher ich wirklich stamme (Leihmütter und anonyme Samenspender), ist es neuerdings wichtig, kein Alter zu haben.
Mit seiner Entscheidung, all seinen Beamten – zumindest übergangsweise – 30 Tage Urlaub zu gewähren, zieht das Land die Konsequenzen aus dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts. Es hatte dieselbe Urlaubsstaffelung für die angestellten Landesbediensteten, die bislang auch für die Beamten gilt, als "altersdiskriminierend" gebrandmarkt.  (LINK)
Was nur scheinbar menschlich war – die Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit in unterschiedlichem Alter – war in Wirklichkeit eine Sauerei! Dank dieser neuen Regelung wissen wir, wie wir umzudenken haben: wahre Menschlichkeit ist, keine Rücksicht zu nehmen. Und es ist gut, dass das endlich gesetzlich festgeschrieben wird.

Weitere Beispiele:
Wer an der Kasse mit vollem Einkaufswagen einen Penner mit 2 Flaschen Bier vor lässt, diskriminiert ihn aufgrund seiner geringen finanziellen Möglichkeiten.
Wer im Straßenverkehr einem anderen Wagen die Vorfahrt lässt, sollte vorher sicherstellen, dass der andere Fahrer dasselbe Geschlecht hat. Er/Sie könnte sich sonst angemacht fühlen.
Wenn im Bus ein junger Mann den Platz für eine alte Dame frei macht, diskriminiert er gleich zweifach.

Es wird höchste Zeit, dass Schulbusse und Seniorentickets auf den Prüfstand kommen, ebenso wie „geschlechts“-spezifische Waschräume und Toiletten. Nieder mit den Unterschieden.
Unsere Fußballmannschaft (MANNschaft?) hat‘s kapiert. Nachdem sie eine ganze Weile forsch-maskulin aufspielte, besann sie sich doch noch und verwandelte in der letzten halben Stunde zum Ausgleich ihr Tor in ein feminin-warmes Nestchen für die Schweden. Na bitte – geht doch!

Montag, Oktober 15, 2012

39.045m gefallen - und jetzt?

[Von Bastian]
Felix Baumgartner hat eine sensationelle Ballonfahrt und einen ebenso sensationellen Fallschirmsprung hinter sich. Es war faszinierend, mit wunderbaren Bildern der Erde - ich habe es live verfolgt und jede Minute genossen.
Was mich aber am meisten berührt hat, war die Einblendung von Emails, die beim Sender eingingen. Eine davon lautete: "Glückwunsch, dass du deinen Traum verwirklicht hast!" Passend dazu sagte der Reporter gegen Ende des Sprungs (nach meiner Erinnerung - ähnlich war es in jedem Fall): "Baumgartner hat mit Sicherheit die aufregendsten und wichtigsten Minuten seines Lebens hinter sich!" Gibt es etwas trostloseres?

"Traum verwirklicht", "die wichtigsten Minuten hinter sich" - das klingt wie "Lebensziel erreicht" oder zumindest "den persönlichen Gipfel erklommen". Der Mann ist 43 und am Ziel? Mehr ist nicht?
Die Gesellschaft ist so drauf, dass sie Menschen bewundert, die einmal was ganz tolles gemacht haben. Sie bewundert Ehrgeiz, Wagemut und Selbstvertrauen. Kurz: sie bewundert Leistungen, die herausragen. Doch Leistung und Prestige als Sinn des Lebens? Tut mir leid, aber da habe ich mehr vor!

Das Abenteuer, das mein Leben bedeutet, stammt nicht von mir, und ich  habe es allerallerallergrößtenteils noch vor mir (denn ich beabsichtige, mit Gottes Gnade ein ewiges Leben zu führen!). Es wurde auf mich zugeschnitten von dem, der die Naturgesetze schuf, die Baumgartner für sich ausnutzte. Ich sitze an der Quelle!
5 Jahre lang hat Baumgartner sich vorbereitet - meine Vorbereitung dauert das ganze Leben. Sein Sprung war lebensgefährlich - meiner erfolgt am Ende des Lebens. Es hatte 4'19'' freien Fall - ich werde unbegrenzte Freiheit haben. Er sah die Erde von oben - ich werde Gottes Angesicht und die gesamte Schöpfung sehen. Er kam sicher unten an - ich werde sicher oben ankommen. Er hatte eine Pressekonferenz - ich werde das jüngste Gericht erleben.
DAS, liebe Gesellschaft,  ist ein Abenteuer und ein Sinn, der lohnt.


Sonntag, Oktober 14, 2012

Tröstlich!

[Von Bastian]
Brief an die Hebräer 4,12-13. Denn lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenk und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens; vor ihm bleibt kein Geschöpf verborgen, sondern alles liegt nackt und bloß vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft schulden.
Früher machten mir solche Aussagen in der Schrift Angst; heute trösten sie mich. Denn hier wird mir zugesagt, dass Gott sich von all dem Unsinn, den ich veranstalte, um vor ihm gut dazustehen, nicht beeindrucken lässt. Dass Er mich sieht, wie ich wirklich bin und dass daher Seine Liebe zu mir wirklich bedingungslos ist. So viele Gedanken, die ich mir mache, sind überflüssig. Nichts ist Ihm verborgen, Er sieht, Er richtet und ich darf in Seine Kirche. Es gibt nichts entspannenderes, als von Gott durchschaut zu werden.

Sonntag, Oktober 07, 2012

Für's Tagesevangelium wieder hochgeholt.





[ER]Ein mir namentlich bekannter Autor hat den Sitz im Leben des heutigen Evangeliums herausgefunden. Und ich freue mich sehr, das geneigte Publikum an den Früchten der mühseligen Rekonstruktionsarbeit theylhaben zu lassen. Herzlichen Dank an Anonymus!

"Von dort brach Jesus auf und kam nach Judäa und in das Gebiet jenseits des Jordan. Wieder versammelten sich viele Leute bei ihm, und er lehrte sie, wie er es gewohnt war. Da sagten seine Jünger: „Jesus, lass uns doch mal einen Dialog führen. Die Menschen möchten das. Von allen Seiten bedrängen sie uns. Dialog, Dialog – das ist es was sie wollen. Nicht immer nur zuhören.“ Und sogleich erhoben sich einige Theologen, nickten beifällig und eröffneten den Diskurs: „Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen?“ Jesus antwortete ihnen mit einer Gegenfrage: „Was hat euch Mose vorgeschrieben?“ Die Theologen sahen sich an, lächelten fein und sprachen: „Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und (die Frau) aus der Ehe zu entlassen.“ Jesus entgegnete ihnen: „Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Da wurden die Theologen zornig und verfassten an Ort und Stelle ein Memorandum: „Die Kirche ist kein Selbstzweck. Sie hat den Auftrag, den befreienden und liebenden Gott Jesu Christi allen Menschen zu verkünden. Das kann sie nur, wenn sie selbst ein Ort und eine glaubwürdige Zeugin der Freiheitsbotschaft des Evangeliums ist.“ Da trat ein kleines Grüpplein hervor, schwenkte eine Petition in Richtung der Jünger und entgegneten den Professoren: „Aber die Freiheitsbotschaft des Evangeliums ist doch das, was Jesus gerade gesagt hat, oder?“ Die Professoren schmunzelten über diesen kindischen Einwurf, warfen sich beredte Blicke zu und antworteten wie aus einem Munde: „Der Respekt vor dem individuellen Gewissen bedeutet, Vertrauen in die Entscheidungs- und Verantwortungsfähigkeit der Menschen zu setzen. Diese Fähigkeit zu unterstützen, ist auch Aufgabe der Kirche; sie darf aber nicht in Bevormundung umschlagen. Damit ernst zu machen, betrifft besonders den Bereich persönlicher Lebensentscheidungen und individueller Lebensformen. Die kirchliche Hochschätzung der Ehe und der ehelosen Lebensform steht außer Frage. Aber sie gebietet nicht, Menschen auszuschließen, die Liebe, Treue und gegenseitige Sorge in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft oder als wiederverheiratete Geschiedene verantwortlich leben.“ Auch die Jünger Jesu waren nun sehr verunsichert. Wer hatte nun recht? Deshalb befragten die Jünger Jesus noch einmal darüber: „Also was sollen wir den Leuten denn jetzt sagen? Was ist denn jetzt deine Freiheitsbotschaft in dieser Frage? Nur damit wir es den Leuten nicht falsch erklären?“ Jesus sagte: „Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. Auch eine Frau begeht Ehebruch, wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet.“ Und er stand auf und ging. Die Theologen aber riefen ihm nach: „Selbstgerechter moralischer Rigorismus steht der Kirche nicht gut an! Die Kirche kann nicht Versöhnung mit Gott predigen, ohne selbst in ihrem eigenen Handeln die Voraussetzung zur Versöhnung mit denen zu schaffen, an denen sie schuldig geworden ist!“ Jesus aber war schon auf dem Weg nach Jerusalem."

