„Keine halben Sachen!“ habe ich gedacht, als ich die weichgespülten Korrekturen der Falschmeldung las, die Erzbischof Plaza zu Unrecht in den Dreck zogen. Haben die Zeitungen, Portale und Agenturen nicht mehr drauf, oder wenigstens mehr Anstand? Empört war ich!
Doch dann fiel mir die alte Tugend ein, vor der eigenen Türe zu kehren. Hatten wir Blogger nicht auch halbe Sachen gemacht? Hatten nicht auch wir nur angeprangert, aber keinen Lösungsvorschlag unterbreitet? Was, wenn die armen Medienprofis das gar nicht können!
Um die Sache also rund zu machen und die zweite Hälfte zu liefern, hier ein Textvorschlag, wie man die Sache aus der Welt (und auch aus anderen Zeitschriften, die sich bisher nicht trauen) schaffen könnte. Nachdrucken ausdrücklich erlaubt.
Liebe Leser,
vor kurzem brachten wir die Meldung, der Erzbischofs von Toledo, Braulio Rodriguez Plaza, habe sich in einer Predigt abschätzend über misshandelte Frauen geäußert: sie seien an ihrer Situation selbst schuld. Diese Meldung war falsch.
Wir entschuldigen uns bei Ihnen dafür, Sie falsch informiert zu haben. Noch nachdrücklicher jedoch entschuldigen wir uns bei Ihnen, Exzellenz!
Einen Link zu einer Übersetzung der Predigt finden Sie hier. Erzbischof Plaza wendet sich darin massiv gegen jede Form von Gewalt gegenüber Frauen, prangert die Täter an, lobt die rechtlichen Möglichkeiten der betroffenen Frauen und versucht, den Ursachen des Problems auf den Grund zu gehen. Die fehlerhaften Anschuldigungen lassen sich weder im Wortlaut der Predigt finden, noch durch Interpretation konstruieren. Es tut uns leid.
In eigener Sache dazu: das Verbreiten von Nachrichten ist ab und zu mit Stolperfallen versehen. Aktualität bedeutet Zeitdruck. Nachrichten breiten sich in großer Geschwindigkeit aus und werden, wenn man die Quelle als zuverlässig kennt, oft erst im Nachhinein geprüft.
Das ist hier passiert. Eine aufmerksame Leserschaft hat den Irrtum rasch bemerkt und konnte ihn anhand einer Übersetzung nachweisen. So können wir ihn korrigieren; danke für die Hinweise!
Wir haben einen Fehler begangen - es wird nicht unser letzter gewesen sein. Korrekte Informationen aber müssen einem Nachrichtenportal wichtiger sein als die eigene reine Weste. Da es unser Anliegen ist, Sie stets aktuell und richtig zu informieren, also selbst eine zuverlässige Quelle zu sein, ist unser fest zugesagter Service der: Fehler werden korrigiert, und zwar so, dass es bemerkt wird. Sie bekommen die richtigen Informationen.
Ihre *werauchimmer*
Samstag, Januar 16, 2016
Freitag, Januar 15, 2016
Gute Manieren sind gefragt.
Wer am Kaffeetisch versehentlich seine Tasse auf den Boden fallen lässt, tut gut daran, die Tasse in die Spülmaschine zu räumen und sich eine neue zu holen. Hat er allerdings dabei den Kaffee auf die Hose seines Sitznachbarn geschüttet, ist der mit Recht erstaunt, wenn es bei einer neuen Tasse bleibt. Ein „Entschuldigung!“ und ein paar Servietten wären da nicht zu viel erwartet. Eher angemessen – alles andere wäre nicht nur unhöflich, sondern ließe den Ungeschickten zusätzlich als Egoisten erscheinen: Die Hose bleibt dreckig, Hauptsache, meine Tasse ist sauber. So weit – so einsichtig.
Wenn ein Nachrichtenportal versehentlich eine Falschmeldung bringt, tut es gut daran, die zu löschen. Hat es dabei allerdings einen unschuldigen Menschen mit Dreck beworfen, tut es gut daran, eine Richtigstellung zu bringen, verbunden mit einer Entschuldigung. Und das so, dass beides auch wahrgenommen wird. Alles andere wäre nicht nur unprofessionell, sondern auch unglaubwürdig: Der Dreck bleibt kleben, Hauptsache wir haben keine Fehler auf dem Portal. Ist doch klar – oder?
Bei Domradio scheint man das anders zu sehen. Eine dreckschleudernde Falschmeldung ohne eigene Recherche zu übernehmen – das geht. Das ist sogar verständlich: den Agenturen, von denen man seine Nachrichten erhält, vertraut man. Domradio ist kein Riesenunternehmen.
Ein Versehen dieser Art ist nun passiert. Man hat eine skandalöse Meldung übernommen: Erzbischof Rodriguez Plaza habe misshandelten Frauen in seiner Predigt mitgeteilt, sie seien an ihrer Lage selbst schuld. Diese Meldung ist offenbar falsch. Und ist sie falsch, ist sie bösartig und für den Bischof (und die ganze Kirche!) eine schwere menschliche Verletzung. Doch bevor man das offen korrigiert, braucht man offenbar erst einmal viel Zeit zum Nachdenken: Der Artikel sei aufgrund vieler Rückmeldungen vorerst offline heißt es lakonisch auf Facebook, man habe keine Zugriffsberechtigung heißt es auf der Website. Keine Richtigstellung, keine Entschuldigung.
Es ist verständlich, dass man jetzt gründlich recherchiert, sogar wichtig ist das. Doch eins geht nicht: nur das eigene Portal zu putzen. Liebes Domradio, hier wurde ein Schaden angerichtet. „Unsere Meldung, Erzbischof Rodriguez Plaza habe misshandelten Frauen die Schuld an ihrem Zustand gegeben, war falsch. Wir bitten ihn und unsere Leser um Entschuldigung. Eine Übersetzung seiner Predigt, auf die wir uns bezogen, finden Sie hier.“ Seid Ihr unsicher, dann schreibt eben „…war offenbar falsch. Für diesen Fall bitten wir…“. Aber schreibt!
Ohne eine solche Meldung an prominenter Stelle entsteht der Eindruck, oder besser: so wird klar, dass es mehr um die Firma geht als um die Inhalte. Dass man mit dem Werfen von Dreck schneller ist, als mit dem angesagten Aufräumen. Dass andere Schaden nehmen dürfen, nur man selbst nicht. Für ein katholisches und sogar kirchliches Unternehmen geht das gar nicht. Willst Du das sein, was Du zu sein vorgibst, Domradio, dann handele.
Inzwischen hat sich etwas getan (LINK).
Nun, das ist sicher löblich, aber es ist feige.
Nein, das ist keine „mediale Fehlinterpretation“, sondern eine Falschaussage. Nein, es waren nicht „Einige Medien“, sondern KNA und Domradio selbst.
Der Bischof von Toledo weist keine Vorwürfe zurück – das täte jeder, gleich ob er recht hat oder nicht – sondern es ist klar, dass die Zitate falsch waren.
Wenn man erst jemanden unglaubwürdig macht und dann als Dementi in indirekter Rede, also im Konjunktiv, wiedergibt, wie er sich verteidigt, ist das unzureichend. Klare Zitate gibt es nur „laut dem vom Erzbistum verbreiteten Predigttext“. Verbreiten können die hinterher viel, denkt der Leser.
Um im Bild vom Kaffee oben zu bleiben: hier wird nicht "Entschuldigung" gesagt, sondern den anderen in der Runde wird mitgeteilt: "Mein Sitznachbar sagt, es sei eine gute Hose gewesen."
Komisches Verhalten!
Es geht hier nicht um das Aufklären eines Missverständnisses irgendwelcher Medien, sondern um Anstand, Entschuldigung und die Rücknahme einer eigenen Falschmeldung.
Nun, man kann nicht alles haben. Möglicherweise ist das so ja schon eine stramme Leistung.
Nun ja. Warten wir, ob da noch was kommt.
Wenn ein Nachrichtenportal versehentlich eine Falschmeldung bringt, tut es gut daran, die zu löschen. Hat es dabei allerdings einen unschuldigen Menschen mit Dreck beworfen, tut es gut daran, eine Richtigstellung zu bringen, verbunden mit einer Entschuldigung. Und das so, dass beides auch wahrgenommen wird. Alles andere wäre nicht nur unprofessionell, sondern auch unglaubwürdig: Der Dreck bleibt kleben, Hauptsache wir haben keine Fehler auf dem Portal. Ist doch klar – oder?
Bei Domradio scheint man das anders zu sehen. Eine dreckschleudernde Falschmeldung ohne eigene Recherche zu übernehmen – das geht. Das ist sogar verständlich: den Agenturen, von denen man seine Nachrichten erhält, vertraut man. Domradio ist kein Riesenunternehmen.
Ein Versehen dieser Art ist nun passiert. Man hat eine skandalöse Meldung übernommen: Erzbischof Rodriguez Plaza habe misshandelten Frauen in seiner Predigt mitgeteilt, sie seien an ihrer Lage selbst schuld. Diese Meldung ist offenbar falsch. Und ist sie falsch, ist sie bösartig und für den Bischof (und die ganze Kirche!) eine schwere menschliche Verletzung. Doch bevor man das offen korrigiert, braucht man offenbar erst einmal viel Zeit zum Nachdenken: Der Artikel sei aufgrund vieler Rückmeldungen vorerst offline heißt es lakonisch auf Facebook, man habe keine Zugriffsberechtigung heißt es auf der Website. Keine Richtigstellung, keine Entschuldigung.
Es ist verständlich, dass man jetzt gründlich recherchiert, sogar wichtig ist das. Doch eins geht nicht: nur das eigene Portal zu putzen. Liebes Domradio, hier wurde ein Schaden angerichtet. „Unsere Meldung, Erzbischof Rodriguez Plaza habe misshandelten Frauen die Schuld an ihrem Zustand gegeben, war falsch. Wir bitten ihn und unsere Leser um Entschuldigung. Eine Übersetzung seiner Predigt, auf die wir uns bezogen, finden Sie hier.“ Seid Ihr unsicher, dann schreibt eben „…war offenbar falsch. Für diesen Fall bitten wir…“. Aber schreibt!
Ohne eine solche Meldung an prominenter Stelle entsteht der Eindruck, oder besser: so wird klar, dass es mehr um die Firma geht als um die Inhalte. Dass man mit dem Werfen von Dreck schneller ist, als mit dem angesagten Aufräumen. Dass andere Schaden nehmen dürfen, nur man selbst nicht. Für ein katholisches und sogar kirchliches Unternehmen geht das gar nicht. Willst Du das sein, was Du zu sein vorgibst, Domradio, dann handele.
1. Ergänzung:
Inzwischen hat sich etwas getan (LINK).
Nun, das ist sicher löblich, aber es ist feige.Nein, das ist keine „mediale Fehlinterpretation“, sondern eine Falschaussage. Nein, es waren nicht „Einige Medien“, sondern KNA und Domradio selbst.
Der Bischof von Toledo weist keine Vorwürfe zurück – das täte jeder, gleich ob er recht hat oder nicht – sondern es ist klar, dass die Zitate falsch waren.
Wenn man erst jemanden unglaubwürdig macht und dann als Dementi in indirekter Rede, also im Konjunktiv, wiedergibt, wie er sich verteidigt, ist das unzureichend. Klare Zitate gibt es nur „laut dem vom Erzbistum verbreiteten Predigttext“. Verbreiten können die hinterher viel, denkt der Leser.
Um im Bild vom Kaffee oben zu bleiben: hier wird nicht "Entschuldigung" gesagt, sondern den anderen in der Runde wird mitgeteilt: "Mein Sitznachbar sagt, es sei eine gute Hose gewesen."
Komisches Verhalten!
Es geht hier nicht um das Aufklären eines Missverständnisses irgendwelcher Medien, sondern um Anstand, Entschuldigung und die Rücknahme einer eigenen Falschmeldung.
Nun, man kann nicht alles haben. Möglicherweise ist das so ja schon eine stramme Leistung.
2. Ergänzung:
Auf Facebook hat sich Domradio für die Falschmeldung entschuldigt. Man habe das auf der Website richtig gestellt. Der Link dorthin verweist allerdings nach wie vor auf die "mediale Fehlinterpretation".Nun ja. Warten wir, ob da noch was kommt.
