Montag, August 31, 2015

Alles beim Alten, zumindes ungefähr.

[Von Bastian]
„…, da weißt Du nicht mehr, ob Du Männlein oder Weiblein bist!“
Zu viel getrunken, einen kräftigen Schlag auf den Kopf („in die Fresse?“) bekommen, etwas wirklich extrem scharfes gegessen? Gleichwieviel – in meiner Jugend galt es als Metapher für das geistige Ausgeknocktsein schlechthin, wenn man sein Geschlecht nicht mehr kannte.
Früher war mancher stolz darauf, am Abend zuvor sternhagelvoll gewesen zu sein. Heute spart man sich das Geld fürs Bier und ist gleich stolz darauf, sein Geschlecht nicht mehr zu kennen. Ist wohl einfacher.
Sieht anders aus, aber inhaltlich haben sich die Zeiten offenbar kaum geändert.

Montag, August 24, 2015

Reisebericht

[Von Bastian]

Mal ein etwas anderer Post: ein Urlaubsbericht. Wer bis zum Ende durchhält, findet einen Film meiner Begegnung mir einem großen Barrakuda.

Zum ersten Mal im Leben war ich am Roten Meer in Ägypten, genauer gesagt in Marsa Alam. Alles hat bestens funktioniert und ich hatte mit meinem Sohn 10 schöne Tage. Zum ersten Mal im Leben habe ich Korallenriffe gesehen und bin restlos begeistert. Hier ein paar der Fotos, die ich unter Wasser gemacht habe. Untergebracht waren wir im Hotel Oasis von Werner Lau. Bequem, ruhig (keine Disko, keine Animation etc…) und mit einer feinen Tauchbasis.


Haupthaus mit Restaurant und Tauchbasis




















Am ersten Tag habe ich geschnorchelt. Über einen Steg ging es über das Riffdach hinweg zur Kante, die beim Hausriff steil, teils senkrecht, auf bis zu 80m abfällt. Oben empfingen mich Doktoren (v.a. A. sohal), Kugelfische, Kaiserfische, Falterfische und riesige Schwärme von Anthias. Ein paar Meter tiefer gab es Soldatenfische. Ich hätte nie gedacht, dass es so viele Fische auf einem Haufen geben kann! Das Problem war immer wieder, einen Fisch so aufs Foto zu bekommen, dass ihn kein anderer verdeckt. Fotografiert habe ich mit einer einfachen Outdoor-Kamera (Olympus Stylus), die bis 15m wasserdicht sein soll und das auch gehalten hat. Die Fotos musste ich nur verkleinern und manchmal ein wenig aufhellen. Bin sehr angetan von dem Ding – für Anfänger genau das richtige, scheint mir.

Danach gab es 16 herrliche Tauchgänge an ca. 10 unterschiedlichen Plätzen.
Eine Besonderheit war der Dugong, der sich in diesem Gebiet aufhält und immer wieder in Buchten kommt, in denen viel getaucht wird.


Dugong




















Interessant war auch ein großer Drücker (fast einen Meter lang), der sich Tagelang an derselben Stelle in einer Seegraswiese aufhielt und alles androhte, was näher als 10-15m kam.


Drückerfisch




















Manche Fische waren ziemlich dreist und kamen von selbst, so ein großer Barrakuda, den die Kamera interessierte, und ein Lippfisch, der richtig zudringlich wurde.


Lippfischatacke





















Was mich sehr faszinierte, waren die Korallen. Die Riffe dort scheinen in sehr gutem Zustand zu sein. Riesige Flächen mit nahezu 100% Korallenabdeckung. Sogar im Flachwasser unter 1m Tiefe, wo gebadet wurde, versuchten sich Acroporen zu behaupten. Dort waren sie fast alle rot oder orange. In etwas tieferem Wasser dominierten gelbe und blaue Farben, bis hin zu violetten Steinkorallensäulen. Hier ein paar Bilder von Korallen und Schwämmen in ca. 5-7m Tiefe.


Korallen



Korallen



Korallen



Korallen



Blauer Schwamm




















Hier noch meine drei Favoriten unter den Fotos:


Feuerkorallen




Anthias zwischen Steinkorallen



Fischschwarm im Gegenlicht


























Ein paar Bilder vom Wracktauchgang.
Eigentlich fand ich ein Wrack nicht sehr reizvoll, sondern als Tauchevent eher kitschig. Mein Sohn sah das allerdings anders. Es wurde dann aber sehr interessant. Das Schiff sank 1993, als ein Kapitän den Rumpf an einem übersehenen kleinen Riff aufriss. Er versuchte, das Schiff zu retten, indem er schnell über ein anderes Riff fuhr, das etwas tiefer lag. Das misslang – er lag selbst schon zu tief. Daher rammte er das Riff, das 70m-Schiff zerbrach und sank. Die Stelle, an der das Schiff auf das Riff traf, ist bis heute eine Schutthalde. Nahezu kein neuer Bewuchs, obwohl ringsum alles nahezu vollständig von Korallen bedeckt ist. Das Schiff selbst ist inzwischen von Korallen bewachsen, und zwar umso dichter, je exponierter die Lage ist.


Das Wrack




















Ein paar Taucher durchschwammen den Rumpf, weshalb Luftblasen aus dem Wrack aufstiegen. Es wirkte, als sei es eben erst gesunken. Man sieht den an den Kanten und Enden verstärkten Bewuchs, verglichen mit den Flächen.


Luftblasen steigen aus dem Wrack auf




















Die Reling ist inzwischen recht kräftig bewachsen. Es gibt hier mehr Weichkorallen, als im angrenzenden Riff.


Die Reling




















Noch stärker sind die Oberseiten der Masten besiedelt. Auch hier gibt es viele Weichkorallen, teilweise recht groß.


Die Masten




















Auf dem oben liegenden Kiel steht eine Tischkoralle, die sicher 60-70cm Durchmesser hat.


Tischkoralle auf dem oben liegenden Kiel




















An den Kanten und am Ende der Masten ist das Wrack bereits zu einem großen Teil bewachsen.


Kante



Ende der Masten




















Während des Tauchens gesellte sich ein recht großer Barrakuda zu uns (deutlich über 1m). Er war etwas zu neugierig, während ich ihn filmte, und kam bis auf 30cm an mein glänzendes Objektiv heran. Unser Tauchguide hat mich dann zurück gepfiffen.


Barrakuda von der Seite...


...von vorne...



...und ganz nah!




Hier noch der Barrakuda als Film in 720p. War für mich schon eine tolle Sache. Als derTauchguide Signal gab, habe ich die Kamera nicht abgeschaltet, sondern bin nur los geschwommen, daher der eher wirre zweite Teil... 