Freitag, Oktober 05, 2012

Piusbruderschaft – wie darauf reagieren?


[Von Bastian]
Dass es mit den Piusbrüdern und uns erst einmal nichts wird, hatte ich befürchtet. Mir tut das sehr leid – um ehrlich zu sein am meisten für Papst Benedikt, danach erst für die Piusbrüder selbst. Es wäre eine tolle Sache gewesen.
Worüber ich mir aber fast noch mehr Gedanken mache, sind die Reaktionen auf das Ende der Gespräche, meine eigenen und die, die ich im Internet lese
Natürlich ist man selbst emotional an einem solchen Prozess beteiligt. Natürlich macht sich diese Emotion Luft, wenn das Ergebnis feststeht, in Form von „Endlich!“ oder „Oh nein!“. Und natürlich muss man selbst erst einmal ein eigenes Verhältnis zu den neuen Tatsachen finden.
Mir ist dabei wichtig, dass ich Mitglied der Römisch-Katholischen Kirche bin, und das aus Überzeugung. Meine Kirche gibt es nur in Einheit mit Rom. Das ist eine Herausforderung, denn der ganze Einigungsversuch lief so ab, dass es durchaus zu Konflikten in mir selbst kommen konnte: ich hätte vieles anders gemacht und anders reagiert und überhaupt! Das ist erst einmal legitim, doch irgendwann muss ich wieder ruhig werden und mein Vertrauen auf Gott über die eigenen Bedenken stellen. Das ist immer wieder auch ein Willensakt – leichter ist das Verharren in der eigenen emotionalen Position.

Wenn ich als Ergebnis festhalte, dass Rom nun endlich das getan hat, was ich ohnehin bereits wusste, bin ich auf derselben Schiene wie die Piusbruderschaft: ich ordne Rom meiner Meinung und Interpretation unter. Rom hat mir zu folgen und war hier folgsam, wenn auch etwas langsam. Wenn ich mich daran festhalte, Rom habe einen großen Fehler gemacht, und auf bessere Zeiten warte, habe ich genau die Position der Piusbruderschaft, die sich als nicht einigungsfähig herausgestellt hat: ich folge dir, wenn du hingehst, wo ich hin will. Ich kann nicht jemandem folgen, auf den ich gerade warte.

Die Falle, die sich hier gleichermaßen in Richtung der Freunde und der Gegner der Bruderschaft auftut, ist die Versuchung, selbst zu bestimmen, was katholisch ist, und im Namen des Katholizismus zum Kirchengegner zu werden.

Warum aber soll ich keine eigene Meinung haben? Es kann doch nicht sein, dass ich die beim Kircheneintritt an der Garderobe abgeben muss, wenn ich mich katholisch nennen will. Tut der Autor dieser Zeilen nicht gerade genau dasselbe: bestimmen, was katholisch ist? Die Frage ist essentiell, denn Katholizismus kann und darf keine Bevormundung sein.
Dieser Einwand ist immer berechtigt, wenn es um politische – auch kirchenpolitische – Fragen geht. Das hat etwas mit der Einschätzung einer Situation zu tun, mit Taktik und Kalkül. Das aber stand hier nicht zur Debatte. Hier ging es um eine Frage der Wahrheit: lässt sich die Piusbruderschaft von ihrem Glauben her in die katholische Kirche einordnen? In Fragen dieser Art entscheidet die Kirche.

Der Blick darauf, dass es hier um eine Glaubensfrage geht und nicht um Politik, wurde oft verstellt. Immer wieder wurden in den Diskussionen taktische und politische Aspekte angeführt. Diese Aspekte gibt es, nur dass sie hier mögliche Folgen der Entscheidung waren, nicht aber mögliche Gründe dafür. Der Glaube ordnet sich keinen taktischen Überlegungen unter. Erzbischof Müller sagt: „Wir können den katholischen Glauben nicht den Verhandlungen preisgeben. Da gibt es keine Kompromisse.“ Mit dem Ausspruch macht er nicht klar, dass die Kirche endlich einmal ihre Identität bewahren will. Er setzt auch kein Zeichen, dass die Kirche weniger „rechts“ ist, als viele meinen. Es geht nicht um die Außenwirkung, sondern um viel mehr: um die Wahrheit. Uns so sehr ich bereit bin, bei der Außenwirkung mitzureden, bin ich auch bereit, in Wahrheitsfragen Rom zu folgen. Genau darum bin ich schließlich in der Kirche: weil ich in ihr Gott finde und mich durch sie von Ihm leiten lasse. Die Person von Erzbischof Müller spielt da gar keine Rolle.

Das Ergebnis ist kein Sieg für irgendjemanden und auch kein Verlust. Es ist das Feststellen einer Tatsache. Um diese Tatsache selbst wird es ohne neue Aspekte nicht mehr gehen, doch auf dieser Basis wird es weiter gehen. Ich denke, die Botschaft der Kirche an uns ist diese: Kopf frei von Enttäuschung und Genugtuung und Ring frei für die nächste Runde von Gesprächen und Gebeten.

Donnerstag, Oktober 04, 2012

Was sagt das über unsere Presse?

[Von Bastian]
Focus online berichtet über das TV-Duell zwischen Obama und Romney. Und zwar gleich zweimal. In dem Moment, in dem dieser Beitrag entsteht, ist das Duell die erste Schlagzeile, die zu diesem Artikel führt und Obama ein Desaster zuspricht. Zugleich ist es der erste Hinweis auf einen Filmbericht, der hierher führt, und komischerweise unter dem Titel "Hier punktet Romney gegen Obama" von einem Sieg Obamas spricht.
Wie der Titel der Zeitung schon impliziert: es hängt wohl sehr davon ab, was man gerade fokussiert. Oder anders gesagt: man sieht, was man sehen will.