Donnerstag, Januar 14, 2016
Dienstag, Januar 12, 2016
Wie man es auch sehen kann
Im arabischen Sprachraum spielt sich ein Kulturkampf ab. Nachdem einige Regime stürzten, zeigte sich, dass das entstehende Machtvakuum nicht einfach durch demokratische Legitimation gefüllt werden konnte: Extremisten witterten Oberwasser, rekrutierten redegewandt Anhänger unter denen, die seit Jahren litten, und drängten mit Gewalt ins politische Geschehen. Sie waren seit Jahren vernetzt; schnell entstanden große Organisationen entstanden, die sich gegenseitig bekämpften und bekämpfen. Die Waffenlager der ehemaligen Diktatoren boten dazu eine hervorragende und reichhaltige Ausrüstung, eine korrupte und gewissenlose Rüstungsindustrie der industrialisierten Staaten sorgt bis heute für Nachschub. Doch in ihrem verbissenen Kampf um die lokale Vorherrschaft (wobei mit lokal hier Gebiete von der Größe Europas gemeint sind) haben all diese Gruppen einen gemeinsamen Feind: den Westen. Verständlich, verbindet der Westen doch gleich drei Aspekte auf einmal, die für die Kämpfer einer widerlicher als der andere sind: er ist ungläubig, er tritt weltweit selbsternannt als moralische, den Islam kritisierende Instanz auf und er hat eine dekadente, sich selbst vernichtende Kultur, die jeder klar sehen kann, außer ihm selbst. Klar, dass der Kampf letztlich gegen diesen Feind geführt werden muss.
Ein Feind aber will sorgsam gepflegt sein, damit wirklich alle gegen ihn sind. Nicht einfach in Zeiten des Internets, in denen Informationen mehr oder weniger frei verfügbar sind. Die beste Strategie ist da doch, dafür zu sorgen, dass der Westen von sich aus zum Feind wird. Wird er bei dieser Gelegenheit zugleich destabilisiert, ist er hinterher umso leichter zu bekämpfen.
So werden erst einmal Terroranschläge verübt. Die müssen den Westen an seiner schwächsten Stelle treffen: an der Freiheit, denn darüber wird sich die Bevölkerung entzweien. So geschieht es. Doch es klappt nicht – der Westen rückt zusammen.
Daraufhin wird offen angekündigt: wir werden euch tausende Flüchtlinge schicken. Unter ihnen werden Terroristen sein. Die Taktik ist dieselbe, die ein Terrorstützpunkt in einem Kindergarten darstellt: menschliche Schutzschilde. Der Westen wird die Flüchtlinge abweisen müssen. Gibt es eine bessere Propaganda, als so zu zeigen, wie gottlos er ist? Zumal man ihm am Status Quo problemlos eine erhebliche Mitschuld nachweisen kann. Erst zerstören, dann im Stich lassen – das wäre das Bild des Westens, das man braucht.
Doch wieder klappt es nicht: ein paar Länder machen doch tatsächlich ihre Grenzen auf. Nicht weil sie die Gefahr ignorieren, sondern weil sie die Bedürftigen sehen. Sie gehen das Risiko ein. Und sie gewinnen unter denen, die eigentlich kämpfen sollen, dafür teils große Sympathie. Damit hatten die Planer nicht gerechnet. Anfangs schonen sie diese Länder; Terror wird nur dort verübt, wo man sich militärisch engagiert. Zu groß ist die Gefahr, die eigenen Anhänger zu verwirren. Doch es zeigt sich, dass die Aufnahme von Flüchtlingen eine viel mächtigere Waffe ist als jede Bombe: sie tötet nicht, sondern schwächt, weil sie das Feindbild nachhaltig stört. Die Planer sind gezwungen, einen Schritt zu gehen, den sie eigentlich vermeiden wollten: sie setzen die eigenen Leute im großen Stil ins Unrecht. Sie sorgen dafür, dass es zu Ausschreitungen kommt, wie der Westen sie verabscheut: sexuelle Angriffe. Dabei wissen die Täter gar nicht, dass sie hier einem perfiden Plan gehorchen. Es wurde nur Stimmung unter ihnen gemacht, mit dem Handy problemlos möglich. Die Stimmung entlud sich planmäßig Silvester – die Täter waren die Ausführenden, instrumentalisiert vom großen Kampf. Was sie nicht weniger zu Tätern macht, dafür aber zeigt, wie perfide in diesem Kampf gehandelt wird. Doch was anderes ist zu erwarten, schaut man sich die Bilder von Folterungen und Enthauptungen an. Das Schlimmste ist zu erwarten.
Das System funktioniert erst einmal: in Deutschland bricht eine Welle der Ausländerfeindlichkeit auf. Nach ein paar Tagen beginnt das Land jedoch, sich wie üblich weniger mit dem Problem zu beschäftigen, als mit der Suche nach Schuldigen in den eigenen Reihen. Nachschlag muss her: in der Türkei werden deutsche Touristen erschossen. Irgendwie muss die Toleranz dieses Landes gebrochen werden, denn sie ist gefährlich! Da stehen wir heute.
Ich weiß nicht, ob das so stimmt, habe nur einmal versucht, diese Logik zu durchdenken. Es ist ein Gedankengang unter vielen, der nach seine Darstellung möglicherweise schnell weder in der Versenkung verschwindet. Doch wäre ich mitverantwortlich für die deutsche Sicherheit, ich würde über drei Dinge verstärkt in das Ringen um Entscheidungen einbringen:
Ein Feind aber will sorgsam gepflegt sein, damit wirklich alle gegen ihn sind. Nicht einfach in Zeiten des Internets, in denen Informationen mehr oder weniger frei verfügbar sind. Die beste Strategie ist da doch, dafür zu sorgen, dass der Westen von sich aus zum Feind wird. Wird er bei dieser Gelegenheit zugleich destabilisiert, ist er hinterher umso leichter zu bekämpfen.
So werden erst einmal Terroranschläge verübt. Die müssen den Westen an seiner schwächsten Stelle treffen: an der Freiheit, denn darüber wird sich die Bevölkerung entzweien. So geschieht es. Doch es klappt nicht – der Westen rückt zusammen.
Daraufhin wird offen angekündigt: wir werden euch tausende Flüchtlinge schicken. Unter ihnen werden Terroristen sein. Die Taktik ist dieselbe, die ein Terrorstützpunkt in einem Kindergarten darstellt: menschliche Schutzschilde. Der Westen wird die Flüchtlinge abweisen müssen. Gibt es eine bessere Propaganda, als so zu zeigen, wie gottlos er ist? Zumal man ihm am Status Quo problemlos eine erhebliche Mitschuld nachweisen kann. Erst zerstören, dann im Stich lassen – das wäre das Bild des Westens, das man braucht.
Doch wieder klappt es nicht: ein paar Länder machen doch tatsächlich ihre Grenzen auf. Nicht weil sie die Gefahr ignorieren, sondern weil sie die Bedürftigen sehen. Sie gehen das Risiko ein. Und sie gewinnen unter denen, die eigentlich kämpfen sollen, dafür teils große Sympathie. Damit hatten die Planer nicht gerechnet. Anfangs schonen sie diese Länder; Terror wird nur dort verübt, wo man sich militärisch engagiert. Zu groß ist die Gefahr, die eigenen Anhänger zu verwirren. Doch es zeigt sich, dass die Aufnahme von Flüchtlingen eine viel mächtigere Waffe ist als jede Bombe: sie tötet nicht, sondern schwächt, weil sie das Feindbild nachhaltig stört. Die Planer sind gezwungen, einen Schritt zu gehen, den sie eigentlich vermeiden wollten: sie setzen die eigenen Leute im großen Stil ins Unrecht. Sie sorgen dafür, dass es zu Ausschreitungen kommt, wie der Westen sie verabscheut: sexuelle Angriffe. Dabei wissen die Täter gar nicht, dass sie hier einem perfiden Plan gehorchen. Es wurde nur Stimmung unter ihnen gemacht, mit dem Handy problemlos möglich. Die Stimmung entlud sich planmäßig Silvester – die Täter waren die Ausführenden, instrumentalisiert vom großen Kampf. Was sie nicht weniger zu Tätern macht, dafür aber zeigt, wie perfide in diesem Kampf gehandelt wird. Doch was anderes ist zu erwarten, schaut man sich die Bilder von Folterungen und Enthauptungen an. Das Schlimmste ist zu erwarten.
Das System funktioniert erst einmal: in Deutschland bricht eine Welle der Ausländerfeindlichkeit auf. Nach ein paar Tagen beginnt das Land jedoch, sich wie üblich weniger mit dem Problem zu beschäftigen, als mit der Suche nach Schuldigen in den eigenen Reihen. Nachschlag muss her: in der Türkei werden deutsche Touristen erschossen. Irgendwie muss die Toleranz dieses Landes gebrochen werden, denn sie ist gefährlich! Da stehen wir heute.
Ich weiß nicht, ob das so stimmt, habe nur einmal versucht, diese Logik zu durchdenken. Es ist ein Gedankengang unter vielen, der nach seine Darstellung möglicherweise schnell weder in der Versenkung verschwindet. Doch wäre ich mitverantwortlich für die deutsche Sicherheit, ich würde über drei Dinge verstärkt in das Ringen um Entscheidungen einbringen:
- Sind wir vielleicht gerade wegen unserer Offenheit stark und werden gerade instrumentalisiert, damit wir sie verlieren?
- Was kommt als nächstes für ein „Nachschlag“, um diese Instrumentalisierung am Laufen zu halten, und wie kann ich ihn verhindern?
- Woher bekomme ich die Mittel, um die Prüfung und notfalls die Überwachung der Flüchtlinge – nein, nicht aufzustocken, sondern zu verzwanzigfachen, um Sicherheit zu gewährleisten, ohne unsere mächtigste Waffe aufzugeben, die uns selbst stärkt, den Gegner aber schwächt: unsere Offenheit!
Montag, Januar 11, 2016
Deutschland schwelgt!
Deutschland schwelgt. Endlich darf frei gesprochen werden. Jetzt kommen – es wird höchste Zeit – die an den Pranger, die freie Rede nicht wollten und jahrelang die Meinung vorgaben, logen und vertuschten. Jetzt wird klar, wo die Probleme wirklich liegen. Deutschland spaltet sich und schwelgt dabei in Feindbildern und Emotionen.
Es ist gleich, ob es nun die gefährlichen Ausländer an sich oder nur bestimmte Muslims sind, ob es ewiggestrige Christen sind oder Feministen. Es ist egal, ob die Gesellschaft sich outet und zu ihrer Wut bekennt oder ob sie kollektiv ihren Ödipuskomplex auslebt und die vormals geliebte Mutti erledigt. Die Hauptsache scheint zu sein, endlich, endlich mal so richtig auf den Putz zu hauen. Und über die Wichtigkeit des Themas zu vergessen, zwischen Meinung und Person zu unterscheiden: plötzlich sind Andersdenkende persönliche Gegner. Nicht Haltungen werden bekämpft, sondern Menschen. Die Feindbilder haben Gestalt bekommen, die Aggression steigt. Herrlich! Deutschland schwelgt und jeder ist im Recht.
Nie haben mir unsere Politiker so gut gefallen, wie sie es jetzt tun. Worthülsen? Vielleicht. Aber bisher ziehen sie meistens an einem Strang. Ihre (sicher meist hilflosen und oft nervigen) Versuche gehen in die einzig richtige Richtung: Deeskalation. Im Gegensatz zu vielen, die sagen, sie könnten niemanden mehr wählen, könnte ich im Moment fast jeden wählen: die Fähigkeit der Politiker, sich auf die Sache zu beschränken und um ihrer willen auch gute Vorlagen auszulassen, übersteigt meine Erwartungen um Längen!
Einen Standpunkt finden ist schwer. Natürlich habe auch ich eine Meinung. Es ist wichtig, eine zu haben, wenn es derart ans Eingemachte geht. Ich finde zum Beispiel die Äußerungen Augsteins auf Twitter zutiefst widerlich. Auch von anderen Personen wünschte ich, ihre Gedanken erschienen derzeit nicht auf der Bildfläche.
Doch insgesamt bin ich mir unsicher. Ich weiß nicht, wie man Flüchtlinge von Terroristen unterscheiden soll, Friedfertige von Krawallmachern, Bedürftige von Schmarotzern. Ich weiß nicht, wie man schwerst traumatisierte Menschen integriert, die seit Jahren im Krieg lebten, von brutalen Milizen unterdrückt, und die sich hier fremd und ohne Halt fühlen. Ich weiß nicht, wie man verhindern soll, dass 1.000.000 Fremde Parallelgesellschaften bilden oder wie man Jungs, die sich chauvinistisch als überlegen betrachten und nichts anderes je kennen gelernt haben, beibringen soll, dass sie es nicht sind. Ich weiß aber auch nicht, wie man die Grenzen dicht machen könnte, um unsere „christlichen Wurzeln“ zu verteidigen, oder wie man noch ohne schlechtes Gewissen in der Leichengrube Mittelmeer baden soll. Oder wie es besser sein soll, wenn nicht wir unsere Grenzen dicht machen, sondern jemand anders weiter im Süden das für uns tut. Jemand, der im Umgang mit den Kurden brutal ist und nun Geld von uns dafür bekommt, andere Fremde abzuwehren, damit wir es nicht tun müssen.
