Dienstag, März 31, 2015

Zölibatären-Quote!

[Von Bastian]
Irgendwo habe ich gelesen, dass in einer Behörde oder so künftig auch LSBTI vertreten sein soll. Leider habe ich den Kink nicht mehr. Jeder soll vertreten sein, niemand darf ausgegrenzt werden.
Zu einer vernünftigen beruflichen Qualifikation gehört heutzutage die Information, mit wem man ins Bett steigen möchte. Der Seiteneinstieg über die Quote ist zeitgemäß: für eine transsexuelle Veganerin mit Migrationshintergrund genügt wahrscheinlich künftig die mittlere Reife, wo ein verheirateter männlicher Deutscher einen Hochschulabschluss mit Auszeichnung braucht.
Was ich allerdings vermisse, ist die Quote für die, die mit niemandem ins Bett möchten. Die selbstbestimmt über ihre Sexualität entscheiden und zu dem Schluss kommen, dass sie einen Weg wählen, der ohne Sexualkontakte auskommt. Doch deren Lobby ist schwach.
Vielleicht sollte man etwas an der sprachlichen Vermittlung ändern? „Ich lebe enthaltsam“ klingt nach Einschränkung - „Ich bin zöli!“ dagegen wäre ein echtes Outing. Ziel muss sein, dass in jeder Regierung und in jedem Aufsichtsrat mindestens eine Person Priester, Nonne oder Mönch ist. Dem Land täte das gut.

Ergänzung: es ist der Fernsehrat des ZDF und hier ist der LINK.

Montag, März 30, 2015

Hypothesen allenthalben

[Von Bastian]
Glaubt man so mancher Diskussion, besteht eines der Hauptprobleme des Papstes darin, dass er sich missverständlich ausdrückt. Erstaunlicherweise fragt jedoch in den wenigsten der Debatten darüber jemand danach, was der Papst denn gemeint hat. Stattdessen wird analysiert, auf welche Weise jemand anderes es falsch verstehen könnte, wenn er es falsch verstehen will. Ein atheistischer Journalist zum Beispiel.
Das ist zwar ziemlich sinnlos, denn es ist doch klar, dass man alles falsch verstehen und wiedergeben kann, wenn man will und ein wenig zu schreiben versteht. Dennoch wird in dieser Richtung immer wieder eine Art Wasserdichtigkeit eingefordert. Zum Vergleich wird dann Benedikt XVI herangezogen, dessen Worte mindestens ebenso häufig falsch verstanden wurden wie die von Franziskus.
Nun ist natürlich nichts daran schlimm, wenn man versucht, durch eine klare Sprache den Inhalt präzise beim Hörer ankommen zu lassen – im Gegenteil. Doch Aussagen nicht danach zu beurteilen, was sie mir sagen, sondern danach, was ich denke, dass sie einem Dritten sagen könnten, wenn er das, was sie eigentlich mir sagen müssten (wenn sie richtig formuliert wären), nicht hören will, ist doch etwas von hinten durch die Brust ins Auge.
Hypothesen allenthalben. Es ist kompliziert, irgendwie…

Freitag, März 27, 2015

Der Papst, die Freude, die Lehre und ich

[Von Bastian]
Die Freude des Evangeliums sei der Prüfstein des Gesetzes, heißt es aus Rom. Dankenswerter Weise wird das verbreitet. Emotionen seien unzuverlässig, die Lehre der Kirche jedoch sei wahr und daher der wahre Quell der Freude, wird dem jedoch in den Kommentaren entgegen gehalten (LINK mit seinen Kommentaren). Dieser Widerspruch macht mich nachdenklich. Das merkwürdige daran ist doch, dass es gar keiner ist, aber dennoch so verstanden wird.

Von oberflächlichen Emotionen spricht Franziskus nirgends. Wenn aus der Lehre „wahre, echte Freude“ entspringt, ist es genau das, was er fordert: Freude, die aus dem Glauben erwächst. Komischerweise wird dem Papst unterstellt, er denke da anders.
An keiner Stelle wendet sich der Papst gegen die Lehre, im Gegenteil: er präzisiert, worauf sie hinaus läuft, auf die Freude nämlich, und er erkennt so den Baum an seinen Früchten.

Es scheint für viele schwer zu sein, hier mit dem Papst konform zu gehen. Viele scheinen darauf zu warten, dass er endlich die Dinge beim Namen nennt und mit dem Irrtum aufräumt, damit der Glaube wieder erstarken kann. Offenbar sind mit den beim Namen zu nennenden Dingen allerdings meist die Dinge gemeint, die man ohnehin schon selbst im Kopf hat. Das kenne ich von mir selbst: wie schön ist Bestätigung und wie aufreibend Ermahnung! Es ist schwer geworden, in Deutschland zu glauben. Es ist schwer geworden, treu zur Kirche zu stehen, wenn deren Lehre überall angegriffen wird. Ein wenig Rückenstärkung könnte man schon gebrauchen. Wie oft wünsche ich mir, das bestätigt zu bekommen, um das ich ringe.

Doch worum ringe ich eigentlich genau? Um die Liebe Gottes muss ich nicht ringen – die habe ich. Gott muss ich nicht imponieren, auch nicht mit Rechtgläubigkeit. Doch es wäre verkürzt, das Problem hier anzusiedeln. Zwar hört man manchmal das Argument, man setze auf Werkgerechtigkeit, wenn man sich bemüht, der Lehre zu folgen. Doch das ist Unsinn. Wer der Lehre folgen will, oder zumindest die meisten davon, tut das nicht, weil er Gesetze toll findet, sondern weil er Christus so antworten will, wie es richtig und angemessen ist. Das ist es, worum ich ringe: meine Antwort auf die Liebe Christi. Und da habe ich die Lehre in ihrer Schönheit kennen gelernt. Etwas zumindest.
Ich gebe es gern zu: nach dem theologischen Papst Benedikt war ich irritiert über den anderen Schwerpunkt, den Franziskus in seinem Pontifikat legt. So lange, bis ich merkte, dass ich ihn ständig durch den Filter meiner eigenen Erwartungen und Erkenntnisse wahrnahm. Ich stand mir selbst im Weg, auch wenn mir klar war, dass Papsttreue nicht heißt, einen Menschen und seine Art zu reden zu mögen, sondern sich dem Amt des Bischofs von Rom unterzuordnen. Und damit auch diesem Papst.
Inzwischen denke ich, dass er das Beste ist, was uns und gerade Deutschland passieren konnte. Und auch was mir passieren konnte: er bricht meine Denkstrukturen auf. Und ich muss zugeben, dass seine Worte genau das beschreiben, was die praktische Umsetzung der Lehre ist: gesendet sein, um den Menschen eine gute, DIE gute Nachricht zu bringen. Dazu treffen mich seine Worte immer wieder.