Montag, Oktober 01, 2012

Esser wie Messer

Günter Wallraff (»Der Mann, der bei BILD ›Hans Esser‹ war«) wird siebzig. Damit er sich nicht angegriffen fühlt, gratuliere ich schon mal vorsichts- und überzeugungshalber. Er hat sich schließlich nicht nur Freunde geschaffen. Ich erinnere mich noch daran, daß ich seine Reportage »Ganz unten« atemlos gelesen und viel davon profitiert habe.

Zum Geburtstag tat er jedoch seinen Glauben kund, daß man sich zur Verteidigung der Freiheit gleich über alle Religionen lustig machen sollte. Der aktuelle Hintergrund ist natürlich der Streit um Schmähvideos und die Reaktionen in der islamischen Welt. Mit Beruhigung schließe ich daraus, daß er sich nicht in eine Moschee einschleichen wird – wie er es zum Beispiel als vorgeblich beichtwilliger »Ali« gemacht hat, um überforderte katholische Priester vorzuführen. Also keine Gefahr für Leib und Leben für »Ali«.

Stattdessen also allgemeiner Spottprotest gegen alle Religionen. Das ist aber in etwa so sinnvoll, wie zum Ladendiebstahl in Deutschland aufzurufen, um damit Protest gegen empfindliche Körperstrafen für ertappte Diebe in anderen Regionen der Erde einzulegen. Oder das zu tun, was die Friedensbewegung einst als »fucking for virginity« bezeichnete.

Wallraff und andere übersehen, daß Freiheit nicht darin besteht, willkürlich gegen diejenigen zu pöbeln, deren Nase mir zu Recht oder Unrecht nicht gefällt. Freiheit bedeutet, mich zu dem entscheiden zu können, was ich tun soll.

Wäre es anders – und ignoranter Spott ein Ausweis der Freiheit: Das bedeutete die Rechtfertigung des Soldatenstiefels, der den Leuchter zertritt.

Donnerstag, September 27, 2012

In eigener Sache

[Von Bastian]

Derzeit herrscht bei mir etwas Funkstille.
Der Grund ist, dass ich so viel zu tun habe, dass ich die Zeit zum Bloggen nicht finde.
Das wird ein paar Wochen so gehen - danach bin ich wieder voll da, denke ich.
Bis dahin: bleibt katholisch (sonst müsst Ihr einen Brief lesen, den ich keinem wünsche!).

Bastian

Donnerstag, September 20, 2012

Wie gut, dass es den Focus gibt!

[Von Bastian]

Ganz gleich, ob er Gottes Sohn war oder nicht: Die Geschichte von Jesus Christus ist die größte Geschichte aller (bisherigen) Zeiten.
So beginnt ein Artikel mit dem Titel "Auferstanden in die Unsterblichkeit" (LINK), auf Focus.de beworben mit "Was wir wirklich über Jesus wissen".
Gut, dass das endlich mal jemand verkündet!
Allerdings: wer auch immer "wir" ist: ich bin nicht dabei.

Sensationsfund in Höhle 08-15!

(Peter Esser) Papyrus-Los-Wochos in der Blogoezese, wie Georg Schimmerl treffend bemerkte. Nach der Entdeckung eines kleinen, jedoch zweifelhaften Schnipsels, der angeblich beweisen soll, daß unser Herr auch Herrchen war (»Herr-Herrchen-Hypothese«) hat nun eine mir möglicherweise namentlich bekannte, wenn auch bisher in großen Teilen der Fachwelt unbeachtet gebliebene Bonner Papyrologin ein Foto mit folgendem Text zugespielt:

»Ich hab gerade in meinem Wust ein Fragment gefunden, dass höchstwahrscheinlich Jesu innige Beziehung zu einem Hasen beweist. Es zeigt die angedeutete Abbildung eines langohrigen Tieres, welches eine Schütte mit ovalen Gegenständen auf dem Rücken trägt. Daneben ist zu entziffern: ›.....zu mir....müh...beladen...‹. Das dürfte wohl wahrscheinlich eindeutig sein!«

Ja, das erscheint uns tatsächlich wirklich eindeutig. Muß nun die Geschichte des christlichen OSTERFESTES umgeschrieben werden?

Lesetipp: Katholon

Es ist einfach cool: LINK

Verkündigung und Dialog

[Von Bastian]
Jesus wünscht, man solle in jedem Mitmenschen Ihn erkennen: „Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Das heißt, der Blick geht durch den Menschen zu Gott. Dieser Blick ist angemessen, denn der Mensch ist Gottes Ebenbild. Sein Wert wird erst in diesem Licht wirklich erkannt.
Unangemessen hingegen ist die Verdrehung dieser Aufforderung, man solle Gott nur im Menschen finden - was über das Menschliche hinausgeht, sei sinnlos. „Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar… Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben?“ (Joh 12,3-5) Der Blick auf Gott bleibt beim Menschlichen stecken. Er sucht eine Lösung dort, wo es keine gibt, und endet in der vermeintlichen Erkenntnis der eigenen Wertlosigkeit.

Der Blick auf Gott bringt den Wert des Menschen hervor, der auf den Menschen fixierte Blick lässt beides schwinden, Gottesbeziehung und Menschenwürde. Der Grund ist klar: da Gott in jeder Hinsicht größer ist, als der Mensch, muss er kleiner werden und seine Größe verlieren, wenn man ihn am Menschlichen zu definieren versucht. Der Mensch hingegen wächst, wenn Gott durch ihn scheint. Das Kleinere findet im Größeren Raum – umgekehrt nicht. "Ich glaube an Christus, so wie ich glaube, dass die Sonne aufgegangen ist, nicht nur, weil ich sie sehe, sondern weil ich durch sie alles andere sehen kann." - C. S. Lewis, Ist Theologie Dichtung? Gott umfängt den Menschen und sein Leben.

Wenn ich also den Glauben verkünde, kann ich das nur, indem ich über mich hinaus verweise. Der Blick geht zu Gott. Selbstverständlich ist Verkündigung mehr als das Reden über Prinzipien. Sie kann gar nicht anders, als von der Lebenssituation dessen auszugehen, dem verkündet wird. Deshalb ist das Hören ein wesentlicher Teil der Verkündigung. Sie bleibt jedoch nicht dabei stehen, sondern sie taucht diese Lebenssituation in ein neues Licht, das Licht des Glaubens, in dem vieles anders beurteilt wird. Lösungen werden langsam sichtbar, aber auch neue Probleme: ich werde durch Liebe und Vergebung befreit, erkenne aber zugleich auch immer klarer, wo ich stehe und wie sehr ich Gott brauche. Das wieder führt mich einen Schritt weiter. Verkündigung ist nicht nur Belehrung – sie ist auch Austausch in Wort und Tat. Sie ist Dialog auf dem Weg zu und im Blick auf Gott und endet im Gebet.

Was Verkündigung jedoch nicht sein kann, ist der umgekehrte Weg, der Weg, auf dem der Blick von Gott weg auf mich selbst gerichtet wird. Es geht in die falsche Richtung, wenn ich nicht mehr auf den Menschen höre, um ihm Gott zu zeigen, sondern wenn ich auf ihn höre, um Gottes Willen nach dem Gehörten umzudeuten. Nicht mein Leben erscheint dann im Lichte Gottes, sondern Gott erscheint im Lichte meines Lebens, was so zum Maßstab wird. Die Lösungen, die dann sichtbar werden, bestehen darin, dass Gott, der immer mehr meiner Situation angeglichen wird, mich immer weniger infrage stellt. Dazu muss ich natürlich gehört werden. Verkündigung ist hier Dialog auf dem Weg zu mir selbst und im Blick auf mich selbst. Sie endet, da Gebete zu Selbstgesprächen werden, in Forderungen an die Menschen, denen ich fälschlicherweise zutraue, sie könnten Gott neu definieren: an die Kirchenleitung. Paradoxerweise gehen diese kirchenkritischen Forderungen, die die Kurie zum Herrn über Gott erheben, von einer Autorität des Papstes und seiner Leute aus, die selbst dem dogmatischsten Traditionalisten zu viel wäre.