Ja, die Probleme machen mir Sorgen. Schaffen wir das? Wir müssen, denn die Situation ist, wie sie ist. Wir werden nicht gefragt. An dieser Stelle kommen inzwischen reflexartig zwei Gedanken hoch: Ja, ich wurde nicht gefragt, und: hätte man mich gefragt, ich hätte es schon lange besser gewusst. Schuld sind die anderen. Die eigene Rechtfertigung beginnt, die eigentlichen Probleme aus dem Bewusstsein zu verdrängen. Daher ist im Moment meine größte Sorge eine Gesellschaft, die Probleme nicht angeht, sondern sich auf Schuldzuweisungen beschränkt. Die sich auf allen Seiten immer tiefer in ihre Abneigungen verrennt. Und so hauen Rechte auf die Ausländer, Linke auf die Rechten, konservative auf die Linken und Intellektuelle auf die Emotionalen, die ihrerseits auf alles Mögliche hauen, das sich dann natürlich wehrt. Deutschland wird langsam aber sicher gewaltbereit, und jeder glaubt, er wehrt sich nur. Große Teile der Gesellschaft vergessen völlig die Probleme, so high sind sie von ihrer Meinung. Deutschland schwelgt in Emotionen und wird sich, so beginne ich zu fürchten, kräftig den Magen daran verderben.
Es ist gleich, ob es nun die gefährlichen Ausländer an sich oder nur bestimmte Muslims sind, ob es ewiggestrige Christen sind oder Feministen. Es ist egal, ob die Gesellschaft sich outet und zu ihrer Wut bekennt oder ob sie kollektiv ihren Ödipuskomplex auslebt und die vormals geliebte Mutti erledigt. Die Hauptsache scheint zu sein, endlich, endlich mal so richtig auf den Putz zu hauen. Und über die Wichtigkeit des Themas zu vergessen, zwischen Meinung und Person zu unterscheiden: plötzlich sind Andersdenkende persönliche Gegner. Nicht Haltungen werden bekämpft, sondern Menschen. Die Feindbilder haben Gestalt bekommen, die Aggression steigt. Herrlich! Deutschland schwelgt und jeder ist im Recht.
Nie haben mir unsere Politiker so gut gefallen, wie sie es jetzt tun. Worthülsen? Vielleicht. Aber bisher ziehen sie meistens an einem Strang. Ihre (sicher meist hilflosen und oft nervigen) Versuche gehen in die einzig richtige Richtung: Deeskalation. Im Gegensatz zu vielen, die sagen, sie könnten niemanden mehr wählen, könnte ich im Moment fast jeden wählen: die Fähigkeit der Politiker, sich auf die Sache zu beschränken und um ihrer willen auch gute Vorlagen auszulassen, übersteigt meine Erwartungen um Längen!
Einen Standpunkt finden ist schwer. Natürlich habe auch ich eine Meinung. Es ist wichtig, eine zu haben, wenn es derart ans Eingemachte geht. Ich finde zum Beispiel die Äußerungen Augsteins auf Twitter zutiefst widerlich. Auch von anderen Personen wünschte ich, ihre Gedanken erschienen derzeit nicht auf der Bildfläche.
Doch insgesamt bin ich mir unsicher. Ich weiß nicht, wie man Flüchtlinge von Terroristen unterscheiden soll, Friedfertige von Krawallmachern, Bedürftige von Schmarotzern. Ich weiß nicht, wie man schwerst traumatisierte Menschen integriert, die seit Jahren im Krieg lebten, von brutalen Milizen unterdrückt, und die sich hier fremd und ohne Halt fühlen. Ich weiß nicht, wie man verhindern soll, dass 1.000.000 Fremde Parallelgesellschaften bilden oder wie man Jungs, die sich chauvinistisch als überlegen betrachten und nichts anderes je kennen gelernt haben, beibringen soll, dass sie es nicht sind. Ich weiß aber auch nicht, wie man die Grenzen dicht machen könnte, um unsere „christlichen Wurzeln“ zu verteidigen, oder wie man noch ohne schlechtes Gewissen in der Leichengrube Mittelmeer baden soll. Oder wie es besser sein soll, wenn nicht wir unsere Grenzen dicht machen, sondern jemand anders weiter im Süden das für uns tut. Jemand, der im Umgang mit den Kurden brutal ist und nun Geld von uns dafür bekommt, andere Fremde abzuwehren, damit wir es nicht tun müssen.
Ja, die Probleme machen mir Sorgen. Schaffen wir das? Wir müssen, denn die Situation ist, wie sie ist. Wir werden nicht gefragt. An dieser Stelle kommen inzwischen reflexartig zwei Gedanken hoch: Ja, ich wurde nicht gefragt, und: hätte man mich gefragt, ich hätte es schon lange besser gewusst. Schuld sind die anderen. Die eigene Rechtfertigung beginnt, die eigentlichen Probleme aus dem Bewusstsein zu verdrängen. Daher ist im Moment meine größte Sorge eine Gesellschaft, die Probleme nicht angeht, sondern sich auf Schuldzuweisungen beschränkt. Die sich auf allen Seiten immer tiefer in ihre Abneigungen verrennt. Und so hauen Rechte auf die Ausländer, Linke auf die Rechten, konservative auf die Linken und Intellektuelle auf die Emotionalen, die ihrerseits auf alles Mögliche hauen, das sich dann natürlich wehrt. Deutschland wird langsam aber sicher gewaltbereit, und jeder glaubt, er wehrt sich nur. Große Teile der Gesellschaft vergessen völlig die Probleme, so high sind sie von ihrer Meinung. Deutschland schwelgt in Emotionen und wird sich, so beginne ich zu fürchten, kräftig den Magen daran verderben.
Samstag, Januar 09, 2016
Noch Fragen, Focus? Noch Fragen, Gesellschaft?
Am Freitag demonstrierte eine Frau vor dem Bahnhof, völlig nackt - auch so sei sie kein Freiwild!
Inhaltlich stimme ich ihr da völlig zu. Die Form kann ich zumindest verstehen: nach so einem Vorfall wie in der Silvesternacht schreit es sicher in vielen, durch eine deutliche Provokation ein Zeichen zu setzen. Doch auch, wenn ich sie verstehe, halte ich nichts von der Form: die Kollateralschäden sind zu hoch. Besser gesagt, sie bestimmen sogar die Wahrnehmung und überdecken den Zweck. Nein, nicht wegen lüsterner Migranten, sondern wegen einer durchsexualisierten Gesellschaft, die gar nicht mehr merkt, wie sie tickt.
Beweis gefällig?
Auf der Seite von FOCUS online befanden sich heute gleich untereinander zwei Berichte von gleicher Aufmachung und gleicher Wertigkeit: Die demonstrierende Künstlerin und – sensationell! - eine Art versehentlicher Busenblitzer in Übersee. Sogar die Fotos sind ähnlich: unbekleidete Frau, von hinten. Man ist schließlich diskret.
Für Focus zählt offenbar nur eines: die nackte Frau. Und die damit verbundenen Klickzahlen natürlich. Ob Auflehnen gegen üble Demütigungen bei uns im Land oder ein dummes Versehen am anderen Ende der Welt – egal. Hauptsache Fleisch. Und Berichte, die an Sex denken lassen.
So präsentieren große Teile der Presse unsere Kultur. Einen Zusammenstoß mit dem anderen Extrem haben wir gerade erlebt, oder besser: mussten einige Frauen erleben. Das Erlebte ist übel, darum verzichte ich aus Respekt auf bedauernde Worte, die ohnehin nicht treffen.
Mit Aktionen wie diesen macht Focus die Opfer von Köln erneut zu Opfern – von Spannern. Was hier betrieben wurde, ist öffentlicher Missbrauch. Nicht an einer bestimmten Person, sondern an den Frauen schlechthin. Und in gewisser Weise vieler Männer dazu, die angesichts einer großen Reizflut mehr damit beschäftigt sind, ihre Sexualität zum Schweigen zu bringen, als sich an ihr zu freuen.
Die Künstlerin muss sich leider klar machen, dass sie dafür Futter lieferte. Doch der Vorwurf geht an den Focus.
(Edit: um 11:47 hatte der Focus übrigens seine Prioritäten gesetzt: der Bericht über den Protest war weg. Der Busenblitzer war noch drin. Da ich keinen Screenshot von etwas machen kann, was nicht da ist, muss meine Behauptung den Beweis schuldig bleiben.)
Es tut mir übrigens leid, dass ich dieses Foto hier poste. Doch nachweisen musste ich das schon. Ich hoffe nur, dass ich damit nicht denselben Fehler mache, wie die Künstlerin.
Inhaltlich stimme ich ihr da völlig zu. Die Form kann ich zumindest verstehen: nach so einem Vorfall wie in der Silvesternacht schreit es sicher in vielen, durch eine deutliche Provokation ein Zeichen zu setzen. Doch auch, wenn ich sie verstehe, halte ich nichts von der Form: die Kollateralschäden sind zu hoch. Besser gesagt, sie bestimmen sogar die Wahrnehmung und überdecken den Zweck. Nein, nicht wegen lüsterner Migranten, sondern wegen einer durchsexualisierten Gesellschaft, die gar nicht mehr merkt, wie sie tickt.
Beweis gefällig?
Auf der Seite von FOCUS online befanden sich heute gleich untereinander zwei Berichte von gleicher Aufmachung und gleicher Wertigkeit: Die demonstrierende Künstlerin und – sensationell! - eine Art versehentlicher Busenblitzer in Übersee. Sogar die Fotos sind ähnlich: unbekleidete Frau, von hinten. Man ist schließlich diskret.
Für Focus zählt offenbar nur eines: die nackte Frau. Und die damit verbundenen Klickzahlen natürlich. Ob Auflehnen gegen üble Demütigungen bei uns im Land oder ein dummes Versehen am anderen Ende der Welt – egal. Hauptsache Fleisch. Und Berichte, die an Sex denken lassen.
So präsentieren große Teile der Presse unsere Kultur. Einen Zusammenstoß mit dem anderen Extrem haben wir gerade erlebt, oder besser: mussten einige Frauen erleben. Das Erlebte ist übel, darum verzichte ich aus Respekt auf bedauernde Worte, die ohnehin nicht treffen.
Mit Aktionen wie diesen macht Focus die Opfer von Köln erneut zu Opfern – von Spannern. Was hier betrieben wurde, ist öffentlicher Missbrauch. Nicht an einer bestimmten Person, sondern an den Frauen schlechthin. Und in gewisser Weise vieler Männer dazu, die angesichts einer großen Reizflut mehr damit beschäftigt sind, ihre Sexualität zum Schweigen zu bringen, als sich an ihr zu freuen.
Die Künstlerin muss sich leider klar machen, dass sie dafür Futter lieferte. Doch der Vorwurf geht an den Focus.
(Edit: um 11:47 hatte der Focus übrigens seine Prioritäten gesetzt: der Bericht über den Protest war weg. Der Busenblitzer war noch drin. Da ich keinen Screenshot von etwas machen kann, was nicht da ist, muss meine Behauptung den Beweis schuldig bleiben.)
Es tut mir übrigens leid, dass ich dieses Foto hier poste. Doch nachweisen musste ich das schon. Ich hoffe nur, dass ich damit nicht denselben Fehler mache, wie die Künstlerin.
Freitag, Januar 08, 2016
Jetzt mal konkret!
Es ist entlarvend für die Politik, hört man genauer auf ihre Worte: …!
Eben: nichts. Hülsen ohne Inhalt, Kraftmeierei. Wie geht man mit der Krise um? Man redet von Taten, die folgen müssen, und kündigt an, Personen abzuschieben, die man nicht kennt. Warum denke ich, mit Verlaub, derzeit beim Anblick von Politikern an leere Hülsenfrüchte und beim Hören ihrer Worte an die passenden Geräusche? Zufall?
Im Fernsehen treffen sich Runden, die über notwendige Konsequenzen reden. Integration muss verbessert werden, Geld wird gebraucht, Zeit ist nötig. Wohnungen müssen her, Schulen und Berufsausbildungen. Alles schön, alles richtig und alles im Moment eher uninteressant, denn die aktuelle Frage ist doch die: wie kann man aus der Menge der Flüchtlinge und Migranten die aussortieren, die hier nicht hin gehören, und wie wird man sie kurzfristig wieder los?
Das klingt hart, aber ohne genau diese Frage zu beantworten, dürfte jede Form einer menschlichen Flüchtlingspolitik künftig scheitern. Die Bevölkerung wird es nicht hinnehmen, wenn die Taten darin bestehen, Angst und Empörung klein zu reden und mangels Personal die Verfolgung der Straftäter aufzugeben, weil das Geld, das die Polizei bräuchte, in Wohnungen für Migranten gesteckt wird. Eine konkrete Reaktion muss her, sonst ist jede humane Flüchtlingspolitik am Ende und mit ihr Deutschlands Menschlichkeit.