Donnerstag, August 13, 2015

Die Hoheit über Begriffe

[Von Bastian]
Was sind die Definitionen von Ehe und Familie?
Unmengen sind dazu gesagt und geschrieben worden. Meiner Meinung nach manchmal zu viel, denn wenn wir uns zu intensiv auf eine Diskussion über die Begriffe einlassen, stimmen wir automatisch der These zu, dass eine Änderung des Begriffs den Sachverhalt mit ändere. Jedoch: definiert man Ehe neu, ändert das an der Existenz der wirklichen Ehe nichts. Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz des Staates.
Die Idee, damit seien die Begriffe gemeint und nicht der Inhalt, den sie damals bedeuteten, en vogue, aber dumm. Irgendwelche neuen Inhalte des Ehebegriffs stehen ebenso wenig unter dem Schutz des Staates, wie man Flüsse verschmutzen dürfte, würde man sie aus dem Umweltbegriff entfernen und meinen, man habe gerade den Sinn des Umweltschutzes neu definiert.
(Mehr zur Verwechslung des Begriffs mit dem Inhalt habe ich hier geschrieben: LINK, LINK)

Vielleicht wichtiger noch als „Ehe“ und „Familie“, so denke ich, wäre der Kampf um den Inhalt zweier Begriffe, die uns aus der Hand genommen wurden, ohne dass wir es gemerkt hätten: Krankheit und Mitleid. Sie wurden uns genommen und mit einem zusätzlichen Inhalt versehen, der sie nahezu unbrauchbar macht: mit Diskriminierung und Verachtung.
Wenn ein Mensch erkrankt, sagt das über ihn persönlich nichts Nachteiliges aus. Kümmert sich jemand um ihn, bis er gesund ist, weil ihm das Schicksal des Kranken nahe geht (er also mitleidet), ist das etwas Gutes und in unserer Gesellschaft selbstverständlich. Und trotzdem sind beide Begriffe heute zum Synonym für Verachtung geworden. „Das ist total krank“ oder „Mit dem kann ich nur noch Mitleid haben“ drücken Verachtung aus: die abstruse gesellschaftliche Idee, eine Abweichung vom Ideal sei ein Makel, macht’s möglich. Und so ist Kranker minderwertig; Bemitleidung ist Ablehnung. Die Idee, etwas als möglicherweise änderbar anzusehen, kann daher schon diskriminierenden Charakter haben.
Am Beispiel Homosexualität wird bereits die Idee, man könne sie in manchen Fällen ändern, abgelehnt: das wäre ja Heilung und der Schwule dann ein verachtenswerter Kranker. Die kirchliche Aufforderung, Homosexuellen sei mit Mitleid zu begegnen, ist in den Ohren vieler die Aufforderung, sie zu verachten. Absurd: das Gegenteil ist gemeint.

Die Minderwertigkeit des Kranken und Schwachen, ein Horrorszenario des Dritten Reiches, hat längst wieder in unserer Kultur Fuß gefasst. Nur dass es diesmal nicht von oben verordnet, sondern als besonders aufgeklärt verstanden wird.
Was kann die Antwort darauf sein? Begriffsdiskussionen sind sinnlos, wenn jeder etwas anderes darunter versteht. Der Inhalt muss aufleuchten, damit man gemeinsam sprechen kann. Die Anliegen des Heiligen Vaters nach einer Kirche für die Armen, nach Bewahrung der Schöpfung, nach persönlicher Heiligung und nach Dialog sind die Antwort. Wir können über alles mit jedem reden, sollen es sogar. Doch die Basis ist der gelebte Inhalt, nicht das Festhalten an Worten.

Dienstag, Juni 02, 2015

Just my two pence: wir müssen auf dem Wasser gehen.

In der letzten Zeit wurde mir das Schreiben immer zäher und schwerer. Ich habe mich lange gefragt, warum, aber fand nur, dass es mir sinnlos vorkam. Irgendwann fiel dann der Groschen. Es sind im Wesentlichen zwei Gründe.

Einmal: es läuft eine Diskussion, in der ich mich keiner Seite zuordnen kann. Da wird behauptet, die Kirche sei eine Wertegemeinschaft – folglich sei alles, wo man diese Werte vorfindet, in die Kirche zu integrieren. Treue und verantwortungsvolle Nicht-Ehen zum Beispiel. Nur ist die Kirche keine Wertegemeinschaft.
Dagegengehalten wird mit der katholischen Lehre, die nicht verändert werden darf. Logisch, wenn sie von Gott kommt. Nur ist die Kirche auch keine Lehrgemeinschaft.
Was hier meiner Meinung nach falsch läuft, ist die Frage, was Grundlage und was Frucht ist. Die Kirche hat eine Lehre, die Werte hervorbringt, sicher. Die Werte sind wichtig und die Lehre ist wahr, sicher. Doch was die Kirche eigentlich ist: der Leib Christi auf Erden. Christus ist das Haupt, nicht der Katechismus. Er kommt immer zuerst!
Das mag wie eine unsinnige Differenzierung klingen, ist doch im Katechismus zusammengefasst, was Christus für uns und von uns will. Das Problem ist jedoch: wenn ich Christus nicht kenne, bringt mir die Lehre wenig bis nichts. Sie ist dann so gehaltvoll, wie die Anleitung zu einer gelingenden Ehe, ohne dass ich verheiratet bin oder auch nur Aussicht auf eine Freundin hätte. Richtig zwar, aber reine Theorie und nicht umsetzbar. Nicht, weil der Wille fehlt, sondern weil es gar nicht gehen kann. Am Anfang steht die Liebe, die Begegnung mit Christus. Auf dieser Basis ergibt alles Sinn. Ohne diese Basis degradiert man die katholische Lehre zu einer Weltanschauung unter vielen, und zudem zu einer, deren Implikationen sich nicht umsetzen lassen.
Die Diskussion Lehre gegen Werte ist zum Scheitern verurteilt. Mehr noch: sie schadet, weil sie den Blick in eine falsche Richtung lenkt, so richtig inhaltlich vieles sein mag. Ich will aber nicht Recht haben, sondern helfen, das Problem zu lösen.

Der Zweite Grund ist der: wir sind in Gefahr, uns das Heft aus der Hand nehmen zu lassen und nicht mehr zu handeln, sondern zu reagieren. Viele heiße Diskussionen drehen sich darum, wie man verhindert, dass Dinge Gesetz werden, sie längst präsent sind. Sicher, das ist wichtig, um den Schaden nicht noch größer werden zu lassen, doch es ist zum einen ein ziemlich aussichtsloser Kampf und zum anderen die Reaktion auf Themen, die uns aufgezwungen werden. Das Beste, was wir beim Verhindern erreichen können, ist die Erhaltung des Status Quo. Es ist ein Rückzugsgefecht.
Rückzugsgefechte aber sind nicht unsere Aufgabe: „Geht und lehret alle Völker!“ ist mit „Verhindert das Schlimmste wenigstens für eine Weile“ unzureichend umgesetzt.