Wenn es in der Kirche einen Dialog geben soll (und muss!), dann sollte klar sein, worin er besteht. Versuche ich, im Gespräch die Lebenssituation vieler Menschen besser zu begreifen, um ihnen Gott näher zu bringen, ist das sinnvoll und wichtig. So kann Evangelisation beginnen. Der Dialogprozess könnte der erste Schritt zu einer großen Welle der Bekehrungen und Glaubensvertiefung werden. Wenn ich aber das Gespräch suche, um den Glauben daran neu zu definieren, wenn ich es als Ziel ansehe, auf dieser Basis lehramtliche Entscheidungen zu treffen, dann maße ich mir eine Autorität an, die ich nicht habe: Gott ist das Licht, nicht ich. Dann habe ich die Verkündigung ersetzt durch den Versuch, das Große in das Kleine zu stecken und bin so dabei, es zu verlieren.

Die Tatsache, dass Verkündigung immer auch dialogisch ist, bedeutet nicht, dass jeder Dialog automatisch richtig ist. Heilvoller Dialog über Gott geschieht im Lichte Gottes. Er endet nicht mit der Bestandsaufnahme, sondern im Gebet. Ein Prozess, der darauf beruht, dass die eine Seite Gott verkünden, die andere aber seine Lehre verändern will, ist kein Dialog, sondern institutionalisiertes Aneinandervorbeireden. Am Ende bleiben Verwundungen auf beiden Seiten und vielleicht gar der merkwürdige Versuch, den unendlichen Gott in Kompromisse zu fassen, die naturgemäß nicht einmal mehr so groß sind wie die Erkenntnis eines Einzelnen.
Die Berichte, die man vom derzeitigen Dialogprozess hört, legen, wie ich meine, dringend nahe, ihn auf die Logik hin zu überprüfen, die ihm zugrunde liegt.

Mittwoch, September 19, 2012

Genialer Spruch...

...wie ich finde:

"Die Kirche ist intolerant in den Prinzipien, weil sie glaubt; aber sie ist tolerant in der Praxis, weil sie liebt. Die Feinde der Kirche sind tolerant in den Prinzipien, weil sie nicht glauben; aber sie sind intolerant in der Praxis, weil sie nicht lieben." Réginald Garrigou-Lagrange OP

Amerkung

[Von Bastian]

Gerade ist mir bei Facebook wieder aufgefallen, dass ich definitiv nicht gegen Abtreibung bin, weil die Kirche das lehrt. Allerdings bin ich der Kirche sehr dankbar, dass sie in dieser Frage die einzig sinnvolle Position vertritt, die man meiner Meinung nach haben kann.
Es gibt viele Dinge, bei denen für mich sichtbar wird: das Lehramt hat einen wunderbar gesunden Menschenverstand. Kunststück - da steckt ja auch der einzige Mensch dahinter, der zugleich Gott war...

Montag, September 17, 2012

Unterbrechung der Laberspur


(von Peter Esser) Über das Wesen von »Dialog«-Veranstaltungen, wie sie jüngst wieder in Hannover stattgefunden haben, denkt Peter nach. Christoph H. fragt mich, ob eine Laberspur, wie sie sich von Mannheim nach Hannover zieht, durch einen STUHLKREIS unterbrochen werden kann.

Sie kann. Aber nur durch Konfrontation mit der Realität.

»We need to stamp out all religion!«

1938. Unbescholtene Mitbürger beim Outstampen einer unliebsamen Religion

(von Peter Esser) In einer Diskussion vertrat eine amerikanische Atheistin den schönen Satz: »We need to stamp out all religion.« Ein deutscher Mitdiskutant widersprach dem nicht, äußerte aber die Besorgnis, daß er die Verwirklichung dieses hehren Zieles nicht mehr erleben werde. Ich gehe also davon aus, daß unter Atheisten ein gewisser Grundkonsens in dieser Frage besteht.

To stamp out bedeutet nach meinem englisch-deutschen Konversationslexikon, daß man etwas – ein Feuer zum Beispiel – austritt oder ein Übel ausrottet. Stamp out bedeutet »ausmerzen«. Insofern hat diese Bemerkung etwas durchaus Brachiales, Gewaltsames. Auf jeden Fall schildert sie nicht das konstruktive Miteinander zweier Weltsichten, sondern einen zumindest in geistiger Hinsicht brutalen Akt.

Daß geistigen Gewaltmaßnahmen auch physische Gewalt folgt, dieser alten Erfahrung gibt das bekannte Sprichwort von der Bücher- und Menschenverbrennung beredten Ausdruck.

Es ist ja nicht so, daß eine religiöse Weltsicht auf der Ebene politischer Überzeugungen läge, die man wechseln könnte, wenn man nur mit genügend guten (subjektiv wahrnehmbaren!) Argumenten konfrontiert wäre. Glauben ist zwar ein ein subjektiver Akt, der aber eine übersubjektive Begründung hat. Er ist Vertrauen. Vertrauen hat man aber auch, wenn man gerade einmal nicht versteht – oder wenn man mit einer Übermacht mehr oder weniger guter, mehr oder weniger begründeter Argumente konfrontiert wird. Vertrauen-Glauben ist eine seelische Haltung.

Wer den Glauben ausradieren und ausrotten will, muß also tief in die Seele des Glaubenden eingreifen.  Ja, ich kann ad hoc mindestens hundert Personen nennen, die man selber ausradieren müßte, wenn man ihren Glauben ausradieren wollte.

Immer wieder bin ich, wenn auch mit heimlichem Schaudern über die intellektuelle Selbstüberschätzung der Atheisten amüsiert. Als ginge es darum, die bigotten Christen erst einmal über Naturwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Epistemologie und Logik zu belehren … und dann werde sich ihr Aberglaube auflösen wie ein Nebel vor der aufsteigenden Sonne.

Atheisten, ihr überschätzt eure eigenen intellektuellen Fähigkeiten. Bei weitem.



Mittwoch, September 12, 2012

Grillen mit Gott

Virtueller Event: Grillen mit Gott
[Peter Esser und Bastian Volkamer]
Neben allen Gebeten, Andachten und theologischen Diskussionen ist auch das Miteinander eine Säule des Glaubens. Im Zeitalter der Vernetzung bieten sich hier neue Möglichkeiten, die genutzt sein wollen. Und so soll der nächste Grillabend der überkonfessionellen christlichen Gemeinde „Prüfer, die alles Gute behalten“ im Internet für jeden offen sein. Die Veranstaltung trägt den Titel „Grillen mit Gott“.
„Das geht - auch über die Gemeinde hinaus“, so Virtualis Evangelistos, der griechische Pastor. "Wenn wir es mal abstrakt sehen, ist ein Grillabend ja nichts anderes als ein moderiertes Braten mit dem Ziel, miteinander satt zu werden", erklärt er.