Was ich daher nicht begreife – nein, das verstehe ich wirklich nicht: wir haben 113 StGB: Widerstand gegen die Staatsgewalt. Wer einen Vollstreckungsbeamten (u.a. Polizist) behindert, der im Rahmen seines Dienstes z.B. Personalien feststellen will, weil er die Ordnung wieder herstellen muss, der begeht eine Straftat. (LINK). Greift er dabei den Polizisten an, so kann er mit mehreren Jahren Haft bestraft werden. In Köln hat man einige Identitäten festgestellt. Wo bleiben die Konsequenzen?
Selbstverständlich müssen die Haupttäter noch ermittelt werden, doch wer hier einwandert und sich dann mit der Polizei Schlägereien liefert oder sie behindert, darf meiner Meinung nach nicht bleiben. Stets wird davon geredet, geltendes Recht konsequent anzuwenden – wie wäre es also damit? Der Vorteil: klare Beweislage. Die Zeugen sind die festnehmenden Polizisten. Der große weitere Vorteil: wer sich nichts zuschulden kommen lässt, hat auch nichts zu befürchten.
Es will mir nicht in den Kopf, warum da nicht sofort eingeschritten wird. Mit einer angedrohten Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren (evtl. sogar 5) sind die Voraussetzungen für eine sofortige Abschiebung erfüllt.
Ich bin kein Jurist, daher habe ich da sicher einiges übersehen. Doch dann sollte mir wirklich jemand plausibel erklären, warum nach unserem Recht eine Person hier bleiben darf, die sich gewaltsam unserer Polizei widersetzt. Und dieses Warum wäre sofort zu ändern – eine Reaktion dieser Art wünsche ich mir von der Politik.
Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass es bei uns möglich ist, rechtsfreie Räume zu schaffen. Genauso wird es sich herumsprechen, dass die nun endgültig weg sind. Jede Abschiebung verhindert so neue Straftaten. Nur schnell muss es gehen.
Es muss doch möglich sein, klar zu machen: Kommt ein möglicherweise bedürftiger Mensch zu uns, darf er erst einmal hinein. Das ist gut so und letztlich nicht verhandelbar, anderenfalls verspotten wir die Werte, auf deren Basis unser Grundgesetz steht. Doch wer unsere Hilfe annimmt, muss sie annehmen, wie wir sie bieten und nicht anders. Der Mensch bekommt Unterkunft, Verpflegung, wird registriert und bekommt in irgendeiner Form vorläufiger Papiere. Damit darf er sich hier aufhalten. Dieses Dürfen ist, so denke ich, zugleich Pflicht: er muss sich am zugewiesenen Ort aufhalten, diese Papiere mit sich führen und sich auf Aufforderung Kontrollen unterziehen. Tut er dies nicht, schwinden seine Chancen auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Leistet er aktiv Widerstand, war’s das.
Eigentlich finde ich es peinlich und beschämend, gleichsam als Wutbürger zu beginnen, sich Rechtsvorschriften vorzunehmen und der Justiz Vorschläge zu machen. Doch ja, inzwischen erscheint mir das sinnvoll, angesichts der grassierenden politischen Hilflosigkeit, in der der Radikalismus täglich erstarkt. Zudem: Eine Gesetzgebung ist mir unvorstellbar, die es Flüchtlingen erlaubt, die Unruhen, vor denen sie fliehen, gleich mitzubringen.
Ach ja, eines noch: angesichts der beschämenden Personalstärke unserer Polizei (darf man hier überhaupt noch von Stärke sprechen?) gilt das selbstverständlich auch für Deutsche und andere, die dauerhaft hier leben, nur dass die nicht rausfliegen, sondern reinkommen. In den Knast.
Eben: nichts. Hülsen ohne Inhalt, Kraftmeierei. Wie geht man mit der Krise um? Man redet von Taten, die folgen müssen, und kündigt an, Personen abzuschieben, die man nicht kennt. Warum denke ich, mit Verlaub, derzeit beim Anblick von Politikern an leere Hülsenfrüchte und beim Hören ihrer Worte an die passenden Geräusche? Zufall?
Im Fernsehen treffen sich Runden, die über notwendige Konsequenzen reden. Integration muss verbessert werden, Geld wird gebraucht, Zeit ist nötig. Wohnungen müssen her, Schulen und Berufsausbildungen. Alles schön, alles richtig und alles im Moment eher uninteressant, denn die aktuelle Frage ist doch die: wie kann man aus der Menge der Flüchtlinge und Migranten die aussortieren, die hier nicht hin gehören, und wie wird man sie kurzfristig wieder los?
Das klingt hart, aber ohne genau diese Frage zu beantworten, dürfte jede Form einer menschlichen Flüchtlingspolitik künftig scheitern. Die Bevölkerung wird es nicht hinnehmen, wenn die Taten darin bestehen, Angst und Empörung klein zu reden und mangels Personal die Verfolgung der Straftäter aufzugeben, weil das Geld, das die Polizei bräuchte, in Wohnungen für Migranten gesteckt wird. Eine konkrete Reaktion muss her, sonst ist jede humane Flüchtlingspolitik am Ende und mit ihr Deutschlands Menschlichkeit.
Was ich daher nicht begreife – nein, das verstehe ich wirklich nicht: wir haben 113 StGB: Widerstand gegen die Staatsgewalt. Wer einen Vollstreckungsbeamten (u.a. Polizist) behindert, der im Rahmen seines Dienstes z.B. Personalien feststellen will, weil er die Ordnung wieder herstellen muss, der begeht eine Straftat. (LINK). Greift er dabei den Polizisten an, so kann er mit mehreren Jahren Haft bestraft werden. In Köln hat man einige Identitäten festgestellt. Wo bleiben die Konsequenzen?
Selbstverständlich müssen die Haupttäter noch ermittelt werden, doch wer hier einwandert und sich dann mit der Polizei Schlägereien liefert oder sie behindert, darf meiner Meinung nach nicht bleiben. Stets wird davon geredet, geltendes Recht konsequent anzuwenden – wie wäre es also damit? Der Vorteil: klare Beweislage. Die Zeugen sind die festnehmenden Polizisten. Der große weitere Vorteil: wer sich nichts zuschulden kommen lässt, hat auch nichts zu befürchten.
Es will mir nicht in den Kopf, warum da nicht sofort eingeschritten wird. Mit einer angedrohten Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren (evtl. sogar 5) sind die Voraussetzungen für eine sofortige Abschiebung erfüllt.
Ich bin kein Jurist, daher habe ich da sicher einiges übersehen. Doch dann sollte mir wirklich jemand plausibel erklären, warum nach unserem Recht eine Person hier bleiben darf, die sich gewaltsam unserer Polizei widersetzt. Und dieses Warum wäre sofort zu ändern – eine Reaktion dieser Art wünsche ich mir von der Politik.
Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass es bei uns möglich ist, rechtsfreie Räume zu schaffen. Genauso wird es sich herumsprechen, dass die nun endgültig weg sind. Jede Abschiebung verhindert so neue Straftaten. Nur schnell muss es gehen.
Es muss doch möglich sein, klar zu machen: Kommt ein möglicherweise bedürftiger Mensch zu uns, darf er erst einmal hinein. Das ist gut so und letztlich nicht verhandelbar, anderenfalls verspotten wir die Werte, auf deren Basis unser Grundgesetz steht. Doch wer unsere Hilfe annimmt, muss sie annehmen, wie wir sie bieten und nicht anders. Der Mensch bekommt Unterkunft, Verpflegung, wird registriert und bekommt in irgendeiner Form vorläufiger Papiere. Damit darf er sich hier aufhalten. Dieses Dürfen ist, so denke ich, zugleich Pflicht: er muss sich am zugewiesenen Ort aufhalten, diese Papiere mit sich führen und sich auf Aufforderung Kontrollen unterziehen. Tut er dies nicht, schwinden seine Chancen auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Leistet er aktiv Widerstand, war’s das.
Eigentlich finde ich es peinlich und beschämend, gleichsam als Wutbürger zu beginnen, sich Rechtsvorschriften vorzunehmen und der Justiz Vorschläge zu machen. Doch ja, inzwischen erscheint mir das sinnvoll, angesichts der grassierenden politischen Hilflosigkeit, in der der Radikalismus täglich erstarkt. Zudem: Eine Gesetzgebung ist mir unvorstellbar, die es Flüchtlingen erlaubt, die Unruhen, vor denen sie fliehen, gleich mitzubringen.
Ach ja, eines noch: angesichts der beschämenden Personalstärke unserer Polizei (darf man hier überhaupt noch von Stärke sprechen?) gilt das selbstverständlich auch für Deutsche und andere, die dauerhaft hier leben, nur dass die nicht rausfliegen, sondern reinkommen. In den Knast.
Ich kann's nicht mehr hören!
Ich kann "Generalverdacht" nicht mehr hören!
Wenn in einem roten Opel Fahrerflucht begangen wurde und die Polizei daraufhin nach einem roten Opel sucht, äußert sie keinen unangemessenen Generalverdacht gegen alle Opelfahrer, sondern sie geht einem Hinweis nach!
Wenn in einem roten Opel Fahrerflucht begangen wurde und die Polizei daraufhin nach einem roten Opel sucht, äußert sie keinen unangemessenen Generalverdacht gegen alle Opelfahrer, sondern sie geht einem Hinweis nach!
Donnerstag, Januar 07, 2016
Worüber reden wir eigentlich?
Es wird immer schwerer, einen klaren Gedanken zu fassen.
Vergewaltigung und Raub sind Verbrechen. Das ist klar, aber banal. Soweit war ich, ehrlich gesagt, vor Köln auch schon. Doch kaum denkt man nach, wie man damit umgehen soll, bekommt man Gegenwind. Daher verlasse ich einmal das Thema selbst und suche nach einem Beispiel.
(Vorab: nein, ich vergleiche hier nicht Flüchtlinge mit bissigen Hunden, sondern, wenn überhaupt, Räuber, Schänder und Vergewaltiger und habe ein schlechtes Gewissen höchstens den Hunden gegenüber. Ein Hundebiss und eine Vergewaltigung sind nicht vergleichbar! Ich weiß, dass das Beispiel hinkt, und wie, doch ein besseres fällt mir nicht ein. Und irgendwie muss ich meine Gedanken mal ordnen.)
Das Beispiel: eines meiner Kinder wird auf dem Spielplatz von einem Hund aus der Nachbarschaft gebissen. Die erste Frage ist: wie vermeide ich Wiederholungen? Noch bevor ich mich auf die Suche nach Köter und Herrchen begebe, warne ich meine Kinder: „Haltet Abstand von Hunden – hier beißt offenbar mindestens einer. Bis wir den haben, seid vorsichtig!“ Ich würde ehrlich gesagt am Verstand meiner Kinder zweifeln, bekäme ich zur Antwort: „Willst du etwa UNS die Schuld daran geben, wenn wir gebissen werden? Wir dürfen rumlaufen, wo wir wollen!“ Natürlich dürfen sie, aber was, bitte, hat das mit Vorsicht zu tun?
Dann mache ich mich auf die Suche nach dem Vieh. Wo suche ich? Sinnvollerweise bei den Hundehaltern? „Keinesfalls!“ meint mein Nachbar. Das würde die ja schließlich alle unter Generalverdacht stellen. Und es gibt doch so viele gute Hunde und vorbildliche Herrchen! Ich wolle wohl militante Hundegegner stärken? „Oh doch!“ findet hingegen die alte Dame von gegenüber. „Hunde waren mir schon immer verdächtig. Hundehaltung gehört verboten!“
Jetzt reden sie alle durcheinander. „Ich will auf den Spielplatz!“ „Hunde raus!“ „Keine Vorverurteilung guter Herrchen!“
Auf der Polizeiwache erfahre ich nach langem Zögern, dass das Problem bissiger Hunde hier bekannt ist, dass aber die Beamten fehlen, um dem effektiv nachzugehen. Ständig werde das Personal gekürzt. Es sei ziemlich aussichtslos, das Tier zu ermitteln. Andere Eltern melden sich – auch ihre Kinder wurden schon gebissen. Angst macht sich unter Eltern und Kindern breit: die Gefahr ist da, und kann offenbar so einfach nicht beendet werden.
Die Sache beginnt, Kreise zu ziehen. Der Minister weist nach, dass es genug Polizisten gebe. Promis melden sich zu Wort und warnen vor einer „irrationalen Stimmung“ gegen ganze Bevölkerungsgruppen. Abgesehen von der Frage, was denn eine rationale Stimmung sein soll (vielleicht so etwas wie durchdachter Appetit oder gefühlte Logik?): Wer von einem Hund gebissen wurde, hat danach Angst vor Hunden. Wurden in einer Siedlung viele Leute gebissen, macht sich Angst vor Hunden breit. Das ist irrational, aber Fakt. Doch Fakten fangen längst an, unterzugehen.