Die Antwort auf beide Probleme ist meiner Meinung nach die Evangelisation. Christus muss bekannt gemacht werden. Und darunter verstehe ich nicht, dass man um Ihn und seine Gebote weiß, sondern dass man ihn kennt und dann früher oder später Ihn und seine Gebote versteht. Werte ergeben sich dann automatisch. Und ich stelle fest, dass ich dieser Aufgabe nicht gewachsen bin. Diskutieren erscheint mir dagegen wie eine leichte Fingerübung. Ich weiß zumindest um einen Teil meiner Fehler und Sünden und erkenne mich ganz realistisch als unqualifiziert. Und doch ist genau das meine Aufgabe: Christus bekannt zu machen. Ich zögere und fühle mich unsicher, schäme mich und ducke mich weg. Da muss ich auf einen Boden, der nicht zu tragen scheint!
Vorgemacht hat es mir Petrus: er ging aufs Wasser, als Christus ihn rief. Und er wurde hochgezogen, als sein eigener Glaube nicht ausreichte. Für mein Empfinden ist genau das von mir verlangt: etwas zu tun, das gar nicht klappen kann, weil ich um das Gewicht meiner Sünden weiß. Doch der heutige Petrus ruft mich immer und immer wieder genau dazu auf: geht und evangelisiert! Jeder auf seine Weise und mit seinem Maß an Glauben, aber geht! Ich bete um den Mut zum Gehorsam.

Donnerstag, Mai 28, 2015

Kirche heute

[Von Bastian]
Irgendwie passt es zur Situation heute, daher hole ich es mal wieder hoch.

Das Schiff „Kirche“ fährt bei halbem Wind in Richtung Heimat. Immer wieder trifft es auf Menschen, die mitfahren wollen. Die Mannschaft wächst stetig.
Eines Tages jedoch ist alles anders. Die „Kirche“ findet eine Menge Schiffbrüchige, die im Wasser schwimmen, sich an Planken, Fässern und anderem Treibgut festhalten. Einige haben sich notdürftige Flöße gebaut. Sofort macht man Boote und Rettungsringe klar, um den Leuten an Bord zu helfen. Die aber haben Bedenken.
Sie sagen, sie trieben nun schon eine ganze Weile mit dem Wind, und vielen von Ihnen gehe es ziemlich gut. Warum man sie eigentlich retten wolle? Die Besatzung ist erstaunt. Die Matrosen versichern, an Bord sei es schön und sicher. Man sei im Trockenen und habe es warm.
Die Schiffbrüchigen beraten sich. „Ich verstehe!“ ruft einer. „Ihr mögt keine nassen Menschen. Wir sind aber nun einmal nass. Wir passen nicht zu euch.“ Er wendet sich ab. Die Besatzung ist verwirrt. Dann fangen sie an zu lachen: „Nein, keine Sorge. An Bord werdet ihr natürlich abgetrocknet. Warme Sachen haben wir auch für euch.“ Jetzt sind es bereits mehrere, die antworten: „Genau, wie wir dachten: nass sind wir euch nicht gut genug. Sucht euch trockene Schiffbrüchige und lasst uns in Frieden!“
Ein paar jedoch haben nach den Rettungsringen gegriffen. Sie werden ins Rettungsboot gezogen und zum Schiff gebracht. Oben werden sie empfangen, abgetrocknet und warm eingepackt. Dann bekommen sie einen steifen Grog. Fröhlich gehen sie an die Reling und rufen ihren Freunden im Wasser zu: „Kommt schnell! Hier zu sein ist einfach der Wahnsinn! Wir wussten gar nicht mehr, wie gut es tut, warm und trocken zu sein! Und das Zeug hier schmeckt wirklich gut!“ Die Schiffbrüchigen wimmern auf. „Kaum sind sie an Bord, lehnen auch sie uns ab!“ sagen sie zueinander. „Was hat man mit denen gemacht? Ist das noch freiwillig?“ Und obwohl immer wieder einige von ihnen an Bord gehen, werden die restlichen immer misstrauischer.

Einer der Schiffbrüchigen hat eine Idee. „Wenn ihr uns unbedingt an Bord haben wollt," ruft er, "kommt erst zu uns ins Wasser. Dann sehen wir ja, dass ihr es ernst meint.“ Seine Gefährten stimmen ihm zu. Sofort springen einige Matrosen ins Wasser und gesellen sich zu den Schiffbrüchigen. „Jetzt können wir beim Schwimmen helfen!“ rufen sie. „Das ist viel besser, als vom sicheren Schiff aus zu predigen!“
Die Besatzung berät sich. Ob die Matrosen im Wasser Recht haben? Vielleicht gehe es gar nicht darum, alle an Bord zu holen. Vielleicht sei vielmehr da Schiff dazu da, Matrosen zu den Schiffbrüchigen zu bringen. „Wer sind wir, anderen vorzuschreiben, was richtig ist? Ist es nicht besser, wenigstens beim Schwimmen zu helfen?“ Und noch ein paar Matrosen verkünden, ihr Platz sei im Meer, und springen ins Wasser.
Da meldet der Ausguck, dass möglicherweise ein Sturm aufzieht. Er ruft es den Schwimmern zu: „Kommt schnell! Es wird gefährlich!“ „Natürlich!“ schallt es zurück. „Wenn ihr uns nicht überzeugen könnt, fangt ihr an zu drohen. Da sieht man, wer ihr seid!“ Und zueinander sagen sie: man kann viel erzählen, wenn man so hoch sitzt. Der soll erst einmal lernen, was es heißt zu schwimmen, bevor er anderen von Wellen erzählt.
Die Bootsmänner und Steuerleute mischen sich ein. Sie sind uneins. Einige meinen, es sei höchste Zeit, weiter zu fahren. Man komme immer weiter ab vom Kurs. Andere sind dafür, zu warten. Ein paar meinen sogar, man solle die „Kirche“ am besten voll Wasser laufen lassen, damit auch alles an Bord nass sei. Nur so sei man mit den Schiffbrüchigen solidarisch. Keinesfalls dürfe man von Stürmen oder vom Abtrocknen reden, um niemanden zu verschrecken.

Nun spricht der Kapitän. Er zeigt eine große Karte der Heimat, zu der das Schiff unterwegs ist. „Nehmt das Schiff in Kauf, auch wenn es Euch nicht gefallen sollte!“ ruft er den Umhertreibenden zu. „Die Heimat wartet auf Euch! Seht, wie schön sie ist!“ Wieder kommen einige an Bord. Andere rufen: „Wieso gibst du eigentlich die Richtung vor? Ringsum sieht man nur Wasser. Jede Richtung ist gleich. Und du willst uns sagen, wo es lang geht? Das kann jeder mit dem gleichen Recht! Hör zu! Wenn es dir wirklich um uns geht, wende dein Schiff und fahre, wohin wir treiben!“ Der Kapitän erklärt die Seekarten und die Navigation. "Wir treiben nicht," sagt er, "wir segeln und wissen, wohin: in die Heimat." Wieder kommen Menschen an Bord.
Es frischt auf. Ein Schiff wäre jetzt wirklich nicht schlecht. Die Schwimmer bemerken das. „Tut euch zusammen!“ rufen sie sich zu. Sie sammeln all das Treibgut, das sie haben, und bauen sich daraus ein Floß. Sie nennen es „Nasse Kirche“ und versuchen, alle darauf einen Platz zu finden. Das gibt einiges an Chaos und viel Streit. Die „Kirche“ setzt derweil die Segel, sammelt die letzten Willigen ein und nimmt wieder Kurs auf die Heimat. „Auf Nimmerwiedersehen!“ rufen ihr die Flößer hinterher und werfen mit Abfall nach dem Schiff. Sie sind wütend!