Wenn er Freude und Barmherzigkeit predigt, ist es einfach nicht die richtige Antwort, nach Fällen zu suchen, auf die das nicht passt. Möglichst unter den Heiligen, weil es ja nicht sein kann, dass der Papst etwas anderes predigt, als was die erfuhren. Es bringt nichts, ihm zu unterstellen, er wolle ein leichtes, lockeres, fröhliches und letztlich seichtes Christentum, das die Tiefe der Tradition und Lehre vernachlässige. Nichts von dem stimmt.
Wenn wir, die um eine liebevolle Antwort auf Christus ringen, nicht begreifen, dass die gute Nachricht eine Freudenbotschaft ist – wer soll es dann begreifen? Wenn diese Freude aus Glauben und Treue zur Lehre entspringt, unterstützt sie die Worte des Papstes dreimal. Ein Gegenargument ist das nicht.
Unsere Freude und unsere Liebe sind die einzigen Antworten, die den von den Medien aufgezwungenen Themen noch etwas entgegenzusetzen haben. In dieser Hinsicht trifft mich Papst Franziskus mit seinen Worten immer wieder. Ich kann das sehr gut gebrauchen und bin froh, dass er da ist und dass er ist, wie er ist.

Mittwoch, März 25, 2015

Ornithologisches Tagebuch

Die hier aufgelisteten Vögel wurden im Jahr 2015 beobachtet oder gehört. Mit Eisvogel, Habicht, Silberreiher und den ganzen Gänsen und Enten sind ein paar echte Schätze dabei.
Die Links führen zu Vorstellungen der Vögel, teils mit Aufnahmen der Vogelstimmen. Fotos und Tonaufnahmen sind von einem Freund und mir selbst gemacht.

  1. Amsel
  2. Blässhuhn
  3. Blaumeise
  4. Buchfink
  5. Buntspecht
  6. Dohle
  7. Dompfaff
  8. Eisvogel
  9. Erlenzeisig
  10. Gartenbaumläufer
  11. Graugans
  12. Graureiher
  13. Grünling
  14. Grünspecht
  15. Habicht
  16. Halsbandsittich
  17. Haubenmeise
  18. Haussperling
  19. Heckenbraunelle
  20. Höckerschwan
  21. Kanadagans
  22. Kleiber
  23. Kohlmeise
  24. Kormoran
  25. Krickente
  26. Löffelente
  27. Mäusebussard
  28. Misteldrossel
  29. Möwe
  30. Nilgans
  31. Pfeifente
  32. Rabenkrähe
  33. Rostgans
  34. Rotkehlchen
  35. Rotmilan
  36. Schnatterente
  37. Schwanzmeise
  38. Silberreiher
  39. Singdrossel
  40. Sperber
  41. Star
  42. Stieglitz
  43. Stockente
  44. Teichhuhn
  45. Türkentaube
  46. Turmfalke
  47. Wachholderdrossel
  48. Waldkauz
  49. Weidenmeise
  50. Weißstorch
  51. Wintergoldhähnchen
  52. Zaunkönig
  53. Zilpzalp

Dienstag, März 24, 2015

Gedanken zur Ehe: ein guter Wein?

[Von Bastian]
„Ein guter Wein ist: wenn du zu viel davon trinkst, darfst du nicht mehr Auto fahren.“
Die Weinindustrie wäre entsetzt, würde Wein in der Öffentlichkeit auf diese Weise präsentiert. Mit Recht.
Doch was könnte sie tun, wenn sich dieses Thema verselbständigt? Abstreiten kann sie es nicht – es stimmt. Das schlimmste, was ihr passieren könnte, wäre eine Diskussion um eine Aufweichung der Promillegrenze, in der sie als verantwortungsvoller Weinproduzent selbst nur noch über die Nachteile reden müsste.
Die Weinindustrie würde mit Sicherheit eine große Werbekampagne starten, die zeigt, was ein guter Wein ist, nicht, was er nicht ist. Was er bringt, wenn man ihn genießt, nicht, was er verhindert. Hätte die Weinindustrie in ihren Reihen eine Werbeagentur, die sich mit Freude auf die von der Presse aufgezwungene Diskussion stürzt, sie anheizt und die Promillegrenze als wichtige Eigenschaft des Weins herausstellt, würde diese Agentur irgendwann kaltgestellt, so recht sie auch hat.

Nun gibt es in der Kirche guten alten Wein und guten neuen Wein und dazu die passenden Schläuche. Die Ehe ist ein besonders guter, den es in jedem Jahrgang gibt. Ein Dauerbrenner, ein Spitzenprodukt, eines ihrer großen Aushängeschilder. Doch wie wird er beworben? „Ehe ist: wenn du sie brichst, darfst du nicht mehr zur Kommunion gehen.“ Das stimmt. Und es hat sich verselbständigt. Verglichen mit dem Beispiel oben sind wir längst bei der Aufweichung der Promillegrenze angekommen. Was fehlt, ist die Werbekampagne auf deutschem Boden.

Nun haben wir einen Papst, der immerzu genau dazu aufruft: genießt den Wein des Glaubens und erzählt anderen davon. Werbt! Missioniert! Und ich ertappe mich dabei, Mitarbeiter der Werbeagentur zu sein, die sich in unheilvolle Diskussionen verwickeln lässt; unheilvoll, weil sie zwar Recht hat, aber zugleich das Thema so sehr verkürzt, dass es zum Rückzugsgefecht für die christliche Ehe wird. Anstatt ihn zu bewerben, stellt sie den guten Wein der Ehe als ein Nischenprodukt für Kenner dar, das von der Mehrheit, angeblich größtenteils fuselsaufende Banausen ohne Bewusstsein für die Promillegrenze, gar nicht mehr geschätzt werden kann.