"Ich merke, dass Menschen einen Hunger haben. Nicht unbedingt nach Grillabenden – aber nach Steak." Diesen Hunger, da ist der Prediger überzeugt, haben auch die Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer – nicht den traditionellen Grillabend am Samstag besuchen. "Ich hab mir schon viele Jahre Gedanken darüber gemacht, wie man kochfaule Menschen vor den Grill kriegt". Er sieht die Übertragung im Internet als Chance, weil die Hemmschwelle niedrig ist. „Wenn wir’s nicht ausprobiert haben, werden wir’s nie wissen!“

Fleisch, evtl. Folienkartoffeln und Bier sollten die Teilnehmer zuhause bereitstellen. "Wie wir das Grillen nun im Internet abhalten, wird noch eine Herausforderung sein", gibt Evangelistos allerdings zu. Wahrscheinlich wird er einfach die Kamera auf die Glut richten, "dann sieht das ja jeder persönlich für sich". Teilnehmer zu Hause am Bildschirm brauchen ein bisschen Vorstellungskraft, sie könnten das Fleisch vor den Bildschirm halten, es symbolisch grillen und dann im richtigen Moment gemeinsam mit der "echten" Gemeinde essen und trinken. "Dichter kommen wir in dieser Situation auch nicht ran", bedauert Evangelistos.

Während der Garzeit nach dem Tischdecken können die Teilnehmer auf der Wiese verschiedene Stationen aufsuchen, Kerzen anzünden, beten, Rezepte abschreiben, würzen. Gerade diese Phase bietet gute Möglichkeiten zum Mitmachen: Die Teilnehmer am Bildschirm können ihre Kerze anzünden, die Stationen auf der Wiese anschauen, ihr Fleisch würzen. Ob man Duft der Steaks durch den Bildschirm hindurch spüren kann, ist eine weitere offene Frage.

Echo Romeo harrt der Ergebnisse mit Spannung!

Montag, September 10, 2012

Mess op platt

[Von Bastian]
Sonntag war es wieder so weit:

Mer sänge zo Bejinn: „All dat wat mer donn em Läwe“
P: Em Name vom Vatter, sinne Jong on däm Helleje Jeist –
P: Dä Herr sei mit Üch.
A: On mit Dinne Jeist.

Was bringt einen Pastor, der mit Begeisterung die Messe im Außerordentlichen Ritus feiert und es fertig gebracht hat, dass bei uns Hand- und Mundkommunion unauffällig und gleichberechtigt nebeneinander existieren, der eine wunderschöne und korrekte Liturgie feiert, wirklich gottzentriert predigt und dabei auch heiße Themen katholisch anpackt – was bringt so einen Pastor dazu, einmal em Johr – Verzeihung: im Jahr – eine Messe auf Platt zu lesen? Was ist sein Motiv, abgesehen natürlich davon, dass er Düsseldorfer ist (wie ich auch)?

Die Messe war voll. Sehr voll. Ist das nicht Klamauk, den man mit allem Möglichen machen kann, aber doch bitte nicht mit Gott und der Eucharistie? Und man sah es vielen Leuten an, dass sie nicht sehr oft eine Kirche von innen sehen. War das nur eine Attraktion fürs Volk? Nein, war es nicht. Eher so etwas, wie eine Missionsaktion. Wie an Weihnachten bietet die „Mess op platt“ die Gelegenheit, Menschen eine Predigt zu halten, die sonst keine hören. Und es war Klasse: von der Heilung des Taubstummen über das Wort „Effata“ (Aramäisch, eine Art Platt des Hebräischen und bis heute überliefert) zum Effata-Ritus bei der Taufe, der uns befähigen soll, das Wort Gottes zu hören und daraus folgend adressiert an alle getauften Anwesenden: beschäftigt Euch mit Gottes Wort, denn Ihr seid getauft! Eine feine Predigt.
Hochgebet, Wandlung und Austeilung der Eucharistie erfolgten selbstverständlich völlig normal auf Hochdeutsch – an diesen Dingen wird nicht gerüttelt. So war die Feier würdig und doch originell. Und beim Gedanken, dass vor 150 Jahren bei uns die meisten Predigten so oder ähnlich geklungen haben dürften, empfand ich sogar eine besondere Ehrfurcht.

Mir hat es sehr gefallen. Bei manchen Texten ist mir das Herz aufgegangen: ich bin einfach gern Rheinländer, und auch wenn ich richtiges Platt nur in Brocken kann – den Akzent habe ich und bin stolz drauf.

P: Dä Herr es met Üch
A: On mit Dinne Jeist
P: Säjene soll Üch dä allmächtije Jott – dä Vatter – sinne Jong – on dä Helleje Jeist.
P: Maht Üch dadörch on verdracht Üch!
A: Jott sei Dank!


Schön! Eenmal em Johr es dat schön!

Samstag, September 08, 2012

Ökumene jetzt? Gern. Aber wie?

[Von Bastian]
„Kein Mensch kann sagen: Ich habe die Wahrheit, wird eingewandt – und richtig: Niemand kann die Wahrheit haben, die Wahrheit hat uns, sie ist etwas Lebendiges! Wir sind nicht ihre Besitzer, sondern wir sind von ihr ergriffen…“ Papst Benedikt XVI (LINK)

Damit hat er, denke ich, einen wichtigen Hinweis gegeben, wie Ökumene zu verstehen ist und zugleich eine Definition von Ökumene geliefert, die von jedem Christen unterstützt werden kann.
Wenn ich das ernst nehme, hat das für mich einige Folgen.
Einmal: wenn ich die Wahrheit nicht habe, kann ich sie auch keinem anderen geben. Gespräche und auch Diskussionen mit Geschwistern anderer Denominationen sind nur solange sinnvoll, wie es ein Ringen um Erkenntnis ist, solange es der Versuch ist, sich gemeinsam von Gott ergreifen zu lassen. Dabei können durchaus gegensätzliche Positionen vertreten werden, aber niemals kann ich jemanden vom Katholizismus überzeugen und soll das auch nicht. Gott entscheidet, was geschieht.
Dann: Wenn es darum geht, von Gott ergriffen zu sein, kann und darf ich niemanden be- oder gar verurteilen, der nicht katholisch ist. Auch wenn ich selbst noch so überzeugt bin – das ist Gnade und damit Geschenk, nicht mein Verdienst. Ich kann keinen Mangel darin sehen, wenn jemand weniger oder anderes geschenkt bekommt als ich.
Zudem: ich darf niemandem das Gespräch über die Konfessionsgrenzen hinweg verweigern. Täte ich es, käme das einer Einordnung gleich, wer von Gott ergriffen werden soll und wer nicht. Das steht mir nicht zu. Hier verschmelzen Ökumenischer Dialog und Mission, wobei Mission keine Überzeugungsarbeit ist, sondern das Zeugnis und das Ausstrecken nach Gott.
Und letztlich: da ich mir selbst immer bewusst sein muss, dass auch für mich die Wahrheit zu groß ist, dass nicht ich sie habe, sondern sie mich hat und umgibt, ist eine demütige Berücksichtigung meiner eigenen Fehlerhaftigkeit eine Voraussetzung für jede Ökumene. Der Papst sagt im selben Text:
„Es zeigt uns, dass sich im Lauf der Zeit über die Gabe Gottes menschliche Anwendungen, Übungen, Gewohnheiten gelegt haben, die schließlich stärker werden, das Eigentliche der geschenkten Weisheit Gottes verdecken und damit dann entweder wirklich zur Fessel werden, die man abwerfen muss, oder aber zur Selbstgerechtigkeit führen…“ Immer muss ich mir klar machen: nicht ich bin es, der überzeugt.