An Bord der "Kirche" ist die Stimmung trotz vieler Geretteter gedrückt. „Hoffentlich wird der Sturm nicht zu schlimm!“ sagen alle. Und sie denken an die Menschen auf dem Floß.

Dienstag, Mai 12, 2015

Gänsefüßchen für das »ZdK«!

Auf ihrer Frühjahrskonferenz hat das »Zentralkomitee der deutschen Katholiken« neben einigen (gewiß sehr ehrenwerten) Beschlüssen zu aktuell brisanten Themen zur Situation der Flüchtlinge und umweltethischen Themen auch den »Glaubenssinn des Gottesvolkes« gekapert, um wohlfeile und altbekannte Forderungen durchzusetzen, die letztlich eine radikale Abwendung von der Lehre und Praxis der Kirche zu Ehe und Familie darstellen.

Lediglich Bischof Oster aus Passau hat dazu eindeutig Stellung genommen. Im deutschen Episkopat – so scheint es – wird das »ZdK« immer noch als Sprachrohr der Laien wahrgenommen. Ich halte es für ratsam, in den sozialen Netzwerken eine spürbare Distanzierung vom sogenannten »Zentralkomitee« sichtbar werden zu lassen und rege dazu an, unter dem Label »Gänsefüßchen für das ZdK« dafür zu werben, den Namen der Organisation nur noch in Gänsefüßchen zu verwenden. Dadurch kann auf sehr einfache Weise deutlich gemacht werden, daß der Anspruch durch das »ZdK«, Vertretung der Katholiken zu sein, zu Unrecht besteht.

Wir bleiben katholisch! Wir lassen den Mißbrauch des Begriffs »Glaubenssinn des Gottesvolkes« nicht mehr zu!



Dienstag, April 21, 2015

Der Lichtweg ist umkehrbar, aber nicht beliebig.

[Von Bastian]
Jeder Lichtweg lässt sich zurückverfolgen – eine Banalität der Physik. Wenn ich mit einer Taschenlampe einen Lichtpunkt auf der Wand erzeuge, lässt sich von diesem Lichtpunkt aus auch die Taschenlampe beleuchten, gleich wie viele Linsen und Spiegelungen dazwischen lagen: es geht auch rückwärts. Das Prinzip lässt sich noch ausweiten: würde ich in einem Raum, den eine Glühbirne beleuchtet, alle beschienenen Flächen zu Lichtquellen machen, die genau in Gegenrichtung strahlen, würden sie über alle Reflektionen letztlich genau den Glühdraht treffen und zum Glühen bringen. Das ist nachvollziehbar: das Licht in einem Raum beschreibt die Lichtquelle. Was natürlich nicht funktioniert: einen Raum irgendwie zu beleuchten und zu behaupten, das beschreibe die Lampe in der Mitte, die man abgeschaltet hat. Auch das ist nachvollziehbar. Wer das behauptet, hat das Prinzip nicht kapiert: der Lichtweg ist umkehrbar, aber nicht beliebig. Das Licht im Raum beschreibt die Lichtquelle natürlich nur, wenn es von ihr stammt. Fast schon peinlich, da überhaupt zu differenzieren, so klar ist das.

Warum wird dann aber in vielen Diskussionen sogar in der Kirche genau dieser Unsinn über das Licht der Welt verzapft? Denn nichts anderes ist der Versuch, die eigene Lebenswirklichkeit als Teil der Offenbarung zu nehmen, auch und besonders dann, wenn sie sich nicht dem Licht Christi aussetzt.
Da wird die persönliche Lebenssituation mit der persönlichen Erleuchtung betrachtet und das Ergebnis soll plötzlich den Willen Jesu beschreiben. Und da dieses Prinzip logischerweise über 7.000.000.000mal angewendet werden muss, mit über 7.000.000.000 unterschiedlichen Ergebnissen, definiert sich das Licht Christi plötzlich als allgemeines Funzeln, in dem angeblich eine große Vielfalt sichtbar wird, tatsächlich jedoch nur ein strukturloses Schimmern, weil ja alles leuchtet. Alles ist gleich und die Lichtquelle hat sich aufgelöst. Unmöglich, etwas zu erkennen und sich zu orientieren.

Nein, wenn ich das Licht Christi kennen lernen will, muss ich mich von ihm beleuchten lassen und nicht selbst leuchten. Dann gibt es beschienene Flächen und Schatten. Ich selbst werde sichtbar und das Licht wird klar und verständlich. Die Lebenssituation, beschienen vom Licht Christi, sagt dann wirklich etwas über ihn aus und gehört zur Offenbarung, weil sie auf ihn verweist. Wenn ich mich von Christus bescheinen lasse, erkenne ich mich und ihn. Wenn ich und alle anderen sich selbst bescheinen, erkenne ich nichts.
Der Glaube lehrt, was das Licht Christi ist und wo es leuchtet. Dabei geht es gar nicht sofort um richtig und falsch (das kommt erst viel später!), sondern erst einmal darum, dass ich etwas sehe. In diesem Licht erkenne ich meine Lebenswirklichkeit, die so für mich zur Offenbarung wird, weil Gott sie beleuchtet. Der trügerische Umkehrschluss, ich müsse selbst leuchten, damit so Gott offenbart werde, ist Unsinn (siehe oben).
Christus hat dazu aufgerufen, sich in Seinem Licht zu orientieren, anstatt allein zu bleiben: „Du aber folge mir nach!“ und nicht: „Du aber definiere dich selbst und bei der Gelegenheit gleich auch mich.“.

Montag, April 13, 2015

Die Kirche der Zukunft

[Von Bastian]
Alipius, Cicero und King Bear haben es bereits Beleuchtet. Ich möchte auch noch einen Gedanken beisteuern.