Die Wahrheit ist mehr als ein wichtiger Teilaspekt und man kann sich darin verheddern. Man kann die Wahrheit sagen und sie zugleich verschleiern. Jörg Splett schreibt als Beispiel: Der Satz „der Mensch ist eine instabile Fett-Eiweiß-Verbindung“ verstelle den Blick auf den Menschen, obwohl er prinzipiell wahr sei. Pars pro toto, der Teil für das Ganze, funktioniert einfach nicht immer. Die Ehe ist mit dem Aspekt des Kommunionempfangs schlicht falsch beschrieben. Falsch, weil es sinnlos ist, das Fehlen von etwas zu sanktionieren, was niemand kennt. So sinnlos wie der Versuch, Mittellose dadurch zu versorgen, dass man sie vor Schulden warnt.

Ich muss zuerst wissen, was die Ehe ist, bevor ich begreifen kann, was das für Folgen hat. Ich muss wissen, dass sie ein Wein höchster Qualität ist, ein Spitzenprodukt und eine einmalige Gelegenheit für das eigene Leben. Ich muss sie schmecken und erleben, bei mir und bei anderen. Ich brauche Menschen, die begeistert verheiratet sind, die davon erzählen und ihre Erfahrungen mit mir teilen. Die Ehe muss beworben werden.
Ich denke, die Agentur muss umdenken. Ich muss umdenken.

Freitag, März 20, 2015

Katharina 2.0?

Der offene Brief „Eminenz Marx, I have a dream“ (LINK) spricht mir in vielem aus der Seele. Auch ich halte den Ausspruch von Kardinal Marx für sehr missverständlich (mindestens!) und zu Interpretationen in jeder Richtung geradezu einladend. Er macht mir Bauchweh. Auch ich denke, dass der Kirche in Deutschland oft mehr Klarheit über das, was sie denn glaubt, gut täte. Derzeit sehe ich da oft eher die Tendenz, vor lauter Lust auf Niedrigschwelligkeit, Dialog und Augenhöhe die Bordwand des Schiffes Kirche bis mindestens auf Höhe des Wasserspiegels einzureißen. So dass die zu Rettenden leicht hinein können, am besten ohne das Wasser überhaupt verlassen zu müssen (LINK, LINK). Dass so das Boot kaum noch einem Sturm standhalten kann, wird offenbar leicht vergessen. Hier stimme ich zu. Aber dennoch kann ich mich mit diesem Brief nicht anfreunden.

Ich könnte eine Antwort darauf mit den Worten beginnen: Liebe, sehr geehrte Frau Bonelli, Sie als Studentin der Kommunikationswissenschaften schreiben so weiblich intuitiv, überlegt und tief, dass ich armer Architekt eigentlich nur mehr… schweigen kann. Nun, ein Blick auf die Länge dieses Beitrags zeigt, dass ich genau das nicht vorhabe, genauso wenig wie die Autorin des oben verlinkten offenen Briefes es vorhatte. Ein solcher Anfang dient dazu, das Folgende als klein und etwas demütig hilflos hinzustellen. Nur: genau das ist es nicht.
Die Autorin schreibt zwar, sie könne die Aussage „… auf der theologischen und intellektuellen Ebene natürlich nicht abschließend beurteilen. Dazu bin ich weder befugt noch befähigt.“. Sie schreibt, sie könne eigentlich nur schweigen, und stellt ihre eigenen Ideen als Traum hin (um damit im Nebensatz Martin Luther King für sich in Anspruch zu nehmen). Doch sie schreibt als Schluss: „Als Kommunikationswissenschaftlerin garantiere ich Ihnen damit neben der notwendigen Richtigstellung die volle mediale Aufmerksamkeit, viele nachdenkliche Gesichter und vielleicht auch die eine oder andere Bekehrung“.
Darin sind drei klare Aussagen enthalten: einmal „Ich weiß es sachlich besser und Sie täten gut daran, Ihre Aussage richtig zu stellen“, dann „Ich verstehe von Kommunikation mehr als Sie“ und zudem „Ihre Theologie reißt niemanden vom Hocker, aber meine könnte Menschen bekehren“. Das zu denken und zu sagen ist jedermanns gutes Recht. Aber dann soll man es bitte auch aussprechen. Was mich massiv stört, ist der Stil, zu versuchen, die Ohrfeige als untertänige Streicheleinheit zu verkaufen. Wie eine Freundin schrieb: „Beleidigungen schreibe ich nicht zwischen „Eminenz“ und „Ihre ergebenste“.

Die Schreiberin unterscheidet sehr zwischen männlicher und weiblicher Denkweise. „Mut gemacht hat mir neben meinem wachsenden Wissen als Kommunikationswissenschaftlerin auch das Bewusstsein meiner Weiblichkeit: ich glaube, Männer können gut (zu-) ordnen und systematisieren, aber Frauen erspüren mehr“ und „Sie haben diesen markigen Satz recht männlich-selbstbewusst ausgesprochen, der sich entsprechend medial verbreitet hat".
Abgesehen davon, dass Kardinal Marx diesen Satz („Wir sind keine Filiale von Rom“) wohl auch mit größter Anstrengung nur ziemlich unvollkommen weiblich-intuitiv hätte aussprechen können, steht der Brief dazu in krassem Widerspruch. Die Schreiberin hat zwar, ganz weiblich, dabei „als Frau trotzdem ein ungutes Gefühl“, doch was folgt, ist eine knallharte kommunikationswissenschaftliche Analyse, Systematisierung und Zuordnung des Steins des Anstoßes. Bis hin zur Gefahr durch Diktatoren und das, wie ich finde, ohne allzu viel Feingefühl. Sachlich teils interessant, doch mehr als deutlich haut sie dem Kardinal eine Zusammenstellung von Kirchenvätern, Synodenvorbereitungen, Aussagen, Psychologie und Wissenschaft um die Ohren, dass es eine Freude ist, wenn man an so etwas Freude hat. Es kann nur ein Ergebnis dabei heraus kommen. Wieder wird ein Anspruch auf Einfachheit und Schlichtheit erhoben, der in keiner Weise umgesetzt wird.