Hundehalter bekommen Drohbriefe, meine Kinder werden als Tierfeinde beschimpft, jeder beschuldigt den anderen, ihn zu beschuldigen. Leserbriefe werden geschrieben, Podiumsdiskussionen finden statt. Militante Tierschützer werben unerlaubt mit Fotos meiner Kinder gegen Hundehaltung.
Mir bleibt nur eins: ich nehme meine Kinder tröstend in die Arme. Denn sie sind die Leidtragenden.
Manchmal frage ich mich: worüber reden wir hier eigentlich? Aufforderungen zur Vorsicht werden als Schuldzuweisung verstanden. Sinnvolle Suche wird zum Generalverdacht erklärt. Berechtigter Angst wird die Rationalität abgesprochen, die Rationalität hingegen wird ob ihrer Gefühlslosigkeit aufs Schärfste kritisiert. Sind wir noch krisenfähig?
(Und noch einmal: ich bitte jeden um Verzeihung, der sich durch das Beispiel in irgendeiner Weise verletzt fühlen könnte! Es soll KEIN Vergleich sein, sondern eine Parallelkonstruktion, die mir hilft, das Chaos, das ich sehe, zu beschreiben.)
Vergewaltigung und Raub sind Verbrechen. Das ist klar, aber banal. Soweit war ich, ehrlich gesagt, vor Köln auch schon. Doch kaum denkt man nach, wie man damit umgehen soll, bekommt man Gegenwind. Daher verlasse ich einmal das Thema selbst und suche nach einem Beispiel.
(Vorab: nein, ich vergleiche hier nicht Flüchtlinge mit bissigen Hunden, sondern, wenn überhaupt, Räuber, Schänder und Vergewaltiger und habe ein schlechtes Gewissen höchstens den Hunden gegenüber. Ein Hundebiss und eine Vergewaltigung sind nicht vergleichbar! Ich weiß, dass das Beispiel hinkt, und wie, doch ein besseres fällt mir nicht ein. Und irgendwie muss ich meine Gedanken mal ordnen.)
Das Beispiel: eines meiner Kinder wird auf dem Spielplatz von einem Hund aus der Nachbarschaft gebissen. Die erste Frage ist: wie vermeide ich Wiederholungen? Noch bevor ich mich auf die Suche nach Köter und Herrchen begebe, warne ich meine Kinder: „Haltet Abstand von Hunden – hier beißt offenbar mindestens einer. Bis wir den haben, seid vorsichtig!“ Ich würde ehrlich gesagt am Verstand meiner Kinder zweifeln, bekäme ich zur Antwort: „Willst du etwa UNS die Schuld daran geben, wenn wir gebissen werden? Wir dürfen rumlaufen, wo wir wollen!“ Natürlich dürfen sie, aber was, bitte, hat das mit Vorsicht zu tun?
Dann mache ich mich auf die Suche nach dem Vieh. Wo suche ich? Sinnvollerweise bei den Hundehaltern? „Keinesfalls!“ meint mein Nachbar. Das würde die ja schließlich alle unter Generalverdacht stellen. Und es gibt doch so viele gute Hunde und vorbildliche Herrchen! Ich wolle wohl militante Hundegegner stärken? „Oh doch!“ findet hingegen die alte Dame von gegenüber. „Hunde waren mir schon immer verdächtig. Hundehaltung gehört verboten!“
Jetzt reden sie alle durcheinander. „Ich will auf den Spielplatz!“ „Hunde raus!“ „Keine Vorverurteilung guter Herrchen!“
Auf der Polizeiwache erfahre ich nach langem Zögern, dass das Problem bissiger Hunde hier bekannt ist, dass aber die Beamten fehlen, um dem effektiv nachzugehen. Ständig werde das Personal gekürzt. Es sei ziemlich aussichtslos, das Tier zu ermitteln. Andere Eltern melden sich – auch ihre Kinder wurden schon gebissen. Angst macht sich unter Eltern und Kindern breit: die Gefahr ist da, und kann offenbar so einfach nicht beendet werden.
Die Sache beginnt, Kreise zu ziehen. Der Minister weist nach, dass es genug Polizisten gebe. Promis melden sich zu Wort und warnen vor einer „irrationalen Stimmung“ gegen ganze Bevölkerungsgruppen. Abgesehen von der Frage, was denn eine rationale Stimmung sein soll (vielleicht so etwas wie durchdachter Appetit oder gefühlte Logik?): Wer von einem Hund gebissen wurde, hat danach Angst vor Hunden. Wurden in einer Siedlung viele Leute gebissen, macht sich Angst vor Hunden breit. Das ist irrational, aber Fakt. Doch Fakten fangen längst an, unterzugehen.
Hundehalter bekommen Drohbriefe, meine Kinder werden als Tierfeinde beschimpft, jeder beschuldigt den anderen, ihn zu beschuldigen. Leserbriefe werden geschrieben, Podiumsdiskussionen finden statt. Militante Tierschützer werben unerlaubt mit Fotos meiner Kinder gegen Hundehaltung.
Mir bleibt nur eins: ich nehme meine Kinder tröstend in die Arme. Denn sie sind die Leidtragenden.
Manchmal frage ich mich: worüber reden wir hier eigentlich? Aufforderungen zur Vorsicht werden als Schuldzuweisung verstanden. Sinnvolle Suche wird zum Generalverdacht erklärt. Berechtigter Angst wird die Rationalität abgesprochen, die Rationalität hingegen wird ob ihrer Gefühlslosigkeit aufs Schärfste kritisiert. Sind wir noch krisenfähig?
(Und noch einmal: ich bitte jeden um Verzeihung, der sich durch das Beispiel in irgendeiner Weise verletzt fühlen könnte! Es soll KEIN Vergleich sein, sondern eine Parallelkonstruktion, die mir hilft, das Chaos, das ich sehe, zu beschreiben.)
Mittwoch, Januar 06, 2016
Kollektiv in den falschen Hals
Wir sind es gewohnt, draufzuhauen. Sensibilisiert, wie wir sind, erkennen wir rasch das Ziel und – patsch! „Aufschrei“ nennt man das oder „im Keim ersticken“. Da auch unsere Gegner regelmäßig aufschreien und dabei durchaus Treffer landen, ziehen wir die Schilde noch höher. Noch schneller müssen wir werden, noch vorausschauender und noch treffsicherer. Die Folge: ein rasantes gegenseitiges Draufhauen in den sozialen Netzen, das kein Mensch mehr überschauen kann und von dem nur noch die Teilnehmenden denken, es habe irgendeine Bedeutung. Gut, die Teilnehmenden und die Politiker, denn die orientieren sich bekanntlich an Volkes Stimmung. Und die ist, was die Kölner Vorfälle angeht, schlecht. Aus teilweise völlig unterschiedlichen Gründen, aber schlecht ist sie auf jeden Fall. Gerne würde sich die Politik so manchen Aufschrei zu Eigen machen; nirgends kann man sich besser an die Spitze der Emotionen setzen, als in der Krise. Geht das daneben, riskiert man allerdings, selbst getroffen zu werden. Frau Reker hat das Ziel offenbar um Armeslänge verfehlt und wird nun selbst nun selbst zum Ziel – patsch!
Natürlich mache ich mich selbst zur Zielscheibe, wenn ich hier sage: Frau Reker hat Recht mit Ihrer Idee. Der Grund für die hoch gehenden Emotionen zum vorgeschlagenen Sicherheitsabstand, so scheint mir, ist die erwähnte Schlagbereitschaft. Da war ein falsches Wort, ein missverständliches – hauen wir drauf. Doch warum?
Da heißt es: man darf die Schuld nicht den Frauen zuschieben. Nur dass es hier noch gar nicht um Schuld geht, sondern um Gefahrenvermeidung. Und in diesem Zusammenhang werden viele Frauen künftig genau darauf achten. Aus einer einfachen Erkenntnis heraus: Natürlich haben nicht sie den Fehler gemacht haben, sondern die Täter, doch solange die sind, wie sie sind, und das auch noch in Freiheit, ist es sicher besser, aufzupassen. Mir ist jedenfalls keine Frau bekannt, die sich in den nächsten Tagen leicht bekleidet in ein muslimisches Männergewühl stürzen will, mit dem Hinweis auf den Lippen: „Nicht ich liege falsch, sondern Ihr!“. Zwischen einer Vorsichtsmaßnahme und einem Schuldeingeständnis liegen Welten. Es ist schlicht unsinnig, wenn Selbstverständlichkeiten nicht ausgesprochen werden dürfen, weil man sie uminterpretieren könnte.
Auch wird kritisiert, der Vorschlag sei schlicht unsinnig. Er sei unpraktikabel und wirke nur bei Männern, die ohnehin nichts wollen. Nicht unlogisch - schließlich ist für die anderen ein Frauenarm nichts, was sie abhält, eher im Gegenteil. Zudem fehlt in der Einkaufsschlange, der U-Bahn oder auf einer vollen Straße einfach der Platz dazu, irgendeinen Sicherheitsradius zu definieren und zu verteidigen. Das stimmt alles. Selbstverständlich ist der Vorschlag keine eierlegende Wollmilchsau. Die Idee verhindert ebenso wenig Übergriffe wie ein Rauchmelder Brände. Doch beide schaffen das, was am besten weiter hilft: Gefahrenbewusstsein. Und das muss eine Frau derzeit leider haben, da gibt es nichts zu deuteln. Bis diese Gefahr weitestgehend ausgeräumt ist, muss frau leider auf genau das achten, was Frau Reker anregt: zur Sicherheit einen gewissen Abstand, und, wo der nicht möglich ist, erhöhte Wachsamkeit.
Es ist ein schmerzliches Thema! Gerade deshalb ist es für politische Diskussionen ungeeignet. Die Feinfühligkeit, die hier gebraucht wird, scheint mir doch sehr in eine gewisse Hysterie umzuschlagen: wir Sensiblen bekommen offenbar alles, was sperrig ist, sofort kollektiv in den falschen Hals und husten uns dann öffentlich und publikumswirksam aus. Dass wir uns zugleich Politiker wünschen, die den Mut haben, nicht ständig nur Aalglattes von sich zu geben versteht sich. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur einer einzigen Sache erlauben, sperrig zu sein: dem eigenen Brett vor dem Kopf.
Natürlich mache ich mich selbst zur Zielscheibe, wenn ich hier sage: Frau Reker hat Recht mit Ihrer Idee. Der Grund für die hoch gehenden Emotionen zum vorgeschlagenen Sicherheitsabstand, so scheint mir, ist die erwähnte Schlagbereitschaft. Da war ein falsches Wort, ein missverständliches – hauen wir drauf. Doch warum?
Da heißt es: man darf die Schuld nicht den Frauen zuschieben. Nur dass es hier noch gar nicht um Schuld geht, sondern um Gefahrenvermeidung. Und in diesem Zusammenhang werden viele Frauen künftig genau darauf achten. Aus einer einfachen Erkenntnis heraus: Natürlich haben nicht sie den Fehler gemacht haben, sondern die Täter, doch solange die sind, wie sie sind, und das auch noch in Freiheit, ist es sicher besser, aufzupassen. Mir ist jedenfalls keine Frau bekannt, die sich in den nächsten Tagen leicht bekleidet in ein muslimisches Männergewühl stürzen will, mit dem Hinweis auf den Lippen: „Nicht ich liege falsch, sondern Ihr!“. Zwischen einer Vorsichtsmaßnahme und einem Schuldeingeständnis liegen Welten. Es ist schlicht unsinnig, wenn Selbstverständlichkeiten nicht ausgesprochen werden dürfen, weil man sie uminterpretieren könnte.
Auch wird kritisiert, der Vorschlag sei schlicht unsinnig. Er sei unpraktikabel und wirke nur bei Männern, die ohnehin nichts wollen. Nicht unlogisch - schließlich ist für die anderen ein Frauenarm nichts, was sie abhält, eher im Gegenteil. Zudem fehlt in der Einkaufsschlange, der U-Bahn oder auf einer vollen Straße einfach der Platz dazu, irgendeinen Sicherheitsradius zu definieren und zu verteidigen. Das stimmt alles. Selbstverständlich ist der Vorschlag keine eierlegende Wollmilchsau. Die Idee verhindert ebenso wenig Übergriffe wie ein Rauchmelder Brände. Doch beide schaffen das, was am besten weiter hilft: Gefahrenbewusstsein. Und das muss eine Frau derzeit leider haben, da gibt es nichts zu deuteln. Bis diese Gefahr weitestgehend ausgeräumt ist, muss frau leider auf genau das achten, was Frau Reker anregt: zur Sicherheit einen gewissen Abstand, und, wo der nicht möglich ist, erhöhte Wachsamkeit.