Was mir beim derzeit diskutierten Albtraum („Zukunftsvision“) auffällt: er ist ohne jeden Inhalt. Was dort beschrieben wird, ist nicht die Kirche, sondern die Wahrnehmung der Kirche durch andere. Was man an Strukturen sehen kann, was man von ihren Mitgliedern mitbekommt. Diese Kirche definiert sich durch ihre Außenwirkung. Der Inhalt wird nicht nur relativiert („…Gott, wie sie sagen.“), sondern regelrecht abgeschafft: „Da es keine konfessionellen Kirchen mehr gibt, achtet eine ökumenisch vereinte christliche Kirche darauf, dass ihre Kirchenzentren ein sehr vielfältiges Angebot bieten, um den unterschiedlichen Traditionen gerecht zu werden.
In der Ökumene geht es um die Wahrheit, die in Gott liegt, nicht um Traditionen, die mit einem bunten Angebot hinreichend integriert sind. Die Ökumene ist deshalb so schwierig, weil genau das eben nicht geht. Die Kirchenspaltung ist einerseits ein Skandal, aber andererseits ein Zeugnis: der Christ steht zu dem, was er von Gott erkannt hat. Mir ist jeder überzeugte Protestant als Diskussionspartner lieber, als jemand, der nicht versteht, dass es nicht um Menschliches, sondern um Gott geht. Lieber ringen auf einer letztlich gemeinsamen Basis in Jesus Christus, als Spiegelfechtereien mit einer Fassade ohne Inhalt.

Die ganze Vision ist damit für mich unlogisch. Sie funktioniert nicht. So dumm sind die Menschen nicht: sie suchen nach Inhalten, nicht nach Fassaden. Der Schreiber der Vision kaufe sich einfach einmal eine Autozeitschrift. Dort wird er finden: die Leute haben gern schicke und trendige Wagen, doch sie schauen, was die unter der Haube haben. Mit Außenwirkung pur verkauft man gar nichts, dafür macht man sich gründlich lächerlich, wenn man es versucht, wenn man nicht gar des Betrugs verdächtigt wird. Genauso wird niemand in eine Kirche gehen, weil die Kirche so besonders schick ist, sondern nur, weil man darin etwas findet: Gott.

Wir brauchen keine Kirche, in der die Mitglieder toll sind. Wir brauchen eine Kirche, die Gott erstrahlen lässt, nicht sich selbst. Wo der Glaube als gelebte Freundschaft mit Gott die höchste Qualifikation ist, höher als Management, Integrationsfähigkeit, Feierlichkeit, Schwungfülle und wie sie alle heißen. Eine Vision der Kirche für sich ist so sinnvoll wie eine Vision von Äpfeln ohne Apfelbaum, im naiven Glauben, dass man die ja organisieren, kaufen, präsentieren und appetitlich polieren kann.
Wir brauchen keine Visionäre, die uns gesellschaftlich erfolgreiche Zustände verkünden, sondern Menschen, die Gott schauen und IHN verkünden. Der Rest ist Beiwerk, das keine Vision lohnt.

Mittwoch, April 08, 2015

Bußgesinnung spontan formuliert

[Von Bastian]
Das schoss mir gestern so durch den Kopf: Schade, dass ich keinen Kasten Bier mit in den Himmel nehmen kann (wenn ich denn dort hin komme). Da mühen sich Christus, Maria, Schutzengel und etliche Heilige ab, mich auf dem richtigen Weg zu halten, und ich benehme mich derart daneben. Ich sollte denen vielleicht mal einen ausgeben...

Montag, April 06, 2015

Ostern in der Familie

[Von Bastian]
Aus aktuellem Anlass wieder hoch geholt.

So sieht das Trauerkreuz aus.

Bei uns in der Familie hat sich ein Brauch gehalten, den wir ursprünglich für unsere Kinder ins Leben riefen, als die noch im Vorschulalter waren: das Darstellen des Ostergeschehens durch ein Stoffkreuz. Das ergänzt seit Jahren für uns die Osterliturgie.

Am Gründonnerstag wird abends ein ca. DIN A5 großes schwarzes Kreuz aus Stoff auf dem Wohnzimmertisch ausgelegt. Die schwarze Farbe steht für die Leiden Jesu am Ölberg. Wir beten mit der Familie kurz am Kreuz.

Am Karfreitag wird das Kreuz mit roten Blütenblättern und Dornen "geschmückt". Wir haben ein kurzes Gebet im Gedenken an die Kreuzigung.

Am Karfreitag, am Abend, wird das Kreuz als Grab hergerichtet: jeder stellt eine Blume daneben.




So sieht das Auferstehungskreuz aus.


Am Ostersonntag wird das Kreuz
mit einem weiteren Kreuz überdeckt: dem Jubelkreuz. Es ist rot und golden und prächtig. Es wird so auf das Trauerkreuz gelegt, dass ein schmaler schwarzer Rand sichtbar bleibt: auch im Jubel wird nicht vergessen, dass Christus ihn uns durch sein Leiden erkauft hat und dass es die Grundlage unserer Freude ist.

Dazu wird alles mit Blumen geschmückt: unser Ostertisch ist knallbunt. Dabei bleiben die Grabesblumen der Trauer stehen, nur dass sie jetzt zu einem Teil der viel größeren Menge an Blumen der Freude geworden sind.

Wir haben eine kurze Familienandacht am Auerstehungskreuz.







Diese Darstellung hat den Kindern und uns so gut gefallen, dass sie inzwischen über 10 Jahre bei uns Brauch ist, auch wenn die Kinder längst alle Messdiener sind.
Die Idee ist von meiner Mutter.

Dienstag, März 31, 2015

Zölibatären-Quote!

[Von Bastian]
Irgendwo habe ich gelesen, dass in einer Behörde oder so künftig auch LSBTI vertreten sein soll. Leider habe ich den Kink nicht mehr. Jeder soll vertreten sein, niemand darf ausgegrenzt werden.
Zu einer vernünftigen beruflichen Qualifikation gehört heutzutage die Information, mit wem man ins Bett steigen möchte. Der Seiteneinstieg über die Quote ist zeitgemäß: für eine transsexuelle Veganerin mit Migrationshintergrund genügt wahrscheinlich künftig die mittlere Reife, wo ein verheirateter männlicher Deutscher einen Hochschulabschluss mit Auszeichnung braucht.
Was ich allerdings vermisse, ist die Quote für die, die mit niemandem ins Bett möchten. Die selbstbestimmt über ihre Sexualität entscheiden und zu dem Schluss kommen, dass sie einen Weg wählen, der ohne Sexualkontakte auskommt. Doch deren Lobby ist schwach.
Vielleicht sollte man etwas an der sprachlichen Vermittlung ändern? „Ich lebe enthaltsam“ klingt nach Einschränkung - „Ich bin zöli!“ dagegen wäre ein echtes Outing. Ziel muss sein, dass in jeder Regierung und in jedem Aufsichtsrat mindestens eine Person Priester, Nonne oder Mönch ist. Dem Land täte das gut.

Ergänzung: es ist der Fernsehrat des ZDF und hier ist der LINK.