Am Schluss des langen Briefes endlich steht das, was die Schreiberin für die Lösung hält: ihr „dream“, eine Rede des Kardinals, die sie sich wünscht. Die Deutschsprachige Kirche sei „dekadent, lau und feige geworden“. „Die Theologen brauen ungehorsam ihr eigenes selbstgefälliges Süppchen“. „Bischöfe fürchten mehr die Medien als Gott“. „den Laien geht es mehr um eitle Ämter und angesehene Positionen und als um den Dienst und das Gebet“. Eine schlimme Verallgemeinerung, wie ich finde. Damit bin ich gemeint. Damit ist jeder Katholik hier gemeint. Damit sind alle gemeint, die in diesem Land mit seinen Verführungen und Versuchungen leben und darin um ihren Glauben ringen. Damit sind alle gemeint, die den Wunsch Roms (ohne dass es laut Schreiberin nicht geht!) nach Evangelisierung ernst nehmen und versuchen, auf die Menschen zu zugehen. Die unter Seelsorge und Mission mehr verstehen, als dem geknickten Halm klar zu machen, er sei eine ungläubige Flasche, die gerade im Zeitgeist versinkt.

Zum Schluss versuche ich es jetzt selbst einmal „weiblich“, wie die Autorin es offenbar versteht, und schreibe einfach meine intuitiven Gefühle dazu auf.
Auch wenn er sicher nicht so gemeint ist: der „dream“ ist für mich eine Unverschämtheit, die ihresgleichen sucht. (Entschuldigung für die harten Worte.) Diese Art der vorgegebenen Schlichtheit und Rechtgläubigkeit, hinter der sich ein gewaltiges Recht-Haben zu verbergen sucht, empfinde ich wie eine Klammer, die sich um das Herz legt. Wie eine Wand, die ich angeblich überwinden muss, um glauben zu können. Rechtgläubigkeit erscheint mir hier so moralinsauer, dass sie beinahe ungenießbar wird. Und sie erhebt einen Anspruch, der ihr nicht zusteht: Christus rettet, nicht dir Richtigkeit. Für mich kommt erst die Freundschaft mit Gott, dann deren Ausgestaltung. Theologie in allen Ehren, so sehr sie mich interessiert und so wichtig sie ist.

Freitag, März 06, 2015

Auge um Auge…

[Von Bastian] „Auge um Auge, Zahn um Zahn…“ 3.Mose 24,19-20 wird in Diskussionen immer wieder als Beweis für die Brutalität des Alten Testaments herangezogen. Zu Unrecht, wie ich meine.
Klar kann man sich hinstellen und aus heutiger Sich vertreten, es wäre menschlicher, hieße es „Hilfe um Auge, Therapie um Zahn…“
Doch was war der Spruch vor Tausenden von Jahren? Ich denke, er war eine Revolution: der Rache waren Grenzen gesetzt, die Rechtsprechung war der Willkür entzogen, die Höhe der Strafe stand fest. Und jeder konnte es nachvollziehen. Plötzlich hatte der Beschuldigte in seiner Schuld Rechte. Der Ankläger war gezwungen, mit dem Angeklagten auf einer Stufe zu stehen. Ihm wie dem Angeklagten widerfuhr Gerechtigkeit.

Eine Sichtweise, die völlig neu gewesen sein dürfte. Und die ausbaufähig war: im Laufe der Zeit wurde Israel so bereitet, dass einige aus dem Volk dem folgen konnten, der diese Sichtweise auf die Spitze trieb: wenn mein Gegner vor Gott dieselben Rechte hat wie ich, hat er dieselbe Würde wie ich. Er ist mein Nächster und ich muss ihn lieben. Wenn ich Sünder bin, brauche ich Gnade. Und wenn nach dem Prinzip der Gerechtigkeit mir und meinem Feind dasselbe widerfahren soll, muss ich für ihn um Gnade bitten, denn es ist zugleich Gnade für mich.

Vom vielleicht umstrittensten Punkt des Alten Testaments zur Feindesliebe ist für mich eine Entwicklung erkennbar, die Augen und Zähne in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt.

Donnerstag, März 05, 2015

Nur mal so daher gesagt...

Die Wahrheit von ihrer Zeit abhängig zu machen ist genauso sinnvoll, wie das Datum per Dogma festzuschreiben.

Dienstag, März 03, 2015

Gedanken zur Abtreibung

[Von Bastian]
Auf facebook gab es eine Diskussion zum Thema Abtreibung, die leider nicht weiter geführt werden kann, weil ein Gesprächspartner ausgestiegen ist. Mein Beitrag war:
Ich bin Abtreibungsgegner. Ich finde jedoch, dass man über das Thema durchaus diskutieren kann. Nicht, weil ich denke, dass es letztlich eine ergebnisoffene Entscheidung sein sollte, sondern weil es notwendig ist.
Es mag sein, dass man zu dem Schluss kommt, dass es für eine Frau die bessere Lösung ist, abzutreiben (wenn ich mir auch nicht vorstellen kann, wie). Doch selbst wenn man zu diesem Schluss kommt, muss auch die zweite direkt beteiligte Person gefragt werden: das Kind. Es bleibt daher die Frage: ist das ein Mensch mit Rechten? Ich denke: ja auf jeden Fall.
Unser Rechtssystem gibt es nicht her, dass für einen Dritten beschlossen wird, dass der Tod für ihn/sie das Beste wäre. Unser Rechtssystem gibt es auch nicht her, dass ein Mensch sterben muss, weil er sonst für die Gesellschaft eine potentielle Gefahr werden könnte. Es ist überhaupt nicht möglich, dass jemand über Tod und Leben eines Dritten entscheidet. Wenn überhaupt, kann das nur der/die Betroffene selbst.
Hier verschwimmt regelmäßig die Argumentation der Befürwortung: entweder wird dem Kind sein unveräußerliches Recht auf Leben abgesprochen, oder es wird eine Entscheidung an seiner Stelle getroffen, die niemand fällen darf.
Das Problem ist natürlich, dass dieser Mensch in einem Maße das Sein eines anderen Menschen beeinflusst, wie es drastischer kaum möglich ist: die Mutter ist quasi gezwungen, diesem Kind ihren eigenen Körper zur Verfügung zu stellen, mit tausendfachen gesundheitlichen, seelischen und gesellschaftlichen Folgen. Kann man das verlangen, wenn die Frau das Kind nicht will?
Hier stoßen wir an eine Grenze, die heute einfach nicht zeitgemäß ist: die Selbstbestimmung der Frau wird drastisch eingeschränkt! So drastisch, dass es ihr ganzes Leben verändern wird. Das ist existenziell. Nur endet der eigene Handlungsspielraum, wenn die Existenz eines anderen gefährdet ist. Das Kind hat nicht gehandelt - es wurde gezeugt. Die Gesellschaft aber handelt, indem sie abtreibt. Damit hebelt sie ihre eigen Rechtsgrundlage aus.
Von dieser Rechtslogik abgesehen ist es, so denke ich, ein großes Problem unserer Gesellschaft, dass Kinder zum Nachteil werden können und Elternschaft nicht mehr die schönste Verwirklichung ist. Eine Gesellschaft, die ihren eigenen Nachwuchs nicht mit offenen Armen begrüßt, sondern Maßstäbe setzt, an denen Kinder zum Problem werden, ist, so denke ich, schwer krank. Die Lösung ist doch nicht, Kinder dann zu töten, sondern den Betroffenen so zu helfen, dass sie dieses Geschehen als das erleben, was es ist: die engste Zusammenarbeit mit dem Leben selbst, die möglich ist. In mir wächst ein neuer Mensch heran – kann es etwas Faszinierenderes geben?
Das sage ich als glücklicher und begeisterter Vater von 4 Kindern, mit Zustimmung meiner Frau natürlich.