Wenn aber nicht ich es bin – was ist dann meine Rolle?
Ich denke, dreierlei. Das Zeugnis, durch das Gott hindurch scheinen kann, das vertrauensvolle Gebet, das Ihn immer wieder zum Herrn des Geschehens erklärt, und Buße für all das, was sich zwischen uns Christen an Hindernissen auftut. Dabei fiel mir stets der Gedanke der Buße am schwersten: wieso soll, vereinfacht gesagt, ich Buße tun für etwas, was meiner Meinung nach andere falsch machen? Bis mir einfiel, dass unser Herr genau das für mich getan hat, und konfessionelle Besserwisserei eine schlechte Nachfolge dieses Weges wäre.

Donnerstag, September 06, 2012

Der Trugschluss des MultiKulti

[Von Bastian]
Bei vielen herrscht heute das Idealbild einer modernen Zivilisation, in der alle Kulturen zusammenleben und es völlig normal ist, dass Türken, Araber, Asiaten, Deutsche, andere Europäer, Amerikaner, Schwarzafrikaner und viele andere eng zusammenleben sich gegenseitig bereichern.
Dieses Ideal beruht auf einem Irrtum.

Nicht, dass es daran etwas auszusetzen gäbe, wenn unterschiedliche Menschen zusammenleben. Im Gegenteil: so entsteht Verständnis, Kenntnis und neues Kulturgut. So entsteht Lebensqualität. Der Irrtum besteht darin, diesen Zustand als gesellschaftliches Modell für alle zu sehen, denn das geht nicht. Damit dieses Zusammenleben bereichernd und bunt ist, müssen die Kulturen eben unterschiedlich sein – anderenfalls herrschte überhaupt keine Vielfalt. Dazu aber müssen sie für sich sein und sich entwickeln können. Es gäbe keine chinesische Kultur, wenn es nicht China gäbe. Es gäbe keine französische Küche, wenn sie sich nicht in Frankreich entwickeln könnte. In Manhattan würde sie sich wohl kaum so herausbilden. Und ohne die italienische Landbevölkerung gäbe es heute nicht einmal Nudeln oder Pizza.
Der „moderne Mensch“ aber wünscht sich die italienische Pizza in der türkischen Dönerbude direkt neben dem Chinesen, bei dem man ein günstiges Mittagessen bekommt, um danach gleich um die Ecke zum Nachtisch einen Cappuccino zu trinken, wahlweise auch einen guten englischen Tee aus Ceylon. Der Schwerpunkt liegt auf Multi – auf die Grundlage für Kulti wird wenig Rücksicht genommen. Im Gegenteil: das ist rückständig, vor allem im eigenen Land. Deutsches Essen? Deutsche Kultur? Wie spießig. (Außer auf Mallorca – da ist das ein Qualitätsmerkmal.)
Die gängige Vorstellung von Multikulti ist ein Agglomerat von Länderklischees, deren vermeintlich kleinbürgerliche Herkunft gleichzeitig abgelehnt wird. Ein Agglomerat, das vorgibt, auf der Basis von Toleranz die Einheit in Vielfalt zu fördern, doch in Wirklichkeit auf der Basis von Arroganz die Einheit im Brei sucht.

Multikulti gibt es, wenn es viele gesunde Kulturen gibt. Die Orte, an denen sie nebeneinander auftreten, ohne sich selbst zu verlieren, werden immer die Minderheit sein. Genau deshalb sind sie auch so interessant. Doch um das wirklich genießen zu können, muss man eines mitbringen: eine eigene Kultur. Wie sonst will ich begreifen, was ich da gerade erlebe? Multikulti als politisch opportuner Ersatz für die eigene Kulturlosigkeit ist eine reine Konsumhaltung, die dem anderen das, was sie von ihm erwartet, selbst schuldig bleibt.

Was soll ich mit einem Lehramt?

[Von Bastian]
Wenn ich an Gott glaube und damit nicht meine, dass ich alles, was mich fasziniert, zusammenfasse und Gott nenne, dann komme ich schnell an meine Grenzen.
Egal, wie weit ich denke, wie tief und wie umfassend: all das beschränkt sich auf meine eigene Kapazität. Ich kann nichts erkennen, das zu erkennen ich nicht in der Lage bin, und kann keinen Gedanken haben, auf den ich nicht komme. Gott aber ist größer. Viel größer. Wie gehe ich damit um?
„Man weiß et nich!“ sacht der Rheinländer. „Weil man et nich wissen kann.“
Tatsächlich ist das die häufigste Lösung: ich erkenne meine Grenzen und lasse den Bereich jenseits davon das sein, was er ist: unbekannt. Mehr noch: ich lehne alles ab, was mir davon erzählt wird und nicht in meinen Kopf will, ist doch auch das nur Teil dessen, was eben einem anderen klar wurde und damit genauso unvollkommen ist, wie meine Gedanken. Verbindliche Aussagen über einen Bereich, der dem Mensch nicht zugänglich ist, verbieten sich. Jeder erkennt seinen Teil, Glauben und Religion sind somit Privatsache. Ein Lehramt ist sinnvoll, solange es mich bereichert. Darüber hinaus ist es Anmaßung und Indoktrination, schließlich gilt für alle: „Man weiß et nich!“
So sehr das manchem Katholiken missfällt: diese Position ist erst einmal logisch und korrekt. Der Mensch ist begrenzt, auch wenn er Papst ist oder in der Glaubenskongregation für den Erhalt der Wahrheit kämpft. Innerhalb dieser Begrenzung kann er immer nur den Teil der Überlieferung weitergeben, für den seine Kapazität ausreicht. So können Dinge verloren gehen, die neu entdeckt werden müssen, im Bewusstsein, dass auch das wieder ergänzungsbedürftig ist. Die volle Wahrheit passt nicht zum Menschen, weil er begrenzt ist.
Dieser Ansatz ist durchdacht und konsequent.