Montag, März 30, 2015

Hypothesen allenthalben

[Von Bastian]
Glaubt man so mancher Diskussion, besteht eines der Hauptprobleme des Papstes darin, dass er sich missverständlich ausdrückt. Erstaunlicherweise fragt jedoch in den wenigsten der Debatten darüber jemand danach, was der Papst denn gemeint hat. Stattdessen wird analysiert, auf welche Weise jemand anderes es falsch verstehen könnte, wenn er es falsch verstehen will. Ein atheistischer Journalist zum Beispiel.
Das ist zwar ziemlich sinnlos, denn es ist doch klar, dass man alles falsch verstehen und wiedergeben kann, wenn man will und ein wenig zu schreiben versteht. Dennoch wird in dieser Richtung immer wieder eine Art Wasserdichtigkeit eingefordert. Zum Vergleich wird dann Benedikt XVI herangezogen, dessen Worte mindestens ebenso häufig falsch verstanden wurden wie die von Franziskus.
Nun ist natürlich nichts daran schlimm, wenn man versucht, durch eine klare Sprache den Inhalt präzise beim Hörer ankommen zu lassen – im Gegenteil. Doch Aussagen nicht danach zu beurteilen, was sie mir sagen, sondern danach, was ich denke, dass sie einem Dritten sagen könnten, wenn er das, was sie eigentlich mir sagen müssten (wenn sie richtig formuliert wären), nicht hören will, ist doch etwas von hinten durch die Brust ins Auge.
Hypothesen allenthalben. Es ist kompliziert, irgendwie…

Freitag, März 27, 2015

Der Papst, die Freude, die Lehre und ich

[Von Bastian]
Die Freude des Evangeliums sei der Prüfstein des Gesetzes, heißt es aus Rom. Dankenswerter Weise wird das verbreitet. Emotionen seien unzuverlässig, die Lehre der Kirche jedoch sei wahr und daher der wahre Quell der Freude, wird dem jedoch in den Kommentaren entgegen gehalten (LINK mit seinen Kommentaren). Dieser Widerspruch macht mich nachdenklich. Das merkwürdige daran ist doch, dass es gar keiner ist, aber dennoch so verstanden wird.

Von oberflächlichen Emotionen spricht Franziskus nirgends. Wenn aus der Lehre „wahre, echte Freude“ entspringt, ist es genau das, was er fordert: Freude, die aus dem Glauben erwächst. Komischerweise wird dem Papst unterstellt, er denke da anders.
An keiner Stelle wendet sich der Papst gegen die Lehre, im Gegenteil: er präzisiert, worauf sie hinaus läuft, auf die Freude nämlich, und er erkennt so den Baum an seinen Früchten.

Es scheint für viele schwer zu sein, hier mit dem Papst konform zu gehen. Viele scheinen darauf zu warten, dass er endlich die Dinge beim Namen nennt und mit dem Irrtum aufräumt, damit der Glaube wieder erstarken kann. Offenbar sind mit den beim Namen zu nennenden Dingen allerdings meist die Dinge gemeint, die man ohnehin schon selbst im Kopf hat. Das kenne ich von mir selbst: wie schön ist Bestätigung und wie aufreibend Ermahnung! Es ist schwer geworden, in Deutschland zu glauben. Es ist schwer geworden, treu zur Kirche zu stehen, wenn deren Lehre überall angegriffen wird. Ein wenig Rückenstärkung könnte man schon gebrauchen. Wie oft wünsche ich mir, das bestätigt zu bekommen, um das ich ringe.

Doch worum ringe ich eigentlich genau? Um die Liebe Gottes muss ich nicht ringen – die habe ich. Gott muss ich nicht imponieren, auch nicht mit Rechtgläubigkeit. Doch es wäre verkürzt, das Problem hier anzusiedeln. Zwar hört man manchmal das Argument, man setze auf Werkgerechtigkeit, wenn man sich bemüht, der Lehre zu folgen. Doch das ist Unsinn. Wer der Lehre folgen will, oder zumindest die meisten davon, tut das nicht, weil er Gesetze toll findet, sondern weil er Christus so antworten will, wie es richtig und angemessen ist. Das ist es, worum ich ringe: meine Antwort auf die Liebe Christi. Und da habe ich die Lehre in ihrer Schönheit kennen gelernt. Etwas zumindest.
Ich gebe es gern zu: nach dem theologischen Papst Benedikt war ich irritiert über den anderen Schwerpunkt, den Franziskus in seinem Pontifikat legt. So lange, bis ich merkte, dass ich ihn ständig durch den Filter meiner eigenen Erwartungen und Erkenntnisse wahrnahm. Ich stand mir selbst im Weg, auch wenn mir klar war, dass Papsttreue nicht heißt, einen Menschen und seine Art zu reden zu mögen, sondern sich dem Amt des Bischofs von Rom unterzuordnen. Und damit auch diesem Papst.
Inzwischen denke ich, dass er das Beste ist, was uns und gerade Deutschland passieren konnte. Und auch was mir passieren konnte: er bricht meine Denkstrukturen auf. Und ich muss zugeben, dass seine Worte genau das beschreiben, was die praktische Umsetzung der Lehre ist: gesendet sein, um den Menschen eine gute, DIE gute Nachricht zu bringen. Dazu treffen mich seine Worte immer wieder.

Wenn er Freude und Barmherzigkeit predigt, ist es einfach nicht die richtige Antwort, nach Fällen zu suchen, auf die das nicht passt. Möglichst unter den Heiligen, weil es ja nicht sein kann, dass der Papst etwas anderes predigt, als was die erfuhren. Es bringt nichts, ihm zu unterstellen, er wolle ein leichtes, lockeres, fröhliches und letztlich seichtes Christentum, das die Tiefe der Tradition und Lehre vernachlässige. Nichts von dem stimmt.
Wenn wir, die um eine liebevolle Antwort auf Christus ringen, nicht begreifen, dass die gute Nachricht eine Freudenbotschaft ist – wer soll es dann begreifen? Wenn diese Freude aus Glauben und Treue zur Lehre entspringt, unterstützt sie die Worte des Papstes dreimal. Ein Gegenargument ist das nicht.
Unsere Freude und unsere Liebe sind die einzigen Antworten, die den von den Medien aufgezwungenen Themen noch etwas entgegenzusetzen haben. In dieser Hinsicht trifft mich Papst Franziskus mit seinen Worten immer wieder. Ich kann das sehr gut gebrauchen und bin froh, dass er da ist und dass er ist, wie er ist.

Mittwoch, März 25, 2015

Ornithologisches Tagebuch

Die hier aufgelisteten Vögel wurden im Jahr 2015 beobachtet oder gehört. Mit Eisvogel, Habicht, Silberreiher und den ganzen Gänsen und Enten sind ein paar echte Schätze dabei.
Die Links führen zu Vorstellungen der Vögel, teils mit Aufnahmen der Vogelstimmen. Fotos und Tonaufnahmen sind von einem Freund und mir selbst gemacht.