Was ist das?

von Peter Esser

Mittwoch, Februar 25, 2015

Ornithologisches Tagebuch 2015 die 2.

[Von Bastian]
In den Rheinauen gibt es viel zu sehen. Besonders viel sieht mein Freund Siegbert (Siggi), der dort regelmäßig (um nicht zu sagen: ständig) mit der Kamera unterwegs ist.
Die Fotos unten (von ihm natürlich) haben ihre Geschichte: in einem Weidengebüsch am Ufer eines Wassers klettert ein junger Habicht herum. Habichte fressen Enten - er wäre für die Wasservögel also eine mögliche große Gefahr. Doch die Viecher kümmern sich nicht um ihn und schwimmen in bester Entfernung für einen Angriff (durch ihn) munter vor ihm hin und her. Mit Recht: der Junghabicht ist wohl nicht auf der Jagt, sondern er experimentiert mit immer dünneren Ästen. Am Ende ist der gewählte Ast zu dünn, und eher er sich mit den Flügeln abfangen kann, ist er baden gegangen. Mit einigem Geplansche erhebt er sich wieder und fliegt davon. Und die Enten? Denen ist auch das noch egal.

Aus der ganzen Fotostrecke hier ein Bild samt einer Ausschnittsvergrößerung. Interessant, dass hier neben einem Blässhuhn gleich vier Entenarten zu sehen sind: Stockente, Krickente, Löffelente und Schnatterente. Ich habe einige markiert. Zum Vergrößern bitte anklicken.

Foto: Siegbert Lafrenz

Foto: Siegbert Lafrenz

Zur Liste der bisher gesichteten Vögel kommen hinzu:
  • Haussperling
  • Wachholderdrossel
  • Gartenbaumläufer
  • Wintergoldhähnchen
  • Stieglitz
  • Krickente
  • Löffelente
  • Schnatterente
  • Graugans
  • Nilgans
Damit sind es in diesem Jahr bisher 46 beobachtete Arten.
Ein Dank an Siggi für die Überlassung des Fotos und an Gott für die Natur.

Montag, Februar 23, 2015

Was ein Schaf zum Hirten meint…

[Von Bastian] Wenn ein Bischof einen Hirtenbrief schreibt (LINK), möchte er, dass der von den Schäflein gelesen wird und zum Nachdenken anregt. Daher habe ich beides riskiert – es war interessant! Und um diesen Prozess des Nachdenkens und Lesens zu unterstützen, schreibe ich hier einmal meine eigenen Gedanken dazu auf.
Die sind sehr ambivalent: inhaltlich spricht mir das, was der Kardinal schreibt, aus der Seele. Die Vision, die er entwickelt, teile ich in vollem Umfang, soweit ich sie verstehe. Der Brief als Text ist steigerungsfähig.

Der erste Eindruck hat keine zweite Chance, heißt es. Dieser Brief aber braucht eine zweite. Denn der erste Eindruck ist: an alles wurde gedacht, alles wurde korrekt ausgedrückt, kaum ein wichtiges Schlagwort fehlt und keiner weiß, worum es geht. Offensichtlich geht es um alles auf einmal, und das in Sätzen, die man erst beim dritten Lesen wirklich versteht, denn wenn das Verb auftaucht, weiß man vor lauter Aufzählungen nicht mehr, worum es am Satzanfang ging.
Begriffe wie Megatrend, demographischer Wandel, Übergang, Globalisierung und Digitalisierung laden zum Kirchenbingo ein. Fast alles, was man ohnehin ständig liest und hört, ist drin. Und man fragt sich unwillkürlich: glaubt unser Bischof wirklich, dass er uns das alles noch einmal erzählen muss? Es wirkt mehr wie der (immer wieder peinliche) Versuch, up-to-date zu sein, ebenso wie der „Weg zu einer neuen und nachhaltigen Form des Kirche-Seins“. Die einzige Truppe auf der Welt, die es seit 2000 Jahren gibt, ist ein Beispiel für Nachhaltigkeit, nicht auf der Suche danach. Hier wird die eigene Identität in Frage gestellt, um einen modernen Ausdruck im Text unterzubringen.
Zudem ist der Adressat der einzelnen Aussagen unklar. Der Brief geht davon aus, dass die angesprochenen Leute gleichzeitig
  • nicht zur Messe gehen,
  • zur Messe gehen,
  • vom Glauben keine oder wenig Ahnung haben,
  • schon einiges wissen, aber Jesus noch nicht persönlich begegnet sind,
  • ihm schon begegnet sind und derzeit versuchen, im Glauben kuschelig und gemütlich für sich zu leben,
  • bereits in den Startlöchern stehen, um nach einer kleinen Ermutigung durch ihren Hirten großzügig und organisatorisch ausgereift mit vollen Händen von ihrem großen Reichtum auszuteilen.

Alle Gruppen gibt es, doch wenn man zu allen auf einmal redet und dabei innerhalb eines Absatzes mehrfach den Adressaten wechselt, wird es schwierig, zu folgen.