Nun glauben wir als Kirche allerdings etwas anderes: wir haben ein Lehramt, von dem wir sagen, dass es nicht unter diese Grenzen fällt. Wie kommen wir dazu? Wieso maßen wir uns an, unsere Lehrer (die sich durchaus nicht immer einig sind!) hätten Zugriff auf etwas, was die gesamte restliche Menschheit nicht ohne Hilfe erkennen kann? Wie können sie in ihrer Meinungsvielfalt die eine Wahrheit verkünden? Was unterscheidet die Kirche von einem Expertenclub mit 2000jähriger Tradition? Ganz persönlich: wieso glaube ich Dinge, auf die ich selbst nie gekommen wäre und die mir manchmal sogar widerstreben?
Die Antwort liegt in derselben Logik, der die Einwände folgen. Diese Logik muss ich nicht widerlegen, sondern zu Ende denken. Wenn alles Menschliche automatisch begrenzt ist, kann Weiterführendes nur aus dem Bereich jenseits der Grenzen kommen. Es kann nicht erdacht worden sein, nicht einmal gezielt gesucht worden sein. Es musste aus eigenem Antrieb zu uns kommen. Und damit sind wir am Herzen des Christentums angelangt: Gott hat sich uns offenbart. Das, was wir glauben, kam aktiv zu uns, wurde uns aus eigenem Antrieb erzählt. Deshalb kommt unser Glaube vom Hören, nicht vom Nachdenken.
Da jedoch, wie gezeigt, der Mensch als Medium zur Weitergabe der Wahrheit nicht ausreicht, benötigt die offenbarte Religion eine Pflege durch ihren Offenbarer selbst. Im Alten Testament wurde das durch die Propheten und von Gott berührte Menschen getan: immer hat Gott selbst dafür gesorgt, dass seine Wahrheit nicht in den Köpfen der Menschen langsam verkümmerte. Und heute? Keine Propheten. Aber eine Zusage, die alles erklärt: „Ich bin bei Euch bis ans Ende der Welt!“. Und ein Konzept: „Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen!“. Gott selbst garantiert für Seine Wahrheit und sagt, wo wir sie finden. Ohne diese Garantie wäre die Tradition eine Sammlung alter Sitten und begrenzter Erkenntnis, mit ihr ist sie die immer deutlicher werdende Auskristallisation von Gottes Willen. Ohne diese Garantie wäre das Lehramt dazu verdammt, die Offenbarung langsam zu verschleiern, mit ihr ist es die notwendige Pflege, die Gott selbst Seiner Offenbarung angedeihen lässt. Eine Kirche ohne Tradition und Lehramt wäre keine Kirche Gottes, weil sie Seine Richtlinienkompetenz nicht akzeptierte und nicht bereit wäre, dass Gott durch sie handelt. Gott aber handelt.
Das Vertrauen, das wir in die Kirche haben können, ist umso größer, je weniger wir in ihr die Menschen sehen. Ihre Aufgabe ist keinerlei Selbstzweck: durch sie soll Gottes Licht scheinen, sonst nichts. Kein Heiliger hat je auf etwas anderes vertraut als auf Gott. Die strahlendste Kirche ist die, die sich von allem frei macht, was nicht von Gott kommt, die sich entweltlicht. Damit nicht wir die Wahrheit auf uns selbst zurechtstutzen, weil wir sie haben müssen, sondern selbst wachsen in der Wahrheit, die uns ergriffen hat. Weil sie uns liebt, es will und deshalb selbst zu uns kommt.

Mittwoch, September 05, 2012

Krisenende jetzt: Ein Euro, ein Sumpf, eine Partei

[Von Bastian]

Liebe Politiker,

danke vorab, dass Ihr mir wieder einmal Eure Glaubwürdigkeit bewiesen habt. (LINK)
Ihr, die Ihr Euch ständig um Dinge zankt, für die man Kinder wegen offensichtlicher Übermüdung ins Bett stecken würde, fordert von anderen die Einheit. Beeindruckend parteiübergreifend (zumindest, bis der heiße Wahlkampf los geht) beschließt Ihr, dass auch andere zusammenfinden sollen.
Nun wage ich mal zu behaupten, dass die Unterschiede zwischen Euren Parteien noch viel geringer sind, als die Unterschiede zwischen den Konfessionen. Alle beschwört Ihr den Euro und glaubt daran, dass man Schulden mit Krediten bezahlen kann. Alle redet Ihr das eine, tut das andere und beschließt das alles hinter verschlossenen Türen, um es ab und zu für die Medien in einem verabredeten Abstimmungsspektakel im Bundestag zu veröffentlichen. Alles derselbe Sumpf!
Wie wäre es: Ihr tut das, was Ihr fordert, und vereint Euch? Die eine große Partei, die ernsthaft sucht, mit einer Zunge redet und der man glaubt?
Nein? Nicht? Euer Amtsverständnis ist zu unterschiedlich? Die unterschiedlichen Verstorbenen, die Ihr vergöttert, passen einfach nicht zusammen? Und es gibt nicht genug Ministerposten für Euch alle?
Sicher, Ihr Lieben, ich weiß ja, dass das schwer ist. Um Euch dabei ein wenig zu helfen, habe ich einen Aufruf verfasst. Nichts Spektakuläres – nur ein paar Allgemeinplätze, die mit ein paar Bindewörtern zu einer vermeintlichen Einheit verschmelzen (ein gutes Beispiel dafür, wie es klappen kann!). Für die Vorlage bedanke ich mich herzlich. Ersetze Spaltung durch Finanzkrise und Kirchen durch Parteien, und es wird offenbar, wie Ihr denkt. Ich habe nicht alles verwendet – das würde langweilig. Es ist so schon zu lang geworden. Aber seid versichert: nur ein paar Worte und Namen austauschen, und es klappt mit wirklich jedem Eurer Sätze. Irgendein Sinn kommt dabei heraus, und wir wollen doch nicht zu enge Vorgaben machen, sondern offen sein – stimmts?

In diesem Sinne: ein Aufruf.


Krisenende jetzt: Ein Euro, ein Sumpf, eine Partei

Die grundlegenden Aufgaben des ESZB bestehen darin,
...
die offiziellen Währungsreserven der Mitgliedstaaten zu halten und zu verwalten, das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme zu fördern. (Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, Artikel 127.2 c-d)

In diesem Jahr erinnern sich die Bürger unseres Landes an zwei herausragende Ereignisse:
- Pleite der Lehman-Bank im Jahre 2008
- Schuldenschnitt in Griechenland im Jahre 2012
In Deutschland soll das „Krisenmanagement“ der Verarbeitung und Würdigung dieser historischen Daten dienen, die im Rückblick eine Zäsur in der Geschichte nicht nur unseres Landes darstellen. Beide Ereignisse betreffen nicht nur jeweils ein politisches Lager, sondern sind eine Herausforderung an alle und eine Angelegenheit insbesondere, aber nicht nur der Parteien.
Wir werden uns an der Vorbereitung und Durchführung von Verlautbarungen, Prognosen, Forderungen und Versprechungen zur Erinnerung und Würdigung des Wirkens der EZB beteiligen, und wir wollen alles tun, dass wieder alles so wird, wie es vor der Krise war.

Weil uns das Grundgesetz Gemeinschaft miteinander geschenkt hat, sind alle Bürger miteinander verbunden. Sie bilden als Volk eine brüderliche Gemeinschaft, die wir in unserer Nationalhymne bekennen. Deshalb ist es geboten, diese geistliche Einheit auch sichtbar Gestalt gewinnen zu lassen.
...
Dennoch kam es zur Überschreitung des maximalen Defizits. Es gab gravierende Differenzen und Missverständnisse, aber die Krise hatte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch handfeste politische Gründe: Nicht die persönliche Leistung führte dazu, dass man viel oder wenig draufzahlte, sondern der Wohnsitz. Die Herrscher einer Region bestimmten die Steuern ihrer Einwohner. Für die dauerhafte Krise wurden Machtfragen wichtiger als Kompetenz.
...
Wir wollen nicht Versöhnung bei Fortbestehen der Trennung, sondern gelebte Einheit im Bewusstsein historisch gewachsener Vielfalt.
Heute ist die Parteienlandschaft politisch weder gewollt noch begründet. Reichen machtpolitische Gründe, institutionelle Gewohnheiten, parteiinterne und kulturelle Traditionen aus, um diesen Dauerwahlkampf fortzusetzen?
Das glauben wir nicht.
  • Offensichtlich ist, dass Konservative, Liberale und Sozialdemokraten viel mehr verbindet als unterscheidet.
  • Unbestritten ist, dass es unterschiedliche Positionen im Verständnis von Mindestlohn, Amtsführung und Klientel gibt.
  • Entscheidend ist jedoch, dass diese Unterschiede die Aufrechterhaltung des Status Quo nicht rechtfertigen.
In der Bevölkerung ist die Sehnsucht nach politischer Weitsicht groß. Die Folgen des Dauerwahlkampfes werden im Alltag von Bürgerinnen und Bürgern schmerzlich empfunden.
Wir würdigen die Anstrengungen um die Fortschritte der Konsensfindung in den letzten Jahrzehnten. Wir sind dankbar, dass die Erfahrung der Gemeinschaft und die praktische Zusammenarbeit politischer Gruppierungen aller Couleur vor Ort sich schneller entwickelt als der institutionelle und parteipolitische Klärungsprozess.
Wir appellieren an die Parteiführungen, die tatsächlichen Entwicklungen in den Gemeinden vor Ort so zu unterstützen, dass die Sachkompetenz nicht in ein Niemandsland zwischen den Parteien abwandert, sondern die Trennung unserer Systeme überwindet. An die Ortsverbände appellieren wir, die Forderung weiter voran zu treiben, politisches Leben miteinander zu gestalten, Räume gemeinsam zu nutzen und die organisatorische Einheit anzustreben.
Als Bürger im Land der Stabilität stehen wir in der besonderen Verantwortung, Zeichen zu setzen und dazu beizutragen, die gemeinsame Wirtschaft auch in einer gemeinsamen Partei des Sachverstands zu leben.