  1. Amsel
  2. Blässhuhn
  3. Blaumeise
  4. Buchfink
  5. Buntspecht
  6. Dohle
  7. Dompfaff
  8. Eisvogel
  9. Erlenzeisig
  10. Gartenbaumläufer
  11. Graugans
  12. Graureiher
  13. Grünling
  14. Grünspecht
  15. Habicht
  16. Halsbandsittich
  17. Haubenmeise
  18. Haussperling
  19. Heckenbraunelle
  20. Höckerschwan
  21. Kanadagans
  22. Kleiber
  23. Kohlmeise
  24. Kormoran
  25. Krickente
  26. Löffelente
  27. Mäusebussard
  28. Misteldrossel
  29. Möwe
  30. Nilgans
  31. Pfeifente
  32. Rabenkrähe
  33. Rostgans
  34. Rotkehlchen
  35. Rotmilan
  36. Schnatterente
  37. Schwanzmeise
  38. Silberreiher
  39. Singdrossel
  40. Sperber
  41. Star
  42. Stieglitz
  43. Stockente
  44. Teichhuhn
  45. Türkentaube
  46. Turmfalke
  47. Wachholderdrossel
  48. Waldkauz
  49. Weidenmeise
  50. Weißstorch
  51. Wintergoldhähnchen
  52. Zaunkönig
  53. Zilpzalp

Dienstag, März 24, 2015

Gedanken zur Ehe: ein guter Wein?

[Von Bastian]
„Ein guter Wein ist: wenn du zu viel davon trinkst, darfst du nicht mehr Auto fahren.“
Die Weinindustrie wäre entsetzt, würde Wein in der Öffentlichkeit auf diese Weise präsentiert. Mit Recht.
Doch was könnte sie tun, wenn sich dieses Thema verselbständigt? Abstreiten kann sie es nicht – es stimmt. Das schlimmste, was ihr passieren könnte, wäre eine Diskussion um eine Aufweichung der Promillegrenze, in der sie als verantwortungsvoller Weinproduzent selbst nur noch über die Nachteile reden müsste.
Die Weinindustrie würde mit Sicherheit eine große Werbekampagne starten, die zeigt, was ein guter Wein ist, nicht, was er nicht ist. Was er bringt, wenn man ihn genießt, nicht, was er verhindert. Hätte die Weinindustrie in ihren Reihen eine Werbeagentur, die sich mit Freude auf die von der Presse aufgezwungene Diskussion stürzt, sie anheizt und die Promillegrenze als wichtige Eigenschaft des Weins herausstellt, würde diese Agentur irgendwann kaltgestellt, so recht sie auch hat.

Nun gibt es in der Kirche guten alten Wein und guten neuen Wein und dazu die passenden Schläuche. Die Ehe ist ein besonders guter, den es in jedem Jahrgang gibt. Ein Dauerbrenner, ein Spitzenprodukt, eines ihrer großen Aushängeschilder. Doch wie wird er beworben? „Ehe ist: wenn du sie brichst, darfst du nicht mehr zur Kommunion gehen.“ Das stimmt. Und es hat sich verselbständigt. Verglichen mit dem Beispiel oben sind wir längst bei der Aufweichung der Promillegrenze angekommen. Was fehlt, ist die Werbekampagne auf deutschem Boden.

Nun haben wir einen Papst, der immerzu genau dazu aufruft: genießt den Wein des Glaubens und erzählt anderen davon. Werbt! Missioniert! Und ich ertappe mich dabei, Mitarbeiter der Werbeagentur zu sein, die sich in unheilvolle Diskussionen verwickeln lässt; unheilvoll, weil sie zwar Recht hat, aber zugleich das Thema so sehr verkürzt, dass es zum Rückzugsgefecht für die christliche Ehe wird. Anstatt ihn zu bewerben, stellt sie den guten Wein der Ehe als ein Nischenprodukt für Kenner dar, das von der Mehrheit, angeblich größtenteils fuselsaufende Banausen ohne Bewusstsein für die Promillegrenze, gar nicht mehr geschätzt werden kann.

Die Wahrheit ist mehr als ein wichtiger Teilaspekt und man kann sich darin verheddern. Man kann die Wahrheit sagen und sie zugleich verschleiern. Jörg Splett schreibt als Beispiel: Der Satz „der Mensch ist eine instabile Fett-Eiweiß-Verbindung“ verstelle den Blick auf den Menschen, obwohl er prinzipiell wahr sei. Pars pro toto, der Teil für das Ganze, funktioniert einfach nicht immer. Die Ehe ist mit dem Aspekt des Kommunionempfangs schlicht falsch beschrieben. Falsch, weil es sinnlos ist, das Fehlen von etwas zu sanktionieren, was niemand kennt. So sinnlos wie der Versuch, Mittellose dadurch zu versorgen, dass man sie vor Schulden warnt.

Ich muss zuerst wissen, was die Ehe ist, bevor ich begreifen kann, was das für Folgen hat. Ich muss wissen, dass sie ein Wein höchster Qualität ist, ein Spitzenprodukt und eine einmalige Gelegenheit für das eigene Leben. Ich muss sie schmecken und erleben, bei mir und bei anderen. Ich brauche Menschen, die begeistert verheiratet sind, die davon erzählen und ihre Erfahrungen mit mir teilen. Die Ehe muss beworben werden.
Ich denke, die Agentur muss umdenken. Ich muss umdenken.

Freitag, März 20, 2015

Katharina 2.0?

Der offene Brief „Eminenz Marx, I have a dream“ (LINK) spricht mir in vielem aus der Seele. Auch ich halte den Ausspruch von Kardinal Marx für sehr missverständlich (mindestens!) und zu Interpretationen in jeder Richtung geradezu einladend. Er macht mir Bauchweh. Auch ich denke, dass der Kirche in Deutschland oft mehr Klarheit über das, was sie denn glaubt, gut täte. Derzeit sehe ich da oft eher die Tendenz, vor lauter Lust auf Niedrigschwelligkeit, Dialog und Augenhöhe die Bordwand des Schiffes Kirche bis mindestens auf Höhe des Wasserspiegels einzureißen. So dass die zu Rettenden leicht hinein können, am besten ohne das Wasser überhaupt verlassen zu müssen (LINK, LINK). Dass so das Boot kaum noch einem Sturm standhalten kann, wird offenbar leicht vergessen. Hier stimme ich zu. Aber dennoch kann ich mich mit diesem Brief nicht anfreunden.