Ich finde es schwer, sich durch diese Probleme hindurchzuwühlen, um zu verstehen, was denn zu wem gemeint ist. Wenn man sich aber durchgebissen und die Zähigkeit des Lesens überwunden hat, wird es interessant: der zweite Eindruck. Die Zukunft der Kirche in unserem Bistum. Da bin ich von vielem begeistert!
Besonders freut mich die Logik der Vision, die hier entwickelt wird: nicht Organisation ist die Grundlage des kirchlichen Lebens, sondern der persönliche geistliche Prozess.
„Gemeindliche und kirchliche Erneuerung ist […] kein administrativer Vorgang, sondern ein geistlicher Weg, der in der Begegnung mit dem Herrn in Gebet, Heiliger Schrift und der Feier der Hl. Eucharistie gründet. Denn nur wer Christus persönlich begegnet ist, kann ihm auch ein Gesicht, nein, sein Gesicht geben. Nur wer Christus persönlich begegnet ist, kann ihn auch anderen mitteilen. Denn – und davon bin ich gemeinsam mit dem Heiligen Vater überzeugt – braucht er nicht viel Vorbereitungszeit, um sich aufzumachen und sie zu verkündigen.“
Diesen Abschnitt halte ich für das Herz des ganzen Briefes. Er sagt, worum es geht. Alles Weitere ist der Versuch, Wege aufzuzeigen, wie das umsetzbar ist.
Dabei ist es nur natürlich, dass diese Wege derzeit noch hypothetisch sind. Vor allem im organisatorischen Bereich wird nur angedeutet, in welche Richtung es gehen wird. Die bekannten Pfarrstrukturen stehen auf dem Prüfstand, was in der Presse sofort breit getreten wird. Als Alternative wird jedoch keine ausgefeilte neue Struktur präsentiert, die sich organisieren lässt, sondern ein geistlicher Weg wird aufgezeigt, dessen Früchte zum Fundament der Kirche vor Ort werden. Dies ist für mich die revolutionärste Aussage des Hirtenbriefs: nicht länger soll die Struktur den Glauben hervorbringen, sondern der Glaube soll die Organisation und Struktur gebären. Ein Netzwerk aus vom Glauben hervorgebrachten und getragenen Dingen ist die Vision der Kirchenstruktur von Morgen – eine wunderschöne Vision (die natürlich nicht in der Zeitung steht)!
Ich wünsche dem Kardinal und seinen Mitarbeitern hier ganz viel Mut zur Vorläufigkeit und langen Atem, damit diese Früchte reifen können und der Versuchung widerstanden werden kann, sie zu früh zu pflücken und unreif in ein neues Organisationskorsett zu zwängen. Sie würden verdorren und wir hätten den jetzigen Zustand, nur anders organisiert.

Ermutigend ist, dass der Brief im Gegensatz zu den Andeutungen über organisatorische Änderungen sehr konkrete Aussagen dazu macht, was man tun kann, um den nötigen geistlichen Prozess in Gang zu bringen. Das ist inhaltlich ein schwieriges Thema, wenn man nicht der Versuchung erliegen will, das zu organisieren und so wieder in den alten Fehler zurück zu fallen. Hier schafft es der Brief, Rahmenbedingungen und Ideen aufzuzeigen, die zugleich konkret und frei sind. Schriftlesung, Gemeinschaft im Glauben, persönliche Gottesbeziehung. Als Vorschlag liegt dem Brief ein Blatt bei, das zum Bibelteilen anregt. Gleich vier Möglichkeiten werden dort angerissen: in der gemeinsamen Schriftlesung kann man durchaus unterschiedliche Charismen entdecken und entwickeln.
Dabei ist es dem Erzbischof wichtig, dass wir ins Ganze eingebunden sind: nicht Grüppchen, die sich um sich selbst drehen, sind das Ziel, sondern die Gemeinschaft der Kirche. Bei der Ausformulierung dieses Punktes verschwimmt jedoch der Inhalt: Solche Oasen seinen „keine kuscheligen Kleingruppen, sondern Glaubensgemeinschaften, in denen Trost und Herausforderung gleichermaßen gelebt und geteilt werden“. Ich denke: eines nach dem anderen. Auch hier wirkt doch Gott: wer sich auf ihn einlässt wird offen, denn die Liebe Gottes drängt dazu. Auch dies ist ein geistlicher Prozess, der seine Früchte bringen wird. Zudem gibt es wenig, was so sehr gebraucht wird, wie kleine Glaubensgruppen, die ruhig „kuschelig“ sein dürfen. Vor allem Jugendlichen, für die es meist gar nichts Geistliches gibt, ist das ein großes Bedürfnis. Was ich verstehe, ist: verharrt nicht im Erreichten. Dem stimme ich natürlich zu.

Der Inhalt dieses Hirtenbriefs ist ermutigend, denn er spricht in erster Linie von Gott und mir. Gott ist es, den wir kennen müssen. Gott ist es, der wirken wird. Mein Weg zu Gott ist mein Weg in die Kirche. Alles andere wird angepackt, ist aber letztlich zweitrangig.
Aus diesem Brief spricht der Mut, sich auf Gott zu verlassen und nicht auf sich selbst. Er macht daher vor, was er fordert: er nimmt einen geistlichen Weg in Angriff. Für diesen Anfang bin ich dankbar!

Mein Fazit:
Formell: Herr Erzbischof, besorgen Sie sich einen anderen Ghostwriter!
Inhaltlich: Vielen Dank, Herr Kardinal!
Der Brief lässt sich für mich in vier Aufforderungen zusammenfassen:
  1. Glaubt. Vertieft den Glauben. Lest in der Schrift. Lernt Jesus kennen. Lasst ihn an Euch handeln. Geistliche Entwicklung ist die Voraussetzung für alles.
  2. Tut Euch zusammen. Wartet nicht, bis jemand anderes das für Euch organisiert. Seid in Euren Gruppen offen für andere.
  3. Entdeckt Euer Charisma. Handelt aus dem Glauben. Macht Jesus bekannt. Missioniert, wo Ihr könnt, und unterstützt Euch gegenseitig.
  4. Die Struktur der Kirche in Euren Gemeinden wird sich ändern. Lasst Euch davon nicht stören, das schaffen wir schon. Und außerdem: Gott wird helfen.
Dem stimme ich zu 100% zu!

Sonntag, Februar 15, 2015

Tot oder ganz besonders lebendig?