Liebe Politiker – wäre das nichts für Euch?

Dienstag, September 04, 2012

Interessanter, aber falscher Ansatz

[Von Bastian]
Der Europäische Gerichtshof muss prüfen, ob folgende Rechtsauffassung stimmt: das Tragen von Schmuckkreuzen ist kein verpflichtender Teil der christlichen Religionsausübung und ein Verbot entsprechend kein Eingriff in die Religionsfreiheit. (LINK)
Der Gedanke dahinter dürfte sein, dass Religionsfreiheit nicht alles und jedes erlaubt, nur weil es z.B. christlich aussieht, sondern sicherstellt, dass die Essentials der Religionsausübung ohne Nachteile sichergestellt sind. Das klingt erst einmal sinnvoll, zumal sich in diesem Licht auch andere Fälle betrachten lassen. Wenn beispielsweise radikale Islamisten eben nicht jede Verwendung ihrer Symbole in der Öffentlichkeit durch die Religionsfreiheit rechtfertigen können – das ist doch gut, oder?

Ich denke, hier stimmt der gedankliche Ansatz nicht.
Grundsätzlich ist keine Rechtsprechung in der Lage, zu entscheiden, was für eine Religionsausübung essentiell ist und was nicht. Zudem ist Freiheit mehr als die Duldung, dass man eine religiöse Pflicht ausführt. Freiheit enthält die Möglichkeit der Entfaltung. Die wurde hier beschnitten. Mit was könnte sich ein Christ besser schmücken, was zierte ihn mehr als ein Zeichen seiner Erlösung? Das Tragen von Kreuzen gehört für viele als persönlicher Ausdruck zum Glauben. Das zu tun muss man frei sein!
Die Religionsfreiheit ist ein Grundsatz, der von den Bürgern Toleranz fordert: auch wenn ich eine religiöse Überzeugung nicht teile, muss ich akzeptieren, dass andere Menschen offen danach leben. Diese Konfrontation mit der Religiosität anderer muss ich aushalten. Ich muss es, damit diese Menschen frei sein können. Ich muss es aushalten wie das Aussehen und die Stimme anderer, wie deren Auftreten und deren politische Ansichten. Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden. Im Gegenzug darf selbstverständlich auch ich meine Religion offen leben.
Beschränkungen der Religionsfreiheit können eigentlich nur dadurch zustande kommen, dass ein anderes, hoch anzusiedelndes Recht verletzt wird. So wäre es sinnvoll, das Tragen von Kreuzen zu verbieten, wenn die Träger unter diesem Zeichen zur Gewalt aufriefen. Im Klartext: Religionsfreiheit ist erst einmal ohne Grenzen, wird aber durch andere Rechte beschränkt.

Neu ist in der Diskussion seit einiger Zeit der Ansatz, dass die Religionsfreiheit ihre eigene Beschränkung in sich trägt. Auch der Atheist sei frei, sein Leben frei von Religiosität und religiösen Symbolen zu leben. Diese Überzeugung sei gleichermaßen durch das Gesetz geschützt und müsse in Abwägungen berücksichtigt werden. Daher könne man es nicht immer tolerieren, wenn ein grundsätzlich jeder Patient einer Krankenschwester mit deren Religion konfrontiert werde, weil sie ein Kreuz trägt.
Dieser Ansatz beinhaltet mehrere grundlegende Irrtümer. Zum einen kann man nicht die Abwesenheit von Religion wie eine Religion behandeln. Das Ablehnen einer Einstellung oder Lebensweise ist Teil der Meinungsfreiheit, nicht der Religionsfreiheit. Die Meinungsfreiheit aber zeigt, wie irrig der Ansatz ist. Folgte man ihm, wäre das Beharren darauf, sich keine eigene Meinung zu bilden, nicht nur geschützt (was es selbstverständlich ist!), sondern es wäre Grundlage dafür, dass andere ihre Meinung nicht mehr sagen dürfen, weil das für mich unangenehm ist (was natürlich großer Blödsinn ist!).
Das führt zum zweiten, noch grundlegenderen Irrtum: das Recht, ein Recht nicht in Anspruch zu nehmen, kann kein Grund sein, das abgelehnte Recht zu beschneiden. Das Recht, Atheist zu sein, darf nicht die Ausübung der Religion beeinträchtigen, ebenso wenig wie das Recht zu fasten andere am Essen hindern darf. Anderenfalls hebt sich jedes Recht selbst aus den Angeln. Mehr noch: was Recht ist, wird gerade dadurch, dass es Recht ist, eingeschränkt. Die Freiheit, etwas zu tun, ist so nicht mehr definierbar, weil jede Freiheit ihren eigenen Tod in sich trägt. Das ist die Grundlage zur Diktatur im Namen der vermeintlichen Freiheit und der Freibrief für Verweigerer, alles zu bestimmen.

Diese Verdrehung, dieser falsche Ansatz greift bereits massiv um sich: Das Recht auf Erziehung führt zur Beschränkung der Familienrechte, das Recht auf Leben macht Platz für Euthanasie und Abtreibung, die freie Religionsausübung beschränkt sich selbst. Gut lebt, wer nicht aneckt: Freiheit und political correctness verschwimmen und werden in den Augen der Gesellschaft austauschbar. George Orwell ist nicht mehr sehr weit entfernt.

Ein starkes Erlebnis

[Von Bastian]
Vorgestern war wieder das Jahrestreffen vom Freundeskreis der freikirchlichen Hausgemeinschaft in Düsseldorf, von der ich bereits geschrieben habe. Es war wunderschön und beeindruckend.
Besonders berührt hat mich, dass der junge Mann, von dem hier die Rede ist, Zeugnis über seine Entwicklung gab. Klar, unspektakulär in der Sprache, dankbar.
Diese Fülle und Freude finde ich in keiner Messe, diesen Einsatz kaum einmal in der Gemeinde. Ich werde viel nachdenken müssen über die Art und die Intensität der Nachfolge, die ich dort erlebt habe.

HMPF!

[Von Bastian]
Vorgestern Abend sah ich nach langer Zeit eine Freundin wieder.
Während sie strahlend auf mich zu kam, sagte sie:
"Mensch, bei sich selbst bemerkt man ja gar nicht, wie alt man geworden ist!"
Na gut. Danke, Herr, für mein Alter.