Ich könnte eine Antwort darauf mit den Worten beginnen: Liebe, sehr geehrte Frau Bonelli, Sie als Studentin der Kommunikationswissenschaften schreiben so weiblich intuitiv, überlegt und tief, dass ich armer Architekt eigentlich nur mehr… schweigen kann. Nun, ein Blick auf die Länge dieses Beitrags zeigt, dass ich genau das nicht vorhabe, genauso wenig wie die Autorin des oben verlinkten offenen Briefes es vorhatte. Ein solcher Anfang dient dazu, das Folgende als klein und etwas demütig hilflos hinzustellen. Nur: genau das ist es nicht.
Die Autorin schreibt zwar, sie könne die Aussage „… auf der theologischen und intellektuellen Ebene natürlich nicht abschließend beurteilen. Dazu bin ich weder befugt noch befähigt.“. Sie schreibt, sie könne eigentlich nur schweigen, und stellt ihre eigenen Ideen als Traum hin (um damit im Nebensatz Martin Luther King für sich in Anspruch zu nehmen). Doch sie schreibt als Schluss: „Als Kommunikationswissenschaftlerin garantiere ich Ihnen damit neben der notwendigen Richtigstellung die volle mediale Aufmerksamkeit, viele nachdenkliche Gesichter und vielleicht auch die eine oder andere Bekehrung“.
Darin sind drei klare Aussagen enthalten: einmal „Ich weiß es sachlich besser und Sie täten gut daran, Ihre Aussage richtig zu stellen“, dann „Ich verstehe von Kommunikation mehr als Sie“ und zudem „Ihre Theologie reißt niemanden vom Hocker, aber meine könnte Menschen bekehren“. Das zu denken und zu sagen ist jedermanns gutes Recht. Aber dann soll man es bitte auch aussprechen. Was mich massiv stört, ist der Stil, zu versuchen, die Ohrfeige als untertänige Streicheleinheit zu verkaufen. Wie eine Freundin schrieb: „Beleidigungen schreibe ich nicht zwischen „Eminenz“ und „Ihre ergebenste“.

Die Schreiberin unterscheidet sehr zwischen männlicher und weiblicher Denkweise. „Mut gemacht hat mir neben meinem wachsenden Wissen als Kommunikationswissenschaftlerin auch das Bewusstsein meiner Weiblichkeit: ich glaube, Männer können gut (zu-) ordnen und systematisieren, aber Frauen erspüren mehr“ und „Sie haben diesen markigen Satz recht männlich-selbstbewusst ausgesprochen, der sich entsprechend medial verbreitet hat".
Abgesehen davon, dass Kardinal Marx diesen Satz („Wir sind keine Filiale von Rom“) wohl auch mit größter Anstrengung nur ziemlich unvollkommen weiblich-intuitiv hätte aussprechen können, steht der Brief dazu in krassem Widerspruch. Die Schreiberin hat zwar, ganz weiblich, dabei „als Frau trotzdem ein ungutes Gefühl“, doch was folgt, ist eine knallharte kommunikationswissenschaftliche Analyse, Systematisierung und Zuordnung des Steins des Anstoßes. Bis hin zur Gefahr durch Diktatoren und das, wie ich finde, ohne allzu viel Feingefühl. Sachlich teils interessant, doch mehr als deutlich haut sie dem Kardinal eine Zusammenstellung von Kirchenvätern, Synodenvorbereitungen, Aussagen, Psychologie und Wissenschaft um die Ohren, dass es eine Freude ist, wenn man an so etwas Freude hat. Es kann nur ein Ergebnis dabei heraus kommen. Wieder wird ein Anspruch auf Einfachheit und Schlichtheit erhoben, der in keiner Weise umgesetzt wird.

Am Schluss des langen Briefes endlich steht das, was die Schreiberin für die Lösung hält: ihr „dream“, eine Rede des Kardinals, die sie sich wünscht. Die Deutschsprachige Kirche sei „dekadent, lau und feige geworden“. „Die Theologen brauen ungehorsam ihr eigenes selbstgefälliges Süppchen“. „Bischöfe fürchten mehr die Medien als Gott“. „den Laien geht es mehr um eitle Ämter und angesehene Positionen und als um den Dienst und das Gebet“. Eine schlimme Verallgemeinerung, wie ich finde. Damit bin ich gemeint. Damit ist jeder Katholik hier gemeint. Damit sind alle gemeint, die in diesem Land mit seinen Verführungen und Versuchungen leben und darin um ihren Glauben ringen. Damit sind alle gemeint, die den Wunsch Roms (ohne dass es laut Schreiberin nicht geht!) nach Evangelisierung ernst nehmen und versuchen, auf die Menschen zu zugehen. Die unter Seelsorge und Mission mehr verstehen, als dem geknickten Halm klar zu machen, er sei eine ungläubige Flasche, die gerade im Zeitgeist versinkt.

Zum Schluss versuche ich es jetzt selbst einmal „weiblich“, wie die Autorin es offenbar versteht, und schreibe einfach meine intuitiven Gefühle dazu auf.
Auch wenn er sicher nicht so gemeint ist: der „dream“ ist für mich eine Unverschämtheit, die ihresgleichen sucht. (Entschuldigung für die harten Worte.) Diese Art der vorgegebenen Schlichtheit und Rechtgläubigkeit, hinter der sich ein gewaltiges Recht-Haben zu verbergen sucht, empfinde ich wie eine Klammer, die sich um das Herz legt. Wie eine Wand, die ich angeblich überwinden muss, um glauben zu können. Rechtgläubigkeit erscheint mir hier so moralinsauer, dass sie beinahe ungenießbar wird. Und sie erhebt einen Anspruch, der ihr nicht zusteht: Christus rettet, nicht dir Richtigkeit. Für mich kommt erst die Freundschaft mit Gott, dann deren Ausgestaltung. Theologie in allen Ehren, so sehr sie mich interessiert und so wichtig sie ist.

Freitag, März 06, 2015

Auge um Auge…

[Von Bastian] „Auge um Auge, Zahn um Zahn…“ 3.Mose 24,19-20 wird in Diskussionen immer wieder als Beweis für die Brutalität des Alten Testaments herangezogen. Zu Unrecht, wie ich meine.
Klar kann man sich hinstellen und aus heutiger Sich vertreten, es wäre menschlicher, hieße es „Hilfe um Auge, Therapie um Zahn…“
Doch was war der Spruch vor Tausenden von Jahren? Ich denke, er war eine Revolution: der Rache waren Grenzen gesetzt, die Rechtsprechung war der Willkür entzogen, die Höhe der Strafe stand fest. Und jeder konnte es nachvollziehen. Plötzlich hatte der Beschuldigte in seiner Schuld Rechte. Der Ankläger war gezwungen, mit dem Angeklagten auf einer Stufe zu stehen. Ihm wie dem Angeklagten widerfuhr Gerechtigkeit.

Eine Sichtweise, die völlig neu gewesen sein dürfte. Und die ausbaufähig war: im Laufe der Zeit wurde Israel so bereitet, dass einige aus dem Volk dem folgen konnten, der diese Sichtweise auf die Spitze trieb: wenn mein Gegner vor Gott dieselben Rechte hat wie ich, hat er dieselbe Würde wie ich. Er ist mein Nächster und ich muss ihn lieben. Wenn ich Sünder bin, brauche ich Gnade. Und wenn nach dem Prinzip der Gerechtigkeit mir und meinem Feind dasselbe widerfahren soll, muss ich für ihn um Gnade bitten, denn es ist zugleich Gnade für mich.

Vom vielleicht umstrittensten Punkt des Alten Testaments zur Feindesliebe ist für mich eine Entwicklung erkennbar, die Augen und Zähne in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

Donnerstag, März 05, 2015

Nur mal so daher gesagt...

Die Wahrheit von ihrer Zeit abhängig zu machen ist genauso sinnvoll, wie das Datum per Dogma festzuschreiben.