[Von Bastian]
Es ist erschreckend, wie ich meine. Da findet man eine 130 Jahre alte Mumie eines buddhistischen Mönchs im Lotussitz und untersucht ernsthaft, ob der noch lebt (LINK). Denn er könnte auch, anstatt tot zu sein, sich in Wirklichkeit auf der höchsten Stufe der Spiritualität befinden.
Von diesem Gedanken geht für viele eine merkwürdige Faszination aus, und das ist es, was ich erschreckend finde. Ein Blick auf das Bild reicht, oder besser: sollte reichen, um klar zu machen, dass dieser Zustand nicht erstrebenswert ist.
Wieso? mag mancher fragen. Ist das denn nicht viel besser, als der Zustand vieler Heiliger, die enthauptet, gesteinigt oder durch sonst eine Abscheulichkeit ermordet wurden? Liegt in der freiwilligen Abkehr vom irdischen Leben nicht viel mehr Würde und Demut, als in der erzwungenen? Ist dieser Mönch nicht so sehr bei sich selbst, dass sogar sein Körper unwesentlich wird, weil er im Bewusstsein längst eins ist mit allem anderen? Ist diese Haltung nicht geradezu christlich?

An dieser Stelle wird für mich der erschütternde Unterschied zwischen unserem Glauben und dem dieser Meditationsmönche deutlich: das Christentum ist kein Bewusstseinszustand, den man erreichen kann, indem man sich mehr und mehr hinein versenkt, sondern bodenständige Realität, die man erkennen kann, wenn man bereit ist, dem zu glauben, der sie beherrscht. Christen meditieren nicht die Heiterkeit, um aus ihr heraus alles leicht und schön zu erleben, sondern sie erkennen, dass alles gut wird, und sind deshalb heiter. Das Paradies der Christen hat seine Substanz außerhalb des eigenen Bewusstseins, deshalb wird es real sein, dort zu leben. Deshalb freuen wir uns, weil der Wein dort schmeckt, und kasteien uns nicht zu Mumien, denen der Geschmack unwichtig wird. Der christliche Märtyrer genießt nicht den Bewusstseinszustand, den er gerade erreichen kann, sondern freut sich auf das, was er geschenkt bekommen wird. Er stirbt nicht, weil ihm das Leben hier auf der Erde gleichgültig geworden ist, sondern weil er etwas hat, das noch besser ist.
Niemals hat Christus gepredigt, alles zu wegzugeben, weil es gut sei, nichts zu haben, oder zu sterben, weil das besser sei, als zu leben. Im Gegenteil: der Verkauf des Besitzes dient dazu, den Acker mit dem Schatz zu erwerben, und der Tod dazu, ins ewige Leben einzugehen. Nicht das Weniger lockt Jesu Jünger, sondern das Mehr.

Der Mönch ist das genaue Gegenteil eines Christen: er erreicht im Tod den lang ersehnten Stillstand und ist dem Leben entflohen, hin in die eigene Erkenntnis. Der Christ hingegen erwartet nach dem Tod das ultimative Leben, voll Realität und Dynamit, das er sich nicht selbst geben kann und das sein Bewusstsein und Erkennen übersteigt und gerade deshalb auf ewig spannend und interessant ist. Der Mönch versucht, sich zu freuen, und aus dieser Freude heraus zu sein. Der Christ erwartet eine Umgebung, die so schön ist, dass er gar nicht anders kann, als sich zu freuen. Der Mönch versucht, mit allem eins zu sein. Der Christ genießt es, vom Rest getrennt zu sein, damit er ihn lieben kann. Der Mönch findet sich selbst, um sich los lassen zu können – der Christ findet Gott und wird von ihm auf ewig festgehalten. Der Mönch macht sich vom Irdischen frei – der Christ erwartet das Irdische, verwandelt in eine Welt, die glücklich macht. Nicht umsonst vergleicht Christus das Himmelreich mit Festen, Tafelrunden, einer schönen Stadt und gutem Essen: die Freude dort hat Substanz, hat einen Grund. Wir werden sie genießen können, nicht hervorbringen müssen, wie der Mönch, der keinen Gott hat, der sie ihm schenkt.

Die merkwürdige Faszination, die von einer Mumie ausgeht, die vielleicht noch lebt, zeigt eine Gesellschaft, die sich selbst entfliehen will. Die davon ausgeht, dass Genuss Lebensqualität ist und der Wert des Lebens folglich der Genussfähigkeit entspricht. Und die im Herzen weiß, dass das so falsch ist, dass sogar eine mumifizierte Einsamkeit besser sein könnte, solange nur das eigene, grausame Sein in seiner Perspektivlosigkeit überwunden wird.

Dienstag, Februar 10, 2015

Früher...

Von Peter Esser

Von Stühlen und ihren Kreisen 8

Tridentinischer Stuhlkreis

Von Peter Esser

Ornithologisches Tagebuch 2015

[Von Bastian]
Heute Morgen: ein kurzer Spaziergang im Altrheingebiet. Der Frühling kommt mit Macht!
Gesehen und gehört:

  • Blaumeise
  • Kohlmeise
  • Grünling
  • Buchfink
  • Erlenzeisig
  • Dompfaff
  • Amsel
  • Misteldrossel
  • Rotkehlchen
  • Zaunkönig
  • Heckenbraunelle
  • Star
  • Kleiber
  • Schwanzmeise
  • Rabenkrähe
  • Stockente
  • Höckerschwan
  • Kanadagans
  • Türkentaube
  • Mäusebussard
  • Buntspecht
  • Grünspecht


Dieses Jahr schon gesehen oder gehört, aber nicht heute:
  • Blässhuhn
  • Teichhuhn
  • Eisvogel
  • Sperber
  • Habicht
  • Waldkauz
  • Turmfalke
  • Halsbandsittich
  • Haubenmeise
  • Sumpfmeise (oder Weidenmeise?)
  • Graureiher
  • Silberreiher
  • Kormoran
  • Möwe
Mehr fallen mir im Moment nicht ein...


Sonntag, Februar 08, 2015

Entwürdigend

[Von Bastian]
Der Papst soll nicht so einen Unsinn reden, heißt es. Schlagen sei immer entwürdigend, heißt es. In unserer Gesellschaft sei das verpönt, und das mir Grund und Recht! Schlimm sei es, wenn eine derart einflussreiche Persönlichkeit solch rückständige Dinge propagiere - da helfe auch keine Herkunft aus Lateinamerika. Nun gut. Kinder zu entwürdigen, ist bei uns ein No-Go! Eine gute Grundeinstellung.
Leider greift sie zu kurz, denn: was entwürdigt Kinder überhaupt, vom Zankapfel des „Schlagens in Würde“ einmal abgesehen? Wie wäre es mit den folgenden Punkten?