Es ist ein schmerzliches Thema! Gerade deshalb ist es für politische Diskussionen ungeeignet. Die Feinfühligkeit, die hier gebraucht wird, scheint mir doch sehr in eine gewisse Hysterie umzuschlagen: wir Sensiblen bekommen offenbar alles, was sperrig ist, sofort kollektiv in den falschen Hals und husten uns dann öffentlich und publikumswirksam aus. Dass wir uns zugleich Politiker wünschen, die den Mut haben, nicht ständig nur Aalglattes von sich zu geben versteht sich. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht nur einer einzigen Sache erlauben, sperrig zu sein: dem eigenen Brett vor dem Kopf.
Mittwoch, Dezember 16, 2015
Verschobene Maßstäbe: Jubel über Unsinn
Jammern auf hohem Niveau – das sind wir in Deutschland gewohnt. Die Jammernden selbst bestreiten das meist, doch eine große Menge von Zuwanderern beweist: was uns oft schlecht oder zu wenig erscheint, ist anderen Anreiz genug, die Heimat zu verlassen. Man mag in der Flüchtlingsfrage stehen, wo man eben steht: allein die Tatsache, dass man sich Sorgen um etwas im Lande macht, zeigt, dass es hier etwas gibt, das man behalten möchte. Jeder setzt da einen anderen Schwerpunkt, doch eines haben wir alle gemeinsam: nach Syrien auswandern wollen wir nicht. Manche Diskussion wäre milder und menschlicher, würden sich die Teilnehmer vorher den Unterschied klar machen, der zwischen dem Leben hier und dem Leben in einem Kriegsgebiet besteht.
Nun liegt das Problem liegt nicht darin, dass wir versuchen, die Dinge hier zu verbessern, wenn wir Fehler oder Schwächen entdecken. Vielmehr liegt es darin, dass wir darüber vergessen, dass vieles bereits sehr gut ist. Das kostet uns im Inneren Freude und nach außen hin Glaubwürdigkeit. Zudem werden wir systemblind: verschieben sich die Relationen gegenüber den Tatsachen, beginnt man, Unsinn zu reden. Man schätzt man die Lage falsch ein und entscheidet falsch.
Umgekehrt geht es genauso: man kann den Gesamtzusammenhang auch über vermeintlich Gutes vergessen. Dann ist es kein Jammern auf hohem Niveau, sondern Feiern auf niedrigem. Die Folgen sind die gleichen; unsinnige Schlüsse werden gezogen. Genau das passiert in diesen Tagen beim Betrachten der Bevölkerungsentwicklung. Die Geburtenrate steigt seit Jahren, wird gefeiert. Nie war sie seit der Wiedervereinigung so hoch wie heute! Die Maßnahmen greifen, weiter so! Jedoch: die Kinderzahlen, die hier gefeiert werden, liegen nach wie vor sehr sehr weit unter denen, die wir bräuchten, um unser zügiges Aussterben zu verhindern: „1,47 Kinder durchschnittlich pro gebärfähiger Frau“. (Anm.: meiner Meinung nach sollte man weder Kinder noch gebärfähige Frauen als „durchschnittlich“ ansehen, doch auf dieser Ebene wird das Problem behandelt: ins Unmenschliche hinein abstrahiert und damit falsch.)
Das heißt im Klartext: von 4 Paaren bleiben in der nächsten Generation noch knapp 3, und so geht es weiter. Faktisch eine Katastrophe. Diesen Zustand zu als Erfolg feiern ist absurd. Oder feiert man es, wenn ein ertrinkendes Kind satt 50 Meter nur noch 48 Meter vom rettenden Ufer entfernt ist und jeder sehen kann, dass es keine 10 mehr schwimmen kann? Feiert man die guten Bremsen eines Autos, das anstatt mit Hundert „nur“ mit Fünfundneunzig vor die Wand fährt?
Wenn man verschobene Maßstäbe hat, dann tut man es. Denn dann schaut man nicht auf das Ganze, sondern auf den Einzelpunkt. Das Kind kommt näher, das Auto wird langsamer und die Geburtenrate steigt – für solche Erfolge kann man wiedergewählt werden, wenn man ein guter Verkäufer ist.
Die Liste dieser falschen Freuden ist lang: Wir exportieren etwas weniger Waffen in Krisengebiete, beuten andere Länder und natürliche Ressourcen etwas weniger aus. Man könnte tausende Einzelpunkte nennen - alles als Erfolg verkauftes Übel. Es geht sogar bis ins Mathematisch Absurde: der Anteil der sprachgestörten Kinder steigt langsamer. Erfolg! Da würde man den Autofahrer mit Kurs auf die Wand sogar dafür loben, dass er nur noch wenig beschleunigt.
Diese ganzen Dinge sind im Grunde unglaublich dumm. Genauso dumm sind wir, lassen wir uns darauf ein, auf dieser Basis zu diskutieren. Was ist vom Intellekt derer zu halten, die aufgrund solcher Entwicklungen messerscharf schließen, KiTas seien ein Erfolgsmodell?
Nun liegt das Problem liegt nicht darin, dass wir versuchen, die Dinge hier zu verbessern, wenn wir Fehler oder Schwächen entdecken. Vielmehr liegt es darin, dass wir darüber vergessen, dass vieles bereits sehr gut ist. Das kostet uns im Inneren Freude und nach außen hin Glaubwürdigkeit. Zudem werden wir systemblind: verschieben sich die Relationen gegenüber den Tatsachen, beginnt man, Unsinn zu reden. Man schätzt man die Lage falsch ein und entscheidet falsch.
Umgekehrt geht es genauso: man kann den Gesamtzusammenhang auch über vermeintlich Gutes vergessen. Dann ist es kein Jammern auf hohem Niveau, sondern Feiern auf niedrigem. Die Folgen sind die gleichen; unsinnige Schlüsse werden gezogen. Genau das passiert in diesen Tagen beim Betrachten der Bevölkerungsentwicklung. Die Geburtenrate steigt seit Jahren, wird gefeiert. Nie war sie seit der Wiedervereinigung so hoch wie heute! Die Maßnahmen greifen, weiter so! Jedoch: die Kinderzahlen, die hier gefeiert werden, liegen nach wie vor sehr sehr weit unter denen, die wir bräuchten, um unser zügiges Aussterben zu verhindern: „1,47 Kinder durchschnittlich pro gebärfähiger Frau“. (Anm.: meiner Meinung nach sollte man weder Kinder noch gebärfähige Frauen als „durchschnittlich“ ansehen, doch auf dieser Ebene wird das Problem behandelt: ins Unmenschliche hinein abstrahiert und damit falsch.)
Das heißt im Klartext: von 4 Paaren bleiben in der nächsten Generation noch knapp 3, und so geht es weiter. Faktisch eine Katastrophe. Diesen Zustand zu als Erfolg feiern ist absurd. Oder feiert man es, wenn ein ertrinkendes Kind satt 50 Meter nur noch 48 Meter vom rettenden Ufer entfernt ist und jeder sehen kann, dass es keine 10 mehr schwimmen kann? Feiert man die guten Bremsen eines Autos, das anstatt mit Hundert „nur“ mit Fünfundneunzig vor die Wand fährt?
Wenn man verschobene Maßstäbe hat, dann tut man es. Denn dann schaut man nicht auf das Ganze, sondern auf den Einzelpunkt. Das Kind kommt näher, das Auto wird langsamer und die Geburtenrate steigt – für solche Erfolge kann man wiedergewählt werden, wenn man ein guter Verkäufer ist.
Die Liste dieser falschen Freuden ist lang: Wir exportieren etwas weniger Waffen in Krisengebiete, beuten andere Länder und natürliche Ressourcen etwas weniger aus. Man könnte tausende Einzelpunkte nennen - alles als Erfolg verkauftes Übel. Es geht sogar bis ins Mathematisch Absurde: der Anteil der sprachgestörten Kinder steigt langsamer. Erfolg! Da würde man den Autofahrer mit Kurs auf die Wand sogar dafür loben, dass er nur noch wenig beschleunigt.
Diese ganzen Dinge sind im Grunde unglaublich dumm. Genauso dumm sind wir, lassen wir uns darauf ein, auf dieser Basis zu diskutieren. Was ist vom Intellekt derer zu halten, die aufgrund solcher Entwicklungen messerscharf schließen, KiTas seien ein Erfolgsmodell?
Mittwoch, Dezember 09, 2015
Westliche Hybris
[Von Bastian]
Wie können wir den Terrorismus stoppen? Diese Frage treibt Politik und Gesellschaft um, doch sie ist falsch gestellt.
Den Terrorismus stoppen können nur die Terroristen. Tun sie es nicht, können wir nur die Terroristen stoppen. Wenn sie uns angreifen, dürfen wir uns selbstverständlich verteidigen. Das moralisch infrage zu stellen, ist schlicht Unsinn. Die große Frage ist: wie?
Zum einen können wir sie bekämpfen. Das können wir hier vor Ort und dort, wo sie herkommen. Keiner wünscht sich das, doch jeder würde einen Angreifer, der ihn oder seinen Bruder töten will, ohne Zögern niederstrecken. Mit Recht. Ihn danach zu verarzten, wenn das noch geht, und ihm einen fairen Prozess zu machen, ist ein Gebot der Nächstenliebe und Gott sei Dank auch eines unserer westlichen Verfassungen. Gut so.
Zum anderen können (und müssen!) wir versuchen, zu verhindern, dass Menschen zu Terroristen werden. Das ist gut für uns und gut für diese Menschen. Und wieder die Frage: wie?
Als Antwort wird nach den Gründen gesucht, aus denen jemand zum Terroristen wird. Diese Suche geht mit einer Art politischer Demutsübung einher: offen für eigene Fehler suchen wir die Schuld bei uns selbst, da es unmoralisch ist, andere für irgendetwas zu beschuldigen. Doch diese Denkweise ist in Wahrheit alles andere als demütig und offen: Wenn ich ernsthaft glaube, der Fehler, den ein ausländischer Selbstmordattentäter begeht, liege letztlich bei mir begründet, muss ich mich für den Nabel der Welt und den Rest der Menschheit für meine Marionetten halten. In jeder anderen Logik erscheint diese Idee absurd, doch genauso denken große Teile unserer Gesellschaft.
Ich kann der Meinung sein, die westliche Präsenz, sei sie wirtschaftlich oder militärisch, zerstöre andere Kulturen und bringe Terroristen hervor. Genauso gut kann ich sagen, noch viel mehr Intervention in den Herkunftsländern der Terroristen sei notwendig. Gleich welcher Argumentation ich folge: die Lösung des Problems, davon sind wir alle überzeugt, liegt bei uns. Wie könnte es anders sein? Sind wir doch daran gewöhnt, die Probleme der Welt zu lösen. Eines steht für uns felsenfest: die Welt wird nur gut, wenn sie ist, wie wir sind: demokratisch, offen für alles und tolerant. Alles und jedes darf bekämpft werden, nur wir und unsere Vorstellungen nicht. Wir sind Ursache und Grund für alles. Und so benehmen wir uns auch. Deswegen exportieren wir erst unsere „Werte“ und dann Waffen zu ihrer Verteidigung. Das ist geistiger Kolonialismus.
Was auch immer geeignete Maßnahmen sind: der Westen muss als erstes seinen falschen Hochmut aufgeben. Er muss erkennen: unsere vermeintliche Überlegenheit ist Einbildung. Kein (vernünftig denkender) Mensch vom „Rest der Welt“ will sein, wie wir: wer außer uns betrachtet kaputte Familien, die für den Arbeitsmarkt geschleift wurden, als Errungenschaft? Wer den Verlust der eigenen Identität bis hin zur Geschlechtslosigkeit? Oder radikalen Individualismus von Individuen, die jedes für sich ganz individuell politisch korrekt, trendy und gleich sind? Wer vertraut jemandem, der seine Konsumgüter billig im Ausland produzieren lässt, auch wenn die Menschen dort dann hungern? Oder jemandem, der seine Entwicklungshilfe an die Übernahme von Ideologien wie Gender koppelt? „Übernimm meine Meinung, oder du musst leider verhungern!“ sagt der Westen heute, und wendet sich zugleich vollmundig gegen jede Unfreiheit in der Welt. Kein Mensch will sein, wie wir. Nicht einmal wir selbst, wie die Auflösungserscheinungen unserer Kultur zeigen.
Wenn wir uns für den Heilsbringer halten, der das Wertesystem schlechthin notfalls mit üblem Druck vertritt, aber zugleich nicht wissen, ob wir uns selbst überhaupt verteidigen dürfen, sind wir für Terroristen leicht zu provozieren und zu erschüttern, doch für den Rest der Welt nicht berechenbar. Jede militärische Option kann so zum Selbstmordkommando werden, denn sie steht auf einer Basis, die keine ist. Sie zeigt Stärke, wo nichts dahintersteht. Ihre einzige Rechtfertigung ist, dass es noch gefährlicher erscheint, nichts zu tun. Armer Westen!