  • Es ist entwürdigend, wenn die Existenz von Kindern staatlich gefördert wird, weil man Angst um die Renten hat. Kinder sind kein Mittel zum Zweck.
  • Es ist entwürdigend, wenn die Existenz von Kindern von der Lebenssituation Dritter abhängig gemacht wird, indem man Abtreibung und künstliche Befruchtung erlaubt und praktiziert. Kein Erwachsener würde derart über sich verfügen lassen.
  • Es ist entwürdigend, wenn Kinder von ihrem Ursprung (leibliche Eltern) getrennt werden, um anderen Menschen ein vermeintliches „Recht auf Kinder“ zu ermöglichen. Die Entwicklung von der Adoption, um zu helfen, hin zur Adoption extra produzierter Kinder, um den eigenen unmöglichen Kinderwunsch zu erfüllen, ist eine Perversion. Dahinter steckt dieselbe Denkweise wie hinter Sklaverei: ich befriedige meine Rechte mit anderen Menschen, die sich nicht wehren können.
  • Es ist entwürdigend, Kindern eine Welt vorzubereiten, in der sie entweder leisten oder untergehen. Das ist unmenschlich.
  • Es ist entwürdigend, wenn die Gesellschaft es im Namen falsch verstandener Toleranz zulässt, dass sexuell gestörte Menschen ihre Störungen für Schulkinder zu Norm und Lernziel erheben. Das ist Missbrauch.
  • Es ist entwürdigend, wenn man Kindern ihre Bezugspersonen nimmt und durch Profis ersetzt, weil Mama und Papa arbeiten müssen. Der Ersatz von Liebe durch erzieherisches Fachwissen (das zumindest bisweilen gegeben ist) zeigt ein pervertiertes Menschenbild.
  • Es ist entwürdigend, Kinder einer Schulbelastung auszusetzen, die ihnen die Zeit zum Kind-sein nimmt. Dahinter steht die Idee, Kindheit sei unwichtig verglichen mit Leistung.
  • Es ist entwürdigend, keine Zeit für Kinder zu haben. Das ist die Aussage: „Ich liebe dich nicht!“, denn man hat Zeit für das, was man liebt.

Was ein Glück, dass der Papst sich einen Punkt herausgegriffen hat, bei dem wir unsere Hände in Unschuld waschen können. Oder vielleicht doch nicht? Ist es etwa auch entwürdigend, eine Gesellschaft aufzubauen, in deren Anonymität tausendfache Gewalt gegen Kinder unentdeckt bleibt, gleich wie laut sich alle gegen das Schlagen verwahren?

Freitag, Februar 06, 2015

Buddhallahchwe

[Von Bastian]
Ein Bischof schlägt vor, dass alle Gott Allah nennen – dadurch gäbe es weniger Spannungen. Ich finde, das ist zu kurz gedacht. Warum nur Christen und Moslems? Warum nicht so, dass sich alle großen Religionen darin wiederfinden? Wenn Gott es egal ist, wie wir Ihn nennen, ist es Ihm/Ihr sicher auch egal, wie wir an Ihn/Sie glauben. Die eine große Religion wartet auf uns!
Der passende Name wäre doch Buddhallahchwe (früher auch Buddhallahova genannt). Mit ihm kann sich jeder anfreunden, zu ihm kann jeder beten, im nächsten Kirmoschempel. Und dann kommen wir alle ins Nirvimmeldies.
Wie schön!

Mittwoch, Januar 28, 2015

Traurig, aber gut!

[Von Bastian]
Wer hätte das gedacht: für Kinder kann Information über den biologischen Vater für die Entfaltung der Persönlichkeit von elementarer Bedeutung sein! Stellt das BGH unter dem Aktenzeichen XII ZR 201/13 fest (LINK).
Es bleibt das verwunderte Augenreiben, dass es zu dieser banalen Erkenntnis eines hohen Gerichtsurteils bedarf, aber immerhin.

Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, wann dieses Urteil Folgen hat. Denn wenn die Kenntnis des eigenen biologischen Vaters wichtig ist, muss diskutiert werden, was das bedeutet. Wissen um den Namen? Kennen der Person? Kontakt zu dieser Person? Bei Bedarf sogar regelmäßiger Kontakt zu diesem Mann? Oder, man wagt es kaum auszusprechen, könnte es sogar wichtig sein, in seiner Gegenwart aufzuwachsen, wenn irgend möglich?
Für Männer bedeutet das: hat sich der großzügig gespendete und mit Verschwiegenheitsgelübden geschützte Samen plötzlich in irgendetwas verwandelt, dessen Rechte ein Eigenleben zu führen beginnen und mich tangieren können? Gibt es etwa Verpflichtungen, wenn man doch nichts weiter tat, als bloß einen Menschen zu zeugen?
Für alle gleich- oder getrenntgeschlechtlichen Pflege- oder Stiefeltern (um diese ungehobelt altmodischen, aber irgendwie treffenden Begriffe zu verwenden) heißt es: hat „unser“ Kind wirklich Anspruch auf etwas, was wir ihm nicht geben können? Muss „unser“ Kind, im Gegensatz zu anderen Kindern, etwa seine Identität außerhalb unserer Familie suchen? Ist unsere Elternschaft eventuell unvollkommen?

Das Urteil birgt Sprengstoff. Denn so merkwürdig die oben gestellten Fragen auch klingen, wenn man sie tatsächlich einmal aufschreibt – genau die ergeben sich daraus. In vielen guten Familien mit adoptierten Kindern werden sie offen gestellt und versöhnt beantwortet. In vielen Fällen der neuen Regenbogenfamilen hingegen werden sie erst gar nicht gestellt. Sie werden vermieden, geächtet oder gar unterdrückt, weil sie zu stellen hieße, sie als möglicherweise sinnig zu akzeptieren. Da sei Werauchimmer vor! Die Technik ist doch, das Bewusstsein so weit zu nivellieren, dass man da gar keine Unterschiede mehr festmachen und daher auch keine Fragen stellen kann. Und jetzt das!

Dieses Urteil ist seit langem das erste in der Reproduktionsmedizin, das die Rechte des gezeugten Kindes über die Rechte am gezeugten Kind stellt. Dass es überhaupt gefällt werden muss, ist ein Ausdruck der Armut und der Dekadenz unserer Gesellschaft, aber es schaut in die richtige Richtung. Es ist ein gutes Urteil.