Niemand weiß, was passiert, wenn der Westen in sich geht. Wenn er Bündnisse mit Diktaturen beendet, Knebelverträge stoppt und auf so manchen Billigimport verzichtet. Niemand weiß, was innenpolitisch passiert, wenn sich die demokratischen Staaten auf ihre Wurzeln besinnen, anstatt mit dem Fundamentalismus gleich die eigenen Fundamente zu bekämpfen. Doch jeder kann sehen, was passiert, wenn wir weitermachen, wie bisher: Instabilität, Flüchtlingsströme und Terrorismus sind erst der Anfang. Nicht weil wir der Grund für all das sind, sondern weil wir zum Ziel werden. In einer Welt, die uns zum eigenen Schutz immer stärker ausgrenzt, doch unser Geld noch gut gebrauchen kann, bevor wir uns selbst auflösen. Mitleid ist nicht angebracht, denn wenn wir die Kurve nicht mehr kriegen, werden wir überzeugt sein, unsere Auflösung sei der Gipfel der Werte.
Dienstag, Dezember 08, 2015
SM in Münster.
(Peter) Leute, das hat der SM-Praktikant in Münster Wochenenddienst gehabt. Also, der mit den Sozialen Medien.
»Bleib halt präsent, poste was Nettes. Vielleicht was zum Nikolaus.«
Klar, was rauskommt, ist dann nicht einmal mehr Prilblumen-Theologie. Aber seien wir doch froh, daß die nicht auch noch theologisch werden!
»Bleib halt präsent, poste was Nettes. Vielleicht was zum Nikolaus.«
Klar, was rauskommt, ist dann nicht einmal mehr Prilblumen-Theologie. Aber seien wir doch froh, daß die nicht auch noch theologisch werden!
Samstag, November 28, 2015
Leben vor oder nach dem Tod?
Auch wenn Misstände zum Himmel schreien, ist dieser Himmel für viele Menschen keine zufriedenstellende Antwort. „Für ein Leben vor dem Tod!“ lautet folgerichtig ein Slogan, der gern verwendet wird, wenn wieder einmal auf praktische Fragen theologisch geantwortet wird. Wenn man sich vom Heilsversprechen des Glaubens glaubt abgrenzen zu müssen, weil es als billiger Trost erscheint, als Entschuldigung fürs Nichtstun, mehr noch: als Rechtfertigung des kritisierten Zustands.
Doch dieser Spruch tut mehr, als heuchlerischen Glauben anzuprangern (den es leider zuhauf gibt). Er schüttet das Kind mit dem Bade aus, denn lenkt nicht nur den Blick auf Probleme, sondern verstellt zugleich den Lösungsweg: ohne Leben nach dem Tod geht es nicht. Ja, es ist ein Trost, aber einer, ohne den wir nicht leben können. Fehlt das letzte Auffangnetz, taucht das Bedürfnis danach an anderer Stelle auf. Unsere Situation zeigt es nur zu deutlich.
Die ganzen schrägen Gesetze, die derzeit verabschiedet werden, sind nichts anderes als die Aufforderung an den Staat, die eigentlich an Gott gerichtet sein will: nimm mich, wie ich bin, verurteile mich nicht, liebe und erhalte mich. Gesellschaft und Staat treten an die Stelle Gottes, soziale Netze an die Stelle von Liebe und Geborgenheit, Karriere an die Stelle von Verheißung.
Politische Diskussionen werden mit Inbrunst darüber geführt, doch sind sie meist fruchtlos. Kein Wunder, denn hinter diesen Gesetzen und Anliegen steht als Motivation die nackte Angst um das eigene Selbst. Es hat halt wenig Sinn, mit einem Ertrinkenden über den besten Schwimmstil zu diskutieren. Dass er gerade in einer Suppe ertrinkt, die er sich selbst eingebrockt hat, ändert daran nichts.
Der Ertrinkende fürchtet sich zu recht. Es ist schlecht bestellt um das eigene Selbst, fixiert man sich aufs Diesseits. Das Selbst will sein. Es schreit nach Verwirklichung. Doch was, wenn die scheitert? Vor mir das Nichts, nach mir das Nichts – da bleibt nur ein verzweifeltes „Carpe Diem“. Jeder Wunsch, jede Sehnsucht, jedes Bedürfnis: alles wird zur Existenzfrage, denn ich erlange die Erfüllung jetzt in diesem Leben oder nie. Das Leben muss genossen werden, wo immer nur möglich – alles andere ist menschenfeindlich.
Jede Einschränkung muss folglich weg. Endgültigkeiten verbieten sich. Für jeden eingeschlagenen Weg muss es einen Rückweg geben. Familie oder Beruf? Natürlich beides! Ehescheidung? Selbstverständlich. Der Mensch darf nicht begrenzt werden. „Menschenwürdig“ ist nur noch das, was die Möglichkeit zur diesseitigen Verwirklichung bietet. Alles andere wird verboten oder aufgehoben, in der allgemeinen Panik bis hin zum eigenen Geschlecht. Innerhalb dieser Philosophie ist das eine gute Tat. Nur der Tod lässt sich nicht wegregeln. Nach dem Motto „Was ich nicht vertreiben kann, fresse ich!“ verleibt die verzweifelte Gesellschaft sich ihn ein. Seine Endgültigkeit wird kurzerhand zur persönlichen Option umdefiniert: Sterben auf Verlangen. Die eigenen Vorstellungen von Würde bieten die Gründe dafür. Das eigene Ende soll als letzter Akt der Freiheit erscheinen. Der Tod ist besiegt, weil man vor seinem Stachel davonläuft.
Der Hass auf alles, das mir Endgültiges vorsetzt, ist in diesem System nur logisch: das geht mir an die Existenz, denn Endgültiges lässt sich nicht korrigieren, wenn ich anders empfinde! Und damit schließt dieses System der Angst die Lösung aus, denn nur Endgültiges kann mich retten, im Jenseits wie im Diesseits. Nur mit der Hoffnung, die mich übersteigt, kann ich mein Leben riskieren, weil ich scheitern darf. Nur wenn meine Angst um mich selbst nicht das letzte Wort hat, kann ich den Blick wirklich auf Anderes richten. Ich kann dieses Andere höher schätzen, als mich selbst, kann lieben und Genuss durch Glück ersetzen.
Ohne Leben nach dem Tod wird das Leben vor dem Tod zur Qual, der man nur durch Genuss entkommen kann. Genuss ist Glück – diese Lüge will uns eine diesseitige und daher notgedrungen materialistische Gesellschaft einbläuen. Sie will uns verbieten, anderes auch nur zu denken, weil es gefährlich ist. Für sie ist das unerträglich, was uns lebendig macht: das Glück und die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, geschenkt von einem endgültig liebenden Gott.
Doch dieser Spruch tut mehr, als heuchlerischen Glauben anzuprangern (den es leider zuhauf gibt). Er schüttet das Kind mit dem Bade aus, denn lenkt nicht nur den Blick auf Probleme, sondern verstellt zugleich den Lösungsweg: ohne Leben nach dem Tod geht es nicht. Ja, es ist ein Trost, aber einer, ohne den wir nicht leben können. Fehlt das letzte Auffangnetz, taucht das Bedürfnis danach an anderer Stelle auf. Unsere Situation zeigt es nur zu deutlich.
Die ganzen schrägen Gesetze, die derzeit verabschiedet werden, sind nichts anderes als die Aufforderung an den Staat, die eigentlich an Gott gerichtet sein will: nimm mich, wie ich bin, verurteile mich nicht, liebe und erhalte mich. Gesellschaft und Staat treten an die Stelle Gottes, soziale Netze an die Stelle von Liebe und Geborgenheit, Karriere an die Stelle von Verheißung.
Politische Diskussionen werden mit Inbrunst darüber geführt, doch sind sie meist fruchtlos. Kein Wunder, denn hinter diesen Gesetzen und Anliegen steht als Motivation die nackte Angst um das eigene Selbst. Es hat halt wenig Sinn, mit einem Ertrinkenden über den besten Schwimmstil zu diskutieren. Dass er gerade in einer Suppe ertrinkt, die er sich selbst eingebrockt hat, ändert daran nichts.
Der Ertrinkende fürchtet sich zu recht. Es ist schlecht bestellt um das eigene Selbst, fixiert man sich aufs Diesseits. Das Selbst will sein. Es schreit nach Verwirklichung. Doch was, wenn die scheitert? Vor mir das Nichts, nach mir das Nichts – da bleibt nur ein verzweifeltes „Carpe Diem“. Jeder Wunsch, jede Sehnsucht, jedes Bedürfnis: alles wird zur Existenzfrage, denn ich erlange die Erfüllung jetzt in diesem Leben oder nie. Das Leben muss genossen werden, wo immer nur möglich – alles andere ist menschenfeindlich.
Jede Einschränkung muss folglich weg. Endgültigkeiten verbieten sich. Für jeden eingeschlagenen Weg muss es einen Rückweg geben. Familie oder Beruf? Natürlich beides! Ehescheidung? Selbstverständlich. Der Mensch darf nicht begrenzt werden. „Menschenwürdig“ ist nur noch das, was die Möglichkeit zur diesseitigen Verwirklichung bietet. Alles andere wird verboten oder aufgehoben, in der allgemeinen Panik bis hin zum eigenen Geschlecht. Innerhalb dieser Philosophie ist das eine gute Tat. Nur der Tod lässt sich nicht wegregeln. Nach dem Motto „Was ich nicht vertreiben kann, fresse ich!“ verleibt die verzweifelte Gesellschaft sich ihn ein. Seine Endgültigkeit wird kurzerhand zur persönlichen Option umdefiniert: Sterben auf Verlangen. Die eigenen Vorstellungen von Würde bieten die Gründe dafür. Das eigene Ende soll als letzter Akt der Freiheit erscheinen. Der Tod ist besiegt, weil man vor seinem Stachel davonläuft.
Der Hass auf alles, das mir Endgültiges vorsetzt, ist in diesem System nur logisch: das geht mir an die Existenz, denn Endgültiges lässt sich nicht korrigieren, wenn ich anders empfinde! Und damit schließt dieses System der Angst die Lösung aus, denn nur Endgültiges kann mich retten, im Jenseits wie im Diesseits. Nur mit der Hoffnung, die mich übersteigt, kann ich mein Leben riskieren, weil ich scheitern darf. Nur wenn meine Angst um mich selbst nicht das letzte Wort hat, kann ich den Blick wirklich auf Anderes richten. Ich kann dieses Andere höher schätzen, als mich selbst, kann lieben und Genuss durch Glück ersetzen.
Ohne Leben nach dem Tod wird das Leben vor dem Tod zur Qual, der man nur durch Genuss entkommen kann. Genuss ist Glück – diese Lüge will uns eine diesseitige und daher notgedrungen materialistische Gesellschaft einbläuen. Sie will uns verbieten, anderes auch nur zu denken, weil es gefährlich ist. Für sie ist das unerträglich, was uns lebendig macht: das Glück und die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, geschenkt von einem endgültig liebenden Gott.
Donnerstag, November 26, 2015
In eigener Sache
Nach erneutem Durchlesen des Beitrags, der an dieser Stelle stand, und Nachdenken finde ich, dass er ein Fehler war.
Auch wenn es reizte, war es doch das Anheizen eines Feuers, das mir nicht angebracht erscheint, da es bereits brennt.
Ich habe den Beitrag daher zurückgezogen.
An meiner Empörung über den Sachverhalt, auf den er sich bezog, hat sich allerdings nichts geändert.
Auch wenn es reizte, war es doch das Anheizen eines Feuers, das mir nicht angebracht erscheint, da es bereits brennt.
Ich habe den Beitrag daher zurückgezogen.
An meiner Empörung über den Sachverhalt, auf den er sich bezog, hat sich allerdings nichts geändert.
Gleichnis vom barmherzigen Zahnarzt
[Von Bastian]
In jener Zeit lebte in einem Ort namens Mundus ein Zahnarzt. Er hatte eine gut gehende Praxis, verstand sein Handwerk und behandelte jedermann fachmännisch nach dem Zustand der Zähne.
Eines Tages kam ein Händler in den Ort, der große Mengen Süßigkeiten verkaufte. Der Zahnarzt warnte die Leute, zu viel davon zu essen, doch sie hörten nicht auf ihn. Als sie zur Inspektion in die Praxis kamen, stellte er beginnende Karies fest und musste bohren. Das missfiel den Leuten und sie murrten.
„Warum missgönnst du uns die Süßigkeiten?“ fragten sie. „Musst du uns mit dem Bohrer drohen und wehtun? Mach es wie früher und attestiere uns gesunde Zähne!“ Doch der Zahnarzt fuhr fort, zu bohren und zu überkronen.
Da wandten sich viele Leute von ihm ab und bekamen Zahnschmerzen. In ihrer Bestürzung fragten sie den Händler um Rat. „Was hat er gegen dich und deine Süßigkeiten?“ fragten sie ihn. Er aber antwortete: „Nicht gegen mich ist er, sondern gegen euch. Der Zahnarzt ist unbarmherzig und hält seine Lehren für wichtiger als euer Wohlbefinden! Fordert Barmherzigkeit!“
Die Leute gingen zum Zahnarzt und sprachen: „Jahrelang warst du gut zu uns, doch jetzt willst du uns Schmerzen bereiten. Steht es nicht in deiner Macht? Sei barmherzig und verschreibe uns Schmerzmittel, doch höre auf, in unseren Zähnen zu bohren, denn die tun ohnehin schon weh!“
Er aber erwiderte: „Schmerzmittel helfen nicht lange, die verschreibe ich nur in Zusammenhang mit einer Behandlung. Wenn ich euch nicht bohre und heile, könnt ihr gutes Essen nicht mehr genießen.“
Da zerrissen die Leute ihre Kleider und riefen: „Ihr habt es gehört – jetzt will er uns jedes gute Essen streichen. Er gibt vor, uns heilen zu wollen, und tut uns doch nur Schlechtes.“ Und sie trieben ihn zur Stadt hinaus.
Ihr aber seht zu, dass ihr lernt, was wahre Barmherzigkeit ist!
In jener Zeit lebte in einem Ort namens Mundus ein Zahnarzt. Er hatte eine gut gehende Praxis, verstand sein Handwerk und behandelte jedermann fachmännisch nach dem Zustand der Zähne.
Eines Tages kam ein Händler in den Ort, der große Mengen Süßigkeiten verkaufte. Der Zahnarzt warnte die Leute, zu viel davon zu essen, doch sie hörten nicht auf ihn. Als sie zur Inspektion in die Praxis kamen, stellte er beginnende Karies fest und musste bohren. Das missfiel den Leuten und sie murrten.
„Warum missgönnst du uns die Süßigkeiten?“ fragten sie. „Musst du uns mit dem Bohrer drohen und wehtun? Mach es wie früher und attestiere uns gesunde Zähne!“ Doch der Zahnarzt fuhr fort, zu bohren und zu überkronen.
Da wandten sich viele Leute von ihm ab und bekamen Zahnschmerzen. In ihrer Bestürzung fragten sie den Händler um Rat. „Was hat er gegen dich und deine Süßigkeiten?“ fragten sie ihn. Er aber antwortete: „Nicht gegen mich ist er, sondern gegen euch. Der Zahnarzt ist unbarmherzig und hält seine Lehren für wichtiger als euer Wohlbefinden! Fordert Barmherzigkeit!“
Die Leute gingen zum Zahnarzt und sprachen: „Jahrelang warst du gut zu uns, doch jetzt willst du uns Schmerzen bereiten. Steht es nicht in deiner Macht? Sei barmherzig und verschreibe uns Schmerzmittel, doch höre auf, in unseren Zähnen zu bohren, denn die tun ohnehin schon weh!“
Er aber erwiderte: „Schmerzmittel helfen nicht lange, die verschreibe ich nur in Zusammenhang mit einer Behandlung. Wenn ich euch nicht bohre und heile, könnt ihr gutes Essen nicht mehr genießen.“
Da zerrissen die Leute ihre Kleider und riefen: „Ihr habt es gehört – jetzt will er uns jedes gute Essen streichen. Er gibt vor, uns heilen zu wollen, und tut uns doch nur Schlechtes.“ Und sie trieben ihn zur Stadt hinaus.
Ihr aber seht zu, dass ihr lernt, was wahre Barmherzigkeit ist!
Mittwoch, November 25, 2015
Denkfehler
Ein Kurzfilm auf Facebook zeigt eindrucksvoll die Größe des bekannten Universums (LINK).
Nur bliebt es nicht beim Staunen - der Film endet, wie heute fast jeder Naturfilm, mit einer Moral: "No, you are NOT the center of the universe!"
Da es physikalisch und räumlich keinen Mittelpunkt des Universums gibt, kann das Fazit des Films nur auf die Bedeutung anspielen. Doch dann ist der Ansatz schwach. Größe hat nichts mit Wichtigkeit zu tun. Wichtig ist letztlich, was geliebt ist. (Oder was gefürchtet ist, doch das ist nur dann wichtig, wenn man den höchsten Maßstab, die Liebe, nicht kennt.)
Liebe schaut nicht auf die Abmessungen. Meine Kinder wurden klein so geliebt, wie sie jetzt geliebt werden. Gott liebt mich weder wegen meiner Größe noch trotz meiner Kleinheit. Ist das Universum groß, senkt das nicht meine Bedeutung. Wenn überhaupt hebt es sie, denn nur für wichtige Personen wird ein derartiger Aufwand getrieben. Dieser Aufwand aber ist für die Menschen, denn nur zu denen kam Gott und wurde einer von ihnen. Mensch wurde er, nicht Alien.
Das Heranziehen reiner Größe als Wertmaßstab ist etwas für Personen, die Gott und seine Liebe nicht kennen. Gottes Liebe ist groß und er lässt sich nicht lumpen, wie der Film eindrucksvoll zeigt.
Nur bliebt es nicht beim Staunen - der Film endet, wie heute fast jeder Naturfilm, mit einer Moral: "No, you are NOT the center of the universe!"
Da es physikalisch und räumlich keinen Mittelpunkt des Universums gibt, kann das Fazit des Films nur auf die Bedeutung anspielen. Doch dann ist der Ansatz schwach. Größe hat nichts mit Wichtigkeit zu tun. Wichtig ist letztlich, was geliebt ist. (Oder was gefürchtet ist, doch das ist nur dann wichtig, wenn man den höchsten Maßstab, die Liebe, nicht kennt.)
Liebe schaut nicht auf die Abmessungen. Meine Kinder wurden klein so geliebt, wie sie jetzt geliebt werden. Gott liebt mich weder wegen meiner Größe noch trotz meiner Kleinheit. Ist das Universum groß, senkt das nicht meine Bedeutung. Wenn überhaupt hebt es sie, denn nur für wichtige Personen wird ein derartiger Aufwand getrieben. Dieser Aufwand aber ist für die Menschen, denn nur zu denen kam Gott und wurde einer von ihnen. Mensch wurde er, nicht Alien.
Das Heranziehen reiner Größe als Wertmaßstab ist etwas für Personen, die Gott und seine Liebe nicht kennen. Gottes Liebe ist groß und er lässt sich nicht lumpen, wie der Film eindrucksvoll zeigt.
Moral und Militär
Die „Nordatlantische-Verteidigungs-Organisation“ (NATO) war einst eine Wertegemeinschaft, die sich militärischen Beistand versprach, um diese Werte überzeugend zu verteidigen. Heute erscheint die Nato als Militärbündnis auf der Suche nach gemeinsamen Werten. Doch damit tut sie sich schwer.
Die eigenen Überzeugungen scheinen korrumpiert zu werden, sowie sie mit militärischen Interessen in Konflikt geraten. Davor wurde lange gewarnt, doch häufig ungeschickt. „Frieden schaffen ohne Waffen!“ war ein Ansatz der Kritiker, der so viel Angriffsfläche bot, dass man mithilfe seiner Naivität die ganzen Zweifel an einer militärischen Option glaubte diskreditieren zu können. Übersehen wurde dabei, dass man sich damit das Weltbild ebenso zurechtbog, wie es die Friedensinitiative tat.
Zu lange wird schon versäumt, bei sich selbst das zu erhalten, was man zu verteidigen vorgibt. Stattdessen exportiert man erst Demokratie und danach Waffen zu ihrem Erhalt. Beides genau so lange, wie es der eigenen militärischen oder vermeintlichen moralischen Stärke dient. Eine moralische Stärke, die auf der Welt wohl nur noch von denen wahrgenommen wird, die sie sich selbst zuschreiben. Tatsächlich ist der Westen dabei, für jeden sichtbar innerlich moralisch zu verarmen, um nicht zu sagen zu verrotten.
Entsprechend erfolgt der Umgang mit der eigenen militärischen Stärke. Schwerste Kollateralschäden werden in Kauf genommen, solange sie „nur“ die Werte betreffen. Saudi-Arabien, offenbar Unterstützer des weltweiten Terrors, wird lang schon hofiert und akzeptiert, weil man dort Basen hat. Die Türkei, seit Jahrzehnten mehr als kritisch im Umgang mit dem kurdischen Teil der eigenen Bevölkerung, lässt man aufgrund ihrer strategisch wichtigen Lage agieren. Diese Liste geht weiter, und sie ist lang!
Dem militärischen Potential steht kein moralisches Potential mehr gegenüber, oder besser, das militärische Potential steht auf keiner moralischen Grundlage mehr. Freundschaften sind nicht mehr die Basis für Bündnisse, sondern militärische Optionen entscheiden, mit wem man befreundet ist. Doch Vorsicht: im Bündnis sind wir von unseren Partnern abhängig, auch wenn wir mit ihnen nur wenig gemeinsame Moral haben. Ein Angriff auf das Territorium eines der Bündnisstaaten gilt als Angriff auf alle und zieht die entsprechenden Konsequenzen nach sich. So wurde vereinbart. Jeder Partner hat damit die Möglichkeit, Reaktionen zu provozieren, die alle anderen nahezu automatisch in einen Krieg verwickeln.
Es war eine Frage der Zeit, bis es dazu kommt, dass einer der Bündnispartner Teil einer bedenklichen militärischen Eskalation wird. Nun ist es (wieder einmal) passiert, an der türkisch-syrischen Grenze. Manche militärische Krisensituation erfordert als erstes eine moralische Antwort. Der Westen täte gut daran, sich auf seine Grundlagen zu besinnen. Alles andere könnte auf Dauer lebensgefährlich sein.
Die eigenen Überzeugungen scheinen korrumpiert zu werden, sowie sie mit militärischen Interessen in Konflikt geraten. Davor wurde lange gewarnt, doch häufig ungeschickt. „Frieden schaffen ohne Waffen!“ war ein Ansatz der Kritiker, der so viel Angriffsfläche bot, dass man mithilfe seiner Naivität die ganzen Zweifel an einer militärischen Option glaubte diskreditieren zu können. Übersehen wurde dabei, dass man sich damit das Weltbild ebenso zurechtbog, wie es die Friedensinitiative tat.
Zu lange wird schon versäumt, bei sich selbst das zu erhalten, was man zu verteidigen vorgibt. Stattdessen exportiert man erst Demokratie und danach Waffen zu ihrem Erhalt. Beides genau so lange, wie es der eigenen militärischen oder vermeintlichen moralischen Stärke dient. Eine moralische Stärke, die auf der Welt wohl nur noch von denen wahrgenommen wird, die sie sich selbst zuschreiben. Tatsächlich ist der Westen dabei, für jeden sichtbar innerlich moralisch zu verarmen, um nicht zu sagen zu verrotten.
Entsprechend erfolgt der Umgang mit der eigenen militärischen Stärke. Schwerste Kollateralschäden werden in Kauf genommen, solange sie „nur“ die Werte betreffen. Saudi-Arabien, offenbar Unterstützer des weltweiten Terrors, wird lang schon hofiert und akzeptiert, weil man dort Basen hat. Die Türkei, seit Jahrzehnten mehr als kritisch im Umgang mit dem kurdischen Teil der eigenen Bevölkerung, lässt man aufgrund ihrer strategisch wichtigen Lage agieren. Diese Liste geht weiter, und sie ist lang!
Dem militärischen Potential steht kein moralisches Potential mehr gegenüber, oder besser, das militärische Potential steht auf keiner moralischen Grundlage mehr. Freundschaften sind nicht mehr die Basis für Bündnisse, sondern militärische Optionen entscheiden, mit wem man befreundet ist. Doch Vorsicht: im Bündnis sind wir von unseren Partnern abhängig, auch wenn wir mit ihnen nur wenig gemeinsame Moral haben. Ein Angriff auf das Territorium eines der Bündnisstaaten gilt als Angriff auf alle und zieht die entsprechenden Konsequenzen nach sich. So wurde vereinbart. Jeder Partner hat damit die Möglichkeit, Reaktionen zu provozieren, die alle anderen nahezu automatisch in einen Krieg verwickeln.
Es war eine Frage der Zeit, bis es dazu kommt, dass einer der Bündnispartner Teil einer bedenklichen militärischen Eskalation wird. Nun ist es (wieder einmal) passiert, an der türkisch-syrischen Grenze. Manche militärische Krisensituation erfordert als erstes eine moralische Antwort. Der Westen täte gut daran, sich auf seine Grundlagen zu besinnen. Alles andere könnte auf Dauer lebensgefährlich sein.
Donnerstag, November 19, 2015
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